{"id":137061,"date":"2025-08-07T09:00:31","date_gmt":"2025-08-07T07:00:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=137061"},"modified":"2025-08-07T15:03:20","modified_gmt":"2025-08-07T13:03:20","slug":"sex-luegen-und-kriegsverbrechen-der-internationale-strafgerichtshof-im-kreuzfeuer-von-politik-und-geheimdiensten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=137061","title":{"rendered":"Sex, L\u00fcgen und Kriegsverbrechen: Der Internationale Strafgerichtshof im Kreuzfeuer von Politik und Geheimdiensten"},"content":{"rendered":"<p>Ein Internationaler Strafgerichtshof (IStGH) sollte Respekt einfl&ouml;ssen &ndash; aber das Gericht in Den Haag wird zunehmend zum Opfer und Spielball des massiven Drucks, den die Diskrepanz zwischen dem Anspruch der westlichen Staaten, internationales Recht hochzuhalten und zu achten, und deren bedingungsloser Unterst&uuml;tzung der Kriegsverbrechen Israels ausl&ouml;st. Die Methoden, die dabei angewendet werden, erinnern an Mafiafilme. Immer mehr Hinweise kommen ans Licht, dass es &ndash; &uuml;ber den politischen Druck und die Sanktionen hinaus &ndash; eine massive Einsch&uuml;chterungskampagne gegen den Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag, insbesondere gegen dessen Chefankl&auml;ger Karim Khan, aber auch andere Mitarbeiter wie den britischen Anwalt Andrew Cayley wegen ihrer Strafverfolgung israelischer Kriegsverbrechen im Gazastreifen und dem Westjordanland gegeben hat. Von <strong>Maike Gosch<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_890\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-137061-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250807-Sex-Luegen-Kriegsverbrechen-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250807-Sex-Luegen-Kriegsverbrechen-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250807-Sex-Luegen-Kriegsverbrechen-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250807-Sex-Luegen-Kriegsverbrechen-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=137061-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250807-Sex-Luegen-Kriegsverbrechen-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250807-Sex-Luegen-Kriegsverbrechen-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Wie die Nachrichtenagentur <a href=\"https:\/\/www.middleeasteye.net\/news\/israeli-lawyer-linked-netanyahu-advisor-warned-karim-khan-drop-war-crimes-case-destroyed\"><em>Middle East Eye (MME)<\/em><\/a> im Juli und die franz&ouml;sische Tageszeitung <a href=\"https:\/\/www.lemonde.fr\/international\/article\/2025\/08\/01\/gaza-la-cour-penale-internationale-dans-la-tourmente_6626041_3210.html\"><em>Le Monde<\/em><\/a> vor einigen Tagen berichteten, sollen durch Drohungen, Intrigen und L&uuml;gen Haftbefehle gegen israelische Politiker verhindert werden oder zumindest erreicht werden, die Verfahren gegen sie geheim und unter Ausschluss der &Ouml;ffentlichkeit stattfinden zu lassen.<\/p><p>Nicht nur haben viele westliche Regierungen (prominent darunter auch deutsche Diplomaten wie die ehemalige Staatssekret&auml;rin im Ausw&auml;rtigen Amt, Susanne Baumann) mit all ihrem politischen und diplomatischen Gewicht Druck auf den IStGH ausge&uuml;bt, um die Strafverfahren gegen israelische Politiker wie den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu, aber auch die als rechtsradikal geltenden Bezalel Smotrich (Finanzminister) und Itamar Ben-Gvir (bis Januar 2025 Minister f&uuml;r die Nationale Sicherheit Israels) zu verhindern.