{"id":134012,"date":"2025-06-05T09:00:06","date_gmt":"2025-06-05T07:00:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=134012"},"modified":"2025-06-05T09:37:39","modified_gmt":"2025-06-05T07:37:39","slug":"schiesskrieg-und-wirtschaftskrieg-haengen-eng-zusammen-wirtschaftshistoriker-hannes-hofbauer-ueber-sanktionen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=134012","title":{"rendered":"\u201eSchie\u00dfkrieg und Wirtschaftskrieg h\u00e4ngen eng zusammen\u201c \u2013 Wirtschaftshistoriker Hannes Hofbauer \u00fcber Sanktionen"},"content":{"rendered":"<p>Die Anwendung von Sanktionen als Waffe ist kein neues Ph&auml;nomen; ihre Geschichte reicht bis in die Antike zur&uuml;ck. Doch was als vermeintlich ziviles Instrument beginnt, kann schnell in verheerenden Wirtschaftskriegen und Schie&szlig;kriegen m&uuml;nden. Hannes Hofbauer, Wirtschaftshistoriker und Osteuropa-Experte, beleuchtet in seinem neuen Buch &bdquo;Im Wirtschaftskrieg&ldquo; die Geschichte und die dramatischen Auswirkungen dieser Strategie &ndash; mit besonderem Fokus auf die aktuellen Sanktionen gegen Russland. Er stellte es in einem Vortrag im Berliner &bdquo;Sprechsaal&ldquo; vor. <strong>&Eacute;va P&eacute;li<\/strong> sprach mit <strong>Hannes Hofbauer<\/strong> dar&uuml;ber, warum dieses m&auml;chtige Instrument, das oft seine Ziele verfehlt und den sanktionierenden Staaten selbst schadet, dennoch immer wieder zum Einsatz kommt.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>&Eacute;va P&eacute;li: Herr Hofbauer, in Ihrem Buch &bdquo;Im Wirtschaftskrieg&ldquo; beleuchten Sie die Sanktionspolitik des Westens am Beispiel Russland. Seit wann gibt es Wirtschaftskriege? Seit wann werden Sanktionen als Waffen eingesetzt, und warum?<\/strong><\/p><p><strong>Hannes Hofbauer<\/strong>: Das gibt es schon lange, auch schon in der Antike wurden Sanktionen als Waffen eingesetzt. Ein fr&uuml;hes Beispiel f&uuml;r Sanktionspolitik findet sich bereits 430 v. Chr. im antiken Griechenland. Im Kampf um die Vorherrschaft zwischen Athen und Sparta erlie&szlig; Athen ein Verbot, das dem spartanischen Verb&uuml;ndeten Megara, einer bedeutenden Seemacht der damaligen Zeit, die Landung in athenischen H&auml;fen untersagte. Dieser wirtschaftliche Konflikt, der sich als eine Art Wirtschaftskrieg &auml;u&szlig;erte, eskalierte schlie&szlig;lich zum Peloponnesischen Krieg, der 30 Jahre andauerte. Das hat sich in der Geschichte immer wieder gezeigt, dass wirtschaftliche Konfrontationen, Sanktionen, Wirtschaftskriege auch in Schie&szlig;kriege m&uuml;nden oder dass es zumindest Parallelit&auml;ten gibt.<\/p><p><strong>Sie zeigen in Ihrem Buch, dass das angestrebte Ziel, das sanktionierte Land in die Knie zu zwingen, oft nicht erreicht wird. Warum werden Sanktionen dennoch weiter eingesetzt?<\/strong><\/p><p>Es geht um die &ouml;konomische Gr&ouml;&szlig;e, um die Gr&ouml;&szlig;e des Binnenmarktes, ob Sanktionen dem entsprechen, was sich die L&auml;nder, die sanktionieren, erhoffen oder erwarten. Wenn eine gro&szlig;e Wirtschaftsmacht oder eine Staatengemeinschaft, wie die Europ&auml;ische Union oder die USA, ein kleines afrikanisches Land aufgrund von wirtschaftlichen oder politischen Streitigkeiten sanktioniert, sind die Aussichten auf Erfolg hoch. Das kleinere Land wird voraussichtlich schwere Verluste erleiden und letztendlich gezwungen sein, den Forderungen der sanktionierenden M&auml;chte nachzukommen, beispielsweise einer Markt&ouml;ffnung. In solchen F&auml;llen ist das Machtgef&auml;lle entscheidend f&uuml;r die Wirksamkeit der Sanktionen.