{"id":1374,"date":"2006-06-29T17:05:17","date_gmt":"2006-06-29T15:05:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=1374"},"modified":"2016-02-04T12:46:42","modified_gmt":"2016-02-04T11:46:42","slug":"sind-wir-zu-radikal-eine-anmerkung-zum-selbstverstandnis-der-nachdenkseiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1374","title":{"rendered":"Sind wir zu radikal? Eine Anmerkung zum Selbstverst\u00e4ndnis der NachDenkSeiten:"},"content":{"rendered":"<p>Ein guter Freund der NachDenkSeiten hat nach Lekt&uuml;re meines (AMs) <a href=\"http:\/\/archiv.tagesspiegel.de\/archiv\/25.06.2006\/2608653.asp\" title=\"Externer Link zu http:\/\/archiv.tagesspiegel.de\/archiv\/25.06.2006\/2608653.asp\">Interviews im Tagesspiegel<\/a> mit dem Titel &bdquo;Dumm oder korrupt?&ldquo; die Sorge ge&auml;u&szlig;ert, wir beg&auml;ben uns mit solch harten Formulierungen in die Gefahr, manch Wohlmeinenden abzuschrecken und uns zu isolieren. Diese Gefahr sehen wir auch. Aber was sollen wir machen, wenn das politische Geschehen im Lande solche harten Urteile rechtfertigt, ja geradezu herausfordert? Wir haben viele Nutzer, die froh sind, dass in den NachDenkSeiten nicht um den hei&szlig;en Brei herum geredet wird. Wir haben aber auch andere, denen manche unserer Urteile zu radikal erscheinen, die, obwohl sie eine Grundsympathie f&uuml;r unsere kritische Begleitung des Geschehens haben, die Hoffnung haben, unsere Kritik sei nicht immer berechtigt, die Kritisierten w&uuml;rden doch nach ihrem besten Wissen und Gewissen handeln. Weil uns dieses Problem bewegt, wollen wir an zwei Beispielen unser Dilemma erl&auml;utern. Albrecht M&uuml;ller\/Wolfgang Lieb.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>I. Unsere grunds&auml;tzliche Kritik an der Reformpolitik<\/strong><\/p><p>Wir haben immer wieder gezeigt, welche und wie viele Reformen in Deutschland in den letzten 25 Jahre durchgesetzt worden sind und dass die Vorstellung, diese Art von Reformen w&uuml;rde uns aus der wirtschaftlichen Rezession herausf&uuml;hren, in vieler Hinsicht falsch und unbegr&uuml;ndet ist. Die Misserfolge stellen ja nicht nur wir fest; so hei&szlig;t es etwa dieser Tage in der gewiss nicht gerade radikalen <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/Rub7FC5BF30C45B402F96E964EF8CE790E1\/Doc~E9B508134CBB044C694926B80F35D77FA~ATpl~Ecommon~Scontent.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.faz.net\/s\/Rub7FC5BF30C45B402F96E964EF8CE790E1\/Doc~E9B508134CBB044C694926B80F35D77FA~ATpl~Ecommon~Scontent.html\">FAZ<\/a>:<\/p><p><blckquote>Sicher wei&szlig; man, dass die &bdquo;Reformen&ldquo; nicht das gebracht haben, was versprochen worden war.<\/blckquote><\/p><p>&Uuml;brigens: Wenn die &bdquo;klugen K&ouml;pfe&ldquo; hinter der FAZ das etwas fr&uuml;her gemerkt h&auml;tten, w&auml;re uns mancher Unsinn erspart geblieben.<br>\nWir haben in den NachDenkSeiten und ich habe in meinem Buch &bdquo;Machtwahn&ldquo; im Einzelnen belegt, welche Reformen und warum sie gescheitert sind. Wir haben z.B. gezeigt, dass Schr&ouml;ders und M&uuml;nteferings Coup mit den Neuwahlen vor allem ein Ziel hatte, n&auml;mlich eine kritische Debatte &uuml;ber das Scheitern der Agenda-Politik zu verhindern. Und weil sowohl der Bundespr&auml;sident als auch das Bundesverfassungsgericht die Gefahr sahen, dass dieser &bdquo;Reform&ldquo;-Kurs in eine kritische Lage geraten war, haben sie diesem verfassungspolitischen Hasardspiel die Hand gereicht. Der Bundespr&auml;sident hat gar noch offen zugegeben, dass er sich durch die Neuwahl eine andere Koalition erhofft hatte.