{"id":136030,"date":"2025-07-15T15:00:51","date_gmt":"2025-07-15T13:00:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=136030"},"modified":"2025-07-15T16:15:23","modified_gmt":"2025-07-15T14:15:23","slug":"die-autokratin-maia-sandu-fuehrt-moldau-autoritaer-mit-billigung-bruessels","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=136030","title":{"rendered":"Die Autokratin: Maia Sandu f\u00fchrt Moldau autorit\u00e4r \u2013 mit Billigung Br\u00fcssels"},"content":{"rendered":"<p>In Moldau zeigt sich wie in einem Brennglas der eingeschlagene politische Weg der EU. Pr&auml;sidentin Maia Sandu regiert zunehmend autorit&auml;r. Die Opposition ist verboten, die Polizei reagiert auf Proteste gegen ihren EU-freundlichen Kurs mit dem Einsatz von Gewalt. Die EU mischt sich inzwischen ganz offen ein und unterst&uuml;tzt Sandu, wobei die EU die wachsende Repression durch Schweigen billigt. Ausdehnung und Festigung des Br&uuml;sseler Einflusses stehen &uuml;ber den Interessen der B&uuml;rger Moldaus. Von Demokratie keine Spur. Von <strong>Gert-Ewen Ungar<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nAnfang Juli fand in der Hauptstadt Chisinau der Republik Moldau der erste EU-Moldau-Gipfel statt. Am Gipfel nahmen neben Moldaus Pr&auml;sidentin Maia Sandu EU-Kommissionspr&auml;sidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratspr&auml;sident Antonio Costa teil. Der Gipfel dauerte gerade mal etwas mehr als zwei Stunden. Die knapp bemessene Zeit reichte dennoch aus, um Moldau ein umfassendes Geldgeschenk zu machen. 1,9 Milliarden Euro soll Moldau in den n&auml;chsten Jahren erhalten. Das macht laut Adam Riese f&uuml;r jeden der 2,4 Millionen Moldauer rund 792 Euro. Auf dieses Geschenk an Moldau hatte sich die EU bereits im M&auml;rz geeinigt. Jetzt wurde die &Uuml;bergabe einer Tranche mit viel Pomp publikumswirksam inszeniert. Mit dem Geld soll die Umsetzung von Reformen bezahlt werden, die Moldau st&auml;rker in EU-Strukturen integriert. 270 Millionen Euro kamen beim Gipfel unmittelbar zur Auszahlung. Damit sollen ein Krankenhaus finanziert und die Stromkunden angesichts der hohen Energiepreise entlastet werden. Von der Leyen versprach noch einige andere Wohltaten. So sollen f&uuml;r die in der EU arbeitenden Moldauer &Uuml;berweisungen nach Hause g&uuml;nstiger werden. Auch Telefonate aus EU-L&auml;ndern nach Moldau will die EU durch die Integration des Landes ins Roaming-Netz der EU billiger machen. Neben all den Geschenken und Wohltaten gibt es nat&uuml;rlich auch noch eine Warnung: Russland hat die Absicht, Moldau zu destabilisieren und sich in die f&uuml;r September anstehenden Parlamentswahlen einzumischen.<\/p><p>Damit ist auch erkl&auml;rt, warum die EU gerade jetzt ihr F&uuml;llhorn &uuml;ber Moldau aussch&uuml;ttet. Es handelt sich um aktive Einmischung im Vorfeld der Wahlen. Die EU betreibt ganz offen das, was sie Russland vorwirft. Dabei sind von der Leyen und Co. so von davon &uuml;berzeugt, dass sie zu dieser Einmischung legitimiert sind, dass ihnen der offene Widerspruch gar nicht mehr auff&auml;llt. Die EU hat das Recht, Moldau nicht nur wirtschaftlich enger an sich zu binden, sondern auch in die Sicherheits- und Verteidigungsstrukturen der EU zu integrieren und damit Russland zu provozieren, ist man sich in Br&uuml;ssel absolut sicher. Russland hat die Destabilisierung der europ&auml;ischen Sicherheitsarchitektur hinzunehmen. Die EU ist bereit, aus Moldau eine zweite Ukraine zu machen.<\/p><p>Dazu soll der umstrittene EU-Kurs der zunehmend autorit&auml;r regierenden Maia Sandu unterst&uuml;tzt und verstetigt werden. Dabei ist zu bezweifeln, dass dieser Kurs im Interesse der Mehrheit der Moldauer ist. Bei einem Referendum im Oktober vergangenen Jahres entschied sich zwar eine hauchd&uuml;nne Mehrheit f&uuml;r eine EU-Integration, allerdings kamen die 50,46 Prozent Ja-Stimmen nur unter systematischer Benachteiligung der in Russland lebenden Diaspora bei gleichzeitiger Bevorzugung der in der EU lebenden Moldauer zustande. Es gab f&uuml;r die gesch&auml;tzte Zahl von einer Million in Russland lebender und arbeitender Moldauer lediglich zwei Wahllokale und keine ausreichende Anzahl an Wahlunterlagen.<\/p><p>Ob es im September f&uuml;r die Moldauer tats&auml;chlich etwas zu w&auml;hlen gibt, ist zudem fraglich. Die Oppositionspartei des Unternehmers Ilan &#536;or wurde bereits 2023 verboten. Die Gouverneurin der autonomen Region Gagausien, Evghenia Gu&#539;ul, sitzt im Hausarrest, die Staatsanwaltschaft fordert neun Jahre Haft wegen angeblich illegaler Finanzierung politischer Aktivit&auml;ten. Das Modell &bdquo;Rum&auml;nien&ldquo; macht Schule.