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Der Druck auf den Ankl&auml;ger begann im M&auml;rz 2024. Karim Khan verk&uuml;ndete den Amerikanern, den Franzosen und den Briten seine Absicht, Anklage gegen Benjamin Netanjahu und Yoav Gallant zu erheben. Daraufhin mobilisierte der israelische Premierminister seine Dienste und befahl seinen Verb&uuml;ndeten, &bdquo;alle Mittel&ldquo; einzusetzen, um den Ankl&auml;ger zu stoppen. Am 23. April 2024 war Karim Khan auf einer Mission in Venezuela, als David Cameron ihn anrief. &bdquo;Das ist eine Wasserstoffbombe!&ldquo;, knurrte der britische Au&szlig;enminister. Er warnte, Gro&szlig;britannien werde aus dem Gr&uuml;ndungsvertrag des IStGH austreten, sollte Karim Khan seine Absichten in die Tat umsetzen.&ldquo; <\/em><br>\n<em>(Quelle: <a href=\"https:\/\/www.lemonde.fr\/international\/article\/2025\/08\/01\/gaza-la-cour-penale-internationale-dans-la-tourmente_6626041_3210.html\">Le Monde<\/a>)<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Wie <em>Middle East Eye<\/em> unter Berufung auf interne Quellen und von den Journalisten eingesehene Dokumente berichtet:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Der britische Chefankl&auml;ger des Internationalen Strafgerichtshofs wurde im Mai gewarnt, dass er und der IStGH &bdquo;zerst&ouml;rt&ldquo; w&uuml;rden, wenn die Haftbefehle gegen den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu und den ehemaligen Verteidigungsminister Yoav Gallant nicht zur&uuml;ckgezogen w&uuml;rden.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Warnung wurde Karim Khan von Nicholas Kaufman &uuml;bermittelt, einem britisch-israelischen Verteidiger am Gerichtshof, der Khan mitteilte, er habe mit Netanjahus Rechtsberater gesprochen und sei laut einer bei der ICC hinterlegten und von Middle East Eye eingesehenen Notiz &uuml;ber das Treffen &bdquo;befugt&ldquo;, ihm einen Vorschlag zu unterbreiten, der es Khan erm&ouml;glichen w&uuml;rde, &bdquo;vom Baum herunterzuklettern&ldquo;. Er forderte Khan auf, beim Gericht zu beantragen, die Haftbefehle und die zugrunde liegenden Informationen als &bdquo;vertraulich&ldquo; einzustufen. Dies w&uuml;rde Israel erm&ouml;glichen, Zugang zu den Details der Vorw&uuml;rfe zu erhalten, was ihm derzeit nicht m&ouml;glich ist, und diese unter Ausschluss der &Ouml;ffentlichkeit anzufechten, ohne dass das Ergebnis ver&ouml;ffentlicht wird. Kaufman warnte jedoch, dass &bdquo;alle Optionen vom Tisch&ldquo; seien, sollte sich herausstellen, dass der Chefankl&auml;ger weitere Haftbefehle gegen die rechtsextremen Minister Itamar Ben Gvir und Bezalel Smotrich wegen ihrer F&ouml;rderung illegaler israelischer Siedlungen im besetzten Westjordanland beantrage. Kaufman sagte zu Khan: &bdquo;Sie werden Sie zerst&ouml;ren und sie werden das Gericht zerst&ouml;ren.&ldquo;<\/em><br>\n<em>(Quelle: <a href=\"https:\/\/www.middleeasteye.net\/news\/israeli-lawyer-linked-netanyahu-advisor-warned-karim-khan-drop-war-crimes-case-destroyed\">Middle East Eye<\/a>)<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Khan und seine bei dem Gespr&auml;ch anwesende Frau haben dies als Drohung verstanden. Kaufman selbst bestreitet diese Deutung und erkl&auml;rt, er habe damit nur gemeint, dass weitere Haftbefehle mehr U.S.