{"id":13639,"date":"2012-06-22T17:07:36","date_gmt":"2012-06-22T15:07:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13639"},"modified":"2015-03-06T10:02:32","modified_gmt":"2015-03-06T09:02:32","slug":"profite-mit-der-krise-i","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13639","title":{"rendered":"Profite mit der Krise (I)"},"content":{"rendered":"<p>Sie glauben, dass sinkende Kurse an den B&ouml;rsen immer zu Verlusten f&uuml;hren? Sie glauben, der Handel mit Staatsanleihen sei eine konservative Sache, die vor allem der Altersvorsorge dient? Sie glauben, dass politische Entscheidungen einen direkten Einfluss auf die Zinsen der Staatsanleihen haben? Dann glauben Sie sicher auch, dass die Akteure auf den Finanzm&auml;rkten nicht gegen Staaten spekulieren und es nicht m&ouml;glich ist, Profit aus der Eurokrise zu schlagen. Doch da irren Sie sich gewaltig. Von <strong>Jens Berger<\/strong><br>\n<!--more--><br>\nIn der &Ouml;ffentlichkeit genie&szlig;en Staatsanleihen immer noch den Ruf einer konservativen, risikoscheuen Finanzanlage. Lebensversicherungen, Pensionsfonds und Riester-Produkte sind gesetzlich verpflichtet, einen Gro&szlig;teil ihrer Kundeneinlagen in Staatsanleihen aus dem Euroraum zu investieren, die von den Ratingagenturen eine Bestnote bekommen haben. Und wer erinnert sich nicht an die <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=JIPg3RjIfYQ\">drollige Schildkr&ouml;te G&uuml;nter Schild<\/a>, mit der deutsche Staatsanleihen als hoch seri&ouml;ses, bisweilen langweiliges, Finanzprodukt beworben wurden. Noch immer spukt in den meisten K&ouml;pfen die Vorstellung, eine Bundesanleihe w&uuml;rde gleich bei der Emission von einem soliden Investor erworben und am Ende der Laufzeit eingel&ouml;st. Doch die Zeiten haben sich ge&auml;ndert. <\/p><p>Weltweit geh&ouml;ren die Staaten zu den gr&ouml;&szlig;ten Kreditnehmern und damit auch zu den gr&ouml;&szlig;ten Emittenten (Herausgebern) von Anleihen. F&uuml;r Spekulanten hat der &bdquo;echte&ldquo; Markt f&uuml;r Staatsanleihen jedoch einen entscheidenden Sch&ouml;nheitsfehler &ndash; er ist nicht sonderlich volatil, das hei&szlig;t, die Kurse sind vergleichsweise stabil und bewegen sich nur langsam. Der <a href=\"http:\/\/www.ariva.de\/DE0001135242\">Kurs der 10-j&auml;hrigen Bundesanleihe 04\/14<\/a> mit einem Kupon von 4,25% hat sich beispielsweise in den letzten drei Monaten um gerade einmal um 0,6% bewegt. <\/p><p><em>F&uuml;r eine Erkl&auml;rung der Fachbegriffe und eine Einf&uuml;hrung ins Thema &bdquo;Handel mit Staatsanleihen&ldquo; siehe: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11186\">Erg&auml;nzungen und Erkl&auml;rungen zum Artikel &raquo;Der &bdquo;Schuldenschnitt&ldquo; und das Kleingedruckte&laquo;<\/a><\/em><\/p><p>Renditen in dieser Gr&ouml;&szlig;enordnung entsprechen dem Image der m&uuml;ndelsicheren Bundesanleihen und sind eher vergleichbar mit dem guten, alten Sparbuch. F&uuml;r Spekulanten ist es &ndash; unter normalen Bedingungen &ndash; uninteressant, sich solche Papiere ins Portfolio zu nehmen. Die klassische Bundesanleihe hat f&uuml;r Spekulanten vor allem den Nachteil, dass man mit ihr nur auf steigende Kurse, also sinkende Zinsen, wetten kann. Dies entspricht ja auch dem gesunden Menschenverstand. Wer beispielsweise ein altes Gem&auml;lde kauft, spekuliert ja auch nicht darauf, dass es an Wert verliert. Auch wer ganz normale eine Anleihe kauft, hofft in der Regel darauf, dass dieses Papier an Wert gewinnt. Mit &bdquo;normalen&ldquo; Gesch&auml;ften hat das moderne Finanzsystem jedoch nichts mehr gemein.