{"id":13529,"date":"2012-06-14T16:49:42","date_gmt":"2012-06-14T14:49:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13529"},"modified":"2015-03-06T09:27:58","modified_gmt":"2015-03-06T08:27:58","slug":"die-grosen-versager-und-ihre-ablenkungsmanover","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13529","title":{"rendered":"Die gro\u00dfen Versager und ihre Ablenkungsman\u00f6ver"},"content":{"rendered":"<p>In der letzten Zeit h&auml;ufen sich &ouml;ffentlich vorgetragene Warnungen und Klagen &uuml;ber die Lage in Europa, die von Personen vorgetragen werden, die f&uuml;r die in der Tat gef&auml;hrliche Situation ma&szlig;geblich verantwortlich sind. Auf vier dieser gro&szlig;en Versager und ihre meist scheinheiligen und ablenkenden Verlautbarungen will ich hinweisen: auf Otmar Issing, Joschka Fischer, J&ouml;rg Asmussen und Jens Weidmann. Alle vier haben geleitet von Unwissenheit oder von Zynismus oder von Interessen wesentlich zur schwierigen Situation im Euroraum und in Europa beigetragen. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Otmar Issing<\/strong><\/p><p><strong>Zur T&auml;tigkeit des vermutlich dreistesten Versagers:<\/strong><br>\n<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Otmar_Issing\">Issing<\/a> war ab 1990 im Direktorium der Deutschen Bundesbank und Chefvolkswirt und in dieser Funktion z.B. mitverantwortlich f&uuml;r den Abbruch des Einheitsbooms unter anderem durch eine massive Erh&ouml;hung des Leitzinses; dann war er ab Juni 1998 bis zum Mai 2006, also acht Jahre lang, Mitglied des sechsk&ouml;pfigen Direktoriums der Europ&auml;ischen Zentralbank und verantwortlich f&uuml;r die Generaldirektionen &bdquo;Forschung&ldquo; und &bdquo;Wirtschaft&ldquo;, seit 2007 ist er Berater der Investmentbank Goldman Sachs, gleichzeitig, also parallel zur Funktion des Beraters einer privaten Bank, wurde er von Merkel und Steinbr&uuml;ck zum Vorsitzenden einer Expertengruppe ernannt, die Vorschl&auml;ge zur Regulierung der internationalen Finanzm&auml;rkte machen sollte.<br>\nIssing war also in h&ouml;chsten und einflussreichen &Auml;mtern, und dies in der Zeit, als sowohl die Maastricht-Kriterien als auch der Euroraum geplant und entwickelt wurden. Er war mitverantwortlich f&uuml;r die Defizite dieser Planung. Einem dogmatischen Monetarismus verpflichtet hat er das Problem der Auseinanderentwicklung der Lohnst&uuml;ckkosten und damit der Wettbewerbsf&auml;higkeit der einzelnen Euro-Staaten nicht gesehen oder bewusst ignoriert, und dies, obwohl er von Amts wegen als Mitglied des Direktoriums der EZB f&uuml;r die Beobachtung und Begleitung der Entwicklung in den einzelnen L&auml;ndern zust&auml;ndig war.<\/p><p><strong>Und jetzt, im Juni 2012, schreibt er in der FAZ einen Artikel mit dem Titel &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/schuldenkrise-europa-in-not-deutschland-in-gefahr-11781892.html\">Schuldenkrise. Europa in Not &ndash; Deutschland in Gefahr<\/a>&ldquo;<\/strong><\/p><p>Das nenne ich dreist. Hier nur ein paar Hinweise auf eine F&uuml;lle von Ungereimtheiten und dreisten Ablenkungen:<\/p><ul>\n<li>Selbstverst&auml;ndlich nennt er die jetzige Krise eine Schuldenkrise.