{"id":137456,"date":"2025-08-15T15:00:27","date_gmt":"2025-08-15T13:00:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=137456"},"modified":"2025-08-15T16:15:08","modified_gmt":"2025-08-15T14:15:08","slug":"korea-vor-80-jahren-blockierte-selbstbestimmung-mit-tragischen-und-anachronistischen-folgen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=137456","title":{"rendered":"Korea vor 80 Jahren: Blockierte Selbstbestimmung mit tragischen und anachronistischen Folgen"},"content":{"rendered":"<p>Heute vor 80 Jahren, am 15. August 1945, herrschten vor allem in Korea unbeschreiblicher Jubel und &uuml;berschw&auml;ngliche Euphorie. Das japanische Kaiserreich hatte &ouml;ffentlich seine Kapitulation bekannt gegeben, womit gleichzeitig die von Koreanern als tiefe Schmach empfundene Besatzung Tokios ein Ende fand. Von 1910 bis Mitte August 1945 war Korea japanische Kolonie und das in Ost- und S&uuml;dostasien am meisten geschundene Objekt kolonialer Unterdr&uuml;ckung. Doch nur kurz w&auml;hrte die &uuml;berbordende Freude: Die Siegerm&auml;chte USA und Sowjetunion hatten eigene Pl&auml;ne im Sinn, wie die Nachkriegsordnung auf der koreanischen Halbinsel aussehen sollte. Ein R&uuml;ckblick unseres Ostasienexperten <strong>Rainer Werning<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nVermissen Sie das Ambiente des Kalten Krieges, gar vermintes Gel&auml;nde, Stacheldrahtverhaue? Oder darf&lsquo;s grundsolides Mauerwerk sein? Dann g&ouml;nnen Sie sich in Zeiten des Urlaubs, lang ersehnter Ferien und saurer Gurken einen Trip nach Korea. Vorzugsweise an den 38. Breitengrad, der die Halbinsel unsch&ouml;n s&auml;uberlich in zwei H&auml;lften teilt &ndash; diesseits eine reale kapitalistische, jenseits eine (real-)sozialistische, beide in recht gut erhaltenem Zustand. Die s&uuml;dliche H&auml;lfte der koreanischen Halbinsel, die <em>Republik Korea (ROK)<\/em>, feiert just am heutigen Tage auch den 77. Jahrestag ihrer Gr&uuml;ndung. Anlass also genug, die vergangenen Dekaden einmal kritisch Revue passieren zu lassen. Die koreanische Halbinsel ist &uuml;berdies ein Hort, wo sich in krassen Systemunterschieden pr&auml;moderne, moderne und postmoderne Elemente verschr&auml;nken, die, wenn von au&szlig;en &ndash; in diesem Fall seitens der USA &ndash; immer wieder unter Druck gesetzt, eine dauerhafte Nord-S&uuml;d-Verst&auml;ndigung erschwer(t)en.<\/p><p><strong>Kellerkind des 20. Jahrhunderts<\/strong><\/p><p>Korea hatte binnen eines Jahrhunderts das uns&auml;gliche Pech, zun&auml;chst als koloniales Objekt &uuml;bel zugerichtet und dann auch noch als postkoloniales Opfer buchst&auml;blich (auf-)geteilt zu werden. Von 1910 bis 1945 w&auml;hrte die japanische Kolonialherrschaft, die sich durch ein brutales militaristisches Regime auszeichnete. Die Koreaner wurden gezwungen, ihre Namen zu japanisieren, und das &ouml;ffentliche Sprechen von Koreanisch ward unter Strafe gestellt. Bei den XI. Olympischen Sommerspielen in Berlin hie&szlig; der &uuml;berlegene Sieger des Marathonlaufs am 9. August 1936 <em>Soh Kee Chung<\/em>, ein Koreaner, der