{"id":137711,"date":"2025-08-21T10:00:24","date_gmt":"2025-08-21T08:00:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=137711"},"modified":"2025-08-21T15:10:44","modified_gmt":"2025-08-21T13:10:44","slug":"wir-koennen-die-unfassbar-barbarischen-zustaende-nicht-mehr-hinnehmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=137711","title":{"rendered":"\u201eWir k\u00f6nnen die unfassbar barbarischen Zust\u00e4nde nicht mehr hinnehmen.\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Im Sommer 2025 &uuml;bernahm <strong>Melanie Schweizer<\/strong> eine f&uuml;hrende Rolle im Organisationskomitee der &bdquo;Global Sumud Flotilla&ldquo; &ndash; einer zivilgesellschaftlichen internationalen Initiative, die mit Dutzenden von Booten die Blockade Gazas durchbrechen will. Im Interview spricht Schweizer &uuml;ber ihre Motivation, die Pl&auml;ne der Initiative und die Rechtslage nach internationalem Recht in Bezug auf die Situation in Gaza. Lesen Sie heute den zweiten Teil des Interviews. Das Interview f&uuml;hrte <strong>Maike Gosch<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3119\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-137711-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250821_Wir_koennen_die_unfassbar_barbarischen_Zustaende_nicht_mehr_hinnehmen_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250821_Wir_koennen_die_unfassbar_barbarischen_Zustaende_nicht_mehr_hinnehmen_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250821_Wir_koennen_die_unfassbar_barbarischen_Zustaende_nicht_mehr_hinnehmen_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250821_Wir_koennen_die_unfassbar_barbarischen_Zustaende_nicht_mehr_hinnehmen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=137711-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250821_Wir_koennen_die_unfassbar_barbarischen_Zustaende_nicht_mehr_hinnehmen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250821_Wir_koennen_die_unfassbar_barbarischen_Zustaende_nicht_mehr_hinnehmen_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><em>Den <strong>ersten Teil<\/strong> finden Sie <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=137684\">hier auf den NachDenkSeiten<\/a>.<\/em><\/p><p><strong>Maike Gosch: Sie sind ja schon eine Weile in der pro-pal&auml;stinensischen Bewegung aktiv. Was f&uuml;r Begegnungen, Unterhaltungen, Situationen, die Sie im Zusammenhang mit der <\/strong><em><strong>Freedom Flotilla<\/strong><\/em><strong> und dem <\/strong><em><strong>Global March to Gaza<\/strong><\/em><strong> erlebt haben, haben Sie besonders ber&uuml;hrt oder auch Ihre Sichtweise ver&auml;ndert bzw. erweitert?<\/strong><\/p><p><strong>Melanie Schweizer<\/strong>: Besonders ber&uuml;hrt haben mich der Moment an den Checkpoints in &Auml;gypten, die Einzelgespr&auml;che mit den Teilnehmern und auch der weitere Verlauf unserer internationalen Koordination: der Mut der Menschen, so viel Risiko auf sich zu nehmen, um fremden Menschen zu helfen; die Verzweiflung dar&uuml;ber, dass wir diese beispiellose, live gestreamte Gewalt einfach hinnehmen sollen; das Entsetzen &uuml;ber die eigenen Regierungen, die diesen Wahnsinn rechtfertigen; aber