{"id":135549,"date":"2025-07-04T14:30:31","date_gmt":"2025-07-04T12:30:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=135549"},"modified":"2025-07-04T15:27:48","modified_gmt":"2025-07-04T13:27:48","slug":"letzte-hoffnung-un-charta-ein-appell-fuer-frieden-und-neutralitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=135549","title":{"rendered":"Letzte Hoffnung UN-Charta &#8211; Ein Appell f\u00fcr Frieden und Neutralit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Warum sind wir so verr&uuml;ckt auf Krieg?&ldquo; Diese Frage stand im Zentrum einer Veranstaltung in Berlin zum 80. Jubil&auml;um der UN-Charta. Sevim Dagdelen, Au&szlig;enpolitikerin des B&uuml;ndnisses Sahra Wagenknecht (BSW), und EU-Parlamentarier Michael von der Schulenburg (f&uuml;r das BSW) warnten vor den Folgen der Aufr&uuml;stungsspirale. Sie forderten eine R&uuml;ckbesinnung auf die diplomatischen Kernprinzipien der Charta &ndash; als einzig wirksamen Schutz vor atomarer Bedrohung und gesellschaftlichem Zerfall. Ein Bericht von <strong>&Eacute;va P&eacute;li<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n&bdquo;Wir sind so kriegsbegeistert.&ldquo; Das stellte Michael von der Schulenburg, parteiloser Abgeordneter des B&uuml;ndnisses Sahra Wagenknecht (BSW) im Europaparlament und ehemaliger Chef-Diplomat der Vereinten Nationen, Ende Juni bei einer Veranstaltung in Berlin kopfsch&uuml;ttelnd fest. Er pl&auml;dierte eindringlich f&uuml;r eine R&uuml;ckbesinnung auf die UN-Charta. F&uuml;r ihn ist dieses Dokument, das er aus 30 Jahren Erfahrung in Kriegs- und Krisenl&auml;ndern als &bdquo;ausgesprochen lebenswichtig&ldquo; kennengelernt hat, die einzige Grundlage f&uuml;r eine Friedenspolitik.<\/p><p>Von der Schulenburg betonte, dass die UN-Charta vor 80 Jahren aus der tiefen Ersch&uuml;tterung zweier Weltkriege entstanden sei, die innerhalb von 30 Jahren &bdquo;irrsinniges Morden&ldquo; und &bdquo;80 Millionen Tote&ldquo; forderten. Die 50 Gr&uuml;ndungsnationen h&auml;tten ein &bdquo;sehr radikales Dokument&ldquo; geschaffen, so seine Einsch&auml;tzung, das wir heute kaum mehr schreiben k&ouml;nnten. Es sei der Versuch gewesen, die Forderung &bdquo;Nie wieder Krieg!&ldquo; umzusetzen.<\/p><p>Martin Hantke, Koordinator des BSW in Berlin-Mitte, er&ouml;ffnete die Veranstaltung im Willy-Brandt-Saal des Rathauses von Berlin-Sch&ouml;neberg mit einem klaren Statement gegen die aktuelle Kriegstreiberei. Er begr&uuml;&szlig;te die Redner, die &bdquo;klare Kontrapunkte&ldquo; zum vorherrschenden &bdquo;Kriegswahnsinn&ldquo; setzten. Denn, laut dem Motto der Veranstaltung: &bdquo;Alle Zeichen stehen auf Sturm&ldquo;. <\/p><p>Ex-UN-Diplomat von der Schulenburg mit 34 Jahren Erfahrung in Krisen- und Kriegsgebieten und die BSW-Politikerin Sevim Dagdelen sind sich einig: Die Welt steuert auf eine Katastrophe zu, und nur eine R&uuml;ckkehr zu den Prinzipien der UN-Charta kann uns retten. Ihre Botschaften anl&auml;sslich des 80. Jahrestages der Charta sind ein Weckruf gegen die aktuelle Kriegslogik und eine leidenschaftliche Verteidigung der Diplomatie. Der dritte Redner war Reiner Braun, ein &bdquo;Urgestein der Friedensbewegung&ldquo;, der sich laut Hantke unerm&uuml;dlich f&uuml;r die Einheit und Schlagkraft der Friedensbewegung einsetze und direkt aus Ramstein anreise &ndash; einem Ort, den der franz&ouml;sische Intellektuelle Emmanuel Todd treffend als die &bdquo;eigentliche Hauptstadt Deutschlands&ldquo; bezeichnet habe. Braun rief die etwa 400 Menschen im Raum auf, am 3. Oktober zu Friedensdemonstration zu kommen.