{"id":135123,"date":"2025-06-28T12:00:17","date_gmt":"2025-06-28T10:00:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=135123"},"modified":"2025-06-28T15:39:02","modified_gmt":"2025-06-28T13:39:02","slug":"ein-russland-forscher-von-besonderem-format-nachruf-auf-kai-ehlers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=135123","title":{"rendered":"Ein Russland-Forscher von besonderem Format \u2013 Nachruf auf Kai Ehlers"},"content":{"rendered":"<p>Am 22. Juni ist Kai Ehlers in Hamburg verstorben. Er war ein &ndash; vor allem in alternativen Kreisen &ndash; bekannter Russland-Forscher, Buchautor und Journalist[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=135123#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]. Ehlers bereiste Russland seit 1989 auf eigene Faust. Er schrieb dar&uuml;ber, was der deutsche Mainstream &uuml;berging, den Alltag der Russen, ihre Werte, Traditionen und Hoffnungen. Ehlers schrieb auch &uuml;ber die russischen politischen R&auml;nder &ndash; links und rechts &ndash; sowie &uuml;ber Russlands Sicht auf den Westen. Seine Reisen finanzierte er mit B&uuml;chern, Radio-Features und Vortr&auml;gen. Auch die NachDenkSeiten ver&ouml;ffentlichten <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?gastautor=kai-ehlers\">Beitr&auml;ge von ihm<\/a>. Ein Nachruf von <strong>Ulrich Heyden<\/strong> (Moskau). <\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3292\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-135123-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250627_Ein_Russland_Forscher_von_besonderem_Format_Nachruf_auf_Kai_Ehlers_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250627_Ein_Russland_Forscher_von_besonderem_Format_Nachruf_auf_Kai_Ehlers_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250627_Ein_Russland_Forscher_von_besonderem_Format_Nachruf_auf_Kai_Ehlers_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250627_Ein_Russland_Forscher_von_besonderem_Format_Nachruf_auf_Kai_Ehlers_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=135123-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250627_Ein_Russland_Forscher_von_besonderem_Format_Nachruf_auf_Kai_Ehlers_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250627_Ein_Russland_Forscher_von_besonderem_Format_Nachruf_auf_Kai_Ehlers_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Ehlers reiste nicht ausgestattet mit Geld und Weisungen eines deutschen Verlages oder einer deutschen Uni durch Russland. Er probierte es auf eigene Faust und hatte Erfolg. Er lernte Russisch und fragte sich von einem Kontakt zum n&auml;chsten durch. Innerhalb von fast 40 Jahren bereiste er zahlreiche Regionen Russlands.<\/p><p>In den 1990er-Jahren begann der Journalist, Features f&uuml;r den <em>Norddeutschen Rundfunk<\/em> zu produzieren. Die Nachfrage nach authentischen Geschichten aus Russland war damals riesig. In allen Medienberichten schwang die bedrohliche Frage mit: Wird Russland angesichts des Chaos, welches w&auml;hrend der Einf&uuml;hrung der Marktwirtschaft herrschte, &bdquo;zur&uuml;ck&ldquo; in den Kommunismus &bdquo;fallen&ldquo;, oder werden gar Ultrarechte die Macht erobern?<\/p><p>Ehlers hatte seinen eigenen Kopf. Er baute zwar in alternativen Kreisen in Hamburg seit den 1990er-Jahren verschiedene Diskussionszirkel auf, war aber mit niemandem eng. Alle seine B&uuml;cher erschienen bei verschiedenen Verlagen.<\/p><p><strong>Kriegskind<\/strong><\/p><p>Ehlers war ein Kriegskind. Er wurde 1944 in Br&uuml;x (bei Prag) geboren. Als er aufwuchs, war der Krieg schon vorbei, aber in den K&ouml;pfen der Mitmenschen waren Krieg und Faschismus noch in der einen oder anderen Form pr&auml;sent.