vor allem die St&auml;rke und Entschlossenheit, dies eben nicht tatenlos hinzunehmen, sondern das Unm&ouml;gliche m&ouml;glich machen zu wollen. <\/p><p>Das gibt Kraft in einer Gesellschaft, die durch Desinformationskampagnen der f&uuml;hrenden Politikerinnen und Politiker gezeichnet ist, sich mehr und mehr durch politische Verfolgung und <em>Gaslighting<\/em> (Anm. d. Red.: Verdrehung von Realit&auml;t, bei der selbst offensichtliche Tatsachen geleugnet oder umgedeutet werden, damit Kritiker an ihrem eigenen Wahrnehmungsverm&ouml;gen zweifeln) hervorhebt und in dessen kapitalistischem System die Vereinzelung und Machtlosigkeit einem an jedem Tag suggeriert wird.<\/p><p><strong>Es gab ja von einigen, auch Aktivisten, den Vorwurf, dass es sich sowohl bei den &bdquo;M&auml;rschen&ldquo; als auch bei den Segelfahrten um reine &bdquo;&Ouml;ffentlichkeits-Stunts&ldquo; handele, da es ja &uuml;berwiegend wahrscheinlich ist, dass die Schiffe wieder von Israel gestoppt und die Besatzungen festgenommen werden, wie es allen vorigen Schiffen, die diese Fahrt versucht haben, geschehen ist &ndash; und auch die M&auml;rsche bisher nicht durchgelassen wurden. Was ist Ihre Antwort darauf?<\/strong><\/p><p>Selbst wenn der absurde Vorwurf des &bdquo;&Ouml;ffentlichkeits-Stunt&ldquo; zutr&auml;fe &ndash; dann w&auml;re das immer noch zu begr&uuml;&szlig;en. Unsere Medien verschleiern und verschweigen das Leid und die Verbrechen, die den Pal&auml;stinensern angetan werden. Durch Aktionen wie diese sind die voyeuristischen Medien gezwungen, &uuml;ber den Gazastreifen zu berichten. Und die Menschen k&ouml;nnen anfangen, ihre eigene Recherche zu betreiben. Bis zu Greta Thunbergs Teilnahme an der Freedom Flotilla wussten wenige in Deutschland, dass es diese Bewegung &uuml;berhaupt gibt &ndash; geschweige denn, dass die <em>Freedom Flotilla Coalition<\/em> schon seit 2006 nahezu jedes Jahr Schiffe in den Gazastreifen geschickt hat, um die schon seitdem bestehende v&ouml;lkerrechtswidrige Blockade zu durchbrechen. Kaum jemand wei&szlig;, dass es zwei Schiffe <a href=\"https:\/\/www.aljazeera.com\/news\/2025\/6\/9\/freedom-flotillas-a-history-of-attempts-to-break-israels-siege-of-gaza\">im Jahr 2008 sogar geschafft haben, dort anzukommen<\/a>, und wegen dieser &bdquo;negativen Publicity&ldquo; aus Sicht der Israelis fortan nie wieder ein Schiff durchgelassen wurde. Wenige wissen, dass die israelische Besatzungsarmee ein Schiff im Jahr 2010 brutal angegriffen hat und dabei zehn Teilnehmer ermordete. Viele haben sich nach Gretas &ouml;ffentlichkeitswirksamem Auftritt informiert.<\/p><p>Es geht also nicht lediglich um die Hilfe f&uuml;r die Bev&ouml;lkerung, sondern auch um mediale Aufmerksamkeit und Erwachsenenbildung. Die Geschichte hat nicht am 7. Oktober angefangen.<\/p><p><strong>In welcher Tradition steht dieser Einsatz von &bdquo;Direct Action&ldquo;, also dieser politische Protest, bei dem Aktivisten nicht nur demonstrieren, sondern mit direkten Aktionen, die oft den Charakter des zivilen Ungehorsams haben, unmittelbar in gesellschaftliche oder politische Abl&auml;ufe eingreifen? Was sind die Vorbilder, an denen Sie und die anderen Organisatoren sich hierf&uuml;r orientieren? Und warum ist es aus Ihrer Sicht jetzt an der Zeit f&uuml;r den &Uuml;bergang von Demonstrationen und Protesten zu Handlung?