<\/p><p>Gegen&uuml;ber einem &ouml;konomisch und milit&auml;risch bedeutenden Akteur wie Russland &ndash; dem gr&ouml;&szlig;ten Land der Welt, einer Atommacht mit einem riesigen Binnenmarkt &ndash; erweisen sich Sanktionen als weit weniger wirksam f&uuml;r die sanktionierenden Parteien. Sie schaden zweifellos der russischen Seite, aber die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass sie vor allem der europ&auml;ischen Seite erhebliche Nachteile zuf&uuml;gen.<\/p><p>Zusammenfassend l&auml;sst sich festhalten: W&auml;hrend Sanktionen im Verh&auml;ltnis &bdquo;Gro&szlig; gegen Klein&ldquo; oft erfolgreich sind, da sie das kleinere Land in die Knie zwingen k&ouml;nnen, sind sie im Szenario &bdquo;Gro&szlig; gegen Gro&szlig;&ldquo; oder gar &bdquo;Mittelgro&szlig; gegen Gro&szlig;&ldquo; in ihrer Wirkung stark begrenzt und k&ouml;nnen sogar zu erheblichen R&uuml;ckwirkungen auf die Sanktionierenden f&uuml;hren.<\/p><p>Ein weiteres historisches Beispiel f&uuml;r den Einsatz von Sanktionen findet sich in den 1930er-Jahren beim V&ouml;lkerbund. Dieser war unter anderem mit einer speziellen Sektion ausgestattet, die Sanktionen gegen kriegf&uuml;hrende Staaten verh&auml;ngen sollte. Anfang der 1930er-Jahre zeigten diese Sanktionen ihre Wirkung: Sie funktionierten gegen Serbien, das in eine kriegerische Auseinandersetzung mit Bulgarien verwickelt war.<\/p><p>Als der V&ouml;lkerbund jedoch versuchte, mit Sanktionsdrohungen gegen Italien vorzugehen, das unter Mussolini eine aggressive Politik in Nordafrika verfolgte, scheiterte er. Mussolini ignorierte die Drohungen, was letztlich dazu f&uuml;hrte, dass der V&ouml;lkerbund seine Sanktionen nicht durchsetzen konnte. Dieses Scheitern offenbarte die Grenzen der Sanktionspolitik des V&ouml;lkerbundes gegen&uuml;ber einer etablierten Gro&szlig;macht, gegen die aggressive italienische Politik.<\/p><p><strong>Sie erinnern an das Beispiel der Sanktionen gegen das revolution&auml;re R&auml;te-Ungarn 1919. Warum geriet das ins Visier der Wirtschaftskrieger, und was hatte das f&uuml;r Folgen?<\/strong><\/p><p>Das gesamte 20. Jahrhundert, insbesondere nach dem Ersten Weltkrieg, war im Westen stark von der Ablehnung des Kommunismus gepr&auml;gt. Diese Haltung manifestierte sich sowohl gegen&uuml;ber dem bolschewistischen Russland (der sp&auml;teren Sowjetunion ab 1922) als auch gegen&uuml;ber dem kurzlebigen R&auml;te-Ungarn (Rotungarn). Die vorherrschende Idee war, eine Lebensweise und Politik, die nicht auf Profit ausgerichtet war und von der westlich-kapitalistischen Ordnung abwich, nicht zuzulassen.<\/p><p>In diesem Kontext versuchte Gro&szlig;britannien, R&auml;te-Ungarn durch Sanktionen in die Knie zu zwingen &ndash; ein Vorhaben, das letztlich erfolgreich war. Es waren jedoch nicht allein die Sanktionen, die zum Fall R&auml;te-Ungarns f&uuml;hrten; die rum&auml;nische Armee spielte ebenfalls eine entscheidende Rolle, indem sie bis Budapest vorr&uuml;ckte und die kommunistischen Kr&auml;fte in Ungarn zerschlug.