{"id":136769,"date":"2025-08-01T10:00:40","date_gmt":"2025-08-01T08:00:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=136769"},"modified":"2025-08-06T12:18:41","modified_gmt":"2025-08-06T10:18:41","slug":"laesst-sich-der-klimawandel-ueberhaupt-aufhalten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=136769","title":{"rendered":"L\u00e4sst sich der Klimawandel \u00fcberhaupt aufhalten?"},"content":{"rendered":"<p>Die Bundesregierung und die EU-Kommission halten weiterhin daran fest, den weltweiten Klimawandel mit der Energiewende aufhalten oder zumindest abmildern zu wollen. Doch s&auml;mtliche real gemessene Werte deuten darauf hin, dass diese Ziele nicht zu erreichen sind. Stattdessen wird bei n&auml;herem Hinsehen deutlich, dass die Energiewende den Forderungen nach einem nicht enden wollenden Wirtschaftswachstum gen&uuml;gt und nicht denen des Klimaschutzes. Notwendige Debatten &uuml;ber die Sinnhaftigkeit der alles durchdringenden Gewinnmaximierung werden damit verhindert. Am Ende stellt sich die Frage, ob die Fokussierung auf die Abwendung des Klimawandels wichtige Ma&szlig;nahmen zum Schutz vor dessen Folgen unterbindet. Von <strong>Karsten Montag<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1459\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-136769-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250801-Laesst-sich-Klimawandel-aufhalten-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250801-Laesst-sich-Klimawandel-aufhalten-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250801-Laesst-sich-Klimawandel-aufhalten-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250801-Laesst-sich-Klimawandel-aufhalten-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=136769-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250801-Laesst-sich-Klimawandel-aufhalten-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250801-Laesst-sich-Klimawandel-aufhalten-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Die derzeit in den einflussreichen Medien vermehrt auftauchenden Meldungen zu Hitzewellen, Hitzetoten, Rekordtemperaturen, D&uuml;rren, Waldbr&auml;nden, &Uuml;berschwemmungen und weiteren Extremwetterereignissen lassen die Menschen eher ratlos zur&uuml;ck, als dass sie daraus irgendeine konkrete Handlungsempfehlung ableiten k&ouml;nnen. Soll man nun ein E-Auto kaufen, eine Solaranlage auf dem Dach oder eine W&auml;rmepumpe installieren? Reicht das, um die zumindest messbaren Folgen des Klimawandels aufzuhalten? Unter der Annahme, dass die vom Weltklimarat dargelegten Gr&uuml;nde f&uuml;r den Klimawandel &ndash; Steigerung der globalen Oberfl&auml;chentemperatur aufgrund erh&ouml;hten Treibhausgasaussto&szlig;es &ndash; zutreffen, wird in diesem Beitrag er&ouml;rtert, ob sich unter den aktuell gegebenen Rahmenbedingungen dieser Wandel &uuml;berhaupt aufhalten oder zumindest abmildern l&auml;sst.<\/p><p><a href=\"https:\/\/www.umweltbundesamt.de\/daten\/klima\/treibhausgas-emissionen-in-deutschland#emissionsentwicklung\">Laut Bundesumweltamt<\/a> hat Deutschland 2024 seine Treibhausgasemissionen im Vergleich zu 1990 um 48 Prozent gemindert. Bis 2030 sollen die Emissionen im Vergleich zu 1990 um 65 Prozent, <a href=\"https:\/\/www.umweltbundesamt.de\/daten\/klima\/treibhausgasminderungsziele-deutschlands\">bis 2040 um 88 Prozent gesenkt werden<\/a>. 2045 soll Deutschland netto treibhausgasneutral sein, und ab 2050 sollen &bdquo;negative&ldquo; Emissionen erreicht werden. Die <a href=\"https:\/\/commission.europa.eu\/news-and-media\/news\/climate-report-shows-largest-annual-drop-eu-greenhouse-gas-emissions-decades-2024-11-05_de\">Europ&auml;ische Kommission meldet analog<\/a>, dass die Netto-Treibhausgasemissionen des B&uuml;ndnisses 2023 im Vergleich zu 1990 um 37 Prozent zur&uuml;ckgegangen sind. Bis 2030 soll der Aussto&szlig; um 55 Prozent gesenkt werden. Im Rahmen des <a href=\"https:\/\/commission.europa.eu\/strategy-and-policy\/priorities-2019-2024\/european-green-deal_de\">&bdquo;Green Deals&ldquo;<\/a> soll die EU bis 2050 treibhausgasneutral werden. Europa soll dann der &bdquo;erste klimaneutrale Kontinent&ldquo; sein.<\/p><p><strong>Rekord-Temperaturanstiege trotz Senkung des Treibhausgasaussto&szlig;es in der EU<\/strong><\/p><p>Trotz dieser &bdquo;gro&szlig;en Erfolge&ldquo; in Europa war 2024 das Jahr mit der bisher h&ouml;chsten Zunahme der globalen Lufttemperatur im Vergleich zum Referenzzeitraum 1850 bis 1900. Das Umweltbundesamt meldet 1,54 Grad Celsius. <a href=\"https:\/\/climate.copernicus.eu\/global-climate-highlights-2024\">Andere Quellen<\/a> kommen auf eine Zunahme zwischen 1,51 und 1,60 Grad Celsius.