<\/p><p>Der Moderator betonte die prophetische Aktualit&auml;t des Veranstaltungstitels, der einige Wochen vor der j&uuml;ngsten Eskalation, dem &bdquo;v&ouml;lkerrechtswidrigen Angriffskrieg Israels zu den USA gegen den Iran,&ldquo; gew&auml;hlt wurde. Er kritisierte in diesem Zusammenhang scharf die Worte von Friedrich Merz, &bdquo;dass Israel f&uuml;r uns die Drecksarbeit macht,&ldquo; als &bdquo;wahnsinnige, verurteilungswerte Nazi-Aussage&ldquo;.<\/p><p><strong>Die Geburtsstunde der UN-Charta: &bdquo;Nie wieder Krieg!&ldquo; <\/strong><\/p><p>Der Kern der Charta liege in der Bedeutung des &bdquo;Wortes&ldquo;: &bdquo;zu reden, zu verhandeln, zu vermitteln, Schiedsgerichte anzusprechen.&ldquo; Selbst Artikel 51, das Recht auf Selbstverteidigung, sei nur als Nachgedanke hinzugef&uuml;gt worden, stets verbunden mit der sofortigen Pflicht, eine friedliche L&ouml;sung durch Verhandlungen zu suchen. F&uuml;r von der Schulenburg ist die Charta der Versuch zu sagen: &bdquo;Leute, wir sind alle menschlich, wir k&ouml;nnen reden, wir k&ouml;nnen uns verstehen.&ldquo; Das Dokument sei 1945 eine Revolution gewesen, besonders im Hinblick auf das Selbstbestimmungsrecht und die Gleichheit aller Menschen, selbst in Zeiten, in denen viele Gr&uuml;ndungsstaaten noch von Apartheid gepr&auml;gt waren. Er bezeichnete die Entstehung der Charta als &bdquo;Sternstunde der Menschheit&ldquo;.<\/p><p>In den aktuellen F&auml;llen Ukraine-Krieg und Israels Angriff auf den Iran &ndash; beides Pr&auml;ventionskriege &ndash; sieht der Friedensdiplomat einen V&ouml;lkerrechtsversto&szlig;, machte aber den Unterschied deutlich, dass Russland immer wieder angeboten habe, zu verhandeln.<\/p><p>Die UN-Charta verpflichte alle ratifizierenden Staaten unmissverst&auml;ndlich dazu, Konflikte durch Verhandlungen zu l&ouml;sen, erinnerte von der Schulenburg. Doch im Ukraine-Krieg scheint der Westen diese zentrale Verpflichtung au&szlig;er Acht gelassen zu haben. Anstatt diplomatische Initiativen zur Beendigung des Konflikts voranzutreiben, bewirken die massiven Waffenlieferungen das Gegenteil. Andererseits habe Israel den Iran angegriffen, w&auml;hrend die Verhandlungen noch nicht festgefahren waren. Als Ersten t&ouml;teten sie den iranischen Verhandlungsf&uuml;hrer, laut dem ehemaligen UN-Chefdiplomaten ein &bdquo;schweres Verbrechen&ldquo;. <\/p><p><strong>Die Bedrohung durch die Atombombe und die Logik der Abschreckung<\/strong><\/p><p>Nur 20 Tage nach der Unterzeichnung der Charta 1945 explodierte die erste Atombombe. Von der Schulenburg hob hervor, dass die Atombombe eine v&ouml;llig andere Logik etablierte: Die Annahme, dass der Mensch schlecht sei, dass wir uns &bdquo;bewaffnen m&uuml;ssen, dass wir st&auml;rker sein m&uuml;ssen als die anderen&ldquo;. Diese Logik der &bdquo;gegenseitig garantierten Vernichtung&ldquo; habe den Frieden des Kalten Krieges gepr&auml;gt und f&uuml;hre bis heute dazu, dass Sicherheit durch &bdquo;&uuml;berh&ouml;hte Waffensysteme&ldquo; gesucht werde.