{"id":134165,"date":"2025-06-07T15:00:52","date_gmt":"2025-06-07T13:00:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=134165"},"modified":"2025-06-11T15:24:36","modified_gmt":"2025-06-11T13:24:36","slug":"keine-waffenruhe-fuer-gaza","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=134165","title":{"rendered":"Keine Waffenruhe f\u00fcr Gaza"},"content":{"rendered":"<p>Am vergangenen Mittwoch, am 4. Juni 2025, lag im UN-Sicherheitsrat ein Resolutionsentwurf vor, mit dem ein sofortiger und anhaltender Waffenstillstand f&uuml;r Gaza gefordert wurde. Der Text war von den zehn nicht-st&auml;ndigen, gew&auml;hlten (E 10, elected 10) Sicherheitsratsmitgliedern &ndash; Algerien, D&auml;nemark, Griechenland, Guyana, Pakistan, Panama, Republik Korea (S&uuml;dkorea), Sierra Leone, Slovenien and Somalia &ndash; ausgearbeitet und dem Rat zur Abstimmung vorgelegt worden. Vier der f&uuml;nf st&auml;ndigen Sicherheitsratsmitglieder &ndash; China, Frankreich, Gro&szlig;britannien, Russische F&ouml;deration &ndash; stimmten der Resolution zu. Die Vereinigten Staaten von Amerika (USA) legten ihr Veto ein und brachten die Initiative zu Fall. Es war das f&uuml;nfte Mal seit Beginn des Gaza-Krieges am 7. Oktober 2023, dass allein die USA <a href=\"https:\/\/news.un.org\/en\/story\/2025\/06\/1164056\">eine entsprechende Resolution blockierte<\/a>. Von <strong>Karin Leukefeld<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1425\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-134165-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250610-Keine-Waffenruhe-fuer-Gaza-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250610-Keine-Waffenruhe-fuer-Gaza-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250610-Keine-Waffenruhe-fuer-Gaza-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250610-Keine-Waffenruhe-fuer-Gaza-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=134165-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250610-Keine-Waffenruhe-fuer-Gaza-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250610-Keine-Waffenruhe-fuer-Gaza-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Die Resolution <a href=\"https:\/\/www.securitycouncilreport.org\/whatsinblue\/2025\/06\/the-middle-east-including-the-palestinian-question-vote-on-a-draft-resolution-6.php\">forderte<\/a> &ndash; wie andere Resolutionen zuvor &ndash; die &bdquo;sofortige, w&uuml;rdige und bedingungslose Freilassung aller Geiseln, die von Hamas und anderen Gruppen festgehalten werden&ldquo;.<\/p><p>Verwiesen wurde mit &bdquo;gro&szlig;er Besorgnis&ldquo; auf die &bdquo;katastrophale humanit&auml;re Situation&ldquo; in Gaza, die durch die monatelange Blockade f&uuml;r Hilfe entstanden war. Es wurde darauf hingewiesen, dass &bdquo;alle Parteien&ldquo; an das internationale Recht gebunden seien, einschlie&szlig;lich des internationalen humanit&auml;ren und Menschenrechts. Neben dem Waffenstillstand wurde die &bdquo;sofortige und bedingungslose Aufhebung aller Blockaden&ldquo; f&uuml;r humanit&auml;re Hilfe nach Gaza gefordert. UNO und humanit&auml;ren Partnerorganisationen der UNO sei im gesamten Gazastreifen ungehinderte Bewegungsfreiheit zu gew&auml;hren. Notwendige Versorgung &ndash; beispielsweise mit Strom, mit Wasser, sichere Unterk&uuml;nfte, Kliniken &ndash; m&uuml;sse wiederhergestellt werden. Die Vermittlungsbem&uuml;hungen von &Auml;gypten, Katar und den USA wurden gelobt und sollten wieder zum Leben erweckt werden, so die Resolution. Verwiesen wurde auf die Resolution 2735 (2024), in der ein st&auml;ndiges Ende der Feindseligkeiten, die Freilassung aller Geiseln, der Austausch von pal&auml;stinensischen Gefangenen, die R&uuml;ckgabe der Toten, der vollst&auml;ndige R&uuml;ckzug der israelischen Armee aus dem Gazastreifen und der Beginn langfristiger Wiederaufbauarbeit gefordert worden waren.