<\/p><p>Nach dem Abitur studierte er Germanistik, Publizistik und Theaterwissenschaft in G&ouml;ttingen und ab 1967 in Berlin. Dort lebte er eine Zeit lang in der &bdquo;Kommune 1&ldquo;. Die linksorientierte Jugend demonstrierte damals gegen Notstandsgesetze und f&uuml;r Solidarit&auml;t mit dem Volk von Vietnam. Viele Jugendliche &ndash; auch Ehlers &ndash; wollten neue, selbstbestimmte, nicht-patriarchale Lebensformen ausprobieren.<\/p><p>Nach den ersten Experimenten fand er den Weg zur organisierten politischen Arbeit. Von den 1970ern bis Ende der 1980er-Jahre geh&ouml;rte er zum Leitungsgremium des Kommunistischen Bundes (KB). Ehlers leitete die Antifa-Kommission des KB, welche sich mit Untersuchungen &uuml;ber staatliche Repression, Neonazis und deren Ideologie besch&auml;ftigte. Nach Meinung des Kommunistischen Bundes gab es in der Bundesrepublik Deutschland eine schrittweise Faschisierung, welche die Herrschenden betrieben &ndash; nicht aus Angst vor der Opposition, sondern pr&auml;ventiv.<\/p><p>Als der KB sich 1991 aufl&ouml;ste, begann Ehlers, als freier Journalist und Publizist zu arbeiten. Seine politische Vergangenheit verschwieg er &ndash; wie andere &bdquo;68er&ldquo; &ndash; nicht. Dazu war er in der linken Szene zu bekannt. Auch widersprachen Anpasserei und Wegducken seinen Prinzipien.<\/p><p><strong>Russland von innen<\/strong><\/p><p>Als freier Journalist stieg Ehlers bei einem der brennendsten Themen ein, das es Ende der 1980er-Jahre gab: die Aufl&ouml;sungstendenzen der Sowjetunion beziehungsweise Russlands. W&auml;hrend die deutschen Mainstream-Medien nur interessierte, wer in Russland gewinnt &ndash; Boris Jelzin, Michail Gorbatschow oder russische Ultranationalisten &ndash;, interessierte Ehlers vor allem, was die einfachen Russen umtreibt, welche Erfahrungen, Traditionen und Vorstellungen von der Zukunft sie haben.<\/p><p>Ehlers begann seine journalistische und schriftstellerische Arbeit in Leningrad, heute St. Petersburg. Dorthin war er als Teilnehmer einer Gruppenreise des CVJM gefahren. Sp&auml;ter schlug er sich dann nach Tschuwaschien an der Wolga durch, wo er sich mit dem Leiter des Tschuwaschischen Kulturzentrums anfreundete.<\/p><p>Es dr&auml;ngte ihn weiter nach Osten. Er begleitete eine Gruppe von Psychologen bei ihren Arbeitseins&auml;tzen in Sibirien. Schlie&szlig;lich reiste er in die Mongolei, weil man Eurasien nur verstehen kann, wenn man auch in der Mongolei war, so Ehlers.<\/p><p>Er war nicht nur Fragensteller und Interview-Sammler, er hatte auch seine eigene politische Werteskala. Demokratisch, sozial, sebstbestimmt und selbstorgansiert standen ganz oben auf dieser Skala.<\/p><p><strong>Feldforschung in Russland<\/strong><\/p><p>F&uuml;r einen westdeutschen Linken war das Reisen in die Sowjetunion und Russland in den 1980er- und 1990er-Jahren abenteuerlich. Man kannte zwar die grundlegenden Werke von Lenin, die Reden von Gorbatschow und die kritischer Intellektueller wie der Soziologin Tatjana Saslawskaja, die mit ihrem &bdquo;Manifest von Nowosibirsk&ldquo;[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] 1983 einen Ansto&szlig; f&uuml;r die Perestroika gab.<\/p><p>Aber man wusste nichts vom realen Leben in Russland, nichts von den H&uuml;rden und Freuden des Alltags, nichts von den Sitten, den Beziehungen zwischen M&auml;nnern und Frauen, der Rolle der Familie, dem Blick auf den &bdquo;Gro&szlig;en Vaterl&auml;ndischen Krieg&ldquo; und die Deutschen.<\/p><p>Die Eingew&ouml;hnung in den neuen kulturellen Raum war zwar anstrengend, aber auch sehr belebend, insbesondere, wenn man aus dem mit antikommunistischem M&uuml;ll &uuml;bers&auml;ten Westdeutschland kam. Kai Ehlers reizte Russland, was zwar oft chaotisch war und Nerven kostete, wo aber die Menschen einen mit Neugier, Offenheit und Herzlichkeit f&uuml;r alle Strapazen entsch&auml;digten.