{"id":137588,"date":"2025-08-18T09:00:30","date_gmt":"2025-08-18T07:00:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=137588"},"modified":"2025-08-25T08:41:11","modified_gmt":"2025-08-25T06:41:11","slug":"alaska-frieden-statt-waffenstillstand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=137588","title":{"rendered":"Alaska: Frieden statt Waffenstillstand"},"content":{"rendered":"<p>Bei dem Gipfeltreffen in Anchorage gab es im Gegensatz zur Behauptung des deutschen Mainstreams keine Verlierer, aber einen klaren Sieger: die Vernunft. Trump hat das Ziel aufgegeben, einen Waffenstillstand erreichen zu wollen. Stattdessen strebt er jetzt gemeinsam mit Russland an, den Konflikt durch den Aufbau einer neuen Sicherheitsarchitektur f&uuml;r Europa zu l&ouml;sen. Als gr&ouml;&szlig;te Widersacher dieser L&ouml;sung entpuppen sich die Westeurop&auml;er. Sie halten an ihren Zielen und damit an den Kriegsursachen fest. Ein Kommentar von <strong>Gert-Ewen Ungar<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6609\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-137588-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250818_Alaska_Frieden_statt_Waffenstillstand_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250818_Alaska_Frieden_statt_Waffenstillstand_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250818_Alaska_Frieden_statt_Waffenstillstand_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250818_Alaska_Frieden_statt_Waffenstillstand_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=137588-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250818_Alaska_Frieden_statt_Waffenstillstand_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250818_Alaska_Frieden_statt_Waffenstillstand_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Das Treffen von US-Pr&auml;sident Donald Trump und Russlands Pr&auml;sident Wladimir Putin hat vor allem eins klar ans Licht gebracht: Die westeurop&auml;ischen Staatschefs und die EU-Kommission wollen keinen Frieden. Eine geh&auml;ssige deutsche Presse redet die Bedeutung des Treffens klein und vers&auml;umt, dar&uuml;ber aufzukl&auml;ren, welche weitreichenden Ver&auml;nderungen mit ihm eingeleitet wurden.<\/p><p>Bereits zwei Tage vor dem Gipfeltreffen, das am 15. August auf der Milit&auml;rbasis Elmendorf-Richardson unweit der Stadt Anchorage im US-Bundesstaat Alaska stattfand, sagten Au&szlig;enminister Johann Wadephul und Verteidigungsminister Boris Pistorius der Ukraine weitere milit&auml;rische Unterst&uuml;tzung zu. Die Bundesrepublik beteiligt sich an einem neuen NATO-Mechanismus, mit dem die L&auml;nder Westeuropas und Kanada der Ukraine Waffen zur Verf&uuml;gung stellen werden.<\/p><p>F&uuml;r 500 Millionen Dollar will man ein erstes Paket an Waffen in den USA kaufen und es an die Ukraine weiterleiten. Der Vorgang erinnert an die Abl&auml;ufe des 28. Februar 2022, als sich vier Tage nach dem russischen Einmarsch russische und ukrainische Unterh&auml;ndler in Wei&szlig;russland zu Verhandlungen getroffen haben, w&auml;hrend die EU der Ukraine zeitgleich Waffenlieferungen in gro&szlig;em Umfang zugesagt. Die EU hat klar erkennbar versucht, eine diplomatische L&ouml;sung zu sabotieren.