{"id":136070,"date":"2025-07-16T13:00:49","date_gmt":"2025-07-16T11:00:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=136070"},"modified":"2025-07-16T15:47:47","modified_gmt":"2025-07-16T13:47:47","slug":"das-gebrochene-gesellschaftsversprechen-wie-der-staat-die-ueberreichen-schuetzt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=136070","title":{"rendered":"Das gebrochene Gesellschaftsversprechen: Wie der Staat die \u00dcberreichen sch\u00fctzt"},"content":{"rendered":"<p>Die Bundesrepublik versteht sich als soziale Marktwirtschaft, als Rechtsstaat und als Demokratie. Ihre Verfassung verpflichtet sie zur Sicherung gleichwertiger Lebensverh&auml;ltnisse und zur Besteuerung nach Leistungsf&auml;higkeit. Doch diese Versprechen sind eine Verh&ouml;hnung der Urteilskraft unserer B&uuml;rger &ndash; und das nicht zuf&auml;llig. Hinter der Fassade ordnungspolitischer Rhetorik hat sich ein System etabliert, das Reichtum sch&uuml;tzt, Umverteilung nach oben organisiert und demokratische Einflussm&ouml;glichkeiten systematisch untergr&auml;bt. Von <strong>Detlef Koch<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8841\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-136070-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250716-Wie-der-Staat-Ueberreiche-schuetzt-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250716-Wie-der-Staat-Ueberreiche-schuetzt-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250716-Wie-der-Staat-Ueberreiche-schuetzt-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250716-Wie-der-Staat-Ueberreiche-schuetzt-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=136070-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250716-Wie-der-Staat-Ueberreiche-schuetzt-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250716-Wie-der-Staat-Ueberreiche-schuetzt-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Wir erleben ein System, das den Interessen der finanzstarken Minderheit dient &ndash; nicht dem Gemeinwohl. In seiner Ausgestaltung ist es nicht nur ungerecht, sondern zutiefst verfassungswidrig und demokratiezersetzend. Die AfD wird es uns danken! Dieser Artikel rekonstruiert, wie kleine Machtzirkel aus Wirtschaft, Politik und Medien das Steuerrecht zur strategischen Selbstentlastung instrumentalisiert &ndash; und wie dabei ein Gesellschaftsvertrag zerf&auml;llt, der ohnehin nur f&uuml;r wenige galt.<\/p><ol>\n<li><strong>Die juristische Entkernung des Leistungsprinzips<\/strong><br>\nDie Grundidee des deutschen Steuerrechts ist einfach: Wer mehr leisten kann, soll mehr zum Gemeinwesen beitragen. Dieses Leistungsf&auml;higkeitsprinzip bildet die Legitimationsbasis der progressiven Einkommensteuer. Doch gerade an der Spitze der Einkommensverteilung wurde dieses Prinzip systematisch unterlaufen. Die Abgeltungsteuer auf Kapitalertr&auml;ge (25&#8239;Prozent pauschal) erlaubt es schon Multimillion&auml;ren, mit ihren Dividenden und Spekulationsgewinnen unterhalb der Belastung von Pflegekr&auml;ften, Lehrern oder Ingenieur:innen zu bleiben. Gleichzeitig werden Kapitalgesellschaften und Holdings mit effektiven Steuers&auml;tzen im einstelligen Prozentbereich belastet &ndash; ein Umstand, den sich weder Handwerksbetriebe noch mittlere Angestellte vorstellen k&ouml;nnen.