{"id":137219,"date":"2025-08-11T09:00:54","date_gmt":"2025-08-11T07:00:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=137219"},"modified":"2025-08-11T19:46:34","modified_gmt":"2025-08-11T17:46:34","slug":"das-ende-der-fahnenstange-was-bedeutet-das-ende-der-waffenlieferungen-durch-deutschland-and-israel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=137219","title":{"rendered":"Das Ende der Fahnenstange? \u2013 Was bedeutet die \u201eAussetzung der Waffenlieferungen\u201c durch Deutschland an Israel?"},"content":{"rendered":"<p>Deutschland genehmigt &bdquo;bis auf Weiteres&rdquo; keine neuen Waffenlieferungen nach Israel. Das <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/deutschland-waffenlieferungen-israel-premier-netanjahu-einnahme-gaza-stadt-protest-hamas-geiseln-v3\/a-73566248\">erkl&auml;rte Bundeskanzler Friedrich Merz<\/a> am Freitagmittag. Begr&uuml;ndet wird dieser Politikwechsel mit der geplanten israelischen &bdquo;Offensive&ldquo; im Gazastreifen. Das israelische Sicherheitskabinett hatte in der Nacht zum Freitag den Plan Benjamin Netanjahus gebilligt, die Stadt Gaza-City zu besetzen und langfristig den gesamten Gazastreifen zu besetzen, um ihn dann sp&auml;ter an &bdquo;arabische Kr&auml;fte&ldquo; zu &uuml;bergeben, wie Netanjahu in einem <a href=\"https:\/\/www.foxnews.com\/media\/netanyahu-vows-take-full-control-gaza-strip-liberate-people-from-hamas\">Interview mit dem US-amerikanischen Sender <em>Fox News<\/em><\/a> erkl&auml;rte. Wobei unklar ist, welche &bdquo;arabischen Kr&auml;fte&ldquo; das sein sollen, und vieles daf&uuml;r spricht, dass Netanjahu plant, die Kontrolle &uuml;ber das gesamte Gebiet von Gaza zu &uuml;bernehmen und auch zu behalten. Von <strong>Maike Gosch<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_331\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-137219-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250811-Ende-der-Fahnenstange-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250811-Ende-der-Fahnenstange-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250811-Ende-der-Fahnenstange-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250811-Ende-der-Fahnenstange-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=137219-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250811-Ende-der-Fahnenstange-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250811-Ende-der-Fahnenstange-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Deutschland war bisher nach den USA der zweitgr&ouml;&szlig;te Waffenlieferant f&uuml;r Israel (<a href=\"https:\/\/thewire.in\/world\/un-special-rapporteur-ben-saul-on-why-arms-export-to-israel-must-stop\/?mid_related_new\">zusammen liefern sie 99 Prozent der Gesamtmenge aller nach Israel exportierten Waffen<\/a>) und auch politisch einer der &bdquo;treuesten&ldquo; und am wenigsten kritischen Partner des Landes, dessen Vorgehen in den letzten zwei Jahren von den meisten internationalen Experten inzwischen <a href=\"https:\/\/www.washingtonpost.com\/world\/2025\/07\/30\/israel-genocide-gaza-scholars-historians\/\">als V&ouml;lkermord bezeichnet wird<\/a>.