{"id":136474,"date":"2025-07-28T09:00:00","date_gmt":"2025-07-28T07:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=136474"},"modified":"2025-07-28T11:42:14","modified_gmt":"2025-07-28T09:42:14","slug":"von-damaskus-bis-gaza-die-doktrin-der-vorherrschaft-israels-hat-einen-grundlegenden-fehler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=136474","title":{"rendered":"Von Damaskus bis Gaza: Die Doktrin der Vorherrschaft Israels hat einen grundlegenden Fehler"},"content":{"rendered":"<p>Der <a href=\"https:\/\/www.middleeasteye.net\/news\/israel-air-strike-hit-syrian-defence-ministry-damascus\">j&uuml;ngste Angriff<\/a> Israels auf Damaskus war kein isolierter Luftschlag. Er war ein weiterer Schritt in einer langfristigen Strategie, mit der die israelische Hegemonie in einer zersplitterten, geschw&auml;chten und geteilten Region durchgesetzt werden soll. Aber hier liegt Israels fatale Fehleinsch&auml;tzung: Je mehr es expandiert, desto mehr Feinde schafft es sich. Von <strong>Soumaya Ghannoushi<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1337\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-136474-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250724-Vorherrschaft-Israels-grundlegender-Fehler-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250724-Vorherrschaft-Israels-grundlegender-Fehler-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250724-Vorherrschaft-Israels-grundlegender-Fehler-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250724-Vorherrschaft-Israels-grundlegender-Fehler-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=136474-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250724-Vorherrschaft-Israels-grundlegender-Fehler-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250724-Vorherrschaft-Israels-grundlegender-Fehler-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><em>Dieser Artikel liegt auch <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/flyer\/20250724_Soumaya_Ghannoushi_Syrien_Israel.pdf\">als gestaltetes PDF vor<\/a>. Wenn Sie ihn ausdrucken oder weitergeben wollen, nutzen Sie bitte diese M&ouml;glichkeit. Weitere Artikel in dieser Form <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?cat=54\">finden Sie hier<\/a>.<\/em><\/p><p>Am 16. Juli griffen Kampfjets das syrische Verteidigungsministerium, das Hauptquartier der Streitkr&auml;fte und die Umgebung des Pr&auml;sidentenpalastes an &ndash; nicht in der N&auml;he der Frontlinie oder der Grenze, sondern im symbolischen und souver&auml;nen Herzen der syrischen Hauptstadt.<\/p><p>Die Ausrede war d&uuml;rftig: ein angeblicher Einsatz zum Schutz der drusischen Minderheit in Syrien. Aber niemand sollte sich t&auml;uschen lassen. Hier ging es nicht um Schutz, es ging um eine Demonstration von Macht und Arroganz.<\/p><p>Es ging nicht um die Drusen, die syrische Araber und Teil des syrischen Nationalgef&uuml;ges sind &ndash; sondern um die Durchsetzung einer israelischen Doktrin der regionalen Zersplitterung, die weit zur&uuml;ckreicht. Eine Doktrin, die von den blutigen Tr&uuml;mmern des Gazastreifens bis zu den zerbombten Ministerien in Damaskus und der Destabilisierung ganzer Nationen abseits seiner Grenzen reicht.<\/p><p>Israel hat mehr als 60.000 Pal&auml;stinenser &ndash; die Mehrheit von ihnen Frauen und Kinder &ndash; in Gaza get&ouml;tet, mehr als 130.000 Menschen verletzt und fast 80 Prozent der Geb&auml;ude in dem Gebiet zerst&ouml;rt. Jetzt kann es sich nicht als Besch&uuml;tzer von Minderheiten aufspielen.