<\/p><p>Um auf die Situation im Jahr 1919 zur&uuml;ckzukommen: Eine britische Delegation reiste nach Ungarn, traf dort B&eacute;la Kun und einen weiteren Vertreter der ungarischen R&auml;terepublik. Ihre Forderung war die Abschaffung der wichtigsten, eben erst erlassenen kommunistischen Gesetze. Der englische Emiss&auml;r sandte daraufhin ein Telegramm an die K&ouml;nigin, in dem er die Notwendigkeit der Sanktionsdurchsetzung betonte, auch wenn dies den Tod von Frauen und Kindern durch Hunger bedeuten w&uuml;rde &ndash; eine Konsequenz der ohnehin prek&auml;ren Versorgungslage nach dem Ersten Weltkrieg. Diese Sanktionen wurden schlie&szlig;lich konsequent umgesetzt.<\/p><p><strong>Sanktionen gegen andere Staaten sind v&ouml;lkerrechtswidrig, wenn sie nicht von der UNO beschlossen worden sind. Warum wird dieses Mittel dennoch immer wieder von Staaten gegen andere Staaten und deren B&uuml;rger eingesetzt? Und wie sind die extraterritorialen Sanktionen gegen Dritte einzusch&auml;tzen?<\/strong><\/p><p>Die Anwendung von Sanktionen ist aus meiner Sicht oft von der moralisch aufgeladenen Hoffnung getragen, westliche Werte und wirtschaftliche Prinzipien durchzusetzen. Diese Hoffnung ist jedoch schwer zu realisieren. Das Beispiel Russlands zeigt deutlich, dass Sanktionen nicht immer wie erhofft funktionieren. Russland wehrt sich aktiv gegen die EU-Sanktionen und entwickelt Umgehungskonstruktionen. Statistiken belegen dies: G&uuml;ter aus Frankreich, die nicht direkt nach Russland geliefert werden k&ouml;nnen, finden ihren Weg stattdessen &uuml;ber Drittl&auml;nder wie Kasachstan, Usbekistan oder Georgien. So erreichen sie letztlich doch den russischen Markt, was die Wirksamkeit der Sanktionen erheblich mindert.<\/p><p>Um die Umgehung ihrer Sanktionen zu unterbinden, hat die Europ&auml;ische Union nun extraterritoriale Sekund&auml;rsanktionen eingef&uuml;hrt. Damit versucht die EU, alle L&auml;nder zur Anerkennung ihrer Sanktionen zu verpflichten. Dieser Schritt, der im Kern einem kolonial-imperialen Vorgehen gleicht, ist bemerkenswert. 2017 hatte die EU, insbesondere die damalige deutsche Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries, solche Praktiken scharf kritisiert, als sie von den USA angewendet wurden. Nun aber wendet die EU selbst dieses Instrument an.<\/p><p>Im Visier sind vor allem Firmen aus L&auml;ndern wie der T&uuml;rkei, China oder Kasachstan, die von den Umgehungsgesch&auml;ften profitieren. Es ist wichtig, zu verstehen, dass Sanktionen in erster Linie nicht verhindern, dass ein Produkt das sanktionierte Land erreicht. Vielmehr verteuern sie das Produkt erheblich, da zahlreiche Zwischenh&auml;ndler am Umweg mitverdienen. Genau diesen Profit durch Umgehungen will die Europ&auml;ische Union nun unterbinden.<\/p><p>Ein weiteres zentrales Problemfeld der EU ist die sogenannte russische Schattenflotte. Sch&auml;tzungsweise 600 bis 700 Tanker transportieren russisches &Ouml;l auf die Weltm&auml;rkte, wobei sie nicht unter russischer, sondern unter diversen afrikanischen oder karibischen Flaggen fahren, um Sanktionen zu umgehen. Die Europ&auml;ische Union beabsichtigt, dieses Vorgehen mit einem k&uuml;rzlich eingef&uuml;hrten Sanktionspaket zu unterbinden.