{"id":1357,"date":"2006-06-20T15:14:56","date_gmt":"2006-06-20T13:14:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=1357"},"modified":"2016-02-05T11:55:25","modified_gmt":"2016-02-05T10:55:25","slug":"mckinsey-studie-56-prozent-der-studierenden-denken-daruber-nach-auszuwandern-vor-lauter-standortwettbewerb-kehrt-die-akademische-jugend-dem-standort-deutschland-den-rucken-zu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1357","title":{"rendered":"McKinsey-Studie: 56 Prozent der Studierenden denken dar\u00fcber nach, auszuwandern. Vor lauter Standortwettbewerb kehrt die akademische Jugend dem Standort Deutschland den R\u00fccken zu."},"content":{"rendered":"<p>Bei den Ingenieurstudenten k&ouml;nnen sich sogar 60 Prozent vorstellen, Deutschland zu verlassen. Darin spiegeln sich erhebliche Skepsis im Hinblick auf die eigenen Zukunftsaussichten in Deutschland, verbunden mit gro&szlig;en Sorgen vor wirtschaftlicher Krise und hoher Arbeitslosigkeit wider. 44 Prozent blicken wenig zuversichtlich in die Zukunft. Die Deutsche Wirtschaft strahlt wenig Faszination auf den Nachwuchs aus, nur 9 Prozent meinen, dass sie gemeinwohlorientiert ist, 37 Prozent sehen eine Dominanz von Shareholder-Value. Soziale und konservativ-traditionelle Werte dominieren bei den jungen Akademikern. Das sind einige der Ergebnisse einer Umfrage von McKinsey f&uuml;r das <a href=\"http:\/\/www.manager-magazin.de\/koepfe\/karriere\/0,2828,345522,00.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.manager-magazin.de\/koepfe\/karriere\/0,2828,345522,00.html\">manager-magazin<\/a>. Je attraktiver der Wirtschaftsstandort Deutschland gestaltet werden soll, desto weniger attraktiv scheint er offenbar f&uuml;r die akademischen Hoffnungstr&auml;ger zu werden.<br>\n<!--more--><br>\nMan wei&szlig; ja von den <a href=\"?p=1236\">Umfragen von McKinsey<\/a>, dass dort oft Fragen gestellt werden, die das &ouml;konomistische Weltbild von Deutschlands gr&ouml;&szlig;tem Wirtschaftberater best&auml;tigen. Umso erstaunlicher sind die Ergebnisse einer manager-magazin Jugendstudie &bdquo;Generation 05&ldquo;.<\/p><p>Man erf&auml;hrt dort z.B. dass nur die wenigsten der befragten Studierenden, n&auml;mlich 29 Prozent ihre studentische Existenz ohne zu jobben bestreiten. Das hat zwar das Deutsche Studentenwerk auch schon x-mal erhoben, das hindert die CDU-FDP-Regierungen in den L&auml;ndern aber dennoch nicht, Studiengeb&uuml;hren zu erheben und damit den Zwang zu zus&auml;tzlicher Erwerbst&auml;tigkeit noch mehr zu erh&ouml;hen. (Diesen Schluss zieht nat&uuml;rlich die Studie nicht. Sie fragt nicht einmal danach.)<\/p><p>Die Zukunftserwartungen unserer zuk&uuml;nftigen Leistungstr&auml;ger lassen sich nur als deprimierend bezeichnen:<\/p><ul>\n<li>Weniger als ein Drittel blickt optimistisch einer Realisierung der eigenen Anspr&uuml;che an den Beruf entgegen.<\/li>\n<li>Die befragten Studierenden im Hauptstudium erwarten, dass sie k&uuml;nftig 47,7 Stunden pro Woche arbeiten m&uuml;ssen, gew&uuml;nscht w&auml;ren allerdings nur 39,5 Stunden.<\/li>\n<li>Die &uuml;berraschend gro&szlig;e Bereitschaft, die berufliche Existenz gegebenenfalls ins Ausland zu verlegen, h&auml;ngt offenbar mit verbreiteten Zweifeln zusammen, ob man f&uuml;r sich von einer gesicherten Zukunft in Deutschland ausgehen kann.