{"id":134895,"date":"2025-06-23T10:00:29","date_gmt":"2025-06-23T08:00:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=134895"},"modified":"2025-06-23T16:09:34","modified_gmt":"2025-06-23T14:09:34","slug":"nato-gipfel-in-den-haag-fuenf-prozent-des-bip-fuers-militaer-und-amerikas-felsenfestes-bekenntnis-zur-transatlantischen-partnerschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=134895","title":{"rendered":"NATO-Gipfel in Den Haag: F\u00fcnf Prozent des BIP f\u00fcrs Milit\u00e4r und Amerikas \u201efelsenfestes\u201c Bekenntnis zur transatlantischen Partnerschaft"},"content":{"rendered":"<p>NATO-Generalsekret&auml;r Mark Rutte hat das zentrale Thema des Gipfeltreffens in einer Rede in einer britischen Denkfabrik erl&auml;utert. Dabei sparte er nicht mit einseitiger Kriegspropaganda. Doch was steckt hinter der Forderung, die Verteidigungsausgaben vieler NATO-Staaten mehr als zu verdoppeln? Verfolgen die USA und die europ&auml;ischen Partner &uuml;berhaupt die gleichen Ziele? Und warum ist Russland &ndash; trotz deutlicher Unterlegenheit auf dem Papier &ndash; im Begriff, den Krieg in der Ukraine zu gewinnen? Eine n&auml;here Betrachtung der jeweiligen Verteidigungsausgaben und milit&auml;rischen Potenziale gibt Aufschluss. Von <strong>Karsten Montag<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5080\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-134895-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250623_NATO_Gipfel_in_Den_Haag_Fuenf_Prozent_des_BIP_fuers_Militaer_und_Amerikas_felsenfestes_Bekenntnis_zur_transatlantischen_Partnerschaft_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250623_NATO_Gipfel_in_Den_Haag_Fuenf_Prozent_des_BIP_fuers_Militaer_und_Amerikas_felsenfestes_Bekenntnis_zur_transatlantischen_Partnerschaft_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250623_NATO_Gipfel_in_Den_Haag_Fuenf_Prozent_des_BIP_fuers_Militaer_und_Amerikas_felsenfestes_Bekenntnis_zur_transatlantischen_Partnerschaft_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250623_NATO_Gipfel_in_Den_Haag_Fuenf_Prozent_des_BIP_fuers_Militaer_und_Amerikas_felsenfestes_Bekenntnis_zur_transatlantischen_Partnerschaft_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=134895-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250623_NATO_Gipfel_in_Den_Haag_Fuenf_Prozent_des_BIP_fuers_Militaer_und_Amerikas_felsenfestes_Bekenntnis_zur_transatlantischen_Partnerschaft_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250623_NATO_Gipfel_in_Den_Haag_Fuenf_Prozent_des_BIP_fuers_Militaer_und_Amerikas_felsenfestes_Bekenntnis_zur_transatlantischen_Partnerschaft_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Der NATO-Gipfel am 24. und 25. Juni in Den Haag steht vor der T&uuml;r, und zentrales Thema wird die Anhebung der R&uuml;stungsausgaben der Mitgliedsstaaten auf f&uuml;nf Prozent des jeweiligen Bruttoinlandsprodukts (BIP) sein. In einer <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=DN222oDLmSs\">Rede mit anschlie&szlig;ender Pressekonferenz<\/a> in der britischen Denkfabrik Chatham House hat NATO-Generalsekret&auml;r Mark Rutte Anfang Juni die Hintergr&uuml;nde erl&auml;utert. Russland habe sich mit China, Nordkorea und dem Iran &bdquo;zusammengetan&ldquo;, und die L&auml;nder w&uuml;rden ihre Streitkr&auml;fte und F&auml;higkeiten ausbauen. Russland produziere in drei Monaten so viel Munition wie die gesamte NATO in einem Jahr und k&ouml;nne &bdquo;innerhalb von f&uuml;nf Jahren bereit sein, milit&auml;rische Gewalt gegen die NATO einzusetzen&ldquo;. Auch China w&uuml;rde sein Milit&auml;r &bdquo;in rasantem Tempo&ldquo; modernisieren und erweitern. Das Land verf&uuml;ge bereits &uuml;ber die &bdquo;gr&ouml;&szlig;te Marine der Welt&ldquo; und w&uuml;rde auch sein Atomwaffenarsenal ausbauen. Bis 2030 sollen laut Rutte China &bdquo;mehr als 1.000 einsatzf&auml;hige Atomsprengk&ouml;pfe&ldquo; zur Verf&uuml;gung stehen.<\/p><p>Diejenigen, die sich gegen Freiheit und Demokratie stellten, bereiteten sich auf eine &bdquo;langfristige Konfrontation&ldquo; vor und w&uuml;rden versuchen, &bdquo;uns zu beherrschen und zu besiegen&ldquo;. In diesem Zusammenhang verwies der Generalsekret&auml;r auf eine Rede des ehemaligen britischen Premierministers Winston Churchill. Dieser soll 1936 im britischen Unterhaus die Frage gestellt haben, ob es genug Zeit gebe, um &bdquo;unsere Verteidigung in Ordnung zu bringen&ldquo;, oder ob &bdquo;die schrecklichen Worte zu sp&auml;t aufgenommen&ldquo; w&uuml;rden. Die NATO w&uuml;rde heute vor derselben Frage stehen. Damit vergleicht Rutte Russland, China, Iran und Nordkorea mit Nazideutschland.