<\/p><p>Der BSW-Parlamentarier kritisierte, dass die ehemals stabilisierenden R&uuml;stungskontrollabkommen und vertrauensbildenden Ma&szlig;nahmen, die eine &bdquo;Br&uuml;cke&ldquo; zwischen milit&auml;rischer St&auml;rke und Verhandlungswillen gebaut h&auml;tten, heute vom Westen nicht mehr genutzt w&uuml;rden. Die USA seien aus vielen Abkommen ausgetreten oder h&auml;tten sie nicht verl&auml;ngert, was er als einen &bdquo;Gewinn der milit&auml;rischen Seite&ldquo; wertete, besonders unverst&auml;ndlich in einer Zeit nach dem Kalten Krieg, in der es &bdquo;keine Gefahr gab&ldquo;.<\/p><p><strong>Die gef&auml;hrliche Aufr&uuml;stungsspirale der NATO und ihre Folgen<\/strong><\/p><p>Von der Schulenburg kritisierte scharf den j&uuml;ngsten NATO-Beschluss, f&uuml;nf Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) f&uuml;r R&uuml;stung auszugeben, was einer Verdopplung der bereits exorbitanten Ausgaben gleichk&auml;me. Schon heute machten die NATO-Staaten, die nur zehn Prozent der Weltbev&ouml;lkerung stellen (haupts&auml;chlich &bdquo;wei&szlig;e Leute&ldquo;), 55 Prozent aller Milit&auml;rausgaben aus. Dieser Drang zur &bdquo;&uuml;berm&auml;&szlig;igen Bewaffnung&ldquo;, um andere &bdquo;klein zu halten,&ldquo; werde nun noch verst&auml;rkt. Er warnte, dass diese Aufr&uuml;stung, insbesondere im nuklearen Bereich, Russland keine andere Wahl lasse, als mit atomaren Mitteln zu reagieren. Die westliche Logik sei am Ende: &bdquo;Wir m&uuml;ssen das irgendwie anders machen.&ldquo;<\/p><p>Der Diplomat zeigte sich besorgt &uuml;ber die &bdquo;Kriegshetze&ldquo; in Westeuropa, die im Gegensatz zu anderen Regionen stehe. Hier wies er auf die Aussage der Au&szlig;enbeauftragten der EU, Kaja Kallas, hin, die die Notwendigkeit der Erh&ouml;hung der NATO-Ausgaben damit begr&uuml;nde, dass &bdquo;die Russen aufr&uuml;sten, also wollen sie Krieg&ldquo;. Bedeutet das, dass wir auch Krieg wollen, fragte von der Schulenburg? Er prangerte die &bdquo;Kriegssprache&ldquo; in Deutschland an, das sei eine &bdquo;alte Sprache&ldquo;. Aussagen wie die von Au&szlig;enminister Johann Wadephul (CDU), Russland werde &bdquo;immer unser Feind sein,&ldquo; oder die Bezeichnung anderer Staaten als &bdquo;Dreckskerle&ldquo; seien eine &bdquo;unglaubliche Sprache,&ldquo; die uns an den Rand eines aktiven Krieges bringe. Doch Kriege seien &bdquo;unberechenbar&ldquo;, niemals &bdquo;heldenhaft&ldquo; und f&uuml;hrten selten zu den gew&uuml;nschten Ergebnissen.<\/p><p><strong>Milit&auml;rische Interventionen schaffen Chaos, nicht Demokratie<\/strong><\/p><p>Ein weiteres zentrales Argument von der Schulenburgs war die Unwirksamkeit milit&auml;rischer Interventionen. Er verwies auf eine Studie des US-Kongresses, wonach die USA zwischen 1992 und 2022 251-mal milit&auml;risch in anderen L&auml;ndern interveniert h&auml;tten &ndash; eine Zahl, die Stellvertreterkriege nicht einmal ber&uuml;cksichtige. Doch diese Interventionen h&auml;tten &bdquo;kein einziges Land&ldquo; hervorgebracht, in dem am Ende Demokratie, Rechtsstaatlichkeit oder Wirtschaftswachstum entstanden seien. Stattdessen h&auml;tten sie &bdquo;Chaos, Anarchie