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/250801-klimawandel-01.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/250801-klimawandel-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Abbildung 1: Abweichung der globalen Lufttemperatur vom Durchschnitt der Jahre 1850 bis 1900 in Grad Celsius, Datenquelle: <a href=\"https:\/\/www.umweltbundesamt.de\/bild\/abweichung-der-globalen-lufttemperatur-vom\">Umweltbundesamt<\/a><\/small><\/p><p>Damit ist das auf der UN-Klimakonferenz 2015 in Paris festgelegte Ziel, eine Erw&auml;rmung um 1,5 Grad &uuml;ber dem vorindustriellen Niveau bis Ende des Jahrhunderts zu begrenzen, bereits neun Jahre sp&auml;ter &uuml;berschritten worden.<\/p><p>Ab einer <a href=\"https:\/\/www.polarstern-energie.de\/magazin\/artikel\/klimawandel-kipppunkte\/\">Erh&ouml;hung der Temperatur um &uuml;ber 1,5 Grad<\/a> geht der Weltklimarat von dem Eintreten von Kipppunkten aus, welche die Erw&auml;rmung verst&auml;rken und den <a href=\"https:\/\/www.forschung-und-lehre.de\/forschung\/erste-klima-kipppunkte-koennten-bis-2030-erreicht-werden-4998\">Klimawandel unumkehrbar machen k&ouml;nnten<\/a>. Zu diesen Kipppunkten geh&ouml;ren das Schmelzen der Eisfl&auml;chen in der Arktis und der Antarktis sowie das Auftauen der Permafrostb&ouml;den. Ab einer Erh&ouml;hung der Temperatur um &uuml;ber 3,5 Grad k&ouml;nnten unter anderem der Golfstrom zum Erliegen kommen und die Regenw&auml;lder durch Anpassung an die Trockenheit ihre Funktion als Kohlenstoffsenken verlieren.<\/p><p><strong>Weltweite Treibhausgasemissionen steigen weiter an<\/strong><\/p><p>2018 ging der <a href=\"https:\/\/www.de-ipcc.de\/256.php\">Weltklimarat<\/a> noch davon aus, dass das 1,5 Grad-Ziel erreichbar sein k&ouml;nnte. Um dieses Ziel sicher einzuhalten, h&auml;tten die CO<sub>2<\/sub>-Emissionen jedoch sofort radikal gesenkt werden m&uuml;ssen &ndash; n&auml;mlich weltweit <a href=\"https:\/\/www.de-ipcc.de\/media\/content\/SR1.5-SPM_de_barrierefrei.pdf\">bis 2040 auf null<\/a>. Die Realit&auml;t sieht jedoch anders aus.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/250801-klimawandel-02.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/250801-klimawandel-02.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Abbildung 2: Weltweite CO<sub>2<\/sub>-Emissionen nach Herkunftsregion in Tonnen, Datenquelle: <a href=\"https:\/\/ourworldindata.org\/grapher\/annual-co-emissions-by-region\">Our World in Data<\/a><\/small><\/p><p>Was in Europa und den USA an CO<sub>2<\/sub>-Emissionen eingespart wird, wird durch den vermehrten Aussto&szlig; insbesondere in Asien wieder mehr als wettgemacht. 2024 war mit <a href=\"https:\/\/www.mpg.de\/23729143\/co2-emission-bilanz-2024\">prognostizierten 41,6 Milliarden Tonnen<\/a> (einschlie&szlig;lich einer ver&auml;nderten Landnutzung) das Jahr mit dem bisher h&ouml;chsten weltweiten CO<sub>2<\/sub>-Aussto&szlig;.<\/p><p><strong>Reduktion von Treibhausgasemissionen in Europa aufgrund Abschaltung von Kohlekraftwerken und Auslagerung energieintensiver Produktionen<\/strong><\/p><p>Eine kurzfristige radikale Senkung der weltweiten Treibhausgasemissionen ist aus mehreren Gr&uuml;nden &auml;u&szlig;erst unwahrscheinlich. Einerseits ist der deutliche R&uuml;ckgang des CO<sub>2<\/sub>-Aussto&szlig;es in Europa seit den 1990er-Jahren auf einen Verzicht auf Kohle bei der Stromerzeugung sowie auf eine Verlagerung von Produktionsketten in asiatische L&auml;nder zur&uuml;ckzuf&uuml;hren.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/250801-klimawandel-03.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/250801-klimawandel-03.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Abbildung 3: Energieverbrauch in Europa nach Energietr&auml;gern in Terawattstunden, Datenquelle: <a href=\"https:\/\/github.com\/owid\/energy-data\">Our World in Data<\/a><\/small><\/p><p>Insbesondere die Verbrennung von Kohle sorgt f&uuml;r hohe CO<sub>2<\/sub>-Emissionen. Denn bei deren Verbrennung entsteht <a href=\"https:\/\/volker-quaschning.de\/datserv\/CO2-spez\/index.php\">rund doppelt so viel Kohlendioxid<\/a>, bezogen auf den Energiegehalt, wie bei der Verbrennung von Erdgas. Hinzu kommt, dass die in Deutschland noch betriebenen Braunkohlekraftwerke bei der Erzeugung von Strom einen deutlich niedrigeren Wirkungsgrad haben als Gaskraftwerke. W&auml;hrend bei <a href=\"https:\/\/www.verivox.de\/gas\/themen\/gaskraftwerk\/\">modernen Gaskraftwerken<\/a> bis zu 60 Prozent der eingesetzten Energie in elektrische Energie umgewandelt werden kann, sind es bei alten Braunkohlekraftwerken <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kraftwerk_Weisweiler#Kraftwerksbl%C3%B6cke\">wie dem in Weisweiler<\/a> bei Aachen lediglich 28 bis 36 Prozent. Ersetzt man also ein altes Braunkohlekraftwerk durch ein modernes Gaskraftwerk, kann man bei gleicher Energieerzeugung rund zwei Drittel der CO<sub>2<\/sub>-Emissionen einsparen.