{"id":13424,"date":"2012-06-04T09:14:54","date_gmt":"2012-06-04T07:14:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13424"},"modified":"2015-03-05T14:12:52","modified_gmt":"2015-03-05T13:12:52","slug":"wackeliger-kompromiss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13424","title":{"rendered":"Wackeliger Kompromiss"},"content":{"rendered":"<p>Ob das neue F&uuml;hrungsduo der LINKEN die Partei wieder aus dem inneren Streit heraus in den Kampf um politische Ziele f&uuml;hren kann, ist eine offene Frage. Sowohl die als eher unabh&auml;ngige Linke geltende Sozialpolitikerin Katja Kipping aus Sachsen, als auch der westdeutsche ver.di-Gewerkschafter Bernd Riexinger aus Schwaben setzen zwar auf Integration, doch ob sie diese leisten k&ouml;nnen, d&uuml;rfte vor allem vom Verhalten des unterlegenen Dietmar Bartsch und seiner Getreuen abh&auml;ngen. Sollten diese sich zu einem Block zusammenschlie&szlig;en und auf Rache sinnen, dann wird die LINKE nicht zur Ruhe kommen und dann k&ouml;nnten sich die Hoffnungen all derjenigen erf&uuml;llen, die schon jetzt auf den Niedergang dieser Partei setzen. Von <strong>Wolfgang Lieb<\/strong><br>\n<!--more--><br>\nEin altes Klischee l&auml;sst sich nach dem Parteitag der Partei DIE LINKE in G&ouml;ttingen nicht mehr zuschreiben, n&auml;mlich dass sie eine straff organisierte, von oben gesteuerte Kaderpartei w&auml;re. Selten gab es in einer Partei bei Wahlen in die F&uuml;hrungsgremien, so viele kurzfristige und spontane Kampfkandidaturen und selten war der Ausgang von Abstimmungen &uuml;ber die Zusammensetzung eines Parteivorstandes so offen und unkalkulierbar.  <\/p><p>Man hat nur einen begrenzten Eindruck &uuml;ber einen Parteitag, wenn man ihn nur &uuml;ber die gedruckten Reden, &uuml;ber die Abstimmungsergebnisse verfolgt und vor allem wenn man den Nachrichten und Pressemeldungen Glauben schenkt. Selbst, wenn man wie ich lange Zeit diesen Konvent per Videodateien &uuml;bers Internet beobachtet hat, bekommt man die Stimmungen im Saal unter den Delegierten nicht mit. Die Gespr&auml;che am Rande oder der Verlauf der Sitzungen der verschiedenen Gruppierungen vor und w&auml;hrend eines Parteitags sagen oft mehr als die Redner, die sich am Mikrofon &auml;u&szlig;ern. Dennoch will ich meine Beobachtungen schildern.<\/p><p>Es ging auf diesem Parteitag der LINKEN vor allem um Neuwahlen f&uuml;r die Parteispitze. Schon wegen der satzungsm&auml;&szlig;igen Prozeduren mit weiblichen und gemischten Wahlen und wegen der zeitraubenden Vorstellungen der zahlreichen Bewerberinnen und Bewerber und deren Befragungen beherrschten die Wahlvorg&auml;nge den Tagungsablauf. Aber auffallend war dennoch, dass ganz &uuml;berwiegend &uuml;ber innerparteiliche Richtungs- und Str&ouml;mungsk&auml;mpfe und nicht &uuml;ber die politische Ausrichtung der Partei oder &uuml;ber die inhaltlichen Antr&auml;ge diskutiert wurde. Gestritten wurde  &uuml;ber die Ausrichtung als &bdquo;Volkspartei&ldquo; (im Osten) oder als &bdquo;Interessenpartei&ldquo; (im Westen) (so die Differenzierung durch Gregor Gysi), &uuml;ber angebliche &bdquo;Reformer&ldquo; (im Osten) oder vermeintlich &bdquo;Regierungsunwillige&ldquo; (im Westen) (wie Oskar Lafontaine die &bdquo;Verleumdungen&ldquo; in der Presse gei&szlig;elte). Dennoch: Kaum ein\/e Redner\/in lie&szlig; es aus, an Auss&ouml;hnung, an Integration, an Zusammenarbeit oder an Zusammenf&uuml;hren zu appellieren. Dabei h&auml;tten sich die zweifellos vorhandenen Konflikte doch am leichtesten austragen und wohl am besten &uuml;berbr&uuml;cken lassen, wenn man sich auf das mit gro&szlig;er Mehrheit erst im letzten Herbst verabschiedeten Parteiprogramm bezogen und &uuml;ber die Umsetzung von dessen Inhalte diskutiert h&auml;tte.