{"id":13688,"date":"2012-06-27T16:49:48","date_gmt":"2012-06-27T14:49:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13688"},"modified":"2015-03-06T11:32:40","modified_gmt":"2015-03-06T10:32:40","slug":"nachtrag-zu-es-steht-schlecht-um-deutschlands-kritisches-burgertum-betr-augstein-kolumne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13688","title":{"rendered":"Nachtrag zu \u201eEs steht schlecht um Deutschlands kritisches B\u00fcrgertum &#8230;\u201c (Betr.  Augstein Kolumne)"},"content":{"rendered":"<p>Zu <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13671\">diesem Beitrag von gestern<\/a> erreichten uns kontroverse Mails und einige interessante Erg&auml;nzungen, die auch f&uuml;r NachDenkSeiten-Leserinnen und -Leser von Interesse sein d&uuml;rften. Deshalb im Folgenden eine kurze Dokumentation dieser, teilweise gek&uuml;rzten Mails. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><\/p><ol>\n<li><strong>Betr.: Zur Bewunderung des Bildungsb&uuml;rgertums f&uuml;r Merkel<\/strong>\n<p>Die Bewunderung des &ldquo;linksliberalen&rdquo; Bildungsb&uuml;rgertums f&uuml;r Merkel ist mir auch immer wieder aufgefallen. Ein prominentes Beispiel ist der Auftritt der k&uuml;rzlich verstorbenen Margarete Mitscherlich mit Hildegard Hamm-Br&uuml;cher in einer Talkshow, ich meine bei Beckmann. Beide bewunderten Merkel ohne auch nur einen einzigen kritischen Ton.&nbsp;<\/p>\n<p>Mitscherlich habe ich in einer Dokumentation &uuml;ber sie selbst anl&auml;sslich ihres Todes auch noch mal mit dem Satz vernehmen k&ouml;nnen, die Deutschen seien ein Jammervolk und s&auml;hen sich gern als Opfer, was mit verdr&auml;ngten und sich sozial weitervererbten Schuldgef&uuml;hlen aus der NAZI-Zeit zu tun habe. Und dann der Satz &ldquo;Und dabei geht es uns so gut wie nie zuvor&rdquo;.&nbsp;Da frage ich mich: Wer ist uns? Sind das auch die Arbeitslosen, die Niedrigl&ouml;hner, die verarmten Rentner, die Alleinerziehenden usw.?<\/p>\n<p>Diese Haltung ist im Bildungsb&uuml;rgertum sehr verbreitet. Und sie ist nicht zuf&auml;llig und hat auch nicht nur mit Medieneinfluss zu tun, sondern sie ist Ausdruck eines b&uuml;rgerlichen Habitus, der nicht nur nicht dazu in der Lage ist, die Perspektive des eigenen privilegierten sozialen Standortes zu verlassen, sondern dies vor allem auch nicht will. Es ist der &ldquo;gute&rdquo; alte Egoismus und Opportunismus des B&uuml;rgertums. Wer aufsteigen oder auch nur die Position seiner sozialen Herkunft reproduzieren will, darf in der kapitalistischen Gesellschaft nicht feinf&uuml;hlig sein. Mit Egoismus und Opportunismus kommt man weiter.&nbsp;<\/p>\n<p>Daher die auff&auml;llige Ignoranz. Es ist ein Sozialcharakter, der aus dem Sein gepr&auml;gt wird. Das Bildungsb&uuml;rgertum geh&ouml;rt h&auml;ufig&nbsp;zur &ldquo;herrschenden Klasse Fraktion II&rdquo;, wie Bourdieu dies nannte. Das sind Leute in einer Sandwich-Position, die selber Herrschaft aus&uuml;ben, aber selber auch von einer dar&uuml;ber stehenden Klasse beherrscht werden. Ein Beispiel f&uuml;r diese Kategorie sind Chefredakteure. Aber auch ein Lehrer oder Beamter im gehobenen Dienst kann es sich nicht