<\/p><p>Die Reaktionen auf diese Entscheidung der Bundesregierung waren extrem gespalten. W&auml;hrend sie von vielen, auch international, begr&uuml;&szlig;t wurde (so unter anderem von den Vorsitzenden der Parteien Die Linke, der SPD und dem BSW), gab es &ndash; insbesondere von der <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article6896e639dbbc3327c9f81c15\/Dieser-Fehler-wird-lange-fortwirken-Seehofer-kritisiert-Merz-Waffenexportstopp.html\">CDU<\/a> und auch z.B. Julian Reichelt vom Newsportal <a href=\"https:\/\/x.com\/IsraelWarRoom\/status\/1953715170653397267\"><em>nius<\/em><\/a>, aber nat&uuml;rlich auch von israelischer Seite &ndash; heftige Kritik. Unter anderem wurde dem Bundeskanzler vorgeworfen, einmal wieder vor dem Koalitionspartner SPD &bdquo;eingeknickt&ldquo; zu sein und seine bisher unbedingte Unterst&uuml;tzung Israels aus Schw&auml;che aufgegeben zu haben.<\/p><p>Aber eventuell hat die Entscheidung auch noch einen anderen Hintergrund, der mehr mit dem V&ouml;lkerrecht als mit Koalitionsmachtverh&auml;ltnissen zu tun hat. Was genau bedeutet diese Entscheidung der Bundesregierung?<\/p><p>Zun&auml;chst einmal fallen die Einschr&auml;nkungen auf: Es geht nur um zuk&uuml;nftige Genehmigungen. Das hei&szlig;t, alle bisher genehmigten Waffenlieferungen werden weiterhin ausgeliefert, wie Martin Glasenapp vom ECCHR, der mit seinen Kollegen seit April 2024 juristisch gegen die Waffenlieferungen vorgeht, <a href=\"https:\/\/x.com\/MartinGlasenapp\/status\/1953779721335877921\">kritisiert<\/a>.<\/p><p>Dar&uuml;ber hinaus gibt es noch eine weitere Einschr&auml;nkung. In der Erkl&auml;rung hei&szlig;t es, Deutschland werde &bdquo;bis auf Weiteres&ldquo; keine Ausfuhren von R&uuml;stungsg&uuml;tern genehmigen, die &bdquo;im Gazastreifen zum Einsatz kommen k&ouml;nnen&ldquo;. &bdquo;Bis auf Weiteres&ldquo; besagt offensichtlich, dass es nur um eine zeitweise Aussetzung geht, die Lieferungen in Zukunft (wann? unter welchen Bedingungen?) wieder aufgenommen werden sollen. Aber was ist die Bedeutung der Einschr&auml;nkung, dass nur die Waffen nicht geliefert werden, &bdquo;die im Gazastreifen zum Einsatz kommen k&ouml;nnen&ldquo;? K&ouml;nnen nicht alle Waffen (theoretisch) im Gazastreifen zum Einsatz kommen? Wird die Bundesregierung von Israel eine Verpflichtung verlangen, die gelieferten Waffen nicht in Gaza einzusetzen? Wer glaubt, dass Israel, das notorisch internationales Recht ignoriert, sich daran halten wird? Es werden auch im von Israel illegal besetzten Westjordanland zahlreiche Kriegsverbrechen begangen. Dar&uuml;ber hinaus versto&szlig;en auch die israelischen Angriffe gegen Libanon, Syrien und Iran gegen das V&ouml;lkerrecht.<\/p><p>Es kommt hinzu, dass in einem Krieg alle Waffen und Kapazit&auml;ten einer Partei zu einem Gesamtsystem verschmelzen und dieses Gesamtsystem die relative St&auml;rke einer Kriegspartei bestimmt, sodass eine solche Trennung von Waffen je nach Einsatzort an bestimmten Fronten oder in bestimmten Gebieten unrealistisch erscheint.<\/p><p>Wobei der von den Medien, Politikern und auch von Merz in Bezug auf den Konflikt st&auml;ndig verwendete Begriff &bdquo;Krieg&ldquo; nicht passend, sondern sogar irref&uuml;hrend ist. Krieg bezeichnet &uuml;blicherweise eine bewaffnete Auseinandersetzung zwischen zwei vergleichbaren milit&auml;rischen Gegnern, in der Regel Staaten. Im Gazastreifen jedoch steht eine der modernsten Armeen der Welt mit massiver finanzieller und milit&auml;rischer Unterst&uuml;tzung des Westens einer eingesperrten Bev&ouml;lkerung gegen&uuml;ber, deren bewaffnete Gruppen milit&auml;risch unbedeutend sind und die weder &uuml;ber eine Armee noch &uuml;ber eine Luftabwehr verf&uuml;gt. Die israelische Offensive richtet sich auch nicht nur gegen die bewaffneten K&auml;mpfer der Hamas, sondern systematisch gegen zivile Infrastruktur und die Lebensgrundlagen von &uuml;ber zwei Millionen Menschen. Pr&auml;ziser w&auml;re es daher, von einer gro&szlig; angelegten Strafoperation zu sprechen &ndash; mit Elementen, die v&ouml;lkerrechtlich als kollektive Bestrafung oder gar als V&ouml;lkermord zu werten sind.