<\/p><p>F&uuml;r Au&szlig;enstehende waren die Konfliktlinien kaum noch &uuml;berschaubar. Der scheidende Parteivorsitzende Klaus Ernst arbeitete sich in seiner <a href=\"http:\/\/www.die-linke.de\/index.php?id=9949\">Er&ouml;ffnungsrede<\/a> an der &bdquo;Abgrenzung&ldquo; zur heutigen Sozialdemokratie und dem &bdquo;Umgang&ldquo; mit der SPD als &bdquo;Kern der strategischen Differenz&ldquo; innerhalb der LINKEN  ab und pl&auml;dierte statt f&uuml;r Koalitionen mit anderen Parteien f&uuml;r eine &bdquo;Koalition mit dem Volk&ldquo;, einer Strategie, mit der Oskar Lafontaine und Gregor Gysi die Partei zu Erfolgen gef&uuml;hrt h&auml;tten.  <\/p><p>Der Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Gregor Gysi, unterteilte die Partei in unterschiedliche Str&ouml;mungen: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Da gibt es die prononcierten Vertreterinnen und Vertreter des Modells der Volkspartei im Osten. Und zwar leider auch solche mit Vorbehalten gegen die Interessenpartei im Westen. Dann gibt es die prononcierten Vertreterinnen und Vertreter der Interessenpartei im Westen, und zwar noch mehr unter ihnen, die bedauerlicherweise mit Vorbehalten gegen die Volkspartei im Osten beschieden sind. Dann gibt es den Gewerkschaftsfl&uuml;gel und es gibt diejenigen, die sich als unabh&auml;ngige Linke f&uuml;hlen, die nicht missbraucht werden wollen, weil sie weder mit der Geschichte der WASG noch mit der Geschichte der PDS sich verbunden f&uuml;hlen.&ldquo; <\/p><\/blockquote><p>Oskar Lafontaine hingegen <a href=\"http:\/\/www.die-linke.de\/index.php?id=9951\">kritisierte<\/a> das Zusammenrotten nach Freundschaften, pers&ouml;nlichen Vorlieben und Eitelkeiten als &bdquo;nachgeordnete Schwierigkeiten&ldquo; und erkl&auml;rte die Unterscheidung zwischen den &bdquo;Reformern&ldquo; und &bdquo;Regierungsunwilligen&ldquo; und &bdquo;Fundis&ldquo; als &bdquo;Verleumdungen und Hetzkampagnen von Seiten der Presse&ldquo;, die leider auch noch von der Partei akzeptiert und sogar nachgebetet w&uuml;rden. Er bestritt mit Hinweis auf die Koalitionsangebote der LINKEN in zahlreichen Landtagen im Westen Deutschlands vehement, dass es eine derartige Differenz zwischen Ost und West gebe. Er wies auch Gysis Begriff der &bdquo;Interessenpartei&ldquo; zur&uuml;ck und verwies darauf, dass es der gesamten Partei darum gehen m&uuml;sse, &bdquo;die Interessen der Mehrheit&ldquo; durchzusetzen. Und die gro&szlig;e Mehrheit, das seien eben die Arbeitnehmer und Rentner. <\/p><p>In zahllosen anderen Wortbeitr&auml;gen wurde noch eine Vielzahl anderer Differenzen innerhalb der Partei aufgez&auml;hlt. Aber selbst die sch&auml;rfsten Kritiker der innerparteilichen Auseinandersetzungen appellierten an Solidarit&auml;t, an den Willen zur Zusammenarbeit, an die Bereitschaft sich gegenseitig zu akzeptieren. <\/p><p>Das gilt sogar f&uuml;r die regelrechte Abrechnung mit dem Zustand seiner Partei, zu der Gregor Gysis Bericht aus der Linksfraktion im Bundestag letztlich geriet. Selten hat ein f&uuml;hrendes Mitglied einer Partei auf einem Parteitag vor laufenden