{"id":134041,"date":"2025-06-05T13:29:47","date_gmt":"2025-06-05T11:29:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=134041"},"modified":"2025-06-06T12:39:38","modified_gmt":"2025-06-06T10:39:38","slug":"koennen-steuersenkungen-fuer-unternehmen-die-wirtschaft-wieder-ankurbeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=134041","title":{"rendered":"K\u00f6nnen Steuersenkungen f\u00fcr Unternehmen die Wirtschaft wieder ankurbeln?"},"content":{"rendered":"<p>Die Argumentation f&uuml;r Unternehmenssteuersenkungen ist so einfach, dass sie nur allzu logisch erscheint: Werden die Steuern f&uuml;r Unternehmen gesenkt, bleibt mehr Geld im Unternehmen und kann so f&uuml;r Investitionen genutzt werden. Diese Investitionen steigern anschlie&szlig;end die Produktion, die Produktivit&auml;t, den Umsatz und sorgen gleichzeitig f&uuml;r neue Arbeitspl&auml;tze. Klingt gut, klingt richtig, klingt toll. Aber kann es nicht sein, dass diese Logik ein paar nicht ganz unbedeutende Kleinigkeiten au&szlig;er Acht l&auml;sst, welche das Theoriegeb&auml;ude zum Einsturz bringen? Ein Kommentar von <strong>Lutz Hausstein<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7054\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-134041-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250606-Steuersenkungen-fuer-Unternehmen-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250606-Steuersenkungen-fuer-Unternehmen-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250606-Steuersenkungen-fuer-Unternehmen-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250606-Steuersenkungen-fuer-Unternehmen-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=134041-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250606-Steuersenkungen-fuer-Unternehmen-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250606-Steuersenkungen-fuer-Unternehmen-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Der neue Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) plant aktuell Steuersenkungen f&uuml;r Unternehmen, um so die lahmende deutsche Wirtschaft wieder in Fahrt zu bringen. Der Beifall vonseiten der Wirtschaftslobbyistenverb&auml;nde wie BDA, BDI, den dem neoliberalen Zeitgeist ergebenen Wirtschaftsforschungsinstituten wie ifo, IW, RWI oder IfW Kiel, aber auch so manchen volkswirtschaftlichen D&uuml;nnbrettbohrern in der deutschen Medienlandschaft ist ihm gewiss. CDU\/CSU sind nicht nur der gro&szlig;e Koalitionspartner der SPD in dieser Regierung und haben damit ihre Zustimmung zu dieser Ma&szlig;nahme gegeben, sondern trommeln selbst auch schon seit Jahren f&uuml;r solcherart Steuersenkungen. Die FDP ist zwar seit der Bundestagswahl 2025 nicht mehr im bundesdeutschen Parlament vertreten, solch eine Steuersenkung f&uuml;r Unternehmen ist aber quasi seit ihrer Gr&uuml;ndung ihr Markenkern und d&uuml;rfte &ndash; Bundestagszugeh&ouml;rigkeit hin oder her &ndash; auf breite Zustimmung bei ihr sto&szlig;en. K&ouml;nnen so viele Fliegen irren?<\/p><p>Eine solch breite Zustimmung besagt jedoch noch gar nichts. Allenfalls das Interesse dieser Seiten, den Unternehmen noch mehr finanzielle Mittel zuzuschachern. Mehr aber auch nicht. Denn Wirtschaftswachstum wird weder Klingbeil noch sonst wer damit erzeugen k&ouml;nnen. Bestenfalls, aber auch nur bestenfalls, sind frei verf&uuml;gbare Finanzmittel notwendige, aber keinesfalls hinreichende Voraussetzungen f&uuml;r eine Ausweitung der Produktion. Den Unternehmen verbleibt nach einer Steuersenkung mehr Geld, das sie ganz nach ihrem Gusto verwenden k&ouml;nnen. Sie k&ouml;nnen dieses Geld investieren, es aber auch &ndash; je nach Unternehmensform &ndash; f&uuml;r R&uuml;ckstellungen, Aktienr&uuml;ckk&auml;ufe, Privatentnahmen oder Dividendenaussch&uuml;ttungen verwenden.