<\/p><p>Ein Staat, der im Begriff ist, das gr&ouml;&szlig;te Freiluft-Konzentrationslager der Welt zu errichten, der Hunger als Waffe einsetzt, im besetzten Westjordanland t&auml;glich Apartheid begeht und Diskriminierung in seinem <a href=\"https:\/\/www.middleeasteye.net\/news\/read-full-israels-nation-state-jewish-people-law\">Grundgesetz<\/a> verankert, kann nicht behaupten, moralische Autorit&auml;t zu besitzen.<\/p><p>Er hat sie nicht &ndash; schon gar nicht, wenn es darum geht, Besorgnis f&uuml;r die Drusen in Syrien vorzut&auml;uschen, deren Schicksal er instrumentalisiert, um weitaus finsterere Absichten zu verschleiern.<\/p><p><strong>Ein live im Fernsehen &uuml;bertragener Akt der Dem&uuml;tigung<\/strong><\/p><p>Die Wahl des Ziels war nicht strategisch. Sie war symbolisch.<\/p><p>Der Umayyad-Platz ist nicht nur eine Stra&szlig;enkreuzung, sondern die Seele von Damaskus. Er ist ein Denkmal des syrischen Stolzes und der arabischen W&uuml;rde. Hier befindet sich das Monument mit dem Damaszener Schwert, und der Platz erinnert an das Erbe des Umayyaden-Kalifats, das sich einst von den Pyren&auml;en bis zu den Steppen Zentralasiens erstreckte. Hier feierten die Syrer vor acht Monaten das Ende von sechs Jahrzehnten Diktatur.<\/p><p>Und genau dort, mitten an einem Arbeitstag, schlug Israel zu &ndash; in dem Wissen, dass der Platz von internationalen und arabischen Fernsehsendern umringt ist und die Bilder auf den Satellitenkan&auml;len sowie in den sozialen Medien endlos wiederholt werden w&uuml;rden.<\/p><p>Dies war nicht nur ein Bombenangriff, es war ein im Fernsehen &uuml;bertragener Akt der Dem&uuml;tigung. Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz machte dies deutlich, als er voller Stolz ein <a href=\"https:\/\/x.com\/MacaesBruno\/status\/1945593868096856520\">Video<\/a> einer ver&auml;ngstigten syrischen Moderatorin teilte, die w&auml;hrend der Livesendung ihren Posten verlie&szlig;, w&auml;hrend im Hintergrund das Verteidigungsministerium brannte.<\/p><p>Es war eine Inszenierung, die die Syrer schockieren und die Araber in Angst und Schrecken versetzen sollte.<\/p><p>Dieser Angriff war nicht nur illegal und unmoralisch, sondern er war ein weiterer Schritt in einer langfristigen Strategie: einer Doktrin, die darauf abzielt, die israelische Hegemonie in einer zersplitterten, geschw&auml;chten und geteilten Region durchzusetzen.<\/p><p>Sie ist weder neu noch eine Reaktion auf etwas. Sie ist ein Grundpfeiler der israelischen Strategie, die seit Jahrzehnten &uuml;ber Regierungen, Grenzen und Kriege hinweg angewendet wird.<\/p><p>Seit der Revolution in Syrien und dem Sturz des Assad-Regimes hat Israel mehr Angriffe gegen Syrien <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/world\/video\/2025\/may\/15\/why-have-israeli-attacks-on-syria-surged-since-the-fall-of-assad-video-explainer\">durchgef&uuml;hrt<\/a> als in allen Jahrzehnten zuvor zusammen.<\/p><p>Israel hat systematisch die milit&auml;rische Infrastruktur zerst&ouml;rt, Hunderte Angriffe gestartet und seine Besetzung strategischen Terrains, einschlie&szlig;lich wichtiger Bergketten im S&uuml;den Syriens, ausgeweitet. Die Luftangriffe sind zur Routine geworden, mit dem Ziel, die Verst&ouml;&szlig;e zu normalisieren, die Souver&auml;nit&auml;t Syriens zu untergraben und dessen regionale Stellung zu schw&auml;chen.