<\/p><p>Aus v&ouml;lkerrechtlicher Sicht ist es hoch problematisch, dass die Bundesregierung bisher Waffen an Israel geliefert hat, w&auml;hrend dokumentierte Kriegsverbrechen stattfinden und der V&ouml;lkermordverdacht vom h&ouml;chsten UN-Gericht best&auml;tigt ist. Juristisch gibt es starke Argumente, dass Deutschland dadurch gegen seine Verpflichtungen aus der Genozid-Konvention, den Genfer Konventionen und dem Waffenhandelsvertrag verst&ouml;&szlig;t &ndash; und sich der Beihilfe zu schwersten internationalen Verbrechen schuldig machen k&ouml;nnte.<\/p><p>Denn die Waffenlieferungen der Bundesregierung an Israel versto&szlig;en mit hoher Wahrscheinlichkeit gegen zentrale v&ouml;lkerrechtliche Verpflichtungen Deutschlands wie die Konvention &uuml;ber die Verh&uuml;tung und Bestrafung des V&ouml;lkermordes (<a href=\"https:\/\/www.un.org\/en\/genocideprevention\/documents\/atrocity-crimes\/Doc.1_Convention%20on%20the%20Prevention%20and%20Punishment%20of%20the%20Crime%20of%20Genocide.pdf\"><strong>Genocide Convention<\/strong><\/a>, UN, 9. Dezember 1948) und dort gegen den Art. I mit der Verpflichtung, V&ouml;lkermord zu verhindern und zu bestrafen, sowie Art. III, der die Strafbarkeit u. a. der <em>Beihilfe<\/em> zum V&ouml;lkermord festlegt. Aber auch gegen die Genfer Konventionen (12. August 1949) (<a href=\"https:\/\/ihl-databases.icrc.org\/en\/ihl-treaties\/gci-1949\/article-1\">Gemeinsamer Artikel 1<\/a> aller vier Konventionen) mit der Verpflichtung, die Einhaltung des humanit&auml;ren V&ouml;lkerrechts <em>zu respektieren und durchzusetzen<\/em>, und gegen den <strong>Vertrag &uuml;ber den Waffenhandel<\/strong> (Arms Trade Treaty vom <strong>2. April 2013<\/strong>), dessen Art. 6 Abs. 3 den Export von Waffen verbietet, wenn der Staat <em>wei&szlig;<\/em>, dass die Waffen f&uuml;r V&ouml;lkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder schwere Verst&ouml;&szlig;e gegen die Genfer Konventionen verwendet werden. Art. 7 Abs. 1 verpflichtet die Staaten zur Risikobewertung und zur Unterlassung des Exports, wenn ein <em>&uuml;berwiegendes Risiko<\/em> besteht, dass die Waffen f&uuml;r solche Verbrechen genutzt werden (siehe Vertragstext des <a href=\"https:\/\/treaties.unoda.org\/t\/att\">Waffenhandelsvertrags<\/a>).<\/p><p>Der Internationale Gerichtshof (ICJ) hat im Verfahren <em>S&uuml;dafrika gegen Israel<\/em> (<a href=\"https:\/\/www.icj-cij.org\/sites\/default\/files\/case-related\/192\/192-20240126-ord-01-00-en.pdf\">Eilentscheidung vom 26. Januar 2024<\/a>) festgestellt, dass der Verdacht auf V&ouml;lkermord in Gaza &bdquo;plausibel&ldquo; ist. Sp&auml;testens seit dieser Entscheidung kann die Bundesregierung nicht mehr glaubhaft geltend machen, sie habe keine Kenntnis von einem erheblichen Risiko. Jede weitere Lieferung von Waffen oder milit&auml;rischer Ausr&uuml;stung seitdem ist somit mit gro&szlig;er Wahrscheinlichkeit als Beihilfe zu schwersten internationalen Verbrechen zu werten.