\n<p>Besonders drastisch ist die Umgehung der Grunderwerbsteuer durch sogenannte Share Deals: W&auml;hrend jede Privatperson beim Immobilienkauf zwischen 3,5 und 6,5&#8239;Prozent an den Fiskus zahlt, kaufen Gro&szlig;investoren Anteile an Immobiliengesellschaften &ndash; steuerfrei. Ja, richtig geh&ouml;rt &ndash; steuerfrei[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]. Die Regelung war politisch gewollt und blieb trotz Kritik jahrelang unangetastet. Auch im Erbschaftssteuerrecht offenbart sich die doppelte Moral: Gro&szlig;e Unternehmensverm&ouml;gen k&ouml;nnen &uuml;ber die sogenannten Verschonungsregelungen nahezu steuerfrei &uuml;bertragen werden. Die Bed&uuml;rftigkeitspr&uuml;fung, eingef&uuml;hrt nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts, ist so konzipiert, dass sie selbst von Milliardenerben mit Leichtigkeit bestanden wird. Der Steuerstaat sch&uuml;tzt dynastische Verm&ouml;gens&uuml;bertragung[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] &ndash; er unterbindet sie nicht. Wer bei &bdquo;dynastische Verm&ouml;gens&uuml;bertragung&ldquo; an feudale Zeiten erinnert wird &hellip; Ja, so ist das auch gedacht!<\/p><\/li>\n<li><strong>Architektur der Selbstentlastung: Ein steuerpolitisches Kartell<\/strong><br>\nDie Frage, wem diese Steuerpolitik n&uuml;tzt, beantwortet sich empirisch und strukturell: Sie n&uuml;tzt den reichsten 1&#8239;Prozent der Bev&ouml;lkerung &ndash; insbesondere den oberen 0,1&#8239;Prozent. Diese Gruppe verf&uuml;gt &uuml;ber Kapitalgesellschaften, internationale Wohnsitze, spezialisierte Steuerkanzleien, Verm&ouml;gensverwalter und politische Zug&auml;nge. Sie ist in der Lage, selbst komplexe Steuerregime strategisch zu nutzen oder gar mitzugestalten. Der Fall der Stiftung Familienunternehmen zeigt exemplarisch, wie Gesetze im Dialog mit den Profiteuren entstehen. Als das Bundesverfassungsgericht 2014 entschied, dass die Verschonung von Betriebsverm&ouml;gen zu weit geht, war die Reaktion kein Umsteuern, sondern eine gezielte Anpassung: Die Stiftung hatte fr&uuml;hzeitig &Auml;nderungsw&uuml;nsche formuliert &ndash; und unsere loyalit&auml;tsgest&ouml;rten Volksvertreter lieferten.\n<p>Auch international bekannte Skandale wie Cum-Ex oder Cum-Cum waren keine Randph&auml;nomene, sondern Ausdruck einer Haltung: Steuervermeidung ist kein Notbehelf, sondern Bestandteil eines feudalen, ideologisch aufgeladenen Selbstverst&auml;ndnisses, das &ouml;ffentliches Eigentum als Beute begreift, auf das man aufgrund seines Standes Anspruch hat. Die juristische Umgehung geht Hand in Hand mit der politischen: Lobbyisten aus Banken und Kanzleien schreiben mit an Gesetzestexten. Ex-Minister finden sich wenige Monate nach Amtsende in Aufsichtsr&auml;ten. Eine Trennung zwischen legislativer Sph&auml;re und wirtschaftlichen Interessen existiert allenfalls nur auf dem Papier.<\/p><\/li>\n<li><strong>Lobbyismus als Machttechnologie<\/strong><br>\nDie gezielte Einflussnahme &ouml;konomischer Machtzirkel auf die Gesetzgebung ist in Deutschland weder Zufall noch Ausnahme &ndash; sie ist Teil einer durchrationalisierten Machtstrategie. Lobbyarbeit wird in Stiftungen, Verb&auml;nden, Denkfabriken und Beratungsnetzwerken organisiert. Besonders effektiv zeigt sich dieses Netzwerk in der Steuerpolitik. Zwischen 2012 und 2017 flossen allein aus dem Umfeld der Stiftung Familienunternehmen mindestens 2,8 Millionen Euro an CDU, CSU und FDP[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>]. Parteispenden, Gutachten, Kanzleramtstreffen &ndash; es ist ein informeller Komplex der N&auml;he, der mit demokratischer Aushandlung wenig zu tun hat.