<\/strong><\/p><p>Die Global Sumud Flotilla ist inspiriert durch historische Massenbewegungen zum Widerstand gegen Unrechtssysteme, wie denen unter der F&uuml;hrung von Mahatma Gandhi in Indien gegen die Kolonialisierung, unter Nelson Mandela in S&uuml;dafrika gegen das Apartheidregime und von Rosa Parks mit ihrem friedlichen Widerstand gegen das Segregations- und Apartheidsystem in den USA: Wir k&ouml;nnen die unfassbar barbarischen Zust&auml;nde nicht mehr hinnehmen &ndash; schon lange nicht mehr. All unsere Demonstrationen, E-Mails und sonstigen Proteste in den Nationalstaaten scheinen auf taube Ohren und blinde Augen zu treffen. Stereotypisch also f&uuml;r einen V&ouml;lkermord. <\/p><p>Wir m&ouml;chten mit dieser Mission ein Zeichen setzen und die Welt sehen lassen, wie viele Tausende Menschen bereit daf&uuml;r sind, jegliches in Kauf zu nehmen, um den unmenschlichen und barbarischen Wahnsinn, den wir seit 20 Monaten miterleben m&uuml;ssen und der uns als gerechtfertigt verkauft wird, zu beenden: Unterschiedslose und gezielte Bombardierung von Zivilisten, Aushungern von rund zwei Millionen Menschen, die komplette Zerst&ouml;rung des Gazastreifens, gezielte T&ouml;tung und Verschleppung von medizinischem Personal und Journalisten, T&ouml;tung von Menschen, die bei der Essensverteilung verzweifelt versuchen, zu &uuml;berleben, und solchen, die Essen liefern. Diesem surrealen, dystopischen Horror wollen wir ein Ende setzen.<\/p><p><strong>Was f&uuml;r Aktionen passieren parallel zur Fahrt der Global Sumud Flotilla in Deutschland?<\/strong><\/p><p>Es wird global Parallelaktionen in Form von Protesten in allen Mitgliedsl&auml;ndern geben, die an der Mission beteiligt sind, an denen jeder teilnehmen kann. Genaueres dazu wird noch zeitnah auf den sozialen Medien bekannt gegeben (f&uuml;r Deutschland bei <em>Instagram<\/em>: globalmovementtogaza.germany).<\/p><p><strong>Gibt es Kontakt zur UN und zu Diplomaten und Experten f&uuml;r internationales Recht? Was passiert auf juristischer Ebene in dieser Hinsicht aktuell?<\/strong><\/p><p>Ja, es gibt Kontakt. Wir planen zwei Panels mit V&ouml;lkerrechtsexperten um die Daten des Launchs, 31. August herum. Auch hier wird Genaueres noch bekannt gegeben.<\/p><p><strong>Die Global Sumud Flotilla beschreibt sich als eine friedliche und zivile Initiative, die ohne Waffen oder milit&auml;rische Begleitung aufbricht. Gibt es auch oder wissen Sie von Bem&uuml;hungen um ein milit&auml;risches Eingreifen auf der Basis von UN-Recht, aufgrund der &bdquo;Responsibility-to-protect&ldquo;-Doktrin oder zur Verhinderung eines V&ouml;lkermords auf internationaler Ebene? Was passiert da gerade bzw. wird vorbereitet?