Kameras so &uuml;ber die eigene Partei <a href=\"http:\/\/www.die-linke.de\/index.php?id=9950\">hergezogen<\/a>. Er sprach davon, dass die &bdquo;Vereinigung&ldquo; der Partei nicht erreicht wurde, dass bestimmte Kritik von Mitgliedern aus den alten Bundesl&auml;ndern ihn an die &bdquo;westliche Arroganz bei der Vereinigung unseres Landes&ldquo; erinnere, dass die Westler nicht akzeptierten, dass die LINKE im Osten &bdquo;Volkspartei&ldquo; ist. Er wies den Vorwurf, dass die &ouml;stlichen Landesverb&auml;nde nur eine &bdquo;zweite Sozialdemokratie&ldquo; anstrebten, mit dem Hinweis zur&uuml;ck, dass die Linkspartei in mehreren ostdeutschen L&auml;ndern st&auml;rker als die SPD sei, wovon sie im Westen &bdquo;meilenweit entfernt&ldquo; sei und dass es in Th&uuml;ringen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern die SPD gewesen sei, die Koalitionen abgelehnt habe.<\/p><p>Gysi macht einen <em>&bdquo;Hang zur Selbstzerst&ouml;rung&ldquo;<\/em> aus und er drohte sogar damit, wenn es nicht gel&auml;nge eine <em>&bdquo;kooperative F&uuml;hrung zu w&auml;hlen&ldquo;<\/em>, dass es dann besser sei, <em>&bdquo;sich fair zu trennen als weiterhin unfair, mit Hass, mit Tricksereien, mit &uuml;blem Nachtreten eine in jeder Hinsicht verkorkste Ehe zu f&uuml;hren.&ldquo;<\/em> Sogar das Wort <em>&bdquo;spalten&ldquo;<\/em> kam &uuml;ber seine Lippen.<\/p><p>Ungew&ouml;hnlich f&uuml;r eine Rede Gysis war, dass er diese komplett von einem Manuskript ablas. Das hei&szlig;t, seine Attacken waren keine spontanen Ausf&auml;lle, sondern bedacht. Gregor Gysi ist ein erfahrener und kampferprobter Politiker, welche Motive haben ihn also zu dieser harten Abrechnung getrieben? Wollte er damit Dietmar Bartsch zum Parteivorsitzenden machen? Wollte er zur Dominanz der &ouml;stlichen Landesverb&auml;nde gegen&uuml;ber den westlichen auffordern?<\/p><p>Musste er nicht ahnen, dass die Vorw&uuml;rfe gegen seine eigene Partei geradezu Munition f&uuml;r die anderen Parteien und f&uuml;r deren Absage an die &bdquo;Regierungsf&auml;higkeit&ldquo; Linkspartei liefern m&uuml;ssen? Musste er nicht einkalkulieren, dass die gegen&uuml;ber der LINKEN feindlich gesonnene Presse noch jahrelang mit Zitaten aus dieser Rede gegen seine Partei Stimmungsmache betreiben wird? Speiste er mit seiner Philippika gegen die Mitglieder aus den alten Bundesl&auml;nder nicht nur die Kampagne der Medien gegen die angeblichen &bdquo;Fundis&ldquo; aus dem Westen gegen&uuml;ber den ach so pragmatischen &bdquo;Reformern&ldquo; aus dem Osten und n&auml;hrt er damit nicht auch die Hetze gegen Oskar Lafontaine?<\/p><p>Liest man heute <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/kommentar-zur-krise-der-linken-gysi-ist-der-gewinner-a-836686.html\">Spiegel<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.focus.de\/politik\/deutschland\/linken-parteitag-gysi-zerfetzt-lafontaines-strategie-oeffentlich_aid_761745.html\">Focus<\/a> oder auch die <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/linken-parteitag-in-goettingen-machtkampf-ohne-sieger-1.1373402\">S&uuml;ddeutsche<\/a> und die &uuml;berwiegende Zahl der Medien, so w&auml;re diese Rechnung aufgegangen.