<\/p><p>Die eigentliche Frage &ndash; und diese sollten sich unsere &bdquo;Wirtschaftsexperten&ldquo; einmal stellen &ndash; ist doch, aus welchem Grund Unternehmen dieses zus&auml;tzliche Geld nun f&uuml;r Investitionen nutzen sollten. Diese Frage nach den Motiven f&uuml;r eine bestimmte Handlung ist unabdingbar. Da w&uuml;rde es sogar reichen, den kleinen Handwerksmeister um die Ecke zu befragen, unter welchen Umst&auml;nden er in zus&auml;tzliche Maschinen und Ger&auml;te investieren, er m&ouml;glicherweise gar einen weiteren Mitarbeiter einstellen w&uuml;rde.<\/p><p>Die Antwort d&uuml;rfte schnell zu bekommen sein. Er investiert nicht dann, wenn er mehr Geld zur Verf&uuml;gung hat. Er investiert vor allem dann, wenn er f&uuml;r die Zukunft einen Zuwachs an Auftr&auml;gen erwartet. Hat er f&uuml;r das kommende Jahr die Vermutung (oder eventuell gar schon die Gewissheit), dass sich seine Auftragslage bessert, dass seine Dienstleistungen oder seine Produkte st&auml;rker nachgefragt werden, wird er insoweit investieren, um diese Nachfrage absichern zu k&ouml;nnen.<\/p><p>Nachfrage ist hier das Zauberwort. Welchen Sinn h&auml;tte es f&uuml;r ein Unternehmen, seine Produktionskapazit&auml;ten zu erweitern, wenn gar keine Kunden vorhanden sind, die diese erh&ouml;hte Produktionsmenge kaufen w&uuml;rden? W&uuml;rden deutsche PKW-Hersteller neue Mitarbeiter einstellen und in zus&auml;tzliche Maschinen und Anlagen investieren, nur weil nach den Steuersenkungen mehr Geld bei ihnen verbleibt? Nein, sie w&uuml;rden es stattdessen f&uuml;r h&ouml;here Aussch&uuml;ttungen an ihre Aktion&auml;re nutzen. Oder in R&uuml;ckstellungen f&uuml;r eine zuk&uuml;nftige Verwendung der Gelder, wenn die Gesetzeslage es besser zul&auml;sst. Das deutsche Steuerrecht l&auml;sst diesbez&uuml;glich einen erheblichen Gestaltungsspielraum. Aber sie m&uuml;ssten nicht noch mehr Autos produzieren, die alle auf ihren Verkauf warten, wenn sich an der Nachfrage nichts &auml;ndert.<\/p><p>Dass seit Jahrzehnten einzig und allein Steuersenkungen f&uuml;r Unternehmen als Mittel, Wirtschaftswachstum zu erzeugen, propagiert werden, ist eine intellektuelle Bankrotterkl&auml;rung. Diese einseitige Dominanz der Apologeten angebotsorientierter Wirtschaftspolitik, die auch an den deutschen Universit&auml;ten seit Jahrzehnten die alles beherrschende Lehrmeinung ist, wird seit langem von Vertretern der nachfrageorientierten Wirtschaftspolitik wie Heiner Flassbeck heftig kritisiert. Und das v&ouml;llig zu Recht.<\/p><p>Wenn sich an der Politik der aktuellen schwarz-roten Bundesregierung nichts &auml;ndert, werden wir also ein weiteres Mal beobachten k&ouml;nnen (und m&uuml;ssen), wie der versprochene Wirtschaftsaufschwung ausbleibt, die daf&uuml;r eingesetzten Steuergelder aber munter ihren Weg in die Taschen der reichsten Unternehmenseigner finden.<\/p><p>Eine dem Gemeinwohl verpflichtete Volkswirtschaft geh&ouml;rt besser organisiert! Um die inl&auml;ndische Nachfrage nach Dienstleistungen und Produkten effektiv anzukurbeln, m&uuml;ssten die Einkommen des &auml;rmeren Bev&ouml;lkerungsteils signifikant erh&ouml;ht werden. Rentner mit niedrigen Renten, Alleinerziehende, Arbeitslose, Kinderreiche und durch sonstige Umst&auml;nde Verarmte &ndash; also all jene, die mangels verf&uuml;gbarer finanzieller M&ouml;glichkeiten ihre Bed&uuml;rfnisse nicht in Nachfrage materialisieren k&ouml;nnen &ndash; br&auml;uchten mehr Geld, um dieses dann nachfragewirksam ausgeben zu k&ouml;nnen. Dar&uuml;ber lie&szlig;e sich gesichert mehr Wachstum erzeugen. Doch dieser simplen Erkenntnis verweigern sich Politik und Medien seit Jahrzehnten.<\/p><p><small>Titelbild: mayam_studio\/shutterstock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Argumentation f&uuml;r Unternehmenssteuersenkungen ist so einfach, dass sie nur allzu logisch erscheint: Werden die Steuern f&uuml;r Unternehmen gesenkt, bleibt mehr Geld im Unternehmen und kann so f&uuml;r Investitionen genutzt werden. 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