<\/p><p>Die Darlegungen des ehemaligen niederl&auml;ndischen Ministerpr&auml;sidenten enthalten noch weitere Aussagen, die sehr an einseitige Kriegspropaganda erinnern und zum Teil historischen Tatsachen widersprechen. So verhalte sich Russlands Pr&auml;sident Wladimir Putin nicht wie jemand, der &bdquo;am Frieden interessiert&ldquo; sei. Russland greife &bdquo;weiterhin zivile Ziele in der Ukraine an&ldquo;. Das sei &bdquo;Gewalt um der Gewalt willen&ldquo;. Der Krieg Russlands gegen die Ukraine sei &bdquo;unprovoziert&ldquo; gewesen. Die Menschen in der Ukraine h&auml;tten &bdquo;einen gerechten und dauerhaften Frieden&ldquo; verdient &ndash; ein Synonym f&uuml;r die Niederlage Russlands. Die NATO werde hingegen &bdquo;immer ein Verteidigungsb&uuml;ndnis sein&ldquo;. Dabei verschweigt Rutte die Tatsache, dass NATO-Staaten in der j&uuml;ngeren Vergangenheit sehr wohl Angriffskriege gef&uuml;hrt haben. Selbst der bisher einzige Verteidigungsb&uuml;ndnisfall nach Artikel 5 des Nordatlantikvertrags &ndash; in der Folge des Terrorangriffs 2001 auf New York und Washington &ndash; f&uuml;hrte zu einem Angriffskrieg gegen Afghanistan &ndash; ohne dass ein einziger Afghane an dem Terroranschlag direkt beteiligt war.<\/p><p>Die Antwort des NATO-Generalsekret&auml;rs auf die von ihm konstruierte Bedrohung: &bdquo;Wir werden eine bessere NATO aufbauen. Eine, die st&auml;rker, fairer und t&ouml;dlicher ist.&ldquo; Daher m&uuml;ssten die Mitgliedsl&auml;nder &bdquo;viel mehr&ldquo; f&uuml;r die Verteidigung ausgeben. Alle B&uuml;ndnispartner w&uuml;rden das urspr&uuml;ngliche Ziel, zwei Prozent des BIP f&uuml;r die Verteidigung auszugeben, &bdquo;in diesem Jahr erreichen&ldquo;. Das sei &bdquo;eine Zusage&ldquo; aus dem Jahr 2014 gewesen. Rutte geht zudem davon aus, dass sich die Staats- und Regierungschefs der Alliierten auf dem Gipfel in Den Haag darauf einigen werden, &bdquo;f&uuml;nf Prozent des BIP f&uuml;r die Verteidigung auszugeben&ldquo;. 3,5 Prozent w&uuml;rden in &bdquo;milit&auml;rischen Kernbedarf&ldquo; investiert, w&auml;hrend der Rest in &bdquo;verteidigungs- und sicherheitsrelevante Investitionen&ldquo; flie&szlig;e, einschlie&szlig;lich Infrastruktur und Aufbau von Industriekapazit&auml;ten. Mehr Verteidigungsausgaben und -produktion w&uuml;rden f&uuml;r eine &bdquo;wirksame Abschreckung&ldquo; sorgen, das &bdquo;Wirtschaftswachstum f&ouml;rdern&ldquo; und &bdquo;Arbeitspl&auml;tze schaffen&ldquo;.<\/p><p>Und dann machte der Generalsekret&auml;r noch eine &Auml;u&szlig;erung, die sich auf den ersten Blick logisch nicht erschlie&szlig;t, angesichts der absoluten R&uuml;stungsausgaben der verschiedenen NATO-Mitglieder jedoch darauf hindeutet, was tats&auml;chlich hinter verschlossenen T&uuml;ren in dem B&uuml;ndnis diskutiert wird. So sagte Rutte, Amerika habe schon &bdquo;zu lange einen Gro&szlig;teil der Last getragen&ldquo;. Europa und Kanada w&uuml;rden nun mehr f&uuml;r die gemeinsame Sicherheit tun. Das w&uuml;rde &bdquo;durch Amerikas felsenfestes Bekenntnis zur NATO&ldquo; gest&uuml;tzt werden. Eine <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/wadephul-deutschland-folgt-usa-bei-f%C3%BCnf-prozent-ziel\/video-72556010\">&auml;hnliche Formulierung<\/a> findet sich auch bei dem deutschen Au&szlig;enminister Johann Wadephul auf einem Treffen der NATO-Au&szlig;enminister im t&uuml;rkischen Antalya Mitte Mai. So sieht er in der Forderung von US-Pr&auml;sident Donald Trump, f&uuml;nf Prozent vom BIP f&uuml;r Verteidigung auszugeben, &bdquo;ein klares Bekenntnis der Vereinigten Staaten von Amerika zu Artikel 5&ldquo; des Nordatlantikvertrags.