<\/strong><\/p><p>Genau, wir sind eine friedliche und zivile Initiative. Wir sind selbstverst&auml;ndlich unbewaffnet und bewegen uns innerhalb des uns zustehenden Rechts. Sollte Israel eines der Schiffe kapern, ist das ein Akt der Piraterie. Die nach dem Seerechts&uuml;bereinkommen der Vereinten Nationen (SR&Uuml;), Artikel 87, anerkannten Gewohnheitsnormen des V&ouml;lkerrechts gew&auml;hren allen Schiffen das Recht auf freie Schifffahrt auf hoher See unter der Gerichtsbarkeit des Flaggenstaates, w&auml;hrend die Artikel 88 und 301 die friedliche Nutzung der Meere vorschreiben. Gem&auml;&szlig; Artikel 110 SR&Uuml; ist eine Einmischung ausnahmsweise zul&auml;ssig, wenn das Schiff Piraterie, Sklavenhandel oder unerlaubte Rundfunk&uuml;bertragungen betreibt oder wenn es sich um ein staatenloses Schiff handelt. Unsere Mission f&auml;llt unter keine dieser Ausnahmen. Daher hat unsere Mission ein Recht auf freie Schifffahrt.<\/p><p>Die Global Sumud Flotilla ist au&szlig;erdem berechtigt, w&auml;hrend ihrer Reise das Recht auf friedliche Durchfahrt durch die Hoheitsgew&auml;sser von Drittstaaten (z.B. &Auml;gypten) auszu&uuml;ben, wie es durch das SR&Uuml; gesch&uuml;tzt ist. Dieses Recht gilt, da die Flotilla unbewaffnet ist, gegen&uuml;ber dem K&uuml;stenstaat unpolitisch ist und sich ausschlie&szlig;lich f&uuml;r friedliche humanit&auml;re Hilfe einsetzt.<\/p><p>Zus&auml;tzlich zu diesen Rechten sch&uuml;tzt das humanit&auml;re V&ouml;lkerrecht den Transport von Hilfsg&uuml;tern, humanit&auml;rem Personal und Schiffen, die mit der Lieferung lebenswichtiger G&uuml;ter an bed&uuml;rftige Zivilisten befasst sind. Artikel 70 des Zusatzprotokolls I zu den Genfer Konventionen verpflichtet Israel, den schnellen und ungehinderten Transport solcher Hilfsg&uuml;ter zuzulassen und zu erleichtern. Gem&auml;&szlig; den Artikeln 23 und 55 der Vierten Genfer Konvention muss Israel als Besatzungsmacht den freien Transport aller Lieferungen mit medizinischen G&uuml;tern, religi&ouml;sen Gegenst&auml;nden und Lebensmitteln zulassen und eine ausreichende Versorgung der Bev&ouml;lkerung mit Lebensmitteln und medizinischen G&uuml;tern sicherstellen. Das San Remo Handbuch legt in den Regeln 102 bis 104 fest, dass Blockaden, die dazu f&uuml;hren, dass Zivilisten hungern m&uuml;ssen oder ihnen der Zugang zu lebenswichtiger humanit&auml;rer Hilfe verwehrt wird, rechtswidrig sind. Da die Global Sumud Flotilla die Kriterien der Neutralit&auml;t, Menschlichkeit und Unparteilichkeit erf&uuml;llt, w&uuml;rde eine Behinderung ihrer Durchfahrt einen Versto&szlig; gegen diese rechtlichen Verpflichtungen darstellen und Israel k&ouml;nnte daf&uuml;r nach internationalem Recht zur Verantwortung gezogen werden.<\/p><p>Zusammen bilden die Rechte auf freie Schifffahrt, friedliche Durchfahrt und humanit&auml;re Durchfahrt einen starken rechtlichen Schutzschild f&uuml;r die Global Sumud Flotilla, von der Hohen See &uuml;ber die Hoheitsgew&auml;sser bis zu ihrem Zielort. Diese im V&ouml;lkerrecht verankerten Schutzma&szlig;nahmen gelten uneingeschr&auml;nkt f&uuml;r die unbewaffnete, friedliche und rein humanit&auml;re Mission der Flotilla. Jede Behinderung der Schiffe oder ihrer Teilnehmer, die als Zivilisten gesch&uuml;tzt sind, w&uuml;rde gegen das V&ouml;lkerrecht versto&szlig;en und Israel k&ouml;nnte daf&uuml;r nach internationalem Recht zur Verantwortung gezogen werden.