{"id":134098,"date":"2025-06-07T12:00:23","date_gmt":"2025-06-07T10:00:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=134098"},"modified":"2025-06-11T11:10:05","modified_gmt":"2025-06-11T09:10:05","slug":"spd-zukunftsprogramm-schuften-bis-der-arzt-zu-spaet-kommt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=134098","title":{"rendered":"SPD-Zukunftsprogramm: Schuften, bis der Arzt (zu sp\u00e4t) kommt"},"content":{"rendered":"<p>Arbeit macht gl&uuml;cklich und frei. Mehr davon, finden Union und SPD und holen zum Schlag gegen den Acht-Stunden-Tag aus. Drin sein sollen k&uuml;nftig bis zu 13 Stunden. Carpe diem &ndash; f&uuml;r Deinen Boss? Ach was, es geht darum, Familie und Beruf besser zu vereinbaren. Steht so im Koalitionsvertrag. Dumm nur, dass Soziologen, &Ouml;konomen und Mediziner etwas anderes wissen, n&auml;mlich: Mit der Plackerei nehmen Krankheiten und Unf&auml;lle zu und die Produktivit&auml;t ab. Schwamm dr&uuml;ber, denkt der Kanzler, und l&auml;sst die Putzfrau antanzen. Von <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-134098-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250607_SPD_Zukunftsprogramm_Schuften_bis_der_Arzt_zu_spaet_kommt_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250607_SPD_Zukunftsprogramm_Schuften_bis_der_Arzt_zu_spaet_kommt_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250607_SPD_Zukunftsprogramm_Schuften_bis_der_Arzt_zu_spaet_kommt_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250607_SPD_Zukunftsprogramm_Schuften_bis_der_Arzt_zu_spaet_kommt_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=134098-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250607_SPD_Zukunftsprogramm_Schuften_bis_der_Arzt_zu_spaet_kommt_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250607_SPD_Zukunftsprogramm_Schuften_bis_der_Arzt_zu_spaet_kommt_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Manchmal wird aus hei&szlig;er Luft eine hei&szlig;e Schlagzeile. &bdquo;Exklusiv. Die internationale Flei&szlig;-Tabelle&ldquo;, titelte vor knapp drei Wochen die Zeitung mit den vier gro&szlig;en Buchstaben. Der Beitrag behandelte eine &bdquo;Analyse&ldquo; des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zum Umfang der hierzulande geleisteten Arbeitsstunden im Vergleich mit 26 anderen Industrienationen. Ergebnis: Die BRD rangiert an drittletzter Stelle. Die Botschaft: Die Deutschen sind faul. Die sogenannte Neuigkeit verbreitete sich wie ein Lauffeuer im Bl&auml;tterwald, s&auml;mtliche namhaften Medien griffen sie auf. Nur eines erfuhr das Publikum nicht: Die ganze Aufregung entbehrt jeder Grundlage.<\/p><p>F&uuml;r die n&ouml;tige Aufkl&auml;rung hat die &bdquo;Aktion gegen Arbeitsunrecht&ldquo; gesorgt. Dabei musste sie gar nicht lange recherchieren, um herauszufinden: Die viel zitierte Studie <a href=\"https:\/\/arbeitsunrecht.de\/die-deutschen-arbeiten-zu-wenig-angebliche-studie-des-iw-existiert-nicht-tagesschau-spiegel-korrigieren-online-berichte\/\">&bdquo;existiert &uuml;berhaupt nicht&ldquo;<\/a>. Auf Anfrage erfuhren die Aktivisten beim IW: &bdquo;Von uns kam am Sonntag nur eine Pressemeldung. In der Berichterstattung wurde daraus eine Studie. Nun ja.