<\/p><p>Im Investmentbanking wird generell auf fallenden und auf steigende Kurse gewettet. Die klassische M&ouml;glichkeit, von sinkenden Kursen zu profitieren, ist dabei der Leerverkauf. Bei einem Leerverkauf leiht man sich ein Papier, das man sofort verkauft und macht mit dem Verleiher &ndash; gegen Geb&uuml;hr &ndash; eine Frist aus, an der man ihm das Papier sp&auml;testens zur&uuml;ckgeben muss. Sinkt der Kurs, kann man es zu einem g&uuml;nstigeren Preis erwerben, dem Verleiher zur&uuml;ckgeben und hat Gewinn gemacht. Seit Juli 2010 ist der Leerverkauf von europ&auml;ischen Staatsanleihen jedoch in Deutschland verboten. Wer dennoch auf diese Art und Weise gegen europ&auml;ische Staatsanleihen wetten will, kann dies freilich an jedem anderen Finanzplatz der Welt immer noch tun.<\/p><p>Der klassische Leerverkauf ist jedoch &ndash; unter normalen Umst&auml;nden &ndash; ebenfalls nicht sonderlich volatil und f&uuml;r die Spekulanten daher zu langweilig. Wer das Risiko sucht, greift eher zu einem Zinsderivat wie dem <a href=\"http:\/\/www.eurexchange.com\/trading\/products\/INT\/FIX\/products_de.html\">Euro-Bund-Future<\/a>. Dieses Papier ist eine synthetische Bundesanleihe &ndash; ein Termingesch&auml;ft bei dem in beide Richtungen spekuliert werden kann. Wer den Future kauft, spekuliert auf sinkende Zinsen und steigende Kurse, wer in verkauft, spekuliert auf steigende Zinsen und fallende Kurse. Am Ende der Laufzeit muss sich der Verk&auml;ufer (wie bei einem Leerverkauf) reale Bundesanleihen im Nennwert des Future-Kontrakts besorgen. Sollte bis zu diesem Zeitpunkt der an den B&ouml;rsen notierte Kurs f&uuml;r deutsche Staatsanleihen gesunken &ndash; und damit der Zins gestiegen &ndash; sein, geht sein Gesch&auml;ft auf. Auf diese Art und Weise hat die Finanzwirtschaft v&ouml;llig legal das Leerverkaufsverbot f&uuml;r europ&auml;ische Staatsanleihen ausgehebelt. Selbstverst&auml;ndlich ist der Politik diese Umgehung bekannt. Der Euro-Bund-Future wird an der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Eurex\">Eurex<\/a> gehandelt, der weltgr&ouml;&szlig;ten Terminb&ouml;rse f&uuml;r Finanzderivate, die zur H&auml;lfte der Deutschen B&ouml;rse AG geh&ouml;rt und massiv politisch protegiert wurde und wird. <\/p><p>Der gro&szlig;e Vorteil f&uuml;r Spekulanten ist, dass man mit dem Euro-Bund-Future mit relativ kleinem Einsatz gigantische Geldmengen bewegen und so &uuml;berproportional von den schwankenden Kursen f&uuml;r Staatsanleihen profitieren kann. Der Nennwert eines solchen Kontrakts betr&auml;gt 100.000 Euro, den Handelsplattformen reicht es in der Regel jedoch, wenn die Spekulanten lediglich 0,01% des Nennwertes direkt hinterlegen. Wie viel Geld nachgeschossen werden muss, regelt vor allem der Kursverlauf. Verluste werden 1:1 von einem sogenannten Margin-Konto abgezogen. Erst wenn dieses