<\/p><p><strong>Das Zwei-Prozent-Ziel war keine verpflichtende &bdquo;Zusage&ldquo;, sondern eine Richtlinie<\/strong><\/p><p>Das konkrete Ziel, dass die NATO-Partner zwei Prozent ihres BIP f&uuml;r R&uuml;stung ausgeben sollen, wurde das erste Mal auf dem Gipfel im lettischen Riga 2006 von den Staats- und Regierungschefs <a href=\"https:\/\/www.baks.bund.de\/de\/arbeitspapiere\/2019\/mythen-der-zwei-prozent-debatte-zur-diskussion-um-die-nato-verteidigungsausgaben\">m&uuml;ndlich erkl&auml;rt<\/a>. Dieses Ziel fand sich in der Folge in der <a href=\"https:\/\/www.europarl.europa.eu\/meetdocs\/2014_2019\/documents\/sede\/dv\/sede240914walessummit_\/sede240914walessummit_en.pdf\">Abschlusserkl&auml;rung des NATO-Gipfels 2014<\/a> im britischen Newport wieder. Dort hei&szlig;t es, dass B&uuml;ndnispartner, deren Anteil der Verteidigungsausgaben am BIP unter zwei Prozent liegt, &bdquo;sich bem&uuml;hen&ldquo; w&uuml;rden, &bdquo;sich innerhalb eines Jahrzehnts der 2-Prozent-Richtlinie anzun&auml;hern, um ihre NATO-F&auml;higkeitsziele zu erreichen und die F&auml;higkeitsl&uuml;cken der NATO zu schlie&szlig;en&ldquo;. In einem <a href=\"https:\/\/www.nato.int\/cps\/en\/natohq\/topics_49198.htm\">NATO-Dokument<\/a> wird ausdr&uuml;cklich von einer &bdquo;2-Prozent-Richtlinie&ldquo; gesprochen.<\/p><p>Dass die Mehrheit der wirtschaftlich st&auml;rksten NATO-Staaten sich weder nach 2006 noch nach 2014 an diese Richtlinie gebunden f&uuml;hlte, zeigt die folgende Auswertung.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/250623-Abb1-Ruestungsausgaben.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/250623-Abb1-Ruestungsausgaben.jpg\" alt=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Abbildung 1: R&uuml;stungsausgaben der wirtschaftlich st&auml;rksten NATO-Staaten im Verh&auml;ltnis zum jeweiligen Bruttoinlandsprodukt, Datenquelle: <a href=\"https:\/\/www.sipri.org\/databases\/milex\">Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI)<\/a><\/small><\/p><p>W&auml;hrend die USA nach ihrem v&ouml;lkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen den Irak und der darauf folgenden Besatzung des Landes, die bis 2011 andauerte, ihre Verteidigungsausgaben auf circa 3,5 Prozent des BIP gesenkt haben, pendeln seit 2006 lediglich Gro&szlig;britannien und Frankreich um die Zwei-Prozent-Marke. Allerdings lagen diese beiden L&auml;nder seit der Gr&uuml;ndung der NATO noch nie unter diesem Wert, sondern eher deutlich dar&uuml;ber. Andere wirtschaftlich bedeutende NATO-L&auml;nder wie Italien, Spanien und Kanada haben seit 2006 den Anteil der Verteidigungsausgaben am BIP kaum erh&ouml;ht und lagen auch 2024 noch deutlich unter zwei Prozent. Lediglich Deutschland hat ab 2022 mit dem <a href=\"https:\/\/multipolar-magazin.de\/artikel\/bundeswehr-sondervermoegen\">&bdquo;Sonderverm&ouml;gen Bundeswehr&ldquo;<\/a> den Anteil erh&ouml;ht und n&auml;hert sich derzeit dem geforderten Wert.<\/p><p>Dass alle NATO-Staaten 2025 das Zwei-Prozent-Ziel erreichen werden, wie Generalsekret&auml;r Rutte dies formuliert hat, ist zudem angesichts der Zahlen f&uuml;r 2024 zumindest zweifelhaft.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/250623-Abb2-Ruestungsausgaben.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/250623-Abb2-Ruestungsausgaben.jpg\" alt=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Abbildung 2: R&uuml;stungsausgaben der NATO-Staaten 2024 im Verh&auml;ltnis zum jeweiligen Bruttoinlandsprodukt, Datenquelle: <a href=\"https:\/\/www.sipri.org\/databases\/milex\">Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI)<\/a><\/small><\/p><p>Zwar haben sowohl Italien, Spanien und Belgien gem&auml;&szlig; eines <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/pro\/europas-verteidigungsausgaben-sind-unausgegoren-und-kurzfristig-gedacht-ld.1881434\">Beitrages in der <em>Neuen Z&uuml;rcher Zeitung<\/em><\/a> erst k&uuml;rzlich angek&uuml;ndigt, die geforderte Marke noch 2025 zu erreichen. Doch die schweizerische Tageszeitung geht davon aus, dass das Kriterium in diesen L&auml;ndern nur kurzzeitig und nicht ohne finanzielle Haushaltstricks erreicht wird. Auch der kanadische Premierminister Mark Carney hat <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Rp556VIVTRI\">&uuml;berraschend angek&uuml;ndigt<\/a>, dass sein Land noch 2025 das Zwei-Prozent-Ziel erreicht und nicht erst &ndash; wie geplant &ndash; in f&uuml;nf Jahren. Allerdings <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/en\/canada-boosts-defense-spending-to-hit-natos-2-target-early\/a-72848318\">betonte er<\/a>, dass es ihm dabei vornehmlich um eine gr&ouml;&szlig;ere Unabh&auml;ngigkeit von den USA ginge. Auch Portugal will die Zwei-Prozent-Marke <a href=\"https:\/\/finance.yahoo.com\/news\/portugal-meet-2-defence-spending-201051777.html\">bereits 2025 erreichen<\/a> und nicht erst, wie geplant, 2029. Doch das Land erreicht selbst den bisherigen Anteil von 1,5 Prozent laut einem <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/portugal-nato-verteidigungspolitik-li.3229237\">Bericht der <em>S&uuml;ddeutschen Zeitung<\/em><\/a> nur mit Finanztricks.