<\/p><p>Wir haben in den NachDenkSeiten auch gezeigt, wie trotz des permanenten Scheiterns der neoliberalen Politikkonzepte die Reformdosis immer weiter erh&ouml;ht wurde und mit nahezu allen politischen Kapazit&auml;ten immer nur weiter an Symptomen kuriert wird, aber keine Debatte dar&uuml;ber stattfindet und nichts Entscheidendes geschieht, um unsere Volkswirtschaft mit einer konsequenten, intelligenten und engagierten Makropolitik aus der wirtschaftlichen Krise herauszuholen.<br>\nIm Gegenteil, das Bisschen wirtschaftliche Belebung des Jahres 2006 &ndash; das im &Uuml;brigen &uuml;berwiegend von au&szlig;en und ohne unser Zutun kommt &ndash; wird vermutlich 2007 mit der dreiprozentigen Mehrwertsteuererh&ouml;hung schon wieder konterkariert. Zum Schaden von uns allen.<\/p><p>Wenn mit dieser sogenannten Reformpolitik stur weitergemacht wird, ohne kritische Bestandsaufnahme, ohne endlich einmal nachzudenken, ob das Konzept m&ouml;glicherweise falsch ist, wie soll man dann anders dar&uuml;ber urteilen, als diese Politik mittelm&auml;&szlig;ig und unintelligent oder &ndash; weniger vornehm &ndash; dumm zu nennen? Wie soll man die Sturheit erkl&auml;ren, die die Meinungsf&uuml;hrer in Politik und Wirtschaft, in Publizistik und Wissenschaft &uuml;ber das makro&ouml;konomisch Notwendige hinweg sehen l&auml;sst? Ist es abwegig, dann auch zu fragen, ob dahinter nicht eben nur Dummheit steckt, sondern massive Interessen stecken, die den wirtschaftlichen Niedergang auch dazu nutzen wollen, einen grundlegenden Systemwechsel einzuleiten und vor allem den Arbeitnehmern und den Gewerkschaften nachhaltig jeden Schneid abzukaufen?<br>\nDer &ouml;sterreichische &Ouml;konom Kurt Rothschild sagte einmal ganz richtig: &bdquo;Wenn die Leute nur dumm w&auml;ren, das w&auml;re herrlich, weil Dumme kann man gescheit machen. Aber wenn einer ein Interesse hat, da k&ouml;nnen Sie sich tot reden, der ist gescheit genug zu wissen, was sein Interesse ist und was nicht. Das mit der Dummheit ist sehr gef&auml;hrlich. Die Politiker und die Business-Leute sind nicht dumm.&ldquo;<\/p><p>Wir bestreiten ja nicht, dass sich vieles in der Welt &auml;ndert und es immer wieder der Neujustierung von Regeln und intelligenter L&ouml;sungen von neu auftretenden Problemen bedarf. Aber es ist erstens immer wieder neu die Frage zu stellen, ob in der nun schon lange andauernden labilen wirtschaftlichen Lage die Fortsetzung der heute g&auml;ngigen Art von Reformpolitik &ouml;konomisch sinnvoll ist und vor allem, ob sie die angestrebten Ziele erreichen kann. Wenn etwa die Reformen Hartz I, II, III und IV bei weitem nicht das gebracht haben, was damit versprochen wurde, wenn die vielen Steuersenkungen und Steuerreformen von Kohl und Schr&ouml;der auch nicht andeutungsweise den Investitionsschub gebracht haben, den man erwartet hat, wenn eine Gesundheits- oder Rentenform nach der anderen nachgeschoben werden muss, oder wenn jetzt schon sogar vielen