<\/p><p>In dieses Bild passt auch, dass die EU-Kommission und einige Staatschefs unmittelbar nach dem Gipfel in Alaska der Ukraine weitere Unterst&uuml;tzung zusagen, sie vor allem aber am Kriegsgrund festhalten wollen. In der gemeinsamen <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/commission\/presscorner\/detail\/en\/statement_25_1966\">Erkl&auml;rung<\/a> vom 16. August hei&szlig;t es, es d&uuml;rfe weder Einschr&auml;nkungen f&uuml;r die Kooperation der ukrainischen Streitkr&auml;fte mit anderen L&auml;ndern geben, noch d&uuml;rfe sich Russland der Aufnahme der Ukraine in die EU und die NATO in den Weg stellen. Am Sanktionsregime will man festhalten. Bei einem Treffen in Br&uuml;ssel wurde zudem erneut gesagt, Verhandlungen mit Russland soll es erst nach einem Waffenstillstand geben.<\/p><p>Die Absicht, die Ukraine in die NATO aufnehmen zu wollen, ist einer der entscheidenden Ausl&ouml;ser des Konflikts. Solange daran festgehalten wird, ist es daher kaum vorstellbar, dass er sich l&ouml;sen l&auml;sst.<\/p><p>Das leitet zum n&auml;chsten wichtigen Punkt &uuml;ber. Trump traf Putin in der Erwartung, einen Waffenstillstand aushandeln zu k&ouml;nnen. Die westeurop&auml;ischen Staatschefs fordern seit geraumer Zeit von Russland einen bedingungslosen Waffenstillstand. Dieses Ziel wurde in Anchorage nicht erreicht. Die deutschen Medien halten dies f&uuml;r einen Sieg Putins. Dabei liegen die Gr&uuml;nde, warum es keinen Waffenstillstand geben kann, auf der Hand.<\/p><p>F&uuml;r den Fall eines Waffenstillstands haben die willigen Koalition&auml;re Starmer, Macron und Merz die Entsendung von sogenannten Friedenstruppen in die Ukraine angek&uuml;ndigt. Sie werden darin von der EU-Kommission und einigen anderen EU-Staaten unterst&uuml;tzt. Das aber k&auml;me einer De-facto-Stationierung von NATO-Truppen in der Ukraine gleich. Um es klar zu sagen: Die Ank&uuml;ndigung einiger NATO-L&auml;nder, mit dem Abschluss eines Waffenstillstandes in der Ukraine ihr Milit&auml;r zu stationieren, verhindert einen Waffenstillstand. Das ist sicherlich auch jenen Politikern klar, die sich jetzt dar&uuml;ber emp&ouml;ren, dass Trump dieses Ziel nicht umsetzen konnte. Das ist scheinheilig.<\/p><p>Moskau hat wiederholt gesagt, dass es in der Forderung nach einem Waffenstillstand nicht den Willen zur Beendigung des Konflikts erkennt, sondern den Willen, Zeit zu gewinnen, um die Ukraine wieder aufzur&uuml;sten und den Konflikt zu verl&auml;ngern. Nach allem, was war, wird es kein Minsk 3 geben, machte Russlands Au&szlig;enminister Lawrow deutlich. Diese schl&uuml;ssige Argumentation drang bisher nicht bis in die deutschen Medien durch.<\/p><p>Allerdings ist es Putin wohl gelungen, Trump diesen Zusammenhang aufzuzeigen. Das w&auml;re dann allerdings kein Sieg f&uuml;r Putin, von dem in Deutschland gesprochen wird, sondern ein Sieg der Vernunft. Trump ist jedenfalls von seiner Forderung nach einem Waffenstillstand abger&uuml;ckt. Abger&uuml;ckt ist er auch von seiner Drohung mit zus&auml;tzlichen Z&ouml;llen gegen&uuml;ber L&auml;ndern wie Indien und China, die nach wie vor &Ouml;l und Gas in Russland kaufen.<\/p><p>Allerdings wirkte Trump nach dem Treffen nicht wie jemand, der gerade &uuml;ber den Tisch gezogen wurde, sondern eher wie jemand, der die Gr&ouml;&szlig;e der bevorstehenden Aufgabe verstanden hat. Russland will den Konflikt durch nichts weniger als die Schaffung einer neuen Sicherheitsarchitektur f&uuml;r Europa beenden, in deren Zentrum das Prinzip der kollektiven Sicherheit steht.<\/p><p>In aller K&uuml;rze bedeutet das: Es m&uuml;ssen sich alle voreinander sicher f&uuml;hlen &ndash; auch Russland vor seinen Nachbarn im Westen, mit denen es seit Jahrhunderten schlechte Erfahrungen macht. Zu diesem Schwenk des Blicks und der notwendigen Einf&uuml;hlung ist man in Westeuropa und in Deutschland derzeit leider noch unf&auml;hig. Allerdings ist es eben nicht so, dass der Ukraine-Konflikt durch russische Aggression ausgel&ouml;st wurde, sondern durch den erkennbaren Willen der westlichen Allianz zur milit&auml;rischen Einkreisung Russlands.