&ldquo; Auch das stimmt nicht. Denn es gab nicht einmal eine Pressemitteilung, sondern blo&szlig; eine <a href=\"https:\/\/www.iwkoeln.de\/presse\/iw-nachrichten\/holger-schaefer-griechen-arbeiten-135-stunden-im-jahr-mehr-als-deutsche.html\">&bdquo;IW-Nachricht&ldquo;<\/a> vom 18. Mai mit der schneidigen &Uuml;berschrift: &bdquo;Arbeitszeiten: Griechen arbeiten 135 Stunden im Jahr mehr als Deutsche.&ldquo; Wenn schon die hitzegepeinigten Helenen fester ranklotzen als der deutsche Michel &hellip;<\/p><p><strong>Zahlensalat<\/strong><\/p><p>Jedenfalls nahmen die Dinge ihren Lauf, wie die Initiative auf ihrer Webseite schildert: &bdquo;Die Nachrichtenagentur <em>AFP<\/em> machte aus der an sich belanglosen wie substanzlosen IW-Nachricht dann eine &sbquo;Studie&lsquo; und deutsche Leitmedien &uuml;bernahmen das Gebr&auml;u offensichtlich ungepr&uuml;ft &ndash; die meisten bis heute &ndash;, um eine Flei&szlig;debatte zu entfachen, die auf l&auml;ngere Arbeitszeiten und einseitige Flexibilit&auml;t zu Lasten von Lohnabh&auml;ngigen und ihren Familien zielt.&ldquo; So funktioniert Kampagnenjournalismus. Nur f&uuml;nf Tage davor hatte der Bundeskanzler das Thema beim CDU-Wirtschaftstag gesetzt: &bdquo;Wir m&uuml;ssen in diesem Land wieder mehr und vor allem effizienter arbeiten&ldquo;, polterte da Friedrich Merz (CDU). Die vermeintliche Expertise aus K&ouml;ln kam da gerade recht, wenngleich sie nichts beweist. Grundlage ist ein Zahlensalat der Organisation f&uuml;r wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die Daten zu Voll- und Teilzeit, &Uuml;berstunden, Schwarzarbeit und Selbstst&auml;ndigkeit vermengt und daraus einen Pro-Kopf-Wert an Arbeitspensum herleitet.<\/p><p>Die OECD weist selbst auf die Limitierung des Materials hin, wobei gerade im Fall Deutschlands eine gewaltige Unwucht wirkt. Die hohe Teilzeitquote &ndash; am Montag vom Institut f&uuml;r Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) f&uuml;rs erste Quartal mit <a href=\"https:\/\/iab.de\/presseinfo\/teilzeitbeschaeftigung-erreicht-neuen-hoechstwert\/\">knapp 40 Prozent<\/a> beziffert &ndash; rei&szlig;t den Durchschnitt nach unten. Svenja Flechtner, Juniorprofessorin f&uuml;r Plurale &Ouml;konomik an der Universit&auml;t Siegen, wittert T&auml;uschung. Die Fokussierung auf ein sinkendes Stundenmittel sei &bdquo;irref&uuml;hrend, denn sie suggeriert, dass die Deutschen fauler geworden seien und flei&szlig;iger werden m&uuml;ssten&ldquo;, befand sie gegen&uuml;ber den <em>NachDenkSeiten<\/em> und f&uuml;gte hinzu: &bdquo;Insgesamt arbeiteten die Deutschen vor zwei Jahren mit 55 Milliarden Stunden so viel wie nie zuvor.&ldquo;<\/p><p><strong>Zw&ouml;lf Stunden malochen<\/strong><\/p><p>Die <em>NachDenkSeiten<\/em> hatten schon einmal vor einer Woche im Beitrag <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=133790\">&bdquo;Denkfaule Politiker. Knickt die Wirtschaft ein, muss der Deutsche arbeitsm&uuml;de sein&ldquo;<\/a> aufgezeigt, wie haltlos das Narrativ von den &bdquo;arbeitsscheuen Deutschen&ldquo; ist. In K&uuml;rze: Es wird hierzulande mehr gearbeitet denn je. Es gab nie mehr Erwerbspersonen. J&auml;hrlich werden in Massen &Uuml;berstunden geleistet, davon mehr als die H&auml;lfte unbezahlt. Die Wirtschaftskraft bemisst sich an der Produktivit&auml;t, den