{"id":136777,"date":"2025-08-01T12:07:10","date_gmt":"2025-08-01T10:07:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=136777"},"modified":"2025-08-01T17:00:46","modified_gmt":"2025-08-01T15:00:46","slug":"heute-vor-50-jahren-sternstunde-der-diplomatie-im-kalten-krieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=136777","title":{"rendered":"Heute vor 50 Jahren: Sternstunde der Diplomatie im Kalten Krieg"},"content":{"rendered":"<p>F&uuml;nfzig Jahre sind eine lange Zeit, im g&uuml;nstigen Fall ein halbes Leben. Wer solch eine Lebensspanne bewusst erlebt hat, dem zwingen sich mit seinen Erinnerungen unweigerlich Vergleiche auf. Wie sah Europa, wie sah die Welt heute vor f&uuml;nfzig Jahren &ndash; am 1. August 1975 &ndash; aus, mitten in der Epoche des &bdquo;Kalten Krieges&ldquo;? Da w&auml;hrte der Kalte Krieg schon qu&auml;lend lange drei&szlig;ig Jahre. Und doch gelang an jenem 1. August 1975 nach sechs Jahren z&auml;hen diplomatischen Verhandlungen in Helsinki mit der Unterzeichnung der Schlussakte der Konferenz f&uuml;r Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa ein Paukenschlag f&uuml;r eine Friedensordnung. Es war ein ermutigender Erfolg, dass friedliche Koexistenz ideologischer Erzfeinde m&ouml;glich ist und der Kalte Krieg gez&auml;hmt werden kann. Von <b>Felix Du&#269;ek<\/b>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9667\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-136777-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250801_Heute_vor_50_Jahren_Sternstunde_der_Diplomatie_im_Kalten_Krieg_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250801_Heute_vor_50_Jahren_Sternstunde_der_Diplomatie_im_Kalten_Krieg_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250801_Heute_vor_50_Jahren_Sternstunde_der_Diplomatie_im_Kalten_Krieg_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250801_Heute_vor_50_Jahren_Sternstunde_der_Diplomatie_im_Kalten_Krieg_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=136777-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250801_Heute_vor_50_Jahren_Sternstunde_der_Diplomatie_im_Kalten_Krieg_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250801_Heute_vor_50_Jahren_Sternstunde_der_Diplomatie_im_Kalten_Krieg_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Der begann ja bereits 1945, also vor achtzig Jahren. Der US-Pr&auml;sident Harry S. Truman, kurzzeitig Vizepr&auml;sident von Franklin D. Roosevelt und nach dessen Ableben im Fr&uuml;hjahr 1945 Nachfolger im Amt, hatte zwar noch als Verb&uuml;ndeter der Sowjetunion die bedingungslose Kapitulation Nazi-Deutschlands als ein Repr&auml;sentant der westlichen Anti-Hitler-Koalition gemeinsam mit Winston Churchill besiegelt. Dennoch zeigte er bereits mit der Drohung der US-Atombomben auf der Potsdamer Konferenz und mit dem sch&auml;ndlichen Abwurf &uuml;ber Japan am 6. und 9. August 1945 und seinen politischen Verlautbarungen der Sowjetunion, wohin die Reise mit diesem gro&szlig;en Kn&uuml;ppel und seiner sp&auml;teren <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Truman-Doktrin\">Truman-Doktrin<\/a> gehen sollte. <\/p><p>Rhetorisch geschliffener allerdings proklamierte Winston S. Churchill zuvor bereits den Beginn des Kalten Krieges. Churchill, zum Beginn der Potsdamer Konferenz der Siegerm&auml;chte