allerdings unter japanischer Flagge starten musste und als Goldmedaillengewinner <em>&bdquo;Kitei Son&ldquo; <\/em>in die offiziellen Sportannalen einging. Massenhaft wurden Koreaner ins Reich des Tenno verschleppt, wo sie unter anderem unter kl&auml;glichen Bedingungen in der R&uuml;stungs- und Werftindustrie sowie in Kohlegruben ihres kolonialen Zuchtmeisters schuften mussten. Ein Gro&szlig;teil der Opfer der Atombombenabw&uuml;rfe &uuml;ber Hiroshima und Nagasaki waren Koreaner. Doch es dauerte Jahre, bis ihrer &uuml;berhaupt gedacht und ihnen zu Ehren ein (relativ versch&auml;mtes) Denkmal errichtet wurde.<\/p><p>Analogien, historische zumal, sind stets mit Vorsicht zu bilden. Doch man vergegenw&auml;rtige sich folgende Konstellation: W&auml;hrend Nazideutschland als Aggressor und Drahtzieher des Zweiten Weltkrieges nach dessen Ende und infolge der Konsequenzen dieses Vernichtungskrieges geteilt wurde, widerfuhr dieses Schicksal nicht etwa Japan, das sich als &bdquo;Licht und Lenker Ostasiens&ldquo; aufgespielt hatte, sondern ausgerechnet Korea als japanischer Exkolonie. Mehr noch: Japan wurde nicht nur nicht als Aggressor mit einer Teilung &bdquo;bestraft&ldquo;; das Hirn und Herz des Militarismus, das Kaiserhaus, blieb unangetastet, und eine &bdquo;Entnazifizierung&ldquo; &agrave; la Deutschland wurde dort allenfalls als <em>low-intensity-learning<\/em> buchstabiert &ndash; sprich: Nur wenige Offiziere der kaiserlichen Armee wurden als Kriegsverbrecher verurteilt und hingerichtet.<\/p><p><strong>Entw&uuml;rfe am Rei&szlig;brett und imperiale Kalk&uuml;le<\/strong><\/p><p>Die euphorische Aufbruchsstimmung in Korea war nach dem Ende des Krieges verst&auml;ndlich. Sie hatte nur einen Haken; die Koreaner machten ihre Rechnung ohne die Wirte. Denn noch vor Kriegsende hatten sich die beiden Siegerm&auml;chte in der Region, die USA und die Sowjetunion, darauf verst&auml;ndigt, die koreanische Halbinsel nach dem Sieg &uuml;ber Japan zun&auml;chst &ndash; einen konkreten Fahrplan gab es nicht &ndash; treuh&auml;nderisch zu verwalten. Statt in Freiheit einen Neubeginn auf der gesamten Halbinsel in eigener Regie zu gestalten, diente der 38. Breitengrad als Trennlinie der Nachkriegsordnung. Das Gebiet n&ouml;rdlich davon wurde zur Einflusssph&auml;re der Roten Armee deklariert, w&auml;hrend im S&uuml;den US-Truppen unter dem Kommando von General Douglas MacArthur anlandeten und dem Land anstelle von Freiheit eine verh&auml;ngnisvolle &bdquo;Befriedung&ldquo; einbrockten. Die &ndash; wiewohl kurzlebige &ndash; <em>Volksrepublik Korea <\/em>l&ouml;sten sie auf, die landesweit als Keimzellen eines demokratischen Neubeginns entstandenen Volkskomitees wurden im S&uuml;den verfolgt und zerschlagen. Und zu allem &Uuml;berfluss wurde mit Rhee Syngman ein Erzkonservativer eigens aus dem US-amerikanischen Exil nach S&uuml;dkorea ausgeflogen und dort mit US-Weihen zum ersten Pr&auml;sidenten eines Landes gek&uuml;rt, das sich am 15. August 1948 offiziell den Namen <em>Republik Korea<\/em> gab. Garniert wurde dieser &bdquo;Regimewechsel&ldquo; damit, dass Rhee sich au&szlig;er auf US-Bajonette auch noch auf den aus der japanischen Kolonial&auml;ra nahtlos her&uuml;bergeretteten und intakt gebliebenen Polizei- und Geheimdienstapparat st&uuml;tzen konnte.