<\/p><p>Doch es geht &uuml;ber diese Aktionen hinaus: Es ist eine Denkweise, die die israelische F&uuml;hrung mit zunehmender Klarheit zum Ausdruck bringt. So <a href=\"https:\/\/www.middleeasteye.net\/opinion\/israel-syria-break-up-faith-history-resistance-defeat-it\">erkl&auml;rte<\/a> Gideon Saar, der israelische Au&szlig;enminister, nur einen Tag nach Assads Flucht: &bdquo;Die Idee eines einzigen souver&auml;nen Syriens ist wenig realistisch.&ldquo;<\/p><p>Der israelische Milit&auml;rprofessor Rami Simani <a href=\"https:\/\/www.ynet.co.il\/news\/article\/rkjhe0j8je\">ging noch weiter<\/a>: &bdquo;Syrien ist ein k&uuml;nstlicher Staat (&hellip;) Israel muss Syrien verschwinden lassen. An seiner Stelle wird es f&uuml;nf Kantone geben.&ldquo;<\/p><p>In einer unmissverst&auml;ndlichen Absichtserkl&auml;rung <a href=\"https:\/\/www.timesofisrael.com\/liveblog_entry\/smotrich-fighting-wont-end-until-hundreds-of-thousands-of-gazans-leave-syria-partitioned\/\">verk&uuml;ndete<\/a> Finanzminister Bezalel Smotrich zudem: &bdquo;Die K&auml;mpfe werden erst dann enden, wenn Hunderttausende Menschen den Gazastreifen verlassen (&hellip;) und Syrien geteilt ist.&ldquo;<\/p><p>Das ist keine Rhetorik, das ist Politik. Und sie wird umgesetzt.<\/p><p><strong>Die arabische Einheit unterminieren<\/strong><\/p><p>Die Wurzeln dieser Strategie reichen mehr als sieben Jahrzehnte zur&uuml;ck, bis zur sogenannten <a href=\"https:\/\/diplomatist.com\/2020\/05\/06\/a-pragmatic-reset-of-israels-periphery-doctrine-can-ensure-its-security-and-lasting-peace-in-west-asia\/\">Peripherie-Doktrin<\/a>, die von David Ben-Gurion und Eliahu Sassoon in den ersten Jahren der Existenz Israels ausgearbeitet wurde.<\/p><p>Ihre Logik war einfach und skrupellos: Da sich Israel nicht in die arabische Welt integrieren konnte, w&uuml;rde es diese umzingeln, indem es B&uuml;ndnisse mit nicht-arabischen M&auml;chten (T&uuml;rkei, Iran, &Auml;thiopien) schmiedet, die internen Spaltungen in den arabischen Staaten ausnutzt und die ethnischen und religi&ouml;sen Minderheiten st&auml;rkt.<\/p><p>Das Ziel hatte drei Aspekte: B&uuml;ndnisse mit nicht-arabischen Staaten zu schmieden, die mit dem Westen verb&uuml;ndet sind; die arabische Einheit zu untergraben, indem sie die Zersplitterung von innen heraus vorantreibt; und dem kollektiven arabischen Widerstand gegen Israel entgegenzuwirken.<\/p><p>Diese Strategie half Israel in den ersten Jahren, zu &uuml;berleben und zu florieren. Aber sie war nie defensiv. Sie war immer expansionistisch. Ben-Gurion selbst <a href=\"https:\/\/www.progressiveisrael.org\/ben-gurions-notorious-quotes-their-polemical-uses-abuses\/\">sagte es<\/a>: &bdquo;Unser Ziel ist es, den Libanon, Transjordanien und Syrien zu zerschlagen (&hellip;) Dann bombardieren wir und r&uuml;cken vor und nehmen Port Said, Alexandria und den Sinai ein.&ldquo;<\/p><p>Und er f&uuml;gte hinzu: &bdquo;Wir m&uuml;ssen einen dynamischen, auf Expansion orientierten Staat schaffen.&ldquo;<\/p><p>Er bekr&auml;ftigte: &bdquo;So etwas wie ein endg&uuml;ltiges Abkommen gibt es nicht (&hellip;) weder, was das Regierungssystem betrifft, noch, was die Grenzen betrifft, noch, was die internationalen Abkommen betrifft.&ldquo;<\/p><p>Bei einer anderen Gelegenheit war er sogar noch direkter: &bdquo;Die Grenzen der zionistischen Bestrebungen sind Sache des j&uuml;dischen Volkes, und kein &auml;u&szlig;erer Faktor kann sie einengen.