<\/li>\n<\/ul><p>Im Grunde gehe wenig Faszination von der deutschen Wirtschaft auf die potentiellen Nachwuchskr&auml;fte aus.<\/p><ul>\n<li>Nur ein Viertel findet die Behauptung richtig, die deutsche Wirtschaft sei konsensorientiert und nur 9 Prozent halten sie f&uuml;r gemeinwohlorientiert.<\/li>\n<li>21 Prozent halten den praktizierten F&uuml;hrungsstil in der deutschen Wirtschaft f&uuml;r veraltet. 71 Prozent halten die deutschen Manager f&uuml;r &ldquo;&uuml;berbezahlt&rdquo;, 62 Prozent stimmen der Charakterisierung zu, sie seien nur auf den eigenen Vorteil bedacht.<\/li>\n<li>Als &ldquo;moralisch integer&rdquo; bezeichnen die deutschen Manager noch ganze 9 Prozent der Befragten, 46 Prozent stellen dies ausdr&uuml;cklich in Abrede. Und soziales Verantwortungsbewusstsein wollen ebenfalls nur noch 10 Prozent f&uuml;r deutsche Manager gelten lassen, 59 Prozent sind vom Gegenteil &uuml;berzeugt.<\/li>\n<\/ul><p>Die jungen Akademiker haben Forderungen an die Gemeinschaft, die &ndash; sieht man einmal von die f&uuml;r Studierende nahe liegende Forderung nach mehr Bildung und Forschung ab &ndash; so ganz anders aussehen, also wir sie t&auml;glich h&ouml;ren: Werte wie Frieden (92 Prozent), B&uuml;rger- und Menschenrechte (91 Prozent), Umwelt-\/Naturschutz (87 Prozent) sowie gleichauf soziale W&auml;rme\/menschlicher Zusammenhalt und Kinder\/Familie (je 86 Prozent) und die Forderung nach mehr sozialer Gerechtigkeit (79 Prozent), B&uuml;rger- und Gemeinsinn (71 Prozent), &ldquo;Vereinbarkeit von Beruf und Familie&rdquo; (79 Prozent) sowie &ldquo;Arbeitsplatzsicherheit&rdquo; (73 Prozent) stehen im Vordergrund.<\/p><p>Dabei sind 92 Prozent vom Sinn eines gesellschaftlichen Engagements &uuml;berzeugt, sei es auf dem Feld sozialer Anliegen, in der Politik oder etwa auch im Sport oder in eigener Sache.<\/p><p>Den niedrigsten Stellenwert im Sinne eines positiven Beiklangs haben f&uuml;r die befragten Studierenden materiell &ouml;konomische Werte, n&auml;mlich Reichtum (37 Prozent), Marktwirtschaft (32 Prozent) und Globalisierung (26 Prozent). <\/p><p>Nur die Studierende der Wirtschaftswissenschaften fordern deutlich weniger h&auml;ufig gegen&uuml;ber der Einsch&auml;tzung aller Befragten soziale Gerechtigkeit ein, w&uuml;nschen sich ferner erwartungsgem&auml;&szlig; mehr Geltung in der Welt f&uuml;r die Wertbegriffe Marktwirtschaft und Wettbewerb.<br>\nWen wundert das bei dem wissenschaftlichen Mainstream in diesen F&auml;chern.<br>\nLeider ist es aber so, dass die Betriebswirte derzeit, bei der Interpretation der gesellschaftlichen Wirklichkeit und bei der politischen Verarbeitung der gesellschaftlichen Zukunftsaufgaben die Dominanz, wenn nicht sogar das Monopol haben. Da denken halt die Studierenden anderer F&auml;cher ans Auswandern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei den Ingenieurstudenten k&ouml;nnen sich sogar 60 Prozent vorstellen, Deutschland zu verlassen. Darin spiegeln sich erhebliche Skepsis im Hinblick auf die eigenen Zukunftsaussichten in Deutschland, verbunden mit gro&szlig;en Sorgen vor wirtschaftlicher Krise und hoher Arbeitslosigkeit wider. 44 Prozent blicken wenig zuversichtlich in die Zukunft. 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