Konto nicht mehr gedeckt ist, verf&auml;llt der Kontrakt. Wer also Gl&uuml;ck hat, kann bei diesem Spiel sagenhafte Gewinne machen, da der Einsatz prinzipiell nahezu unbegrenzt gehebelt werden kann. Ein Hebel ist diesem Kontext ein Multiplikator, der angibt, in welchem Verh&auml;ltnis sich die Kurs&auml;nderungen auf die eigene Wette auswirken. Beim klassischen Anleihenhandel auf eigene Rechnung betr&auml;gt der Hebel immer 1:1 &ndash; geht der Kurs um 2% in die H&ouml;he, hat der Spekulant 2% gewonnen. Ein Hebel von 10:1 hei&szlig;t, dass Kursgewinne und &ndash;verluste sich mit dem Faktor 10 auf den eigenen Einsatz auswirken. Statt 2% gewinnt oder verliert der Spekulant dann 20% auf seinen Einsatz.<\/p><p>Momentan sind <a href=\"http:\/\/www.eurexchange.com\/market\/quotes\/INT\/FIX_de.html\">mehr als 2,3 Millionen Kontrakte<\/a>, die sich direkt auf Futures von deutschen Staatsanleihen beziehen, im Markt &ndash; bei einem Nennwert von 100.000 Euro je Kontrakt beziehen sich diese Kontrakte auf deutsche Staatsanleihen im Gegenwert von 230 Milliarden Euro. Der Markt f&uuml;r deutsche Staatsanleihen unterscheidet sich in diesem Punkt kaum vom &Ouml;l- oder vom Getreidemarkt. An den Terminm&auml;rkten wird gezockt, was das Zeug h&auml;lt und die Marktpreise f&uuml;r die den Derivaten zugrundeliegenden &bdquo;Waren&ldquo; (&Ouml;l, Getreide, Staatsanleihen) werden durch die Terminm&auml;rkte massiv beeinflusst.<\/p><p><em>F&uuml;r eine Erkl&auml;rung der Fachbegriffe und eine Einf&uuml;hrung ins Thema &bdquo;Zertifikate&ldquo; siehe: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=12352\">Aus dem Leben eines Taugenichts<\/a><\/em><\/p><p>F&uuml;r den Kleinanleger ist der direkte Weg zum Euro-Bund-Future-Markt jedoch verbaut. In der Belle Etage des Finanzkasinos will man lieber unter sich bleiben. Doch auch Kleinanleger k&ouml;nnen auf Teufel komm raus auf Staatsanleihen wetten. T&auml;glich legen die Banken ein neues &bdquo;innovatives Finanzprodukt&ldquo; auf, mit dem jeder, egal ob Hedge-Fonds oder Tante Erna, im Finanzkasino seinen Einsatz machen kann. Wer auf fallende Kurse bei den Bundesanleihen wetten will, greift beispielsweise zu einem <a href=\"http:\/\/markets.rbs.de\/Produkte\/Bund-Future\/MINI-Short\/DE000RBS8QU3\">Bund-Future-Mini-Short-Zertifikat<\/a>, wer auf steigende Kurse wetten will, nimmt stattdessen das <a href=\"http:\/\/markets.rbs.de\/Produkte\/Bund-Future\/MINI-Long\/DE000AA41XN4\">Bund-Future-Mini-Long-Zertifikat<\/a>. F&uuml;r Spekulanten besonders interessant ist hierbei, dass diese Zertifikate mit unterschiedlichen Hebeln angeboten werden. Wer beispielsweise ein Zertifikat mit einem Hebel von 1:50 erwirbt, gewinnt bei einer Kursbewegung von 2% in die &bdquo;richtige&ldquo; Richtung 100% (2% (Kursbewegung) * 50 (Hebel)) auf seinen Einsatz. Geht der Kurs in die &bdquo;falsche&ldquo; Richtung, ist das Papier bereits bei geringen Schwankungen wertlos, da es dann zum sogenannten Knock-Out kommt. Dies geschieht freilich weniger zum Schutz des Spekulanten, sondern mehr zum Schutz der Bank. G&auml;be es keinen Knock-Out m&uuml;sste der Spekulant in diesem Falle Geld nachschie&szlig;en und das k&ouml;nnte bei h&ouml;heren Hebeln sehr