{"id":137607,"date":"2025-08-18T12:48:30","date_gmt":"2025-08-18T10:48:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=137607"},"modified":"2025-08-18T16:40:47","modified_gmt":"2025-08-18T14:40:47","slug":"klassenfahrt-nach-washington","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=137607","title":{"rendered":"Klassenfahrt nach Washington"},"content":{"rendered":"<p>Nach dem Gipfeltreffen in Alaska und einem Einzelgespr&auml;ch mit dem ukrainischen Pr&auml;sidenten Wolodymyr Selenskyj wird US-Pr&auml;sident Donald Trump heute auch &bdquo;die Europ&auml;er&ldquo; zu einem Sondierungsgespr&auml;ch zum Friedensprozess im Ukrainekrieg treffen. Es stellt sich die Frage, ob das Wei&szlig;e Haus daf&uuml;r &uuml;berhaupt gro&szlig; genug ist. Gleich sieben Vertreter werden Trump als Stimmen des alten Kontinents gegen&uuml;bersitzen. Grunds&auml;tzlich ist es nat&uuml;rlich wichtig und richtig, die Europ&auml;er an dieser Stelle mit einzubinden, ist ein dauerhafte Friede ohne sie doch nicht m&ouml;glich und stellen sie doch bislang das gr&ouml;&szlig;te Hindernis im Friedensprozess dar. Es stellt sich jedoch die Frage, ob die Europ&auml;er &uuml;berhaupt reif f&uuml;r einen Frieden sind. Ein Kommentar von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7781\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-137607-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250818_Klassenfahrt_nach_Washington_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250818_Klassenfahrt_nach_Washington_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250818_Klassenfahrt_nach_Washington_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250818_Klassenfahrt_nach_Washington_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=137607-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250818_Klassenfahrt_nach_Washington_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250818_Klassenfahrt_nach_Washington_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>&bdquo;Wen rufe ich an, wenn ich mit Europa sprechen will?&ldquo; &ndash; dieses mittlerweile ber&uuml;hmte Zitat des ehemaligen US-Au&szlig;enministers Henry Kissinger ist auch heute noch aktuell. Mittlerweile hat die EU zwar mit Kaja Kallas eine &bdquo;Au&szlig;enbeauftragte&ldquo;, die eigentlich die zentrale Anlaufstelle f&uuml;r au&szlig;enpolitische Fragestellungen sein sollte. Paradoxerweise steht Kallas jedoch noch nicht einmal im Aufgebot des illustren europ&auml;ischen Verhandlungsteams, das heute im Wei&szlig;en Haus erwartet wird. Wer <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=118247\">Kallas&rsquo; Positionen zur europ&auml;ischen Sicherheitspolitik kennt<\/a>, wird dies freilich nicht bedauern.<\/p><p>Gr&uuml;nde f&uuml;r Zweckoptimismus gibt es dennoch nicht. Zwar muss die Estin Kallas zu Hause bleiben, daf&uuml;r hat man aus unerfindlichen Gr&uuml;nden mit dem Finnen Alexander Stubb einen &bdquo;w&uuml;rdigen&ldquo; Ersatzmann nominiert. Auch Stubb gilt als Falke und &bdquo;Russenfresser&ldquo; und vertritt mit Finnland ein Land, das gerade einmal halb so viele Einwohner wie Ungarn hat, dessen Pr&auml;sident Viktor Orban bekanntlich eine vom EU-Mainstream abweichende Position zur Ukrainefrage vertritt. Warum nimmt man also Stubb und nicht Orban mit? Sicher, das ist eine rhetorische Frage. Stubb ist ein <a href=\"https:\/\/www.wsj.com\/world\/finland-president-alexander-stubb-6c0a474a\">Golfpartner von Trump<\/a> und man sagt ihm nach, er h&auml;tte einen guten Zugang zum US-Pr&auml;sidenten. Das sagt man auch &uuml;ber Giorgia Meloni und Mark Rutte, die auch zum europ&auml;ischen Aufgebot geh&ouml;ren. Auch hier m&uuml;sste man die Frage stellen, warum man die Italienerin Meloni und nicht