<\/p><p><strong>USA wollen die Welt lehren<\/strong><\/p><p>Schon vor der Abstimmung hatte die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen Dorothy Shea den Resolutionsentwurf als &bdquo;inakzeptabel&ldquo; bezeichnet. Der Text sei nicht akzeptabel &bdquo;f&uuml;r das, was er sagt und f&uuml;r das, was er nicht sagt&ldquo;, so Shea. Inakzeptabel sei zudem die Art, in der der Text zustande gekommen sei. &bdquo;Die Vereinigten Staaten haben sehr klar gemacht, dass wir keinen Text unterst&uuml;tzen, der die Hamas nicht verurteilt und der nicht die Hamas auffordert, die Waffen niederzulegen und Gaza zu verlassen.&ldquo; Hamas habe zahlreiche Vorschl&auml;ge f&uuml;r einen Waffenstillstand zur&uuml;ckgewiesen, und die USA &bdquo;k&ouml;nne es nicht zulassen, dass der Sicherheitsrat diese Kompromisslosigkeit der Hamas noch belohnt&ldquo;, sagte Shea. &bdquo;Hamas und andere Terroristen d&uuml;rfen keine Zukunft in Gaza haben. Wie Au&szlig;enminister Rubio gesagt hat: Wenn Glut in der Asche &uuml;berlebt, wird wieder ein Feuer ausbrechen.&ldquo; Die Resolution habe zudem die Probleme des bisherigen, UN-gef&uuml;hrten Versorgungsmechanismus f&uuml;r den Gazastreifen nicht aufgegriffen, so Shea. Was nicht gesagt, aber vermutlich gemeint war, war, dass die von den USA und Israel eingesetzte Humanit&auml;re Gaza-Stiftung (GHF) nicht im Text erw&auml;hnt worden war. Schlie&szlig;lich bezeichnete sie die Resolution als &bdquo;unseri&ouml;s&ldquo; und &bdquo;besch&auml;mend&ldquo; f&uuml;r den Sicherheitsrat, der sich selbst &bdquo;h&ouml;here Standards setzen&ldquo; m&uuml;sse. Ihr Verweis darauf, dass es bereits &bdquo;ernsthafte Fragen zum Nutzen der UN, ihrer Finanzierung und Ressourcennutzung&ldquo; gebe, h&ouml;rte sich wie eine Drohung an.<\/p><p>Die Vertreter der 14 Staaten, die f&uuml;r die Resolution gestimmt hatten, verurteilten die Haltung der USA. Tom Fletcher, der Leiter des UN-B&uuml;ros f&uuml;r humanit&auml;re Hilfe, hatte zu Beginn der Sitzung einen Bericht &uuml;ber die Lage in Gaza abgegeben, der die USA offensichtlich nicht beeindruckt hatte. &bdquo;Die Welt sieht zu&ldquo;, so Fletcher. &bdquo;Tag f&uuml;r Tag sieht die Welt die furchtbaren Bilder von Pal&auml;stinensern, auf die in Gaza geschossen wird, die verletzt oder get&ouml;tet werden, nur weil sie versuchen, etwas zu essen zu finden.&ldquo;<\/p><p><strong>US-Administration mit &bdquo;klarer Vision&ldquo;<\/strong><\/p><p>Am folgenden Tag legte der Sprecher des US-Au&szlig;enministeriums Tommy Pigott nach. Die Vereinigten Staaten h&auml;tten erneut gezeigt, &bdquo;dass die F&uuml;hrungsrolle Amerikas von Bedeutung&ldquo; sei, sagte Pigott bei der Pressekonferenz des State Department am 5. Juni 2025 in Washington. Pr&auml;sident Trump und Au&szlig;enminister Rubio h&auml;tten eine &bdquo;klare Vision&ldquo;, weswegen die USA &bdquo;fest auf der Weltb&uuml;hne&ldquo; stehe und &bdquo;echte Ergebnisse f&uuml;r das amerikanische Volk&ldquo; erziele. Man habe eine &bdquo;kontraproduktive