<\/p><p>So auch die <a href=\"https:\/\/www.ipg-journal.de\/regionen\/naher-osten\/artikel\/wie-lange-noch-8431\/\">Einsch&auml;tzung von Prof. Matthias Goldmann<\/a>, Professor f&uuml;r internationales Recht, der erg&auml;nzt:<\/p><blockquote><p>&bdquo;<em>Die einschl&auml;gigen v&ouml;lkerrechtlichen Vorschriften, speziell der Waffenhandelsvertrag, erlegen den Vertragsstaaten eine Sorgfaltspflicht auf. Danach m&uuml;ssen sie fortlaufend das Risiko pr&uuml;fen, dass ihre Waffenexporte den internationalen Frieden, das humanit&auml;re V&ouml;lkerrecht, die Menschenrechte sowie weitere internationale Pflichten gef&auml;hrden. Wird ein &bdquo;&uuml;berwiegendes Risiko&ldquo; f&uuml;r Rechtsverletzungen durch die gelieferten Waffen festgestellt, ist von einem Export abzusehen (Art. 7 (3) des Waffenhandelsvertrags).&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>Durch die Entscheidung versucht die Bundesregierung also vermutlich, sich vor einer Haftbarkeit nach dem V&ouml;lkerrecht zu sch&uuml;tzen. Indem sie den Einsatz der von ihr gelieferten Waffen auf einen Einsatz au&szlig;erhalb des Gazastreifens beschr&auml;nkt, hofft sie vielleicht, &bdquo;genug getan zu haben&ldquo;, um ihre Beihilfe zu V&ouml;lkermord und Kriegsverbrechen in einem m&ouml;glichen sp&auml;teren Verfahren bestreiten zu k&ouml;nnen. Ob das gen&uuml;gt, ist mehr als fraglich.<\/p><p>Au&szlig;erdem l&auml;sst der eingeschr&auml;nkte Stopp der Waffenlieferungen nach einer <a href=\"https:\/\/www.haaretz.com\/israel-news\/security-aviation\/2025-08-09\/ty-article\/.premium\/how-berlins-embargo-can-block-israeli-firms-in-germany-from-selling-weapons-to-israel\/00000198-8b20-d662-adfa-cf2906690000\">Einsch&auml;tzung in der israelischen Zeitung <em>Haaretz<\/em><\/a> einen weiten Spielraum f&uuml;r Israel:<\/p><blockquote><p>\n    &bdquo;<em>Beispielsweise wird die Entscheidung wahrscheinlich keine Auswirkungen auf Exporte im Zusammenhang mit U-Booten oder Schiffen haben, obwohl deutsche Abgeordnete in verschiedenen parlamentarischen Anfragen auf Berichte hingewiesen haben, wonach die &Uuml;berwasserschiffe an der Gaza-Offensive beteiligt waren. (&hellip;)<\/em><\/p>\n<p>    <em>Die globale Natur der Lieferkette k&ouml;nnte Israel bereits eine eingebaute Umgehungsm&ouml;glichkeit f&uuml;r die deutschen Sanktionen bieten. Denn Israel kauft die Motoren f&uuml;r den Namer und den Eitan von einem amerikanischen Unternehmen, Rolls-Royce Solutions America Inc., einer in den USA registrierten Tochtergesellschaft der Rolls-Royce Group, sodass die Transaktion &uuml;ber die USA abgewickelt wird.&ldquo;<\/em><\/p>\n<p>    <em>(aus dem Englischen &uuml;bersetzt von der Autorin)<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Interessant sind zum Hintergrund der Entscheidung auch die folgenden Ausf&uuml;hrungen des in Deutschland lebenden israelischen Politologen und Aktivisten Shir Hever (J&uuml;dische Stimme f&uuml;r gerechten Frieden in Nahost, B&uuml;ndnis f&uuml;r Gerechtigkeit zwischen Israelis und Pal&auml;stinensern) in seinem <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=znV919udYz8\">Interview mit der unabh&auml;ngigen Journalistin Briahna Joy Gray<\/a> vom 7. August 2025, vermutlich vor der Bekanntgabe der Einschr&auml;nkung der deutschen Waffenlieferungen gef&uuml;hrt (ca. Minute 37:00):<\/p><blockquote><p>&bdquo;<em>Das ist keine tragbare politische Situation. Der V&ouml;lkermord in Gaza wird nicht ewig andauern. Er wird ein Ende haben. Und wenn er endet, wird es eine umfassende Aufarbeitung geben, und ich glaube, dass dieser V&ouml;lkermord noch Generationen lang in Erinnerung bleiben wird. (&hellip;)<\/em><\/p>\n<p><em>Ich halte es f&uuml;r unwahrscheinlich, dass alle zur Rechenschaft gezogen werden. Denn die Komplizenschaft des Westens ist so tief, und gerade jetzt &ndash; ich spreche zu Ihnen aus Deutschland, Sie sind in den Vereinigten Staaten, das sind die beiden