<\/p><p>Auch Gu&#539;ul geh&ouml;rte der &#536;or-Partei an. Inzwischen hat sich ein Oppositionsb&uuml;ndnis &bdquo;Pobeda&ldquo; (Sieg) formiert, an dem auch Ilan &#536;or und Evghenia Gu&#539;ul beteiligt sind. Aufgrund der zunehmenden Repression in Moldau fand der Kongress des Oppositionsb&uuml;ndnisses Anfang Juli in Moskau statt. Das B&uuml;ndnis will bei den Parlamentswahlen im September antreten, geht allerdings davon aus, dass die Beh&ouml;rden Pobeda von den Wahlen ausschlie&szlig;en werden. Pobeda will sich f&uuml;r ein gutes Verh&auml;ltnis zu Russland und eine Integration Moldaus in die Organisation des Vertrags &uuml;ber kollektive Sicherheit (OVKS) einsetzen. Dem Verteidigungsb&uuml;ndnis geh&ouml;ren aktuell neben Russland und Wei&szlig;russland noch Kasachstan, Kirgisien und Tadschikistan an. Das ist nat&uuml;rlich genau das Gegenteil dessen, was die EU anstrebt. Ein Verbot des Parteien-Blocks ist daher mehr als nur wahrscheinlich.<\/p><p>Der EU-freundliche Kurs Sandus weckt immer h&auml;ufiger Protest, gegen den die Polizei mit zunehmender Brutalit&auml;t vorgeht. J&uuml;ngstes Beispiel ist Polizeigewalt gegen Demonstranten, die eine Gay Pride verhindern wollten.<\/p><p>Die EU f&ouml;rdert auch in Moldau die Pr&auml;senz ihrer Werte und unterst&uuml;tzt LGBT-Organisationen, ohne auf die dortigen Befindlichkeiten, Traditionen und das etablierte Wertesystem R&uuml;cksicht zu nehmen. Eine beantragte Gay Pride f&uuml;r den Juni wurde vom B&uuml;rgermeister der Hauptstadt Chisinau zun&auml;chst verboten. Pr&auml;sidentin Maia Sandu genehmigte sie allerdings dennoch. Zeitgleich fanden zwei weitere Veranstaltungen statt: eine orthodoxe Prozession und eine Demonstration f&uuml;r traditionelle Familienwerte. Nachdem die orthodoxen Christen versucht hatten, den Weiterzug der LGBT-Pride zu verhindern, kam es gegen sie und schlie&szlig;lich auch gegen die Demonstranten f&uuml;r Familienwerte zum Einsatz massiver Polizeigewalt.<\/p><p>Dass sich durch solche Aktionen die Zuneigung der Moldauer zur EU befl&uuml;geln l&auml;sst, kann bezweifelt werden. Dass Sandu dennoch zu solchen Mittel greift, deutet darauf hin, dass sie meint, &uuml;ber ausreichend R&uuml;ckendeckung zu verf&uuml;gen, um ihren Kurs der EU-Integration auch gegen den Willen der B&uuml;rger Moldaus durchdr&uuml;cken zu k&ouml;nnen.<\/p><p>In Moldau zeigt sich wie in einem Brennglas, auf welchem Weg die EU ist. Die EU mischt sich aktiv in die inneren Angelegenheiten des Landes ein, toleriert staatliche Gewalt und Repression, wenn das dem Zweck der Erweiterung und Festigung ihres Einflusses dient. Pr&auml;sidentin Maia Sandu entfernt sich immer deutlicher von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Allerdings findet das nicht nur die Billigung, sondern auch die Unterst&uuml;tzung Br&uuml;ssels. Moldau wird so zur Blaupause f&uuml;r die Zukunft der EU.<\/p><p><small>Titelbild: Iurii Vlasenko\/shutterstock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Moldau zeigt sich wie in einem Brennglas der eingeschlagene politische Weg der EU. Pr&auml;sidentin Maia Sandu regiert zunehmend autorit&auml;r. Die Opposition ist verboten, die Polizei reagiert auf Proteste gegen ihren EU-freundlichen Kurs mit dem Einsatz von Gewalt. Die EU mischt sich inzwischen ganz offen ein und unterst&uuml;tzt Sandu, wobei die EU die wachsende Repression<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=136030\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":136031,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[126,181,20],"tags":[2938,1993,3188,3022,309,3514],"class_list":["post-136030","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-erosion-der-demokratie","category-europapolitik","category-landerberichte","tag-autoritarismus","tag-moldau","tag-ovks","tag-parteiverbot","tag-repressionen","tag-wahlbeeinflussung"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/250715_titel.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/136030","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=136030"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/136030\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":136036,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/136030\/revisions\/136036"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/136031"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=136030"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=136030"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=136030"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}