<\/p><p>Als sei das aus koreanischer Perspektive nicht schon tragisch genug, musste vor allem die Art und Weise verbl&uuml;ffen, wie es &uuml;berhaupt zur Bestimmung des 38. Breitengrads als Demarkationslinie zwischen Nord und S&uuml;d kam. Gezogen wurde sie von den beiden amerikanischen Obersten Dean Rusk und Charles &bdquo;Tic&ldquo; H. Bonesteel III., die seinerzeit im Team von George C. Marshall, dem Generalstabschef des Heeres, dienten. Ihnen oblag die Aufgabe, mit Blick auf Korea, das von den Alliierten &bdquo;auf unbestimmte Zeit treuh&auml;nderisch&ldquo; verwaltet werden sollte, schnellstm&ouml;glich eine Trennlinie f&uuml;r die amerikanischen und sowjetischen Besatzungszonen zu ziehen. Sie verwendeten dabei eine Karte von <em>National Geographic<\/em> und w&auml;hlten den 38. Breitengrad, weil er die koreanische Halbinsel ungef&auml;hr in zwei H&auml;lften teilte. Die Eile war geboten, weil man in Washington bef&uuml;rchtete, die Rote Armee k&ouml;nnte die gesamte Halbinsel besetzen. US-Truppen befanden sich zu der Zeit n&auml;mlich noch knapp 1.000 Kilometer entfernt auf Okinawa und betraten erst Anfang September 1945 koreanischen Boden.<\/p><p>Der sp&auml;tere US-Au&szlig;enminister Dean Rusk erinnerte sich in seinen 1990 erschienenen Memoiren <em>&bdquo;As I Saw It&rdquo;<\/em> an diese Erfahrung:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>W&auml;hrend einer Sitzung am 14. August 1945, dem Tag der japanischen Kapitulation, zogen sich [Bonesteel] und ich sp&auml;t in der Nacht in einen Nebenraum zur&uuml;ck und studierten intensiv eine Karte der koreanischen Halbinsel. Unter immensem Zeitdruck standen wir vor einer gewaltigen Aufgabe: Wir mussten eine Zone f&uuml;r die amerikanische Besatzung ausw&auml;hlen. Weder Tic (der langj&auml;hrige Spitzname von Bonesteel seit den Tagen seiner Ausbildung in der US-Milit&auml;rakademie West Point &ndash; Anm. RW) noch ich waren Korea-Experten, aber es schien uns, dass Seoul, die Hauptstadt, im amerikanischen Sektor liegen sollte. Wir wussten auch, dass die US-Armee eine ausgedehnte Besatzungszone ablehnte. Anhand einer Karte von National Geographic suchten wir n&ouml;rdlich von Seoul nach einer geeigneten Trennlinie, konnten jedoch keine nat&uuml;rliche geografische Grenze finden. Stattdessen sahen wir den 38. Breitengrad und beschlossen, diesen vorzuschlagen &hellip; [Unsere Kommandeure] akzeptierten ihn ohne gro&szlig;e Diskussionen, und &uuml;berraschenderweise taten dies auch die Sowjets.&ldquo; (&Uuml;bersetzung: RW)<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Es sei hier lediglich noch angemerkt, dass <em>kein<\/em> Koreaner in diesen Entscheidungsprozess einbezogen ward!