-amerikanische Sanktionen ausl&ouml;sen w&uuml;rden, was den IStGH zerst&ouml;ren k&ouml;nnte.<\/p><p>Unterdessen stieg der diplomatische und politische Druck auf Khan und den Gerichtshof:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Anfang Mai 2024 beginnt eine wilde Woche. Abwechselnd per Telefon oder Videokonferenz versuchen US-Au&szlig;enminister Antony Blinken, sein Kollege, der Nationale Sicherheitsberater Jake Sullivan, die deutsche Au&szlig;enministerin Susanne Baumann <\/em>(tats&auml;chlich Staatssekret&auml;rin unter der Au&szlig;enministerin Annalena Baerbock, Anm. d. &Uuml;bers.)<em> und US-Senatoren, den Staatsanwalt zum Einlenken zu bewegen. Ihm wird vorgeworfen, die &ndash; noch gar nicht stattfindenden &ndash; Friedensverhandlungen zu untergraben und das Leben israelischer Geiseln in der Hamas-Gefangenschaft zu gef&auml;hrden.<\/em><\/p>\n<p><em>Gleichzeitig versuchen die Amerikaner, die Zust&auml;ndigkeit des Gerichtshofs zugunsten der israelischen Justiz abzulehnen, und zwar im Namen des Komplementarit&auml;tsprinzips. Diese Vertragsklausel besagt, dass der IStGH nur dann eingreift, wenn nationale Gerichte den mutma&szlig;lichen T&auml;ter eines Kriegsverbrechens nicht vor Gericht stellen k&ouml;nnen oder wollen. Vor diesem Hintergrund versucht Washington, die Zusammenarbeit zwischen Israel und der Staatsanwaltschaft zu verbessern. &bdquo;Blinken hat hart daran gearbeitet, uns wieder nach Gaza zu bringen, um Haftbefehlsantr&auml;ge zu vermeiden&ldquo;, sagt eine Quelle beim Gerichtshof.<\/em><\/p>\n<p><em>Trotz der Bombardierungen versucht das Team von Staatsanwalt Khan tats&auml;chlich, vor Ort zu sein. Auf Ersuchen der Pal&auml;stinensischen Autonomiebeh&ouml;rde haben die Beh&ouml;rden in Kairo ihnen die Einreise in den Gazastreifen &uuml;ber die Stadt Rafah an der Grenze zum &auml;gyptischen Sinai genehmigt. Gleichzeitig behauptet Thomas Lynch, ein amerikanischer Berater von Karim Khan, gr&uuml;nes Licht von den Israelis erhalten zu haben. Unter einer Bedingung: Die ICC-Delegation m&uuml;sse die Enklave &uuml;ber den j&uuml;dischen Staat und nicht &uuml;ber &Auml;gypten betreten. &bdquo;Wir haben die Mission nach Rafah abgesagt, aber nie eine schriftliche Genehmigung von den Israelis erhalten!&ldquo;, sagt eine Quelle in der Staatsanwaltschaft und f&uuml;hlt sich betrogen.&ldquo;<\/em><br>\n<em>(Quelle: <a href=\"https:\/\/www.lemonde.fr\/international\/article\/2025\/08\/01\/gaza-la-cour-penale-internationale-dans-la-tourmente_6626041_3210.html\">Le Monde<\/a>)<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>W&auml;hrend Karim Khan trotz der behaupteten Drohungen und des politischen und diplomatischen Drucks nicht einknickte, kam ein Skandal an die &Ouml;ffentlichkeit. Vorw&uuml;rfe gegen ihn, eine langj&auml;hrige Mitarbeiterin &uuml;ber l&auml;ngere Zeit vergewaltigt und sexuell bel&auml;stigt zu haben, wurden durch eine Ver&ouml;ffentlichung im <em>Wall Street Journal<\/em> und anderen westlichen Zeitungen publik.<\/p><p>Ende April berichtete eine Mitarbeiterin Khans gegen&uuml;ber zwei Mitarbeitern des ICC, unter ihnen der US-amerikanische Berater Khans, Thomas Lynch, von angeblichen sexuellen &Uuml;bergriffen durch Khan gegen sie. Thomas Lynch leitete die Vorw&uuml;rfe der Mitarbeiterin an die Personalabteilung weiter. Eine dadurch ausgel&ouml;ste Untersuchung wurde bereits nach f&uuml;nf Tagen ergebnislos abgeschlossen, da die Mitarbeiterin sich weigerte, zu dem Fall Aussagen zu machen. Khan wies alle Vorw&uuml;rfe entschieden zur&uuml;ck.