<\/p><p><strong>In Ihrem Buch setzen Sie sich insbesondere mit den Sanktionen gegen Russland seit 2014 auseinander. Was ist das Besondere daran? Welche Unterschiede zu anderen Sanktionen gibt es da?<\/strong><\/p><p>Das ganz Besondere ist, dass die gegenw&auml;rtigen Sanktionen gegen das gr&ouml;&szlig;te Land der Welt verh&auml;ngt wurden. Es ist das erste Mal, dass Sanktionen in diesem Ausma&szlig; gegen das gr&ouml;&szlig;te Land der Welt verh&auml;ngt werden. Zwar haben die USA seit dem Zweiten Weltkrieg gegen 40 bis 50 L&auml;nder Sanktionen verh&auml;ngt &ndash; meist afrikanische, asiatische oder lateinamerikanische Staaten sowie einzelne Unternehmen. Diese betrafen jedoch stets kleinere Volkswirtschaften oder, im Fall von Unternehmen, keine so weitreichende Gebiets- und Wirtschaftsgr&ouml;&szlig;e wie Russland. Dies ist der gr&ouml;&szlig;te Unterschied zu allen bisherigen Sanktionsregimen.<\/p><p>Ein weiteres, absolut einzigartiges Element war das Einfrieren der russischen Zentralbankgelder im Ausland nach dem Einmarsch der russischen Armee in die Ukraine im Jahr 2022. Insgesamt wurden 300 Milliarden US-Dollar an russischen Anlagen bei Banken blockiert. &Uuml;brigens eine Randbemerkung: Alle L&auml;nder lagern ihre Gold- und Devisenreserven zur Diversifizierung im Ausland, das ist so &uuml;blich. Und da wurden die russischen Verm&ouml;genswerte alle eingefroren mit einem Schlag. Das war, glaube ich, auch beispiellos. Es wurden sicher schon das eine oder andere Mal Bankengelder eingefroren oder auch beschlagnahmt, sprich gestohlen, aber eben von kleinen L&auml;ndern, nicht von dem gr&ouml;&szlig;ten Land der Welt.<\/p><p><strong>Warum beteiligen sich die Staaten der EU so intensiv an den Sanktionen gegen Russland, obwohl es sich doch l&auml;ngst gezeigt hat, dass diese ihnen selbst schaden?<\/strong><\/p><p>Die intensive Beteiligung der EU-Staaten an den Sanktionen gegen Russland, trotz sichtbarer eigener Sch&auml;den, ist prim&auml;r dem Druck der Europ&auml;ischen Kommission zuzuschreiben.<\/p><p>Viele Mitgliedsl&auml;nder wie Ungarn, die Slowakei, Kroatien oder auch politische Kr&auml;fte in Bulgarien und die FP&Ouml; in &Ouml;sterreich treten innenpolitisch gegen die Sanktionen auf &ndash; nicht jeder in der EU ist &bdquo;Feuer und Flamme&ldquo; daf&uuml;r.<\/p><p>Die EU-F&uuml;hrung zeigt sich jedoch extrem anti-russisch. W&auml;hrend dies bei Ursula von der Leyen nicht unbedingt biographisch verankert sei, wird es bei der ehemaligen estnischen Ministerpr&auml;sidentin und jetzigen Au&szlig;enbeauftragten Kaja Kallas sichtbar, die in Estland aktiv an der Zerst&ouml;rung der Beziehungen zu Russland gearbeitet hat (z.B. durch das Schleifen sowjetischer Befreiungsdenkm&auml;ler). Dieses Personal der Kommission, das nicht direkt vom Wahlvolk, sondern vom Rat gew&auml;hlt wird, &uuml;bt ma&szlig;geblichen Druck aus. Erg&auml;nzend dazu treiben auch einzelne Kr&auml;fte in wichtigen L&auml;ndern wie Deutschland (insbesondere CDU, weniger SPD) und Frankreich die Sanktionspolitik voran und &uuml;ben somit Druck auf alle Mitgliedsl&auml;nder aus.