wichtigsten L&auml;nder, die den V&ouml;lkermord erm&ouml;glichen, und diese L&auml;nder sind zuf&auml;llig auch zwei der m&auml;chtigsten L&auml;nder der Welt. Die USA sowieso, und Deutschland ist das m&auml;chtigste Land in Europa &ndash; daher scheint es unwahrscheinlich, dass diese L&auml;nder zur Rechenschaft gezogen werden, aber das schien auch in anderen historischen Beispielen unwahrscheinlich, als die M&auml;chtigen Gr&auml;ueltaten unterst&uuml;tzt haben. Aber irgendwann enden Gr&auml;ueltaten, und es gibt eine Entwicklung, nach der ich nicht glaube, dass es f&uuml;r Deutschland m&ouml;glich sein wird, einfach so weiterzumachen wie bisher. Viele Juristen werden sagen, dass es einen Teil der deutschen Verfassung gibt, der besagt, dass deutsche Gesetze dem V&ouml;lkerrecht unterliegen, das V&ouml;lkerrecht steht &uuml;ber dem deutschen Recht, etwas, das es in den USA nicht gibt, aber in Deutschland ist es so, sicherlich weil Deutschland der Grund daf&uuml;r ist, dass es V&ouml;lkerrecht in der Welt &uuml;berhaupt gibt. Und wie werden sich diejenigen, die gegen diese Gesetze versto&szlig;en haben, vor Gericht verteidigen? (&hellip;)<\/em><\/p>\n<p><em>Aber man kann bereits die Panik sehen. Die Panik breitet sich aus. Und die Panik ist nat&uuml;rlich in L&auml;ndern, die nicht Deutschland und die Vereinigten Staaten sind, viel deutlicher zu sp&uuml;ren. Wie Norwegen, ein sehr, sehr reiches Land, das jetzt entdeckt hat, dass in seinem Pensionsfonds, dem gr&ouml;&szlig;ten Pensionsfonds der Welt, der einen Wert von Billionen hat, in ein israelisches Unternehmen investiert wurde, ein sehr kleines Unternehmen namens Bet Shemesh Engines, das Motoren f&uuml;r Kampfjets und Drohnen herstellt, die zum Bombardieren des Gazastreifens eingesetzt werden. Der norwegische Pensionsfonds hat sich bereits aus den gro&szlig;en israelischen R&uuml;stungsunternehmen und auch aus einigen US-R&uuml;stungsunternehmen zur&uuml;ckgezogen, aber dieses Unternehmen haben sie &uuml;bersehen. Die Reaktion war Panik. Denn: Oh nein! Wenn sie in dieses Unternehmen investieren, macht sie das mitschuldig, das ist illegal. Die Leute k&ouml;nnten daf&uuml;r tats&auml;chlich ins Gef&auml;ngnis kommen. Deshalb hat Norwegen nun angek&uuml;ndigt, alle seine Investitionen in Israel zu &uuml;berpr&uuml;fen. Sie werden dabei alle Unternehmen &uuml;berpr&uuml;fen, egal ob es sich um R&uuml;stungsunternehmen handelt oder nicht. Denn vielleicht sind diese Unternehmen irgendwie am V&ouml;lkermord beteiligt, und sie wollen nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Man sieht das in Deutschland, man sieht Slowenien, das als erstes Land in Europa ein vollst&auml;ndiges Milit&auml;rembargo gegen Israel verk&uuml;ndet hat, man sieht Spanien, das die Europ&auml;ische Union auffordert, nicht nur den Waffenhandel mit Israel zu beenden, sondern auch das Handelsabkommen mit Israel auszusetzen. Belgien und Irland haben sich diesem Aufruf angeschlossen. Irland ist das erste europ&auml;ische Land, das Produkte aus den Siedlungen verbietet. Die Dinge kommen also in Bewegung.<\/em><\/p>\n<p><em>Und in Deutschland hei&szlig;t es: &bdquo;Oh, wir sind die Einzigen, die nichts unternehmen &ndash; und das ist gef&auml;hrlich.&ldquo; <strong>Ich habe mit einigen deutschen Politikern gesprochen, die sehr dringend versuchen, diesen Kurs zu &auml;ndern, und die sagen: &bdquo;Wir m&uuml;ssen den Handel mit Israel einstellen. Wir m&uuml;ssen aufh&ouml;ren, Waffen nach Israel zu liefern.