<\/p><p><strong>Hei&szlig;e Phase des Kalten Krieges<\/strong><\/p><p>N&ouml;rdlich des 38. Breitengrads nutzte derweil die Sowjetunion ihren Einfluss, um die Volkskomitees agieren zu lassen, die antijapanische Partisanengruppe um Kim Il-Sung politisch aufzuwerten und ihr zur Macht zu verhelfen. Zugute kam Kim Il-Sung dabei eine bereits 1946 eingeleitete Agrarreform, was ihm in der Bev&ouml;lkerung gro&szlig;e Sympathien eintrug. Gut drei Wochen nach der Staatsgr&uuml;ndung im S&uuml;den wurde am 9. September 1948 die <em>Demokratische Volksrepublik Korea<\/em> <em>(DVRK)<\/em> ausgerufen. W&auml;hrend wenig sp&auml;ter die letzten Kontingente der Roten Armee das Land verlie&szlig;en, st&uuml;tzte sich Rhee im S&uuml;den immer mehr auf die USA, die dort seitdem ununterbrochen mit Truppen pr&auml;sent sind, deren St&auml;rke heute 28.500 GIs betr&auml;gt.<\/p><p>Durch eine von au&szlig;en tatkr&auml;ftig gesch&uuml;rte politische Entfremdung auf der koreanischen Halbinsel und die Gr&uuml;ndung der <em>Volksrepublik China<\/em> im Oktober 1949 geriet der 38. Breitengrad unfreiwillig zur Demarkationslinie einer eskalierenden West-Ost-Blockkonfrontation &ndash; mit verheerenden Konsequenzen: Ausgerechnet Korea lieferte von Juni 1950 bis Juli 1953 das Schlachtfeld des gr&ouml;&szlig;ten Gemetzels nach dem Zweiten Weltkrieg, ein Bruderkrieg, der durch den Einsatz der USA, UN-Truppen und sogenannter chinesischer Freiwilligenverb&auml;nde internationalisiert wurde. Die Welt geriet erneut an den Abgrund, als General MacArthur damit drohte, durch &bdquo;Pulverisierung&ldquo; &ndash; sprich: atomare Verw&uuml;stung &ndash; grenznaher chinesischer St&auml;dte den Krieg abzuk&uuml;rzen. Zur Kriegshinterlassenschaft z&auml;hlt nicht nur eine Generation schwer traumatisierter Menschen in Nord und S&uuml;d, sondern auch ein am 27. Juli 1953 unterzeichnetes Waffenstillstandsabkommen, das bis heute nicht in einen Friedensvertrag &uuml;berf&uuml;hrt wurde! S&uuml;dkoreas Pr&auml;sident Rhee hatte dieses Abkommen nicht einmal unterzeichnet, weil er den Krieg fortsetzen wollte. Derweil hockten im fernen Deutschland, zumindest in dessen Westteil, Eltern an Kinderbettchen und summten ihre Herzallerliebsten mit dem makabren Reim in den Schlaf:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Ei, ei, ei Korea, der Krieg r&uuml;ckt immer n&auml;her. Und r&uuml;ckt der Krieg nicht n&auml;her, so bleibt er in Korea.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Unterschiedliche Entwicklungswege<\/strong><\/p><p>Lange bevor Wirtschafts- und Politikwissenschaftler ab zirka Mitte der Siebzigerjahre wegen seiner makro&ouml;konomischen Erfolge das &bdquo;Modell S&uuml;dkorea&ldquo; &uuml;berschw&auml;nglich priesen, &uuml;bte die Volksrepublik mit ihrem staatlich verordneten Kurs des <em>Dschutsche<\/em> (Vertrauen in die eigene Kraft) als Konzept autozentrierter Entwicklung betr&auml;chtliche Faszination in vielen seit 1960 unabh&auml;ngig gewordenen L&auml;ndern des Trikonts aus. Und w&auml;hrend sich der Norden aus den sino-sowjetischen Debatten um die ideologische Vorherrschaft in der internationalen kommunistischen und Arbeiterbewegung heraushielt, daf&uuml;r als &bdquo;zentristisch&ldquo; gescholten wurde, im <em>Rat