<\/p><p>Die Abschaltung alter Braunkohlekraftwerke war ein kurzfristig und einfach erreichbares Ziel &ndash; mit einem gro&szlig;en Effekt bei der Reduzierung des CO<sub>2<\/sub>-Aussto&szlig;es. Es ist jedoch &auml;u&szlig;erst fraglich, ob dieses Ziel auch beim Verkehr und beim Heizen in der angestrebten Zeit bis 2045 m&ouml;glich ist. Denn die Energie, die Elektrofahrzeuge und W&auml;rmepumpen verbrauchen, muss erst einmal durch Erneuerbare bereitgestellt werden, damit sie treibhausgasneutral betrieben werden k&ouml;nnen. Doch selbst im &bdquo;Vorreiterland&ldquo; Deutschland <a href=\"https:\/\/www.solarserver.de\/2024\/12\/18\/ag-energiebilanzen-erneuerbare-2024-fuenftel-primaerenergie-verbrauch\/\">stammten 2024<\/a> nur 20 Prozent des Prim&auml;renergieverbrauchs beziehungsweise <a href=\"https:\/\/dns-indikatoren.de\/7-2-a\/\">22,4 Prozent des Bruttoendenergieverbrauchs<\/a> aus erneuerbaren Energien. 77,3 Prozent wurden mit fossilen Energietr&auml;gern erzeugt und 2,7 Prozent in Form von elektrischer Energie importiert. Man muss kein Mathematikgenie sein, um sich zu fragen, wie man knapp 80 Prozent der in Deutschland ben&ouml;tigten Energie innerhalb von 20 Jahren durch Erneuerbare bereitstellen will, wenn f&uuml;r die bisher erreichten 20 Prozent 35 Jahre ins Land gegangen sind.<\/p><p><strong>100 Prozent erneuerbare Energie in Deutschland voraussichtlich erst in mehr als 100 Jahren<\/strong><\/p><p>Nimmt man das ann&auml;hernd lineare Wachstum des Anteils der Erneuerbaren am Bruttoendenergieverbrauch in Deutschland der letzten 20 Jahre als Grundlage f&uuml;r eine Hochrechnung, dann ist ein hundertprozentiger Anteil erst in mehr als 100 Jahren m&ouml;glich.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/250801-klimawandel-04.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/250801-klimawandel-04.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Abbildung 4: Anteil der Erneuerbaren am Bruttoendenergieverbrauch in Deutschland, Datenquelle: <a href=\"https:\/\/dns-indikatoren.de\/7-2-a\/\">Statistisches Bundesamt<\/a><\/small><\/p><p>Es bedarf demnach eines extrem beschleunigten Ausbaus erneuerbarer Energietr&auml;ger, Energiespeicher und Stromnetze, um die 100-Prozent-Marke deutlich fr&uuml;her zu erreichen. Doch selbst unter dem gr&uuml;nen Wirtschaftsminister Robert Habeck war eine derartige Beschleunigung in Deutschland <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=120243\">nicht zu erkennen<\/a>. Der <a href=\"https:\/\/www.bundesrechnungshof.de\/SharedDocs\/Kurzmeldungen\/DE\/2024\/energiewende\/kurzmeldung.html\">Bundesrechnungshof kritisierte 2024<\/a> unter anderem, dass die Ziele f&uuml;r den Ausbau der Windenergie an Land &bdquo;absehbar nicht erreicht&ldquo; werden und der &bdquo;zwingend notwendige Netzausbau&ldquo; dem Zeitplan um sieben Jahre und 6.000 Kilometer hinterherhinkt.<\/p><p>Mit einer aktuellen Gro&szlig;en Koalition, die Aufr&uuml;stung und Krieg in den Vordergrund ihrer Politik stellt, r&uuml;cken die Ambitionen der deutschen Regierung voraussichtlich in noch weitere Ferne. Das h&auml;lt die Bundesregierung und die ihr untergeordneten Beh&ouml;rden jedoch nicht davon ab, mit allen m&ouml;glichen Rechentricks wie Emissionshandel, angenommen h&ouml;heren zuk&uuml;nftigen Effizienzgraden beim Energieverbrauch, der Aufforstung von W&auml;ldern und dem angek&uuml;ndigten Aufbau der Humusschicht das erwartete Ergebnis bei den Treibhausgasemissionen Deutschlands sch&ouml;nzurechnen.<\/p><p><strong>Ist die bisherige Treibhausgasreduktion in der EU ein gigantisches Greenwashing?