im Sommer 1945 noch britischer Premierminister, wurde im Verlauf dieser Konferenz als Premier zwar abgew&auml;hlt. Aber Churchill blieb siegesbewusst, vor allem noch immer Anti-Kommunist durch und durch, folglich von nun an nicht mehr notgedrungen mit, sondern gegen die UdSSR. Diese Ambitionen pflegte der britische Premier n&auml;mlich bereits vor der bedingungslosen Kapitulation Nazi-Deutschlands, zum Beispiel mit der von ihm geheim in Auftrag gegebenen Ausarbeitung der &bdquo;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Operation_Unthinkable\">Operation Unthinkable<\/a>&ldquo; im Mai 1945 &ndash; als Kriegsplan gegen die Sowjetunion &ndash; und wenig sp&auml;ter, am 12. Mai 1945, mit der &ouml;ffentlichen Wiederbelebung des Begriffs &bdquo;Eiserner Vorhang&ldquo; &ndash; von ihm klar gerichtet gegen &bdquo;Stalins Machtbereich&ldquo;. <\/p><p>Schriftlich genauestens dokumentiert jedoch ist Churchills Rede &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nato.int\/docu\/speech\/1946\/s460305a_e.htm\">The Sinews of Peace<\/a>&ldquo; am 5. M&auml;rz 1946 am Westminster College in Fulton (US-Bundesstaat Missouri) &ndash; &uuml;brigens in Anwesenheit von Harry S. Truman. Diese &Uuml;berschrift bedeutete jedoch keineswegs ein &bdquo;Sehnen nach Frieden&ldquo;, sondern die eindeutige Erkl&auml;rung zum Kalten Krieg gegen die UdSSR und deren neue Verb&uuml;ndete, die infolge der Nachkriegsordnung in Europa und Asien entstanden waren. Auch die hei&szlig;en Kriege des Westens lie&szlig;en allerdings, beginnend in Korea, nicht mehr lange auf sich warten, wenn auch damals in Asien und damit f&uuml;r ein halbes Jahrhundert noch nicht in Europa.<\/p><p>Nein, der Kalte Krieg war weder friedlich noch lustig, auch wenn er bisweilen Z&uuml;ge eines sportlichen Wettlaufs zu tragen schien, jedenfalls bis zum Sputnik-Schock, bis zu Gagarins erstem Orbitalflug um die Erde und danach sogar noch bis zur am Ende erfolgreichen Mondlandung der US-Amerikaner 1969. Die Brisanz dieses Kr&auml;ftemessens aber wurde sp&auml;testens am 17. Oktober 1962 bei der halsbrecherischen Kuba-Krise und beim Showdown von Panzern auf beiden Seiten am Checkpoint Charlie in Berlin deutlich. Sp&auml;ter, nach Chruschtschows Absetzung, wollte Leonid Breschnew daher verst&auml;ndlicherweise unbedingt mehr Verl&auml;sslichkeit und Berechenbarkeit der Beziehungen &ndash; und somit Sicherheit zum Wohle beider Seiten &ndash; durch diplomatische Vertr&auml;ge in die Konfrontation einbauen. Die Idee der Friedlichen Koexistenz sollte vertraglich dokumentiert und damit gesichert werden.<\/p><p>So wurde 17. M&auml;rz 1969, ein halbes Jahr nach dem Ende des &bdquo;Prager Fr&uuml;hlings&ldquo;, vom Politischen Beratenden Ausschuss der Teilnehmerstaaten des Warschauer Vertrages (vom NATO-Block gewohnt abf&auml;llig &bdquo;Ostblock&ldquo; genannt) der Budapester Appell an alle europ&auml;ischen L&auml;nder verk&uuml;ndet. Sp&auml;testens damit begann dieser &bdquo;Helsinki-Prozess&ldquo;, denn damals war praktisch allen L&auml;ndern in Europa &ndash; wenn auch keineswegs den USA &ndash; ebenfalls sehr daran gelegen, die Weltpolitik in Bezug auf Europa berechenbarer und damit vor allem friedlicher zu machen. So fiel der Ansto&szlig; aus der UdSSR, auch wenn er von Leonid Breschnew pers&ouml;nlich propagiert