\n<p>Der politische Erfolg dieser Netzwerke zeigt sich nicht nur im Gesetzeswortlaut, sondern auch im Unterlassen: Share Deals wurden jahrelang nicht verhindert, die Abgeltungsteuer trotz verfassungsrechtlicher Zweifel nicht reformiert, die Gemeinn&uuml;tzigkeit wirtschaftslobbyistischer Stiftungen nicht hinterfragt. Die Vorstellung, dass es sich bei all dem um technische Details handele, ist gelinde gesagt naiv. Steuerpolitik ist Machtpolitik &ndash; und ihre Ausgestaltung Ausdruck gesellschaftlicher Kr&auml;fteverh&auml;ltnisse.<\/p><\/li>\n<li><strong>Klassismus in Reinform: Das Framing der Ungleichheit<\/strong><br>\nEntsprechende Machtzirkel begn&uuml;gen sich nicht mit &ouml;konomischer Dominanz &ndash; sie schaffen die semantischen Rahmen, in denen ihre feudalen Privilegien als normal, gerecht oder notwendig erscheinen. Der Begriff &bdquo;Leistungstr&auml;ger&ldquo; wurde in den 2000er Jahren gezielt propagiert, um hohe Einkommen und Verm&ouml;gen moralisch aufzuwerten. Wer Reichtum besteuern will, gilt als &bdquo;neidisch&ldquo; oder &bdquo;wirtschaftsfeindlich&ldquo;. Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), eine von Arbeitgeberverb&auml;nden finanzierte PR-Initiative, suggeriert regelm&auml;&szlig;ig, dass h&ouml;here Steuern auf Kapitalflucht und Standortschw&auml;che hinauslaufen. Dass viele dieser Narrative empirisch nicht haltbar sind, st&ouml;rt dabei nicht &ndash; entscheidend ist ihre diskursive Funktion: Umverteilung wird zur Gefahr erkl&auml;rt, Besitzstandswahrung zur Leistung.\n<p>Die Erz&auml;hlung vom bedrohten Mittelstand ist ein weiterer Baustein. Reiche Familienunternehmen inszenieren sich als R&uuml;ckgrat der Gesellschaft, obwohl ihre Eigentumsverh&auml;ltnisse und Steuerstrukturen mit dem klassischen Mittelstand nichts mehr zu tun haben. Diese rhetorische Gleichsetzung vernebelt die Realit&auml;t: Dass sich in Deutschland rund ein Drittel des gesamten Nettoverm&ouml;gens in den H&auml;nden des obersten Prozents konzentriert, bleibt in der &ouml;ffentlichen Debatte weitgehend ausgeblendet.<\/p><\/li>\n<li><strong>Verfassungsbruch mit Ansage &ndash; und ohne Konsequenz<\/strong><br>\nEs sind nicht nur ethische Fragen, die sich hier stellen, sondern auch rechtliche. Der Gleichheitsgrundsatz (Art.&#8239;3 GG), das Sozialstaatsgebot (Art.&#8239;20 GG), das Leistungsf&auml;higkeitsprinzip &ndash; sie alle wurden durch die bestehende Steuerarchitektur ausgeh&ouml;hlt. Das Bundesverfassungsgericht hat mehrfach ger&uuml;gt, dass bestimmte Regelungen zu einseitig zugunsten hoher Verm&ouml;gen ausgestaltet sind. Doch eine gerechte Reaktion des Gesetzgebers blieb aus &ndash; oder die Korrektur des Unrechts wurde gleich von den Steuerbeg&uuml;nstigten selbst beeinflusst. Was blieb, war ein durch Missachtung sozialer Verpflichtungen gekennzeichnetes Demokratieverst&auml;ndnis.\n<p>Die Verfassungswidrigkeit wird hingenommen, wenn sie den Richtigen dient. Die Rechtsordnung erscheint selektiv. W&auml;hrend Sozialleistungsbeziehende unter Generalverdacht stehen, wird bei Steuervermeidern auf Augenh&ouml;he verhandelt. Es ist ein doppelter Standard, der das Vertrauen in den Rechtsstaat untergr&auml;bt und manche Menschen in die Arme des Faschismus treibt.