<\/strong><\/p><p>Ein weiterer Grund, warum der Treibhausgasaussto&szlig; hierzulande sinkt, liegt &ndash; wie bereits erw&auml;hnt &ndash; in der Auslagerung energieintensiver Produktionen ins Ausland. Dass insbesondere asiatische L&auml;nder, die &uuml;ber <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/kurz-knapp\/zahlen-und-fakten\/globalisierung\/52770\/verteilung-der-nachgewiesenen-kohle-reserven\/\">hohe Kohlereserven<\/a> verf&uuml;gen und in denen die Produktion nun gr&ouml;&szlig;tenteils stattfindet, ihren steigenden Energiebedarf zun&auml;chst haupts&auml;chlich mit Kohlekraftwerken decken, ist nicht verwunderlich. Wo sollen sie schlie&szlig;lich die kurzfristig ben&ouml;tigte Energie sonst hernehmen?<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/250801-klimawandel-05.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/250801-klimawandel-05.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Abbildung 5: Energieverbrauch in Asien nach Energietr&auml;gern in Terawattstunden, Datenquelle: <a href=\"https:\/\/github.com\/owid\/energy-data\">Our World in Data<\/a><\/small><\/p><p><a href=\"https:\/\/www.scinexx.de\/news\/geowissen\/wie-grosskonzerne-emissionen-auslagern\/\">Chinesische Wissenschaftler haben untersucht<\/a>, wie multinationale Konzerne durch Handel und direkte Investitionen ihre CO<sub>2<\/sub>-Emissionen ins Ausland verlagern. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass im Jahr 2016 dieser &bdquo;Auslands-Fu&szlig;abdruck&ldquo; 18,7 Prozent des globalen CO<sub>2<\/sub>-Aussto&szlig;es ausmachte. Der gr&ouml;&szlig;te Urheber solcher ausgelagerten Emissionen sei 2016 die Europ&auml;ische Union mit 2,2 Milliarden Tonnen CO<sub>2<\/sub> gewesen, gefolgt von den USA mit 1,3 Milliarden und Hongkong mit 1,1 Milliarden Tonnen. Das hei&szlig;t, statt der 2,9 Milliarden Tonnen Kohlendioxidemissionen, die in Abbildung 2 f&uuml;r die EU f&uuml;r das Jahr 2016 angegeben sind, waren es &ndash; folgt man der chinesischen Studie &ndash; in Wirklichkeit 5,1 Milliarden Tonnen. Bei der auff&auml;lligen Senkung des Treibhausgasaussto&szlig;es in Europa und den USA k&ouml;nnte es sich daher um ein gigantisches &bdquo;Greenwashing&ldquo; auf staatlicher und &uuml;berstaatlicher Ebene handeln.<\/p><p>Die seit den Sanktionen gegen Russland und der Sprengung der Nord-Stream-Pipelines deutlich h&ouml;heren Energiekosten in der EU d&uuml;rften die Auslagerung energieintensiver Produktionen noch beschleunigen. So <a href=\"https:\/\/www.dihk.de\/de\/themen-und-positionen\/wirtschaftspolitik\/energie\/energiewende-barometer-24\/energieprobleme-verfestigen-abwanderungstendenzen-120314\">verzeichnet die Deutsche Industrie- und Handelskammer<\/a> einen kontinuierlichen Anstieg der Zahl der Industriebetriebe, die Produktionseinschr&auml;nkungen oder eine Abwanderung ins Ausland erw&auml;gen. Waren es 2022 noch 21 Prozent der Betriebe, so sollen es 2024 37 Prozent gewesen sein. &Uuml;berdurchschnittlich stark sei die Tendenz bei Industriebetrieben mit hohen Stromkosten (2022: 25 Prozent; 2023: 38 Prozent; 2024: 45 Prozent) sowie bei Industriebetrieben mit 500 oder mehr Besch&auml;ftigten. Bei Letzteren habe sich der Anteil der Betriebe mit Produktionseinschr&auml;nkungen und Abwanderungspl&auml;nen von 37 Prozent im Jahr 2022 und 43 Prozent 2023 auf 51 Prozent im Jahr 2024 erh&ouml;ht.<\/p><p>Am Ende ist es f&uuml;r den wachsenden Anteil der Treibhausgase in der Atmosph&auml;re jedoch gleichg&uuml;ltig, woher die Emissionen kommen. Denn der weltweite Verbrauch fossiler Energietr&auml;ger steigt weiterhin ungebremst an. Noch nie wurden so viel Kohle, &Ouml;l und Gas auf der Welt verbrannt wie Anfang der 2020er-Jahre.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/250801-klimawandel-06.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/250801-klimawandel-06.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Abbildung 6: Weltweiter Energieverbrauch nach Energietr&auml;gern in Terawattstunden, Datenquelle: <a href=\"https:\/\/github.com\/owid\/energy-data\">Our World in Data<\/a><\/small><\/p><p><strong>Rapides Bev&ouml;lkerungswachstum in Asien und Afrika weiterer Grund f&uuml;r zuk&uuml;nftige Emissionssteigerungen<\/strong><\/p><p>Die weiterhin rapide anwachsende Bev&ouml;lkerung in Asien &ndash; der Region, in welcher aktuell die h&ouml;chste Steigerung des CO<sub>2<\/sub>-Aussto&szlig;es zu verzeichnen ist &ndash; ist andererseits ein weiterer Grund daf&uuml;r, dass in Zukunft kaum eine Besserung zu erwarten ist.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/250801-klimawandel-07.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/250801-klimawandel-07.