&ldquo;<\/p><p>Das waren keine blo&szlig;en &Uuml;berlegungen. Es handelt sich um grundlegende Prinzipien. Und sie motivieren auch in der aktuellen Situation weiterhin die israelische Politik.<\/p><p>So, wie sich die regionale Dynamik ver&auml;nderte, so ver&auml;nderten sich auch Israels Ziele. &Auml;gypten schloss Frieden. Der Schah im Iran wurde gest&uuml;rzt. Die T&uuml;rkei n&auml;herte sich den Pal&auml;stinensern an.<\/p><p>Die Doktrin musste weiterentwickelt werden. <\/p><p>Das Hauptziel, die Fragmentierung, blieb jedoch unver&auml;ndert. Israel hat die Formel im Libanon, im Irak und im Sudan angewandt. Aber Syrien bleibt das Kronjuwel dieser Strategie.<\/p><p>Warum? Weil Syrien der bev&ouml;lkerungsreichste arabische Staat ist, der an Pal&auml;stina grenzt, und die Syrer Pal&auml;stina nicht als eine fremde Sache betrachten, sondern als Teil ihres eigenen historischen, geografischen und spirituellen Territoriums. Au&szlig;erdem ist <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Bilad_al-Sham\"><em>Bilad al-Sham <\/em><\/a>mehr als nur ein geografischer Ort, weil es eine gemeinsame Erinnerung ist und, ganz einfach, weil Israel syrisches Gebiet besetzt h&auml;lt.<\/p><p>Das ist der Grund, warum Israel das letzte Jahrzehnt damit verbracht hat, <a href=\"https:\/\/www.aljazeera.com\/video\/newsfeed\/2025\/7\/17\/is-israel-using-the-druze-to-expand-its-hegemony-in-the-middle-east\">die Beziehungen<\/a> zu den kurdischen und drusischen Gemeinschaften zu pflegen, und sich darauf vorbereitet hat, sie als Hebel einer zuk&uuml;nftigen Zersplitterung zu benutzen. Und jetzt, mit Assads Verschwinden, ist diese Zukunft da.<\/p><p>Eine schwere Fehlkalkulation<\/p><p>Aber Syrien ist nicht mehr das Endziel. Es ist nur eine Zwischenstation. Israels Ambitionen erstrecken sich nun tiefer in die &bdquo;Peripherie&ldquo; der Region, mit dem Iran und Pakistan fest im Visier.<\/p><p>W&auml;hrend des j&uuml;ngsten Krieges gegen den Iran haben israelische Stimmen &ndash; insbesondere solche, die mit der <em>Jerusalem Post<\/em> und neokonservativen <em>Think Tanks<\/em> verbunden sind &ndash; offen die Teilung des Landes <a href=\"https:\/\/www.jpost.com\/opinion\/article-858111\">gefordert<\/a>. Ein Leitartikel forderte von Trump, er solle &bdquo;den Regime Change akzeptieren (&hellip;) eine Nahost-Koalition f&uuml;r die <a href=\"https:\/\/www.tehrantimes.com\/news\/515347\/A-look-at-Israel-s-strategy-to-Balkanize-Iran-and-why-it-will\">Teilung des Iran<\/a> schmieden und Sicherheitsgarantien f&uuml;r sunnitische, kurdische und belutschische Regionen geben, die sich abspalten wollen.&ldquo;<\/p><p>Der [US-amerikanische] Think Tank <em>Foundation for Defense of Democracies<\/em> vertrat die Ansicht, dass die multiethnische Zusammensetzung des Irans als strategische Schwachstelle behandelt werden sollte, die ausgenutzt werden m&uuml;sse.<\/p><p>Sogar Pakistan ist jetzt Teil dieser Vision: Israel nahestehende Stimmen sprechen von einer Neugestaltung der Region &bdquo;<a href=\"https:\/\/x.com\/bezalelsm\/status\/1939020994754097409?s=12&amp;t=ejzRPoAJrFQDpEoeiib8zA\">von Pakistan bis Marokko<\/a>&ldquo;.<\/p><p>Die Abraham-Abkommen, die weit davon entfernt sind, Friedensabkommen zu sein, dienen dazu, diese Bestrebungen zu normalisieren und Israel als wirtschaftliches, sicherheitspolitisches und technologisches Zentrum in der Region zu positionieren.