<\/p><p><strong>Woher kommt die Forderung nach R&uuml;stungsausgaben in H&ouml;he von f&uuml;nf Prozent Anteil am BIP?<\/strong><\/p><p>Bereits in seiner ersten Amtszeit als US-Pr&auml;sident hat Donald Trump auf dem NATO-Gipfel in Br&uuml;ssel 2018 von den Staats- und Regierungschefs der Partnerl&auml;nder <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/article\/world\/trump-tells-nato-leaders-to-increase-defense-spend-to-4-percent-idUSKBN1K12BW\/\">gefordert<\/a>, vier Prozent des jeweiligen BIP f&uuml;r die Verteidigung auszugeben. Zur damaligen Zeit wurde seine Forderung noch als &bdquo;Rhetorik&ldquo; abgetan. Man sollte zuerst auf zwei Prozent kommen, sagte beispielsweise der damalige NATO-Generalsekret&auml;r Jens Stoltenberg.<\/p><p>Nachdem w&auml;hrend der US-Regierung unter Joe Biden diese Forderungen nicht erneuert wurden, lie&szlig; Trump nach seiner Wiederwahl und noch vor seiner Amtseinsetzung &uuml;ber sein Team <a href=\"https:\/\/www.ft.com\/content\/35f490c5-3abb-4ac9-8fa3-65e804dd158f\">europ&auml;ischen Politikern mitteilen<\/a>, dass er von den NATO-Mitgliedsstaaten eine Erh&ouml;hung der Verteidigungsausgaben auf f&uuml;nf Prozent des BIP verlangen wird. Wenige Tage zuvor hatte der damals designierte US-Pr&auml;sident <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/ausland\/donald-trump-zieht-nato-austritt-absolut-in-betracht-und-droht-ukraine-mit-geldentzug-a-dbfbdd9f-254f-4158-a503-3ae73f9d6132\">mit einem Austritt seines Landes aus der NATO gedroht<\/a>, sollten die anderen Verb&uuml;ndeten nicht mehr Geld f&uuml;r Verteidigung ausgeben.<\/p><p>Auf dem NATO-Au&szlig;enministertreffen in Antalya Mitte Mai <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/wadephul-deutschland-folgt-usa-bei-f%C3%BCnf-prozent-ziel\/video-72556010\">k&uuml;ndigte der deutsche Au&szlig;enminister Wadephul schlie&szlig;lich an<\/a>, dass &bdquo;wir&ldquo; Trumps Forderungen folgen w&uuml;rden &ndash; wobei nicht deutlich wurde, ob mit &bdquo;wir&ldquo; die NATO-Au&szlig;enminister oder Deutschland gemeint war. Bereits einen Tag sp&auml;ter <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/my-europe\/2025\/05\/16\/nato-deutschland-verteidigung\">relativierte Bundeskanzler Friedrich Merz<\/a> die Zusage seines Au&szlig;enministers. Die Debatte solle nicht &bdquo;&uuml;berbewertet&ldquo; werden. Die &bdquo;Diskussion um Prozentzahlen vom BIP&ldquo; sei eine &bdquo;Hilfskonstruktion&ldquo;, um Richtwerte zu haben, in welche Richtung die Aufr&uuml;stung der Streitkr&auml;fte gehe. Es ginge darum, die F&auml;higkeit zu entwickeln, den europ&auml;ischen Kontinent &bdquo;aus eigener Kraft heraus&ldquo; verteidigen zu k&ouml;nnen, so Merz.<\/p><p>Der britische Premierminister Keir Starmer hat <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/premier-starmer-kuendigt-hoehere-verteidigungsausgaben-an-100.html\">bereits im Februar angek&uuml;ndigt<\/a>, die Verteidigungsausgaben seines Landes bis 2027 auf 2,5 Prozent und danach auf drei Prozent des BIP zu erh&ouml;hen. Der franz&ouml;sische Pr&auml;sident Emmanuel Macron <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/europa\/frankreich-fuehrungsposition-europa-100.html\">hat im M&auml;rz gefordert<\/a>, den Verteidigungsetat seines Landes auf 3,5 Prozent des BIP zu steigern.<\/p><p><strong>Die NATO &ndash; das sind gr&ouml;&szlig;tenteils die USA<\/strong><\/p><p>Warum US-Pr&auml;sident Trump derartige Forderungen stellen kann und warum zumindest Deutschland, Gro&szlig;britannien, Frankreich und viele weitere europ&auml;ische Staaten bereit sind, ihm zu folgen, wird erst deutlich, wenn man nicht die prozentualen, sondern die absoluten R&uuml;stungsausgaben betrachtet. In der nachfolgenden Abbildung sind diese Ausgaben sowie zum Vergleich die theoretischen Werte bei einem Anteil von f&uuml;nf Prozent vom jeweiligen BIP dargestellt.