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Abbildung 7: Weltweiter Energieverbrauch nach Energietr&auml;gern in Terawattstunden, Datenquelle: <a href=\"https:\/\/github.com\/owid\/energy-data\">Our World in Data<\/a><\/small><\/p><p>Denn es l&auml;sst sich ein eindeutiger Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und Energieverbrauch erkennen &ndash; auch wenn seit der Finanzkrise offenbar die Weltwirtschaft st&auml;rker w&auml;chst als der Energieverbrauch.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/250801-klimawandel-08.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/250801-klimawandel-08.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Abbildung 8: Weltweiter Energieverbrauch im Vergleich zum weltweiten BIP, Datenquellen: <a href=\"https:\/\/ourworldindata.org\/energy\">Our World in Data<\/a>, <a href=\"https:\/\/data.worldbank.org\/indicator\/NY.GDP.MKTP.KD\">Weltbank<\/a><\/small><\/p><p>Geht man davon aus, dass das realwirtschaftliche Wachstum in den asiatischen L&auml;ndern noch lange nicht seinen Zenit erreicht hat und der einhergehende gesteigerte Energiebedarf weiterhin vornehmlich mit fossilen Energietr&auml;gern befriedigt wird, dann ist auf absehbare Zeit keine signifikante Senkung der weltweiten Treibhausgasemissionen in Sicht. Und selbst wenn die Wohlstandserwartungen in den asiatischen L&auml;ndern einmal ges&auml;ttigt sein sollten, dann warten bereits die afrikanischen L&auml;nder mit ihrem hohen Bev&ouml;lkerungswachstum darauf, eine &auml;hnliche Entwicklung zu durchlaufen.<\/p><p><strong>Aktueller Trend: Temperaturanstieg um 3,5 Grad bis 2100<\/strong><\/p><p>Vergleicht man schlussendlich den gemessenen CO<sub>2<\/sub>-Aussto&szlig; mit den Szenarien des Weltklimarats von 1992, wird deutlich, dass sich die tats&auml;chlichen Werte entlang der &bdquo;Worst Case&ldquo;- beziehungsweise &bdquo;Business as usual&ldquo;-Szenarien entwickeln.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/250801-klimawandel-09.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/250801-klimawandel-09.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Abbildung 9: CO<sub>2<\/sub>-Emissionsszenarien des Weltklimarats (IS92) und reale Entwicklung in Tonnen, Datenquellen: <a href=\"https:\/\/sedac.ciesin.columbia.edu\/ddc\/is92\/\">Weltklimarat<\/a>, <a href=\"https:\/\/ourworldindata.org\/grapher\/co2-fossil-plus-land-use\">Our World in Data<\/a><\/small><\/p><p>Die &bdquo;Business as usual&ldquo;-Szenarien gehen davon aus, dass es keine wesentlichen &Auml;nderungen in der Politik oder im Verhalten in Bezug auf Emissionen gibt. Die &bdquo;Best Case&ldquo;-Szenarien stellen Pfade mit erheblichen Emissionsreduzierungen dar, w&auml;hrend die &bdquo;Worst Case&ldquo;-Szenarien Pfade mit weiterhin hohen Emissionen widerspiegeln. Sollte am Ende der derzeitigen Entwicklung im Jahr 2100 ein j&auml;hrlicher CO<sub>2<\/sub>-Aussto&szlig; von 80 Milliarden Tonnen stehen, muss mit einer Temperaturerh&ouml;hung von 3,5 Grad gegen&uuml;ber dem vorindustriellen Zeitalter sowie dem Eintreten von <a href=\"https:\/\/www.co2.earth\/2100-projections\">verst&auml;rkenden Kipppunkten<\/a> gerechnet werden.<\/p><p>Auch wenn der Weltklimarat in <a href=\"https:\/\/www.ipcc.ch\/reports\/\">seinen Berichten<\/a> immer neue Szenarien entwickelt, die das Maximum des Treibhausgasaussto&szlig;es jeweils einige Jahre nach dem Ver&ouml;ffentlichungsdatum in die Zukunft verschieben, kommt die Organisation stets zu dem Schluss, dass der Klimawandel mit der Energiewende noch abwendbar oder zumindest abzumildern ist. Dieses Narrativ h&auml;lt sich folglich auch <a href=\"https:\/\/www.ardmediathek.de\/video\/planet-schule\/wie-ist-die-erderwaermung-noch-zu-stoppen-klimawandel\/swr\/Y3JpZDovL3BsYW5ldC1zY2h1bGUuZGUvQVJEXzk5NjNfdmlkZW8\">hartn&auml;ckig<\/a> in der <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/welt\/politik\/klimawandel-stoppen-loesungen-klimaschutz-100.html\">Berichterstattung<\/a> der einflussreichen Medien, obwohl alle realen Messungen darauf hindeuten, dass es nicht eintreten wird.<\/p><p><strong>Wirtschaftswachstum und Wohlstand sind mit Klimazielen nicht vereinbar<\/strong><\/p><p>Wenn man den Sonderbericht &bdquo;1,5 &deg;C Globale Erw&auml;rmung&ldquo; des Weltklimarats von 2018 genau liest, findet sich darin aus Sicht des Autors die einzige ehrliche, nachvollziehbare sowie aussagekr&auml;ftigste Grafik, welche die Organisation bisher ver&ouml;ffentlicht hat.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/250801-klimawandel-10.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/250801-klimawandel-10.