{"id":1359,"date":"2006-06-21T15:22:28","date_gmt":"2006-06-21T13:22:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=1359"},"modified":"2016-02-05T11:42:48","modified_gmt":"2016-02-05T10:42:48","slug":"jeder-haushalt-hat-im-durchschnitt-70000-euro-nettogeldvermogen-oder-fur-wie-dumm-halt-uns-der-bundesbankprasident-eigentlich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1359","title":{"rendered":"Jeder Haushalt hat im Durchschnitt 70.000 Euro Nettogeldverm\u00f6gen. Oder: F\u00fcr wie dumm h\u00e4lt uns der Bundesbankpr\u00e4sident eigentlich?"},"content":{"rendered":"<p>Er muss es ernst gemeint haben, denn es steht schwarz auf wei&szlig; in einer offiziellen <a href=\"http:\/\/www.bundesbank.de\/download\/presse\/pressenotizen\/2006\/20060619.finanz.pdf\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.bundesbank.de\/download\/presse\/pressenotizen\/2006\/20060619.finanz.pdf\">Pressenotiz der Deutschen Bundesbank [PDF &ndash; 244 KB]<\/a> vom 19.06.06:<br>\n&bdquo;Ende 2005 kamen die deutschen Haushalte auf ein Nettogeldverm&ouml;gen von 2,69 Billionen &euro;. Das sind pro Haushalt im Durchschnitt knapp 70.000 &euro;, in etwa doppelt so viel wie Anfang der neunziger Jahre.&ldquo;<br>\nDie &ouml;konomische Logik unseres obersten Bankers lautet also etwa so: Wenn ich 20.000 Euro auf dem Sparkonto habe und mein Nachbar hat 10.000 Euro Schulden, dann haben wir beide im Durchschnitt 5.000 Euro. Dar&uuml;ber kann sich mein Nachbar aber richtig freuen!<br>\nEigentlich m&uuml;sste ein homerisches Gel&auml;chter &uuml;ber Axel Weber durch den Bl&auml;tterwald schallen. Aber fast alle drucken diese Durchschnittszahl ohne jeden realen Aussagewert &uuml;ber die tats&auml;chliche Verteilung des Nettogeldverm&ouml;gens nach.<br>\n<!--more--><br>\nFranz Josef Strau&szlig; soll einmal einen l&auml;stigen Diskutanten mit der Frage abgewatscht haben: &bdquo;Haben Sie &uuml;berhaupt Abitur?&ldquo; &Auml;hnlich macht es das Handelsblatt mit dem Finanzexperten der SPD, Joachim Po&szlig;, weil sich dieser erdreistete, den Pr&auml;sidenten der Bundesbank zu kritisieren, weil dessen Rezepte &bdquo;in der konkreten Wirklichkeit nicht helfen.&ldquo; Das hat offenbar einen Strau&szlig;schen J&auml;hzorn in der Redaktion ausgel&ouml;st: &bdquo;Bankpr&auml;sident Weber studierte Volkswirtschaftslehre, lehrte jahrelang als Universit&auml;tsprofessor und geh&ouml;rte dem Sachverst&auml;ndigenrat (&bdquo;Wirtschaftsweise&ldquo;) an. SPD-Experte Po&szlig; hat einen Realschulabschluss und studierte nie.&ldquo; Po&szlig; hat kein Abitur und Weber ist studierter Volkswirt, das reicht offenbar den Fachleuten des <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/Politik\/Deutschland\/pshb\/fn\/relhbi\/sfn\/buildhbi\/cn\/GoArt!200013,200050,1095714\/SH\/0\/depot\/0\/spd-finanzexperte-kanzelt-koehler-ab.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.handelsblatt.com\/Politik\/Deutschland\/pshb\/fn\/relhbi\/sfn\/buildhbi\/cn\/GoArt!200013,200050,1095714\/SH\/0\/depot\/0\/spd-finanzexperte-kanzelt-koehler-ab.html\">Wirtschaftsblatts<\/a> aus, um die Kompetenz unseres W&auml;hrungsh&uuml;ters ausreichend bewiesen zu haben.