{"id":135329,"date":"2025-06-30T15:11:26","date_gmt":"2025-06-30T13:11:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=135329"},"modified":"2025-07-02T10:15:36","modified_gmt":"2025-07-02T08:15:36","slug":"frieden-mit-russland-eine-immer-noch-unerledigte-aufgabe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=135329","title":{"rendered":"Frieden mit Russland \u2013 eine immer noch unerledigte Aufgabe"},"content":{"rendered":"<p>Am 22. Juni tagte die Heidelberger Friedenskonferenz. Prof. Dr. <strong>Wolfram Wette<\/strong> f&uuml;hrte mit einer Rede in die uns immer noch umtreibenden Probleme des Umgangs mit Russland ein. Die <em>NachDenkSeiten<\/em> dokumentieren seinen Vortrag &ndash; siehe unten. Ein paar wenige kritische Anmerkungen betreffen Nebensachen.<br>\n<!--more--><\/p><ul>\n<li>Die Entspannungspolitik begann nicht erst in den 70er-Jahren. Sie begann sp&auml;testens mit den Reden von Willy Brandt und Egon Bahr im Sommer 1963 in Tutzing. Dort proklamierten sie &bdquo;Wandel durch Ann&auml;herung&ldquo; als ihre neue Konzeption zum Umgang zwischen West und Ost. <\/li>\n<li>Und die Ann&auml;herung endete nicht schon vor 35 Jahren. Vor knapp 24 Jahren, im September 2001, redete der damalige und heutige Pr&auml;sident Russlands vor dem Deutschen Bundestag und forderte &ndash; mit Zustimmung der meisten MdB &ndash; einen Raum des Friedens von Wladiwostok bis Lissabon. Allerdings, so k&ouml;nnte man anmerken, hatte die Ausdehnung der NATO nach Osten schon vorher begonnen. Putin kam trotzdem zur Rede nach Bonn.<\/li>\n<\/ul><p>Hier nun die angek&uuml;ndigte Rede:<\/p><p><strong>Frieden mit Russland &ndash; eine immer noch unerledigte Aufgabe.<\/strong><br>\n<strong>Kontinuit&auml;ten und Br&uuml;che in den deutsch-russischen Beziehungen 1941-2025<\/strong><br>\nVortrag von Prof. Dr. Wolfram Wette, Waldkirch,<br>\nbei der Heidelberger Friedenskonferenz<br>\nam Sonntag, 22. Juni 2025, 13-17 Uhr,<br>\nim Biser-Saal, Haus der Begegnung, Jesuitenkirche Heidelberg,<br>\nveranstaltet von pax christi Heidelberg und befreundeten Organisationen<br>\n(Stand: 17.6.2025)<\/p><ol>\n<li><u>Einleitung: Erinnerung an ein Heidelberger Friedensmemorandum von 1989<\/u><\/li>\n<\/ol><p>&bdquo;<em>Frieden mit der Sowjetunion &ndash; eine unerledigte Aufgabe&ldquo;<\/em> hei&szlig;t der Titel eines Buches, das hier in Heidelberg &ndash; an der Forschungsst&auml;tte der Evangelischen Studiengemeinschaft (FEST) &ndash; Ende der 1980er-Jahre, also vor fast vier Jahrzehnten, erarbeitet wurde. Zu den Herausgebern z&auml;hlten unter anderem Erhard Eppler, Dietrich Goldschmidt, Wolfgang Huber und Klaus von Schubert. An dem umfangreichen Band beteiligten sich 31 Autorinnen und Autoren mit ihrer fachkundigen Expertise. Sie besch&auml;ftigten sich mit der politischen Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen, mit der Haltung der Christen und der Kirchen zu diesen Beziehungen, mit dem deutsch-sowjetischen Krieg 1941-1945, mit der Verarbeitung der Kriegserlebnisse in den beiden L&auml;ndern sowie mit der Rolle der antibolschewistischen bzw. antikommunistischen Ideologie. <\/p><p>Abschlie&szlig;ende Abhandlungen dieses Buches besch&auml;ftigen sich mit der Vision von <em>&bdquo;Gemeinsamer Sicherheit und friedlicher Existenz&ldquo;<\/em>, die damals in Russland wie in Deutschland (Ost und West) als ein gro&szlig;es Zukunftsversprechen Anklang fand. Das Gemeinschaftswerk erschien 1989 im G&uuml;tersloher Verlagshaus Gerd Mohn. Vier Jahre zuvor hatte der gro&szlig;e Reformer Michael Gorbatschow als Generalsekret&auml;r der KPdSU in Moskau das politische Steuer &uuml;bernommen. Er begr&uuml;&szlig;te die Ost- und Entspannungspolitik der deutschen Bundesregierung sowie die politische Arbeit der Konferenz f&uuml;r Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) (1973-1995).[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]<\/p><p>An dieses Werk &uuml;ber Frieden mit der Sowjetunion als einer <em>&bdquo;unerledigten Aufgabe&ldquo;<\/em>, das 1989 ver&ouml;ffentlicht wurde, m&ouml;chte ich heute, 83 Jahre nach dem deutschen &Uuml;berfall auf die Sowjetunion, erinnern und ankn&uuml;pfen. Der leicht abgewandelte Titel meines Vortrages lautet: <em>&bdquo;Frieden mit Russland &ndash; eine immer noch unerledigte Aufgabe&ldquo;<\/em>. Wie damals, so m&ouml;chte ich auch heute zun&auml;chst auf den deutsch-sowjetischen Krieg 1941-1945 eingehen, der f&uuml;r die Beziehungen beider L&auml;nder noch immer von gro&szlig;er Bedeutung ist.<\/p><ol start=\"2\">\n<li><u>Hitler-Deutschlands Krieg gegen die Sowjetunion 1941-44<\/u><\/li>\n<\/ol><p>Schon bald nach der Macht&uuml;bertragung auf Hitler im Januar 1933 forcierte die Nazi-Regierung die geheime Aufr&uuml;stung der Reichswehr, die 1935 den Namen Wehrmacht erhielt. Begleitet wurde die Aufr&uuml;stung von einer mehrj&auml;hrigen NS-Friedenspropaganda, die nichts anderes darstellte als eine systematische Irref&uuml;hrung der nationalen und internationalen &Ouml;ffentlichkeit. Im Kern ging es darum, die Kriegsvorbereitungen der NS-Regierung zu verschleiern. Mit dem damit erneut eingeschlagenen Kriegskurs wurde die militaristische und kriegerische Traditionslinie der preu&szlig;isch-deutschen Politik wieder aufgenommen. Gleichzeitig erfuhr sie eine Ausweitung in neue geopolitische und rassenideologische Dimensionen. <\/p><p>Vordergr&uuml;ndig propagierte die Nazi-Regierung in den 1930er-Jahren die Revision des Versailler Friedensvertrages. Tats&auml;chlich verfolgten Hitler und seine Gefolgschaft jedoch viel weitergehende Ziele, n&auml;mlich <em>erstens<\/em> die Eroberung von Lebensraum im Osten und dessen r&uuml;cksichtslose Germanisierung, und <em>zweitens<\/em> die Vernichtung des europ&auml;ischen Judentums im Zuge des gro&szlig;en Lebensraum-Krieges. <\/p><p>Im Kontext dieser Ziele geriet die Sowjetunion ins Zentrum der deutschen Kriegspolitik. Diese folgte einem rassenideologischen Leitmotiv, das von vorneherein alle v&ouml;lkerrechtlichen Grenzen sprengte, n&auml;mlich dem Gedanken der <em>Vernichtung<\/em>. Es hat lange gedauert, bis das Wissen &uuml;ber den besonderen Charakter des &ndash; in Deutschland so genannten &ndash; <em>&bdquo;Russland-Krieges&ldquo; <\/em>in der deutschen Nachkriegsbev&ouml;lkerung ankam. Einen ma&szlig;geblichen Beitrag zur historischen Aufkl&auml;rung leistete zun&auml;chst das Milit&auml;rgeschichtliche Forschungsamt in Freiburg und hernach die Ausstellungen <em>&bdquo;Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941-1945&ldquo;, <\/em>die im Hamburger Institut f&uuml;r Sozialforschung erarbeitet und in den Jahren 1995-2005 gezeigt wurden. Erst jetzt erfuhren Millionen von Menschen in Deutschland von den erschreckenden, aber bislang verschwiegenen Wahrheiten &uuml;ber den deutschen Krieg gegen die Sowjetunion.<\/p><p>Ich rekapituliere in aller K&uuml;rze die wichtigsten Erkenntnisse &uuml;ber den sogenannten <em>Russlandkrieg<\/em>: Es handelte sich um einen von langer Hand geplanten deutschen &Uuml;berfall, also um einen eindeutigen Aggressionskrieg.[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] Dem &Uuml;berfall folgte ein mehrj&auml;hriger Krieg auf dem Territorium der Sowjetunion. V&ouml;llig zu Recht ist dieser Gewaltkonflikt als ein <em>&bdquo;Eroberungs-, Versklavungs- und Vernichtungskrieg&ldquo;<\/em> charakterisiert worden.[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] Seiner Intensit&auml;t nach bildete er das eigentliche Zentrum des Zweiten Weltkrieges. Schon aus diesem Grund ist es gerechtfertigt, ihn heute, am 84. Jahrestag des 22. Juni 1941, ins Zentrum unserer Betrachtungen zu stellen.<\/p><p>Die Propagandisten des NS-Staates versuchten den deutschen &Uuml;berfall mit einer altbekannten Kriegsl&uuml;ge zu verschleiern. Sie behaupteten, mit dem deutschen Angriff sei man lediglich einem geplanten Krieg Sowjetrusslands gegen Deutschland zuvorgekommen. Das war die sogenannte Pr&auml;ventivkriegs-L&uuml;ge.