<\/p><p><strong>Ich habe k&uuml;rzlich in einem Medienbericht erneut gelesen, dass die Sanktionen die russische Wirtschaft schw&auml;chen. Wie beurteilen Sie diese Darstellung?<\/strong><\/p><p>Entgegen vieler Voraussagen und Prognosen wie der der Weltbank von 2022, die einen 30-prozentigen R&uuml;ckgang der russischen Wirtschaft erwartete, ist diese nicht zusammengebrochen. Die russische Wirtschaft hat sich als resilienter erwiesen als angenommen. Zwar hat Russland mit Problemen zu k&auml;mpfen, da Produkte aus sanktionierenden L&auml;ndern nun &uuml;ber Umwege importiert oder durch Importsubstitution ersetzt werden m&uuml;ssen. Dies erfordert Investitionen und kann anf&auml;nglich die Qualit&auml;t beeintr&auml;chtigen. Langfristig f&uuml;hrt eine erfolgreiche Importsubstitution jedoch zu gr&ouml;&szlig;erer Unabh&auml;ngigkeit von ausl&auml;ndischen Importen. Dieser Effekt zeigte sich bereits in der Landwirtschaft nach den russischen Gegensanktionen von 2014 und ist auch in anderen Industriesektoren zu beobachten, wenn auch nicht fl&auml;chendeckend.<\/p><p>Ein wesentlicher Negativpunkt ist jedoch, dass die russische &Ouml;konomie derzeit ma&szlig;geblich vom R&uuml;stungsindustriekomplex angetrieben wird. Eine solche Kriegswirtschaft ist langfristig nicht nachhaltig, da die sp&auml;tere Umstellung auf zivile Produktion kostspielig sein wird.<\/p><p><strong>In Ihrem Buch &bdquo;Europa: Ein Nachruf&ldquo; aus dem Jahr 2020 zeigen Sie, dass die EU und ihre Vorg&auml;ngerinstitutionen unter einem &bdquo;US-gef&uuml;hrten transatlantischen Kommando&ldquo; stehen. Welche Rolle spielt das heute noch dabei?<\/strong><\/p><p>Die bisherige, bis 2022 bestehende klare transatlantische Geschlossenheit beginnt, sich zu wandeln. Eine neue US-Administration unter Donald Trump, die prim&auml;r auf nationale Interessen und Protektionismus setzt, um den Abstieg der USA zu verhindern, f&uuml;hrt zu aufkommenden und voraussichtlich sich verst&auml;rkenden Interessenskonflikten mit der Europ&auml;ischen Union. Die EU wird diesen protektionistischen Kurs der USA nicht notwendigerweise mittragen.<\/p><p><strong>Inzwischen werden auch Europ&auml;er sanktioniert, so der Slowake Jozef Hamb&aacute;lek und die beiden deutschen, in Russland lebenden Journalisten Alina Lipp und Thomas R&ouml;per. Wie ist das zu bewerten?<\/strong><\/p><p>Eine beispiellose Eskalation der Sanktionspolitik stellt der Entzug der b&uuml;rgerlichen Existenzgrundlage von Personen dar. Sanktionen gegen Einzelpersonen &ndash; in diesem Fall EU-B&uuml;rger &ndash; umfassen Passentzug, Verm&ouml;gensentzug und Kontosperren. Es ist sogar strafbar, diesen sanktionierten Personen finanzielle Hilfe zu leisten; sie m&uuml;ssen stattdessen bei den Beh&ouml;rden betteln, damit sie mit ihrem eigenen Geld, das daf&uuml;r extra freigegeben werden muss, die Miete zahlen oder das Essen kaufen k&ouml;nnen.