den Spanier Pedro Sanchez mitnimmt, der ebenfalls kritischere Positionen vertritt. Und warum der politische Chef der NATO, eines transatlantischen Milit&auml;rb&uuml;ndnisses, die Positionen der Europ&auml;er vertreten soll, ist ohnehin nicht ersichtlich. <\/p><p>Da haben wir sie nun, die Europ&auml;er. F&uuml;nf Staatschefs von vier EU-L&auml;ndern und dem Nicht-EU-Staat Gro&szlig;britannien, die Pr&auml;sidentin der EU-Kommission und der Generalsekret&auml;r der NATO; und jeder von ihnen vertritt bez&uuml;glich Krieg und Frieden in der Ukraine und Europa andere Positionen. In &auml;hnlicher Formation konnte man sich jedoch bereits unter dem Dach der selbsternannten &bdquo;Koalition der Willigen&ldquo; offenbar bereits auf <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/commission\/presscorner\/detail\/en\/statement_25_1966\">einige &bdquo;Eckpunkte&ldquo; einigen<\/a>. Das Problem: Diese Eckpunkte sind so meilenweit von den Rahmenbedingungen entfernt, die beim <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=137588\">Gipfeltreffen zwischen den USA und Russland am letzten Freitag in Alaska besprochen wurden<\/a>, dass es unwahrscheinlich erscheint, hier auf einen Nenner zu kommen.<\/p><p>F&uuml;r Russland steht die Frage einer neuen Sicherheitsarchitektur in Europa bekanntlich ganz oben auf der Agenda. Es geht darum, die Ursachen des Konflikts zu beseitigen, wie es die russische Seite stets unterstreicht. Man wolle keinen Waffenstillstand, sondern einen stabilen und andauernden Frieden. Auf die Ukraine bezogen hie&szlig;e das, dass das Land k&uuml;nftig ein milit&auml;risch neutraler Puffer zwischen den Bl&ouml;cken sein soll. Und was wollen die Europ&auml;er, die in Washington zu Gast sind? <\/p><blockquote><p>Die Streitkr&auml;fte der Ukraine und ihre Zusammenarbeit mit Drittl&auml;ndern d&uuml;rfen keinen Beschr&auml;nkungen unterworfen werden. Russland darf kein Veto gegen den Weg der Ukraine in die EU und die NATO einlegen.<br>\n<small>Aus dem <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/commission\/presscorner\/detail\/en\/statement_25_1966\">gemeinsamen Statement der &bdquo;Koalition der Willigen&ldquo; von 16. August<\/a><\/small><\/p><\/blockquote><p>Gr&ouml;&szlig;er k&ouml;nnen die Unterschiede in diesem Punkt, der wie gesagt f&uuml;r Russland zentral ist, wohl kaum sein. Es ist schon vielsagend, dass im deutschen und auch im europ&auml;ischen Diskurs dieser zentrale Punkt kaum eine Rolle spielt. Stattdessen werden hierzulande stets die territorialen Fragen, die streng genommen eher nachrangig sind, in den Mittelpunkt gestellt. Doch nicht nur das. <\/p><p>Der hierzulande von Politik und Medien debattierte &Uuml;berbau der Verhandlungen ist stets, die Ukraine und oft sogar die &ouml;stlichen EU-Staaten einseitig vor k&uuml;nftigen Aggressionen aus Russland zu besch&uuml;tzen. Daf&uuml;r brauche es &bdquo;Sicherheitsgarantien&ldquo;, die vor allem die USA stellen sollen. Diese Erz&auml;hlung ist schon sehr raffiniert, bekr&auml;ftigt sie doch das hierzulande immer wieder erz&auml;hlte Bild eines expansiven, aggressiven Russlands und einer rein defensiven westlichen Staatengemeinschaft. In Russland herrscht jedoch das exakt gegenteilige Bild vor. Aus russischer Sicht expandiert die NATO fortw&auml;hrend gen Osten und hat mit der vorangetriebenen NATO-Assoziation der Ukraine die rote Linie &uuml;berschritten, vor der Putin bereits <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/2007_Munich_speech_of_Vladimir_Putin\">2007 auf der M&uuml;nchner Sicherheitskonferenz explizit gewarnt hat<\/a>. Heute stehen die Russen Sicherheitsgarantien f&uuml;r die Ukraine nach eigenen Aussagen nicht im Wege, verlangen jedoch im Gegenzug auch Sicherheitsgarantien