[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>] Sie verfolgte prim&auml;r das Ziel, den &Uuml;berfall vor der Bev&ouml;lkerung des eigenen Landes zu legitimieren. Obwohl von der historischen Forschung l&auml;ngst widerlegt, geisterte die Pr&auml;ventivkriegsl&uuml;ge in der Zeit des Kalten Krieges noch immer in manchen unbelehrbaren K&ouml;pfen herum. In einigen tut sie es wom&ouml;glich bis heute. <\/p><p>In Anspielung auf den Hitler-Stalin-Pakt von 1939, der im In- und Ausland zu so vielen Irritationen gef&uuml;hrt hatte, zeigte sich der Reichspropagandaminister Joseph Goebbels am Tage der Kriegserkl&auml;rung an die Sowjetunion zufrieden: <em>&bdquo;Es bereitet jedem alten Nazi eine tiefe Genugtuung&ldquo;,<\/em> notierte er,<em> &bdquo;dass wir das noch erleben. Das Zusammengehen mit Russland war eigentlich ein Flecken auf unserem Ehrenschild. Der wird nun abgewaschen. Wogegen wir unser ganzes Leben gek&auml;mpft haben, das vernichten wir nun auch.&ldquo;<\/em>[<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>]<em> <\/em>Also: Nicht nur bek&auml;mpfen, sondern <em>&bdquo;vernichten&ldquo;<\/em>. Hinter den Wolken der Propaganda blitzte die m&ouml;rderische Wahrheit auf.<\/p><p>Die Bilanz dieses Krieges ist furchtbar. Wahrscheinlich wird sie gerade deswegen bis heute vielfach verdr&auml;ngt. Auf der deutschen Seite forderte der Krieg mehr als 3 Millionen Menschenleben &ndash; n&auml;mlich die von Soldaten der Wehrmacht. Auf sowjetischer Seite wurden gar 27 Millionen Menschen get&ouml;tet. Ihr Leben verloren etwa 9 Millionen Soldaten der Roten Armee, darunter etwa 3,5 Millionen russische Kriegsgefangene in deutschem Gewahrsam, sowie etwa 12 Millionen Zivilisten, unter diesen etwa 3 Millionen Juden (in den Sowjetrepubliken Wei&szlig;russland, der Ukraine und Russland), mehr als 2 Millionen in Deutschland eingesetzte Zwangsarbeiter und mehr als 1 Million Hungertote infolge der Belagerung von Leningrad durch die deutsche Wehrmacht. Die genannten Zahlen sind, bedingt durch die Quellenlage, ungenau und umstritten, werden aber gleichwohl von den meisten Historikern inner- und au&szlig;erhalb Russlands akzeptiert.[<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>]<\/p><p>Man muss versuchen, sich die Wirkungen dieses rassenideologisch motivierten Krieges klarzumachen: In der Sowjetunion gab es kaum eine Familie, die keinen Toten zu beklagen hatte. Anders als bei uns, wo dieser Krieg nach 1945 weithin verdr&auml;ngt und vergessen wurde, erinnert sich in den L&auml;ndern der ehemaligen Sowjetunion noch heute jede Familie an ihn. Die Sowjetunion f&uuml;hrte einen Verteidigungskrieg, von Stalin zum <em>&bdquo;Gro&szlig;en Vaterl&auml;ndischen Krieg&ldquo;<\/em> erkl&auml;rt. Die Rote Armee eroberte schlie&szlig;lich Berlin. Wer die Chronologie beachtet, kommt an der ern&uuml;chternden Erkenntnis nicht vorbei: Es war Deutschland, das durch den &Uuml;berfall auf die Sowjetunion die Rote Armee an die Elbe gebracht hat! <\/p><ol start=\"3\">\n<li><u>&bdquo;J&uuml;discher Bolschewismus &ndash; das rassenideologische Russland-Feindbild<\/u><\/li>\n<\/ol><p>Seit dem Beginn des Russlandkrieges h&auml;mmerte die Nazi-Propaganda den Deutschen und ihren europ&auml;ischen Verb&uuml;ndeten das Feindbild <em>&bdquo;j&uuml;discher Bolschewismus<\/em>&ldquo; ein. Was hatte es mit diesem Feindbild auf sich? Wie kam es zustande? In Nazi-Kreisen wurde behauptet, der unterschiedliche Entwicklungsgrad Deutschlands und Russlands lasse sich rassenbiologisch erkl&auml;ren: Die h&ouml;herwertige germanische Rasse, hie&szlig; es, stehe der minderwertigen slawischen gegen&uuml;ber. Hitler selbst glaubte, Slawen seien generell zur Staatsbildung unf&auml;hig und w&uuml;rden daher von anderen beherrscht. So habe der <em>&bdquo;j&uuml;dische Bolschewismus&ldquo;<\/em> in der Revolution von 1917 in Russland seine Fremdherrschaft errichtet.[<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>] Hitler behauptete, die Tr&auml;ger des bolschewistischen Systems der Sowjetunion seien gro&szlig;enteils Juden, woraus sich f&uuml;r ihn ergab, dass sich der deutsche Vernichtungskrieg gegen Juden und Bolschewisten richten m&uuml;sste. <\/p><p>Diese Vorstellungen sollten dann auch Eingang in die Befehle an die deutschen Waffentr&auml;ger finden. Aufschlussreich ist es, zur Kenntnis zu nehmen, mit welcher Diktion die Strategie und Propaganda des Vernichtungskrieges damals den einfachen Wehrmachtssoldaten nahegebracht wurde. In einem Mitteilungsblatt der Wehrmachtpropaganda vom Juni 1941 stehen die folgenden ungeheuerlichen S&auml;tze. Ich zitiere: <em>&bdquo;Es geht darum, das rote Untermenschentum, welches in den Moskauer Machthabern verk&ouml;rpert ist, auszul&ouml;schen. Das deutsche Volk steht vor der gr&ouml;&szlig;ten Aufgabe seiner Geschichte. Die Welt wird erleben, dass diese Aufgabe restlos gel&ouml;st wird<\/em>.&ldquo;[<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>] Diese extrem menschenfeindliche Botschaft wurde befehlsgem&auml;&szlig; allen <em>&bdquo;Soldaten der Ostfront&ldquo;<\/em> verlesen. Nach dem Kriege wollte sich dann kaum mehr jemand an diese Indoktrination erinnern.<\/p><p>Wir Deutschen von heute sollten uns der M&uuml;he unterziehen, uns in die Mentalit&auml;t und das Erfahrungswissen der Menschen im postsowjetischen Russland unserer Tage hineinzudenken und zu versuchen, ihre Sicherheitsbed&uuml;rfnisse zu verstehen. Dabei kann es hilfreich sein, an den Russlandfeldzug Napoleons von 1812 zu erinnern, an den Ersten Weltkrieg, der zumeist auf russischem Territorium ausgefochten wurde, und der &ndash; was Russland angeht &ndash; mit dem brutalen, von den Deutschen erzwungenen Diktatfrieden von Brest-Litowsk vom M&auml;rz 1918 sein Ende fand &ndash;, und nat&uuml;rlich, wie geschehen, an den deutsch-sowjetischen Krieg von 1941-1945. <\/p><ol start=\"4\">\n<li><u> Die Russen kommen!&ldquo; &ndash; Ein deutsches Nachkriegstrauma<\/u><\/li>\n<\/ol><p>Das Feindbild <em>&bdquo;j&uuml;discher Bolschewismus&ldquo;<\/em> verschwand mit dem Kriegsende 1945 nicht einfach aus der Vorstellungswelt der Deutschen. Vielmehr konnte es in neuem Gewande alsbald wieder auferstehen. Der von den Nazis rassistisch definierte Begriff <em>&bdquo;j&uuml;disch&ldquo; <\/em>entfiel, und statt vom <em>&bdquo;Bolschewismus&ldquo;<\/em> redete man jetzt von <em>&bdquo;Kommunismus&ldquo;<\/em>. Der Feind blieb der Gleiche: Die Sowjetunion &ndash; und ihre angeblichen Handlanger im Inneren des eigenen Landes, die man als <em>&bdquo;F&uuml;nfte Kolonne Moskaus&ldquo;<\/em> denunzierte. Im Hinblick auf die Verwendung des traditionsbelasteten Feindbildes gab es also keine <em>&bdquo;Stunde Null&ldquo;<\/em>, sondern vielmehr eine wirkm&auml;chtige Kontinuit&auml;t.<\/p><p>Das alte antibolschewistische bzw. antikommunistische Zerrbild[<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>] f&uuml;hrte zu einer neuerlichen Vergiftung der internationalen Beziehungen. Feinddenken versperrte einmal mehr den analytischen Blick auf das nationale Interesse und das Sicherheitsbed&uuml;rfnis der Sowjetunion. Tats&auml;chlich wollte sich das Land nicht erneuten deutschen oder westlichen Angriffen ausgesetzt sehen. Die Politik Moskaus konnte durchaus als defensiv verstanden werden.[<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>] Allerdings zeigte die sowjetische F&uuml;hrung immer wieder, dass sie ihren Herrschaftsbereich auch gewaltsam zu sichern gedachte. Ich erinnere an die Gewaltaktionen in der DDR, in Ungarn und in der Tschechoslowakei. Sie waren Wasser auf die M&uuml;hlen der westlichen Propaganda.<\/p><p>In Westdeutschland wurden in den 1950er-Jahren Bedrohungs&auml;ngste gesch&uuml;rt. Die antikommunistische Propaganda jener Zeit stellte die propagandistische Begleitmusik zum Kalten Krieg dar.[<a href=\"#foot_11\" name=\"note_11\">11<\/a>] Aber es steckte mehr hinter der Parole <em>&bdquo;Die Russen kommen!