teuer werden. Anbieter und Handelsplattformen m&uuml;ssten sich in diesem Fall von der Solvenz aller Spieler &uuml;berzeugen und den Spielern ggf. zu riskante Wetten verbieten. Dies w&auml;re zweifelsohne ein Handelshemmnis. <\/p><p>Gewinner beim Spiel mit Zertifikaten in jedem Fall die ausstellende Bank. Sie nimmt die Rolle ein, die ein Buchmacher im Wettgesch&auml;ft einnimmt und vermittelt streng genommen nur interessierte Spieler, die gegeneinander wetten. Und dieses Gesch&auml;ft ist sehr lukrativ. Der Online-Broker Onvista hat mehr als 2.000 verschiedene Zertifikate <a href=\"http:\/\/www.onvista.de\/zertifikate\/suche\/vergleich.html?STEP=3&amp;ID_CERTIFICATE_TYPE=ALL&amp;ID_NOTATION_UNDERLYING=56020109&amp;CURRENCY=EUR&amp;SORT=NAME_SUBCATEGORY_APPLICATION&amp;CAT_ID=10&amp;ID_GROUP_ISSUER=alle&amp;SEARCH_VALUE=EU%20.%20RO%20BUND%20FUTURE%20%28FGBL%29%20-%20EUX\/20120906\">im Angebot<\/a>, die sich auf den Euro-Bund-Future beziehen. Einer der Marktf&uuml;hrer ist auch hier die Deutsche Bank, die ihren Kunden &uuml;ber die konzerneigene <a href=\"http:\/\/www.xmarkets.de\/\">Plattform db-X markets<\/a> eine schier un&uuml;berschaubare F&uuml;lle von Zertifikaten anbietet. Der Vater von db-X-markets ist &uuml;brigens niemand anderes als der heutige Vorstandsvorsitzende Anshu Jain. Nat&uuml;rlich wird mit Zertifikaten nicht nur auf den Kurs von Staatsanleihen gewettet. Die zentrale <a href=\"http:\/\/www.scoach.de\/de\/suchen-finden\/klassische-suche\">Handelsplattform Scoach<\/a> listet insgesamt mehr als eine Million verschiedene Zertifikate, mit denen man auf so ziemlich jede Kursbewegung bei jedem nur denkbaren Papier wetten kann.<\/p><p>Bei der gro&szlig;en Spekulation gegen Staatsanleihen geht es nat&uuml;rlich nicht nur um deutsche Staatsanleihen. Bei db-X-markets kann man auch mit solchen Zertifikaten <a href=\"http:\/\/www.xmarkets.de\/DE\/showpage.asp?pageid=84&amp;pkpnr=1058304&amp;inrnr=395&amp;inwpnr=23\">f&uuml;r<\/a> oder <a href=\"http:\/\/www.xmarkets.de\/DE\/showpage.asp?pageid=84&amp;pkpnr=1058303&amp;inrnr=395&amp;inwpnr=24\">gegen<\/a> italienische Staatsanleihen zocken. Wer diese Hintergrundinformationen hat, wertet vielleicht auch die allt&auml;glichen Nachrichten anders. So meldeten die Medien beispielsweise <a href=\"http:\/\/www.wirtschaftsblatt.at\/home\/international\/wirtschaftspolitik\/vor-dem-eu-gipfel-steigt-der-druck-auf-italien-521931\/index.do\">am 12. Juni<\/a>, dass der politische Druck auf Italien zu steigenden Zinsen bei italienischen Staatsanleihen gef&uuml;hrt hat. In der Tat &ndash; wer eine Woche zuvor mit einem 46-fach gehebelten Turbo-Optionsschein <a href=\"http:\/\/www.scoach.de\/de\/mini-futures\/-DE000VT4UQD1\">gegen Italien gewettet hat<\/a>, konnte binnen einer Woche seinen Einsatz vervierfachen! <\/p><p>Man muss schon sehr naiv sein, wenn man glaubt, dass derlei Spekulationen in Billionenh&ouml;he keinen Einfluss auf die Politik und die Berichterstattung haben. S&auml;mtliche gro&szlig;e Banken und Investmentfonds sind auf diese oder jene Art und Weise Spieler im gro&szlig;en Spiel gegen Europa. Es ist barer Unsinn, anzunehmen, dass beispielsweise die deutschen Staatsanleihen in den letzten Tagen leicht