<\/p><p>In dieser Hinsicht sind israelische Regierungsvertreter immer offener geworden. So skizzierte Smotrich die Vision eines Israels im Zentrum einer neuen regionalen Ordnung &ndash; in der Praxis ein Protektoratsimperium &ndash; und stellte klar, dass die arabischen Staaten Israel f&uuml;r dessen Rolle beim Schutz vor Bedrohungen wie dem Iran und der Hamas &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.israelnationalnews.com\/news\/410795?utm_source=chatgpt.com\">bezahlen<\/a>&ldquo; m&uuml;ssen.<\/p><p>Die implizite Botschaft ist unmissverst&auml;ndlich: Israel sorgt f&uuml;r die Gewalt und die Nachbarn zahlen den Tribut. Das ist keine Partnerschaft, sondern Herrschaft unter dem Deckmantel der Diplomatie.<\/p><p><a href=\"https:\/\/www.middleeasteye.net\/news\/steve-witkoff-real-estate-investor-who-sealed-gaza-ceasefire\">Steven Witkoff<\/a>, der Nahost-Beauftragte von US-Pr&auml;sident Donald Trump, formulierte es etwas milder: &bdquo;Wenn all diese L&auml;nder zusammenarbeiten w&uuml;rden, k&ouml;nnten sie gr&ouml;&szlig;er sein als Europa (&hellip;) Sie arbeiten im Bereich der K&uuml;nstlichen Intelligenz, der Robotik, der <em>Blockchain (<\/em>&hellip;) dort sind alle Unternehmer.&ldquo;<\/p><p>Das ist nicht Integration, das ist Annexion: von Wirtschaft, Politik und Souver&auml;nit&auml;t. Es ist ein Plan zur Schaffung eines von Israel gef&uuml;hrten Blocks, der Europa &uuml;berholt und die Machtzentren der Welt herausfordert.<\/p><p>Aber hier liegt Israels fatale Fehleinsch&auml;tzung: Je mehr es expandiert, desto mehr Feinde schafft es sich. Es beginnt mit der Suche nach Allianzen an der Peripherie und verwandelt die Peripherie schlie&szlig;lich in einen existenziellen Gegner.<\/p><p>Iran, T&uuml;rkei und Pakistan, einst entfernte Rivalen, sehen Israel jetzt nicht mehr als Plage, sondern als direkte Bedrohung.<\/p><p>In der gesamten arabischen Welt haben Israels V&ouml;lkermord in Gaza, seine Sch&auml;ndung von Damaskus, seine Angriffe auf Beirut, Sanaa und Teheran die Herzen geeint, wie es kein Gipfeltreffen h&auml;tte tun k&ouml;nnen.<\/p><p>Je mehr sich Israel wie ein regionales Imperium verh&auml;lt, desto mehr beginnt die Region, es als Kolonialmacht zu betrachten. Und Kolonialm&auml;chte, das lehrt uns die Geschichte, bestehen nicht ewig. Was jetzt als Zersplitterung wahrgenommen wird, k&ouml;nnte sich zu einer Einigung entwickeln: aus Unmut und aus einem gemeinsamen Verst&auml;ndnis heraus, dass die wahre Bedrohung nicht Iran oder Syrien oder gar der politische Islam ist.<\/p><p>Es ist die Doktrin der Vorherrschaft selbst. Und diese Doktrin wird, anders als die Raketen, die Israel heute abschie&szlig;t, nicht unbeantwortet bleiben.<\/p><p>Die Zukunft, die sich Israel ertr&auml;umt, eine Zukunft der Herrschaft und Unterwerfung, wird die Region nicht zulassen. Denn die V&ouml;lker dieser Region haben das schon einmal durchgemacht. Sie haben Imperien &uuml;berlebt. Sie haben Kreuzfahrer, Kolonialisten und Tyrannen &uuml;berlebt. Und sie haben gelernt, dass die einzige Doktrin, die es wert ist, befolgt zu werden, diejenige ist, die sie eint, nicht die, die sie trennt.<\/p><p>Israel kann Landkarten neu zeichnen, Minderheiten ausbeuten, Hauptst&auml;dte angreifen und Kinder verhungern lassen, aber es kann sich den Weg zur Dauerhaftigkeit nicht durch Bomben ebnen. Es kann eine Region nicht f&uuml;r immer zum Schweigen bringen. Es kann seine Zukunft nicht auf den Ruinen anderer aufbauen, denn diese Ruinen erinnern sich.