&ldquo;<\/em>, n&auml;mlich die &ndash; kaum je &ouml;ffentlich ge&auml;u&szlig;erte &ndash; Furcht, die angeblich auf Rache sinnenden Russen h&auml;tten wom&ouml;glich die Absicht, den Deutschen das antun, was die Soldaten der Wehrmacht und der SS im Vernichtungskrieg von 1941-1945 den Russen tats&auml;chlich angetan hatten. Also: Sie k&ouml;nnten Gleiches mit Gleichem vergelten. Wir haben es mit dem klassischen Fall einer politischen <u>Projektion<\/u> zu tun, einer &Uuml;bertragung des Wissens um die eigenen Untaten auf die vermuteten Absichten des vormaligen Feindes. Diese Erkenntnis hat in der historisch-politischen Literatur bislang noch nicht die n&ouml;tige Aufmerksamkeit gefunden.<\/p><p>Die propagandistisch erzeugte Russenfurcht diente insoweit auch der Schuldabwehr. So gelang es den Anh&auml;ngern der Politik der Wiederbewaffnung, in die Rolle des &ndash; potentiellen &ndash; Opfers einer m&ouml;glichen sowjetischen Aggression zu schl&uuml;pfen. Wir erkennen das tradierte Muster: Die B&ouml;sen, das sind die Russen, und wir sind die Bedrohten, die Guten. So hatte es schon die NS-Propaganda von 1941 behauptet.<\/p><p>Betrachtet man die heutige antirussische Propaganda des Westens &uuml;ber die angeblichen kriegerischen Absichten Putin-Russlands, so kann man einige Parallelen zur Kalter-Krieg-Propaganda der 1950er-Jahre entdecken.<\/p><ol start=\"5\">\n<li> <u>Opposition gegen die <\/u><em><u>&bdquo;Remilitarisierung&ldquo;<\/u><\/em><u> Westdeutschlands in den 1950er-Jahren<\/u><\/li>\n<\/ol><p>Nach der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht setzten in machtpolitischer Hinsicht die alliierten Siegerm&auml;chte die Fakten.[<a href=\"#foot_12\" name=\"note_12\">12<\/a>] Im Potsdamer Abkommen vom 2. August 1945 beschrieben sie ihre zentralen politischen Ziele. Ich zitiere: <em>&bdquo;<\/em><em>Der deutsche Militarismus und Nazismus werden ausgerottet, und die Alliierten treffen [&hellip;] Ma&szlig;nahmen, die notwendig sind, damit Deutschland niemals mehr seine Nachbarn oder die Erhaltung des Friedens in der ganzen Welt bedrohen kann.&ldquo;<\/em>[<a href=\"#foot_13\" name=\"note_13\">13<\/a>] Anders als in Versailles 1919 sollte es diesmal an die Wurzeln des Problems gehen.<\/p><p>Parallel zur alliierten Entmilitarisierungspolitik &ndash; aber keineswegs in deren Schlepptau &ndash; breitete sich in Deutschland in den ersten Nachkriegsjahren eine eigenst&auml;ndige Antikriegsstimmung aus. Sie ging &uuml;ber die traditionsreiche <em>&bdquo;Nie wieder Krieg!&ldquo;-<\/em>Forderung hinaus und richtete sich radikaler gegen alles Milit&auml;rische.[<a href=\"#foot_14\" name=\"note_14\">14<\/a>] In der &Ouml;ffentlichkeit wurde jetzt die Parole <em>&bdquo;Nie wieder deutsche Soldaten!&ldquo;<\/em> verbreitet. Sie fand betr&auml;chtliches Geh&ouml;r. Der frankophile sozialdemokratische Politiker Carlo Schmid (SPD) rief 1946 aus: <em>&bdquo;Wir wollen unsere S&ouml;hne nie mehr in die Kasernen schicken!&ldquo;<\/em> Und der CSU-Politiker und sp&auml;tere Bundesminister f&uuml;r Verteidigung, Franz-Joseph Strau&szlig;, machte 1947 mit dem markigen Spruch auf sich aufmerksam: <em>&bdquo;Wer noch einmal ein Gewehr in die Hand nimmt, dem soll die Hand abfallen!&ldquo;<\/em>[<a href=\"#foot_15\" name=\"note_15\">15<\/a>]<\/p><p>1949 verabschiedete der Parlamentarische Rat eine vorl&auml;ufige Verfassung, in der Friedensbewahrung und Friedensgestaltung als zentrale Staatsziele festgeschrieben wurden.[<a href=\"#foot_16\" name=\"note_16\">16<\/a>] Das Grundgesetz stellte in mancher Hinsicht das Antiprogramm zu dem extrem gewaltt&auml;tigen Zeitalter der Weltkriege dar, f&uuml;r das Deutschland eine wesentliche Mitverantwortung trug. In der Kontinuit&auml;t der <em>&bdquo;Nie wieder Krieg!&ldquo;<\/em>-Bewegung der fr&uuml;hen Weimarer Republik opponierte nun eine deutliche Mehrheit der Bev&ouml;lkerung in der Bundesrepublik aktiv gegen die Wiederbewaffnung, die in ihren Augen eine <em>&bdquo;Remilitarisierung&ldquo;<\/em> darstellte. Die Opposition fand mit ihren Protesten gro&szlig;en Zuspruch in der Gesellschaft der westdeutschen Bundesrepublik. So musste die Regierung Adenauer ihre Politik gegen den Willen dieser Mehrheit durchsetzen. <\/p><ol start=\"6\">\n<li><u>Frieden mit der Sowjetunion &ndash; eine unerledigte Aufgabe (1989)<\/u><\/li>\n<\/ol><p>Damit ist das politische Klima beleuchtet, in dem die &ndash; eingangs erw&auml;hnte &ndash; Heidelberger Gruppe von Politikern, Historikern, Theologen und Sozialpsychologen in den ausgehenden 1980er-Jahren ihre Arbeit aufnahm. Uns verband damals die &Uuml;berzeugung, dass nach Jahren erfolgreicher Entspannungspolitik der konfrontative Konflikt des Kalten Krieges entsch&auml;rft werden konnte. Wir hofften auf eine Verbesserung der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen zwischen Deutschland und der Sowjetunion, auch zwischen Deutschland und Polen. Nach meiner Erinnerung hatten wir seinerzeit das deutliche Gef&uuml;hl, uns beeilen zu m&uuml;ssen, weil &ndash;zumindest nach unserer Beobachtung &ndash; die politische Entspannung mit raschen Schritten voranging. Einerseits hofften wir, dass die politische Aufgabe der Organisierung eines Friedens mit der Sowjetunion gelingen w&uuml;rde. Andererseits bef&uuml;rchteten wir, mit unserem ambitionierten Beitrag zur politischen Bewusstseinsbildung wom&ouml;glich zu sp&auml;t zu kommen, weil die politischen Ereignisse wom&ouml;glich schneller als wir mit unserer Arbeit zu einer Erledigung dieser gro&szlig;en politischen Aufgabe gef&uuml;hrt haben k&ouml;nnten.<\/p><p>Das Herausgebergremium verabschiedete seinerzeit ein <u>Memorandum<\/u> mit dem Titel <em>&bdquo;Frieden mit der Sowjetunion &ndash; eine unerledigte Aufgabe&ldquo;<\/em>. Dort hei&szlig;t es: <em>&bdquo;F&uuml;nfzig Jahre, nachdem die Regierung des Deutschen Reiches den Zweiten Weltkrieg entfesselte, ist es an der Zeit, unser Verh&auml;ltnis zur Sowjetunion, ihren V&ouml;lkern und B&uuml;rgern zu &uuml;berdenken.&ldquo;<\/em> (S. 11) Jetzt sei Bewegung in die Beziehungen zwischen den beiden L&auml;ndern gekommen &ndash; im Sinne der <em>&bdquo;Entwicklung zu gemeinsamer Sicherheit&ldquo;<\/em>. Um diesen <em>&bdquo;neuen Anfang&ldquo;<\/em> zu unterst&uuml;tzen, m&uuml;ssten die Deutschen &ndash; ich zitiere &ndash;<em>&bdquo;die Last der Schuld der Jahre 1933-1945 (..) gegen&uuml;ber der Sowjetunion samt ihrer Vorgeschichte und ihrem Nachwirken auf sich nehmen und ein tieferes Verst&auml;ndnis f&uuml;r die Geschichte der Sowjetunion und den gegenw&auml;rtigen Umbruch in diesem gro&szlig;en Land gewinnen&ldquo;<\/em> (ebda.).<\/p><p>Weshalb forderte das Memorandum die Bev&ouml;lkerung unseres Landes auf, eigene Schuld anzuerkennen und Verst&auml;ndnis f&uuml;r die Geschichte der Sowjetunion &ndash; einschlie&szlig;lich deren Sicherheitsbed&uuml;rfnissen &ndash; aufzubringen? Die Antwort lautet, dass es in Teilen der Bev&ouml;lkerung an der Bereitschaft zu eben diesem Verst&auml;ndnis nach 1945 &uuml;ber Jahrzehnte hinweg gefehlt hatte. Die Friedens- und Entspannungspolitik der 1970er-Jahre wurde von einer Bev&ouml;lkerungsmehrheit des westdeutschen Teilstaates getragen. Aber eine starke Minderheit blieb skeptisch bis ablehnend. Viele verweigerten sich noch immer der Anstrengung, sich in die Vorstellungswelt der Menschen in der Sowjetunion zu versetzen, deren Land vor nicht allzu langer Zeit von einem deutschen Aggressions- und Vernichtungskrieg &uuml;berzogen worden war. Noch Jahrzehnte sp&auml;ter hielten Teile der deutschen Bev&ouml;lkerung an ihren alten antirussischen Feindbildern fest. <\/p><p>In Russland selbst wurde diese Haltung stets mit gro&szlig;em Befremden wahrgenommen. Das teilte uns damals &ndash; 1989 &ndash; der russische Deutschland-Kenner und hochrangige sowjetische Politiker Nikolai Portugalow (1928-2008) mit. Die Deutschen, sagte er, h&auml;tten eine gro&szlig;e, <em>&bdquo;nicht-anerkannte und unbereute Schuld&ldquo; <\/em>auf sich geladen. Und weiter: <em>&bdquo;Die Ungeheuerlichkeit des Vorgangs, dass gerade die Deutschen unermessliches Leid &uuml;ber unser Land gebracht hatten, ist nicht nur an dem materiellen Schaden zu <\/em><em>messen, auch nicht nur an den Toten, den Verkr&uuml;ppelten, an der Verw&uuml;stung, der verbrannten Erde und dergleichen mehr. Der Vorgang, schon der Wille, die Sowjetunion zu vernichten, ist ungeheuerlich. Das h&auml;tten wir in unserer Geschichte wohl vielleicht von Tartaren erwartet, im fr&uuml;hen Mittelalter, aber doch nicht von den Deutschen!