wurde, in nahezu allen betroffenen L&auml;ndern auf fruchtbaren Boden, zumindest bei diplomatisch besonnenen Politikern. <\/p><p>In Finnland ergriff noch im selben Jahr, n&auml;mlich bereits im Mai 1969, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Urho_Kekkonen\">Dr. Urho Kekkonen<\/a> von der Zentrumspartei die Initiative, nachdem sich die NATO-Au&szlig;enminister am 11. April 1969 in Washington, D.C. &bdquo;gro&szlig;z&uuml;gig&ldquo; bereiterkl&auml;rt hatten, zumindest &uuml;ber Themenfelder solcher Verhandlungen nachdenken zu wollen. Kekkonen war 1950 finnischer Ministerpr&auml;sident geworden und &uuml;bte seit 1956 erfolgreich das Amt des Staatspr&auml;sidenten aus, dies am Ende insgesamt 25 Jahre lang. Er meinte, Finnland &ndash; das damals seit Jahrzehnten um Neutralit&auml;t und friedliche Nachbarschaft zur Sowjetunion bem&uuml;ht war &ndash; w&auml;re mit seiner Hauptstadt Helsinki ein besonders geeigneter Ort f&uuml;r einen solchen Ost-West-Ausgleich &ndash; f&uuml;r eine Konferenz &uuml;ber Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE). Dieses Unterfangen erforderte absehbar einen sehr langwierigen diplomatischen Prozess, um zu einer allseits akzeptierten und friedlichen Nachkriegsordnung in Europa zu gelangen. <\/p><p>Aber drei&szlig;ig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war genau dies das Ziel der Initiative, die Breschnew so am Herzen lag. Er wollte Verl&auml;sslichkeit und Sicherheit f&uuml;r beide Seiten vertraglich dokumentiert sehen. Dennoch gab es neben &auml;hnlichen W&uuml;nschen in vielen europ&auml;ischen L&auml;ndern auch damals schon im Westen starke, sowohl heimlich wie auch offen verk&uuml;ndete Widerst&auml;nde gegen diese Idee. So waren sich der damalige US-Pr&auml;sident Richard Nixon und sein damaliger Au&szlig;enminister Henry Kissinger auch am 19. April 1972 einig: Wenn es diese europ&auml;ische Sicherheit g&auml;be, k&ouml;nne man verdammt noch mal die NATO vergessen. Ja, die USA wollten einerseits schon aus Prinzip als Weltmacht unbedingt (zusammen mit Kanada) dabei sein, wenn dieses hei&szlig;e Eisen geschmiedet werden sollte. Andererseits wollten sie &ndash; wie alle Falken im Westen &ndash; nicht ohne geb&uuml;hrende Gegenleistungen dem &bdquo;Ostblock&ldquo; seine erhoffte vermeintliche Sicherheit durch eine &bdquo;friedliche Koexistenz&ldquo; gew&auml;hren.<\/p><p>So kam es lange vor einer unterschriftsreifen Schlussakte von Helsinki erst einmal zu dem sehr langwierigen, wechselhaften und schwierigen Helsinki-Prozess, der Jahre diplomatischen Ringens in Anspruch nahm. &Uuml;brigens l&auml;uft ja hierzulande seit Mitte Juni bereits ein teils kurios, auf jeden Fall am&uuml;sant aufgemachter Film &bdquo;Der Helsinki-Effekt&ldquo; &uuml;ber dieses diplomatische Ringen im R&uuml;ckblick auf diesen Prozess und vor allem auch &uuml;ber dessen Auswirkungen und Nachwirkungen. Die Berliner Urauff&uuml;hrung fand im Zeiss-Gro&szlig;planetarium am 11. Juni 2025 in Anwesenheit des finnischen Regisseurs <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=suhkRpkpS3U\">Arthur Franck<\/a> (Jahrgang 1980, aufgewachsen in einer Gegend mit direkter Aussicht auf das Kongress-Zentrum von Helsinki) zusammen mit seinem deutschen Synchronsprecher Bjarne M&auml;del statt. <\/p><p>Man kann diesen Film