{"id":137684,"date":"2025-08-20T11:00:41","date_gmt":"2025-08-20T09:00:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=137684"},"modified":"2025-08-21T10:15:22","modified_gmt":"2025-08-21T08:15:22","slug":"unsere-reise-ist-aber-nicht-nur-humanitaer-sie-ist-eine-oeffentliche-lektion-im-recht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=137684","title":{"rendered":"\u201eUnsere Reise ist aber nicht nur humanit\u00e4r \u2013 sie ist eine \u00f6ffentliche Lektion im Recht.\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Im Sommer 2025 &uuml;bernahm <strong>Melanie Schweizer<\/strong> eine f&uuml;hrende Rolle im Organisationskomitee der &bdquo;Global Sumud Flotilla&ldquo; &ndash; einer zivilgesellschaftlichen internationalen Initiative, die mit Dutzenden von Booten die Blockade Gazas durchbrechen will. Im Interview mit den <em>NachDenkSeiten<\/em> spricht Schweizer &uuml;ber ihre Motivation, die Pl&auml;ne der Initiative und die Rechtslage nach internationalem Recht in Bezug auf die Situation in Gaza. Das Interview f&uuml;hrte <strong>Maike Gosch<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_4741\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-137684-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250820_Unsere_Reise_ist_aber_nicht_nur_humanitaer_sie_ist_eine_oeffentliche_Lektion_im_Recht_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250820_Unsere_Reise_ist_aber_nicht_nur_humanitaer_sie_ist_eine_oeffentliche_Lektion_im_Recht_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250820_Unsere_Reise_ist_aber_nicht_nur_humanitaer_sie_ist_eine_oeffentliche_Lektion_im_Recht_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250820_Unsere_Reise_ist_aber_nicht_nur_humanitaer_sie_ist_eine_oeffentliche_Lektion_im_Recht_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=137684-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250820_Unsere_Reise_ist_aber_nicht_nur_humanitaer_sie_ist_eine_oeffentliche_Lektion_im_Recht_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250820_Unsere_Reise_ist_aber_nicht_nur_humanitaer_sie_ist_eine_oeffentliche_Lektion_im_Recht_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><em>Melanie Schweizer ist Volljuristin und Politologin &ndash; spezialisiert auf V&ouml;lkerrecht sowie internationales Privat- und &Ouml;ffentliches Recht. Sie arbeitete als Referentin im Bundesministerium f&uuml;r Arbeit und Soziales, bevor sie wegen ihrer Positionen zur Situation in Pal&auml;stina und ihrer Kandidatur f&uuml;r MERA25 (die deutsche Partei im europ&auml;ischen B&uuml;ndnis DiEM25) im Februar des Jahres <a href=\"https:\/\/jacobin.de\/artikel\/melanie-schweizer-mera25-repression-palaestina-gaza-israel-rechtsstaat-justiz\">aus dem Beamtenverh&auml;ltnis entlassen wurde<\/a>.<\/em><\/p><p><strong>Maike Gosch: Liebe Melanie Schweizer, wie sind Sie zur Global-Sumud-Bewegung gesto&szlig;en, und was hat Sie motiviert, dort mitzumachen?