<\/p><p>Was im Meinungsmainstream allerdings weitgehend untergeht, das ist, dass Gysi fast genauso hart wie mit einigen Vertretern des Westens auch mit &bdquo;Vertretern des Modells der Volkspartei&ldquo; im Osten ins Gericht geht. Er kritisiert deren &bdquo;Vorbehalte gegen die Interessenpartei im Westen&ldquo;. Er nimmt den Funktion&auml;ren der Landesverb&auml;nde Ost &uuml;bel, dass sie <em>&bdquo;zu Beginn&ldquo; &bdquo;eine Distanz&ldquo;<\/em> zu Oskar Lafontaine aufgebaut h&auml;tten, die er falsch fand.<br>\nEr beklagt, dass es eine &auml;hnliche Distanz zum (&uuml;berwiegend westlichen) Gewerkschaftsfl&uuml;gel gab. Den <em>&bdquo;pathologischen Zustand&ldquo;<\/em>, den Gysi diagnostizierte, macht er im Osten, wie im Westen aus.<\/p><p>Doch selbst wenn er nur die <em>&bdquo;Seele der ostdeutschen Mitglieder&ldquo;<\/em> streicheln wollte, h&auml;tte der medienerfahrene Gysi wissen m&uuml;ssen, dass er mit seiner Kritik Wasser auf die M&uuml;hlen der notorisch gegen&uuml;ber Oskar Lafontaine und gegen&uuml;ber der Linken im Westen feindlich gesonnen Mainstream-Medien leitet ohne dabei seiner Partei im Osten zu helfen. Denn die wird im Zweifel von den anderen Parteien ohnehin als Ableger der SED bek&auml;mpft. <\/p><p>Dar&uuml;ber hinaus muss man sich fragen, wie Gregor Gysi noch die Linksfraktion im Bundestag f&uuml;hren k&ouml;nnen will. In der Bundestagsfraktion herrsche auch &bdquo;Hass&ldquo; und &bdquo;Hass ist nicht zu leiten&ldquo;, schimpfte er. <em>&bdquo;Seit Jahren versuche ich, die unterschiedlichen Teile zusammen zu f&uuml;hren. Seit Jahren befinde ich mich zwischen zwei Lokomotiven, die aufeinander zufahren. Und ich wei&szlig;, dass man dabei zermalmt werden kann. Seit Jahren bin ich in der Situation, mich entweder bei der einen oder bei der anderen Gruppe unbeliebt zu machen, und ich bin es leid.&ldquo;<\/em>  Wie sollte er also dieser Fraktion noch weiter vorstehen k&ouml;nnen? Denn selbst wenn seine Hoffnung in Erf&uuml;llung gehen sollte und der Parteitag eine <em>&bdquo;kooperative F&uuml;hrung&ldquo;<\/em> gew&auml;hlt h&auml;tte, die <em>&bdquo;die Partei integriert und organsiert&ldquo;<\/em>, dann h&auml;tte das an der Zusammensetzung der Bundestagsfraktion nichts ge&auml;ndert. <\/p><p>Wollte man die Abrechnung Gysis mit Partei und Fraktion wohlwollend interpretieren, so k&ouml;nnte man darin aber auch den Ausbruch eines jahrelangen Frustes oder auch einen letzten verzweifelten Versuch sehen, die Spaltung der Partei aufzuhalten. Denn seine harte Kritik endete an vielen Stellen mit Appellen sich <em>&bdquo;gegenseitig zu helfen, statt sich zu bek&auml;mpfen&ldquo;<\/em>. <em>&bdquo;Eigentlich haben wir kein Recht, unsere Partei zu verspielen&ldquo;<\/em> rief er den Delegierten zu. Und: <em>&bdquo;Ihr m&uuml;sst den Weg finden, eine kooperative F&uuml;hrung zu w&auml;hlen. Die unterschiedlichen Teile unserer Partei m&uuml;ssen in der Leitung vertreten sein. Man muss sie zusammenf&uuml;hren, allerdings, um sie als Fl&uuml;gel zu entmachten. Ihr m&uuml;sstet einen Parteivorstand w&auml;hlen, der die Aufgabe annimmt, daf&uuml;r zu sorgen, dass solche K&auml;mpfe, wie wir sie gegenw&auml;rtig erleben, nicht mehr gef&uuml;hrt werden k&ouml;nnen.&ldquo;<\/em> <\/p><p>Welche Personen Gysi als geeignet ansieht, eine solche &bdquo;kooperative F&uuml;hrung&ldquo; zu stellen, dar&uuml;ber schwieg er sich aus. Allenfalls in einem kleinen Nebensatz nahm er Dietmar Bartsch aus der Schusslinie. Er habe Bartsch auch schon deutlich kritisiert, das werde er nicht wiederholen, weil dieser sich seither korrekt verhalten habe und Gysis Versuche, Kompromisse zu finden, nicht an diesem gescheitert seien. Eine offene Wahlempfehlung sieht allerdings anders aus. Andere Personen, die sich f&uuml;r den Vorstand beworben hatten, hat Gysi nicht angesprochen. <\/p><p>Oskar Lafontaine ging in seiner (Gegen-)Rede nur indirekt auf Gysi ein. Es gebe <em>&bdquo;keinen Grund, das Wort Spaltung in den Mund zu nehmen. Ich bitte Euch alle: Lasst dieses Wort in Zukunft weg!