<\/p><p>Thomas Lynch jedoch schickte nach Aussagen eines Mitarbeiters der Kanzlei eine schriftliche Notiz &uuml;ber die Vorg&auml;nge an die Pr&uuml;fer. Diese Notiz gelangte im Oktober 2024 an die Presse.<\/p><p>Aber schon am 10. Mai 2024 (also ca. zwei Wochen nach den Treffen zwischen Khan und Kaufmann) <a href=\"https:\/\/www.wsj.com\/world\/middle-east\/icc-netanyahu-prosecutor-sexual-assault-israel-gaza-d9bedee3\">berichtete das <em>Wall Street Journal<\/em><\/a> &uuml;ber sehr intime Details der Untersuchung und machte alle angeblichen Vorw&uuml;rfe &ouml;ffentlich. Die Zeitung beruft sich dabei auf Insider-Informationen aus Khans Umfeld.<\/p><p>In der Berichterstattung des <em>Wall Street Journals<\/em> und auch vieler anderer Medien wurde unterstellt, Khan habe die Haftbefehle f&uuml;r Netanjahu und Gallant beantragt, um von den Anschuldigungen wegen sexueller Bel&auml;stigung abzulenken. Wenn man sich die Zeitabl&auml;ufe ansieht und auch die lange Vorbereitungszeit der Untersuchungen gegen Israel, erscheint es aber plausibler, dass diese Vorw&uuml;rfe umgekehrt an die Presse durchgestochen wurden, um Khan durch eine Vorverurteilung durch die Welt&ouml;ffentlichkeit zu vernichten, als er sich nicht den direkten Drohungen und dem politischen und diplomatischen Druck beugte, die Antr&auml;ge auf Haftbefehle zur&uuml;ckzuziehen. Das bedeutet nicht, dass die Vorw&uuml;rfe nicht wahr sein k&ouml;nnen &ndash; das wird (hoffentlich) irgendwann festgestellt. Aber wir wissen sp&auml;testens seit Julian Assange, dass schon der Vorwurf von sexuellen Straftaten gen&uuml;gt, um Menschen, die sich starken geopolitischen M&auml;chten entgegenstellen, medial zu vernichten und sie im Spinnennetz von prozessualen Vorgaben so stark zu verstricken, bis sie handlungsunf&auml;hig werden.<\/p><p>Denn, wie <em>MME<\/em> berichtet:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Tats&auml;chlich jedoch wurde die Entscheidung der Staatsanwaltschaft, Haftbefehle zu beantragen, bereits sechs Wochen vor den gegen ihn erhobenen Vorw&uuml;rfen Ende April getroffen, wie MEE bereits berichtet hatte.<\/em><\/p>\n<p><em>MEE wurde aus mehreren Quellen mitgeteilt, dass Khans umfangreiches Team aus Anw&auml;lten und Ermittlern am 16. M&auml;rz 2024 beschlossen hatte, bis Ende April die Voraussetzungen f&uuml;r die Beantragung von Haftbefehlen zu schaffen.<\/em><\/p>\n<p><em>Am 25. M&auml;rz informierte Khan die US-Regierung &uuml;ber seine Entscheidung und k&uuml;ndigte an, dass die Haftbefehle bis Ende April beantragt w&uuml;rden.&ldquo;<\/em><br>\n<em>(Quelle: <a href=\"https:\/\/www.middleeasteye.net\/news\/israeli-lawyer-linked-netanyahu-advisor-warned-karim-khan-drop-war-crimes-case-destroyed\">Middle East Eye<\/a>)<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Dazu kommt, dass die Vorw&uuml;rfe der Bedrohung und illegalen Einflussnahme auf den IStGH und seinen Chefankl&auml;ger Khan in einem gr&ouml;&szlig;eren Zusammenhang zu betrachten sind. Es handelt sich n&auml;mlich mitnichten um einen Einzelfall:<\/p><p>Eine <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/world\/article\/2024\/may\/28\/spying-hacking-intimidation-israel-war-icc-exposed\">Untersuchung der britischen Tageszeitung <em>The Guardian<\/em> gemeinsam mit der