Resolution des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen abgelehnt, die sich gegen Israel gerichtet und die Hamas nicht verurteilt&ldquo; habe. Es sei falsch, wie in der Resolution erfolgt, einen souver&auml;nen Staat und eine terroristische Vereinigung gleichzustellen, sagte Pigott. Das untergrabe &bdquo;sinnvolle diplomatische Bem&uuml;hungen&ldquo;. Man werde sich weiter daf&uuml;r einsetzen, dass Hilfsg&uuml;ter an die Bev&ouml;lkerung in Gaza verteilt werden und &bdquo;dass die Hamas und andere terroristische Organisationen nicht weiter existieren k&ouml;nnen&ldquo;. Die Trump-Regierung sei stolz darauf, &bdquo;das erste Veto &hellip; in so einer wichtigen Frage einzulegen&ldquo;, so der Pressesprecher weiter. Die UNO m&uuml;sse zu ihrem Gr&uuml;ndungszweck zur&uuml;ckkehren und &bdquo;Frieden und Sicherheit f&ouml;rdern&ldquo;. Symbolische Aktionen (wie die Resolution) m&uuml;ssten eingestellt werden.<\/p><p><strong>Eine sch&uuml;tzende Hand f&uuml;r Straffreiheit<\/strong><\/p><p>Am gleichen Tag wurde bekannt, dass die USA weitere Sanktionen gegen Richterinnen am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag verh&auml;ngt haben. Der Gerichtshof werde politisiert und missbrauche seine Macht, hie&szlig; es in einer Erkl&auml;rung des US-Au&szlig;enministeriums. Das sehe man daran, dass er sowohl gegen die USA als auch gegen Israel ermittle. Die betroffenen Richterinnen seien direkt beteiligt, f&uuml;r den ISG gegen gesch&uuml;tzte Personen zu ermitteln, sie festzunehmen oder zu verfolgen, ohne dass der Staat, dessen Nationalit&auml;t die jeweiligen Personen h&auml;tten, zugestimmt h&auml;tte. Hintergrund ist eine Untersuchung des ISG gegen US-Soldaten in Afghanistan sowie die wegen des Gaza-Krieges ausgestellten Haftbefehle u.a. gegen den israelischen Ministerpr&auml;sidenten Benjamin Netanjahu. Das Vorgehen des Gerichts gegen die USA und Israel <a href=\"https:\/\/www.state.gov\/imposing-sanctions-in-response-to-the-iccs-illegitimate-actions-targeting-the-united-states-and-israel\/\">m&uuml;sse aufh&ouml;ren<\/a>.<\/p><p>Einen Tag sp&auml;ter, am 6. Juni 2025, <a href=\"https:\/\/www.aljazeera.com\/news\/2025\/6\/5\/netanyahu-admits-israel-backed-armed-rivals-of-hamas-in-gaza\">wurde bekannt<\/a>, dass der mit internationalem Haftbefehl gesuchte Benjamin Netanjahu angeordnet hat, kriminelle Banden und m&auml;chtige lokale Gro&szlig;familien (Clans) im Gaza-Streifen zu bewaffnen. Sie wurden erm&auml;chtigt, Hilfskonvois zu &uuml;berfallen und Pal&auml;stinenser zu t&ouml;ten, &bdquo;um israelische Soldaten zu sch&uuml;tzen&ldquo;, erkl&auml;rte Netanjahu. Die Taten wurden von Israel der Hamas zugeschrieben. Im Osten der von Israel besetzten Stadt Rafah gebe es einen St&uuml;tzpunkt dieser Gruppe, berichtete Mohammed Shehade vom European Council of Foreign Relations dem katarischen Nachrichtensender <em>Al Jazeera<\/em>.<\/p><p><strong>Die Folgen anhaltender Straflosigkeit<\/strong><\/p><p>Die Haltung der USA im UN-Sicherheitsrat und an der Seite Israels basiert auf dem eigenen Selbstverst&auml;ndnis, f&uuml;r eigene Vergehen in Kriegs- und Krisengebieten nicht verantwortlich gemacht werden zu k&ouml;nnen. Die USA f&uuml;hren und bestimmen, andere haben sich zu f&uuml;gen oder werden die Folgen sp&uuml;ren.