f&uuml;r Russland. Das ist freilich ein valider Punkt, doch wie sollen die im NATO-Denken verfangenen Europ&auml;er dem gerecht werden? <\/p><p>Soll es also zu einem Frieden kommen, muss diese Frage zentral angegangen werden. Doch nicht zuletzt der sicherheitspolitische europ&auml;ische Diskurs zeigt, dass die Europ&auml;er nicht bereit f&uuml;r diese Debatte sind. Sollte Donald Trump dies &auml;ndern, w&auml;re er tats&auml;chlich ein Kandidat f&uuml;r den Friedensnobelpreis &ndash; beides ist aber zugegebenerma&szlig;en sehr unwahrscheinlich. <\/p><p>Echten innenpolitischen Druck m&uuml;ssen Europas Falken derzeit auch nicht bef&uuml;rchten. Die Narrative der Falken sitzen fest in den K&ouml;pfen der Menschen; den Medien sei Dank. Dies wird sich auch am heutigen Nachmittag in Washington nicht &auml;ndern. Die Rollen sind dabei klar verteilt. Putin ist &ndash; was auch sonst &ndash; das personifizierte B&ouml;se, das aufgehalten werden muss, solange es noch geht. Die Ukraine ist nicht Objekt, sondern Subjekt und als solches das arglose, bedauernswerte Opfer. Die Europ&auml;er sind die wei&szlig;en Ritter, die vollkommen frei von eigenen Interessen diesem armen Opfer beistehen. Und last but not least gibt es noch Donald Trump &ndash; den verwirrten Egomanen, der von Putin &uuml;ber den Tisch gezogen wurde, nun aber von den wackeren Streitern Europas wieder ins Lager der Guten geholt werden kann. <\/p><p>Keine Frage &ndash; wer mit dieser Geschichte arbeitet, ist &uuml;berhaupt nicht f&auml;hig, einen dauerhaften Frieden oder gar eine echte europ&auml;ische Sicherheitsarchitektur mit einem ernsthaften Interessenausgleich hinzubekommen. Auch wenn man Trump aus guten Gr&uuml;nden nicht mag: Man kann nur hoffen, dass er der europ&auml;ischen Klassenfahrt ordentlich die Leviten liest und vielleicht doch das Undenkbare denkbar werden l&auml;sst: Frieden. <\/p><p><small>Titelbild: Waqas_creatives\/shutterstock.com<\/small><br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/1abf5285625942f8a10d50b07250a127\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem Gipfeltreffen in Alaska und einem Einzelgespr&auml;ch mit dem ukrainischen Pr&auml;sidenten Wolodymyr Selenskyj wird US-Pr&auml;sident Donald Trump heute auch &bdquo;die Europ&auml;er&ldquo; zu einem Sondierungsgespr&auml;ch zum Friedensprozess im Ukrainekrieg treffen. Es stellt sich die Frage, ob das Wei&szlig;e Haus daf&uuml;r &uuml;berhaupt gro&szlig; genug ist. Gleich sieben Vertreter werden Trump als Stimmen des alten Kontinents gegen&uuml;bersitzen.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=137607\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":137608,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,170,211],"tags":[3240,466,3175,259,1800,260],"class_list":["post-137607","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-friedenspolitik","category-veranstaltungshinweiseveranstaltungen","tag-diplomatische-verhandlungen","tag-nato","tag-neutrale-laender","tag-russland","tag-trump-donald","tag-ukraine"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/shutterstock_2514054267.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/137607","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=137607"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/137607\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":137621,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/137607\/revisions\/137621"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/137608"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=137607"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=137607"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=137607"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}