leisten, herrschaftskritisch zu sein. Er wird ja f&uuml;r das Gegenteil bezahlt: Lehrer sollen gesellschaftliche Hierarchien reproduzieren, das ist der wahre Lehrplan. Und Verwaltungsbeamte Herrschaft durchsetzen. Das ist psychisch &uuml;berhaupt gar nicht auszuhalten, wenn man sich nicht mir einem entsprechenden Weltbild ausstattet und einen ignoranten Charakter entwickelt. Einige k&ouml;nnen dies nicht. Das sind die, den einen Burnout kriegen. &nbsp; &nbsp;<\/p>\n<p>Ich habe mich schon lange von meinen Illusionen &uuml;ber das angebliche linksliberale Milieu gel&ouml;st. Dieses Milieu ist b&uuml;rgerlich und konservativ, was das Soziale angeht. Die Entwicklung der Gr&uuml;nen ist der politische Ausdruck daf&uuml;r.&nbsp;<\/p>\n<p>Bourdieu hat einmal eine interessante These zur 68-Revolution entwickelt: Dies sei keine inhaltliche Revolution gewesen. Sondern es sei in Wirklichkeit ein Konkurrenzkampf um ehemals sichere Positionen und Laufbahnen des B&uuml;rgertums gegangen, die eine Studentengeneration habe rebellieren lassen. Wenn man sich die Entwicklung der Gr&uuml;nen anguckt, k&ouml;nnte man dieser These einiges abgewinnen.<\/p>\n<p>U.B.<\/p><\/li>\n<li><strong>Betr.: A.M. Kritik an Augstein &ndash; &bdquo;&hellip; in der Sache tun Sie ihm Unrecht.&ldquo;<\/strong>\n<p>Ihren kritischen Ausf&uuml;hrungen &uuml;ber Jacob Augstein und das B&uuml;rgertum kann ich so nicht folgen. Tats&auml;chlich hat Augstein sehr oft dezidiert gegen Schr&ouml;ders Agenda Politik und Hartz IV geschrieben. Er ist auch ein kritischer Begleiter der Merkelschen Euro und Spar Politik.&nbsp;<\/p>\n<p>Sicherlich hat Augstein nicht nur Sternstunden. (Wer hat die schon?) Seine Replik auf die Bildzeitung war eher d&auml;mlich.&nbsp;<\/p>\n<p>Ich finde Sie sind da &uuml;ber das Ziel hinaus geschossen. Vor allen Dingen sollten Die, die sich noch wagen im rechts liberalen Mainstream &ldquo;aufzumerken&rdquo; sich nicht gegenseitig fertig zu machen. Augstein ist doch letztlich auf &ldquo;unserer&rdquo; Seite.<\/p>\n<p>Ein vers&ouml;hnliches Wort w&auml;re angebracht, denn in der Sache tun Sie ihm Unrecht.<\/p>\n<p>Das soll nat&uuml;rlich nicht hei&szlig;en auch weiter kritisch Zeitgenossen wie Augstein zu begleiten, wenn es angebracht ist.<\/p>\n<p>J. B.<\/p><\/li>\n<li><strong>Die Retterin Europas<\/strong>\n<p>Die Retterin Europas &ndash; der absolute Nullpunkt des Journalismus <\/p>\n<p>Eine Stellungnahme der NachDenkSeiten zu Jakob Augstein: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.holger-niederhausen.de\/index.php?id=800\">Was Merkel jetzt machen muss<\/a>&ldquo;. <\/p><\/li>\n<li><strong>Ma&szlig;los &uuml;bertrieben<\/strong>\n<p>Ihren j&uuml;ngsten Artikel &uuml;ber Augstein finde ich ma&szlig;los &uuml;bertrieben. Vor allem kommt er zur v&ouml;llig falschen Zeit, sollte es in Europa doch eigentlich um eine Vereinigung derer gehen, die dem Neoliberalismus kritisch gegen&uuml;ber stehen. Bitte versuchen Sie, sich mit Jakob Augstein zu vertragen. Wir k&ouml;nnen uns alles andere derzeit nicht leisten.<\/p>\n<p>F.H.