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/250623-Abb3-Ruestungsausgaben.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/250623-Abb3-Ruestungsausgaben.jpg\" alt=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Abbildung 3: R&uuml;stungsausgaben der NATO-Staaten 2024 tats&auml;chlich und theoretisch (bei f&uuml;nf Prozent vom BIP) in US-Dollar, Datenquelle: <a href=\"https:\/\/www.sipri.org\/databases\/milex\">Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI)<\/a><\/small><\/p><p>Die Vereinigten Staaten geben derzeit ann&auml;hernd doppelt so viel f&uuml;r die Verteidigung aus wie alle &uuml;brigen 31 NATO-Staaten zusammen. Selbst wenn alle B&uuml;ndnispartner &ndash; inklusive der USA &ndash; ihr Verteidigungsbudget auf f&uuml;nf Prozent des jeweiligen BIP erh&ouml;hen w&uuml;rden, l&auml;gen die Ausgaben der Vereinigten Staaten noch immer elf Prozent &uuml;ber den Gesamtausgaben der restlichen B&uuml;ndnisl&auml;nder. Auch wenn alle europ&auml;ischen NATO-Staaten ihr Verteidigungsbudget auf f&uuml;nf Prozent des jeweiligen BIP erh&ouml;hen w&uuml;rden, l&auml;ge die Summe noch immer um ein Drittel niedriger als die derzeitigen Gesamtausgaben der NATO inklusive USA und Kanada.<\/p><p>Angesichts dieser Zahlen und der milit&auml;rischen Lage in der Ukraine erschlie&szlig;t sich, warum die f&uuml;hrenden Staaten der <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=130497\">&bdquo;Koalition der Willigen&ldquo;<\/a> bereit sind, ihre R&uuml;stungsausgaben drastisch zu steigern und den Forderungen Trumps nachzukommen. Denn ein endg&uuml;ltiges Aussteigen der USA aus der Unterst&uuml;tzung der Ukraine w&uuml;rde die Ziele dieser vornehmlich europ&auml;ischen Allianz durchkreuzen. Diese bestehen darin, &bdquo;Friedenstruppen&ldquo; in die Ukraine zu entsenden, um einen &bdquo;gerechten Frieden&ldquo; in der Ukraine zu erm&ouml;glichen. Hinter diesen Bezeichnungen steckt das Gegenteil von dem, was sie suggerieren sollen. Denn mit einem &bdquo;gerechten Frieden&ldquo; ist die R&uuml;ckeroberung aller von Russland besetzen Gebiete in der Ukraine, inklusive der Krim, gemeint &ndash; also eine vollkommene milit&auml;rische Niederlage Russlands. Die Entsendung von &bdquo;Friedenstruppen&ldquo;, um einen eventuellen Waffenstillstand zu sichern, w&uuml;rde bedeuten, dass gr&ouml;&szlig;ere Kontingente von NATO-Einheiten dauerhaft und offiziell in der Ukraine stationiert werden. Dies k&auml;me einer NATO-Mitgliedschaft des Landes gleich. Denn sollte der Waffenstillstand nicht halten, wie dies h&auml;ufig im Laufe des vorangegangenen B&uuml;rgerkriegs in der Ukraine der Fall war, dann w&auml;ren NATO-Truppen direkt und offiziell in den Krieg verwickelt. Erkl&auml;rtes Ziel des russischen Angriffs auf die Ukraine war jedoch, <a href=\"https:\/\/pekin.mid.ru\/en\/news\/about_the_special_military_operation_in_ukraine\/\">eine Integration des Landes in die NATO zu verhindern<\/a>. Die &bdquo;Koalition der Willigen&ldquo; treibt also nicht eine Friedensinitiative voran, sondern eine Eskalation des Krieges.<\/p><p>Diesen Krieg ist die Ukraine im Begriff zu verlieren &ndash; und das nicht erst seit der Ank&uuml;ndigung der neuen US-Regierung unter Donald Trump, sich aus der Unterst&uuml;tzung des Landes zur&uuml;ckzuziehen. Nach der erfolglosen Sommeroffensive 2023 muss die ukrainische Armee in allen vier umk&auml;mpften Regionen <a href=\"https:\/\/www.warmapper.org\/stats\">kontinuierlich Gebiete r&auml;umen<\/a>, insbesondere im Oblast Donezk. Auch die Eroberungen der Ukraine in der russischen Region Kursk waren ein Fehlschlag, denn das offensichtliche Ziel der Operation &ndash; die <a href=\"https:\/\/www.themoscowtimes.com\/2024\/08\/16\/what-happens-if-ukraine-seizes-the-kursk-nuclear-power-plant-a86045\">Einnahme des Kursker Kernkraftwerkes<\/a> &ndash; wurde nicht erreicht, und die russische Armee konnte s&auml;mtliche besetzten Gebiete zur&uuml;ckerobern.