<\/p><p>Ehlers suchte &ndash; wie man es von seiner Herkunft her h&auml;tte vermuten k&ouml;nnen &ndash; nicht zuallererst Kontakt zu russischen Kommunisten. Er suchte interessante Menschen aus allen Gesellschaftsschichten, die ihm Russland erkl&auml;ren konnten.<\/p><p>Oft waren es gebildete Menschen, aber nicht nur. Er f&uuml;hrte auch Interviews mit bekannten Sowjetdissidenten wie Walerija Nowodworskaja, die wegen ihrer systemkritischen Haltung in einer psychiatrischen Anstalt gesessen hatte. Er sprach auch mit dem Empork&ouml;mmling der neuen liberal-kapitalistischen Klasse, Alfred Koch. Dieser verwaltete Anfang der 1990er-Jahre das staatliche Eigentum von St. Petersburg und sp&auml;ter von ganz Russland.<\/p><p><strong>Was waren die Leitgedanken von Ehlers?<\/strong><\/p><p><strong>Obstschina<\/strong><\/p><p>Kai Ehlers war davon &uuml;berzeugt, dass Russland durch seine Tradition der Obstschina &ndash; die Selbstverwaltung der d&ouml;rflichen Gemeinschaften &ndash; politische Unruhen und Wirtschaftskrisen &uuml;berleben kann. Die Obstschina, welche in den 1920er-Jahren durch die Zwangskollektivierung vom Staat &bdquo;gekapert&ldquo; wurde, k&ouml;nne in einer freieren Gesellschaft neu entstehen und zu einer Alternative zum liberal-kapitalistischen Weg werden. Das arbeitete er in seinem Buch &bdquo;Kartoffeln haben wir immer&ldquo; (2010) heraus.<\/p><p><strong>Russland als Alternative<\/strong><\/p><p>Aufgrund seiner multinationalen Struktur, dem gro&szlig;en Raum, der geographischen Lage und der Obstschina-Tradition k&ouml;nne Russland positive Impulse f&uuml;r eine soziale und friedliche Entwicklung in der Welt geben.<\/p><p><strong>Kulturelle Verflechtungen<\/strong><\/p><p>Man muss Russland als Zentrum Eurasiens wahrnehmen und statt Gegnerschaft kulturelle Gemeinsamkeiten herausstellen. Der Autor fand bei einem Freund, dem Leiter des Tschuwaschischen Kulturzentrums an der Wolga, &bdquo;eine bisher unbekannte Fassung des Nibelungenliedes, die zugleich die Geschichte des tschuwaschischen Volkes erz&auml;hlt: Attilas Geschichte aus &ouml;stlicher, hunnischer Sicht. Das Epos enth&auml;lt die dramatische Geschichte von der Begegnung zwischen Attil und Krimkilte, die mit dem Tod des m&auml;chtigen Herrschers, dem Zerfall des Hunnenreiches und dem R&uuml;ckzug der Hunnen aus Europa endete und dazu f&uuml;hrte, dass die Vorfahren der Tschuwaschen an der Wolga eine neue Heimat fanden.&ldquo;[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] Zusammen mit ostdeutschen Forschern ver&ouml;ffentlichte Ehlers das tschuwaschische Original des Epos in dem Buch &bdquo;Attil und Krimkilte&ldquo; (2011).<\/p><p><strong>Warnungen vor Zbigniew Brzezinski<\/strong><\/p><p>Ehlers warnte immer wieder vor den Pl&auml;nen des US-Geopolitikers Zbigniew Brzezinski. Seine Warnungen wiederholte er wie ein Mantra, fand aber selbst in der deutschen Linken wenig Widerhall.<\/p><p>Von Brzezinski stammte die Idee, die afghanischen Mudschahedin milit&auml;risch zu unterst&uuml;tzen. So k&ouml;nne man die Sowjetunion destabilisieren, indem man ihr &bdquo;ein Vietnam&ldquo; beschert. In seinem Buch &bdquo;Die einzige Weltmacht&ldquo; (1997) schrieb Brzezinski unverhohlen, Russland d&uuml;rfe nie wieder Imperium werden. Es gehe darum, Russland zu schw&auml;chen und aufzuspalten. Wer das &bdquo;Herzland&ldquo;, das Zentrum Eurasiens, beherrsche, k&ouml;nne die Welt beherrschen [Anm. d. Red.: basierend auf der sogenannten &bdquo;Heartland-Theorie&ldquo; von Halford John Mackinder]. Die immer wieder ge&auml;u&szlig;erten Warnungen Ehlers&lsquo; waren &ndash; wie der Griff der NATO auf die Ukraine zeigt &ndash; berechtigt.