{"id":13395,"date":"2012-05-30T17:51:40","date_gmt":"2012-05-30T15:51:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13395"},"modified":"2015-03-05T14:11:27","modified_gmt":"2015-03-05T13:11:27","slug":"meinungsmache-bestimmt-auch-uber-image-von-personen-und-karrieren-bei-bartsch-sehr-ahnlich-wie-bei-steinbruck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13395","title":{"rendered":"Meinungsmache bestimmt auch \u00fcber Image von Personen und Karrieren \u2013 bei Bartsch sehr \u00e4hnlich wie bei Steinbr\u00fcck"},"content":{"rendered":"<p>Weil beim Parteitag der Linkspartei am 2. und 3. Juni nicht nur &uuml;ber die F&uuml;hrung dieser Partei entschieden wird, sondern auch zugleich dar&uuml;ber, ob es auf absehbare Zeit noch eine Alternative zur neoliberal gepr&auml;gten Politik von Angela Merkel und der angepassten F&uuml;hrungen von SPD und Gr&uuml;nen geben wird, komme ich noch einmal auf die Personalentscheidungen der Linkspartei zur&uuml;ck. Das ist auch deshalb notwendig, weil ich auf meine Beitr&auml;ge zum Thema vom 22. Mai (<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13317\">&bdquo;Ein Rat an Lafontaine: Nicht antreten.&ldquo;<\/a>) und vom 23. Mai (<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13322\">&bdquo;Ein historisch bedeutsamer Tag&ldquo;<\/a>) neben Zustimmung auch Fragen und Kritik erhalten habe. Diese bezogen sich vor allem auf meine Einsch&auml;tzung des Vorsitzenden-Kandidaten Dietmar Bartsch und meine Vermutung, dass es mit Lafontaine an der Spitze 2013 noch einmal wenigstens die Chance gegeben h&auml;tte, die F&uuml;nf-Prozent-H&uuml;rde zu &uuml;berwinden und damit als profiliertes und inhaltlich gepr&auml;gtes Korrektiv im Bundestag und als Treibsatz f&uuml;r eine politische Alternative erhalten zu bleiben. Von <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong><br>\n<!--more--><br>\nEs ist erstaunlich, dass auch politisch interessierte und normalerweise gut informierte Menschen die Person Dietmar Bartsch nicht einordnen k&ouml;nnen, wenig von ihm wissen und Wichtiges vergessen haben. Dazu will ich wenigstens ein bisschen nachliefern. Au&szlig;erdem zeichnen sich inzwischen ein paar interessante Linien einer Strategie ab, die darauf zielt, auch Sahra Wagenknecht aufs Abstellgleis zu bugsieren. Und es ist interessant, wie in diesem Zusammenhang auch von Autoren, die sich als fortschrittlich begreifen, Stimmung gemacht wird. <\/p><p><strong>Wer die Rolle von Agitation und Lobby nicht sieht, begreift das Geschehen nicht &ndash; nicht den Aufstieg von Steinbr&uuml;ck und nicht den von Dietmar Bartsch<\/strong><\/p><p>Bei meinen Untersuchungen zur Bedeutung von Meinungsmache f&uuml;r politische Entscheidungen ergab sich, dass Meinungsmache nicht nur politische Sachentscheidungen pr&auml;gt; auch die Vorbereitung auf Kriege und die Geschichtsschreibung, die Vorliebe und Ablehnung von politischen Koalitionen und Optionen wie auch die Entscheidung &uuml;ber Personen werden in erstaunlichem Ma&szlig;e von bewusst und geplant eingesetzter Meinungsmache und Manipulation beeinflusst. (Siehe II des <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?page_id=4080\">Inhaltsverzeichnisses<\/a> von &bdquo;Meinungsmache&ldquo;) Letzteres trifft, wie wir bei der Bundespr&auml;sidentenwahl sehen konnten, selbst bei der Auswahl des Bundespr&auml;sidenten zu. Joachim Gauck ist in weitem Ma&szlig;e ein Medienprodukt des Springer-Konzerns.