&ldquo;<\/em>, mahnte er. Die Geschichte der Arbeiterbewegung lehre, dass eine Spaltung nur dann erforderlich sein, wenn gravierende programmatische Unterschiede festgestellt w&uuml;rden. Er spielte die Konflikte auf &bdquo;Befindlichkeiten&ldquo; herunter, von einem ernsthaften Streit in der Sache habe er auf dem Parteitag nichts geh&ouml;rt. Es gebe keinen Grund, ein &bdquo;politisches Projekt&ldquo; in Frage zu stellen. Er sprach wohlweislich nicht davon, die Partei in Frage zu stellen &ndash; und an diesem Unterschied in der Begrifflichkeit k&ouml;nnte man schon den strategischen Konflikt ausmachen. <\/p><p>Lafontaine st&uuml;tzte sich auf das Grundsatzprogramm der Partei, als <em>&bdquo;die modernste Antwort auf den Abbau von Demokratie und Sozialstaat in Europa.&ldquo;<\/em><br>\n<em>&bdquo;Wer soll denn den Widerstand leisten, wenn nicht DIE LINKE!&ldquo;<\/em> rief er in den Saal. Er appellierte, den pers&ouml;nlichen Streit einzustellen oder ihn wenigstens nur im Inneren auszutragen, schlie&szlig;lich sei man doch die <em>&bdquo;Partei der organisierten Solidarit&auml;t&ldquo;<\/em>.<br>\nEr kritisierte seinen Gegner Dietmar Bartsch nur mittelbar, indem er ganz allgemein darauf hinwies, dass es nach seiner Erfahrung &bdquo;in zwei politischen Parteien&ldquo; falsch sei, vor dem Ende einer Wahlperiode von Vorst&auml;nden Gegenkandidaturen zu diskutieren. <\/p><p>Er relativierte die Str&ouml;mungen in der Partei, denn schlie&szlig;lich h&auml;tten doch alle das Grundsatzprogramm mitgetragen. Statt &uuml;ber den Streit innerhalb der Partei &uuml;ber strategische Fragen, den er von au&szlig;en in die Partei hineingetragen sieht und den er am Beispiel der &bdquo;Regierungswilligkeit&ldquo; f&uuml;r geradezu verleumderisch h&auml;lt, redet Lafontaine &uuml;ber die Erfolge der Partei und riet dazu, dem franz&ouml;sischen Beispiel zu folgen. Dort habe der Weg der Linken, ein klares Programm zu haben und dann erst die Zusammenarbeit zu suchen, zum Erfolg gef&uuml;hrt. Er ging sogar soweit, dass viele der Positionen, die der neue franz&ouml;sische Pr&auml;sident vertrete, die deutsche LINKE zuerst vorgeschlagen h&auml;tte. <\/p><p>Die Rede Lafontaines f&uuml;hrte aber auf dem Parteitag nicht wie fr&uuml;her so oft zu einem Stimmungsumschwung. Die Tonart der Selbstkritik und der Appelle, sich zusammenzuraufen, beherrschte den Parteitag bis zum Schluss. Das lag auch daran, dass Lafontaine nicht eine seiner besten Reden hielt und Lautst&auml;rke und Emphase eher &uuml;bert&ouml;nten, dass er der Partei kein konkretes Angebot machen konnte, wie sie wieder erstarken k&ouml;nnte &ndash; zumal er sich, nach seinem Verzicht auf eine Kandidatur f&uuml;r den Vorsitz, nicht mehr als Hoffnungstr&auml;ger anbieten konnte. So wirkte seine Rede eher wie die eines Ehrenvorsitzenden, der sich als Mahner aus dem Altenteil zu Wort gemeldet hat. <\/p><p>Es kann nur ger&auml;tselt werden, ob Gregor Gysi und Oskar Lafontaine, vor allem aber ob die Parteimitglieder mit der Neuwahl des gesamten Vorstandes der Partei eine Beendigung der internen Streitereien erwarten d&uuml;rfen.  <\/p><p>Die Wahlergebnisse f&uuml;r die beiden neuen Vorsitzenden der Partei, Katja Kipping und Bernd Riexinger belegen jedenfalls, dass die von Gysi unterstellte Spaltung der Partei in Ost und West unzutreffend ist. Beide hatten zwar im Vergleich zu den etablierten Parteien keine gl&auml;nzenden Wahlergebnisse, doch Kipping muss als aus dem Osten kommend mit 371 der 557 abgegebenen Stimmen (67,1%) auch Zustimmung aus dem Westen erhalten haben. Genauso wie der bis vor kurzem in der Partei und in der &Ouml;ffentlichkeit noch weitgehend unbeschriebene Schwabe Bernd Riexinger mit 297 Stimmen (= 53,5%) wenigstens auch von einem beachtlichen Teil der Delegierten aus den ostdeutschen Landesverb&auml;nden gew&auml;hlt worden sein muss. Jedenfalls haben die Delegierten aus Ostdeutschland, die mit 272 Stimmen den 228 Westdelegierten auf dem Parteitag <a href=\"http:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/228483.goettinger-parteitag-der-linken.html\">zahlenm&auml;&szlig;ig &uuml;berlegen waren<\/a>, ihre Stimmenmacht nicht ausgespielt und ihren angeblichen Favoriten Dietmar Bartsch durchgesetzt &ndash; er erhielt nur 251 Stimmen (45,23%). Offenbar wollte also die Mehrheit auf diesem Parteitag diese vermeintliche &bdquo;Mauer&ldquo; durchbrechen.  <\/p><p>Man k&ouml;nnte nun nach dem Rei&szlig;verschlussprinzip abz&auml;hlen, welche weiteren stellvertretenden Vorstandsmitglieder und wer aus dem Parteivorstand insgesamt, welcher Himmelsrichtung und welcher Str&ouml;mung innerhalb der Partei angeh&ouml;ren. Tatsache bleibt in jedem Falle, dass die Personalentscheidungen insgesamt belegen, wie wackelig die Kompromissbildung ist. S&auml;mtliche Abstimmungsergebnisse zeugen nicht gerade von gro&szlig;er Geschlossenheit der Partei. <\/p><p>Nur der Bundesgesch&auml;ftsf&uuml;hrer Matthias H&ouml;hn erhielt mit &uuml;ber 80% eine satte Mehrheit. Und nur Sahra Wagenknecht schaffte es im ersten Wahlgang mit &uuml;ber 57% zur stellvertretenden Parteivorsitzenden. Die weitere Stellvertreterin Caren Lay musste in die Stichwahl genauso wie Jan van Aken (41%) und Axel Troost (gut 46%). Auch die &uuml;brigen Mitglieder des Parteivorstandes erhielten bestenfalls Zustimmungswerte von um die 50%, die meisten mussten in eine Stichwahl und hatten teilweise sehr magere Ergebnisse. <\/p><p>Ob das neue F&uuml;hrungsduo die Partei wieder aus dem inneren Streit heraus in den Kampf um politische Ziele f&uuml;hren kann, ist eine offene Frage. Sowohl die als eher unabh&auml;ngige Linke geltende Sozialpolitikerin Katja Kipping aus Sachsen, als auch der westdeutsche ver.di-Gewerkschafter Bernd Riexinger aus Schwaben setzen zwar auf Integration, doch ob sie diese leisten k&ouml;nnen, d&uuml;rfte vor allem vom Verhalten des unterlegenen Dietmar Bartsch und seiner Getreuen abh&auml;ngen. Sollten diese auf Rache sinnen und sich zu einem Block zusammenschlie&szlig;en, dann wird die LINKE nicht zur Ruhe kommen und dann k&ouml;nnten sich die Hoffnungen all derjenigen erf&uuml;llen, die schon jetzt auf den Niedergang dieser Partei setzen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ob das neue F&uuml;hrungsduo der LINKEN die Partei wieder aus dem inneren Streit heraus in den Kampf um politische Ziele f&uuml;hren kann, ist eine offene Frage. 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