<\/p><p><strong>Auf dem Papier sollte Russland den Krieg in der Ukraine theoretisch verlieren<\/strong><\/p><p>Verwunderlich &ndash; zumindest aus der Sicht vieler westlicher Politiker &ndash; ist die Tatsache, dass Russland trotz der immensen finanziellen und milit&auml;rischen <a href=\"https:\/\/www.ifw-kiel.de\/de\/themendossiers\/krieg-gegen-die-ukraine\/ukraine-support-tracker\/\">Unterst&uuml;tzung der Ukraine<\/a> haupts&auml;chlich durch die NATO, trotz des strategischen und taktischen <a href=\"https:\/\/multipolar-magazin.de\/artikel\/kriegsplanung-von-deutschem-boden\">Eingreifens der USA<\/a> und vieler europ&auml;ischer Staaten in die Kriegshandlungen und trotz der beispiellosen <a href=\"https:\/\/www.consilium.europa.eu\/de\/policies\/sanctions-against-russia-explained\/\">Sanktionen der EU<\/a> und <a href=\"https:\/\/ofac.treasury.gov\/sanctions-programs-and-country-information\/russia-related-sanctions\">der USA<\/a> den Krieg &uuml;berhaupt gewinnen kann. Dass die russische Wirtschaft sich von den westlichen Sanktionen gr&ouml;&szlig;tenteils unbeeindruckt zeigt, liegt vorrangig an der wirtschaftlichen Kooperation innerhalb der BRICS-Staaten &ndash; insbesondere zwischen Russland, China und Indien. Diese konnte das Wegbrechen der f&uuml;r Russland besonders wichtigen Handelsverbindungen nach Europa <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=115361\">ann&auml;hernd komplett kompensieren<\/a>.<\/p><p>Doch der milit&auml;rische Erfolg Russlands erstaunt zumindest angesichts der R&uuml;stungsausgaben des Landes sowie seiner milit&auml;rischen Verb&uuml;ndeten Nordkorea und Iran.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/250623-Abb4-Ruestungsausgaben.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/250623-Abb4-Ruestungsausgaben.jpg\" alt=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Abbildung 4: R&uuml;stungsausgaben der BRICS-Staaten und Nordkoreas 2024 in US-Dollar, Datenquellen: <a href=\"https:\/\/www.sipri.org\/databases\/milex\">Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI)<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.globaldata.com\/data-insights\/aerospace-and-defence\/uae-defense-market-budget-assessment-drivers-market-trends-2022\/\">GlobalData<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.defensenews.com\/global\/asia-pacific\/2023\/01\/19\/north-korea-passes-new-defense-budget\/\">DefenseNews<\/a><\/small><\/p><p>Die Verteidigungsausgaben Russlands betrugen 2024 lediglich ein Zehntel der Gesamtausgaben der NATO f&uuml;r R&uuml;stung und Milit&auml;r. Die Verteidigungsbudgets des Irans und Nordkoreas sind im Verh&auml;ltnis dazu so gering, dass sie kaum erw&auml;hnenswert erscheinen. Auf dem Papier sollte Russland also den Abnutzungskrieg in der Ukraine klar verlieren. Doch das Gegenteil ist der Fall. Die Gr&uuml;nde daf&uuml;r m&uuml;ssen also woanders zu finden sein.<\/p><p><strong>Ohne die USA und NATO-Bodentruppen kein &bdquo;gerechter Frieden&ldquo; in der Ukraine<\/strong><\/p><p>Wenn laut NATO-Generalsekret&auml;r Rutte Russland in drei Monaten so viel Munition &ndash; gemeint ist in diesem Fall <a href=\"https:\/\/edition.cnn.com\/2024\/03\/10\/politics\/russia-artillery-shell-production-us-europe-ukraine\">Artilleriemunition <\/a> &ndash; produzieren kann wie die gesamte NATO in einem Jahr, dann ist Russland offenbar deutlich besser auf einen Landkrieg vorbereitet als die Staaten des westlichen Verteidigungsb&uuml;ndnisses. Das macht aus der Perspektive Russlands durchaus Sinn, denn das gr&ouml;&szlig;te Land der Welt l&auml;sst sich letztendlich nur &uuml;ber einen Landkrieg erobern beziehungsweise verteidigen. Die NATO-Staaten haben hingegen eine <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=116099\">deutliche &Uuml;berlegenheit<\/a> bei den Luft- und Seestreitkr&auml;ften aufgebaut. Diese haben sie in der Vergangenheit haupts&auml;chlich gegen hoffnungslos unterlegene Gegner in Serbien, Afghanistan, im Irak, Libyen und Syrien eingesetzt &ndash; allesamt L&auml;nder ohne eine ad&auml;quate Luftverteidigung.<\/p><p>Ausschlaggebend in einem Landkrieg ist auch die Gr&ouml;&szlig;e, die Ausr&uuml;stung und die Ausbildung der Infanterie sowie die Potenziale, eine solche auf Dauer bei gro&szlig;en Verlusten zu ersetzen. In dieser Hinsicht ist Russland der Ukraine deutlich &uuml;berlegen.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/250623-Abb5-Ruestungsausgaben.