<\/p><p>Welch gro&szlig;artiges Finanzgenie unser studierter Volkswirt, Professor, Wirtschaftsweiser und Bundesbankpr&auml;sident ist, belegt er nachdr&uuml;cklich mit seiner Pressever&ouml;ffentlichung &bdquo;Finanzverm&ouml;gen und Verschuldung privater Haushalte in Deutschland&ldquo;. Danach ist im Jahr 2005 das Finanzverm&ouml;gen der deutschen Haushalte weiter betr&auml;chtlich gewachsen, und zwar um 180 Milliarden &euro; auf 4,26 Billionen &euro;. Zieht man die Verschuldung von 1,57 Billionen &euro; ab, dann &bdquo;kamen die deutschen Haushalte auf ein Nettogeldverm&ouml;gen von 2,69 Billionen &euro;&ldquo;, das macht geteilt durch die Zahl der Haushalte nach Adam Riese pro Haushalt im Durchschnitt knapp 70.000 &euro;. <\/p><p>So einfach ist die Wirklichkeit unseres studierten Bundesbankpr&auml;sidenten. Sein etwas abgewandelte Motto lautet offenbar: &Uuml;ber die Frage, wer das Geld hat, spricht man nicht, Geld hat man.<\/p><p>Dass durchschnittlich alle, die bis zu 3.000 Euro verdienen weit unter der Durchschnittssparquote von 10,7 Prozent bleiben, dass alle, die ein Monatseinkommen von rund 1.000 Euro haben, <a href=\"http:\/\/www.jjahnke.net\/unsozsteuern.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.jjahnke.net\/unsozsteuern.html\">im Durchschnitt verschuldet sind<\/a>, dass alle, &uuml;ber 4.000 Euro Monatseinkommen aber eine Sparquote von 14 Prozent und alle, die an die 7.000 monatlich haben, sogar &uuml;ber 22 Prozent ihres Monatseinkommens sparen k&ouml;nnen, interessiert im Durchschnitt ja nicht. <\/p><p>Dass die unteren 50 Prozent der Haushalte laut Armutsbericht der Bundesregierung gerade mal 4 Prozent des deutschen Verm&ouml;gens besitzen und die oberen 10 Prozent <a href=\"?p=230\">&uuml;ber 47 Prozent davon haben<\/a>, das geht nat&uuml;rlich in die &bdquo;Gesamtwirtschaftliche Finanzierungsrechnung&ldquo; unseres Bundesbankpr&auml;sidenten nicht ein. Wozu auch, in der &bdquo;Gesamtwirtschaft&ldquo; z&auml;hlt eben nur das Geld, nicht wer es hat. Hauptsache man geh&ouml;rt zu denen, die Geld haben.<\/p><p>Dass wir im Vergleich zu den skandinavischen L&auml;ndern, den Niederlanden, &Ouml;sterreich, Gro&szlig;britannien, Japan oder USA ein recht hohe Sparquote haben, und dass der seit Jahren andauernde Anstieg unserer Sparquote etwas mit der schlechten Nachfrage und damit der miesen Binnenkonjunktur und der hohen Arbeitslosigkeit zu tun haben k&ouml;nnte, bringt unseren ehemaligen &bdquo;Wirtschaftsweisen&ldquo; auch nicht ins Gr&uuml;beln.<\/p><p>Dass privater Reichtum etwas mit einem armen Staat zu tun haben k&ouml;nnte, kommt Axel Weber, der von seinem Pr&auml;sidentensessel st&auml;ndig Steuersenkungen und staatliches Sparen anmahnt, gleichfalls nicht in den Sinn: &bdquo;Die deutschen privaten Haushalte haben im vergangenen Jahr vor allem mehr gespart und zudem von Wertsteigerungen ihrer Verm&ouml;gen profitiert.&ldquo; Demgegen&uuml;ber weise der Staat permanent hohe Defizite auf, beklagt Axel Weber in einem Atemzug. <\/p><p>Jedes Milchm&auml;dchen k&ouml;nnte ausrechnen, dass wenn die Einkommens-, die Kapitalertragssteuern und die Verm&ouml;gensteuer st&auml;ndig gesenkt werden, der Staat dementsprechend weniger Steuern einnimmt. Und wenn der Staat die Ausgaben f&uuml;r Investitionen, f&uuml;r Sozialleistungen und Bildung nicht noch mehr k&uuml;rzt, als er es ohnehin schon tut, dann weist er eben Defizite auf.