&ldquo; und so weiter &ndash; wegen der rechtlichen und moralischen Probleme, die damit verbunden sind. Und wenn sie sich innerhalb des deutschen politischen Systems daf&uuml;r einsetzen, und ich spreche hier von gew&auml;hlten Politikern, sogar aus der Koalition, nicht von irgendwelchen marginalen Oppositionsmitgliedern, sto&szlig;en sie auf eine Mauer des Schweigens<\/strong>. Sie bekommen keine Informationen dar&uuml;ber, welche Waffen geliefert werden, wie viele es sind und so weiter. Das wird vor ihnen geheim gehalten, weil sie wissen, dass es illegal ist. Sie wissen, dass sie zur Rechenschaft gezogen werden, also halten sie es geheim. So handelt nicht jemand, der davon &uuml;berzeugt ist, dass er damit durchkommt. So handelt jemand, der wei&szlig;, dass er kriminell ist, der in Schwierigkeiten steckt. Ich denke, das m&uuml;ssen wir anerkennen. Die Rechenschaftspflicht ist nicht etwas, das wir uns nur ausdenken. Wenn unsere Gegner Angst davor haben, dann gibt es sie auch.&ldquo;<\/em><\/p>\n<p>(aus dem Englischen &uuml;bersetzt von der Autorin)\n<\/p><\/blockquote><p>(Hinweis zur Transparenz: Shir Hever hat in der Vergangenheit als Gastautor f&uuml;r die NachDenkSeiten geschrieben.)<\/p><p>Die Entscheidung der Bundesregierung reagiert also offensichtlich auf einen Druck von innen aus der Koalition und soll vermutlich auch dazu dienen, den Vorwurf der Beihilfe zum Begehen von V&ouml;lkermord zu entkr&auml;ften.<\/p><p>Eines zeigt diese Entscheidung der Bundesregierung also, auch wenn sie aus v&ouml;lkerrechtlicher Sicht nicht weitgehend genug ist: Der Druck wird st&auml;rker auf die westlichen Regierungen, das v&ouml;lkerrechtswidrige Vorgehen der israelischen Regierung nicht l&auml;nger zu unterst&uuml;tzen oder ihr Beihilfe zu leisten. Auch der Druck durch die Bev&ouml;lkerung w&auml;chst. Die Demonstrationen gegen das Vorgehen Israels weltweit gehen ungebremst weiter und nehmen eher noch zu (siehe z.B. die riesige Demonstration in Sydney der letzten Woche mit mindestens 100.000 Menschen, einige sprechen sogar von 300.000, die Demonstrationen in Japan und die Demonstration in London am 9. August mit etwa 300.000 Menschen).<\/p><p>Die Entscheidung von Deutschland &ndash; nat&uuml;rlich in Zusammenhang mit der Ank&uuml;ndigung Netanjahus &ndash; scheint auch weitere Bewegung in Europa ausgel&ouml;st zu haben. Wie die schottische Zeitung <a href=\"https:\/\/www.thenational.scot\/news\/25375976.snp-demand-recall-parliament-sanction-benjamin-netanyahu\/\"><em>The National<\/em> berichtet<\/a>, hat die Schottische Nationalpartei (SNP), kurz nachdem die Restriktion der Waffenlieferungen durch Deutschland bekannt wurden, den britischen Premierminister Keir Starmer aufgefordert, das Parlament in Westminster einzuberufen, um ebenfalls Sanktionen gegen die israelische Regierung zu verh&auml;ngen. Auch die Regierungen von Gro&szlig;britannien, D&auml;nemark, Frankreich, Griechenland und Slowenien haben am Sonntag, 10. August, eine <a href=\"https:\/\/www.gov.uk\/government\/speeches\/we-condemn-the-government-of-israels-decision-to-further-expand-its-military-operations-in-gaza-joint-statement-on-the-government-of-israels-decisi\">Erkl&auml;rung<\/a> ver&ouml;ffentlicht, in der sie die Entscheidung der israelischen Regierung verurteilen, ihre Milit&auml;roperationen in Gaza weiter auszuweiten. Leider blieb es hier einmal mehr bei Verurteilungen &ndash; Konsequenzen oder Sanktionen wurden nicht angedroht.