Lohnst&uuml;ckkosten, nicht an Arbeitszeiten. Studien belegen eine Kausalit&auml;t zwischen Arbeitszeitverk&uuml;rzung und h&ouml;herer Produktivit&auml;t bei mehr Wohlbefinden und besserer Gesundheit der Besch&auml;ftigten. Die fortschreitende Rationalisierung (Digitalisierung, KI) ersetzt sukzessive die menschliche Arbeitskraft. Bei wachsender Arbeitslosigkeit (offiziell fast drei Millionen Betroffene) w&auml;re eigentlich eine gerechtere Verteilung von Arbeit geboten, etwa in Gestalt einer geregelten Vier-Tage-Woche.<\/p><p>Alles egal. Die Bundesregierung verfolgt einen Plan. Sie will laut Koalitionsvertrag den Acht-Stunden-Tag kippen und durch <a href=\"https:\/\/www.spd.de\/fileadmin\/Dokumente\/Koalitionsvertrag2025_bf.pdf\">&bdquo;eine w&ouml;chentliche H&ouml;chstarbeitszeit&ldquo;<\/a> nach dem Muster der EU-Arbeitszeitrichtlinie ersetzen. Danach darf die durchschnittliche Arbeitszeit f&uuml;r einen Sieben-Tage-Zeitraum die Marke von 48 Stunden einschlie&szlig;lich &Uuml;berstunden nicht &uuml;berschreiten. Ihre Begr&uuml;ndung einer &bdquo;besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf&ldquo; muss man Union und SPD nicht abnehmen. Tats&auml;chlich erlaubt schon die bestehende Rechtslage <a href=\"https:\/\/www.boeckler.de\/de\/pressemitteilungen-2675-arbeitstage-von-ueber-12-stunden-negative-folgen-fuer-gesundheit-und-vereinbarkeit-69376.htm\">&bdquo;eine erhebliche Flexibilit&auml;t&ldquo;<\/a>, wie es in einer aktuellen Kurzstudie des Hugo Sinzheimer Instituts f&uuml;r Arbeitsrecht (HSI) der Hans-B&ouml;ckler-Stiftung hei&szlig;t. So k&ouml;nne die Arbeitszeit &bdquo;ohne Rechtfertigung auf bis zu zehn Stunden t&auml;glich ausgeweitet werden, wenn innerhalb von sechs Monaten ein Ausgleich erfolgt&ldquo;. Au&szlig;erdem best&uuml;nden zahlreiche tarifvertraglich festgelegte branchen- und t&auml;tigkeitsbezogene &bdquo;Abweichungen und Ausnahmen&ldquo;. Zum Beispiel sind deshalb in Krankenh&auml;usern l&auml;ngere Arbeitszeiten als acht beziehungsweise zehn Stunden gang und g&auml;be.<\/p><p><strong>Zum Verbiegen flexibel<\/strong><\/p><p>Aber das reicht der Regierung nicht, so wenig wie den sie treibenden Kapitallobbyisten. Sie wollen die Menschen praktisch allzeit und nahezu unbegrenzt disponibel machen. Nach den Befunden der HSI-Forscher w&uuml;rde die Einf&uuml;hrung einer w&ouml;chentlichen H&ouml;chstarbeitszeit &bdquo;faktisch nach Abzug der Mindestruhezeit von elf Stunden und der entsprechenden Ruhepause von 45 Minuten eine t&auml;gliche H&ouml;chstarbeitszeit von zw&ouml;lf Stunden und 15 Minuten erm&ouml;glichen&ldquo;. Dabei sei l&auml;ngst erwiesen, &bdquo;dass Arbeitszeiten von mehr als acht Stunden die Gesundheit gef&auml;hrden&ldquo;. Langfristig komme es h&auml;ufiger zu &bdquo;stressbedingten Erkrankungen, sowohl zu psychischen Leiden wie vermehrtes Auftreten von Burn-out-Symptomatik, physischen und psychischen Ersch&ouml;pfungszust&auml;nden, als auch zu k&ouml;rperlichen Erkrankungen, etwa Schlaganf&auml;lle, Diabetes und erh&ouml;htes Krebsrisiko&ldquo;. Zudem steige das Unfallrisiko ab der achten Arbeitsstunde &bdquo;exponentiell&ldquo; an und seien Einsatzzeiten von &uuml;ber zehn Stunden &bdquo;hoch riskant&ldquo;.