<\/p><p><strong>Sympathie f&uuml;r Putin<\/strong><\/p><p>Als Wladimir Putin im Jahr 2000 Pr&auml;sident Russlands wurde, kommentierte Ehlers das mit Hoffnung. Er war kein wirklicher Fan von Putin, konnte dem russischen Pr&auml;sidenten aber viel Positives abgewinnen. Putin habe das Transformationschaos, den wilden Kapitalismus, den Separatismus und den drohenden Zerfall Russlands gestoppt.<\/p><p>Als Analytiker sch&auml;tzte Ehlers einen Mann, der ab 2022 zum erkl&auml;rten Gegner von Putin wurde. 2015 ver&ouml;ffentlichte Ehlers im Laika-Verlag zwei B&auml;nde &bdquo;25 Jahre Perestroika&ldquo; mit Interviews, die er &uuml;ber die Jahre mit dem russischen Soziologen und Chefredakteur der Internetzeitung <em>Rabkor<\/em>, Boris Kagarlitzky, gef&uuml;hrt hatte. Kagarlitzki kritisierte Putin ab 2022 wegen des russischen Einmarschs in die Ukraine. Der russische Chefredakteur sitzt seit 2023 im Gef&auml;ngnis.<\/p><p><strong>Der Br&uuml;ckenbauer<\/strong><\/p><p>Ehlers sah sich nie nur als Journalist, er wollte auch Br&uuml;ckenbauer sein. Anfang der 1990er-Jahre gr&uuml;ndete er den Verein Nowostroika, mit dem er russische Demokraten und Antifaschisten aus dem Pro-Jelzin-Lager in Moskau mit an Russland interessierten Menschen in Deutschland vernetzen wollte. Eine Klammer zwischen beiden Seiten war damals das Interesse, dass Russland nicht in einen Ultranationalismus &agrave; la Schirinowski abgleitet. Man bem&uuml;hte sich um finanzielle Unterst&uuml;tzung aus Br&uuml;ssel, was jedoch nicht klappte. Zur Existenzsicherung entwickelte Ehlers ein zweites Standbein. Er trat auf Konferenzen Russland-interessierter, meist alternativer Kreise mit Vortr&auml;gen &uuml;ber Russland auf.<\/p><p>Seit den 2000er-Jahren besch&auml;ftigte sich Ehlers verst&auml;rkt auch mit der Frage der Verarmung in Deutschland. Au&szlig;erdem nahm er aktiv Anteil am Leben deutscher Landkommunen. Gegen den Zentralismus der EU-B&uuml;rokratie stellte er seine Vorstellung von einem &bdquo;Europa der Regionen&ldquo;.<\/p><p>Parallel zu seinen politischen Analysen besch&auml;ftigte sich der Publizist auch mit spirituellen Fragen. Ein Bezugspunkt wurde f&uuml;r ihn der Philosoph Rudolf Steiner.<\/p><p>Ich kenne Kai Ehlers seit Jahrzehnten. Was die Berichterstattung aus Russland betrifft, waren wir oft Konkurrenten, denn der Markt f&uuml;r unsere Berichte war immer klein. Trotzdem sch&auml;tzten wir uns. Ich bewunderte ihn f&uuml;r sein Draufg&auml;ngertum, allein durch Russland zu reisen. Und ich freute mich dar&uuml;ber, dass er in Russland auch das Positive suchte und nicht nur auf das Negative guckte.<\/p><p>Manchmal kamen mir seine Gedanken zu tr&auml;umerisch-wolkig vor. Mir schien, dass er die Bedeutung der Obstschina-Tradition im heutigen Russland &uuml;bersch&auml;tzte. Trotzdem fand ich seinen Ansatz, die positiven, nicht gleich sichtbaren Traditionen in Russland zu beachten und zu untersuchen, richtig.<\/p><p>Offen gesagt: Kai Ehlers fehlt mir jetzt. Wer soll an seine Stelle treten? Der Platz des mutigen, unabh&auml;ngigen Forschers droht zu verwaisen.<\/p><p><strong>Das Ehlers-Archiv<\/strong><\/p><p>Dass Kai Ehlers am 84. Jahrestag des deutschen &Uuml;berfalls auf die Sowjetunion starb, ist ein merkw&uuml;rdiges Zusammentreffen zweier trauriger Ereignisse. Im August 2024 hat der Journalist und Publizist auf seiner Website das letzte Mal einen Text ver&ouml;ffentlicht. Ehlers starb an einer Krebserkrankung.<\/p><p>Er lebte mit seiner Frau. Er hatte Kinder und hinterl&auml;sst ein gro&szlig;es Werk, zahlreiche B&uuml;cher &uuml;ber Russland und Eurasien, einen gro&szlig;en Bestand an Audio-Cassetten mit in Russland und der Mongolei gef&uuml;hrten Interviews.