<\/p><\/li>\n<li><strong>Merkel hat in ihrer Blindheit Europa in seine bisher gr&ouml;&szlig;te Katastrophe gef&uuml;hrt<\/strong><br>\n&nbsp;&nbsp;<br>\n&hellip; Sie sprechen mir voll aus dem Herzen! Ihre Kommentierung finde ich &uuml;berhaupt nicht hart, sondern eigentlich noch zahm.<br>\n&nbsp;<br>\nDen Hut vor Jakob Augstein h&auml;tte ich gezogen, wenn er unter dem von ihm gew&auml;hlten Titel argumentativ dargelegt h&auml;tte, dass es allerh&ouml;chste Zeit f&uuml;r Frau Dr. Merkel w&auml;re, ihr Amt aus freien St&uuml;cken zur Verf&uuml;gung zu stellen und nicht in ihrer Blindheit Europa in seine bisher gr&ouml;&szlig;te Katastrophe zu f&uuml;hren.<br>\n&nbsp;<br>\nNachdem ich das taz-Abonnement wegen der uns&auml;glichen Kommentierungen zum Grass-Gedicht gek&uuml;ndigt hatte, dachte ich, dass ich mit &ldquo;Der Freitag&rdquo; ein Wochenblatt gefunden h&auml;tte, wo ich meine Sicht auf die Welt, wie diese zur Zeit sich gibt, widergespiegelt sehe. Aber nachdem ich ein langfristiges Abonnement angestrebt hatte, dann aber in einem Kurzabo von 6 Wochen, Artikel der stellvertretenden Chafredakteurin Jana Hensel&nbsp;und ihrer Sicht auf die Partei Die Linke las, wissend, dass&nbsp;Frau Hensel&nbsp;von ihrer Ausbildung gar nicht in der Lage ist, tiefgr&uuml;ndig und gut argumentierend etwas dar&uuml;ber zu sagen, war auch &ldquo;Der Freitag&rdquo; f&uuml;r mich gestorben.<br>\n&nbsp;<br>\nJakob Augstein hatte ich auch bisher noch in einem anderen Licht gesehen; aber Sie haben mir, betr. seine Person, nun auch&nbsp;die Augen ge&ouml;ffnet.<br>\n&nbsp;<br>\nM. F.&nbsp;<\/li>\n<li><strong>Es geht darum, den Inhalt des Fiskalpakts noch fester zu schreiben<\/strong>\n<p>Ja, was Sie zu Augstein schreiben, ist leider v&ouml;llig richtig.<br>\nUnd wenn Merkel\/Sch&auml;uble f&uuml;r eine Volksabstimmung sind, dann doch um den Inhalt des Fiskalpakts noch fester zu schreiben, und angesichts der in 90 % der deutschen &Ouml;ffentlichkeit vorherrschenden Idiotie w&uuml;rden sie auch noch die Abstimmung gewinnen. Leider bin ich zu alt, um noch emigrieren zu k&ouml;nnen, aber ich halte es kaum noch aus.<br>\n&nbsp;<br>\nH. &ndash; U. B.<\/p><\/li>\n<li><strong>Es scheint eine gezielte Vorbereitung daf&uuml;r zu sein, tats&auml;chlich eine Grundgesetz&auml;nderung mit weit reichenden Folgen vorzubereiten<\/strong>\n<p>&hellip; ich teile ihre Emp&ouml;rung &uuml;ber diesen Artikel und hatte zun&auml;chst nicht verstanden, was er eigentlich erreichen m&ouml;chte.<br>\nNachdem ich heute jedoch das Spiegel-Interview mit Sch&auml;uble gelesen habe und zahlreiche Kommentierungen in Faz etc.,  scheint es mir eine gezielte Vorbereitung daf&uuml;r zu sein, tats&auml;chlich eine Grundgesetz&auml;nderung mit weit reichenden Folgen vorzubereiten. Ich geh&ouml;re auch zu denjenigen, die die Volksabstimmung &uuml;ber den Fiskalpakt und ESM beim Verfassungsgericht einklagen. Hier geht es jedoch um wesentlich mehr. Eine gef&auml;hrliche Entwicklung zeichnet sich ab. Ich hoffe insbesondere bei den Nachdenkseiten gute Kommentare zu finden.<br>\nG.F.