<\/p><p>An dieser Strategie will man aber weiter festhalten, machen nicht nur die Bekenntnisse zur weiteren Unterst&uuml;tzung der Ukraine, sondern auch die aktuellen Entwicklungen in Moldau deutlich. Zwar ist ein NATO-Beitritt bisher nicht im Gespr&auml;ch, allerdings zeigt die NATO dort Pr&auml;senz. Ziel ist es, die Zusammenarbeit der moldauischen Streitkr&auml;fte mit der NATO zu verbessern. Das Engagement richtet sich klar gegen Russland. Westeuropa bleibt weiterhin Russlands aggressivster Nachbar.<\/p><p>Was daher wohl auch Trump klar geworden sein d&uuml;rfte, Frieden in der Ukraine wird es mit den Westeurop&auml;ern nicht geben. Sie m&uuml;ssen daher drau&szlig;en gehalten werden. Und danach sieht es aus.<\/p><p>Offenbar streben die USA nach einer Vertiefung der Beziehung mit Russland und einer Ausweitung des Handels vor allem im Energiebereich. Trump sagte im Anschluss an das Treffen in einem Interview mit dem Sender <em>Fox News<\/em>, er gehe davon aus, dass sich der Energiebedarf der USA in der n&auml;chsten Zeit verdoppeln werde. Als Grund nennt er den wachsenden Stromverbrauch der Rechenzentren, die k&uuml;nstliche Intelligenz zur Verf&uuml;gung stellen. Dieses Problem ist in Deutschland bisher noch nicht einmal richtig thematisiert worden. Trump sucht schon aus wirtschaftlichen Gr&uuml;nden den Schulterschluss mit Russland.<\/p><p>In der EU will man dagegen weiterhin auf russische Energietr&auml;ger verzichten. Der sich darin &auml;u&szlig;ernde Hass auf Russland in Verbindung mit der wirtschaftlichen Irrationalit&auml;t gef&auml;hrdet den Wohlstand in Westeuropa. All das f&uuml;hrt aber nicht nur zum wirtschaftlichen Zerfall Westeuropas, sondern zudem zu seiner Isolation.<\/p><p>W&auml;hrend man sich in den deutschen Gazetten dar&uuml;ber mokiert, dass Trump mit dem ausgerollten roten Teppich eine angeblich bestehende Isolation Russlands durchbrochen habe, ger&auml;t man durch das Festhalten an den eigenen Kriegszielen und den Russlandsanktionen selbst ins Abseits. Dabei war der Wille, der Atommacht Russland durch die Aufr&uuml;stung der Ukraine eine strategische Niederlage beibringen zu wollen, schon immer ebenso absurd wie in seinem Wahnsinn gef&auml;hrlich. In Anchorage wurden von den USA und Russland weitere ernstzunehmende Schritte unternommen, den Konflikt in der Ukraine zu beenden. Die Gefahr, dass er sich zu einem Atomkrieg ausweiten k&ouml;nnte, wurde deutlich gemindert.<\/p><p>Eine Delegation der Koalition der Willigen begleitet heute den ukrainischen Pr&auml;sidenten Selenskyj nach Washington, um die Bem&uuml;hungen zu hintertreiben, eine L&ouml;sung des Ukraine-Konflikts zu finden. Vermutlich ist Frieden nur um den Preis des Zerfalls des westlichen B&uuml;ndnisses m&ouml;glich. Der w&auml;re dann allerdings durch die Weigerung, in Zusammenh&auml;ngen zu denken, selbst verschuldet.<\/p><p><em>Leserbriefe zu diesem Beitrag <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=137837\">finden Sie hier<\/a>.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: President of Russia\/kremlin.ru, <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/4.0\/deed.en\">CC BY 4.0<\/a><\/small> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei dem Gipfeltreffen in Anchorage gab es im Gegensatz zur Behauptung des deutschen Mainstreams keine Verlierer, aber einen klaren Sieger: die Vernunft. 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