<\/p><p>Wie ich h&ouml;rte, wurde bereits begonnen, das Archiv zu ordnen und die Audio-Aufnahmen zu digitalisieren. Einer derjenigen, die sich um dieses Archiv k&uuml;mmern wollen, ist der im russischen Tarussa lebende deutsche Journalist Gunnar J&uuml;tte (<em>Russland.news<\/em>), bei dem Ehlers oft wohnte.<\/p><p>Man kann nur hoffen, dass es gelingt, das Archiv zu digitalisieren und die wertvollen Original-Interviews mit russischen Gespr&auml;chspartnern aus allen Gesellschaftsschichten und Regionen zu vollenden. So wird es m&ouml;glich sein, dass Interessierte einen tieferen, authentischen Blick in die russische Gesellschaft bekommen, als &bdquo;Tagesschau&ldquo; und &bdquo;Tagesthemen&ldquo; bieten.<\/p><p><small>Titelbild: Screenshot\/Weltnetz.TV<\/small><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Website von Kai Ehlers <a href=\"http:\/\/www.kai-ehlers.de\">kai-ehlers.de<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Die Hauptthesen des &bdquo;Manifests von Nowosibirsk&ldquo; waren: Die Sowjetunion befindet sich in einer Systemkrise. Das Wirtschaftswachstum sinkt. Die Effektivit&auml;t geht zur&uuml;ck. Die Arbeiterklasse strebt nicht mehr nach qualitativ guter Arbeit und Erneuerungen. Die Arbeiter sind nicht nur eine Klasse, sondern auch Pers&ouml;nlichkeiten und Tr&auml;ger von Kultur. Um die Situation der Wirtschaft zu verbessern, muss man nicht nur vom Klassenstandpunkt ausgehen, sondern auch von nationalen Besonderheiten, den pers&ouml;nlichen Interessen und Werten der B&uuml;rger. Die pers&ouml;nlichen Interessen der Parteib&uuml;rokratie sind zu bestimmend. Ohne radikale Reformen wird das Land nicht weiterkommen.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Kai Ehlers in: Attil und Krimkilte, Rhombos-Verlag, Berlin, 2011, S. 9<\/p>\n<\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/7d4a439248c04117a5947cd363d58394\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 22. Juni ist Kai Ehlers in Hamburg verstorben. Er war ein &ndash; vor allem in alternativen Kreisen &ndash; bekannter Russland-Forscher, Buchautor und Journalist[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=135123#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]. Ehlers bereiste Russland seit 1989 auf eigene Faust. Er schrieb dar&uuml;ber, was der deutsche Mainstream &uuml;berging, den Alltag der Russen, ihre Werte, Traditionen und Hoffnungen. Ehlers schrieb auch &uuml;ber<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=135123\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":135124,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,198],"tags":[1206,2102,1471,747,915,2283,259,2147],"class_list":["post-135123","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-einzelne-politiker-personen-der-zeitgeschichte","tag-brzezinski-zbigniew","tag-geostrategie","tag-investigativer-journalismus","tag-nachruf","tag-putin-wladimir","tag-revolution","tag-russland","tag-sowjetunion"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/250627-Screenshot-Weltnetz.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/135123","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=135123"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/135123\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":135272,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/135123\/revisions\/135272"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/135124"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=135123"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=135123"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=135123"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}