{"id":137432,"date":"2025-08-15T09:00:20","date_gmt":"2025-08-15T07:00:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=137432"},"modified":"2026-01-27T11:54:37","modified_gmt":"2026-01-27T10:54:37","slug":"die-deutsche-russlandpolitik-ist-an-ihrer-realitaetsverweigerung-zerschellt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=137432","title":{"rendered":"Die deutsche Russlandpolitik ist an ihrer Realit\u00e4tsverweigerung zerschellt"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/x.com\/AussenMinDE\/status\/1955311020869669068\">&bdquo;Es ist immer gut, wenn &uuml;ber die Beendigung von Kriegen gesprochen wird&ldquo;<\/a>, sagte Johann Wadephul im Hinblick auf den Ukraine-Krieg im &bdquo;heute journal&ldquo;. Das ist ein Satz, wie ihn jeder Grundsch&uuml;ler h&auml;tte formulieren k&ouml;nnen. Die Aussage dokumentiert den Qualit&auml;tsverfall im Ausw&auml;rtigen Amt und in der Konsequenz: der deutschen Diplomatie. Einer deutschen Russlandpolitik, die an ihrer eigenen Realit&auml;tsverweigerung zerschellt ist, bleibt nur noch die Flucht in die Banalit&auml;t. Ein Kommentar von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_901\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-137432-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250815_Die_deutsche_Russlandpolitik_ist_an_ihrer_Realitaetsverweigerung_zerschellt_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250815_Die_deutsche_Russlandpolitik_ist_an_ihrer_Realitaetsverweigerung_zerschellt_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250815_Die_deutsche_Russlandpolitik_ist_an_ihrer_Realitaetsverweigerung_zerschellt_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250815_Die_deutsche_Russlandpolitik_ist_an_ihrer_Realitaetsverweigerung_zerschellt_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=137432-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250815_Die_deutsche_Russlandpolitik_ist_an_ihrer_Realitaetsverweigerung_zerschellt_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250815_Die_deutsche_Russlandpolitik_ist_an_ihrer_Realitaetsverweigerung_zerschellt_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>W&auml;hrend der Krieg in der Ukraine Opfer im Millionenbereich gefordert hat, f&uuml;hrt sich die deutsche Au&szlig;enpolitik selbst vor &ndash; und merkt es nicht einmal. Dampfplauderei anstelle diplomatischer Brillanz? Johann Wadephul zeigt, wie das geht. &bdquo;Es ist immer gut, wenn &uuml;ber die Beendigung von Kriegen gesprochen wird&ldquo;, sagte Wadephul und zeigte damit: Diese Au&szlig;enpolitik der Bundesrepublik in Sachen Ukraine-Krieg hat au&szlig;er Phrasendrescherei nichts zu bieten. Vom Beginn des Krieges an hat sie sich selbst beschnitten. Das Wissen, das K&ouml;nnen, die Reputation, die im Ausw&auml;rtigen Amt verwurzelt war: mit Ansage herausgerissen und sich einer eiskalten transatlantischen Machtpolitik untergeordnet. Und jetzt, nach &uuml;ber drei Jahren Krieg, wo es &ndash; zumindest vordergr&uuml;ndig &ndash; nach Schritten zum Frieden aussieht, bem&uuml;ht Wadephul die pure Banalit&auml;t.