Verantwortlichen klar ist, dass die F&ouml;deralismus-Reform die Lage eher verschlimmbessert als sie zu verbessern, dann m&uuml;sste doch irgendwann den Akteuren klar werden, da sie als &bdquo;Hamster im Laufrad der Reformen&ldquo; nicht wirklich voran kommen. <\/p><p>Es ist zweitens die Forderung angebracht, dass, wenn man wirkliche Reformen in Angriff nehmen m&ouml;chte, diese ohne die heute &uuml;bliche Hektik in allen Facetten durchdacht und auf ihre Vor- und Nachteile f&uuml;r alle Betroffenen abgewogen werden, bevor man sie beschlie&szlig;t und mit der Brechstange implementiert. Die heute g&auml;ngige Trial-and-error-Methode als Politikstil ist unserem Land und seinen Menschen nicht weiter zuzumuten. Schlie&szlig;lich eignen sich unsere Wirtschaft und unsere Gesellschaft nicht als Laborversuch. Wer trotzdem so verf&auml;hrt, hat keine Vorstellung von der Komplexit&auml;t gesellschaftlicher Regelungen, den Schwierigkeiten ihrer Umsetzung in die gesellschaftliche Praxis und der Lernprozesse, die daf&uuml;r bei den Betroffenen notwendig sind. Die Gesellschaft ist keine Aktiengesellschaft, in der ein heroischer Managertyp autorit&auml;r seine Mission durchsetzen kann und wenn es schief geht, die Leute rausgeworfen werden d&uuml;rfen und der Aufsichtsrat anschlie&szlig;end den gescheiterten Manager mit einer dicken Apanage nach Hause schickt. Diesem Manager-Kult scheint aber unser politisches F&uuml;hrungspersonal zu folgen, es setzt die &uuml;ber ein Jahrhundert oder &uuml;ber Jahrzehnte erarbeiteten und erk&auml;mpften Errungenschaften unseres Landes, wie etwa die Grundprinzipien und normativen Auspr&auml;gungen des Sozialstaats, wie die Arbeitslosenversicherung und die gesetzliche Rente aufs Spiel, ohne dabei ernsthaft zu bedenken, was dabei angerichtet wird. Das f&uuml;r die gro&szlig;e Mehrheit der Bev&ouml;lkerung einzige &bdquo;Verm&ouml;gen&ldquo;, zur Absicherung von sozialen Risiken, die soziale Sicherheit, wird dabei in str&auml;flicher Weise und mit unabsehbaren Risiken f&uuml;r den gesellschaftlichen Konsens aufs Spiel gesetzt.<\/p><p>In diesem Zusammenhang nur von &bdquo;dumm&ldquo; zu sprechen, ist wirklich nur eine Verharmlosung.<\/p><p><strong>II. Die bewusst voran getriebene Erosion des Vertrauens in die soziale Sicherung, die &Uuml;bertreibung des so genannten demographischen Problems und die Werbung f&uuml;r Privatisierung und Privatvorsorge.<\/strong><\/p><p>Mein (Albrecht M&uuml;llers) hartes Urteil &bdquo;dumm oder korrupt&ldquo; begr&uuml;nde ich, so auch im Interview mit dem Berliner Tagesspiegel, exemplarisch am Umgang mit der gesetzlichen Altersvorsorge. Hier wird von den Meinungsf&uuml;hrern in Politik, Wissenschaft und Medien so getan, als w&uuml;rde uns die demographische Entwicklung zu einem Systemwechsel oder mindestens zu einer Erg&auml;nzung durch eine &bdquo;zweite S&auml;ule&ldquo;, die Privatvorsorge zwingen. Es wird so getan, als folgten die Finanzprobleme der sozialen Sicherungssysteme aus der demographischen Entwicklung. Dabei wird unterschlagen, dass derzeit jedenfalls von niemandem ein &bdquo;demographisches Problem&ldquo; festgestellt werden kann. Im Gegenteil: die Zahl der jungen Leute, die einen Ausbildungsplatz suchen, steigt und auf die Hochschulen kommt geradezu eine