und Ungl&uuml;ck&ldquo; sowie Millionen Tote und Fl&uuml;chtlinge verursacht. Als Beispiel nannte er den Anti-Terror-Krieg, der 4,5 Millionen Tote und 38 Millionen Fl&uuml;chtlinge gefordert habe &ndash; ein Drittel aller Fl&uuml;chtlinge weltweit. <\/p><p>&bdquo;Das sind wir. Und wir denken immer noch mit einer Selbstgerechtigkeit, dass wir das f&uuml;r das Gute der Welt tun. Das tun wir nicht&ldquo;, so der langj&auml;hrige Diplomat. Er warnte davor, dass die fortgesetzten milit&auml;rischen Aktionen, wie der j&uuml;ngste Angriff auf den Iran, zu einer gef&auml;hrlichen atomaren Aufr&uuml;stung f&uuml;hren k&ouml;nnten, da sich L&auml;nder wie Saudi-Arabien oder die T&uuml;rkei ebenfalls nuklear bewaffnen k&ouml;nnten.<\/p><p><strong>Die Chance der Menschlichkeit: Zur&uuml;ck zur UN-Charta<\/strong><\/p><p>Von der Schulenburg schloss mit einem Appell an die Menschlichkeit. Da die Waffen heute so gef&auml;hrlich geworden seien &ndash; die Zukunft der Menschheit werde von der K&uuml;nstlichen Intelligenz entschieden &ndash;, m&uuml;sse die Menschheit wieder &bdquo;zum Reden kommen.&ldquo; Er betonte, dass die Entscheidung zwischen einem atomaren Weg und einem friedlichen Miteinander in der Hand jedes Einzelnen liege.<\/p><p>F&uuml;r den &bdquo;engagierten Friedensk&auml;mpfer&ldquo;, wie Moderator Hantke von der Schulenburg bezeichnete, ist die UN-Charta nicht nur ein Dokument, das Krieg verhindern will. Sie zeichne auch ein positives Bild davon, &bdquo;wie wir miteinander friedlich leben sollten&ldquo;. Er sieht keinen Ausweg, als &bdquo;zur&uuml;ck zur UN-Charta zu gehen&ldquo;. Er erinnerte daran, dass die Charta von 193 L&auml;ndern ratifiziert wurde und somit in fast allen Staaten Gesetz sei.<\/p><p>Fakt bleibe jedoch: Seit ihrer Verabschiedung vor 80 Jahren wurde die UN-Charta von keiner einzigen Nation oder Gruppe von Nationen so h&auml;ufig verletzt wie von den Vereinigten Staaten und ihren westlichen Verb&uuml;ndeten. Die Beweise daf&uuml;r finden sich in einer langen Reihe von Kriegen und Interventionen, von verdeckten Operationen bis hin zu unterst&uuml;tzten Putschen.<\/p><p>Sevim Dagdelen, ehemalige Linkspartei-Abgeordnete und jetzige Au&szlig;enpolitikerin des BSW, hob insbesondere Artikel 2 der UN-Charta hervor, der die souver&auml;ne Gleichheit aller Mitgliedstaaten, die friedliche Beilegung internationaler Streitigkeiten und das Verbot der Androhung oder Anwendung von Gewalt vorschreibt. F&uuml;r Dagdelen steht au&szlig;er Frage, dass die Charta keine Waffenlieferungen vorsieht und dass sogenannte &bdquo;Regime-Change-Pl&auml;ne&ldquo; einen klaren Versto&szlig; gegen das V&ouml;lkerrecht darstellen. Sie kritisierte, dass die Prinzipien der Charta heute zunehmend ausgeh&ouml;hlt w&uuml;rden und das V&ouml;lkerrecht zu einem &bdquo;Steinbruch&ldquo; verkommen sei.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/250704-charta-Dagdelen.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/250704-charta-Dagdelen.