<\/p><p>Man m&uuml;sse &bdquo;genau hinschauen, was mit &sbquo;Flexibilisierung&lsquo; gemeint ist&ldquo;, bemerkte die &Ouml;konomin Flechtner. &bdquo;F&uuml;r die Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit, Familie und Freizeit ist flexible Arbeitszeiteinteilung besonders dann hilfreich, wenn man selbst beeinflussen und einteilen kann, wann Arbeitszeit erbracht wird.&ldquo; Davon sei im Koalitionsvertrag aber keine Rede. Die Abschaffung der t&auml;glichen H&ouml;chstarbeitszeit schaffe &bdquo;eine andere Flexibilit&auml;t, n&auml;mlich Schichten von bis zu zw&ouml;lf Stunden&ldquo;. Das k&ouml;nne f&uuml;r Betriebe attraktiv, &bdquo;d&uuml;rfte aber selten im Interesse der Besch&auml;ftigten sein&ldquo;. Im Blick hat Flechtner auch die Situation von Eltern, Alleinerzieherinnen und Personen, die sich um Angeh&ouml;rige k&uuml;mmern. Angesichts des bereits hohen Arbeitspensums von Menschen mit Betreuungs- und Pflegeverantwortung k&ouml;nne eine Erh&ouml;hung der Arbeitszeit &bdquo;nur zulasten von Gesundheit, Kindern und Familien, partnerschaftlicher Arbeitsteilung und gesellschaftlichem Engagement gehen&ldquo;.<\/p><p><strong>Jetzt schl&auml;gt&lsquo;s dreizehn<\/strong><\/p><p>Bezeichnend ist, dass ausgerechnet die SPD einmal mehr die Axt an eine zentrale Errungenschaft der Arbeiterklasse anlegt. Dabei schrecken deren F&uuml;hrer auch nicht vor grober T&auml;uschung zur&uuml;ck. In der <em>ARD<\/em> sagte der designierte Generalsekret&auml;r Tim Kl&uuml;ssendorf am 18. Mai, es gehe um Flexibilit&auml;t, die sich auch die Arbeitnehmer w&uuml;nschten, um zum Beispiel <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/multimedia\/video\/video-1467874.html\">&bdquo;vier mal zehn Stunden zu arbeiten, dann habe ich den Freitag frei&ldquo;<\/a>. Vorsicht Falle! Denn derlei ist schon auf Basis des geltenden Rechts m&ouml;glich. Taro Tatura vom Hamburger Landesverband der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di stellte dazu in einem <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1191563.wochenarbeitszeit-massiver-angriff-auf-arbeitszeitgesetz-durch-union-und-spd.html\">Gastbeitrag<\/a> f&uuml;r <em>neues deutschland (nd) <\/em>fest: &bdquo;Man will also mit F&auml;llen, f&uuml;r die eine &Auml;nderung gar nicht notwendig ist, Akzeptanz f&uuml;r das Vorhaben schaffen.&ldquo;<\/p><p>Tats&auml;chlich greife die Koalition nicht den Acht-Stunden-Tag an, der sowieso keine Verbindlichkeit hat, sondern die schon heute m&ouml;glichen zehn Stunden. Daraus drohten, so Tatura, demn&auml;chst bis zu 13 Stunden zu werden. F&uuml;r manche Branchen w&auml;re das nat&uuml;rlich attraktiv. Der Gewerkschafter macht das an Beispielen fest: So k&ouml;nnte im Einzelhandel k&uuml;nftig eine einzige Schicht eine komplette &Ouml;ffnungszeit abdecken und eine Fabrik in nur zwei statt drei Schichten auf 24 Stunden kommen. Oder in der Gastronomie werde in der Hauptsaison zwei Monate lang 13 Stunden t&auml;glich geschuftet, in der Nebensaison dann zwei Monate lang 6,2 Stunden pro Tag. Am Ende stehe trotzdem ein Schnitt von 48 Stunden. Damit werde in Kombination mit der geplanten Steuerbefreiung von Mehrarbeitszuschl&auml;gen, gerade im Niedriglohnsektor, &bdquo;eine &uuml;ber das gesunde Ma&szlig; hinausgehende Ausbeutung bef&ouml;rdert&ldquo;, warnt Tatura.