Welle zus&auml;tzlicher Studierender zu, die Babyboomer-Generation schafft eher ein besonders gro&szlig;es Angebot auf dem Arbeitsmarkt. Das kann eigentlich niemand, der mit den Tatsachen ehrlich umgeht, von der Hand weisen. Und dennoch wird auf dem demographischen Problem herumgeritten. Dabei wird schlicht zu unterschlagen beziehungsweise davon abgelenkt, dass die Krise der sozialen Sicherungssystem ihre haupts&auml;chlichen Gr&uuml;nde in der wirtschaftlichen Krise hat und dar&uuml;ber hinaus noch dem Umstand geschuldet ist, dass die sozialen Sicherungssysteme mit versicherungsfremden Leistungen wie zum Beispiel den sozialen Kosten der deutschen Vereinigung belastet wurden. Noch zwei andere wichtige Daten: In Deutschland sind fast 53 Millionen Menschen arbeitsf&auml;hig und 15 Millionen sind &uuml;ber 65 Jahren. Das ist eine gl&auml;nzende Relation von Erwerbspersonenpotential, also zu Arbeit f&auml;higer Generation, zur Rentnergeneration. Unser Problem ist doch: nur noch rund 26 Millionen der potentiell arbeitsf&auml;higen 53 Millionen sind in einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverh&auml;ltnis.<br>\nAuch in den n&auml;chsten Jahrzehnten &auml;ndert sich die Relation nicht so gravierend, dass wir damit nicht fertig w&uuml;rden. Wenn wir unsere Kraft auf eine rationale Besch&auml;ftigungspolitik und die F&ouml;rderung der Produktivit&auml;t konzentrieren w&uuml;rden statt auf die Verwaltung der Arbeitslosigkeit, dann wird die demographische Entwicklung einschlie&szlig;lich der Alterung kein ernsthaftes Problem. Diese Aussage ist in unseren Publikationen und in der NachDenkSeiten wie auch von anderen Autoren, die nicht der g&auml;ngigen Aufgeregtheit verpflichtet sind, immer wieder belegt worden.<\/p><p>Unser Problem ist nicht die Demographie sondern die Wirtschafts- und die dadurch bedingte Besch&auml;ftigungskrise. Wer anderes behauptet, hat die Wirklichkeit falsch analysiert, ist also dumm &ndash; oder, was eben noch viel schlimmer ist, er l&auml;sst sich vor den Karren von Interessen spannen.<\/p><p>So hat die private Versicherungswirtschaft &ndash; von ihr selbst zugegeben &ndash; ein gro&szlig;es Interesse, einen beachtlichen Teil der bisherigen Beitr&auml;ge f&uuml;r die gesetzliche Rente auf die Privatvorsorge umzulenken. Die Politik, gro&szlig;e Teile der Wissenschaft und Publizistik entsprechen diesem Interesse und den interessengeleiteten Argumenten, wenn sie behaupten, wir h&auml;tten ein gravierendes demographisches Problem. Die atavistischen &Auml;ngste der Menschen vor einer &bdquo;&Uuml;beralterung&ldquo; oder einer &bdquo;Unterj&uuml;ngung&ldquo; (Platzeck) werden schamlos ausgenutzt, um politisch eine Umstellung vom Umlageverfahren (gesetzliche Rente) auf Kapitaldeckungsverfahren (Privatvorsorge) bei der Altersvorsorge durchzusetzen. Und die Politik tut alles, um die &Auml;ngste der Menschen vor Altersarmut noch zu sch&uuml;ren. Bei Angst setzt der Verstand aus, sonst w&uuml;rde man wenigstens erkennen, dass selbst, wenn es ein demographisches Problem g&auml;be, die &Auml;nderung des Finanzierungssystems f&uuml;r die Altersvorsorge an der demographischen Relation von Jung und Alt &uuml;berhaupt nichts &auml;ndert.