{"id":137076,"date":"2025-08-07T11:00:24","date_gmt":"2025-08-07T09:00:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=137076"},"modified":"2025-08-07T17:35:32","modified_gmt":"2025-08-07T15:35:32","slug":"kennst-du-das-land-wo-die-kanonen-bluehn-oder-die-erinnerung-an-hiroshima-und-nagasaki","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=137076","title":{"rendered":"Kennst Du das Land, wo die Kanonen bl\u00fchn? Oder: Die Erinnerung an Hiroshima und Nagasaki"},"content":{"rendered":"<p>Der Abwurf der Atombombe auf Hiroshima am 6. August 1945, der &uuml;ber 140.000 Todesopfer forderte, und auf Nagasaki drei Tage sp&auml;ter bleiben Mahnmale ungeheuren menschlichen Leids. Albert Schweitzer, vor 150 Jahren geboren, k&auml;mpfte gegen Atomwaffen und sah sie als v&ouml;lkerrechtswidrig an. Generalmajor Jochen L&ouml;ser kritisierte bereits 1981 die NATO-Atomwaffen-Strategie als Selbstzerst&ouml;rung, warnte vor Fallout, dem elektromagnetischen Impuls (NP-Effekt) und pl&auml;dierte f&uuml;r ein europ&auml;isches Sicherheitsnetz. Der Zwei-plus-Vier-Vertrag verbietet Atomwaffen auf deutschem Boden, doch die aktuelle atomare Teilhabe stellt dies infrage. Jener &bdquo;Sprung zum Frieden&ldquo;, wie Schweitzer ihn unter Verweis auf den damaligen US-Pr&auml;sident Eisenhower forderte, bleibt dringlicher denn je.&nbsp;Von <strong>Klaus Kenke<\/strong>.<br>\n<!--more--><\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Kennst Du das Land, wo die Kanonen bl&uuml;hn? Du kennst es nicht? Du wirst es kennenlernen! &hellip; Dort wachsen unterm Schlips Gefreitenkn&ouml;pfe. Und unsichtbare Helme tr&auml;gt man dort. Gesichter hat man dort, doch keine K&ouml;pfe &hellip; Dort wird man nicht als Zivilist geboren. Dort wird bef&ouml;rdert, wer die Schnauze h&auml;lt. Kennst Du das Land? Es k&ouml;nnte gl&uuml;cklich sein. Es k&ouml;nnte gl&uuml;cklich sein und gl&uuml;cklich machen &hellip; Selbst Geist und G&uuml;te gibt&lsquo;s dort dann und wann! Und wahres Heldentum. Doch nicht bei vielen. Dort steckt ein Kind in jedem zweiten Mann. Das will mit Bleisoldaten spielen. Dort reift die Frucht der Freiheit nicht. Dort bleibt sie gr&uuml;n. Was man auch baut &ndash; es werden stets Kasernen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Verse aus einem Gedicht von Erich K&auml;stner. Geschrieben 1927. Zwischen den Weltkriegen.<\/p><p>1959 war es Albert Schweitzer, der die Welt und besonders uns Deutsche an Geist und G&uuml;te erinnerte.<\/p><p>Wir sind der Unmenschlichkeit verfallen, schreibt er, weil wir an das Ideal des Machtmenschen glauben, der herrscht und alle anderen unterwirft. Wir haben vor der Wissenschaft der Zerst&ouml;rung kapituliert. Wir wagen uns nicht einmal, an das internationale Recht zu erinnern. Es besteht im Grunde nicht mehr. Wir spielen mit dem unmenschlichen Gedanken, Atomwaffen bei den Kriegen der V&ouml;lker einzusetzen.<\/p><p>Albert Schweitzer, vor 150 Jahren geboren, hat wie kein anderer vor den Gefahren eines Atomkrieges gewarnt und f&uuml;r die Abschaffung dieser Waffen gek&auml;mpft. Seine Erkenntnis war: Atomwaffen sind gegen das V&ouml;lkerrecht und k&ouml;nnen auch nicht zur Verteidigung eingesetzt werden. Ein Krieg mit diesen Waffen kann in nichts anderem bestehen als im grausigen, sinnlosen gegenseitigen Vernichten.<\/p><p>Die Verteidigungspolitik unserer Regierung h&auml;tte Albert Schweitzer fundamental widersprochen. Sie l&auml;sst zu, das auf deutschem Boden Atomwaffen stationiert werden, und beteiligt sich an der Gefahr einer Massenvernichtung durch die sogenannte atomare Teilhabe. Deutsche Bomberpiloten sollen sich verpflichten, Atomwaffen einzusetzen.<\/p><p>Eine Gruppe von Offizieren der Bundeswehr unter F&uuml;hrung von Generalmajor Jochen L&ouml;ser hat bereits 1981\/82 ein Konzept entwickelt, das sie Kriegsverhinderungsstrategie nannten.<\/p><p>Es ist einf&auml;ltig, so schreibt er, dass die Menschen Strategien aufbauen, die ihre Selbstzerst&ouml;rung bedeuten. Sie bilden sich ein, das k&ouml;nnte den anderen abschrecken, der ja auch vom Selbstmord bedroht ist. Wer diese Strategie vertr&auml;te, n&auml;hme die gesamte Bev&ouml;lkerung als Geisel. Die Entwicklung der Atomwaffen sei so pr&auml;zise geworden und senke die Schwelle zum Erstschlag.<\/p><p>L&ouml;ser macht auf zwei Faktoren aufmerksam, die uns bedrohen. Zum einen der &bdquo;Fallout&ldquo;. Die radioaktiven Partikel k&ouml;nnen bis in 49 bis 80 Kilometer in die H&ouml;he getrieben werden und innerhalb von drei bis f&uuml;nf Jahren auf die Erde zur&uuml;ckfallen. Da die Erde rotiert, bedroht dieser verz&ouml;gerte Fallout die gesamte Menschheit.