f&uuml;r Gegenseitige Wirtschaftshilfe<\/em> lediglich einen Beobachterstatus innehatte und sich vis-&agrave;-vis Moskau und Beijing in &Auml;quidistanz &uuml;bte, verordneten S&uuml;dkoreas Milit&auml;rmachthaber, gest&uuml;tzt auf US-Bajonette und massive Wirtschafts-, Finanz- und Milit&auml;rhilfe aus Washington, dem Land einen brachialen Kapitalismus. Der holte im Zeitraffer jene Entwicklung nach, f&uuml;r die L&auml;nder in Europa einige Jahrhunderte brauchten.<\/p><p><strong>Frontstaat S&uuml;dkorea<\/strong><\/p><p>Wurde S&uuml;dkorea bereits vor Jahren nach Japan als zweites asiatisches Land in den erlauchten Klub der in Paris ans&auml;ssigen <em>Organisation f&uuml;r wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) <\/em>aufgenommen, wurde Nordkorea seit Mitte der Neunzigerjahre von verheerenden D&uuml;rre- und Flutkatastrophen heimgesucht und seine Bev&ouml;lkerung durch Hungersn&ouml;te gebeutelt. Pr&auml;sentiert sich die s&uuml;dliche Hauptstadt Seoul als kosmopolitische Metropole und l&auml;rmender Moloch mit glitzernden Glas- und Betonfassaden, f&uuml;hlt man sich in der n&ouml;rdlichen Hauptstadt Pj&ouml;ngjang an die VR China zu Zeiten der <em>Gro&szlig;en Proletarischen Kulturrevolution <\/em>erinnert &ndash; inklusive h&auml;ufiger Massenauftritte und mit martialisch-pathetischer Marschmusik begleiteten Arbeitseins&auml;tzen von Soldaten und Zivilisten.<\/p><p>W&auml;hnt sich die Zivilregierung in Seoul als aufgekl&auml;rt, demokratisch und offen f&uuml;r die Herausforderungen der Globalisierung, so zieht dennoch die geheimniskr&auml;merische koreanische CIA, die sich besch&ouml;nigend <em>Nationale Beh&ouml;rde f&uuml;r Sicherheitsplanung (ANSP) <\/em>nennt, hinter den Kulissen die Strippen. Pikanterweise st&uuml;tzt sich die ANSP auf das archaische <em>Nationale Sicherheitsgesetz<\/em>, das, wenngleich zigmal modifiziert, seit der Staatsgr&uuml;ndung im Jahre 1948 zum juristischen Regelwerk der Republik geh&ouml;rt und mit dem die Beh&ouml;rden sowohl &bdquo;Propaganda f&uuml;r Nordkorea und den Kommunismus&ldquo; ahnden als auch Besuche in die Volksrepublik streng reglementieren und Zuwiderhandlungen teils drakonisch bestrafen. Nordkorea bekennt sich indes offiziell nach wie vor zum &bdquo;Sozialismus eigener Pr&auml;gung&ldquo;.<\/p><p>Sichtbares Relikt des entlang des 38. Breitengrades noch immer virulenten Kalten Krieges ist die &bdquo;Koreanische Mauer&ldquo;, ein milit&auml;risch hermetisch abgeriegeltes Terrain, das in etwa vier Kilometern Breite und 240 Kilometern L&auml;nge den Norden und S&uuml;den Koreas voneinander abschottet. Dieses Areal nennt sich &bdquo;demilitarisierte Zone&ldquo; &ndash; kurz: DMZ, ein Begriff, der vernagelten Hirnen von Kommissk&ouml;pfen entstammt &ndash;, das Washington seit Ende Januar 2002 als notwendigen &bdquo;Schutzwall&ldquo; gegen die &bdquo;Achse des B&ouml;sen&ldquo; erachtet, zu der neben Irak und Iran eben auch die Volksrepublik z&auml;hlt. Diese Begriffe werden bis heute verwendet, wiewohl dieser Vorwurf mal mehr und mal weniger schrill erklingt. Anstatt