<br>\nEs trifft auch f&uuml;r potentielle Kanzlerkandidaten und Parteivorsitzenden zu. Peer Steinbr&uuml;ck hat kein Amt, das ihn dazu auszeichnet, in das Triumvirat zusammen mit dem Fraktionsvorsitzenden der SPD und dem Parteivorsitzenden der SPD aufgenommen worden zu sein. Er hat auch keine sachlich &uuml;berzeugende Bilanz als Finanzpolitiker, im Gegenteil. Er war wesentlich an der Deregulierung der Finanzm&auml;rkte beteiligt; er hat in der makro&ouml;konomischen und Konjunkturpolitik bis zum Schluss die notwendige Einsicht verweigert. Er ist ein erfolgloser Wahlk&auml;mpfer. Er wurde als Ministerpr&auml;sident in Nordrhein-Westfalen abgew&auml;hlt. Und dennoch ist er auf der Basis einer mit hoher Wahrscheinlichkeit von der Finanzwirtschaft mit gesteuerten Kampagne der Meinungsmache in das aktuell m&auml;chtigste Dreiergremium der SPD aufgenommen worden und damit ein potentieller Kanzlerkandidat der SPD.<\/p><p><strong>Auch gut ausgebildete und sich gut informiert f&uuml;hlende B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger kennen die &bdquo;Leistungsbilanz&ldquo; dieses potenziellen Kanzlerkandidaten der SPD nicht. Das findet seine erstaunliche Parallele in der Einsch&auml;tzung von Dietmar Bartsch:<\/strong><\/p><ul>\n<li>Bartsch gilt in manchen Kreisen als guter Organisator und erfolgreicher Wahlk&auml;mpfer. Und wie bei Steinbr&uuml;ck, wird Unliebsames beiseite geschoben. Zum Beispiel die Tatsache, dass er 2002 f&uuml;r die PDS Wahlkampfleiter war und es ihm nicht gelungen ist oder kein Anliegen war, entweder eine attraktive Spitzenkandidatur oder wenigstens eine dem vielf&auml;ltigen W&auml;hlerpotenzial entsprechende Gruppe zusammenzustellen. Das folgende Plakat ist das Plakat der Spitzenkandidaten von 2002:\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/120530-Meinungsmache-bestimmt-auch-ueber-Karrieren.jpg\" alt=\"Wahlplakat PDS 2002\" title=\"Wahlplakat PDS 2002\"><\/p>\n<p>Auf dem Plakat sind Gabi Zimmer, Petra Pau, Dietmar Bartsch und Roland Clauss abgedruckt.<br>\nWenn man sich schon nicht auf einen oder zwei Spitzenkandidaten verst&auml;ndigen kann, dann sollte man sich ja wohl darauf verst&auml;ndigt haben, auch noch einen Westdeutschen hinzuzuf&uuml;gen. Schlie&szlig;lich trat die PDS auch im Westen an. Das Ergebnis war entsprechend: 4,2 %.<\/p>\n<p>In der breiten &Ouml;ffentlichkeit ist dieser Misserfolg heute genauso wenig ein Thema wie die Wahlschlappe von Peer Steinbr&uuml;ck.<\/p><\/li>\n<li>Auch die Intrigen des potentiellen k&uuml;nftigen Vorsitzenden der Linkspartei sind aus dem Blickfeld geraten. Auch gut unterrichtete Mitb&uuml;rgerinnen und Mitb&uuml;rger erinnern sich nicht mehr an den Grund daf&uuml;r, dass Oskar Lafontaine auf die Abl&ouml;sung des Bundesgesch&auml;ftsf&uuml;hrers Bartsch gedrungen hatte. Der Bundesgesch&auml;ftsf&uuml;hrer Bartsch war dem damaligen Parteivorsitzenden Lafontaine in den R&uuml;cken gefallen, als er &ouml;ffentlich und wahrheitswidrig einen Zusammenhang zwischen dem Verzicht Lafontaines auf den Fraktionsvorsitz und seiner Krebserkrankung ausschloss. Ein auch pers&ouml;nlich widerlicher Vorsto&szlig;.