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/div><p><strong>NATO-Aufr&uuml;stung: Ein Angriff auf den Sozialstaat und ein Wettr&uuml;sten<\/strong><\/p><p>Ein zentraler Kritikpunkt der Politikerin und Autorin des Buches &bdquo;Die NATO. Eine Abrechnung mit dem Werteb&uuml;ndnis&ldquo; war die Rolle des westlichen Milit&auml;rb&uuml;ndnisses. Sie verwies auf den j&uuml;ngsten NATO-Gipfel in Den Haag, der die Verpflichtung der Mitgliedstaaten bekr&auml;ftigte, f&uuml;nf Prozent des BIP f&uuml;r R&uuml;stung und Milit&auml;r auszugeben. Dies bedeute eine enorme Steigerung der Milit&auml;rausgaben auf voraussichtlich 2,7 Billionen US-Dollar bis 2035.<\/p><p>Dagdelen warnte eindringlich vor den Folgen dieser massiven Aufr&uuml;stung:<\/p><ul>\n<li>Sie bezeichnete sie als den &bdquo;gr&ouml;&szlig;ten Angriff auf den Sozialstaat in Europa&ldquo; seit dem Zweiten Weltkrieg, da sie unweigerlich zu drastischen K&uuml;rzungen in Bereichen wie Rente, Gesundheit, Bildung und Infrastruktur f&uuml;hren werde.<\/li>\n<li>Die Aufr&uuml;stung werde ein gef&auml;hrliches Wettr&uuml;sten nach sich ziehen.<\/li>\n<li>Die daraus resultierende Verschuldung werde k&uuml;nftige Generationen belasten und historische Sozialk&uuml;rzungen zur Folge haben.<\/li>\n<\/ul><p>Sie entlarvte die Rechtfertigung der Aufr&uuml;stung durch den Verweis auf fr&uuml;here Milit&auml;rausgaben als &bdquo;nostalgisch&ldquo; und &bdquo;grundfalsch&ldquo;, da die damaligen wirtschaftlichen Wachstumsraten und die Gr&ouml;&szlig;e der NATO nicht mit der heutigen Situation vergleichbar seien.<\/p><p><strong>Globale Machtverschiebungen und neokoloniale Dominanz<\/strong><\/p><p>Dagdelen hob hervor, dass sich die Welt grundlegend ver&auml;ndert habe und die NATO in einer veralteten Denkweise verhaftet sei. Sie verwies auf den Aufstieg des Globalen S&uuml;dens, insbesondere der BRICS-Staaten, die mittlerweile 40 Prozent des weltweiten BIP ausmachen, w&auml;hrend die G7-Staaten nur noch 29 Prozent der Weltwirtschaft repr&auml;sentierten. Der Versuch, BRICS-Staaten von Schl&uuml;sseltechnologien abzuschneiden, sei zum Scheitern verurteilt, da China in vielen Bereichen weltweit f&uuml;hrend sei. Die BSW-Politikerin formulierte die These, dass sich die NATO &bdquo;zugrunde r&uuml;stet&ldquo;.<\/p><p>Die Rednerin brandmarkte die NATO als neokoloniale Allianz, die anderen Staaten vorschreibe, was sie zu tun haben. Als Beispiel nannte sie den Umgang mit dem Iran, dem ein ziviles Atomprogramm verwehrt werde, w&auml;hrend Atomwaffen in der Region bei Verb&uuml;ndeten geduldet w&uuml;rden. Dies zeige eine eklatante Doppelmoral.<\/p><p>Die langj&auml;hrige Bundestagsabgeordnete interpretierte die forcierte Aufr&uuml;stung nicht als Verteidigung, sondern als &bdquo;Kriegsvorbereitung&ldquo;, um die globale Hegemonie der USA zu erhalten. Sie warnte davor, Geheimdienstinformationen als Kriegsgrund zu missbrauchen und verwies auf historische Pr&auml;zedenzf&auml;lle wie den Irak-Krieg.<\/p><p><strong>Souver&auml;nit&auml;t durch Neutralit&auml;t<\/strong><\/p><p>Abschlie&szlig;end betonte Dagdelen, dass die erzwungenen f&uuml;nf Prozent Milit&auml;rausgaben die Souver&auml;nit&auml;t der Staaten in ihrer Haushalts-, Wirtschafts- und Sozialpolitik untergraben w&uuml;rden. Sie verwies auf den Druck, der auf L&auml;nder wie Spanien und die Slowakei ausge&uuml;bt wurde, um das F&uuml;nf-Prozent-Ziel zu akzeptieren.