<\/p><\/li>\n<li><strong>Ich gebe nicht den Griechen, Spaniern etc. die Schuld an meiner Arbeitslosigkeit<\/strong>\n<p>meinen Respekt f&uuml;r Ihre harte Kommentierung, die wohl in Zukunft noch h&auml;rter ausfallen m&uuml;ssen wird. Die Art der Intervenierung direkt in die Propagandazeilen von Augstein hat mir sehr gut gefallen. Ich fand sie nicht zu hart. Eine sehr gute Art nachzudenken.<br>\n&nbsp;<br>\nIch zitiere nur einen Satz Augsteins, der mich pers&ouml;nlich trifft:<\/p>\n<blockquote><p><em>&ldquo;Aber es wird den deutschen Arbeitslosen nicht helfen, Griechen und Italienern die Schuld zu geben.&rdquo;<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Herr Augstein sollte seine Zunge z&uuml;geln. Ich bin arbeitslos und gebe nicht den Griechen und Italienern, und auch nicht den Spaniern, Portugiesen oder Zyprer .. Ddie Schuld an meiner Arbeitslosigkeit, sondern ganz allein der Bundesregierung. Sie haben mich nicht zu Europa befragt. Und jetzt wollen sie mich befragen.<\/p>\n<p>K.G.<\/p><\/li>\n<li><strong>Zurecht gnadenlose Analyse<\/strong>\n<p>vielen, vielen, vielen Dank f&uuml;r diese herausragende wie &ndash; v&ouml;llig zurecht &ndash; gnadenlose Analyse&nbsp;dieses Artikels von Augstein! Mir war auch sehr, sehr unwohl gewesen beim Lesen des Artikels, doch h&auml;tte ich ihn selbst nat&uuml;rlich niemals so genial sezieren k&ouml;nnen!&nbsp;Aber daf&uuml;r gibt es ja Gott sei Dank Sie und Ihre Nachdenkseiten!&nbsp;<br>\nIch halte es f&uuml;r eine geradezu unverzichtbare, ja epochale&nbsp;Leistung von Ihnen, den Finger tief gerade auch&nbsp;in die Wunde dieses linksliberalen B&uuml;rgertums zu legen&nbsp;und es dahingehend zu entlarven, wie sehr auch in dieser ja selten uneitlen &ldquo;Elite&rdquo; die neoliberale Meinungssaat aufgegangen ist!&nbsp;Dies&nbsp;ist gerade auch f&uuml;r Menschen wie mich, die sich einmal zu dieser &ldquo;Elite&rdquo; z&auml;hlten, ein unglaublich wichtiger und hilfreicher Weckruf!<br>\n&nbsp;<br>\nIhre Gegner werfen Ihnen ja immer wieder vor, Sie seien geradezu pathologisch anf&auml;llig f&uuml;r Verschw&ouml;rungstheorien. Gott sei Dank haben Sie das Wissen und die feinen Antennen, die Intuition und den gesch&auml;rften Wahrnehmungssinn f&uuml;r jede noch so psychologisch fast perfekte Manipulation aus der neoliberalen Ecke! &hellip;<\/p>\n<p>M. P.<\/p><\/li>\n<li><strong>Nur ganz kurz, quasi als Mithilfe zur seelisch-moralischen Wiederbelebung&hellip;<\/strong>\n<p>Es ist wahr, es kann einem schlecht werden&hellip; Aber richtig!&hellip; ging mir nicht anders&hellip; und gerade, weil es von Augstein kommt, ist einem so schlecht&hellip; bei explizit bekannt rechten Schreibtischt&auml;tern oder einem Kauder oder Pofalla oder Br&uuml;derle ist man innerlich in Stellung&hellip; dieses Gew&auml;sch trifft einen irgendwie unvorbereitet.. hat was von Schock, ohne nun &uuml;bertreiben zu wollen, dennoch&hellip; man fragt sich: Kann es wirklich immer noch weiter abw&auml;rts gehen?<\/p>\n<p>O.T.<\/p><\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13671\">diesem Beitrag von gestern<\/a> erreichten uns kontroverse Mails und einige interessante Erg&auml;nzungen, die auch f&uuml;r NachDenkSeiten-Leserinnen und -Leser von Interesse sein d&uuml;rften. 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