<\/strong><\/p><p><strong>Melanie Schweizer:<\/strong> Haupts&auml;chlich durch die Organisation des <em>Global March to Gaza <\/em>(Anm. d. Red.: Der Global March to Gaza war eine internationale Solidarit&auml;tsaktion, die im Juni 2025 begonnen hat. Aktivisten aus zahlreichen L&auml;ndern wollten von &Auml;gypten (Al-Arish) aus zum Grenz&uuml;bergang Rafah marschieren, um die israelische Blockade des Gazastreifens humanit&auml;r zu durchbrechen und einen Korridor f&uuml;r Hilfe zu schaffen. Die Aktion wurde von &auml;gyptischen Beh&ouml;rden unterbunden, zahlreiche Teilnehmende wurden festgenommen und ausgewiesen)<em>,<\/em> und dorthin bin ich gekommen, weil ich &ndash; so wie viele andere &ndash; seit fast zwei Jahren alles versuche, was in meiner Macht steht, um das wahnsinnige, unterschiedslose T&ouml;ten und Aushungern von Zivilisten zu beenden. Israel begeht nicht nur nach meiner Auffassung, sondern der Auffassung der absoluten Mehrheit von V&ouml;lkerrechtsexperten und NGOs weltweit einen V&ouml;lkermord im Gazastreifen. Das hat Eyal Weizman von Forensic Architecture bereits am 9. Oktober 2023 ge&auml;u&szlig;ert, und es war aufgrund der genozidalen Aussagen israelischer hochrangiger Regierungsmitglieder auch bereits dann klar. Alle Staaten, die die UN-V&ouml;lkermordkonvention, das <a href=\"https:\/\/www.voelkermordkonvention.de\/uebereinkommen-ueber-die-verhuetung-und-bestrafung-des-voelkermordes-9217\/\">&bdquo;&Uuml;bereinkommen &uuml;ber die Verh&uuml;tung und Bestrafung des V&ouml;lkermordes&ldquo;<\/a> (&bdquo;Convention on the Prevention and Punishment of the Crime of Genocide&ldquo;, CPPCG \/ UN-Genozid-Konvention) vom 12. Januar 1951 unterzeichnet haben, haben sich verpflichtet, <strong>V&ouml;lkermord<\/strong> <strong>zu verhindern<\/strong> &ndash; bevor es dazu kommt.<\/p><p>Mit meinen rechtlich fundierten Kenntnissen war mir auch bereits unmittelbar nach dem 7. Oktober klar, dass Israel in Gaza einen V&ouml;lkermord begehen wird. Ich habe im September 2022 das Westjordanland in Pal&auml;stina besucht und das Apartheidregime der israelischen Regierung am eigenen Leib erlebt. Als alle demokratischen Mittel abseits meines Dienstverh&auml;ltnisses im Bundesministerium nichts bewirkt haben, entschloss ich mich dazu, ein letztes grundrechtliches Mittel zu ergreifen und politisch aktiv zu werden. Daher habe ich mit der Partei Mera25 f&uuml;r einen Sitz im Bundestag bei den Wahlen im Februar 2025 kandidiert. Dies war mit meiner Hierarchie abgesprochen &ndash; auch der genaue Grund und Inhalt meiner Kandidatur. Niemand sah darin ein Problem &ndash; bis zu der Berichterstattung der <em>BILD-Zeitung<\/em>, die unmittelbar auf meine ersten &ouml;ffentlichen Posts in den sozialen Medien erfolgte. Ich wurde dann innerhalb k&uuml;rzester Zeit entlassen (die <em>NDS<\/em> berichteten &uuml;ber den Fall und &uuml;ber die <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=129962\">Nachfrage dazu durch Florian Warweg in der BPK<\/a>).<\/p><p>Ein globaler kolonialer V&ouml;lkermord kann nur durch eine globale Solidarit&auml;tsbewegung gebrochen werden, deswegen habe ich mich bereits vor und nach meiner Entlassung intensiv international vernetzt. Angesichts der anhaltenden Massengr&auml;uel in Gaza sind Drittstaaten und Einzelpersonen gesetzlich dazu verpflichtet, Ma&szlig;nahmen zur Verhinderung und Beendigung von V&ouml;lkermord zu ergreifen, einschlie&szlig;lich der Gew&auml;hrleistung des Zugangs zu humanit&auml;rer Hilfe. Gem&auml;&szlig; dem V&ouml;lkerrecht sind alle Staaten nicht nur verpflichtet, diese Mission nicht zu behindern, sondern sie auch aktiv zu erleichtern und zu unterst&uuml;tzen.<\/p><p><strong>Wie ist denn der aktuelle Stand im Verfahren gegen Ihre K&uuml;ndigung durch das Bundesministerium? Und was h&ouml;ren Sie von ehemaligen Kollegen? Entschuldigen sich da einige, weil die Positionen, f&uuml;r die sie damals gek&uuml;ndigt wurden, ja immer mehr vom Mainstream akzeptiert werden?