{"id":134733,"date":"2025-06-20T12:00:34","date_gmt":"2025-06-20T10:00:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=134733"},"modified":"2025-06-20T17:49:05","modified_gmt":"2025-06-20T15:49:05","slug":"der-gipfel-von-astana-zentralasien-als-zukunftssicherung-der-chinesischen-wirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=134733","title":{"rendered":"Der Gipfel von Astana: Zentralasien als \u201eZukunftssicherung\u201c der chinesischen Wirtschaft"},"content":{"rendered":"<p>Astana, die Hauptstadt Kasachstans, ist dieser Tage Austragungsort des Zentralasien-Gipfels. Kasachstan, als gr&ouml;&szlig;ter Binnenstaat und neuntgr&ouml;&szlig;ter Staat der Welt, mit gemeinsamen Grenzen zu Russland und zur Volksrepublik China sieht sich als geeigneter Austragungsort f&uuml;r dieses Forum an, welches unter der &Auml;gide von Pr&auml;sident Kassym-Schomart Tokajew steht. Von <strong>Ramon Schack<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nZentralasien, das neue und alte Herz der Welt, wird bei den anhaltenden Verschiebungen des globalen Machtgef&uuml;ges eine herausragende Rolle einnehmen &ndash; da sind sich alle Beobachter einig.<\/p><p><strong>Explosives Wachstum in Kasachstan<\/strong><\/p><p>Astana wird von einem explosiven und dynamischen Wirtschaftswachstum erfasst, das im ganzen Land zu sp&uuml;ren ist, sich aber in der neuen Hauptstadt gerade zu manifestiert.<\/p><p>Die Ausgangslage ist vergleichbar mit der in den sogenannten Tigerstaaten in Ost- und S&uuml;dostasien in den 1980er- und 1990er-Jahren, deren ph&auml;nomenaler Aufstieg sich damals dort &uuml;brigens nicht unter demokratischen Verh&auml;ltnissen vollzog &ndash; was immer man auch im Westen darunter verstehen mag &ndash;, sondern unter autokratischen Regimen, teilweise Milit&auml;rdiktaturen, die sich erst sp&auml;ter liberalisierten, aber auch nicht immer, und dabei nie das Modell des Westens vollst&auml;ndig &uuml;bernahmen.<\/p><p><strong>Chinas Einfluss in Zentralasien<\/strong><\/p><p>Die Staats- und Regierungschefs der zentralasiatischen L&auml;nder treffen sich in Astana mit Chinas Pr&auml;sidenten Xi Jinping. Xi sei daf&uuml;r am Montag zu seiner erst dritten Auslandsreise des Jahres angereist, lie&szlig;en kasachische und chinesische Medien verlautbaren.<\/p><p>Zu den Begleitern von Xi geh&ouml;rten Cai Qi, der Direktor des Generalb&uuml;ros des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh), sowie der chinesische Au&szlig;enminister Wang Yi, was die Bedeutung dieses Besuches unterstreicht.<\/p><p>Die an dem China-Zentralasien-Treffen beteiligten Politiker aus Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan arbeiten daran, sich gegen&uuml;ber der Welt&ouml;ffentlichkeit mit gemeinsamen geopolitischen Strategien zu pr&auml;sentieren. Zuvor war Xi am Montag mit dem kasachischen Staatschef Kassym-Schomart Tokajew zusammenkommen.<\/p><p>Tokajew, der seit dem Jahr 2019 Pr&auml;sident von Kasachstan ist, gilt als intimer Kenner der Volksrepublik, beherrscht Mandarin und war fr&uuml;her als Diplomat in China t&auml;tig. Tokajew war auch im vergangenen Jahr Gastgeber des damals in Astana tagenden 24. Gipfels des Shanghaier Organisation f&uuml;r Zusammenarbeit (SCO), auf dem die Aufnahme von Belarus vollzogen wurde. Dieses B&uuml;ndnis erstreckt sich seitdem also bis an die Grenzen der EU-Ostgrenze.<\/p><p>Zentralasien, eine sehr rohstoffreiche Region, in der riesige Uran- und Erd&ouml;lvorkommen sowie Seltenerdmetalle lagern und die &Uuml;berlandrouten f&uuml;r Exporte nach Europa bietet, gewann f&uuml;r China zuletzt an Bedeutung, w&auml;hrend ein sinkender Einfluss Russlands in der Region festzustellen ist.