nachgaben, weil dem Bundeshalt angeblich Risiken durch die Euro-&bdquo;Rettungs&ldquo;-Programme entst&uuml;nden. Grund dieser Kurskorrekturen ist vielmehr die <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/deutsche-staatsanleihen-hedgefonds-wetten-auf-steigende-zinsen-a-839860.html\">Ansage<\/a> einiger gro&szlig;er Hedge-Fonds, gegen Deutschland wetten zu wollen. Dabei muss kein einziger Cent Hedge-Fonds-Geld geflossen sein &ndash; alleine die Botschaft reicht aus, um Milliarden Euro von Spekulanten in Wetten gegen den Staatsanleihen und den Euro zu bewegen. Und wer wei&szlig;? Vielleicht halten die genannten Hedge-Fonds in Wirklichkeit die Gegenposition, wetten auf sinkende Zinsen und suchen nur ein paar &bdquo;dumme&ldquo; Gesch&auml;ftspartner, die ihnen ihre Wettscheine abkaufen? F&uuml;r die Medien sollte gelten, in Zukunft keine Fonds-Manager, Analysten von Bankh&auml;usern oder &auml;hnliche Akteure mehr zu Wort kommen zu lassen. Alle diese Personen haben handfeste Eigeninteressen und wollen mit ihrem Gang an die &Ouml;ffentlichkeit nur eins &ndash; den Markt zu ihren Gunsten zu bewegen. Es geht schlie&szlig;lich um sehr, sehr viel Geld.<\/p><p>Auf dem &bdquo;echten&ldquo; Markt f&uuml;r Staatsanleihen wird der Preis, wie auf jedem anderen Markt auch, durch Angebot und Nachfrage gebildet. Es sind jedoch nicht die langfristigen, &bdquo;seri&ouml;sen&ldquo; Investoren, die den Preis machen. Wer beispielsweise eine Staatsanleihe im Wert von 1.000 Euro kauft und zehn Jahre, also bis zur F&auml;lligkeit h&auml;lt, sorgt an den M&auml;rkten f&uuml;r einen durchschnittlichen Umsatz von 100 Euro pro Jahr &uuml;ber die gesamte Laufzeit (1.000 Euro Handelsumsatz in 10 Jahren). Nach Informationen der deutschen Finanzagentur betr&auml;gt der Umsatz mit deutschen Staatsanleihen j&auml;hrlich rund f&uuml;nf Billionen Euro &ndash; das f&uuml;nffache des Nominalvolumens der Anleihen im Markt. Durchschnittlich wechselt jede Anleihe also pro Jahr f&uuml;nfmal den Besitzer. Wenn wir nun unterstellen, dass 90% der Bundesanleihen im Besitz &bdquo;seri&ouml;ser&ldquo; K&auml;ufer (Lebensversicherungen, Pensionsfonds etc.) sind, die diese Papiere meist bis zur F&auml;lligkeit halten, entfallen 4,5 Billionen Euro Handelsvolumen auf die restlichen im Markt befindlichen Anleihen im Nominalvolumen von rund 100 Milliarden Euro. Diese Anleihen wechseln also im Schnitt rund 49mal pro Jahr den Besitzer und machen mehr als 98% des Handels aus. Der Preis bzw. Kurs einer Staatsanleihe wird demnach zu 98% von den Akteuren bestimmt, die diese Papiere nicht bis zur F&auml;lligkeit halten, sondern damit spekulieren. Und diese Zahlen beziehen sich &bdquo;nur&ldquo; auf den &bdquo;echten&ldquo; Markt f&uuml;r Staatsanleihen. Der billionenschwere Markt f&uuml;r Termingesch&auml;fte (Futures) und Zertifikate ist dabei noch nicht einmal mit eingerechnet. Dies ist auch nicht m&ouml;glich, da vor allem der Zertifikatemarkt derart intransparent ist und oft abseits der ohnehin bereits kaum regulierten offiziellen Handelsplattformen stattfindet, dass man keine pr&auml;zise Aussage zu den Handelsvolumina machen kann. <\/p><p>Wie Sie sehen, ist es t&ouml;richt, zu glauben, &bdquo;die