israelisch-pal&auml;stinensischen Zeitschrift <em>+972<\/em> und der hebr&auml;ischen Publikation <em>Local Call<\/em><\/a> ergab, dass Israel fast ein Jahrzehnt lang einen geheimen &bdquo;Krieg&ldquo; gegen den Gerichtshof gef&uuml;hrt hat. Das Land setzte seine Geheimdienste ein, um hochrangige Mitarbeiter des IStGH zu &uuml;berwachen, zu hacken, unter Druck zu setzen, zu diffamieren und angeblich zu bedrohen, um die Ermittlungen des Gerichtshofs zu behindern:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Der israelische Geheimdienst hat die Kommunikation zahlreicher ICC-Beamter, darunter Khan und seine Vorg&auml;ngerin als Staatsanw&auml;ltin, Fatou Bensouda, abgefangen und Telefonate, Nachrichten, E-Mails und Dokumente abgeh&ouml;rt.<\/em><\/p>\n<p><em>Die &Uuml;berwachung wurde in den letzten Monaten fortgesetzt und verschaffte dem israelischen Ministerpr&auml;sidenten Benjamin Netanjahu Vorabinformationen &uuml;ber die Absichten der Ankl&auml;gerin. Eine k&uuml;rzlich abgefangene Kommunikation deutete darauf hin, dass Khan Haftbefehle gegen Israelis erlassen wollte, aber laut einer mit dem Inhalt vertrauten Quelle &bdquo;enormem Druck aus den Vereinigten Staaten&ldquo; ausgesetzt war.<\/em><\/p>\n<p><em>Bensouda, die als Chefankl&auml;gerin 2021 die Ermittlungen des IStGH einleitete und damit den Weg f&uuml;r die Ank&uuml;ndigung der vergangenen Woche ebnete, wurde ebenfalls ausspioniert und angeblich bedroht.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Siehe zum <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/law\/2024\/nov\/27\/former-icc-chief-prosecutor-fatou-bensouda-threats-thug-style-tactics\">Fall Bensouda<\/a>:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Netanjahu zeigte gro&szlig;es Interesse an den Geheimdienstoperationen gegen den IStGH und wurde von einer Geheimdienstquelle als &bdquo;besessen&ldquo; von den Abh&ouml;rma&szlig;nahmen in diesem Fall beschrieben. Unter der Aufsicht seiner nationalen Sicherheitsberater waren an den Bem&uuml;hungen die inl&auml;ndische Geheimdienstbeh&ouml;rde Shin Bet sowie die milit&auml;rische Geheimdienstdirektion Aman und die Cyber-Geheimdienstabteilung Unit 8200 beteiligt. Die aus den Abh&ouml;rma&szlig;nahmen gewonnenen Informationen wurden laut Quellen an die Ministerien f&uuml;r Justiz, Ausw&auml;rtige Angelegenheiten und Strategische Angelegenheiten weitergeleitet.<\/em><\/p>\n<p><em>Eine verdeckte Operation gegen Bensouda, die am Dienstag vom Guardian aufgedeckt wurde, wurde pers&ouml;nlich von Netanjahus engem Verb&uuml;ndeten Yossi Cohen geleitet, der zu dieser Zeit Direktor des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad war.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Auch der britische Anwalt Andrew Cayley, der zusammen mit der Amerikanerin Brenda Hollis die Untersuchungen von Verbrechen durch Israelis im Gazastreifen und dem Westjordanland leitet, wurde nach eigenen Aussagen bedroht, <a href=\"https:\/\/www.lemonde.fr\/international\/article\/2025\/08\/01\/gaza-la-cour-penale-internationale-dans-la-tourmente_6626041_3210.html\">wie <em>Le Monde<\/em> berichtet<\/a>:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;&bdquo;<em>Ich habe in Den Haag die schlimmsten Monate meines Lebens erlebt<\/em>&ldquo; (&hellip;)<em> &bdquo;Mir wurde gesagt, ich sei ein Feind Israels und solle auf der Hut sein.