<\/p><p><strong>Zentralasien als &bdquo;Zukunftssicherung&ldquo; der chinesischen Wirtschaft<\/strong><\/p><p>Experten betonen hierbei das strategische Ziel Pekings, n&auml;mlich die Zukunftssicherung der chinesischen Wirtschaft im Falle eines totalen Bruchs mit den USA. Gleichzeitig sind die zentralasiatischen Staaten daran interessiert, ihre internationalen Beziehungen nicht einseitig zu orientieren und auch gegen&uuml;ber Peking eine gewisse Distanz zu wahren. Das Tor zur Au&szlig;enwelt stellte f&uuml;r Kasachstan immer Russland dar, wodurch der Zugang zu den Weltmeeren erm&ouml;glicht wurde und das dank niedriger Handelsschranken den Zugang zu den Weltm&auml;rkten bot, das alles flankiert von den engen personellen Verbindungen der politischen Eliten beider Staaten und der anhaltenden Bedeutung des Russischen als Amts-und Verkehrssprache neben dem Kasachischen. Kasachstan grenzt &uuml;ber 7.500 Kilometer an Russland, die Grenze zur Volksrepublik China ist etwa 1.800 Kilometer lang. Sowohl f&uuml;r Peking als auch f&uuml;r Moskau, das gilt vor allem seit dem Ausbruch des ukrainisch-russischen Krieges, ist Kasachstan von immenser strategischer Bedeutung &ndash; in erster Linie als Rohstofflieferant wie auch als Absatzmarkt und Transportkorridor. Laut Angaben der Weltbank gibt es in Kasachstan noch mehr als 5.000 unerforschte Lagerst&auml;tten, die einen Wert von 46 Billionen Dollar haben. Bez&uuml;glich der Vorkommen an Wolfram, Titan und Zinn ist Kasachstan Nummer eins weltweit.<\/p><p>Kasachstan erwirtschaftet schon jetzt weit mehr als die H&auml;lfte des gesamten BIP in der Region und strebt, basierend auf einem robusten Wirtschaftswachstum und diplomatischem Feingef&uuml;hl, auf die Weltb&uuml;hne.<\/p><p><strong>Das Konzept des &bdquo;Mittleren Korridors&ldquo;<\/strong><\/p><p>Aufgrund der umfangreichen Rohstoffvorkommen in dem zentralasiatischen Land wird Kasachstan f&uuml;r China, aber auch Indien und Europa immer wichtiger. Pr&auml;sident Tokajew lie&szlig; es sich daher nicht nehmen, nicht nur Kasachstans Rolle innerhalb des Seidenstra&szlig;en-Projektes zu w&uuml;rdigen, sondern dar&uuml;ber hinaus das geopolitische Konzept des &bdquo;Mittleren Korridors&ldquo; ins Gespr&auml;ch zu bringen, einer riesigen Handelsroute, die in S&uuml;dostasien starten und &uuml;ber China quer durch Kasachstan, das Kaspische Meer, Aserbaidschan und Georgien in Richtung Europa verlaufen soll.<\/p><p>&Auml;hnlich hatten sich kasachische Politiker vor Journalisten ge&auml;u&szlig;ert. Das Konzept des &bdquo;Mittleren Korridors&ldquo; als strategischer Entwurf wurde dabei gepriesen, welcher sowohl die Position Kasachstans festigen wird als auch die Stabilit&auml;t der Region und der Welt absichern k&ouml;nnte, da er darauf abzielt, China &uuml;ber See- und Eisenbahnlinien unter Umgehung Russlands mit Europa zu verbinden. F&uuml;r Peking ist Zentralasien schon allein deshalb wichtig, weil es an die muslimisch gepr&auml;gte chinesische Region Xinjiang grenzt &ndash; eine Region, die f&uuml;r Chinas nationale Sicherheit oberste Priorit&auml;t hat. Aber der wichtigste Faktor ist der Handel. In diesem Zusammenhang war es kein Zufall, dass Chinas Staatschef seine Idee der &bdquo;Neuen Seidenstra&szlig;e&ldquo; 2013 ausgerechnet in der kasachischen Hauptstadt Astana pr&auml;sentierte.<\/p><p><small>Titelbild: <a href=\"https:\/\/news.cgtn.com\/news\/2025-06-17\/Xi-Central-Asian-leaders-sign-declaration-on-cooperation-1EhEzjFo676\/p.html\">CGTN \/ Xinhua<\/a><\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Astana, die Hauptstadt Kasachstans, ist dieser Tage Austragungsort des Zentralasien-Gipfels. 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