<\/li>\n<li>Die gesammelten Intrigen des potentiellen neuen Vorsitzenden der Linkspartei, sein Zusammenspiel zulasten von Parteifreunden mit Medien wie dem Spiegel werden heute wie auch im Falle Steinbr&uuml;cks vornehm verschwiegen. Peter Rath-Sangkhakorn hat einiges dazu zusammengetragen und hier bei <a href=\"http:\/\/www.sopos.org\/aufsaetze\/4bdfd5734db0a\/1.phtml\">&bdquo;Ossietzky&ldquo;<\/a> ver&ouml;ffentlicht. Interessant in diesem Kontext ist auch das <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/120530_110626_Stern.pdf\">Stern-Gespr&auml;ch [PDF &ndash; 600 KB]<\/a> mit Sigmar Gabriel und Dietmar Bartsch vom Mai 2011.<\/li>\n<li>Dietmar Bartsch hat sich wie andere aus seiner Gruppe, zum Beispiel wie Bodo Ramelow, ohne Z&ouml;gern als Stichwortgeber zulasten anderer Parteifreunde bet&auml;tigt. Er hat die Aufteilung in die guten &bdquo;Reformer&ldquo; im Osten und die Fundamentalisten im Westen genussvoll mitgemacht. Es ist so unterschwellig gelungen, den Wessis in der Linkspartei das Image von Staatssozialismus und SED anzuh&auml;ngen. Wirklich ein Meisterst&uuml;ck der Manipulation und des Zusammenspiels von Teilen der Linkspartei mit Teilen der Medien, in herausgehobener Rolle von Spiegel und Spiegel online, die auch im aktuellen Spiel eine Hauptrolle &uuml;bernommen haben.<\/li>\n<\/ul><p><strong>Zu ein paar strategischen Linien im Vorfeld des Parteitages am kommenden Wochenende:<\/strong><\/p><ul>\n<li>Bodo Ramelow, der Fraktionsvorsitzende der Partei Die Linke in Th&uuml;ringen hat <a href=\"http:\/\/www.bodo-ramelow.de\/nc\/politik\/aktuell\/post\/2012\/05\/28\/platz-fuer-alle\/\">vor zwei Tagen<\/a> etwas Richtiges gesagt: &bdquo;Eine wirksame Linke kann nur eine Plurale sein! Da ist gen&uuml;gend Platz f&uuml;r Sahra und Dietmar und f&uuml;r Oskar und Gregor.&ldquo; Pluralit&auml;t ist in der Tat ein Erfolgsrezept, um das auch Frau Merkel im Blick auf die CDU wei&szlig; und das Willy Brandt bei seinen Auftritten f&uuml;r die SPD vorz&uuml;glich beherrschte. Der Wahlerfolg Schr&ouml;ders im M&auml;rz 1998 gr&uuml;ndete auch auf dem pluralen Auftritt von Schr&ouml;der und Lafontaine. Aber wie ernst meint Bodo Ramelow diese vern&uuml;nftige Einlassung? Er hat im gleichen Atemzug den Vorsitzenden der Linken und Repr&auml;sentanten der dort organisierten Gewerkschafter hart angegriffen; dieser habe sich wie ein pers&ouml;nlicher Referent oder Pressereferent Lafontaines benommen. &ndash; So klingt die Forderung nach Pluralit&auml;t leider wie Taktik im Vorfeld der Vorstandswahlen und der Vorsitzenden-Wahl beim Parteitag der Linken in G&ouml;ttingen.<\/li>\n<li>Schon im Vorfeld der Entscheidung Lafontaines, nicht zum Vorsitz zu kandidieren, war dem Saarl&auml;nder in der Regel unterstellt worden, diese m&ouml;gliche Kandidatur sei die Folge seines Ehrgeizes und des innersten Wunsches, noch einmal die erste Geige zu spielen. Wer sich als Journalist auch nur ein bisschen M&uuml;he gemacht h&auml;tte, konnte wissen, was ich als aufmerksamer Schreiber auch wusste: Lafontaine tat sich ausgesprochen schwer. Er wollte eigentlich nicht noch einmal antreten, war aber um Sorge um das &bdquo;linke Projekt&ldquo;. (Siehe dazu den neuen <a href=\"http:\/\/www.stern.de\/politik\/deutschland\/oskar-lafontaine-im-stern-interview-zu-erschoepft-fuer-den-parteivorsitz-1833825.html\">Stern<\/a>) Unabh&auml;ngig von der Faktenlage wird die Melodie weitergespielt, weil das Bild vom ehrgeizigen Lafontaine offenbar weiter gebraucht wird.