<\/p><p>Und die Erinnerung ist in dieser Erde keine Wunde. Sie ist eine Waffe.<\/p><p><em>&Uuml;ber die Autorin: <strong>Soumaya Ghannoushi<\/strong> ist eine britische Schriftstellerin tunesischer Herkunft und Expertin f&uuml;r die Politik des Nahen Ostens. Ihre journalistischen Arbeiten sind in The Guardian, The Independent, Corriere della Sera, aljazeera.net und Al Quds erschienen<\/em><\/p><p><em>Der Artikel erschien bei <a href=\"https:\/\/vocesdelmundoes.com\/2025\/07\/21\/de-damasco-a-gaza-la-doctrina-de-dominacion-de-israel-tiene-un-defecto-fatal\/\">Voces del Mundo<\/a> &ndash; aus dem Spanischen &uuml;bersetzt von Marta Andujo.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: Shutterstock \/ Rokas Tenys<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=136352\">Pr&auml;zedenzfall: Richter in Br&uuml;ssel ordnet Stopp von allen Waffenlieferungen an Israel an<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=136296\">Kanzler Merz zu NachDenkSeiten: &bdquo;Wir haben hier einen fundamentalen Dissens zu Russland und Israel&ldquo;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=135897\">Interview mit Pankaj Mishra: &bdquo;Die Welt nach Gaza&ldquo; und der globale Kampf der Narrative zu Israel und Pal&auml;stina<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=134602\">Unterst&uuml;tzte ein Luftbetankungs-Airbus der Luftwaffe den israelischen Angriff gegen den Iran?<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/df7f65eae9a04ec4bbb0067c956e4745\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der <a href=\"https:\/\/www.middleeasteye.net\/news\/israel-air-strike-hit-syrian-defence-ministry-damascus\">j&uuml;ngste Angriff<\/a> Israels auf Damaskus war kein isolierter Luftschlag. Er war ein weiterer Schritt in einer langfristigen Strategie, mit der die israelische Hegemonie in einer zersplitterten, geschw&auml;chten und geteilten Region durchgesetzt werden soll. Aber hier liegt Israels fatale Fehleinsch&auml;tzung: Je mehr es expandiert, desto mehr Feinde schafft es sich. Von <strong>Soumaya Ghannoushi<\/strong>.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag<\/em><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=136474\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":136475,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,54,171],"tags":[2102,1426,951,1557,2301,1878,1553,1281],"class_list":["post-136474","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-gestaltete-pdf","category-militaereinsaetzekriege","tag-geostrategie","tag-hegemonie","tag-iran","tag-israel","tag-konfrontationspolitik","tag-naher-osten","tag-syrien","tag-zionismus"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/shutterstock_2533411739.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/136474","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=136474"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/136474\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":136576,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/136474\/revisions\/136576"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/136475"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=136474"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=136474"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=136474"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}