<\/p><p>F&uuml;r Dagdelen ist der Weg zu einer mit der UN-Charta vereinbaren Politik nur &uuml;ber eine st&auml;rkere Souver&auml;nit&auml;t und Neutralit&auml;t zu erreichen. Sie pl&auml;dierte f&uuml;r eine demokratische Erneuerungsbewegung, die sich f&uuml;r ein &bdquo;bezahlbares, friedliches und neutrales Deutschland&ldquo; einsetzt.<\/p><p><strong>Ein Pl&auml;doyer f&uuml;r Empathie und Frieden<\/strong><\/p><p>Ina Darmst&auml;dter, BSW-Kandidatin f&uuml;r die EU-Parlamentswahl 2024, prangerte in ihrer Rede die Missachtung der UN-Charta und den Mangel an Empathie in der Weltpolitik an. Sie betonte, dass die urspr&uuml;nglichen Prinzipien von Frieden und Gerechtigkeit durch historische Ereignisse und aktuelle Entwicklungen untergraben worden seien. Darmst&auml;dter forderte einen &bdquo;Charakterf&uuml;hrerschein&ldquo; f&uuml;r Politiker und Wirtschaftsf&uuml;hrer und rief dazu auf, dass &bdquo;sozial veranlagte Menschen&ldquo; mehr F&uuml;hrungspositionen &uuml;bernehmen sollten. Sie appellierte: &bdquo;Runter von der Yogamatte und rein ins Parlament!&ldquo; Um dies zu f&ouml;rdern, sei ein Bildungssystem notwendig, das &bdquo;Verantwortung und Mitgef&uuml;hl&ldquo; lehre.<\/p><p>Ihre Vision umfasst &bdquo;weltweit Friedensministerien&ldquo; und einen &bdquo;UN-Friedensrat&ldquo; zur Beilegung von Konflikten. Sie schloss mit dem Aufruf, sich f&uuml;r ein &bdquo;Forum f&uuml;r Frieden und V&ouml;lkerrecht&ldquo; einzusetzen und die Grundprinzipien der UN-Charta &ndash; Gewaltfreiheit, Frieden, Gerechtigkeit und kollektive Sicherung &ndash; wieder in den Mittelpunkt zu r&uuml;cken.<\/p><p>Moderator Hantke bezeichnete die Veranstaltung als eine Anti-Kriegs-Manifestation. Von der Schulenburg schloss die Veranstaltung optimistisch: Wenn der Westen sich der Charta verschreibe, w&uuml;rde er die Mehrheit der Welt auf seine Seite bringen: &bdquo;Pl&ouml;tzlich werden wir ganz, ganz viele Leute finden, die ja auch f&uuml;r die UN-Charta sind.&ldquo; Er sieht darin eine gemeinsame Sprache und ein gemeinsames Dokument, das uns zusammenf&uuml;hren kann.<\/p><p><small>Titelbild: &Eacute;va P&eacute;li<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=129192\">&bdquo;Deutschland begeht mit seiner Ukraine-Politik politischen und wirtschaftlichen Selbstmord&ldquo;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=135363\">Gef&auml;hrdet Strafanzeige gegen Merz wegen &bdquo;Aufstachelung zum Angriffskrieg&ldquo; dessen Kanzlerschaft?<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=127556\">Michael von der Schulenburg: &bdquo;Geschichtlich gesehen ist es unser Krieg und nicht Putins&ldquo;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=125590\">Das Europ&auml;ische Parlament dreht durch<\/a><\/p>\n<\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/9851ba33281149c79948a2874f280670\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Warum sind wir so verr&uuml;ckt auf Krieg?&ldquo; Diese Frage stand im Zentrum einer Veranstaltung in Berlin zum 80. Jubil&auml;um der UN-Charta. Sevim Dagdelen, Au&szlig;enpolitikerin des B&uuml;ndnisses Sahra Wagenknecht (BSW), und EU-Parlamentarier Michael von der Schulenburg (f&uuml;r das BSW) warnten vor den Folgen der Aufr&uuml;stungsspirale. 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