<\/li>\n<li>Zum Beispiel f&uuml;r die Abwehr der Wahl von Sahra Wagenknecht bzw. ihrer Kandidatur. Da wird in einem Beitrag von <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/bisky-kritisiert-streit-ueber-linken-chefposten-a-835446.html\">Spiegel online vom 26. Mai<\/a> Bodo Ramelow mit der Unterstellung zitiert, Sahra Wagenknecht wolle mit ihrer (m&ouml;glichen) Kandidatur die &bdquo;Rache ihres Lebensgef&auml;hrten&ldquo; vollenden. Eine solche Unterstellung ist nur m&ouml;glich, wenn man sie auf der Behauptung aufbauen kann, Lafontaine habe ehrgeizig nach dem Stuhl des Vorsitzenden greifen wollen. Letzteres ist aber falsch, wie die Unterstellung auch.<\/li>\n<li>Auch von Jakob Augstein wird eine m&ouml;gliche Kandidatur von Sahra Wagenknecht schon im Vorfeld des Parteitages abgewehrt. <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/augstein-kolumne-zur-linkspartei-das-trauma-der-linken-a-835552-druck.html\">Siehe hier.<\/a> Er bindet den angeblichen Ehrgeiz Lafontaines gleich mit Sahra Wagenknecht zusammen. Beide k&auml;mpften &bdquo;vergangene Schlachten&ldquo;. Er wirft Wagenknecht vor, sie verfolge die ostdeutschen Reformer ihrer Partei noch mehr als die Banken. Sich als links verstehende Zeitgenossen f&uuml;gen sich offensichtlich in die laufende Kampagne ein.<\/li>\n<\/ul><p><strong>Interessant: Wie sich als fortschrittlich geltende Beobachter in die laufende Kampagne pro Reformer einf&uuml;gen. Zwei Beispiele.<\/strong><\/p><p>Wir kennen das Ph&auml;nomen aus der &ouml;ffentlichen Debatte um die Privatvorsorge. Um zu erreichen, dass die gesetzliche Rente durch eine private Altersvorsorge ersetzt wird und gen&uuml;gend Anh&auml;nger im linken Bereich erreicht, wurde geschickt auf die dem sozialdemokratischen Lager zuzurechnenden Politiker und Wissenschaftler, auf Walter Riester und Bert R&uuml;rup zum Beispiel, zur&uuml;ckgegriffen. Ihr Votum f&uuml;r die Privatisierung der Altersvorsorge war besonders wirksam, mehr als das von Professor Raffelh&uuml;schen zum Beispiel oder des Lobbyisten Carsten Maschmeyer. Auch im Streit um die Linie der Linkspartei melden sich jetzt Stimmen zu Wort, die man eigentlich da nicht vermutet. Ich nenne zwei Beispiele und gehe kurz darauf ein:<br>\n(1) Robert Misik und (2) Jakob Augstein. Beide ergreifen auf der Basis erstaunlich schwacher Argumente das Wort.<\/p><ol>\n<li><strong>Robert Misik<\/strong><br>\nist ein &ouml;sterreichischer Journalist mit einem eigenen Blog. Ich sch&auml;tze ihn und schreibe zum ersten mal etwas Kritisches &uuml;ber einen seiner Beitr&auml;ge. Es geht um <a href=\"http:\/\/www.misik.at\/sonstige\/und-wiedereinmal-zerschlagt-der-kleine-oskar-sein-spielzeug.php\">diesen Beitrag<\/a>.<br>\nMisik bereitet in diesem Beitrag dazu alles auf, was so an Schlimmem &uuml;ber Oskar Lafontaine verbreitet werden kann. Insofern muss man ihm f&uuml;r die Sammlung dieses Sammelsurium dankbar sein. Man versteht den Autor allerdings nur, wenn man annimmt, dass er vom Objekt seiner Kommentierung, von Lafontaine, irgendwann tief verletzt worden ist.