allen empfehlen, die diese Geschichte des Versuchs einer Z&auml;hmung des Kalten Krieges durch Diplomatie noch nicht pers&ouml;nlich und bewusst erlebt haben. Aber auch dann, wenn man selbst als Zeitzeuge heute den sp&ouml;ttischen Unterton eines Finnen als Sch&ouml;pfer dieses Dokumentarfilms vielleicht als unangemessen empfindet &ndash; etwa &uuml;ber die verantwortungsbewusste und freundliche Grundhaltung von Urho Kekkonen gegen&uuml;ber der Sowjetunion, die diesen ganzen Helsinki-Prozess &uuml;ber Jahre erst m&ouml;glich machte und am Leben hielt. Oder das Aufmacher-Foto f&uuml;r den Film, auf dem Breschnew telefonierend in der Sauna l&uuml;mmelt, was ihn zweifellos f&uuml;r unbedarfte Gem&uuml;ter bewusst oder leichtfertig l&auml;cherlich erscheinen l&auml;sst. Auch die durch Protokolle und Dokumente zwar fundierten, aber letztlich zwecks Audiokommentierung erfundenen, kumpelhaften und am&uuml;santen &bdquo;pers&ouml;nlichen&ldquo; Dialoge des Regisseurs mit Henry Kissinger lassen viele verbrecherische Seiten dieses US-Spitzendiplomaten bei vielen anderen Gelegenheiten des Weltgeschehens ziemlich in Vergessenheit geraten. <\/p><p>Bei all dem ist aber dankenswert, dass der Regisseur versuchte, nicht nur f&uuml;r sich selbst als Nachgeborener, sondern damit auch f&uuml;r die Zuschauer diese ruhmvolle Geschichte von Helsinki anhand seiner Auswahl aus einer riesigen F&uuml;lle an verf&uuml;gbarem Filmmaterial und Dokumenten der damaligen Verhandlungen facettenreich zu erschlie&szlig;en. Das macht den Film heute unbedingt sehenswert f&uuml;r viele J&uuml;ngere, die &uuml;ber diese positiven Ereignisse w&auml;hrend des Kalten Krieges bisher nicht so viel wissen. Erfreulicherweise l&auml;uft der Film derzeit noch immer in einigen Programm-Kinos, so auch in Berlin.<\/p><p>Vor f&uuml;nfzig Jahren wurde schlie&szlig;lich aus diesem &bdquo;Helsinki-Prozess&ldquo; &ndash; als Weg der Diplomatie zur Friedlichen Koexistenz &ndash; am Ende ein &bdquo;Helsinki-Effekt&ldquo; &ndash; n&auml;mlich der &bdquo;Wandel durch Ann&auml;herung&ldquo;. F&uuml;r den Westen wurde durch den geforderten und erstrittenen &bdquo;Korb drei&ldquo; der Helsinki-Schlussakte im Grunde die Aufl&ouml;sung des &bdquo;Ostblocks&ldquo; ein St&uuml;ckchen ge&ouml;ffnet und der Weg geebnet, und das sogar auf angeblich &bdquo;friedliche&ldquo; Weise. Denn noch &bdquo;friedlicher&ldquo; als ab November 1989 mit der &Ouml;ffnung (dem angeblichen &bdquo;Fall&ldquo;) der Mauer in Berlin konnte die Koexistenz zweier Systeme gar nicht enden. In Deutschland verschwand die DDR samt ihrer Gesellschaftsordnung friedlich aus der einstigen Koexistenz. Und in Europa verschwand ebenfalls ganz friedlich nur der &bdquo;Warschauer Pakt&ldquo;, aber bis heute keineswegs die NATO, wie das Nixon und Kissinger 1972 noch bef&uuml;rchtet hatten &ndash; ganz im Gegenteil. Damit wurde faktisch auch bereits das Erbe jener Konferenz f&uuml;r Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa zu Grabe getragen, das in Helsinki so hoffnungsvoll begr&uuml;ndet worden war.