<\/p><p>Die Politik hat die Interessen der privaten Versicherungswirtschaft sowohl durch &bdquo;&Uuml;berzeugungsarbeit&ldquo; als auch durch politisches Handeln bedient. Zu den wichtigen politischen Entscheidungen, die das Vertrauen in die gesetzliche Rente besch&auml;digt haben, geh&ouml;ren zum Beispiel die Erh&ouml;hung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre, die so genannte Entgeltumwandlung, die absurde Fixierung auf eine Beitragsgrenze von 20% wie auch die Einf&uuml;hrung des Nachhaltigkeitsfaktor, der letztlich keine Untergrenze bei den k&uuml;nftigen Renten mehr einkalkulieren l&auml;sst. Alle diese Entscheidungen haben dazu beigetragen, dass die Erwartungen an die zuk&uuml;nftige soziale Altersversorgung gesenkt oder zumindest stark verunsichert worden sind.<\/p><p>Diese politischen Entscheidungen, an der alle etablierten Parteien mitgewirkt haben, werden erg&auml;nzt durch Propaganda und durch Subventionen. Entgegen allen Schw&uuml;ren, Subventionen abzubauen, wird mit der Riester-Rente und ihren Varianten ein zus&auml;tzliches Subventionswesen aufgebaut. Die Privatvorsorge ist offenbar so &bdquo;rentabel&ldquo;, dass sie ohne Subventionen durch Steuergelder nicht auskommt und damit nicht funktioniert. <\/p><p>Schon Minister der rot-gr&uuml;nen Koalition haben sich offen als F&uuml;rsprecher der privaten Rente hervorgetan. Ulla Schmidt &ndash; zum Beispiel &ndash; warb offen im Fernsehen f&uuml;r die Privatvorsorge. Der nieders&auml;chsische Ministerpr&auml;sident Wulff sagt Nullrunden der Rente f&uuml;r nahezu 10 Jahre voraus und sch&uuml;rt damit die Angst vor der Altersarmut. Auch der amtierende Vizekanzler und Arbeits- und Sozialminister und seine Mitstreiter werben unentwegt f&uuml;r Privatvorsorge. M&uuml;ntefering dr&uuml;ckt sich damit st&auml;ndig um das eigentliche Problem, n&auml;mlich sozialversicherungspflichtige Arbeitspl&auml;tze zu schaffen, herum. Schauen Sie auf die <a href=\"http:\/\/www.bmas.bund.de\/BMAS\/Navigation\/rente.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.bmas.bund.de\/BMAS\/Navigation\/rente.html\">Website des Ministeriums von Franz M&uuml;ntefering<\/a>:<\/p><p>Hier ist der Text, den sie dort am 27.6.2006 lesen konnten. (Wir geben ihn wieder f&uuml;r den Fall, dass sich im Zeitablauf dort etwas &auml;ndert.) Es beginnt mit Lippenbekenntnissen zur gesetzlichen Rente:<\/p><blockquote><p><a href=\"http:\/\/www.bmas.bund.de\/BMAS\/Navigation\/rente.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.bmas.bund.de\/BMAS\/Navigation\/rente.html\">Rente<\/a> &ndash; Die gesetzliche Rentenversicherung ist und bleibt die wichtigste S&auml;ule der Alterssicherung in Deutschland. Die Bundesregierung hat das Ziel, die gesetzliche Rentenversicherung nachhaltig auf eine solide Finanzgrundlage zu stellen und langfristig zu sichern.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.bmas.bund.de\/BMAS\/Navigation\/Rente\/gesetzliche-rentenversicherung,did=117772.