<\/strong><\/p><p>Ich gehe gegen diese Entscheidung vor. Meiner Ansicht nach ist das ein weiterer Baustein in Deutschlands Beteiligung und Beihilfe an diesem V&ouml;lkermord. Nicht nur Israel ist vor dem IGH wegen des V&ouml;lkermordvorwurfs angeklagt, sondern auch Deutschland wegen des Beihilfevorwurfs zum V&ouml;lkermord. Wir sind momentan noch im beh&ouml;rdlichen Widerspruchsverfahren. Der n&auml;chste Schritt wird dann die Klage vor dem Verwaltungsgericht sein.<\/p><p>Eine Vielzahl meiner ehemaligen Kolleginnen und Kollegen &auml;u&szlig;erten mir gegen&uuml;ber Entsetzen &uuml;ber die Entlassungsentscheidung des Ministeriums. Viele weitere waren sehr verunsichert und ver&auml;ngstigt dar&uuml;ber, was sie &uuml;berhaupt noch als ihre Privatmeinung &auml;u&szlig;ern d&uuml;rfen.<\/p><p><strong>Und nun zur Global Sumud Flotilla: K&ouml;nnen Sie unseren Lesern ein wenig &uuml;ber die Vorgeschichte erz&auml;hlen? Und dar&uuml;ber, was Sie vorhaben?<\/strong><\/p><p>Es haben sich vier gro&szlig;e Graswurzelbewegungen mit Menschen aus der ganzen Welt zusammengeschlossen: Organisatoren der <em>Freedom Flotilla Coalition<\/em>, des <em>Global March to Gaza<\/em>, des <em>Sumud Convoys<\/em> und des asiatischen <em>Sumud Nusantara<\/em>.<\/p><p>Wir vom Global March to Gaza haben uns etwa im M&auml;rz formiert und sind im Juni mit 4.000 Menschen aus der ganzen Welt nach Kairo geflogen mit dem Vorhaben, nach Rafah zu gehen. Zwar wurden wir daran brutal gehindert, dennoch haben wir unser Ziel erreicht: Wir haben die mentalen Mauern durchbrochen. Wir haben uns und den Menschen gezeigt, dass wir zu viel mehr im Stande sind und sich viel mehr tun muss. Kein Unrechtssystem dieser Welt wurde jemals durch eine pl&ouml;tzliche moralische Erleuchtung der gewaltvollen Herrschenden zum Fall gebracht. Es war immer die Mobilisierung der Gesellschaft. Das ist unser eigentliches Vorhaben: die gr&ouml;&szlig;te international verbundene und koordinierte Solidarit&auml;tsbewegung zu erschaffen, um sowohl den V&ouml;lkermord zu beenden als auch ein Ende der illegalen Besatzung und Apartheid in Pal&auml;stina durch Israel einzufordern. Unsere deutsche Regierung ist Mitt&auml;ter in diesem Verbrechen. Ein globaler kolonialer V&ouml;lkermord kann nur durch eine globale Solidarit&auml;tsbewegung gebrochen werden. Und das werden wir tun. Und wir werden auch genauso f&uuml;r alle anderen unterdr&uuml;ckten V&ouml;lker dieser Welt einstehen: im Kongo, im Sudan oder f&uuml;r die Rohinga.<\/p><p>Die Global Sumud Flotilla ist die gr&ouml;&szlig;te zivile und humanit&auml;re Flotte an Schiffen, die jemals nach Gaza gesendet wurde, und das wohl in der mit Abstand k&uuml;rzesten Vorbereitungszeit. Die Lage im Gazastreifen ist apokalyptisch &ndash; nicht erst, seitdem die israelische Regierung alle Nahrungsmittel und medizinische G&uuml;ter dorthin blockiert hat, sondern schon seit Oktober 2023, seitdem die israelische Armee den Gazastreifen in Schutt und Asche legt und v&ouml;llig unterschiedslos alles bombardiert, was lebt. Jetzt aber spitzt sich das Ausma&szlig; an Gewalt und Leid, das durch den israelischen Genozid verursacht wird, ins Unermessliche zu. Wir haben also keine Zeit mehr. Wir m&uuml;ssen sofort handeln und das tun, was unsere Regierungen v&ouml;lkerrechtswidrig unterlassen.