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Abbildung 10: Begrenzung der CO<sub>2<\/sub>-Emissionen zur Erreichung des 1,5-Grad-Ziels, Quelle: <a href=\"https:\/\/www.de-ipcc.de\/media\/content\/SR1.5-SPM_de_barrierefrei.pdf\">Weltklimarat<\/a><\/small><\/p><p>In Abbildung 10 b) ist zu erkennen, dass der weltweite CO<sub>2<\/sub>-Aussto&szlig; innerhalb weniger Jahre radikal auf null reduziert werden m&uuml;sste, um eine Temperaturerh&ouml;hung um &uuml;ber 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Niveau zu vermeiden. Angesichts der bisher in diesem Beitrag dargestellten Zusammenh&auml;nge wird daraus deutlich, dass die Energiewende den Klimawandel nicht aufhalten kann, sondern nur ein kurzfristiger Verzicht auf s&auml;mtliche fossilen Energietr&auml;ger. Alle Menschen auf der Welt m&uuml;ssten ab sofort auf fast alle Errungenschaften des Wohlstands verzichten &ndash; insbesondere in den reichen L&auml;ndern und dort vornehmlich die wohlhabenden Menschen.<\/p><p>Die nachfolgende Auswertung der Konsumausgaben privater Haushalte in Deutschland verdeutlicht, wie ineffektiv im Grunde viele private &bdquo;Klimaschutzambitionen&ldquo; sind &ndash; insbesondere, wenn sie von Menschen mit hohen Einkommen get&auml;tigt werden.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/250801-klimawandel-11.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/250801-klimawandel-11.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Abbildung 11: Konsumausgaben privater Haushalte in Deutschland nach dem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen 2022 in Euro, Datenquelle: <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Themen\/Gesellschaft-Umwelt\/Einkommen-Konsum-Lebensbedingungen\/Konsumausgaben-Lebenshaltungskosten\/Tabellen\/privater-konsum-haushaltsnettoeinkommen-lwr.html\">Statistisches Bundesamt<\/a><\/small><\/p><p>Je h&ouml;her das Einkommen, desto h&ouml;her sind die Konsumausgaben und damit der Energieverbrauch. Wer glaubt, mit einem nagelneuen Elektroauto, einer W&auml;rmepumpe f&uuml;r sein 200-Quadratmeter-Einfamilienhaus und dem Zahlen eines Aufpreises zur &bdquo;CO<sub>2<\/sub>-Kompensation&ldquo; bei Reisetickets zur Abwendung oder Abmilderung des Klimawandels beizutragen, irrt gewaltig. Die wahren Klimasch&uuml;tzer sind diejenigen, die erst gar nicht die Mittel haben, viel Energie zu verbrauchen, weil sie auf engem Wohnraum leben und dadurch weniger Heizenergie ben&ouml;tigen, m&ouml;glicherweise noch nicht einmal ein Auto besitzen und sich keine teuren Industrieprodukte und Fernreisen leisten k&ouml;nnen. Denn Heizen, Verkehr und Industrie sind nun einmal die <a href=\"https:\/\/www.umweltbundesamt.de\/daten\/energie\/energieverbrauch-nach-energietraegern-sektoren#entwicklung-des-endenergieverbrauchs-nach-sektoren-und-energietragern\">gr&ouml;&szlig;ten Energieverbraucher<\/a>.<\/p><p>Im Grunde m&uuml;ssten &ndash; nimmt man die Erkenntnisse des Weltklimarats ernst &ndash; alle Deutschen mit den aktuell vorhandenen rund 20 Prozent erneuerbaren Energien auskommen, um den Klimawandel abzuwenden. Das hie&szlig;e aber auch, auf einen Gro&szlig;teil des Wohlstands und der Wirtschaftskraft zu verzichten &ndash; und darauf zu hoffen, dass alle anderen L&auml;nder auf der Welt gleichziehen &ndash; auch diejenigen, mit denen man sich m&ouml;glicherweise derzeit in einem Stellvertreter- und Abnutzungskrieg befindet. Da diese Vorstellungen in einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung vollkommen abwegig sind, ist es an der Zeit, das Narrativ der Abwendbarkeit oder Abmilderung des Klimawandels mithilfe der Energiewende endlich &uuml;ber Bord zu werfen und sich zu fragen, wem diese Darstellung &uuml;berhaupt n&uuml;tzt.<\/p><p><strong>Die Energiewende folgt den Vorgaben des Kapitalismus und nicht des Klimaschutzes<\/strong><\/p><p>Das Narrativ ist vor allen Dingen f&uuml;r diejenigen vorteilhaft, die netto vom Prinzip des Kapitalismus am meisten profitieren. Denn die hohen Kosten der Energiewende, die den B&uuml;rgern im Namen der Klimarettung aufgeb&uuml;rdet werden, sind die hohen Gewinne der Konzerne, die vermeintliche L&ouml;sungen wie &Ouml;kostrom, Elektroautos oder W&auml;rmepumpen anbieten. Die Transferzahlungen sind gewaltig. Bis 2045 k&ouml;nnten sich die Gesamtkosten der Energiewende allein in Deutschland <a href=\"https:\/\/www.enbw.com\/unternehmen\/themen\/klimaschutz\/kosten-der-energiewende.html\">auf 3,44 Billionen Euro summieren<\/a>. Je schlimmer die Gefahr des Klimawandels dargestellt wird, desto h&ouml;her ist die Bereitschaft in der Bev&ouml;lkerung, die teuren Produkte zu kaufen oder die hohen Energiekosten mitzutragen.