<\/li>\n<li>Als Berater von Goldman Sachs darf es aus seiner Sicht keine Banken- und schon gar keine Spekulantenkrise sein. Vorw&auml;rts verteidigend behauptet er: &bdquo;der Versuch, Spekulanten oder Ratingagenturen als die Schuldigen zu identifizieren, ist l&auml;ngst als Ablenkungsman&ouml;ver entlarvt&ldquo;. Hier spricht der Lobbyist von Goldman Sachs und damit der Lobbyist der Spekulanten.<\/li>\n<li>Issing beklagt die Misswirtschaft in anderen L&auml;ndern. Er beklagt die hemmungslose Kreditvergabe der Banken, &uuml;berzogene Lohnsteigerungen und rigide Regelungen am Arbeitsmarkt der betroffenen L&auml;nder. &ndash; Ja, wenn das so ist, warum hat er dann nicht als Chef&ouml;konom der EZB davor gewarnt? Hat er in dieser zentralen Funktion geschlafen? Damit geh&ouml;rt er zur gro&szlig;en Gemeinschaft jener Verantwortlichen, die die Fehlentwicklungen und die Fehlkonstruktionen in Europa und im Euroraum nicht gesehen oder ignoriert haben. Das ist schon schlimm. Hinterher aber dar&uuml;ber zu jammern und anderen die Verantwortung zuzuschieben, ist unglaublich.<\/li>\n<li>Er beklagt die Verschuldung der Euro-L&auml;nder und ignoriert selbstverst&auml;ndlich die Tatsache, dass dies zum Beispiel bei Spanien nachweisbar nicht zutrifft. Die Staatsverschuldung ist in Spanien immer geringer gewesen als in Deutschland zum Beispiel.<\/li>\n<li>Issing pocht darauf, dass Vertr&auml;ge und Verpflichtungen eingehalten werden. Ja, wo blieb denn seine Intervention als Direktoriumsmitglied der EZB gegen den Bruch der Verpflichtungen auf die Maastricht-Kriterien auch durch Deutschland?<\/li>\n<li>Wirklich schrecklich an diesem Beitrag ist, dass Issing keine vern&uuml;nftige L&ouml;sung f&uuml;r das in Not geratene Europa anbietet. Darauf wies auch Wolfgang M&uuml;nchau am 13.6.2012 in SPON hin:<br>\n<blockquote><p><em>&bdquo;Wenn der ehemalige EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing in der &ldquo;Frankfurter Allgemeinen Zeitung&rdquo; gegen die Bankenunion und die Fiskalunion argumentiert, verheimlicht er die Konsequenzen, die sich ergeben w&uuml;rden, wenn man seiner Argumentation folgt. Da er ein kluger Mann ist, nehme ich an, dass er den Zusammenbruch des Euro stillschweigend in Kauf nimmt. Ihm geht es um das Prinzip. Die Frage, die wir uns aber stellen m&uuml;ssen, ist, ob uns dieses Prinzip eine erneute Weltwirtschaftskrise wert ist. Wollen wir wirklich die Fehler der Prinzipienreiter vergangener Generation wiederholen?&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote>\n<\/li>\n<\/ul><p>Diese Sicht teile ich, mit einer Ausnahme. Ich halte Issing nicht f&uuml;r einen klugen Mann. Kluge Menschen k&ouml;nnen keine Monetaristen sein. Kluge Menschen mussten wissen, dass eine W&auml;hrungsunion so, wie sie angelegt ist, nicht funktionieren kann. Issing ist ein Dogmatiker. Da seine Dogmen f&uuml;r viele Menschen existenzbedrohend sind, muss man ihn leider auch einen Zyniker nennen.<\/p><p><strong>Joschka Fischer<\/strong><\/p><p><strong>Zu seiner relevanten T&auml;tigkeit:<\/strong><br>\nJoschka Fischer war Au&szlig;enminister mit Verantwortung f&uuml;r die Europapolitik und er war Vizekanzler von 1998-2005. Das war die Zeit der Einf&uuml;hrung des Euro. Es war zugleich die Zeit der Einf&uuml;hrung der Agenda 2010, des Lohndumping in Deutschland und des Aufbaus eines Niedriglohnsektors. Fischer war mitverantwortlich f&uuml;r die so genannten Reformen, die jetzt nach der herrschenden Lehre der Nachfolgeregierung von Rot-Gr&uuml;n, also von Merkel und Sch&auml;uble, auch anderen V&ouml;lkern