<\/p><p>Die Global Sumud Flotilla besteht aus einer vielf&auml;ltigen Koalition von Menschenrechtsaktivisten, darunter Rechtsanw&auml;lte, &Auml;rzte, Krankenschwestern, Journalisten, Parlamentarier und Politiker, und hat sich zum Ziel gesetzt, lebensrettende Hilfe direkt an die belagerte Bev&ouml;lkerung von Gaza zu liefern und damit die Kontrolle Israels &uuml;ber die Einfuhr humanit&auml;rer Hilfe rechtm&auml;&szlig;ig in Frage zu stellen. Die Belagerung einer Zivilbev&ouml;lkerung ist rechtswidrig. Die Global Sumud Flotilla fordert einen sofortigen, bedingungslosen und dauerhaften Waffenstillstand, ungehinderten Zugang zu humanit&auml;rer Hilfe und ein Ende der illegalen Blockade des Gazastreifens. Diese Blockade wurde von Organen der Vereinten Nationen, dem Internationalen Gerichtshof (Gutachten, 2024) und f&uuml;hrenden humanit&auml;ren und juristischen Organisationen als eine Form der kollektiven Bestrafung und im aktuellen Kontext als ein Akt, der zum V&ouml;lkermord beitr&auml;gt, verurteilt.<\/p><p>Unsere Mission ist rechtm&auml;&szlig;ig, weil sie humanit&auml;r ist (sie transportiert lebenswichtige Hilfsg&uuml;ter), friedlich ist (sie ist unbewaffnet und transparent), und sie ist eine Reaktion auf schwerwiegende Verst&ouml;&szlig;e gegen das V&ouml;lkerrecht (z.B. V&ouml;lkermord), bei denen alle Staaten zur Handlung verpflichtet sind.<\/p><p>Die vors&auml;tzliche Vorenthaltung von Nahrungsmitteln, Medikamenten und lebensnotwendigen G&uuml;tern gegen&uuml;ber einer Zivilbev&ouml;lkerung stellt einen schwerwiegenden Versto&szlig; gegen das V&ouml;lkerrecht dar. Gem&auml;&szlig; Artikel II(c) der V&ouml;lkermordkonvention kann die vors&auml;tzliche Schaffung von Lebensbedingungen, die auf die physische Vernichtung einer Gruppe abzielen, einschlie&szlig;lich durch Hunger, einen V&ouml;lkermord darstellen. Der Internationale Gerichtshof hat bereits drei vorl&auml;ufige Ma&szlig;nahmen (Januar-M&auml;rz-Mai 2024) erlassen, mit denen Israel aufgefordert wird, die Versorgung mit grundlegenden Leistungen und humanit&auml;rer Hilfe f&uuml;r Gaza sicherzustellen. Dar&uuml;ber hinaus stuft Artikel 8(2)(b)(xxv) des R&ouml;mischen Statuts des Internationalen Strafgerichtshofs &bdquo;die Aushungerung der Zivilbev&ouml;lkerung als Kriegsmittel&rdquo; als Kriegsverbrechen ein. Die Blockade, die verhindert, dass lebenswichtige G&uuml;ter die Bev&ouml;lkerung erreichen, rechtfertigt unsere Mission.<\/p><p>Die Blockade ist illegal; daher ist auch jede Anwendung von Gewalt durch Israel zur Durchsetzung dieser Blockade rechtswidrig. Die Durchbrechung einer solchen Blockade zur Lieferung humanit&auml;rer Hilfe ist an sich eine rechtm&auml;&szlig;ige Handlung. Die Mission ist humanit&auml;rer Natur; sie transportiert Hilfsg&uuml;ter, keine Waffen. Sie respektiert das Seerecht; sie &uuml;bt das Recht auf freie Schifffahrt und friedliche Durchfahrt aus. Sie verst&ouml;&szlig;t nicht gegen Ausnahmeregelungen des Seerechts&uuml;bereinkommens der Vereinten Nationen (SR&Uuml;); es liegt keine Piraterie, kein Schmuggel, keine bewaffnete Aktivit&auml;t oder anderes verbotenes Verhalten vor. Die Teilnehmer sind gesch&uuml;tzte Zivilisten; eine Einmischung in ihre Angelegenheiten steht unter dem Schutz des jeweiligen Herkunftsstaates und zieht eine Verantwortung des einmischenden Staates nach sich.<\/p><p><strong>Warum haben der <em>Global March to Gaza<\/em> und die anderen &bdquo;M&auml;rsche&ldquo; Gaza nicht erreicht? Was war die Motivation der Regierungen von &Auml;gypten, Tunesien und anderen L&auml;ndern, die Menschen nicht bis zur Grenze zu Gaza passieren zu lassen?