<\/p><p>Die Energiewende verspricht entgegen allen realen Messungen, dass die Klimaschutzziele trotz weiterhin hohen Energieverbrauchs und anhaltenden Wirtschaftswachstums erreichbar sein k&ouml;nnten. Eine wachsende Wirtschaft bedeutet &ndash; glaubt man den Verhei&szlig;ungen der &bdquo;Trickle-down-&Ouml;konomie&ldquo;, dass auch die untersten Einkommensschichten davon profitieren sollen. Damit behindert die Energiewende eine grundlegende Debatte um die gerechte Verteilung von Gewinnen und um die Frage nach der Sinnhaftigkeit, alle rationalen Entscheidungen prim&auml;r der Gewinnmaximierung zu unterwerfen.<\/p><p>Das Narrativ der Rettung des Klimas mithilfe der Energiewende erm&ouml;glicht es zudem der Politik, hohe Abgaben und Steuern auf fossile Energien zu erheben, die sie dann f&uuml;r anderweitige Ziele &ndash; beispielsweise R&uuml;stung und Waffenlieferungen in Kriegsgebiete &ndash; einsetzen kann. Politisches Missmanagement wie die Sanktionen gegen Russland, die zu einer erheblichen Verteuerung der Energie in Europa gef&uuml;hrt haben, kann damit ideologisch abgefedert werden. Denn bei russischem Erdgas und Erd&ouml;l handelt es sich ja schlie&szlig;lich um Energietr&auml;ger, auf die man in Zukunft sowieso verzichten will. Schlussendlich werden damit auch ernsthafte Konsequenzen aus der Erkenntnis, dass auf einem r&auml;umlich begrenzten Planeten die Ressourcen begrenzt sind sowie ma&szlig;voll und gerecht eingesetzt werden m&uuml;ssen, weiter in die Zukunft verschoben.<\/p><p><strong>Heimisch produzierte erneuerbare Energie l&auml;sst auf weniger Kriege um Ressourcen hoffen<\/strong><\/p><p>Dabei geht die Menschheit mit der Energiewende, was den letzten Aspekt betrifft, im Prinzip einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung. Denn begrenzte Energietr&auml;ger wie Kohle, &Ouml;l und Gas &ndash; &uuml;ber Jahrmillionen in chemische Energie umgewandelte Sonnenenergie &ndash; direkt durch die Sonnenenergie in Form von Photovoltaik und Windenergie zu ersetzen, l&ouml;st einen immer dringlicher werdenden Ressourcenengpass. Wenn ein Industrieland wie Deutschland, <a href=\"https:\/\/www.produktion.de\/schwerpunkte\/ruestungsindustrie\/ruestung-das-sind-die-10-laender-mit-den-hoechsten-exporten-308037-818.html\">f&uuml;nftgr&ouml;&szlig;ter R&uuml;stungsproduzent<\/a> der Welt, sich mithilfe von heimisch erzeugter erneuerbarer Energie von &Ouml;l- und Gasimporten, die 60 Prozent seines Energieverbrauchs ausmachen, unabh&auml;ngig machen will, n&auml;hrt dies zumindest die Hoffnung auf eine zuk&uuml;nftig friedlichere Welt. Denn nimmt man die <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/video\/der-ausloeser-koehlers-aussagen-zu-afghanistan-video-1068114.html\">Worte des ehemaligen Bundespr&auml;sidenten Horst K&ouml;hler<\/a>, die er auf dem R&uuml;ckflug von einem Besuch deutscher Truppen in Afghanistan 2010 ge&auml;u&szlig;ert hat, ernst, dann ist Deutschland aufgrund seiner Au&szlig;enhandelsabh&auml;ngigkeit in internationale Kriege verwickelt.<\/p><p>Allerdings darf man nicht vergessen, dass die f&uuml;r die Energiewende ben&ouml;tigten Ressourcen wiederum zu einer neuen Abh&auml;ngigkeit f&uuml;hren und weitere Konflikte ausl&ouml;sen k&ouml;nnen. Denn die Turbinen der Windkraftwerke sowie die Motoren der Elektromobile ben&ouml;tigen Permanentmagnete, die aus seltenen Erden hergestellt werden. Und die Batterien, die in den Elektrofahrzeugen eingesetzt und die als Speicher erneuerbarer Energie genutzt werden, ben&ouml;tigen Lithium. &Uuml;ber beide Ressourcen verf&uuml;gt Deutschland nicht in ausreichendem Ma&szlig;e. Ein Beispiel f&uuml;r den ersten vermeintlichen Krieg um diese Ressourcen ist der Konflikt in der Ukraine. Dort haben die russischen Streitkr&auml;fte k&uuml;rzlich <a href=\"https:\/\/defence-blog.com\/russia-seizes-one-of-europes-largest-lithium-rich-sites\/\">eines der gr&ouml;&szlig;ten Lithiumfelder in Europa eingenommen<\/a>.