<\/p><p>Das Tragische an dem Auftritt ist: Weder Wadephul selbst noch das Ausw&auml;rtige Amt noch die Bundesregierung scheinen zu erkennen, mit welch minimalistischer Intelligenz die gegenw&auml;rtige Russlandpolitik ausgestattet ist. Das Auftreten Wadephuls &auml;hnelt dem eines uralten, unter Realit&auml;tsverlust leidenden Boxers, der l&auml;ngst seinen Zenit &uuml;berschritten hat und nur noch in v&ouml;lliger Selbst&uuml;bersch&auml;tzung durch den Ring torkelt. Die Zuschauer, der Ringrichter, die Gegner &ndash; alle w&uuml;nschen sich: M&ouml;ge er doch sofort aufh&ouml;ren. Doch Wadephul steht ja nicht im Ring. Er ist kein Boxer und k&auml;mpft nicht. Seine Aufgabe besteht lediglich darin, in einer Situation, die doch l&auml;ngst so klar ist, wie es klarer nicht geht, die richtige Politik zu veranschlagen. Die richtige Politik, das w&auml;re: Vollbremsung! So schnell es nur geht einsehen, dass Deutschland sich in einen Stellvertreterkrieg hat verwickeln lassen; dass Deutschland auf Kosten der Steuerzahler US-amerikanische Tiefenpolitik bedient; dass die Politik der Konfrontation zu Russland gescheitert ist; dass Waffenlieferungen falsch sind und echte Diplomatie n&ouml;tig ist.<\/p><p>W&auml;re das erkannt worden: Die richtigen Worte, ausgef&uuml;llt mit einer inhaltlichen Dichte, die der Reputation des Ausw&auml;rtigen Amtes gerecht w&uuml;rde, sie k&auml;men von allein &uuml;ber die Lippen. Aber diese Ignoranz, diese Verbohrtheit, dieses Nicht-wissen-Wollen, diese Starrk&ouml;pfigkeit, diese feste &Uuml;berzeugung, der &Ouml;ffentlichkeit den gr&ouml;&szlig;ten politischen Schwachsinn auftischen zu k&ouml;nnen, sind seit Langem Kennzeichen der deutschen Politik. Der Auftritt Wadephuls zeigt: Die deutsche Au&szlig;enpolitik ist an ihrem eigenen Realit&auml;tsverlust zerrschellt. Er zeigt ferner das traurige Schauspiel, wie es aussieht, wenn versucht wird, Wrackteile aufzupolieren und als neuwertige, hochwertige Ware anzupreisen. So, wie der uneinsichtige Boxer auch nach seiner K.-o.-Niederlage immer noch glaubt, dass er kurz vor dem Sieg war und es beim n&auml;chsten Mal schaffen wird, so verquer gibt sich die deutsche Russlandpolitik. &Uuml;ber 40 Milliarden Euro hat sie in die Ukraine gepumpt, die deutsch-russischen Beziehungen auf politischer Ebene hat sie mit dem Vorschlaghammer zerschlagen. Die schier unz&auml;hligen toten, verst&uuml;mmelten und traumatisierten Soldaten: Sie liegen doch vor den Augen der deutschen Regierung. Aber diese Politik zeigt sich au&szlig;erstande, die Realit&auml;t anzuerkennen. Was bleibt, sind Aussagen &ndash; l&auml;ngst nicht nur von Wadephul &ndash;, durchtr&auml;nkt von inhaltlicher Trivialit&auml;t.<\/p><p>Es ist immer gut, wenn &uuml;ber die Beendigung von Kriegen gesprochen wird. Es ist immer gut, wenn nicht mehr get&ouml;tet wird. Es ist immer gut, wenn nicht mehr geschossen wird. Es ist immer gut, wenn Frieden ist.<\/p><p>F&uuml;r Erkenntnisse und Aussagen dieser Art bedarf es wahrlich keiner hochbezahlten Top-Diplomaten. Die Welt braucht echte Diplomaten, die tragf&auml;hige L&ouml;sungen ausarbeiten und dann auch f&uuml;r deren Umsetzung sorgen. <em>Das<\/em> hat die deutsche Au&szlig;enpolitik nicht vermocht, und daran muss sie sich messen lassen.<\/p><p><em>Leserbriefe zu diesem Beitrag <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=137834\">finden Sie hier<\/a>.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: paparazzza \/ Shutterstock<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/0380d65b900641e386fc2d956a2cab4c\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/x.com\/AussenMinDE\/status\/1955311020869669068\">&bdquo;Es ist immer gut, wenn &uuml;ber die Beendigung von Kriegen gesprochen wird&ldquo;<\/a>, sagte Johann Wadephul im Hinblick auf den Ukraine-Krieg im &bdquo;heute journal&ldquo;. Das ist ein Satz, wie ihn jeder Grundsch&uuml;ler h&auml;tte formulieren k&ouml;nnen. 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