&ldquo;<\/em>[<a href=\"#foot_17\" name=\"note_17\">17<\/a>]<em> <\/em><\/p><p>Nikolai Portugalow war als Mitglied des <a href=\"#Zentralkomitee\">Zentralkomitees der KPdSU<\/a> und als Berater von Parteichef <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Michail_Gorbatschow\">Michail Gorbatschow<\/a> auf sowjetischer Seite f&uuml;hrend an der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deutsche_Wiedervereinigung\">Wiedervereinigung<\/a> <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deutschland\">Deutschlands<\/a> beteiligt.[<a href=\"#foot_18\" name=\"note_18\">18<\/a>] Er geh&ouml;rte zu jenen Russen, die trotz des Zweiten Weltkrieges auf eine deutsch-russische Symbiose hofften, und leistete dazu unter anderem mit der &Uuml;bersetzung von Werken von Bertolt Brecht und Heinrich B&ouml;ll in die russische Sprache einen eigenen Beitrag. Hat dieser Br&uuml;ckenbau wirklich zur Auss&ouml;hnung beigetragen? Noch in den sp&auml;ten 1980er-Jahren gab es hierzulande Warnungen, Russland sei eine Bedrohung f&uuml;r den Frieden. In den K&ouml;pfen der Gegner der Befriedung des deutsch-russischen Verh&auml;ltnisses lebten die alten Feindbilder fort. <\/p><p>Als sich das Ende des Kalten Krieges ank&uuml;ndigte, war die Idee eines <em>&bdquo;Friedens mit der Sowjetunion&ldquo;<\/em> dann jedoch mehr als eine idealisierende Zukunftsmusik. Wie eingangs bereits erw&auml;hnt, beeilte sich damals hier in Heidelberg<em> <\/em>besagte Gruppe von Politikern und Historikern, die j&uuml;ngere deutsch-russische Geschichte aufzuarbeiten.[<a href=\"#foot_19\" name=\"note_19\">19<\/a>] Die Chancen, im Prozess der Entfeindung voranzukommen, waren seinerzeit insbesondere mit dem Namen des sowjetischen Staatspr&auml;sidenten Michail Gorbatschow verkn&uuml;pft.[<a href=\"#foot_20\" name=\"note_20\">20<\/a>] <\/p><p>Es gab auch Ereignisse, die belegen, dass der Prozess der Verst&auml;ndigung auch in der deutschen Gesellschaft angekommen war: Als es im Winter 1990\/91, zur Zeit der Pr&auml;sidentschaft von Boris Jelzin, in Sankt Petersburg und anderen Regionen Russlands zu einer Hungersnot kam, zeigte die deutsche Zivilgesellschaft eine bemerkenswerte Hilfsbereitschaft.[<a href=\"#foot_21\" name=\"note_21\">21<\/a>] Der Osteuropahistoriker Manfred Hildermeier meint, mit seinen Hilfssendungen habe Deutschland <em>&bdquo;seinen Dank f&uuml;r den Fall der Berliner Mauer bezeugen&ldquo;<\/em> k&ouml;nnen.[<a href=\"#foot_22\" name=\"note_22\">22<\/a>] Es k&ouml;nnte allerdings auch sein, dass dabei die deutsche Erinnerung an den Vernichtungskrieg der Wehrmacht in der fr&uuml;heren Sowjetunion ebenso eine mobilisierende Rolle gespielt hat.<\/p><ol start=\"7\">\n<li><u>Geeintes Deutschland nach 1989 &ndash; eine pazifizierte Gesellschaft<\/u><\/li>\n<\/ol><p>Die Friedens- und Entspannungspolitik der 1970er-Jahre verbesserte nicht nur die deutsch-polnischen und die deutsch-sowjetischen Beziehungen. Sie wirkte zugleich auch positiv in die deutsche Gesellschaft hinein. Unter der stets pr&auml;senten Drohung eines m&ouml;glichen Nuklearkrieges entwickelte sich in Deutschland jetzt schrittweise eine Friedenskultur. Sie korrespondierte auf der politischen Ebene mit dem Regelsystem der Europ&auml;ischen Union, n&auml;mlich der Verpflichtung der Staaten auf gewaltfreien Konfliktaustrag im Innenverh&auml;ltnis der EU. <\/p><p>Eine solche Umkehr vollzog sich, wenngleich in unterschiedlicher Weise, in beiden deutschen Staaten. Zug um Zug bildeten sich pazifizierte Gesellschaften heraus. Die Menschen lernten, dass sich Frieden lohnt, dass Frieden die Voraussetzung f&uuml;r Wohlstand darstellt und dass der Frieden diesen Wohlstand auch zu sichern vermag. Kurz: Dass ein gutes Leben auch ohne die <em>&bdquo;Kornkammer Ukraine&ldquo;<\/em> m&ouml;glich ist, dass sich selbst auf engerem Raum ohne Krieg gut leben l&auml;sst. Nach dem Ende des Ost-West-Konflikts 1989 erschien die Vorstellung, die deutsche Gesellschaft m&uuml;sse <em>&bdquo;kriegst&uuml;chtig&ldquo;<\/em> sein, als abwegig und v&ouml;llig aus der Zeit gefallen.<\/p><p>Das sah man nicht nur in Deutschland so. Anerkennend schrieb beispielsweise der amerikanische Historiker und Deutschlandkenner James Sheehan im Jahre 2008 in seinem Buch &uuml;ber <em>&bdquo;Europas langen Weg zum Frieden&ldquo;<\/em>: Auf diesem Kontinent, besonders in Deutschland, habe sich nach 1945 der <em>&bdquo;Aufstieg des zivilen Staates&ldquo;<\/em> vollzogen.[<a href=\"#foot_23\" name=\"note_23\">23<\/a>] Die militaristischen Tendenzen seien immer mehr zur&uuml;ckgedr&auml;ngt worden zugunsten der wachsenden Mentalit&auml;t der Friedfertigkeit.[<a href=\"#foot_24\" name=\"note_24\">24<\/a>] Dies ist eine Sicht, die auch von Analysen der deutschen Historischen Friedensforschung gest&uuml;tzt wird.[<a href=\"#foot_25\" name=\"note_25\">25<\/a>] Wir &Auml;lteren d&uuml;rfen also sagen: Zu unseren Lebzeiten konnten mehrere Generationen von Deutschen und Europ&auml;ern ein Leben ohne Krieg f&uuml;hren. Frieden auf dem Kontinent &ndash; verstanden als Abwesenheit von Krieg &ndash; wurde als Selbstverst&auml;ndlichkeit erlebt.<\/p><ol start=\"8\">\n<li><u>Die russische Aggression vom Februar 2022 und die deutsche &Ouml;ffentlichkeit<\/u><\/li>\n<\/ol><p>Von solcher Friedensmentalit&auml;t war die Befindlichkeit einer Mehrheit der Deutschen zur Zeit des russischen Angriffs auf die Ukraine am 24. Februar 2022 gepr&auml;gt. Das erkl&auml;rt den Schock, der in Deutschland besonders heftig gewesen zu sein scheint. Lange hatte man hierzulande n&auml;mlich verdr&auml;ngt, dass es sich bei der Parole <em>&bdquo;Nie wieder Krieg!&ldquo;<\/em> um eine spezifisch deutsche Parole handelte, deren Reichweite insoweit begrenzt war. Die Siegerm&auml;chte der beiden Weltkriege hatten 1945 keinen vergleichbaren Schwur abgelegt. Sie hielten den kriegerischen Konfliktaustrag weiterhin f&uuml;r einen normalen Bestandteil ihrer Machtpolitik. Putins Krieg brachte uns die ungebrochene Tradition der kriegerischen Politik nicht nur Russlands, sondern auch der anderen Siegerm&auml;chte des Zweiten Weltkrieges ins Bewusstsein zur&uuml;ck.<\/p><p>Kaum jemand hatte die Fernsehbilder, die an der Grenze zur Ukraine zusammengezogene russische Truppen zeigten, als konkrete milit&auml;rische Kriegsvorbereitung gedeutet. Man beschwichtigte sich mit der Annahme, es handle sich um eine Drohkulisse zur Unterst&uuml;tzung weiterer diplomatischer Aktivit&auml;ten, die zur Reduzierung vorhandener Spannungen f&uuml;hren sollten. Mehr konnte und wollte man sich hierzulande nicht vorstellen. Als sich die Hoffnung auf eine Deeskalation der Krise nicht bewahrheitete, bereitete sich in der deutschen Gesellschaft ein diffuses Gef&uuml;hl der Angst aus.<\/p><p>Getrieben von dieser Angst kam es nach der <em>&bdquo;Zeitenwende&ldquo;<\/em>-Rede von Bundeskanzler Olaf Scholz[<a href=\"#foot_26\" name=\"note_26\">26<\/a>] in Teilen der deutschen Bev&ouml;lkerung zur Reaktivierung kriegerischer Reflexe. Sie f&uuml;hrten zu dem Ruf nach Unterst&uuml;tzung der Ukraine nicht nur durch humanit&auml;re Hilfeleistungen, sondern auch durch Lieferung von Waffen. Allenthalben fragte man sich, ob gerade eine friedliche Welt zusammengebrochen war. Man fragte auch, warum unsere Regierung und unsere Geheimdienste die russische Aggressivit&auml;t &ndash; aber auch die fehlende Verhandlungsbereitschaft von USA und NATO &ndash; nicht fr&uuml;her erkannt beziehungsweise falsch eingesch&auml;tzt hatten.