<\/p><p>Und wenn der Staat dazuhin die Steuern gerade auch f&uuml;r diejenigen senkt, die ohnehin am Monatsende genug &uuml;brig haben, um zu sparen, dann kann diese Einkommensgruppe das, was sie an Steuern gespart haben, eben zus&auml;tzlich privat sparen. Diese Reicheren k&ouml;nnen sogar dann das zus&auml;tzlich Gesparte dem defizit&auml;ren Staat wieder leihen und so f&uuml;r das durch die Steuersenkungen Gesparte nochmals Zinsen vom Staat kassieren. Zinsen und Anleihen, die dann unser aller Enkel an die erbenden Enkel unserer heutigen Nettogeldverm&ouml;gensbesitzer zur&uuml;ckgezahlt werden m&uuml;ssen.<\/p><p>Kein Wunder also, dass das Nettogeldverm&ouml;gen st&auml;ndig w&auml;chst. So werden die deutschen Haushalte am Ende des laufenden Jahres vielleicht sogar auf ein Nettogeldverm&ouml;gen von im Durchschnitt 75.000 oder gar 80.000 Euro kommen. Es wird nur noch ungleicher verteilt sein als im zur&uuml;ckliegenden Jahr.<\/p><p>Wenn unseren Bundesbankpr&auml;sidenten auch die Verteilung der Nettogeldverm&ouml;gen nicht weiter k&uuml;mmert, so k&uuml;mmert er sich doch inbr&uuml;nstig um seine Besitzer: &bdquo;Je nach H&ouml;he der Inflationsrate ergeben sich &uuml;ber einen l&auml;ngeren Zeitraum erhebliche Wertverluste des ersparten Verm&ouml;gens&ldquo; warnt er. &bdquo;Gerade deshalb ist es so wichtig, dass wir im Rat der Europ&auml;ischen Zentralbank stets vorausschauend und entschlossen handeln, um Preisstabilit&auml;t zu gew&auml;hrleisten&ldquo;, betont Weber. <\/p><p>Jetzt verstehen wir auch, warum die Zentralbanker auch schon bei einer Inflationsrate von 1,9 Prozent auf die &bdquo;Zinsbremse&ldquo; treten und damit sogar riskieren, den zaghaften Aufschwung abzuw&uuml;rgen. Der Grund ist: Die Nettogeldverm&ouml;gensbesitzer m&uuml;ssen vor Inflationsverlusten gesch&uuml;tzt werden. Und Nettogeldverm&ouml;gensbesitzer sind ja &ndash; wie wir vom Bundesbankpr&auml;sidenten gelernt haben &ndash; wenigstens durchschnittlich wir alle. <\/p><p>F&uuml;r wie dumm darf der Bundesbankpr&auml;sident die &uuml;bergro&szlig;e Mehrheit der unterdurchschnittlichen Nettogeldverm&ouml;gensbesitzer eigentlich halten?\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er muss es ernst gemeint haben, denn es steht schwarz auf wei&szlig; in einer offiziellen <a href=\"http:\/\/www.bundesbank.de\/download\/presse\/pressenotizen\/2006\/20060619.finanz.pdf\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.bundesbank.de\/download\/presse\/pressenotizen\/2006\/20060619.finanz.pdf\">Pressenotiz der Deutschen Bundesbank [PDF &ndash; 244 KB]<\/a> vom 19.06.06:<br \/> &bdquo;Ende 2005 kamen die deutschen Haushalte auf ein Nettogeldverm&ouml;gen von 2,69 Billionen &euro;. Das sind pro Haushalt im Durchschnitt knapp 70.000 &euro;, in etwa doppelt<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1359\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[123,137,132],"tags":[286,343,291,738],"class_list":["post-1359","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kampagnentarnworteneusprech","category-steuern-und-abgaben","category-ungleichheit-armut-reichtum","tag-bundesbank","tag-luegen-mit-zahlen","tag-verteilungsgerechtigkeit","tag-weber-axel"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1359","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1359"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1359\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":30919,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1359\/revisions\/30919"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1359"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1359"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1359"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}