<\/p><p>Der Pflicht nach internationalem Recht, einen V&ouml;lkermord nicht nur nicht zu unterst&uuml;tzen, sondern ihn <strong>aktiv zu verhindern<\/strong>, kommt dar&uuml;ber hinaus keine Regierung im Westen bisher nach &ndash; bis auf die Aktivisten der Freedom Flotillas, die gerade eine neue gro&szlig;e Armada (<a href=\"https:\/\/globalsumudflotilla.org\/\">Global Sumud Flotilla<\/a>) von Schiffen vorbereitet, die nach Gaza segeln werden, um die Blockade zu durchbrechen, oder die <a href=\"https:\/\/www.lemonde.fr\/en\/france\/article\/2025\/06\/05\/french-dock-workers-block-arms-shipment-to-israel_6742052_7.html\">Hafenarbeiter in Frankreich<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.business-humanrights.org\/fr\/derni%C3%A8res-actualit%C3%A9s\/greece-dock-workers-prevent-ammunition-being-loaded-for-israel\/\">Griechenland<\/a>, die sich geweigert haben, Waffenlieferungen an Israel zu verladen.<\/p><p><small>Titelbild: Hamara \/ Shutterstock<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=137102\">Einsch&uuml;chterungskampagne gegen ICC-Chefermittler Khan wegen Haftbefehl gegen Netanjahu &ndash; Welche Rolle spielt Deutschland?<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=137061\">Sex, L&uuml;gen und Kriegsverbrechen: Der Internationale Strafgerichtshof im Kreuzfeuer von Politik und Geheimdiensten<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=105280\">Deutschland geht mit der Unterst&uuml;tzung von Kriegsverbrechen ein rechtliches Risiko ein. Von Shir Hever<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/5e19e302740d40559f7b45f498b20301\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deutschland genehmigt &bdquo;bis auf Weiteres&rdquo; keine neuen Waffenlieferungen nach Israel. Das <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/deutschland-waffenlieferungen-israel-premier-netanjahu-einnahme-gaza-stadt-protest-hamas-geiseln-v3\/a-73566248\">erkl&auml;rte Bundeskanzler Friedrich Merz<\/a> am Freitagmittag. Begr&uuml;ndet wird dieser Politikwechsel mit der geplanten israelischen &bdquo;Offensive&ldquo; im Gazastreifen. Das israelische Sicherheitskabinett hatte in der Nacht zum Freitag den Plan Benjamin Netanjahus gebilligt, die Stadt Gaza-City zu besetzen und langfristig den gesamten Gazastreifen zu besetzen,<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=137219\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":18,"featured_media":137220,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,188,171],"tags":[282,2637,302,2129,1917,418,1557,304,1556,1703,2377],"class_list":["post-137219","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-bundesregierung","category-militaereinsaetzekriege","tag-buergerproteste","tag-embargo","tag-gaza","tag-geheimhaltung","tag-genozid","tag-grundgesetz","tag-israel","tag-kriegsverbrechen","tag-usa","tag-voelkerrecht","tag-waffenlieferungen"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/shutterstock_2377138901.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/137219","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/18"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=137219"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/137219\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":137258,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/137219\/revisions\/137258"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/137220"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=137219"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=137219"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=137219"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}