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.bmas.bund.de\/BMAS\/Navigation\/Rente\/gesetzliche-rentenversicherung,did=117772.html\">Gesetzliche Rentenversicherung<\/a> &ndash; Deutschland verf&uuml;gt &uuml;ber einen hoch entwickelten Sozialstaat. Das Sozialstaatsprinzip ist im Grundgesetz unver&auml;nderbar festgeschrieben (Artikel 20 Absatz 1, Artikel 28 Absatz 1). Sozialstaatlichkeit ist damit Verpflichtung f&uuml;r die Politik. Der Staat soll die Existenzgrundlagen seiner B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger sichern und f&uuml;r den Ausgleich zwischen den sozial Schwachen und den sozial Starken sorgen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.bmas.bund.de\/BMAS\/Navigation\/Rente\/zusaetzliche-altersvorsorge,did=81864.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.bmas.bund.de\/BMAS\/Navigation\/Rente\/zusaetzliche-altersvorsorge,did=81864.html\">Zus&auml;tzliche Altersvorsorge<\/a> &ndash; Das Durchschnittsalter unserer Bev&ouml;lkerung steigt stetig. Bei der gesetzlichen Rentenversicherung kommen immer weniger Beitragszahler auf immer mehr Rentenempf&auml;nger. Um die j&uuml;ngere Generation nicht zu &uuml;berfordern, ist es deshalb unausweichlich, dass in Zukunft die Renten weniger stark steigen als bisher. Damit ist zus&auml;tzliche Altersvorsorge notwendig, um auch im Alter den gewohnten Lebensstandard aufrechterhalten zu k&ouml;nnen. <a href=\"http:\/\/www.bmas.bund.de\/BMAS\/Navigation\/Rente\/altersvorsorge-international,did=81870.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.bmas.bund.de\/BMAS\/Navigation\/Rente\/altersvorsorge-international,did=81870.html\">Internationale Altersvorsorge<\/a> &ndash; Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit, Verl&auml;sslichkeit und Optionalit&auml;t, Solidarit&auml;t und Subsidiarit&auml;t &ndash; dies sind Kriterien, denen die Altersvorsorge auch und in Zukunft gerecht werden muss. In Deutschland haben sich die Rahmenbedingungen, unter denen diese Ziele erreicht werden k&ouml;nnen, ver&auml;ndert: Die Entwicklungen im Bev&ouml;lkerungsaufbau, die Auswirkungen des versch&auml;rften Wettbewerbs, die Umbr&uuml;che auf dem Arbeitsmarkt, die Ver&auml;nderungen von Lebenslagen und -entw&uuml;rfen erfordern eine Neujustierung der Alterssicherung, die Alten und Jungen, Beitragszahlern und Rentnern gerecht wird.<\/p><\/blockquote><p>Und wenn Sie bei &bdquo;Rente&ldquo; <a href=\"http:\/\/www.bmas.bund.de\/BMAS\/Navigation\/Rente\/zusaetzliche-altersvorsorge,did=81864.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.bmas.bund.de\/BMAS\/Navigation\/Rente\/zusaetzliche-altersvorsorge,did=81864.html\">weiter klicken<\/a>, dann k&ouml;nnen Sie folgendes lesen:<\/p><blockquote><p>Das Durchschnittsalter unserer Bev&ouml;lkerung steigt stetig. Bei der gesetzlichen Rentenversicherung kommen immer weniger Beitragszahler auf immer mehr Rentenempf&auml;nger. Um die j&uuml;ngere Generation nicht zu &uuml;berfordern, ist es deshalb unausweichlich, dass in Zukunft die Renten weniger stark steigen als bisher. Damit ist zus&auml;tzliche Altersvorsorge notwendig, um auch im Alter den gewohnten Lebensstandard aufrechterhalten zu k&ouml;nnen. <\/p>\n<p>Die Alterssicherung wird sich in Zukunft st&auml;rker als bisher auf drei S&auml;ulen st&uuml;tzen m&uuml;ssen:<\/p>\n<ul>\n<li>die gesetzliche Rentenversicherung,<\/li>\n<li>die <a href=\"http:\/\/www.bmas.bund.de\/BMAS\/Navigation\/Rente\/Zusaetzliche-Altersvorsorge\/betriebliche-altersvorsorge.