<\/p><p>Der zweite Effekt ist der elektronische Impuls oder NP-Effekt. Bei der Detonation eines Atomsprengkopfes (von 10 bis 20 Kilotonnen) in einer H&ouml;he von 100 Kilometern werden durch elektronische Impulse s&auml;mtliche elektromagnetischen Zellen und Leitungen im Radius von 2.400 Kilometern gest&ouml;rt und zerst&ouml;rt. Das betrifft alle zivilen Einrichtungen, besonders Kernkraftwerke, in denen eine Fusionswirkung im GAU-Bereich ausgel&ouml;st werden kann.<\/p><p>Alle zivilen Versorgungseinrichtungen fallen aus, und nicht nur das: Alle Sensoren im milit&auml;rischen Bereich fallen aus, alle Raketen, alle Funkger&auml;te.<\/p><p>Das Fazit lautet: Diese Strategie vernichtet das, was sie erhalten soll, n&auml;mlich die eigenen Lebensgrundlagen.<\/p><p>L&ouml;ser kommt schon damals zu der Erkenntnis: Die NATO-Strategie verst&ouml;&szlig;t gegen das Kriegsv&ouml;lkerrecht. Die Bundeswehr darf nach dem Grundgesetz keine rechtswidrigen Verteidigungsauftr&auml;ge erf&uuml;llen. Deshalb pl&auml;diert L&ouml;ser f&uuml;r ein europ&auml;isches Sicherheitsnetz. Wir brauchen nach seiner Meinung eine Verteidigungsstruktur, die selbst niemanden bedroht, die Sicherheitsbed&uuml;rfnisse des anderen ber&uuml;cksichtigt und einen selbstm&ouml;rderischen atomaren Vernichtungskrieg verhindert.<\/p><p>Der Zwei-plus-Vier-Vertrag vom 12. September 1990 verpflichtet uns nicht nur, &bdquo;die Sicherheit eines Jeden zu ber&uuml;cksichtigen&ldquo;, sondern verpflichtet uns auch zum &bdquo;Verzicht auf Herstellung und Besitz und auf Verf&uuml;gungsgewalt &uuml;ber atomare, biologische und chemische Waffen&ldquo;.<\/p><p>Dies den USA auf deutschem Boden zu gestatten und sich selbst durch den Kauf von Atombombern, die von deutschen Piloten geflogen werden sollen, an einer atomaren Kriegsf&uuml;hrung zu beteiligen, verst&ouml;&szlig;t gegen das V&ouml;lkerrecht, damit gegen das Grundgesetz (Artikel 25) und gegen den Zwei-plus-Vier-Vertrag.<\/p><p>Das V&ouml;lkerrecht auszuhebeln durch die Macht des St&auml;rkeren, muss angesichts unserer Geschichte verboten sein.<\/p><p>Der Abwurf der Atombomben und Hiroshima und Nagasaki am 6. und 9. August 1945 h&auml;tte die Welt warnen m&uuml;ssen, jemals wieder Atomwaffen einzusetzen.<\/p><p>In einem Radioappell von 1958 sagte Albert Schweitzer: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wir haben die Wahl zwischen zwei Risiken. Das eine besteht in der Fortsetzung des unsinnigen Wettr&uuml;stens in Atomwaffen und der damit gegebenen Gefahr eines unvermeidlichen und baldigen Atomkrieges, das andere in dem Verzichten auf Atomwaffen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Zustimmend zitierte Schweitzer US-Pr&auml;sident Eisenhower mit seinen Worten.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Was die Welt heute mehr braucht als einen gigantischen Sprung in den Weltraum, ist ein gigantischer Sprung zum Frieden hin.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Dieser gigantische Sprung ist der Mut und die Hoffnung, so Albert Schweitzer, &bdquo;dass in den Menschen und V&ouml;lkern der Geist der Vern&uuml;nftigkeit den der Unvern&uuml;nftigkeit und Unmenschlichkeit verdr&auml;ngen k&ouml;nne&ldquo;.<\/p><p><small>Titelbild: Hiroshima wenige Tage nachdem die USA mittels des US-Bombers &ldquo;Enola Gay&rdquo; die weltweit erste Atombombe (&bdquo;Little Boy&ldquo;) einsetzten &ndash; Quelle: Shutterstock \/ Everett Collection<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=137018\">Die dunkle Wolke &ndash; oder: Hiroshima ist &uuml;berall!<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=126508\">&bdquo;Die westlichen Eliten haben vergessen, was Krieg ist und was ein Atomkrieg ist&ldquo; &ndash; Interview mit Sergej Karaganow<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=126192\">Nukleares Armageddon: Die unmittelbaren und l&auml;ngerfristigen Auswirkungen eines m&ouml;glichen Atomkriegs<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=121381\">&bdquo;Besuchen Sie Europa, solange es noch steht!&ldquo; &ndash; oder: Das Pentagon l&auml;sst die Folgen eines Atomkriegs in Europa abkl&auml;ren<\/a>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Abwurf der Atombombe auf Hiroshima am 6. 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