<\/p><\/li>\n<li><strong>Demokratie ohne Demos? Wenn politische Teilhabe &ouml;konomisch vergiftet ist<\/strong><br>\nDie &ouml;konomische &bdquo;Elite&ldquo; hat nicht nur mehr Geld &ndash; sie hat auch mehr Zugang, mehr Geh&ouml;r, mehr Einfluss. Studien zeigen, dass politische Entscheidungen in Deutschland fast ausschlie&szlig;lich den Interessen der Verm&ouml;genden folgen als denen der Mehrheit[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>]. Wenn das Steuerrecht de facto im Dialog mit den Reichsten entsteht, ist die parlamentarische Repr&auml;sentation ausgeh&ouml;hlt. Wenn der politische Raum durch Parteispenden, Expertengutachten und Medienkooperationen kontrolliert wird, reduziert sich das Spektrum demokratischer Willensbildung auf fast null.\n<p>Besonders alarmierend ist die mediale Normalisierung dieser Zust&auml;nde. Hans-Werner Sinn oder andere treten in Talkshows als &bdquo;neutrale Experten&ldquo; auf, w&auml;hrend kapitalismuskritische Stimmen marginalisiert oder als populistisch diffamiert werden. So entsteht eine Meinungshegemonie, die Reformforderungen schon im Vorfeld delegitimiert. Die Demokratie wird nicht per Staatsstreich besch&auml;digt, sondern durch informelle Herrschaftsverh&auml;ltnisse vernichtet &ndash; und das ganz ohne Beobachtung durch den Verfassungsschutz.<\/p><\/li>\n<li><strong>Jenseits der Parteinahme &ndash; Warum ein neuer Gesellschaftsvertrag &uuml;berf&auml;llig ist<\/strong><br>\nDiese Zust&auml;nde sind keine Betriebsunf&auml;lle &ndash; sie sind das Ergebnis einer langfristigen Verschiebung der politischen &Ouml;konomie. Sie zeugen von elit&auml;ren Machtzirkeln, die sich von der Idee des Gemeinwohls verabschiedet haben, ohne es offen einzugestehen. Die Elite glaubt, sich das leisten zu k&ouml;nnen &ndash; &ouml;konomisch wie ethisch. Doch dieser feudalistische Hochmut ist gef&auml;hrlich.\n<p>Denn das Vertrauen in die demokratische Ordnung erodiert nicht nur in sozialen Randgruppen, sondern auch in der Mitte. Wenn Gerechtigkeit zur Simulation verkommt, wenn Gesetze vor allem den Besitzenden dienen, wenn politische Macht k&auml;uflich wird, dann steht mehr auf dem Spiel als nur fiskalische Fairness. Dann ist die Idee der Demokratie selbst besch&auml;digt.<\/p>\n<p>Es braucht eine radikale Revision der Steuerpolitik &ndash; nicht als technokratische Ma&szlig;nahme, sondern als gesellschaftspolitisches Signal. Progression, Verm&ouml;gensbesteuerung, die Schlie&szlig;ung von Schlupfl&ouml;chern, solide Personaldecke f&uuml;r die Steuerfahndung: All das sind keine Neidprojekte, sondern Voraussetzungen f&uuml;r eine Gesellschaft, in der Gleichheit mehr ist als ein Wort im Grundgesetz.<\/p>\n<p>Ein neuer Gesellschaftsvertrag ist &uuml;berf&auml;llig. Einer, der nicht fragt, wie viel Reichtum m&ouml;glich ist, sondern wie viel Konzentration von Reichtum eine Demokratie ertr&auml;gt. Ein Gesellschaftsvertrag, der Eigentum nicht abschafft, aber seine Grenzen klar definiert, und einer, der den Anspruch erhebt, Politik f&uuml;r alle zu machen &ndash; nicht nur f&uuml;r jene, die es sich leisten k&ouml;nnen, mitzureden. Noch h&auml;lt die Bev&ouml;lkerung still, aber wie lange wird das Unrecht ertragen?<\/p><\/li>\n<\/ol><p><small>Titelbild: Thorsten Schier\/shutterstock.com<\/small><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] W&auml;hrend Privatpersonen beim Immobilienkauf stets der vollen Grunderwerbsteuerpflicht (zwischen 3,5&#8239;Prozent und 6,5&#8239;Prozent) unterliegen, nutzen Gro&szlig;investoren sogenannte Share Deals, bei denen statt des Grundst&uuml;cks Anteile an grundbesitzenden Gesellschaften &uuml;bertragen werden. Solange die Beteiligung unter 90&#8239;Prozent bleibt (bis Juli 2021: unter 95&#8239;Prozent), f&auml;llt keine Grunderwerbsteuer an. Diese legalen Gestaltungen f&uuml;hren laut Bundesfinanzministerium j&auml;hrlich zu Steuerausf&auml;llen von bis zu 1&#8239;Mrd.