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.bmas.bund.de\/BMAS\/Navigation\/Rente\/Zusaetzliche-Altersvorsorge\/betriebliche-altersvorsorge.html\">betriebliche Altersversorgung<\/a> und<\/li>\n<li>die <a href=\"http:\/\/www.bmas.bund.de\/BMAS\/Navigation\/Rente\/Zusaetzliche-Altersvorsorge\/privaten-altersvorsorge.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.bmas.bund.de\/BMAS\/Navigation\/Rente\/Zusaetzliche-Altersvorsorge\/privaten-altersvorsorge.html\">private Altersvorsorge<\/a> (Riester-Rente).<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Staat hilft beim Aufbau einer zus&auml;tzlichen kapitalgedeckten Altersvorsorge mit Zulagen, Steuerverg&uuml;nstigungen und in der betrieblichen Altersversorgung extra Beitragsersparnissen in der Sozialversicherung. Au&szlig;erdem wurden mit dem Alterseink&uuml;nftegesetz die Rahmenbedingungen f&uuml;r die betriebliche Altersversorgung nochmals verbessert und die Attraktivit&auml;t der Riester-Rente erh&ouml;ht. Jeder kann frei w&auml;hlen, ob und wie er sich zus&auml;tzlich absichert. Staatlich gef&ouml;rderte Zusatzvorsorge ist attraktiv und lohnend &ndash; aber keine Pflicht. Vor der Entscheidung &uuml;ber eine private Altersvorsorge oder eine betriebliche Altersversorgung &uuml;ber Entgeltumwandlung sollten immer eine pers&ouml;nliche Vorsorgeanalyse und Pr&uuml;fung stehen (<strong>Checklisten<\/strong>), denn erg&auml;nzende Alterssicherung ist eine langfristige Angelegenheit. Eine Checkliste kann und soll die notwendige individuelle <strong>Beratung<\/strong> nicht ersetzen. Aber sie bietet einen schnellen &Uuml;berblick &uuml;ber die M&ouml;glichkeiten der staatlich gef&ouml;rderten zus&auml;tzlichen Altersvorsorge und hilft, gut informiert zur Beratung zu gehen.<\/p><\/blockquote><p>Das sind schon bemerkenswerte Texte. Sie k&ouml;nnten auch in den Werbebrosch&uuml;ren der Versicherungswirtschaft stehen, jedenfalls passen sie voll und ganz mit der Strategie der Versicherungswirtschaft zusammen. Hier werden die B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger auf Steuerzahlerkosten von den Tatsachen und wirklichen Risiken abgelenkt und es wird &uuml;ber das eigene politische Versagen hinwegget&auml;uscht und um dieses Versagen zu &uuml;berspielen, nimmt man halt gerne die oftmals sprichw&ouml;rtlich wohlfeilen Argumente der starken und einflussm&auml;chtigen wirtschaftlichen Interessenverb&auml;nde auf. Schlie&szlig;lich kann man dann auf einen starken propagandistischen Flankenschutz bauen.<br>\nWenn vom zust&auml;ndigen Ministerium behauptet wird, um &bdquo;die j&uuml;ngere Generation nicht zu &uuml;berfordern&ldquo;, w&auml;re zus&auml;tzliche Altersvorsorge notwendig, &bdquo;um auch im Alter den gewohnten Lebensstandard aufrechterhalten zu k&ouml;nnen&ldquo;, dann wird der Boden rationaler Argumentation verlassen und durch Propaganda ersetzt. Man unterstellt dabei dass die B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger nicht f&auml;hig sind, eins und eins, n&auml;mlich ihre Beitr&auml;ge f&uuml;r die gesetzliche Rente und die Pr&auml;mien f&uuml;r die Privatvorsorge (etwa die Riester-Rente) zu addieren.<\/p><p>Die Spitzen des Sozialministeriums beteiligen sich &uuml;brigens handfest an den g&auml;ngig gewordenen Fehlinformationen zum demographischen Problem. Der Minister selbst spricht, um die Dramatik der Entwicklung so richtig drastisch darzustellen, bei &ouml;ffentlichen Veranstaltungen laut Handelsblatt davon, jedes 2. heute geborene M&auml;dchen werde 100 Jahre alt. Richtig ist, dass vermutlich jedes 75. M&auml;dchen dieses Alter erreichen wird.