<\/p><p>Mit dem Schock korrespondierte im Westen eine eindeutige Schuldzuweisung. Die Russen, hie&szlig; es entsprechend den Vorgaben der US-Propaganda, h&auml;tten im Februar 2022 gleichsam aus heiterem Himmel, &uuml;berraschend, einen <em>&bdquo;unprovozierten Angriffskrieg&ldquo;<\/em> begonnen. Es dauerte einige Zeit, bis sich einzelne Experten getrauten, die Frage zu stellen, ob man nicht den Blick weiter in die Vergangenheit richten sollte, um m&ouml;gliche l&auml;ngerfristige Ursachen dieses Krieges in den Blick zu bekommen. Dabei geriet u.a. der Befund ins Blickfeld, dass der sowjetische Pr&auml;sident Gorbatschow nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Aufl&ouml;sung des Warschauer Paktes die m&uuml;ndliche Zusicherung hochrangiger westlicher Politiker erhalten hatte, die NATO werde sich <u>nicht<\/u> nach Osten hin ausdehnen.[<a href=\"#foot_27\" name=\"note_27\">27<\/a>] Eine kritische Minderheit in Deutschland thematisierte nun die Geschichte der NATO-Osterweiterung und damit die systematische Nicht-Beachtung russischer Sicherheitsinteressen durch die USA und die NATO-F&uuml;hrung seit den 1990er-Jahren.<\/p><p>Mein eigenes <u>Fazit<\/u> zur Vorgeschichte dieses Krieges lautet: Im politischen Kampf um die Ukraine prallten die unterschiedlichen geostrategischen Machtinteressen der Atomm&auml;chte USA und Russland st&auml;rker aufeinander. Sie korrespondierten mit der innerukrainischen Konfliktkonstellation: In der Westukraine unterst&uuml;tzten die USA die prowestliche Aufstandsbewegung des Maidan. Die Bek&auml;mpfung der Autonomiebestrebungen der russischsprachigen Ostukraine durch die Kiewer Regierung f&uuml;hrte seit 2014 &ndash; also bereits acht Jahre vor Beginn des eigentlichen Ukraine-Krieges &ndash; zu einem innerukrainischen B&uuml;rgerkrieg, in den sowohl der Westen als auch Russland involviert waren. So betrachtet, l&auml;sst sich der Ukraine-Krieg als Zusammenprall kontr&auml;rer geopolitischer Interessen der Gro&szlig;m&auml;chte Russland und USA deuten.<\/p><p>Die Version der unprovozierten russischen Aggression[<a href=\"#foot_28\" name=\"note_28\">28<\/a>] pr&auml;gt die &ouml;ffentliche Meinung in Deutschland bis heute. Sie kanalisiert die Meinungsbildung und erschwert die Erforschung der tieferliegenden Ursachen dieses Krieges. Die Bewertung des politischen Gewichts der Vorgeschichte f&auml;llt bislang noch unterschiedlich aus. Aber die Behauptung, der russische Angriff sei <em>&bdquo;unprovoziert&ldquo;<\/em> gewesen, l&auml;sst sich in Kenntnis der Geschichte der NATO-Osterweiterung wohl nicht mehr halten. <\/p><p>Die inzwischen vorliegenden Informationen &uuml;ber die l&auml;ngerfristigen Ursachen dieses Krieges k&ouml;nnten helfen, in die Realit&auml;t zur&uuml;ckzufinden. <em>&bdquo;Kopfkl&auml;rungen&ldquo;<\/em> bieten beispielsweise die Autoren Patrik Baab, Jacques Baud, Gabriele Krone-Schmalz, Harald Kujat, Erich Vad, Michael von der Schulenburg, Jeffrey Sachs, John J. Mearsheimer, Emmanuel Todd und G&uuml;nter Verheugen, um nur einige aus dem Lager der Minderheit zu nennen, die es wagte, sich gegen den Mainstream zu stellen.[<a href=\"#foot_29\" name=\"note_29\">29<\/a>]<\/p><p>Seit Beginn des Ukraine-Krieges steht das Kulturgut <em>&bdquo;deutsche Zivilgesellschaft&ldquo;<\/em> unter massivem Druck. Mit <em>&bdquo;Zeitenwende&ldquo;<\/em> und <em>&bdquo;Kriegst&uuml;chtigkeit&ldquo;<\/em> meinen die Protagonisten der Aufr&uuml;stungspolitik ja nicht nur das deutsche Milit&auml;r, die Bundeswehr. Ihr Ziel lautet vielmehr, die gesamte Gesellschaft f&uuml;r <em>&bdquo;den Krieg&ldquo;<\/em> zu ert&uuml;chtigen.[<a href=\"#foot_30\" name=\"note_30\">30<\/a>] Begr&uuml;ndet wird dieser bellizistische Kurs mit der &ndash; spekulativen, aber politisch nat&uuml;rlich h&ouml;chst brisanten &ndash; Behauptung, Putin-Russland habe wom&ouml;glich die Absicht, sich in einigen Jahren nach der Ukraine auch das Baltikum und andere europ&auml;ische L&auml;nder einzuverleiben. Da ist meines Erachtens genuines Feindbilddenken am Werk. Es speist sich aus einer D&auml;monisierung des Kremlchefs als Verk&ouml;rperung des B&ouml;sen, n&auml;mlich angenommener immanenter russischer Aggressivit&auml;t. Mich erinnert es zugleich an das Bedrohungs-Szenario der 1950er-Jahre, als in Westdeutschland &ndash; wie erw&auml;hnt &ndash; die Parole <em>&bdquo;Die Russen kommen&ldquo;<\/em> herumgeisterte.<\/p><p>Allerdings tr&auml;gt heute Putins Gewaltpolitik in der Ukraine dazu bei, dem westlichen Feindbild Nahrung zu geben. Bekanntlich hat der russische Pr&auml;sident niemals behauptet, ein Pazifist zu sein. Er wei&szlig; genau, dass die wesentlichen Kraftquellen Russlands das Milit&auml;r und die riesigen Rohstoffe des Landes sind, prim&auml;r Gas und &Ouml;l f&uuml;r den Export. F&uuml;r Putin stellt die milit&auml;rische Gewalt ein legitimes und normales Mittel der Politik dar. Dieses Politikverst&auml;ndnis praktizierte er im zweiten Tschetschenienkrieg (1999-2009)[<a href=\"#foot_31\" name=\"note_31\">31<\/a>], im Georgienkrieg (2008) und im Syrienkrieg (seit 2015)[<a href=\"#foot_32\" name=\"note_32\">32<\/a>]. <\/p><p>Das instrumentelle Verh&auml;ltnis zur kriegerischen Gewalt ist jedoch kein Alleinstellungsmerkmal Russlands. Putin und mit ihm die russische F&uuml;hrungselite agieren nicht anders als die westlichen Siegerm&auml;chte des Zweiten Weltkrieges. Au&szlig;erdem vers&auml;umten die Russen es nicht, auf das schlechte Vorbild der v&ouml;lkerrechtswidrigen Kriege der USA und ihrer Verb&uuml;ndeten etwa gegen Serbien (<em>&bdquo;Kosovo-Krieg&ldquo;<\/em> 1999), gegen den Irak (2003) oder gegen Libyen (2011) hinzuweisen.<em> <\/em><\/p><p>Mit der milit&auml;rischen Machtpolitik nach au&szlig;en korrespondiert in Russland neuerdings wieder eine autorit&auml;re Innenpolitik. Die politische Macht wird immer st&auml;rker zentralisiert, demokratische Freiheitsrechte werden beschnitten und Oppositionelle mit scharfen Repressionen eingesch&uuml;chtert. Damit kn&uuml;pft die Innenpolitik Putins an die autorit&auml;re, machtstaatliche, zentralistische Tradition Russlands an, die bis in die Zeit des Mittelalters zur&uuml;ckgeht.[<a href=\"#foot_33\" name=\"note_33\">33<\/a>]<\/p><p>Im Westen wird vermutet, die russische Kriegspolitik gegen die Ukraine stelle auch eine exemplarische Kampfansage gegen westliche, demokratische Ordnungsvorstellungen dar.[<a href=\"#foot_34\" name=\"note_34\">34<\/a>] Diese w&uuml;rden, hei&szlig;t es, eine Magnetwirkung f&uuml;r russische Oppositionelle entfalten und k&ouml;nnten das Land destabilisieren. Welches Gewicht diese Systemkonkurrenz im Vergleich mit anderen kriegsverursachenden Faktoren hat, ist schwer einzusch&auml;tzen. Erhellende Meinungsumfragen dazu gibt es nicht. Aktuell scheint Putin fester denn je im Sattel zu sitzen.<\/p><p>Kritiker der deutschen Ukrainepolitik monieren seit Jahren, dass unsere Regierung keine eigenen Friedensinitiativen entwickelt hat und lediglich wie ein Vasall im Schlepptau der US-amerikanischen Regierung agierte. Tats&auml;chlich hat die Bundesregierung es widerspruchslos hingenommen, dass die f&uuml;hrende Macht des Westens bereits im April 2022 erfolgversprechende Friedensverhandlungen (siehe das Istanbuler Kommuniqu&eacute; vom April 2022) zwischen Russland und der Ukraine zur&uuml;ckpfiff. So stellt sich erneut die Frage: Wird diese Politik dem Auftrag unseres Grundgesetzes hinreichend gerecht; <em>&bdquo;in einem vereinigten Europa dem Frieden der Welt zu dienen&ldquo;<\/em>?[<a href=\"#foot_35\" name=\"note_35\">35<\/a>]<\/p><ol start=\"9\">\n<li><u>Zukunftsvisionen<\/u><u>: Dauerhafte Verfeindung oder gemeinsame Sicherheit?