<\/strong><\/p><p>Nicht nur die westlichen Regierungen beteiligen sich an diesem internationalen, kollektiven V&ouml;lkermord, sondern auch die arabischen Regierungen. &Auml;gypten ist ein Verb&uuml;ndeter Israels. Nat&uuml;rlich nicht offiziell, weil die Bev&ouml;lkerung das Leid der Pal&auml;stinenserinnen und Pal&auml;stinenser (verursacht durch Israel) seit etwa einem Jahrhundert genau kennt. Die Regierungen profitieren aber von den wirtschaftlichen und milit&auml;rischen Beziehungen mit Israel. Es ist daher nicht verwunderlich, dass auch diese Regierungen alles unternehmen, um den Widerstand zu brechen. &Auml;gypten riskiert eben wegen seiner Mithilfe an dem V&ouml;lkermord auf unterschiedlichen Wegen auch stets einen Aufstand der eigenen Bev&ouml;lkerung und eventuell sogar einen B&uuml;rgerkrieg. Deswegen wird die Bev&ouml;lkerung minuti&ouml;s eingesch&uuml;chtert und verfolgt. Jeder, der sich &ouml;ffentlich mit den Pal&auml;stinensern in Form von Protesten solidarisiert, riskiert langj&auml;hrige Freiheitsstrafen oder Folter. Viele &auml;gyptische Aktivisten sind schon seit Oktober 2023 inhaftiert. &Auml;gypten ist eine Milit&auml;rdiktatur und regiert mit Angst und Einsch&uuml;chterung.<\/p><p><strong>Was hoffen Sie, was hofft die dahinterstehende Bewegung, mit der &bdquo;Flotte&ldquo; von Schiffen zu erreichen?<\/strong><\/p><p>Wir haben uns zum Ziel gesetzt, einen maritimen humanit&auml;ren Korridor zu schaffen. Unsere Flotte wird nur der Anfang sein. Danach soll der Weg f&uuml;r viele weitere Schiffe geebnet werden, die die an Hunger sterbende Bev&ouml;lkerung versorgen k&ouml;nnen.<\/p><p>Unsere Reise ist aber nicht nur humanit&auml;r &ndash; sie ist eine &ouml;ffentliche Lektion im Recht. Die Genfer Konventionen, Artikel 23, verlangen, dass Hilfsg&uuml;ter die Zivilbev&ouml;lkerung schnell und ungehindert erreichen. Das San-Remo-Handbuch, Artikel 102, verbietet Blockaden, die Hungersn&ouml;te verursachen. Und der Internationale Gerichtshof hat bereits ungehinderte Hilfe f&uuml;r Gaza angeordnet. Schiffe nach Ashdod (Anm. d. Red.: israelischer Hafen s&uuml;dlich von Tel Aviv) umzuleiten, ist keine Befolgung des Rechts &ndash; es ist eine Ablenkung in genau das System, das die Hungersnot hervorgebracht hat: wo Lastwagen aufgehalten, G&uuml;ter entzogen und Konvois blockiert werden. Wenn unsere Schiffe abgefangen werden, wird die Welt sehen: Diese Blockade ist keine Rechtsdurchsetzung, sondern Rechtsbruch, bei dem sogenannte &bdquo;Inspektionen&ldquo; durch Israel als Waffe des Hungers eingesetzt werden, um die Lieferungen zu verz&ouml;gern und zu verhindern. Wir segeln, damit das Recht in der Praxis sichtbar wird &ndash; nicht nur in Worten.<\/p><p><em>Den zweiten Teil des Interviews <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=137711\">finden Sie hier<\/a>.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: Global Sumud Flotilla &amp; Melanie Schweizer<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/a671db5ebcdb457c9d2a9cf6b439f5b6\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Sommer 2025 &uuml;bernahm <strong>Melanie Schweizer<\/strong> eine f&uuml;hrende Rolle im Organisationskomitee der &bdquo;Global Sumud Flotilla&ldquo; &ndash; einer zivilgesellschaftlichen internationalen Initiative, die mit Dutzenden von Booten die Blockade Gazas durchbrechen will. 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