aufgen&ouml;tigt werden sollen. &bdquo;Sparen&ldquo; und &bdquo;Reformen&ldquo; &ndash; das sind bekannterma&szlig;en die beiden von Deutschland ausgesandten Botschaften und Forderungen. Fischer hat an den Grundlagen dieses Unsinns mitgearbeitet, in ma&szlig;geblicher Funktion. Er hat vor allem als direkt verantwortlicher Au&szlig;enminister offensichtlich nicht gesehen, was geschieht, wenn sich die L&ouml;hne und Preise und damit die Wettbewerbsf&auml;higkeit in den Euro L&auml;ndern so auseinander entwickeln, wie es schon Anfang des letzten Jahrzehnts erkennbar war. <\/p><p><strong>Jetzt, am 4. Juni 2012 ver&ouml;ffentlicht dieser f&uuml;r die Fehlentwicklung mitverantwortliche ehemalige Vizekanzler und Au&szlig;enminister einen Beitrag in der S&uuml;ddeutschen Zeitung unter dem Titel &bdquo;Europ&auml;ische Finanzkrise &ndash; Europa steht in Flammen&ldquo;<\/strong> <\/p><p>Im <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/2.220\/europaeische-finanzkrise-europa-steht-in-flammen-1.1373683\">Gastbeitrag<\/a> von Joschka Fischer hei&szlig;t es:<\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Deutschland ist einsam und isoliert. Wider alle historische Erfahrung h&auml;lt Kanzlerin Merkel dogmatisch an einer Sparpolitik fest, die Europa an den Abgrund gef&uuml;hrt hat.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>Das ist richtig. Aber wenn Joschka Fischer jetzt Angela Merkel angreift, dann sollte er auch bedenken, dass diese Entwicklung in der Politik der Regierung Kohl und der von Fischer ma&szlig;geblich mitgetragen Rot-Gr&uuml;nen Regierung angelegt war. Sie haben Hartz IV und die Agenda 2010 ohne R&uuml;cksicht auf europ&auml;ische Verluste durchgesetzt, weil genauso wie CDU\/CSU und FDP weder die SPD noch die Gr&uuml;nen sich jemals f&uuml;r die Frage, wie eine W&auml;hrungsunion funktioniert, interessiert haben, sondern blind ihrem leider zur &Uuml;berraschung von vielen neoliberal gepr&auml;gten Kurs folgten. Hier ruft ein Brandstifter nach der Feuerwehr.<\/p><p>Weiter schreibt Fischer in der S&uuml;ddeutschen Zeitung:<\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Wenn der Euro und mit ihm der zweitgr&ouml;&szlig;te Wirtschaftsraum der Welt zerf&auml;llt, dann wird das eine Krise ausl&ouml;sen, wie sie die heute lebenden Generationen noch nicht erlebt haben.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Zeiten sind ernst, sehr ernst sogar. Wer h&auml;tte jemals auch nur davon getr&auml;umt, dass David Cameron die Regierungen der Euro-Gruppe dazu auffordern w&uuml;rde, endlich all ihren Mut zusammenzunehmen und gemeinsam eine <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Fiskalunion\">Fiskalunion<\/a> (gemeinsames Budget, Steuerpolitik, gemeinsame Garantie f&uuml;r die Staatsschulden) und, da es anders nicht geht, auch eine politische Union zu schaffen? Nur so k&ouml;nne ein Zerfall des Euro aufgehalten werden.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>Fischer ist zwar ein ganzes St&uuml;ck vern&uuml;nftiger als Issing. Aber er t&auml;uscht sich, wenn er meint, mit einer Fiskalunion k&ouml;nne der Zerfall des Euro aufgehalten werden. Ohne eine Ann&auml;herung der Lohnst&uuml;ckkosten und ohne eine Ann&auml;herung der Wettbewerbsf&auml;higkeit der Euro-Staaten wird das Problem nicht zu l&ouml;sen sein. Da hilft dann auch die Forderung nach einer gemeinsamen Regierung in der Europ&auml;ischen Union bzw. in der Eurogruppe nichts. Europa und der Euro Gruppe und dem Euro ist doch nicht geholfen, wenn dem auf die neoliberale Linie festgelegten Barroso mehr Macht zuw&auml;chst.