<\/p><p>Die F&auml;lle von Jozef Hamb&aacute;lek in der Slowakei und den deutschen Journalisten Thomas R&ouml;per und Alina Lipp zeigen unterschiedliche politische Reaktionen auf diese Ma&szlig;nahmen. Der slowakische Ministerpr&auml;sident Robert Fico setzte sich vehement f&uuml;r Hamb&aacute;lek ein, der als Europa-Chef der russischen Motorradgang &bdquo;Nachtw&ouml;lfe&ldquo; auf die Liste gekommen war. Ficos Intervention f&uuml;hrte schlie&szlig;lich dazu, dass Hamb&aacute;lek von der Sanktionsliste entfernt wurde; w&auml;hrend es nicht so aussieht, dass Friedrich Merz sich f&uuml;r seine deutschen Staatsb&uuml;rger R&ouml;per und Lipp einsetzt, sondern eher, dass er &ndash; oder seine Vorg&auml;nger &ndash; dazu beigetragen haben, dass sie auf die Liste kommen.<\/p><p><strong>Die Sanktionen gegen die beiden Journalisten sind auch ein Angriff auf die Pressefreiheit. Werden diese Mittel des Wirtschaftskrieges nun auch f&uuml;r die Zensur eingesetzt?<\/strong><\/p><p>Ja, sie sind ein Angriff auf die Pressefreiheit. Das wahre Eskalationspotenzial liegt jedoch meiner Ansicht nach im Entzug der Existenzgrundlage der Betroffenen &ndash; im Mittelalter hie&szlig; es &bdquo;vogelfrei&ldquo;. Damals wurde anderen erlaubt, diese Menschen zu schlagen, heute ist das nicht mehr so. Heute entzieht der Staat die B&uuml;rgerrechte. Das ist eine Dimension, die weit &uuml;ber die Zensur hinausgeht.<\/p><p>Angesichts Hunderter Personen auf der Sanktionsliste &ndash; darunter Russen, Ukrainer, ein T&uuml;rke und EU-B&uuml;rger (wovon einer wieder gestrichen wurde) &ndash; ist die willk&uuml;rliche Natur dieser Ma&szlig;nahmen besonders be&auml;ngstigend. Die Europ&auml;ische Union setzt Personen ohne gerichtliches Urteil oder Anh&ouml;rung auf diese Listen, entzieht ihnen somit ihre B&uuml;rgerrechte. Das Fehlen jeglicher rechtsstaatlichen Verfahren macht diese neue Eskalationsstufe besonders alarmierend.<\/p><p><em>Lesen Sie auch die Rezension von Thomas Trares dazu: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=124661\">&bdquo;Im Wirtschaftskrieg&ldquo; &ndash; ein neues Buch &uuml;ber die Sanktionspolitik des Westens gegen Russland und den Rest der Welt<\/a><\/em><\/p><p><em>Hannes Hofbauer: Im Wirtschaftskrieg: Die Sanktionspolitik des Westens und ihre Folgen. Das Beispiel Russland. Wien 2024, Promedia Verlag, Taschenbuch, 256 Seiten, ISBN 978-3853715338, 22 Euro.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: Shutterstock \/ Bakhtiar Zein<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=133956\">Bundesregierung instrumentalisiert Russland-Sanktionen, um gegen kritische Gaza-Berichterstattung vorzugehen<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=133285\">Die EU-Sanktionen gegen Lipp und R&ouml;per sind ein Skandal<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=133340\">Das Ende von red.media &ndash; Berichte &uuml;ber propal&auml;stinensische Proteste sind jetzt &bdquo;russische Desinformation&ldquo;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=130985\">Sind die EU-Sanktionen gegen Russland wirklich vom V&ouml;lkerrecht gedeckt?<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/35923980033d489d8ab73d02030aaf2f\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Anwendung von Sanktionen als Waffe ist kein neues Ph&auml;nomen; ihre Geschichte reicht bis in die Antike zur&uuml;ck. 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