<br>\nInteressant ist auch, dass Misik selbstverst&auml;ndlich auch bei der aktuellen Entscheidung um den Vorsitz unterstellt, Lafontaine sei es vor allem um seine Karriere gegangen. Diese Einsch&auml;tzung zeigt, dass Misik entgegen meiner bisherigen Annahme doch ein schlechter Journalist und ein Zeitbeobachter mit L&uuml;cken so gro&szlig; wie Scheunentore sein muss.\n<p>Zum Beleg dieser Qualifizierung zitiere ich eine Passage von Misiks Beitrag. An ihr stimmt nahezu nichts. Ich habe im Text Buchstaben eingef&uuml;gt und erg&auml;nze unten einiges zu den Aussagen des Autors:<\/p>\n<blockquote><p>Ich bin ihm sp&auml;ter noch h&auml;ufiger begegnet. Nie mehr bin ich ihm reingefallen. Ich bin auch nie der Versuchung erlegen, den sp&auml;teren Konflikt zwischen Gerhard Schr&ouml;der und ihm allzu sehr als inhaltlichen Konflikt zu deuten.(a) W&auml;re es blo&szlig; ein inhaltlicher Konflikt gewesen, h&auml;tte Lafontaine ihn n&auml;mlich gewonnen. Denn die Partei war ja seiner politischen Linie viel n&auml;her als der von Schr&ouml;der. Aber Lafontaine hatte keine Mitstreiter mehr (b), er hatte sich isoliert, und das hat prim&auml;r mit seinem Charakter zu tun, weniger mit den Inhalten, die er vertritt.&nbsp;<\/p>\n<p>Nachdem er dann zur Linkspartei wechselte, war schnell klar, er ist eigentlich der b&ouml;se Geist dieser Partei.(c)Heute w&uuml;rden sie wahrscheinlich gerne ein Geschenkpaket mit Oskar drin schn&uuml;ren und ihn der SPD zur&uuml;ckgeben. Aber die verweigert bestimmt die Annahme. Wer Lafontaine kennt, ist froh, ihn los geworden zu sein.&nbsp;(d)<\/p><\/blockquote>\n<p>Zu (a): die Behauptung, es habe kaum einen inhaltlichen Konflikt zwischen Lafontaine und Schr&ouml;der gegeben, zeugt von einer gravierenden Ahnungslosigkeit. Schon im Wahlkampf 1998 selbst war f&uuml;r jeden aufmerksamen Beobachter die inhaltliche Differenz ausgesprochen gro&szlig; und erkennbar. Schr&ouml;der entfernte sich immer mehr von sozialdemokratischen Vorstellungen und spielte unter der Anleitung von Bodo Hombach den gro&szlig;en, konservativen Staatsmann. Lafontaine intervenierte zum Schluss des Wahlkampfes nach der Haushaltsdebatte von Anfang September mit einem klaren Pl&auml;doyer f&uuml;r eine sozialere Politik und lag damit f&uuml;r jeden Beobachter meilenweit entfernt von Schr&ouml;der.<br>\nInhaltliche Differenzen wurden dann im ersten Halbjahr der gemeinsamen Regierung sichtbar:<br>\nZum Beispiel im Blick auf die Regelung von Minijobs.<br>\nZum Beispiel im Blick auf Milit&auml;reins&auml;tze, wo Schr&ouml;der dem amerikanischen Pr&auml;sidenten offenbar schon im Oktober 1998 versprochen hatte, beim Kosovo Krieg mitzumachen, und Lafontaine anderer Meinung war.<br>\nEntscheidende Differenzen gab es zum Beispiel in der Wirtschaftspolitik und bei der Frage der Regulierung der internationalen Finanzm&auml;rkte. Lafontaine plante mit Unterst&uuml;tzung seines Staatssekret&auml;rs Heiner Flassbeck internationale Vereinbarungen &uuml;ber striktere Regeln, die ungemein wichtig gewesen w&auml;ren. Jeder normale einigerma&szlig;en interessierte Mensch wei&szlig; um diese Differenzen. Jenen, die es dennoch nicht gespannt hatten, hatte damals die zum Murdoch- Konzern geh&ouml;rende &bdquo;Sun&ldquo; den n&ouml;tigen Tip gegeben. Sie titelte verbunden mit einem entstellenden Foto von Lafontaine im Kontext seiner Absichten zur Regulierung der internationalen Finanzm&auml;rkte: &bdquo;Der gef&auml;hrlichste Mann Europas&ldquo;.