<\/p><p><strong>Auf dem Holzweg<\/strong><\/p><p>Aber selbst jene, die sich &bdquo;Standortrettung&ldquo; mit sozialer Eisesk&auml;lte durch Mehrarbeit und Lohndr&uuml;ckerei erhoffen, sind auf dem Holzweg. &bdquo;Eine Arbeitszeitderegulierung, die Erkenntnisse von Arbeitsmedizin und Arbeitsforschung ausblendet und an der sozialen Realit&auml;t vorbeigeht, d&uuml;rfte wirtschaftlich sogar kontraproduktiv wirken&ldquo;, meint WSI-Fachfrau Am&eacute;lie Sutterer-Kipping.<\/p><p>Abseits der &bdquo;fatalen Folgen&ldquo; f&uuml;r Arbeitnehmer stelle dies langfristig auch das Gesundheitssystem und Arbeitgeber &bdquo;vor enorme Herausforderungen&ldquo;. Obendrein w&auml;ren weitere R&uuml;ckschritte in puncto Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu bef&uuml;rchten. &bdquo;Die Vorhersehbarkeit und Planbarkeit von Arbeitszeiten&ldquo; stellten hierbei wichtige Schl&uuml;sselfaktoren dar, und &bdquo;es droht der Effekt einer weiteren Verringerung der Erwerbsarbeit gerade bei Frauen&ldquo;.<\/p><p>Feline Tecklenburg, Co-Vorstandsmitglied der Initiative &bdquo;Wirtschaft ist Care&ldquo; (WiC), denkt einen Schritt weiter: &bdquo;Die Annahme, dass Wohlstand auf bezahlter Arbeit beruht, ist so verk&uuml;rzt wie altmodisch und f&uuml;hrt zu dem Eindruck, soziale T&auml;tigkeiten w&auml;ren ein Luxus, der freundlicherweise von der Industrie mitfinanziert w&uuml;rde&ldquo;, sagte sie den <em>NachDenkSeiten<\/em>. Es verhalte sich genau umgekehrt: &bdquo;Nur durch die Unmengen an unbezahlt geleisteter Sorgearbeit kann in Deutschland gewirtschaftet werden.&ldquo; Das anzuerkennen, w&auml;re angebracht, &bdquo;aber nicht die arrogante Herablassung eines m&auml;nnlichen Million&auml;rs, der im Zweifel noch nie viele Wochen am Bett einer Angeh&ouml;rigen verbracht hat und sicher nicht die eigene Wohnung putzt&ldquo;, so Tecklenburg. Das ging an die Adresse des Bundeskanzlers.<\/p><p><strong>Endlich Klassenkampf?<\/strong><\/p><p>Und wer k&uuml;mmert sich um Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) und dessen Kabinettsgenossen? &bdquo;Sp&auml;testens mit diesem Vorsto&szlig; muss Schluss sein mit falscher Nachsichtigkeit der Gewerkschaften gegen&uuml;ber der ehemals sozialdemokratischen SPD&ldquo;, schrieb Tatura. &bdquo;Ob im Betrieb, Parlament oder auf der Stra&szlig;e &ndash; diesen Angriff darf unsere Klasse nicht unbeantwortet lassen. Jede und jeder Abgeordnete, die oder der f&uuml;r diese Gesetzes&auml;nderung stimmt, ist unser Gegner.&ldquo; Man darf gespannt sein. &bdquo;SPD buckelt vor kleinem Mann!&ldquo; Das w&auml;re eine hei&szlig;e Schlagzeile.<\/p><p><small>Titelbild: Kittyfly\/shutterstock.com<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/494752d926d848898d53f2ff3feebc05\" alt=\"\" title=\"\" height=\"1\" width=\"1\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Arbeit macht gl&uuml;cklich und frei. Mehr davon, finden Union und SPD und holen zum Schlag gegen den Acht-Stunden-Tag aus. Drin sein sollen k&uuml;nftig bis zu 13 Stunden. Carpe diem &ndash; f&uuml;r Deinen Boss? Ach was, es geht darum, Familie und Beruf besser zu vereinbaren. Steht so im Koalitionsvertrag. 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