<\/p><p>Mit dem Verrat des KSZE-Gedankens der friedlichen Koexistenz, erst recht also der Negierung jener f&uuml;r den Westen eigentlich so erfolgreichen Idee eines &bdquo;Wandels durch Ann&auml;herung&ldquo;, wurde nach der Aufl&ouml;sung der Sowjetunion aus der KSZE eine institutionalisierte Organisation f&uuml;r Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), die allerdings mittlerweile zumindest scheintot ist. Denn sp&auml;testens nach dem Maidan-Putsch in Kiew im Jahr 2013\/2014, als die US-genehme Regierung in Kiew mit sogenannten Antiterror-Ma&szlig;nahmen die eigene Bev&ouml;lkerung im S&uuml;den und Ostteil des eigenen Landes zu terrorisieren begann, agierten auch die st&auml;ndigen &bdquo;Beobachter&ldquo; der OSZE in der Ukraine keineswegs mehr neutral, geschweige denn diplomatisch. Schon bei jener &bdquo;Vereinbarung zur Beilegung der Krise&ldquo; am 21. Februar 2014 in Kiew zwischen dem rechtm&auml;&szlig;ig gew&auml;hlten Pr&auml;sidenten Wiktor Janukowitsch und der Oppositionsbewegung agierten die Diplomaten aus Polen, Deutschland und Frankreich als Zeugen bei jener Unterzeichnung danach in keiner Weise als Garanten zur Einhaltung jenes Abkommens, im Gegenteil, ganz so wie wenige Monate sp&auml;ter auch bez&uuml;glich der &Uuml;bereink&uuml;nfte von Minsk II.<\/p><p>Nein, es war fr&uuml;her mit Sicherheit nicht ALLES besser, schon gar nicht im Kalten Krieg. Aber auch wenn es heute fast zynisch klingen mag: Es war auch nicht alles schlecht im Kalten Krieg! Daraus wurde n&auml;mlich dank diplomatischer Hartn&auml;ckigkeit und Geduld tendenziell kein Hei&szlig;er Krieg in Europa &ndash; zumindest bis 1995 und 1999 auf dem Balkan. Die Geschichte lehrt, dass Diplomatie unverzichtbar ist f&uuml;r die Schaffung von Frieden wie f&uuml;r seine Bewahrung. &Uuml;brigens: Seit 1969, als die Idee zu einer KSZE geboren wurde, bis zur Unterzeichnung der Helsinki-Akte, traf sich Breschnew nicht unentwegt (und auch nicht ab und an) mit dem US-Pr&auml;sidenten &ndash; weder mit Nixon und auch nicht mit Gerald Ford pers&ouml;nlich. S&auml;mtliche Staatschefs reisten n&auml;mlich erst Anfang Juli 1975 in Helsinki an, um vor 50 Jahren am 1. August 1975 die m&uuml;hsam fertig ausgehandelte Schlussakte der KSZE zu unterzeichnen. So &ndash; und nur so &ndash; kann Diplomatie funktionieren. Warum sollte das heute anders sein?<\/p><p>Und ja, es gibt auch heute noch, den immer hysterischer werdenden westeurop&auml;ischen Kriegstreibern zum Trotz, ernstzunehmende Diplomaten als Erben jener Vernunft der KSZE vor 50 Jahren. Es gibt &ndash; wenn auch gern verschwiegen neben all den laut herausposaunten Horrormeldungen in Medien wie auch in sogenannten &bdquo;Sozialen Netzen&ldquo;&ndash; noch immer Gremien, Vereinbarungen und diplomatische Kan&auml;le, die im Stillen funktionieren und agieren. Und ab und an senden sie sogar hoffnungsvolle Signale aus, die man erkennen kann, wenn sie kein Tunnelblick ausblendet. <\/p><p>So einigten sich die USA und Russland unl&auml;ngst, dass trotz all der Anfeindungen Russlands schon wieder als &bdquo;Reich des B&ouml;sen&ldquo; in manch offizieller Verlautbarung die seit 25 Jahren aufgebaute Internationale Raumstation ISS mindestens bis zum Jahr 2028 gemeinsam operabel gehalten wird. Auch diese Zusammenarbeit wurde begr&uuml;ndet und ihr erster sichtbarer Erfolg vor f&uuml;nfzig Jahren in einer Sternstunde trotz jenes Kalten Krieges &ndash; als nach dem Triumph der USA mit der Mondlandung erstmals das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Apollo-Sojus-Test-Projekt\">Apollo-Sojus-Test-Projekt<\/a> mit