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/250623-Abb5-Ruestungsausgaben.jpg\" alt=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Abbildung 5: Gr&ouml;&szlig;e der Armee und menschliche Reserven, Russland und Ukraine, Datenquelle: <a href=\"https:\/\/www.globalfirepower.com\/countries-listing.php\">Global Firepower<\/a><\/small><\/p><p>Um das Blatt in der Ukraine zu wenden und die Ziele der &bdquo;Koalition der Willigen&ldquo; zu erreichen, ist neben einer Steigerung der R&uuml;stungsausgaben in Europa und einer weiteren Unterst&uuml;tzung der USA also auch ein Einsatz von westlichen Bodentruppen in der Ukraine zwingend erforderlich. Vor diesem Hintergrund erschlie&szlig;en sich letztendlich die Aussagen von NATO-Generalsekret&auml;r Rutte (&bdquo;Amerikas felsenfestes Bekenntnis zur NATO&ldquo;) und von Bundesau&szlig;enminister Wadephul (&bdquo;Klares Bekenntnis der Vereinigten Staaten von Amerika zu Artikel 5&ldquo;). Man will mit dem Erf&uuml;llen von Trumps Forderungen die USA dazu bewegen, weiterhin in den Krieg in der Ukraine zu investieren.<\/p><p>Vordergr&uuml;ndig wird das Narrativ vorgeschoben, Russland k&ouml;nne &ndash; oder w&uuml;rde sogar &ndash; in f&uuml;nf Jahren europ&auml;ische NATO-Staaten angreifen. Die Bev&ouml;lkerung der europ&auml;ischen NATO-Mitgliedsl&auml;nder ohne die T&uuml;rkei betr&auml;gt jedoch 500 Millionen Menschen (Russland: 140 Millionen). Diese L&auml;nder verf&uuml;gen derzeit &uuml;ber knapp 1,7 Millionen aktive Soldaten (Russland: 1,3 Millionen) und weitere drei Millionen Reservisten (Russland: zwei Millionen). Das Verteidigungsbudget der europ&auml;ischen NATO-Mitgliedsl&auml;nder ohne die T&uuml;rkei &uuml;bertrifft mit derzeit knapp 455 Milliarden Dollar das russische um mehr als das Dreifache. Der Kreml m&uuml;sste wahnsinnig sein, einen Krieg mit europ&auml;ischen NATO-Staaten &uuml;berhaupt nur in Erw&auml;gung zu ziehen. Trotzdem werden westliche Politiker und Medien nicht m&uuml;de, das Narrativ vom russischen Angriff st&auml;ndig zu wiederholen, mehr Ausgaben f&uuml;r Verteidigung zu fordern und die Wiedereinf&uuml;hrung der Wehrpflicht zu diskutieren.<\/p><p>In der Milit&auml;rtheorie wird davon ausgegangen, dass ein Angreifer in einem Krieg eine &Uuml;berlegenheit an Soldaten <a href=\"https:\/\/www.truppendienst.com\/themen\/beitraege\/artikel\/verteidigung-kampf-gegen-den-angreifer\">von mindestens drei zu eins ben&ouml;tigt<\/a>, um die Verteidigungsstellungen des Gegners einzunehmen. Selbst dann ist ein Sieg noch lange nicht garantiert. Im <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Winterkrieg\">sowjetisch-finnischen Winterkrieg<\/a> zwischen 1939 und 1940 verf&uuml;gte die Rote Armee &uuml;ber eine &Uuml;berlegenheit an Soldaten von drei zu eins, an Artillerie von f&uuml;nf zu eins und an Panzern von achtzig zu eins. Trotzdem scheiterte die sowjetische Invasion Finnlands.<\/p><p>Eine noch deutlichere &Uuml;berlegenheit europ&auml;ischer NATO-Streitkr&auml;fte gegen&uuml;ber Russland, wie sie die &bdquo;Koalition der Willigen&ldquo; derzeit anstrebt, macht also nur Sinn, wenn es nicht nur darum geht, dass eigene Territorium zu verteidigen, sondern auch Gebiete zu erobern beziehungsweise zur&uuml;ckzuerobern. Ein solches Vorgehen k&ouml;nnte die Herstellung eines &bdquo;gerechten Friedens&ldquo; in der Ukraine darstellen. Denn um die russisch besetzen Gebiete in der Ukraine einzunehmen, m&uuml;sste die ukrainische Armee in der Lage sein, die russischen Verteidigungsstellungen zu &uuml;berwinden. Dies ist nur m&ouml;glich, wenn die westlichen Verb&uuml;ndeten noch mehr Waffen, Munition und Ausr&uuml;stung liefern und zudem auch eigene Truppen entsenden.<\/p><p><strong>Die &bdquo;Koalition der Willigen&ldquo; k&ouml;nnte die Rechnung ohne den Wirt machen<\/strong><\/p><p>Der &bdquo;Wirt&ldquo; ist in diesem Fall die USA, denn diese hat sich unter Pr&auml;sident Donald Trump offensichtlich daf&uuml;r entschieden, die von Russland eroberten Gebiete in der Ukraine abzuschreiben und die US-amerikanischen Ressourcen eher f&uuml;r Stellvertreterkriege im Nahen Osten oder im Indopazifik zu verwenden. Wie bereits <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=132369\">in einem fr&uuml;heren Beitrag dargestellt<\/a>, geht es den Vereinigten Staaten vordergr&uuml;ndig nicht darum, Gerechtigkeit herzustellen oder Territorien zur&uuml;ckzuerobern &ndash; auch wenn europ&auml;ische Politiker und Journalisten dies so darstellen oder am Ende sogar selbst glauben. Prim&auml;res Ziel ist vielmehr, das Entstehen einer wirtschaftlichen und milit&auml;rischen Supermacht auf dem Eurasischen Kontinent dauerhaft zu verhindern, um die US-Vormachtstellung in der Welt zu sichern.