<\/p><p><strong>Marktregulation und politisches Missmanagement verteuern prinzipiell g&uuml;nstige erneuerbare Energie<\/strong><\/p><p>Ein weiterer zukunftsweisender Aspekt der Energiewende ist die Tatsache, dass erneuerbare Energien auf Dauer deutlich billiger sind als fossile. Schon jetzt sind Wind und Sonne bei der Erzeugung elektrischer Energie <a href=\"https:\/\/www.enbw.com\/unternehmen\/themen\/solarenergie\/stromgestehungskosten.html\">vielfach g&uuml;nstiger<\/a>. Allerdings sind marktregulatorische Ma&szlig;nahmen wie das <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=87221\">Merit-Order-Prinzip<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=98229\">hohe Abgaben auf fossile Energietr&auml;ger<\/a> sowie hohe Beschaffungskosten f&uuml;r Erdgas daf&uuml;r verantwortlich, dass der Strompreis weiter steigt. Insbesondere die Abkehr von billigem russischen Gas war in der j&uuml;ngsten Vergangenheit der gr&ouml;&szlig;te Preistreiber. Erdgas ist jedoch eines der zentralen Schl&uuml;sselelemente der Energiewende.<\/p><p>Denn Wind und Sonne sind nicht immer verf&uuml;gbar, sodass kurzfristig hochfahrbare Kraftwerke notwendig sind, um den jeweiligen Energiebedarf zu decken. Hierf&uuml;r eignen sich beispielsweise Pumpspeicherwerke, jedoch haupts&auml;chlich Gaskraftwerke. Solange mit den Erneuerbaren nicht mehr elektrische Energie erzeugt als im Stromnetz ben&ouml;tigt wird, macht eine <a href=\"https:\/\/www.eha.net\/blog\/details\/power-to-gas.html\">verlustbehaftete Umwandlung<\/a>, beispielsweise mittels Elektrolyse in Wasserstoff sowie in andere chemische Energietr&auml;ger, keinen Sinn. Der Anteil der Erneuerbaren an der Bruttostromerzeugung ist von 6,3 Prozent im Jahr 2000 jedoch lediglich <a href=\"https:\/\/www.umweltbundesamt.de\/indikator-anteil-erneuerbare-am\">auf 54,4 Prozent im Jahr 2024 angestiegen<\/a>. Daher ist die Energiewende f&uuml;r die n&auml;chsten Jahrzehnte noch auf Erdgas angewiesen.<\/p><p>Dass ausgerechnet eine Regierungskoalition mit Beteiligung der Gr&uuml;nen den Erfolg der Energiewende mit einem Boykott russischen Gases gef&auml;hrdet, d&uuml;rfte ein &auml;hnlicher Treppenwitz der Geschichte sein wie die Bef&uuml;rwortung von deutschen Waffenlieferungen an die Ukraine und Israel durch diese ehemalige Friedenspartei. Statt zu erhofften Preissenkungen bei den Energiekosten f&uuml;hrt die Energiewende nun aufgrund politischer Fehlentscheidungen zu h&ouml;heren Kosten f&uuml;r Endverbraucher und Unternehmen, die ihre Produktionsstandorte folglich vermehrt in L&auml;nder mit geringeren Energiekosten verlegen. Dass die deutsche Wirtschaft seit Beginn der Russlandsanktionen stagniert und sogar schrumpft, ist die Folge der Fehlentscheidungen und f&uuml;hrt unweigerlich zu einem Wohlstandsverlust.<\/p><p><strong>Verhindert der Fokus auf die Abwendung des Klimawandels dringend notwendige Ma&szlig;nahmen zum Schutz vor dessen Folgen?<\/strong><\/p><p>Hat man sich einmal gedanklich damit abgefunden, dass der Klimawandel mit der Energiewende weder aufzuhalten noch signifikant abzumildern ist, und hat man sich von der in der Politik und in den einflussreichen Medien verbreiteten Klimapanik befreit, kommt eine ganz andere, viel konkretere Frage in den Sinn: Wie geht man mit den Folgen des Klimawandels um? M&uuml;sste man nicht bei zu erwartenden immer l&auml;ngeren Hitzewellen im Sommer Alte und Kranke mit Klimaanlagen sch&uuml;tzen? M&uuml;sste man sich nicht auf weitere Extremwetterereignisse vorbereiten, indem man &Uuml;berflutungszonen, Deiche und Fr&uuml;hwarnsysteme ausbaut? M&uuml;sste man Siedlungen in den Bergen nicht gegen vermehrte Erdrutsche sch&uuml;tzen? M&uuml;sste man im Osten Deutschlands nicht f&uuml;r ein gro&szlig; angelegtes Bew&auml;sserungssystem sorgen, um Ernteausf&auml;lle aufgrund von D&uuml;rren im Sommer zu vermeiden? Sind die Opfer von Extremwetterereignissen am Ende auf eine fehlgeleitete Politik zur&uuml;ckzuf&uuml;hren, die Billionen f&uuml;r die Reduzierung der Treibhausgasemissionen ausgibt, aber nur wenig gegen die Folgen des Klimawandels unternimmt? Diese Fragen sollen in einem weiteren Beitrag n&auml;her er&ouml;rtert werden.<\/p><p><em>Leserbriefe zu diesem Beitrag <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=137041\">finden Sie hier<\/a>.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: Gorodenkoff \/ Shutterstock<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/8aeb79c7080043f38b852514809a1b47\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Bundesregierung und die EU-Kommission halten weiterhin daran fest, den weltweiten Klimawandel mit der Energiewende aufhalten oder zumindest abmildern zu wollen. Doch s&auml;mtliche real gemessene Werte deuten darauf hin, dass diese Ziele nicht zu erreichen sind. 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