<br>\nEiner der Staatssekret&auml;re im Sozialministerium, der Staatssekret&auml;r Anzinger, verbreitet die schlichte Unwahrheit &uuml;ber die angeblich einzigartig niedrige Geburtenrate in Deutschland auch noch 10 Tage nach einer offiziellen Richtigstellung durch das Statistische Bundesamt. Zur Begr&uuml;&szlig;ung der Gr&uuml;ndungsversammlung des Demographie-Netzwerkes (ddn) sagte Anzinger w&ouml;rtlich am 27. M&auml;rz, und <a href=\"http:\/\/www.inqa.de\/Inqa\/Redaktion\/Themen\/DemographischerWandel\/Anlagen\/Rede-Antziger-ddn,property=pdf,bereich=inqa,sprache=de,rwb=true.pdf\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.inqa.de\/Inqa\/Redaktion\/Themen\/DemographischerWandel\/Anlagen\/Rede-Antziger-ddn,property=pdf,bereich=inqa,sprache=de,rwb=true.pdf\">das steht immer noch im Netz [PDF &ndash; 52 KB]<\/a>:<\/p><blockquote><p>Herumgesprochen (Sic!) hat sich ebenfalls unsere geringe Geburtenrate. Sie ist nochmals gesunken! Sie betr&auml;gt jetzt in Deutschland 1,36 Kinder je Frau. Hinweis: Das ist weltweit der niedrigste Wert, vom Vatikanstaat abgesehen.<\/p><\/blockquote><p>Richtig ist, dass selbst innerhalb der Europ&auml;ischen Union 10 L&auml;nder eine niedrigere Geburtenrate haben als wir. Wir liegen im unteren Mittelfeld. Aber bei uns kann der Staatssekret&auml;r eines zust&auml;ndigen Ministeriums sich dumm stellen und eine solche Unwahrheit verbreiten, ohne dass die f&uuml;r dumm Verkauften protestieren oder wenigstens laut auflachen.<br>\nMan stelle sich nur einmal den Aufschrei vor, wenn der Staatssekret&auml;r gesagt h&auml;tte, dass das demographische Problem von interessierten Wirtschaftskreisen aufgebauscht w&uuml;rde. Er w&uuml;rde sofort als &bdquo;Radikaler&ldquo; abgetan.<\/p><p><strong>Fazit: Ist unsere Frage &bdquo;Dumm oder korrupt&ldquo; angesichts der hier nur ansatzweise skizzierten Vorg&auml;nge wirklich radikal, ist sie zu radikal? Da diese Vorg&auml;nge keine Einzelf&auml;lle sind, da unser Volk auf ganz vielen Feldern falsch informiert wird und da in vielen F&auml;llen die Interessengebundenheit auch belegbar ist, f&auml;llt es uns von den NachDenkSeiten jedenfalls schwer, unsere Meinung zur&uuml;ckhaltender und weniger klar zu artikulieren. Wir sehen jedenfalls nicht, dass eine gr&ouml;&szlig;ere Zur&uuml;ckhaltung oder M&auml;&szlig;igung im Ton hilfreicher sein k&ouml;nnte, um eine Gegen&ouml;ffentlichkeit zu den vorherrschenden Interessen zu schaffen.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein guter Freund der NachDenkSeiten hat nach Lekt&uuml;re meines (AMs) <a href=\"http:\/\/archiv.tagesspiegel.de\/archiv\/25.06.2006\/2608653.asp\" title=\"Externer Link zu http:\/\/archiv.tagesspiegel.de\/archiv\/25.06.2006\/2608653.asp\">Interviews im Tagesspiegel<\/a> mit dem Titel &bdquo;Dumm oder korrupt?&ldquo; die Sorge ge&auml;u&szlig;ert, wir beg&auml;ben uns mit solch harten Formulierungen in die Gefahr, manch Wohlmeinenden abzuschrecken und uns zu isolieren. Diese Gefahr sehen wir auch. 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