einen innerkoreanischen Ann&auml;herungsprozess zu bef&ouml;rdern, unternimmt Washington bis dato alles, um im Rahmen des neuerlich gest&auml;rkten milit&auml;rischen Dreierb&uuml;ndnisses USA-Japan-S&uuml;dkorea die DVRK zu provozieren und ihre politische F&uuml;hrung zu destabilisieren. Je geringer eine externe Einmischung ist, umso gr&ouml;&szlig;er w&auml;ren die Chancen, dass sich auf der Halbinsel wenn schon absehbar keine (Wieder-)Vereinigung, so doch zumindest ein geregelter, friedlicher Modus Vivendi einstellte.<\/p><p><strong>Anachronistisch, doch in Washington als zeitgem&auml;&szlig; erachtet<\/strong><\/p><p>70 Jahre nach dem Ende des Koreakrieges herrscht auf der Halbinsel ein fragiler Frieden mit dem l&auml;ngsten Waffenstillstand aller Zeiten! W&auml;hrend sowjetische Soldaten bereits Ende der 1940er-Jahre die Region verlie&szlig;en, sind bis zum heutigen Tage noch immer US-amerikanische Soldaten in S&uuml;dkorea stationiert &ndash; zurzeit 28.500 Mann. Camp Humphreys, offiziell bekannt als <em>United States Army Garrison Humphreys (USAG-H),<\/em> ist die gr&ouml;&szlig;te US-Milit&auml;rbasis im Ausland und befindet sich in Pyeongtaek, circa 65 Kilometer s&uuml;dlich der Metropole Seoul entfernt. Sie dient als Hauptquartier f&uuml;r die 8. US-Armee, die 2. Infanteriedivision, und ist das Zentrum aller US-Streitkr&auml;fte im Land.<\/p><p>Camp Humphreys operiert mit weltweit einzigartiger Kommandostruktur, die es einem US-amerikanischen Vier-Sterne-General im Ernstfall erlaubte, auch Befehlshaber &uuml;ber s&uuml;dkoreanische Verb&auml;nde zu sein. Das am 7. November 1978 eingerichtete <em>ROK\/U.S. Combined Forces Command (CFC)<\/em> ist das Hauptquartier f&uuml;r eine etwaige Kriegf&uuml;hrung gegen die DVRK. Um diese Aufgabe zu erf&uuml;llen, hat das CFC die operative Kontrolle &uuml;ber mehr als 600.000 aktive Milit&auml;rangeh&ouml;rige aller Streitkr&auml;fte beider L&auml;nder. In Kriegszeiten k&ouml;nnte die Verst&auml;rkung etwa 3,5 Millionen ROK-Reservisten sowie zus&auml;tzliche US-Streitkr&auml;fte umfassen, die von au&szlig;erhalb der ROK eingesetzt w&uuml;rden.<\/p><p>Das CFC steht unter dem Kommando eines Vier-Sterne-US-Generals &ndash; seit dem 20. Dezember 2024 ist das <em>General Xavier T. Brunson<\/em>, in Personalunion Befehlshaber der <em>Vereinten Nationen<\/em>, des CFC sowie der <em>United States Forces Korea (UNC\/CFC\/USFK) <\/em>&ndash; mit einem Vier-Sterne-General der koreanischen Armee als stellvertretendem Kommandeur. In der gesamten Kommandostruktur gilt die binationale Besetzung: Ist der Leiter einer Stabsabteilung ein Koreaner, so ist sein Stellvertreter ein Amerikaner und umgekehrt.<\/p><p>Die wichtigste Feld&uuml;bung war lange Zeit die <em>Team-Spirit<\/em>-Serie, die 1976 begann und mitunter fast 200.000 koreanische und US-amerikanische Soldaten umfasste. Getrennte Gefechtsstand&uuml;bungen der ROK und der USA wurden 1976 als <em>Ulchi Focus Lens (UFL)<\/em> zusammengefasst. Seit Dezember 2006 &auml;nderte sich der Name, sodass die gemeinsamen Man&ouml;ver nunmehr unter dem Namen <em>Ulchi Freedom Guardian (UFG)<\/em> firmieren. Dabei handelt es sich um eine j&auml;hrliche gemeinsame und kombinierte, simulationsgest&uuml;tzte Gefechtsstand&uuml;bung mit Hilfe modernster <em>Wargaming<\/em>-Computersimulationen und unterst&uuml;tzender Infrastrukturen.