<\/u><\/li>\n<\/ol><p>Der Versuch eines Blickes in die Zukunft ist durch den Regierungswechsel in den USA nicht eben erleichtert worden. Ich m&ouml;chte gleichwohl nicht auf eine Zukunftsvision verzichten, mir die m&ouml;glichen Optionen auszumalen: <\/p><p><u>Erstens sehe ich die negative Version:<\/u> Sie ist angesichts der aktuellen, eskalierenden Entwicklungen des Jahres 2025 die wahrscheinlichste. Sie lautet: Weitgehender R&uuml;ckzug der USA aus Europa, ungebremste Aufr&uuml;stung in Europa, auch in Deutschland, unter der Losung <em>&bdquo;Kriegst&uuml;chtigkeit&ldquo;, <\/em>weitere Eskalation des Ukraine-Krieges. Sollte es unter dem neuen Druck der USA gelingen, den hei&szlig;en Krieg zu Lasten der Ukraine zu beenden, bekommen wir wahrscheinlich einen neuen Kalten Krieg. Es entsteht ein neuer Eiserner Vorhang, der die Feindkonstellation zementiert. Milit&auml;r, Aufr&uuml;stung und Feinddenken beherrschen weiterhin die Politik, die Volkswirtschaften und das Denken der Menschen. Sie produzieren eine stete Kriegsgefahr, auch die Gefahr eines Atomkrieges.<\/p><p><u>Zweitens gibt es eine positive Zukunftsvision<\/u>, die uns ermutigen und Hoffnung geben kann: Sie muss nicht neu erfunden werden. Vielmehr kann sie an &auml;ltere Erfahrungen ankn&uuml;pfen, n&auml;mlich an die Friedens- und Entspannungspolitik seit den 1970er-Jahren. Der Kern dieses Politikmodells besteht in der Erkenntnis, dass Frieden und Sicherheit in Europa nicht in einem milit&auml;rischen Gegeneinander gewonnen werden k&ouml;nnen, sondern nur in einem Miteinander, zumindest im Sinne einer friedlichen Koexistenz.[<a href=\"#foot_36\" name=\"note_36\">36<\/a>] So schwer das heute auch vorstellbar ist: Das Miteinander muss Russland auch zuk&uuml;nftig einschlie&szlig;en. Aus der Einsicht in die absolute Priorit&auml;t der Friedensgewinnung und Friedensbewahrung kann l&auml;ngerfristig Schritt f&uuml;r Schritt neues Vertrauen wachsen. Das ist die grundlegende Voraussetzung f&uuml;r eine positive Entwicklung. Die Ideen der <em>&bdquo;Gemeinsamen Sicherheit&ldquo;<\/em> und des <em>&bdquo;Gemeinsamen Hauses Europa&ldquo;<\/em> geben die politische Orientierung vor. Die KSZE-Schlussakte von 1975 und die Charta von Paris vom November 1990 k&ouml;nnen die v&ouml;lkerrechtlichen Modelle f&uuml;r k&uuml;nftige gesamteurop&auml;ische Vereinbarungen sein. Es b&uuml;ndelt die wohlverstandenen Interessen aller europ&auml;ischen L&auml;nder.[<a href=\"#foot_37\" name=\"note_37\">37<\/a>]<\/p><p>Wir lernen gerade, dass die politischen Interessen der europ&auml;ischen L&auml;nder keineswegs mit denen der USA identisch sein m&uuml;ssen. Vielleicht reift nun auch die Erkenntnis, dass die Politik, die zum KSZE-Prozess gef&uuml;hrt hat, also zu Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, kein Fehler war, f&uuml;r den sich die deutsche Politik heute entschuldigen m&uuml;sste. Vielmehr war sie im Kern richtig, wurde aber nicht konsequent genug betrieben. So betrachtet, hat sich die Parole <em>&bdquo;Nie wieder Krieg!&ldquo;<\/em>, die uns viele Jahrzehnte lang eine Orientierung geboten hat, eben nicht erledigt. In unserem Lande gibt es nach wie vor viele Menschen, die nicht dem Bellizismus verfallen sind, sondern sich eine kriegskritische Haltung bewahrt haben.[<a href=\"#foot_38\" name=\"note_38\">38<\/a>] Sie warten nur darauf, dass der Kurs der <em>&bdquo;Kriegst&uuml;chtigkeit&ldquo;<\/em> abgel&ouml;st wird von einem Kurs der konzentrierten Friedensdiplomatie.<\/p><p>Dan Smith, der Direktor des schwedischen Friedensforschungsinstituts SIPRI, stellte vor kurzem (2. April 2025) fest, dass das Niveau der Milit&auml;rausgaben in Europa derzeit <em>&bdquo;h&ouml;her als je zuvor&ldquo;<\/em> sei, und er kn&uuml;pfte daran die eindringliche Warnung: Die vielen Hundert Milliarden Euro f&uuml;r Milit&auml;r und R&uuml;stung seien nicht das, <em>&bdquo;was notwendig ist, um Europa zu einem sicheren Ort zu machen&ldquo;<\/em>. Vielmehr seien sie &ndash; ich zitiere &ndash; <em>&bdquo;ein deutliches Warnsignal f&uuml;r ein ungesundes und gef&auml;hrliches System, in dem wir leben&ldquo;<\/em>. Der Friedenswissenschaftler zeigte sich <em>&bdquo;ziemlich besorgt &uuml;ber die Tendenz, dass Politiker in einer Welt mit vielen Problemen nur an eine Sache denken: die eigene Aufr&uuml;stung&ldquo;<\/em>.[<a href=\"#foot_39\" name=\"note_39\">39<\/a>]<\/p><p>Von dem Friedensnobelpreistr&auml;ger Willy Brandt k&ouml;nnen wir lernen, dass der politische <em>&bdquo;Wille zum Frieden&ldquo;<\/em> von zentraler Bedeutung ist.[<a href=\"#foot_40\" name=\"note_40\">40<\/a>] An diesem unbedingten Willen zum Frieden hat es in der Vorgeschichte des Ukraine-Krieges sowohl im Westen als auch in Russland gefehlt. Immer mehr Menschen, die sich mit den Ursachen dieses Krieges auseinandersetzen, beginnen zu begreifen, welche politische Dimension die Erkenntnis hat: Auch dieser Krieg h&auml;tte vermieden werden k&ouml;nnen. Klaus von Dohnanyi hat hierzu das Entscheidende gesagt: <em>&bdquo;Putin ist der Aggressor, aber die M&ouml;glichkeit, den Krieg zu verhindern, lag beim Westen.&ldquo;<\/em>[<a href=\"#foot_41\" name=\"note_41\">41<\/a>] Was fehlte, war der Wille zum Frieden. Stattdessen dominierten Machtinteressen geopolitischer und geo&ouml;konomischer Natur. Vergessen wir in diesem Zusammenhang nicht die Himmelsrichtungen: Die Expansion, die sich nach dem Ende des Kalten Krieges schrittweise in Europa vollzog, verlief nicht von Ost nach West, sondern umgekehrt von West nach Ost[<a href=\"#foot_42\" name=\"note_42\">42<\/a>], bis mit dem &ndash; von der US-Regierung forcierten &ndash; Bestreben, die Ukraine in die NATO aufzunehmen, eine <em>&bdquo;Rote Linie&ldquo;<\/em> &uuml;berschritten wurde.<\/p><ol start=\"10\">\n<li><u> &bdquo;Ernstfall Frieden&ldquo; bleibt<\/u><u> die zentrale Lehre aus der deutschen Geschichte<\/u><\/li>\n<\/ol><p>Damit komme ich zum <u>Schluss<\/u> und beziehe mich dabei auch auf das Manifest der SPD-Linken, das am 10. Juni 2025 ver&ouml;ffentlicht wurde. Wir brauchen eine Intensivierung der diplomatischen Anstrengungen aller europ&auml;ischen Staaten, um ein Schweigen der Waffen zu erreichen und mit den Russen wieder ins Gespr&auml;ch zu kommen: Also: &bdquo;<em>Schrittweise R&uuml;ckkehr zur Entspannung der Beziehungen und einer Zusammenarbeit mit Russland [&hellip;]&ldquo;<\/em>.[<a href=\"#foot_43\" name=\"note_43\">43<\/a>] Dann kann die Arbeit an der Vision einer lebenswerten europ&auml;ischen Zukunft wieder aufgenommen werden. In den Dokumenten aus der Zeit der Entspannungspolitik ist alles vorgedacht, was wir brauchen.<\/p><p>Auf dem Wege zur Wiederbelebung der KSZE k&ouml;nnen wir eigene Beitr&auml;ge leisten: Feindbilder abbauen, die Akteure der anderen Seite entd&auml;monisieren, &uuml;ber die l&auml;ngerfristigen Ursachen des Ukraine-Krieges aufkl&auml;ren, unsere Politikerinnen und Politiker dazu dr&auml;ngen, endlich selbst Friedensinitiativen zu ergreifen und dies nicht den Gro&szlig;m&auml;chten USA und Russland zu &uuml;berlassen. Um einem sich ausbreitenden Fatalismus entgegenzutreten, k&ouml;nnen wir f&uuml;r unsere grundlegenden Einsichten werben: Krieg ist kein unabwendbares Schicksal, sondern Menschenwerk, das Ergebnis schlechter Politik. Frieden ist generell m&ouml;glich und machbar! Kriegsverh&uuml;tung muss das erste Ziel staatlicher Politik bleiben! Verhandeln ist immer besser als Schie&szlig;en! Diplomatie verlangt nicht Sympathie, sondern Empathie, also die F&auml;higkeit, sich in die andere Seite hineinzuversetzen, die ganz anders denkt als man selbst!<\/p><p>Lassen wir uns also nicht einreden, es g&auml;be allein und nur die derzeitige Konfrontationspolitik. Wir k&ouml;nnen w&auml;hlen! Vielleicht erleben wir sogar eine neue Bewegung <em>&bdquo;von unten&ldquo;<\/em>, einen Aufstand der derzeit noch schweigenden Mehrheit in der Bev&ouml;lkerung &ndash; einen Aufstand f&uuml;r eine kooperative Zukunft. Wir m&uuml;ssen heraus aus der Sackgasse des Fatalismus und der l&auml;hmenden Angst! Noch einmal m&uuml;ssen wir uns gegen alle Widerst&auml;nde f&uuml;r die Vision eines friedfertigen <em>&bdquo;Gemeinsamen Hauses Europa&ldquo;<\/em> begeistern und uns mit einem langen Atem f&uuml;r sie einsetzen. Die Vision <em>&bdquo;Ernstfall Frieden&ldquo;<\/em> ist nicht pass&eacute;. Sie bleibt die zentrale Lehre aus unserer Geschichte. <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Siehe: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Konferenz_%C3%BCber_Sicherheit_und_Zusammenarbeit_in_Europa\">de.wikipedia.org\/wiki\/Konferenz_%C3%BCber_Sicherheit_und_Zusammenarbeit_in_Europa<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] &bdquo;Unternehmen Barbarossa&ldquo;. Der deutsche &Uuml;berfall auf die Sowjetunion 1941. Berichte, Analysen, Dokumente. Hrsg. von Wolfram Wette u. Gerd R. Uebersch&auml;r. Paderborn (Sch&ouml;ningh) 1984 (= Sammlung Sch&ouml;ningh zur Geschichte und Gegenwart); Taschenbuchausgaben Frankfurt\/M. (Fischer) 1991 ff.