<\/p><p>Israel hat diese Haltung mit Billigung Washingtons &uuml;bernommen. In der gegenw&auml;rtigen Lage, wo die internationale Weltordnung zun&auml;chst zerf&auml;llt, bevor sie m&ouml;glicherweise neu zusammengef&uuml;gt werden wird, zeigt sich dieses Selbstverst&auml;ndnis in der Region zwischen dem &ouml;stlichen Mittelmeer und dem Persischen Golf besonders deutlich. Israel agiert als hochger&uuml;steter W&auml;chter f&uuml;r die USA und europ&auml;ische Partner der USA, insbesondere auch in der NATO, um diese strategisch wichtige Region zu kontrollieren. Es geht um den &bdquo;Neuen Mittleren Osten&ldquo;, wie der israelische Ministerpr&auml;sident Benjamin Netanjahu schon im September 2023 vor der UN-Vollversammlung erkl&auml;rte. Pal&auml;stina oder gar die Pal&auml;stinenser hatten da schon keinen Platz mehr auf der Landkarte, die er vorzeigte. Seit dem 7. Oktober 2023 geht es Israel nicht um Selbstverteidigung, sondern um die Ausweitung seiner Macht. Verw&uuml;stung und Massaker in Gaza, im Westjordanland, im Libanon und der Vormarsch in Syrien nach dem Einmarsch der ehemaligen Al-Qaida-Vertreter in Syrien, Nusra Front und Hay&rsquo;at Tahrir al Sham (Allianz zur Befreiung der Levante) in Damaskus zeigen deutlich, wie Israel alle internationalen Regeln und Gesetze &uuml;berschreitet und was sich ihm entgegenstellt niederwalzt.<\/p><p>Bei Verhandlungen bestimmen Israel und die USA, wie die Ergebnisse ausgelegt werden. Und niemand au&szlig;er Israel (und die USA oder Partner) d&uuml;rfen in der Region &uuml;ber Waffen verf&uuml;gen, mit der sie die Souver&auml;nit&auml;t und territoriale Integrit&auml;t des eigenen Landes (!) gegen den Landhunger Israels verteidigen k&ouml;nnten. Die libanesische Armee ist schwach, die syrische Verteidigungsf&auml;higkeit komplett zerbombt, bewaffnete nicht-staatliche Akteure werden zun&auml;chst als &bdquo;Terroristen&ldquo; kriminalisiert, gegen die jedes Vorgehen erlaubt und gerechtfertigt ist.<\/p><p>Das Veto der USA im UN-Sicherheitsrat gegen eine sofortige und permanente Waffenruhe in Gaza am 4. Juni 2025 nutzte die israelische Armee umgehend am n&auml;chsten Tag nicht nur, um erneut in Gaza zu bombardieren. Erneut wurde auch der S&uuml;den der libanesischen Hauptstadt Beirut bombardiert. Als der libanesische Pr&auml;sident Joseph Aoun den Angriff scharf kritisierte und die internationale Gemeinschaft aufforderte, Israel zu dr&auml;ngen, die Ende November 2023 vereinbarte Waffenruhe mit dem Libanon zu respektieren, reagierte der israelische Verteidigungsminister Israel Katz mit unverhohlener &Uuml;berheblichkeit. Die Angriffe auf Libanon w&uuml;rden fortgesetzt, bis die libanesische Regierung die Hisbollah entwaffnet habe, erkl&auml;rte er. Es werde &bdquo;keine Ruhe in Beirut geben, keine Ordnung oder Stabilit&auml;t im Libanon, ohne Sicherheit f&uuml;r den Staat Israel&ldquo;. Und weiter: &bdquo;Vereinbarungen m&uuml;ssen eingehalten werden, und wenn Ihr nicht macht, was von Euch gefordert wird, werden wir weiter mit gro&szlig;er Gewalt (gegen Euch) vorgehen.&ldquo;<\/p><p>Die UN und ihre Organisationen sind stark geschw&auml;cht durch die Missachtung ihrer Ordnungsfunktion. Daf&uuml;r ist nicht zuletzt der UN-Sicherheitsrat verantwortlich. Die Veto-M&auml;chte haben mehr im eigenen als im internationalen Interesse f&uuml;r Frieden und Sicherheit agiert.<\/p><p>Allen voran die USA.<\/p><p><small>Titelbild: UN Photo\/Eskinder Debebe<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am vergangenen Mittwoch, am 4. 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