<br>\nDas alles hat Misik nicht mitbekommen. Erstaunlich.<\/p>\n<p>Zu (b): Dass Lafontaine damals in der SPD keine Mitstreiter gehabt h&auml;tte, ist eine nicht belegte, und nach meiner Erfahrung als SPD Mitglied, als ehemaliger Vorsitzender eines Unterbezirks und Bundestagsabgeordneten, auch schlicht eine falsche Behauptung. Aber man kann so etwas ja einfach hinschreiben. In dieser schnelllebigen Zeit merkt das ja keiner. <\/p>\n<p>Zu (c): Mit dem &bdquo;b&ouml;sen Geist&ldquo; hat die Linkspartei 2009 11,9 % der Stimmen erreicht.<\/p>\n<p>Zu (d): Ohne Belege. Ohne Beachtung der Agitation und inneren Fremdbestimmung, der gerade die SPD in den letzten Jahren ausgesetzt ist.<\/p>\n<p>Andere Textstellen w&auml;ren in &auml;hnlicher Weise zu kommentieren. Es reicht jedoch.<\/p><\/li>\n<li><strong>Zu Augsteins Kolumne bei Spiegel online vom 28. Mai: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/augstein-kolumne-zur-linkspartei-das-trauma-der-linken-a-835552-druck.html\">&bdquo;Die Passion der Linken&ldquo;<\/a><\/strong>:<br>\nDieser Artikel ist so bodenlos daneben und so deutlich Teil der Kampagne gegen die etwas profilierte Linke und ihre Funktion, dass ich mich auf einige wenige Bemerkungen beschr&auml;nken kann:\n<ul>\n<li>Es f&auml;ngt schon im Eingangstext an: Sinn linker Politik ist nicht nur Gerechtigkeit sondern auch die Freiheit von politischer Korruption zum Beispiel und die Abwehr neoliberalen Unsinns. Im konkreten Fall geht es zum Beispiel um bessere Finanz- und wirtschaftspolitische Regeln, oder zum Beispiel um die Verhinderung des Fiskalpaktes oder um produktive Vorschl&auml;ge zur Ann&auml;herung der Wettbewerbsf&auml;higkeit der einzelnen Staaten Europas und des Euroraumes. So weit sind wir schon gekommen: Die herrschende Politik ist nicht nur ungerecht, sie ist auch falsch. Und genau da setzt die mit den Namen Wagenknecht und Lafontaine verbundene Linkspartei an. &Uuml;brigens auch Gysi mit seiner Position zum Fiskalpakt. Wer den Unterschied der profilierte Linkspartei zur herrschenden Mehrheitsmeinung und der dazugeh&ouml;rigen Parteien auf das Thema Gerechtigkeit reduziert, hat gro&szlig;e Teile der gegenw&auml;rtigen Debatte und des Ringens um die besten L&ouml;sungen verschlafen.<\/li>\n<li>Augstein macht sich den Jargon der herrschenden Agitation zu eigen: &bdquo;radikale Opposition &agrave; la Wagenknecht&ldquo;. Du meine G&uuml;te, dieser Zeitungsverleger und Kolumnist ist offenbar nicht einmal des Lesens f&auml;hig.<\/li>\n<li>Er &uuml;bernimmt die g&auml;ngigen Vorurteile: &bdquo;Schroffe Abgrenzung zur SPD&ldquo; &ndash; das stimmt ja nicht. Sowohl im Saarland wie auch in Nordrhein-Westfalen hat die Linkspartei Unterst&uuml;tzung und Koalitionen angeboten.<\/li>\n<li>Krampfhaft versucht der Autor eine Parallele zu fr&uuml;heren Spaltungen der Linken herzustellen. Keine Ahnung von Geschichte. Keine Ahnung von der besonderen Demission der strategisch ausgedachten Agitation in der heutigen Zeit.<\/li>\n<li>Wie will Herr Augstein denn die Linkspartei &bdquo;pragmatisches Korrektiv&ldquo; der SPD sein lassen, wenn die Linkspartei selbst kein eigenes Profil mehr hat? Und dies in einer Zeit, in der sich die SPD anschickt, zum Beispiel dem Fiskalpakt zuzustimmen.