M&auml;rkte&ldquo; w&uuml;rden bei ihren Kurskapriolen auf irgendwelche realwirtschaftlichen Vorg&auml;nge oder gar politische Absichtserkl&auml;rungen &bdquo;reagieren&ldquo;. &bdquo;Den M&auml;rkten&ldquo; ist die Haushaltslage der Staaten auch relativ egal, volkswirtschaftliche Entscheidungen sind f&uuml;r Spekulanten lediglich ein Signal, wohin sich der Herdentrieb der anderen Spekulanten bewegen k&ouml;nnte. Wenn t&auml;glich neue &bdquo;Rekordzinsen&ldquo; auf spanische oder italienische Staatsanleihen &bdquo;verlangt&ldquo; werden, so muss dies keinesfalls etwas mit der Haushaltslage oder der Finanz- und Wirtschaftspolitik dieser beiden Staaten zu tun haben. Viel wahrscheinlicher ist es, dass Spekulanten gigantische Summen auf steigende Zinsen und damit sinkende Kurse f&uuml;r diese Papiere wetten und den Markt mit gehebelten Leerverk&auml;ufen in die ihnen genehme Richtung bewegen. Dabei gehen sie sogar mit Vorsatz Verluste auf dem &bdquo;echten&ldquo; Markt ein, geht es ihnen doch eigentlich um den massiv gehebelten Derivatemarkt, auf dem sie ihre gro&szlig;en Wetten platziert haben. Die realen M&auml;rkte sind bei diesem Spiel nur das Spielfeld. <\/p><p>Wenn man sich diese &bdquo;innovativen Finanzprodukte&ldquo; anschaut, wird man bei bestem Willen nicht zu dem Schluss kommen k&ouml;nnen, dass es sich hierbei um Investitionen handelt. Wir haben es hier mit reinen Wetten zu tun. Unter der <a href=\"http:\/\/www.sportzertifikate.de\/orderbuch.php?isin=AT0000A0VAV2#\">Wertpapierkennnummer SZ12AG<\/a> ist z.B. an den B&ouml;rsen auch ein Papier gelistet, das sich &bdquo;Meisterzertifikat Deutschland 2012&ldquo; nennt. Mit diesem Zertifikat kann der Spekulant darauf wetten, dass Deutschland Fu&szlig;balleuropameister wird. Hierbei handelt es sich wohlgemerkt nicht um eine Sportwette, sondern um ein zugelassenes Finanzprodukt! <\/p><p>Das Finanzsystem hat sich &uuml;ber die letzten Jahre zu einem reinen Marktplatz f&uuml;r Gl&uuml;cksspiele und Wetten jeder Art gewandelt. Und dabei gelten f&uuml;r das Finanzsystem noch laschere Regulierungen als f&uuml;r das staatlich legalisierte Gl&uuml;cksspiel. Es ist f&uuml;r eine Gesellschaft nicht tolerierbar, dass die elementaren Fragen der Politik von Spielern gelenkt werden. Doch wir sind weit davon entfernt, dass die Politik diesem Treiben ein Ende setzt. Im Gegenteil &ndash; anstatt den Spekulanten das Handwerk zu legen, folgt man ihren Ratschl&auml;gen und hat die &bdquo;marktkonforme Demokratie&ldquo; zum Leitbild erhoben.<\/p><p>Im zweiten Teil, der in der n&auml;chsten Woche erscheint, lesen Sie, wie es &uuml;berhaupt so weit kommen konnte und warum die Politik bei der Regulierung der Finanzm&auml;rkte auf ganzer Linie versagt.<br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/15ee982110d2430ba7109e17b3d0d4d2\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie glauben, dass sinkende Kurse an den B&ouml;rsen immer zu Verlusten f&uuml;hren? Sie glauben, der Handel mit Staatsanleihen sei eine konservative Sache, die vor allem der Altersvorsorge dient? Sie glauben, dass politische Entscheidungen einen direkten Einfluss auf die Zinsen der Staatsanleihen haben? 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