<\/p><p>Joschka Fischer kommt dann gegen Ende seines Gastbeitrags darauf zu sprechen, es g&auml;be noch eine vierte Herausforderung, das seien die &bdquo;unabweisbaren Strukturreformen, um die Wettbewerbsf&auml;higkeit Europas massiv zu verst&auml;rken&ldquo;. Was er damit meint, sagt er nicht. Es steht zu bef&uuml;rchten, dass er nichts anderes meint als die auch ansonsten proklamierten Reformen, eben solche, die er zusammen mit Gerhard Schr&ouml;der zum Beispiel zum Aufbau eines Niedriglohnsektors eingeleitet hat: Abbau der Arbeitnehmerrechte, F&ouml;rderung der Leiharbeit, Deregulierung zu Gunsten der Privatisierung. &ndash; Ich w&uuml;rde ja gerne annehmen, dass Fischer etwas anderes meint.<\/p><p>Insgesamt ist sein Beitrag etwas angenehmer als der von Issing aber im Kern auch nichts anderes als eine Ablenkung von seiner eigenen Verantwortung. Er merkt, was er angerichtet hat, und tut jetzt so, als h&auml;tte er damit nichts zu tun. Haltet den Dieb, so k&ouml;nnte man seinen Gastbeitrag auch &uuml;berschreiben.<\/p><p><strong>J&ouml;rg Asmussen<\/strong><\/p><p><strong>Zu seiner bisherigen Arbeit und Mitverantwortung:<\/strong><\/p><p>Er war als Referent und Abteilungsleiter und dann Staatssekret&auml;r ein wichtiger Mitarbeiter von Finanzminister Eichel, Finanzminister Steinbr&uuml;ck, Finanzminister Sch&auml;uble und auch der Bundeskanzlerin. Asmussen hat unter der Parole &bdquo;F&ouml;rderung des Finanzplatzes Deutschland&ldquo; wesentlich an der Deregulierung der Finanzm&auml;rkte und der F&ouml;rderung des Finanzcasinos mitgewirkt. Er war entscheidend daran beteiligt, f&uuml;r die Rettung des von der Deutschen Wirtschaft getragenen Finanzinstituts Industriekreditbank (IKB) 10 Milliarden vom Steuerzahler genommenes Geld hinzubl&auml;ttern, er hat bei den anderen Bankenrettungen ma&szlig;geblich mitgemacht, als zust&auml;ndiger Mitarbeiter von Steinbr&uuml;ck auch an der Rettung der HypoRealEstate (HRE), die schon &uuml;ber 100 Milliarden gekostet hat. Asmussen ist sozusagen Mittr&auml;ger der Finanzkrise und Mittr&auml;ger teurer Rettungsaktionen der Banken zulasten der Steuerzahler. Diese Vorg&auml;nge sind in allen einschl&auml;gigen L&auml;ndern zugleich eine der Hauptursachen f&uuml;r den gro&szlig;en Anstieg der Staatsverschuldung.<\/p><p>Asmussen, selbst Sozialdemokrat, wurde mit Bedacht auch vom CDU-Mann Sch&auml;uble als Staatssekret&auml;r &uuml;bernommen, auf Empfehlung von Kanzlerin Merkel. Er wurde dann von der deutschen Bundesregierung als Mitglied des Direktoriums der Europ&auml;ischen Zentralbank durchgesetzt. Er hat also auch heute eine entscheidende Funktion.<\/p><p><strong>Jetzt versucht Asmussen sein bisheriges Versagen zu &uuml;bert&uuml;nchen und zugleich die Entwicklung in Richtung weiterer extremer neoliberaler Reformen zu treiben, indem er uns die baltischen Staaten als Vorbild anpreist.