&#8239;Euro. Vgl. Bundesministerium der Finanzen: <a href=\"https:\/\/www.bundesfinanzministerium.de\/Monatsberichte\/2021\/10\/Inhalte\/Kapitel-2b-Schlaglicht\/2b-interview-sarah-ryglewski.html\">Interview<\/a> mit Staatssekret&auml;rin Sarah Ryglewski zum Gesetz gegen Share Deals, Monatsbericht Oktober 2021, online: <a href=\"http:\/\/www.bundesfinanzministerium.de\">bundesfinanzministerium.de<\/a> (Zugriff: 11.07.2025).<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Das deutsche Erbschaftsteuerrecht gew&auml;hrt f&uuml;r Betriebsverm&ouml;gen weitreichende Steuerverg&uuml;nstigungen, die in der Praxis h&auml;ufig zur nahezu steuerfreien &Uuml;bertragung gro&szlig;er Familienverm&ouml;gen f&uuml;hren. Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 17.&#8239;Dezember 2014 (Az. 1 BvL 21\/12) verstie&szlig;en die damals geltenden Verschonungsregelungen gegen den Gleichheitssatz (Art.&#8239;3 Abs.&#8239;1 GG), insbesondere weil selbst gro&szlig;e Unternehmensverm&ouml;gen ohne Bed&uuml;rfnispr&uuml;fung vollst&auml;ndig steuerfrei bleiben konnten. Zwar wurde das Gesetz 2016 novelliert, doch zentrale Beg&uuml;nstigungen &ndash; etwa die Optionsverschonung &ndash; blieben erhalten. Laut Bundesfinanzministerium entf&auml;llt der Gro&szlig;teil des &uuml;bertragenen Betriebsverm&ouml;gens weiterhin auf verschonungsf&auml;hige F&auml;lle. Vgl. Bundesverfassungsgericht, Urteil vom 17.12.2014, 1 BvL 21\/12; Bundesministerium der Finanzen: Entwurf eines Gesetzes zur Anpassung des Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetzes an die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts, BT-Drs. 18\/5923, S.&#8239;34&#8239;f.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Laut Auswertung der Rechenschaftsberichte der CDU, CSU und FDP durch Finanzwende e.&#8239;V. gingen zwischen 2012 und 2017 mindestens 2,8&#8239;Mio.&#8239;&euro; aus dem Umfeld der Stiftung Familienunternehmen an diese Parteien (CDU: 1,898 Mio. &euro;, CSU: 85.000 &euro;, FDP: 974.000 &euro;). Diese Spenden stammen von Kuratoriums- oder Gesch&auml;ftsf&uuml;hrungsmitgliedern der Stiftung und belegen eine regelm&auml;&szlig;ige politisch-finanzielle Zuwendung. Vgl. Finanzwende e.&#8239;V.: <em>Analyse Parteispenden aus dem Umfeld der Stiftung Familienunternehmen<\/em>, August 2024, online: Lobbypedia-Eintrag &bdquo;<a href=\"https:\/\/lobbypedia.de\/wiki\/Stiftung_Familienunternehmen?utm_source=chatgpt.com\">Stiftung Familienunternehmen<\/a> &ndash; Hohe Spenden an CDU, CSU und FDP&ldquo;<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] &bdquo;Dem Deutschen Volke&ldquo;? Die ungleiche Responsivit&auml;t des Bundestags &ndash; Lea Els&auml;sser &middot; Svenja Hense &middot; Armin Sch&auml;fer<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Bundesrepublik versteht sich als soziale Marktwirtschaft, als Rechtsstaat und als Demokratie. Ihre Verfassung verpflichtet sie zur Sicherung gleichwertiger Lebensverh&auml;ltnisse und zur Besteuerung nach Leistungsf&auml;higkeit. Doch diese Versprechen sind eine Verh&ouml;hnung der Urteilskraft unserer B&uuml;rger &ndash; und das nicht zuf&auml;llig. 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