<\/p><p>All das wird besch&ouml;nigend im Namen von &bdquo;B&uuml;ndnistreue&ldquo;, der &bdquo;Aufrechterhaltung von Frieden und Sicherheit in der Region&ldquo; sowie als &bdquo;Abschreckung nordkoreanischer Abenteuer&ldquo; regelm&auml;&szlig;ig in Szene gesetzt. Kein Wunder, dass sich die politische F&uuml;hrung in Pj&ouml;ngjang nicht tatenlos zur&uuml;cklehnte, sondern im systemimmanenten Sinne einer eigenen &Uuml;berlebensstrategie die Option favorisierte, zur neunten atomaren Macht aufzusteigen. Dort ist die &ndash; milde formuliert &ndash; erratische Politik eines Donald Trump unvergessen, der noch im Herbst 2017 w&auml;hrend seiner ersten Amtszeit der DVRK mit &bdquo;Vernichtung&ldquo; drohte, um gut ein halbes Jahr sp&auml;ter in trautem Beisein mit Nordkoreas Staatschef Kim Jong-Un den 38. Breitengrad symbolisch zu &uuml;berqueren.<\/p><p><strong>Weiterf&uuml;hrende Lekt&uuml;re &amp; Links<\/strong><\/p><ul>\n<li>Dean Rusk as Told to Richard Rusk (1990): <em>As I Saw it.<\/em> New York City: W. W. Norton<\/li>\n<li>Michael Fry (2013): <a href=\"https:\/\/www.nationalgeographic.com\/science\/article\/130805-korean-war-dmz-armistice-38-parallel-geography\">nationalgeographic.com\/science\/article\/130805-korean-war-dmz-armistice-38-parallel-geography<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.usfk.mil\/About\/CFC\/\">usfk.mil\/About\/CFC\/<\/a><\/li>\n<li>Commander UNC\/CFC\/USFK &gt; United States Forces Korea: <a href=\"https:\/\/www.usfk.mil\/About\/Leadership\/Article-View\/Article\/1685489\/commander-unccfcusfk\/\">usfk.mil\/About\/Leadership\/Article-View\/Article\/1685489\/commander-unccfcusfk\/<\/a><\/li>\n<li>Statement of General Xavier T. Brunson &ndash; Commander, United Nations Command, Commander, United States-Republic of Korea Combined Forces Command, Commander, United States Forces Korea &ndash; before the 119th Congress, House Armed Service Committee, 9 April 2025: <a href=\"https:\/\/armedservices.house.gov\/uploadedfiles\/fy26_usfk_posture_statement_final_-_hasc_9_apr_25.pdf\">armedservices.house.gov\/uploadedfiles\/fy26_usfk_posture_statement_final_-_hasc_9_apr_25.pdf<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.defense.gov\/News\/News-Stories\/Article\/Article\/4152129\/top-general-says-north-korea-continuing-weapons-development-becoming-more-isola\/\">defense.gov\/News\/News-Stories\/Article\/Article\/4152129\/top-general-says-north-korea-continuing-weapons-development-becoming-more-isola\/<\/a><\/li>\n<li>Du-Yul Song\/Rainer Werning (2012): <em>Korea: Von der Kolonie zum geteilten Land.<\/em> Wien: Promedia Verlag<\/li>\n<\/ul><p><small>Titelbild: Mehaniq\/shutterstock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute vor 80 Jahren, am 15. 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