<\/p><p>Eine in der Entstehung begriffene europ&auml;isch-russische wirtschaftliche Supermacht scheint aufgrund der gesprengten Nord-Stream-Pipelines, dem Krieg in der Ukraine und den EU-Sanktionen gegen Russland auf Dauer verhindert. Aus US-amerikanischer geopolitischer Sicht geht es nunmehr darum, die wachsenden engen wirtschaftlichen und auch milit&auml;rischen Kooperationen haupts&auml;chlich zwischen Russland, China und dem Iran zu torpedieren. US-Au&szlig;enminister Marco Rubio hat <a href=\"https:\/\/multipolar-magazin.de\/meldungen\/0167\">in einem Interview Anfang des Jahres<\/a> durchscheinen lassen, dass er sich von den gesteigerten R&uuml;stungsausgaben in Europa eine milit&auml;rische Kooperation im Indopazifik erhofft. Im gleichen Atemzug warf er Frankreich, Deutschland und Spanien vor, sie w&uuml;rden zu wenig in ihre Landesverteidigung investieren und das Geld lieber f&uuml;r ihre &bdquo;enormen&ldquo; Sozialsysteme ausgeben.<\/p><p>Geht es nach dem Willen der USA, soll die europ&auml;ische Unter- und Mittelschicht zuk&uuml;nftig in den gleichen prek&auml;ren Verh&auml;ltnissen leben wie in den Vereinigten Staaten, daf&uuml;r aber Ressourcen und Soldaten aufbringen, um an anderen Orten auf dem Eurasischen Kontinent zu k&auml;mpfen. Vordergr&uuml;ndig geht es nat&uuml;rlich darum, diejenigen Kr&auml;fte einzuhegen, die sich gegen &bdquo;Freiheit und Demokratie&ldquo; stellen und &bdquo;uns&ldquo; beherrschen und besiegen wollen. NATO-Generalsekret&auml;r Mark Rutte hat diese Pille l&auml;ngst geschluckt, wenn er vor einer wachsenden chinesischen Gefahr warnt. Schaltet man jedoch den Fernseher einmal f&uuml;r l&auml;ngere Zeit aus, besch&auml;ftigt sich auch nur ansatzweise mit den Hintergr&uuml;nden von Geopolitik und z&auml;hlt eins und eins zusammen, dann ist das eigentliche Ziel leicht zu erkennen. Es geht um die Wahrung der US-amerikanischen Vormachtstellung in der Welt, von der die westeurop&auml;ischen Staaten lange Zeit profitiert haben, die aber aufgrund des Aufstrebens der BRICS-Staaten und der hohen Kosten f&uuml;r die &bdquo;transatlantische Partnerschaft&ldquo; f&uuml;r Europa immer unattraktiver wird.<\/p><p><small>Titelbild: Onur26120\/stutterstock.com<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/c7443a5e16ed465586d1b03d3ef9872b\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>NATO-Generalsekret&auml;r Mark Rutte hat das zentrale Thema des Gipfeltreffens in einer Rede in einer britischen Denkfabrik erl&auml;utert. Dabei sparte er nicht mit einseitiger Kriegspropaganda. Doch was steckt hinter der Forderung, die Verteidigungsausgaben vieler NATO-Staaten mehr als zu verdoppeln? Verfolgen die USA und die europ&auml;ischen Partner &uuml;berhaupt die gleichen Ziele? Und warum ist Russland &ndash; trotz<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=134895\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":134896,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,172,211],"tags":[3293,2102,1426,2301,466,1367,259,2930,1977,1800,260,1556],"class_list":["post-134895","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-aufruestung","category-veranstaltungshinweiseveranstaltungen","tag-bellizismus","tag-geostrategie","tag-hegemonie","tag-konfrontationspolitik","tag-nato","tag-ruestungsausgaben","tag-russland","tag-rutte-mark","tag-transatlantische-partnerschaft","tag-trump-donald","tag-ukraine","tag-usa"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/shutterstock_2250648805.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/134895","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=134895"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/134895\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":134936,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/134895\/revisions\/134936"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/134896"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=134895"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=134895"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=134895"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}