&ldquo;<\/em> Kurz nach Donald Trumps Amtsantritt informierte ihn das britische Au&szlig;enministerium<em>,<\/em> dass er auf der Liste des IStGH mit Beamten stehe, die von der neuen US-Regierung mit Sanktionen belegt werden k&ouml;nnten. Im M&auml;rz gab der Anwalt auf und kehrte nach Gro&szlig;britannien zur&uuml;ck.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Im Februar 2025 verh&auml;ngte dann der US-amerikanische Pr&auml;sident Donald Trump per Dekret Sanktionen gegen den IStGH wegen der Haftbefehle gegen Netanjahu und Verteidigungsminister Joav Gallant. Diese haben zur Folge, dass F&uuml;hrungskr&auml;ften, Angestellten und Mitarbeitern des IStGH sowie ihren engsten Familienangeh&ouml;rigen die Einreise in die USA verboten ist. Au&szlig;erdem werden demnach alle Verm&ouml;genswerte, die diese Personen in den USA besitzen, eingefroren.<\/p><p>Khan hat aufgrund der Vorw&uuml;rfe und einer neuen Untersuchung durch das B&uuml;ro f&uuml;r interne Aufsichtsdienste der Vereinten Nationen (OIOS) seinen Dienst vor&uuml;bergehend niedergelegt. Die Ermittlungen gegen Israel liegen seitdem faktisch auf Eis, auch wenn sie offiziell von Nazhat Shameem Khan (nicht verwandt) und Mame Mandiaye Niang weitergef&uuml;hrt werden. Im April 2025 <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/law\/2025\/apr\/28\/icc-judges-order-that-arrest-warrant-requests-in-palestine-case-be-kept-secret\">wies der IStGH seine Mitarbeiter in einer geheimen inneren Anordnung an<\/a>, dass ab diesem Zeitpunkt alle Antr&auml;ge auf Haftbefehle im Falle Pal&auml;stina\/Israel geheimgehalten werden m&uuml;ssen und nicht mehr an die &Ouml;ffentlichkeit gelangen d&uuml;rfen. Dies war vielleicht nicht der Feigheit geschuldet, sondern taktisch, um den &ouml;ffentlichen (und geheimen) Druck auf das Gericht und seine Mitarbeiter zu verringern. Was diese Entscheidung aber nat&uuml;rlich zur Folge hat, ist, dass der IStGH damit seine M&ouml;glichkeit, allein durch die Antr&auml;ge auf einen Haftbefehl Druck auf die israelische F&uuml;hrung aufzubauen, ihre Kriegsverbrechen zu beenden, verloren hat.<\/p><p>In der Berichterstattung von <em>Middle East Eye<\/em>, <em>Le Monde<\/em> und <em>The Guardian<\/em> finden sich noch sehr viel mehr Details, Hinweise, Zitate und Aspekte, die hier nicht alle aufgef&uuml;hrt werden k&ouml;nnen. Das Bild, das sich ergibt, ist das eines massiven Drucks auf den IStGH und sein f&uuml;hrendes Personal. Immer weiter verdichtet sich der Eindruck, dass der Westen dabei ist, die von ihm immer wieder beschworene &bdquo;regelbasierte Ordnung&ldquo; selbst zu zerst&ouml;ren &ndash; und keiner der westlichen Politiker wagt es oder ist willens, sich den immer st&auml;rker um sich greifenden und an die Mafia erinnernden Methoden Israels und seiner Unterst&uuml;tzer entgegenzustellen.<\/p><p><small>Titelbild: lev radin \/ Shutterstock<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/32c988fa02a5425faed0904b9443ce33\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Internationaler Strafgerichtshof (IStGH) sollte Respekt einfl&ouml;ssen &ndash; aber das Gericht in Den Haag wird zunehmend zum Opfer und Spielball des massiven Drucks, den die Diskrepanz zwischen dem Anspruch der westlichen Staaten, internationales Recht hochzuhalten und zu achten, und deren bedingungsloser Unterst&uuml;tzung der Kriegsverbrechen Israels ausl&ouml;st. 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