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Zuerst von Ernst Nolte<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] Gerd R. Uebersch&auml;r\/Lev A. Bezymenskij (Hrsg.): Der deutsche Angriff auf die Sowjetunion 1941. Die Kontroverse um die Pr&auml;ventivkriegsthese. Darmstadt 2. Aufl. 2011; Bianka Pietrow-Ennker (Hrsg.): Pr&auml;ventivkrieg? Der deutsche Angriff auf die Sowjetunion. Frankfurt\/M. 2000 u.&ouml;.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Die Tageb&uuml;cher von Joseph Goebbels. S&auml;mtliche Fragmente. Hrsg. von Elke Fr&ouml;hlich, Bd. 4, M&uuml;nchen, New York 1987, Eintrag vom 16.6.1941, S. 650<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] Siehe den Wikipedia-Eintrag: Opfer der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] Wolfram Wette: Die Wehrmacht. Feindbilder, Vernichtungskrieg, Legenden. Frankfurt\/M. 2002, S. 26<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] Mitteilungen f&uuml;r die Truppe, hrsg. vom Oberkommando der Wehrmacht\/WFSt\/WPr (IIe), Nr. 112, Juni 1941. Bibliothek des Milit&auml;rgeschichtlichen Forschungsamtes Freiburg, heute: Zentrum f&uuml;r Milit&auml;rgeschichte und Sozialwissenschaften, Potsdam.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] Bernd St&ouml;ver: Der Kalte Krieg. Geschichte eines radikalen Zeitalters 1947-1991. M&uuml;nchen 2007, S. 68 f. <\/p>\n<p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] So auch das Memorandum &bdquo;Frieden mit der Sowjetunion&ldquo; (wie Anm. 17)<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_11\" name=\"foot_11\">&laquo;11<\/a>] Reiner Albert\/Gottfried Niedhart: Vom System- zum Machtkonflikt: Die Sowjetunion in der westdeutschen Bedrohungswahrnehmung. In. Arnold Sywottek (Hrsg.), Der Kalte Krieg &ndash; Vorspiel zum Frieden? M&uuml;nster u.a. 1994, S. 69-101<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_12\" name=\"foot_12\">&laquo;12<\/a>] Siehe Wolfram Wette: Militarismus in Deutschland. Geschichte einer kriegerischen Kultur. Frankfurt\/M. (Fischer) 2011, Kap. Nachkriegsdebatten 1945-1955, S. 21-22<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_13\" name=\"foot_13\">&laquo;13<\/a>] Vgl. das &bdquo;Abkommen von Potsdam&ldquo; vom 2. August 1945, unterzeichnet von Stalin, Truman und Attlee.<br>\nText in: Deuerlein, Potsdam 1945 (1963), S. 353<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_14\" name=\"foot_14\">&laquo;14<\/a>] Vgl. Wolfram Wette: Milit&auml;rpolitik in Deutschland nach dem 8. Mai 1945. In: Geschichte, Politik und ihre Didaktik, 24. Jg. 1996, S. 11; siehe auch Detlef Bald: Von der Wehrmacht zur Bundeswehr. Kontinuit&auml;t und Neubeginn. In: Werner Conze\/M. Rainer Lepsius Hrsg.), Sozialgeschichte der Bundesrepublik Deutschland. Beitr&auml;ge zum Kontinuit&auml;tsproblem. Stuttgart 1983, S. 387<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_15\" name=\"foot_15\">&laquo;15<\/a>] Beide Zitate nach Dieter Gebhardt: Milit&auml;r und Krieg im Geschichtsunterricht nach 1945. In: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 2\/1990), S. 81-100, hier: 82<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_16\" name=\"foot_16\">&laquo;16<\/a>] Dieter S. Lutz: Krieg und Frieden als Rechtsfrage im Parlamentarischen Rat 1948\/49. Baden-Baden 1982<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_17\" name=\"foot_17\">&laquo;17<\/a>] Nikolai Portugalow: Vers&ouml;hnung mit den V&ouml;lkern der Sowjetunion. In: Frieden mit der Sowjetunion. Eine unerledigte Aufgabe. Hrsg. v. Dietrich Goldschmidt, Sophinette Becker, Erhard Eppler, Wolfgang Huber, Horst Krautter, Hartmut Lenhard, Wolfgang Raupach, Klaus von Schubert und Wolfram Wette. G&uuml;tersloh 1989 (= G&uuml;tersloher Taschenb&uuml;cher\/ Siebenstern 582) 1989, S. 402-418, hier: S. 405 u. 411; siehe auch das in diesem Band einleitend abgedruckte Memorandum der Herausgeber, S. 11-20<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_18\" name=\"foot_18\">&laquo;18<\/a>] <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nikolai_Sergejewitsch_Portugalow\">de.wikipedia.org\/wiki\/Nikolai_Sergejewitsch_Portugalow<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_19\" name=\"foot_19\">&laquo;19<\/a>] Frieden mit der Sowjetunion. Eine unerledigte Aufgabe (wie Anm. 17), mit dem in diesem Band einleitend abgedruckte Memorandum <em>&bdquo;Frieden mit der Sowjetunion&ldquo;<\/em> der Herausgeber, S. 11-20<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_20\" name=\"foot_20\">&laquo;20<\/a>] Memorandum (1989) (ebda.)<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_21\" name=\"foot_21\">&laquo;21<\/a>] Siehe die Berichte der Organisation Deutsche Lebensbr&uuml;cke e.V. &uuml;ber ihre humanit&auml;re Hilfe in Russland: <a href=\"https:\/\/blog.lebensbruecke.de\/start\/30-jahre-russlandhilfe\">30 Jahre Russlandhilfe<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_22\" name=\"foot_22\">&laquo;22<\/a>] Manfred Hildermeier: Geschichte der Sowjetunion 1917-1991. Entstehung und Niedergang des ersten sozialistischen Staates. M&uuml;nchen: Beck-Verlag 1998, S. 1042. Ich danke Heiko Haumann, Universit&auml;t Basel, f&uuml;r diesen Hinweis. Auch Gabriele Krone-Schmalz geht auf die damalige Hungersnot ein, die in Deutschland hernach schon bald wieder vergessen wurde. Siehe dies.: Eiszeit. Wie Russland d&auml;monisiert wird und warum das so gef&auml;hrlich ist. M&uuml;nchen: Beck 5. Aufl. 2018, S. 13 f. Weitere Informationen in dem Weitere Infos in dem Wikipedia-Eintrag <em>&bdquo;Zerfall der Sowjetunion&ldquo;<\/em>: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zerfall_der_Sowjetunion\">de.wikipedia.org\/wiki\/Zerfall_der_Sowjetunion<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_23\" name=\"foot_23\">&laquo;23<\/a>] James Sheehan: Kontinent der Gewalt &ndash; Europas langer Weg zum Frieden. M&uuml;nchen 2008, S.266 u. 220<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_24\" name=\"foot_24\">&laquo;24<\/a>] Wolfram Wette: Ernstfall Frieden. Lehren aus der deutschen Geschichte seit 1914. Bremen 2017, S. 416 f. <\/p>\n<p>[<a href=\"#note_25\" name=\"foot_25\">&laquo;25<\/a>] Siehe den Sammelband von Thomas K&uuml;hne (Hrsg.): Von der Kriegskultur zur Friedenskultur? Zum Mentalit&auml;tswandel in Deutschland seit 1945. M&uuml;nster\/Hamburg\/London 2000 (= Jahrbuch f&uuml;r Historische Friedensforschung, Bd. 9)<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_26\" name=\"foot_26\">&laquo;26<\/a>] Die Zeitenwende-Rede des Bundeskanzlers am 27.2.2022 in: <a href=\"https:\/\/www.bundesregierung.de\/breg-de\/aktuelles\/regierungserklaerung-von-bundeskanzler-olaf-scholz-am-27-februar-2022-2008356\">bundesregierung.de\/breg-de\/aktuelles\/regierungserklaerung-von-bundeskanzler-olaf-scholz-am-27-februar-2022-2008356<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_27\" name=\"foot_27\">&laquo;27<\/a>] Best&auml;tigt vom damaligen deutschen Auenminister Hans-Dietrich Genscher. Siehe dazu den Vortrag von G&uuml;nter Verheugen: Warum ist es zum Ukraine-Krieg gekommen &ndash; und welche Wege f&uuml;hren wieder hinaus? Vortrag in Bremen am 10. Juni 2025 in Bremen. In Internet: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=asiEy60Ruvc\">youtube.com\/watch?v=asiEy60Ruvc<\/a>. Viele Zeitzeugeninterviews aus dieser schwierigen Phase der russischen Geschichte bei der Literaturnobelpreistr&auml;gerin Swetlana Alexijewitsch: <em>Secondhand-Zeit. Leben auf den Tr&uuml;mmern des Sozialismus.