einer Kopplung am 17. Juli 1975 gefeiert wurde &ndash; von beiden Nationen und weltweit bewundert. <\/p><p>Es geht also auch anders, als die im Fr&uuml;hjahr 2022 von der (ebenfalls im Jahr 1975 gegr&uuml;ndeten) ESA gegen&uuml;ber Roskosmos inszenierte Konfrontation durch Aufk&uuml;ndigen aller Kooperationsvereinbarungen demonstrieren sollte. Rechtzeitig vor dem NASA-Start der vierk&ouml;pfigen Crew-11-Mission (der auch der Russe Oleg Platonow angeh&ouml;rt) besuchte der k&uuml;rzlich ernannte Generaldirektor von Roskosmos, Dmitri Bakanow, die USA und traf sich mit dem NASA-Administrator Sean Duffy, der ebenfalls erst Anfang Juli vom US-Pr&auml;sidenten Donald Trump neu berufen worden war. Erstmals seit acht Jahren kam solch ein Treffen wieder auf h&ouml;chster Ebene der beiden Organisationen zustande. &Uuml;ber die beiderseitig n&uuml;tzlichen Aussichten der Fortf&uuml;hrung dieser jahrzehntelangen Kooperation beider Weltraum-Nationen berichtete ausf&uuml;hrlich ein <a href=\"https:\/\/iz.ru\/1928395\/elena-sobkova-andrei-korsunov-anastasia-kostina\/obsaa-orbita-glavy-roskosmosa-i-nasa-vstretatsa-spusta-vosem-let\">Artikel<\/a> in der russischsprachigen <em>Iswestija<\/em>.<\/p><p><small>Titelbild: Helmut Schmidt, Erich Honecker, Gerald Ford und Bruno Kreisky unterzeichnen das KSZE-Abschlussdokument. Leonid Breschnew als Unterzeichner f&uuml;r die Sowjetunion nicht im Bild. &ndash; Quelle: Bundesarchiv, Bild 183-P0801-026 \/ Horst Sturm<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=125337\">Jeffrey Sachs: Diplomatie oder Desaster<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=120895\">Ausw&auml;rtiges Amt: Kerngesch&auml;ft der Diplomatie ist das F&uuml;hren von Gespr&auml;chen &ndash; au&szlig;er mit Russland<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=116807\">Der 17. 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Da w&auml;hrte<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=136777\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":136780,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,170,212],"tags":[1543,3240,3379,3481,1268,941,466,1456,3571,2147,2700,1556,2633],"class_list":["post-136777","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-friedenspolitik","category-gedenktagejahrestage","tag-deutsche-einheit","tag-diplomatische-verhandlungen","tag-dokumentarfilme","tag-friedliche-koexistenz","tag-kalter-krieg","tag-ksze","tag-nato","tag-osze","tag-raumfahrt","tag-sowjetunion","tag-systemkonkurrenz","tag-usa","tag-warschauer-vertrag"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Bundesarchiv_Bild_183-P0801-026_Helsinki_KSZE-Konferenz_Schlussakte.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/136777","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=136777"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/136777\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":136854,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/136777\/revisions\/136854"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/136780"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=136777"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=136777"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=136777"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}