<\/strong><\/p><p>Dort regieren rechtskonservative politische Parteien. Sie haben die so genannte Sparpolitik und die als Reformen bezeichneten K&uuml;rzungen von L&ouml;hnen und Sozialleistungen durchgesetzt. Anfang Juni war Asmussen in der lettischen Hauptstadt Riga und hat von dort aus die &uuml;berschuldeten Euro L&auml;nder im S&uuml;den Europas zu z&uuml;gigen Gegenma&szlig;nahmen und Reformen aufgefordert. Siehe <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/newsticker\/bloomberg\/article106418935\/Asmussen-baltische-Laender-ernten-Erfolge-schneller-Reformen.html?config=print#\">hier<\/a> zum Beispiel. &bdquo;Nach Ansicht des deutschen EZB- Direktoriumsmitglieds J&ouml;rg Asmussen k&ouml;nnen die drei baltischen Staaten derzeit die Fr&uuml;chte ihrer schnellen fiskalischen Reformen ernten&ldquo;, schreibt Welt Online am 5. Juni 2012.<\/p><p>Wie ist die Realit&auml;t: In allen drei Staaten lag der R&uuml;ckgang des BIP dank Finanzkrise und Spar-Absichts-Operation zwischen 14 und 20 Prozent; alle drei haben im vergangenen Jahr etwa in der Gr&ouml;&szlig;enordnung von 5 Prozent, also deutlich unterhalb des Verlustes, aufgeholt; nach den Prognosen der EU-Kommission werden sie in diesem Jahr praktisch schon gar kein Wachstum mehr haben &ndash; zwischen 1,6 und 2,4%. Sie haben also trotz massiver Hilfen der Kommission bis 2012 nicht ann&auml;hernd aufgeholt, was sie 2008 und 2009 verloren haben und die Arbeitslosigkeit liegt zwischen 12.5 und 16 Prozent; alle drei sind schon wieder auf dem Weg in Leistungsbilanzdefizite, weil sie alle ihre Wettbewerbsf&auml;higkeit bei Weitem nicht wieder hergestellt haben.<\/p><p>Aber Asmussen lobt diese Staaten, weil er darauf vertraut, dass solche Parolen, die die neoliberal gepr&auml;gten Rezepte als richtig best&auml;tigen, weiterverbreitet werden und geglaubt werden, obwohl sie durch Fakten nicht gest&uuml;tzt sind.<\/p><p>Im konkreten Fall kommt noch erschwerend hinzu, dass, wie erw&auml;hnt, die baltischen Staaten unter der Hand massiv gef&ouml;rdert worden sind. Wer ideologisch ins Geschirr passt, wird ausgehalten. Wer ideologisch nicht passt, wie etwa die Linke in Griechenland, wird aufs heftigste bek&auml;mpft.<\/p><p><strong>Jens Weidmann<\/strong><\/p><p>Er war lange Zeit wirtschafts- und finanzpolitischer Berater der Bundeskanzlerin und wurde zum Dank auf den Posten des Pr&auml;sidenten der Deutschen Bundesbank gesetzt. Damit ist er durch das Amt auch schon bei der Europ&auml;ischen Zentralbank verortet. Er hat dar&uuml;ber und &uuml;ber gro&szlig;e Mittel der Medienarbeit Einfluss auf die &ouml;ffentliche Debatte.<\/p><p>Viele seiner &Auml;u&szlig;erungen k&ouml;nnten der Beleg daf&uuml;r sein, dass die falsche Politik der Bundesregierung viel mit Naivit&auml;t und Nichtwissen zu tun. Das ist die Meinung mancher Kenner der Szene. Ich neige eher dazu anzunehmen, dass die Interessen der Finanzwirtschaft und gro&szlig;er Verm&ouml;gensbesitzer bei den Entscheidungen und Unterlassungen wesentlich mitspielen. Beides kommt zusammen &ndash; die neoliberale primitive Dogmatik und das Interesse finanziell starker Gruppen an Spekulation und Zerst&ouml;rung. Dogmatiker und Schn&auml;ppchenj&auml;ger geh&ouml;ren zusammen. Jens Weidmann geh&ouml;rt zu den Dogmatikern.<\/p><p><strong>Weidmann &uuml;bert&uuml;ncht das Scheitern seiner neoliberalen Linie durch Forderungen nach Erh&ouml;hung der Dosis<\/strong><\/p><p>Das Handelsblatt meldete am 10.6.2012:<br>\n<strong>&bdquo;<a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/konjunktur\/nachrichten\/euro-rettungsschirm-weidmann-erhoeht-spaniens-bringschuld\/6733346.html\">Weidmann erh&ouml;ht Spaniens Bringschuld<\/a>&ldquo;<\/strong><\/p><p>W&ouml;rtlich im Text.