<\/em> M&uuml;nchen 2013<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_28\" name=\"foot_28\">&laquo;28<\/a>] Es wird von Russland bestritten. So vor kurzem noch einmal der russische Botschafter Sergej J. Netschajew in der ARD-Doku von Anne Will und Julia Friedrichs <em>&bdquo;Angst vor Krieg &ndash; Die Deutschen in der Zeitenwende&ldquo;<\/em>; 7.5.2025, 20.15-21 Uhr. Netschajew sagte: <em>&bdquo;Wir haben diesen Krieg nicht angefangen.&ldquo;<\/em> Im Internet nachzulesen unter: <a href=\"https:\/\/www.express.de\/politik-und-wirtschaft\/anne-will-trifft-in-ard-russischen-botschafter-beunruhigende-antwort-1000758\">Anne Will trifft in ARD russischen Botschafter: Beunruhigende Antwort | Express<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_29\" name=\"foot_29\">&laquo;29<\/a>] Eine Sammlung der Argumente von deutschen Kritikern des Regierungskurses bietet der Band von Hermann Theisen\/Helmut Donat (Hrsg.): Bedrohter Diskurs. Deutsche Stimmen zum Ukraine Krieg. Bremen; Donat-Verlag 2024 (= Geschichte und Frieden, Bd. 52)<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_30\" name=\"foot_30\">&laquo;30<\/a>] Zum historischen Kontext siehe Wolfram Wette: Militarismus in Deutschland. Geschichte einer kriegerischen Kultur. Frankfurt\/M. \/Fischer-TB) 2008<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_31\" name=\"foot_31\">&laquo;31<\/a>] <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zweiter_Tschetschenienkrieg\">de.wikipedia.org\/wiki\/Zweiter_Tschetschenienkrieg<\/a> . Zitat aus dem Eintrag: <a href=\"#Tschetschenienkriege\">Russisch-Tschetschenischer Konflikt &ndash; Wikipedia<\/a>: <em>&bdquo;Anfang 2000 wurde die Stadt Grosny durch die Kampfhandlungen fast v&ouml;llig zerst&ouml;rt und Tschetschenien unter russische Kontrolle gebracht.&ldquo;<\/em> Siehe allgemein: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kaukasuskrieg_2008\">Kaukasuskrieg 2008 &ndash; Wikipedia<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_32\" name=\"foot_32\">&laquo;32<\/a>] Siehe: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Russischer_Milit%C3%A4reinsatz_in_Syrien\">de.wikipedia.org\/wiki\/Russischer_Milit&auml;reinsatz_in_Syrien<\/a><em> <\/em><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_33\" name=\"foot_33\">&laquo;33<\/a>] Siehe dazu Hans-Heinrich Nolte: Geschichte Russlands. 4. Aufl. Stuttgart 2024 (Erstauflage 1998), S. 465 f., 475-480 <\/p>\n<p>[<a href=\"#note_34\" name=\"foot_34\">&laquo;34<\/a>] Exemplarisch Gustav Seibt: Realismus, im Ernst? Gilt nun wieder das Recht des St&auml;rkeren? In: S&uuml;ddeutsche Zeitung Nr. 79, 8.4.2025, S. 9<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_35\" name=\"foot_35\">&laquo;35<\/a>] Siehe die Pr&auml;ambel des Grundgesetzes f&uuml;r die Bundesrepublik Deutschland. Dazu Heribert Prantl: Friedensgebot. Das Grundgesetz will keinen Staat, der das Milit&auml;r in das Zentrum der Politik stellt. In: S&uuml;ddeutsche Zeitung Nr. 123, 30.Mai 2025, S. 5, mit der ern&uuml;chternden Feststellung: <em>&bdquo;Das Friedensgebot ist eine leere Formel geblieben!&ldquo;<\/em><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_36\" name=\"foot_36\">&laquo;36<\/a>] Friedliche Koexistenz meint: unter Ausschluss eines kriegerischen Konflikts<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_37\" name=\"foot_37\">&laquo;37<\/a>] Die Charta wurde am 21. November 1990 als Schlussdokument der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Konferenz_%C3%BCber_Sicherheit_und_Zusammenarbeit_in_Europa\">KSZE<\/a>-Sondergipfelkonferenz von 32 europ&auml;ischen L&auml;ndern (einschlie&szlig;lich der Sowjetunion) sowie den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Vereinigte_Staaten\">USA<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kanada\">Kanada<\/a> unterschrieben. Siehe: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Charta_von_Paris\">de.wikipedia.org\/wiki\/Charta_von_Paris<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_38\" name=\"foot_38\">&laquo;38<\/a>] Anhaltspunkte f&uuml;r diese Aussage bieten die Umfragen des Markt- und Meinungsforschungsinstituts IPSOS sowie die Russland-Analyse Nr. 437 der Bundeszentrale f&uuml;r politische Bildung vom 26.5.2023 zum Thema: Umfragen: Die Haltung der deutschen Bev&ouml;lkerung zum Krieg gegen die Ukraine: Waffen, Sanktionen, Diplomatie. | Russland-Analysen | bpb.de<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_39\" name=\"foot_39\">&laquo;39<\/a>] Sven Christian Schulz (Br&uuml;ssel\/Stockholm): Diplomatie als &bdquo;erste Verteidigungslinie&ldquo;. Interview mit Dan Smith, dem Chef des Friedensforschungsinstituts SIPRI. In: Badische Zeitung, 2.4.2025, S. 7<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_40\" name=\"foot_40\">&laquo;40<\/a>] Siehe das Buch von Willy Brandt: Der Wille zum Frieden. Perspektiven der Politik. Mit einem Vorwort von Golo Mann. Frankfurt\/M. 1973<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_41\" name=\"foot_41\">&laquo;41<\/a>] So Dohnanyi im Polit-Talk mit Mavbritt Illner im ZDF am 10.3.2022. Siehe: <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/politik\/maybrit-illner\/krieg-in-der-ukraine-zeitenwende-fuer-deutschland-maybrit-illner-vom-31-maerz-2022-100.html\">zdf.de\/politik\/maybrit-illner\/krieg-in-der-ukraine-zeitenwende-fuer-deutschland-maybrit-illner-vom-31-maerz-2022-100.html<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_42\" name=\"foot_42\">&laquo;42<\/a>] So auch G&uuml;nter Verheugen in seinem Bremer Vortrag am 10. Juni 2025: <em>&bdquo;Warum ist es zum Ukraine-Krieg gekommen &ndash; und welche Wege f&uuml;hren wieder hinaus?&ldquo;<\/em> Im Internet nachzuh&ouml;ren unter: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=asiEy60Ruvc\">youtube.com\/watch?v=asiEy60Ruvc<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_43\" name=\"foot_43\">&laquo;43<\/a>] <em>Manifest: Friedenssicherung in Europa durch Verteidigungsf&auml;higkeit, R&uuml;stungskontrolle und Verst&auml;ndigung.<\/em> Unterzeichnet von Ralf Stegner, Rolf M&uuml;tzenich und etwa 100 anderen. Undatiert, seit 10.6.2025 im Netz<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 22. Juni tagte die Heidelberger Friedenskonferenz. Prof. Dr. <strong>Wolfram Wette<\/strong> f&uuml;hrte mit einer Rede in die uns immer noch umtreibenden Probleme des Umgangs mit Russland ein. Die <em>NachDenkSeiten<\/em> dokumentieren seinen Vortrag &ndash; siehe unten. Ein paar wenige kritische Anmerkungen betreffen Nebensachen.<\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,170,171,211],"tags":[2871,3293,3240,2013,3260,2102,1644,1268,1611,2104,941,2250,416,466,397,915,826,1367,259,2147,260,1556,966],"class_list":["post-135329","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-friedenspolitik","category-militaereinsaetzekriege","category-veranstaltungshinweiseveranstaltungen","tag-antikommunismus","tag-bellizismus","tag-diplomatische-verhandlungen","tag-entspannungspolitik","tag-feindbild","tag-geostrategie","tag-gorbatschow-michail","tag-kalter-krieg","tag-kriegsluegen","tag-kriegsopfer","tag-ksze","tag-nachkriegszeit","tag-nationalsozialismus","tag-nato","tag-ostpolitik","tag-putin-wladimir","tag-rassismus","tag-ruestungsausgaben","tag-russland","tag-sowjetunion","tag-ukraine","tag-usa","tag-weltkrieg"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/135329","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=135329"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/135329\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":135426,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/135329\/revisions\/135426"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=135329"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=135329"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=135329"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}