<\/li>\n<li>Der Artikel von Augstein strotzt von Behauptungen ohne Belege.<\/li>\n<li>Und er hat auch &uuml;berhaupt nicht begriffen, welches Ma&szlig; an Verschiebung der politischen Ordinate nach rechts durch den von ihm propagierten pragmatischen Kurs der Linkspartei erreicht sein wird.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das reicht. Es h&auml;tte noch viele weitere Anmerkungen gegeben.<br>\nWenn Sie den Artikel von Augstein aufmerksam lesen, dann werden Sie sehen, wie einflussreich die konservative Meinungsmache in diesem Milieu angeblich fortschrittlicher Publizisten schon geworden ist. <\/p>\n<p>Das gilt leider auch f&uuml;r einige Blogs, die sich mit dem hier abgehandelten Thema besch&auml;ftigen.<\/p><\/li>\n<\/ol><p><strong>Nachtrag vom 31.5.2011:<\/strong><br>\nEin Leser der NachDenkSeiten macht gerade (31.5., 7:26 Uhr) auf eine sinnvolle Erg&auml;nzung zu dem obigen Text aufmerksam:<\/p><blockquote><p><em>Guten Morgen!<br>\n&nbsp;<br>\nUm die gro&szlig;e Linie zu verdeutlichen, k&ouml;nnten Sie vielleicht diese zwei R&uuml;ckverweise auf entscheidende Knotenpunkte anf&uuml;gen:<\/em><\/p><\/blockquote><p>&nbsp;<\/p><ul>\n<li><strong><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=7828\">&ldquo;Die Manipulateure des Jahres: Spiegel und Bild zu Innereien der Linken&rdquo;<\/a><\/strong><br>\n(A.M., 22.12.2010)<\/li>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<li><strong>&ldquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=9849\">Der Antisemitismus-Vorwurf wird zur friedens- und gesellschaftspolitischen Gleichschaltung der Linken benutzt<\/a>&ldquo;<\/strong><br>\n(A.M., 21.6.2011)\n<p>&ldquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=9882\">Eine seltsame Reaktion der Stellv. Vorsitzenden der Linkspartei auf meinen Antisemitismus-Artikel<\/a>&rdquo;\n<\/p><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weil beim Parteitag der Linkspartei am 2. und 3. Juni nicht nur &uuml;ber die F&uuml;hrung dieser Partei entschieden wird, sondern auch zugleich dar&uuml;ber, ob es auf absehbare Zeit noch eine Alternative zur neoliberal gepr&auml;gten Politik von Angela Merkel und der angepassten F&uuml;hrungen von SPD und Gr&uuml;nen geben wird, komme ich noch einmal auf die Personalentscheidungen<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13395\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[195,191,11],"tags":[659,330,253,632],"class_list":["post-13395","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-die-linke","category-spd","category-strategien-der-meinungsmache","tag-bartsch-dietmar","tag-lafontaine-oskar","tag-steinbrueck-peer","tag-wagenknecht-sahra"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13395","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=13395"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13395\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":25292,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13395\/revisions\/25292"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=13395"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=13395"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=13395"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}