<\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Bundesbankchef Jens Weidmann verlangt Madrid h&ouml;here Anstrengungen im Gegenzug f&uuml;r Hilfsgelder der Eurol&auml;nder ab. Neben der Reform seines Bankensektors m&uuml;sse Spanien auch seine Wettbewerbsf&auml;higkeit verbessern. &hellip;<\/em><br>\n<em>Der Bundesbankchef betonte, er habe Vertrauen in die Regierung in Madrid, die bereits am Arbeitsmarkt &ldquo;sehr umfangreiche Struktur-Reformma&szlig;nahmen&rdquo; vorgenommen habe: &ldquo;Aber auf diesem Weg muss sie eben weitergehen&rdquo;, mahnte Weidmann.<\/em><\/p><\/blockquote><p>Es ist immer wieder das gleiche Lied. Die Versager in den wohlbestallten Jobs und &Auml;mtern leugnen ihre Mitverantwortung und verlangen von den anderen, vom Volk, von den Arbeitnehmern, von den Rentnern die Bereitschaft zum Verzicht. Sie nennen diese Angriffe auf Reste der Sozialstaatlichkeit &bdquo;Reformen&ldquo; oder auch &bdquo;Strukturreformen&ldquo;. Immer das gleiche Lied. So hie&szlig; es schon bei Schr&ouml;der und Clement und Fischer.<\/p><p><strong>Otmar Issing, Joschka Fischer, J&ouml;rg Asmussen, Jens Weidmann &ndash; das ist die kleinste aller m&ouml;glichen Listen von Versagern. Es w&auml;re leicht und vermutlich auch notwendig, diese Liste zu erg&auml;nzen: Tietmeyer, K&ouml;hler, Stark, Steinbr&uuml;ck, Sarrazin, Clement, Sch&auml;uble, Merkel, usw.<\/strong><br>\n<strong>Das Gemeinsame und zugleich Deprimierende: Ihr Versagen wird nicht sanktioniert, nicht bestraft. Bisher jedenfalls nicht. Und vermutlich auch nicht, solange es keine ver&ouml;ffentlichte Meinung in Medien und Wissenschaft gibt, die der Frage nachgeht, warum die erkennbare Zerst&ouml;rungswut nicht durchschaut wird. &bdquo;Europa in Not&ldquo; und &bdquo;Europa steht in Flammen&ldquo; sind Hilferufe ohne Wirkung, solange die Verantwortlichen nicht zur Rechenschaft gezogen werden.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der letzten Zeit h&auml;ufen sich &ouml;ffentlich vorgetragene Warnungen und Klagen &uuml;ber die Lage in Europa, die von Personen vorgetragen werden, die f&uuml;r die in der Tat gef&auml;hrliche Situation ma&szlig;geblich verantwortlich sind. Auf vier dieser gro&szlig;en Versager und ihre meist scheinheiligen und ablenkenden Verlautbarungen will ich hinweisen: auf Otmar Issing, Joschka Fischer, J&ouml;rg Asmussen und<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13529\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[127,11],"tags":[436,714,498,903],"class_list":["post-13529","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-lobbyismus-und-politische-korruption","category-strategien-der-meinungsmache","tag-asmussen-joerg","tag-fischer-joschka","tag-issing-otmar","tag-weidmann-jens"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13529","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=13529"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13529\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13531,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13529\/revisions\/13531"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=13529"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=13529"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=13529"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}