<\/p><p>Die Teilnehmer der Flotilla sind durch Artikel 4 der Vierten Genfer Konvention gesch&uuml;tzt. Als Zivilisten &ndash; nicht Kombattanten &ndash; sind die Teilnehmer &bdquo;gesch&uuml;tzte Personen&rdquo;, wenn sie von israelischen Streitkr&auml;ften abgefangen werden. Dieser Status garantiert eine humane Behandlung und verbietet jede Folter oder unmenschliche oder erniedrigende Behandlung.<\/p><p>Es gibt ebenso schon seit einiger Zeit die Bestrebung um ein milit&auml;risches Eingreifen auf der Basis von UN-Recht aufgrund der Responsibility-to-protect-Doktrin oder zur Verhinderung eines V&ouml;lkermords auf internationaler Ebene. Der international t&auml;tige Jurist Ousman Noor leitet hier die zivilgesellschaftliche Kampagne. Die pal&auml;stinensische Autonomiebeh&ouml;rde hat sich mit einem <a href=\"https:\/\/www.un.org\/unispal\/document\/it-is-time-to-recognize-the-state-of-palestine-as-inherent-to-the-right-to-self-determination-of-the-palestinian-people-letter-from-the-state-of-palestine-a-es-10-1041-s-2025-488\/\">Brief an den Sicherheitsrat<\/a> gewandt und um Hilfe gebeten.<\/p><p><strong>Wie sehen Sie die Entwicklungen der n&auml;chsten Monate? Was glauben Sie, wird auf politischer Ebene passieren &ndash; in Gaza\/Israel, in der Region (Libanon, &Auml;gypten, Syrien, &Auml;gypten etc.), in Deutschland und international? Was f&uuml;r Szenarien sind da aus Ihrer Sicht wahrscheinlich? Und was hoffen Sie, kann Ihre Aktion ver&auml;ndern?<\/strong><\/p><p>Israel wird den V&ouml;lkermord fortsetzen und die Bestrebung, den Gazastreifen ethnisch zu s&auml;ubern und zu annektieren. Deutschland wird dem h&ouml;chstwahrscheinlich nichts entgegensetzen.<\/p><p>Wir hoffen nat&uuml;rlich, dass unsere Mission ihre oben genannten Ziele erreicht. Davon abgesehen werden wir weitermachen und uns neue, kreative Wege einfallen lassen, um diese anhaltenden und von der deutschen Bundesregierung unterst&uuml;tzten Verbrechen gegen die Menschlichkeit und in erster Linie gegen die Pal&auml;stinenser zu beenden. Kein Unrechtssystem wurde aufgrund eines pl&ouml;tzlichen Sinneswandels der herrschenden Unterdr&uuml;ckungsregime beendet, sondern ausschlie&szlig;lich<strong> <\/strong>aufgrund der (internationalen) zivilgesellschaftlichen Mobilisation und Solidarit&auml;tsbewegung. <\/p><p>Wenn wir das, was im Gazastreifen passiert und von unseren f&uuml;hrenden Politikern und Medien als gerechtfertigt angesehen und normalisiert wird, ohne Widerstand akzeptieren und geschehen lassen, stehen uns allen sehr dunkle Zeiten bevor. Die wahllose Gewalt und die Unterdr&uuml;ckung werden nicht an den Landesgrenzen zu Pal&auml;stina Halt machen. Wir erleben dies bereits selbst in Deutschland, wie seit knapp zwei Jahren (und bereits zuvor) Pal&auml;stina-Solidarit&auml;t verfassungswidrig kriminalisiert wird. Das ist ein Angriff auf unser aller Grund- und Freiheitsrechte und &ndash; einmal in Gang gebracht &ndash; nur sehr schwer wieder zu korrigieren. <\/p><p>Das ist ein Prozess, der sich &uuml;blicherweise fortsetzt und dann auch auf andere Themengebiete &uuml;bergreift. Er hat auch nicht bei der Pal&auml;stina-Solidarit&auml;t angefangen, sondern war schon bei den G7- und den G20-Protesten, der Klima-Bewegung und auch im Umgang mit Corona im Ansatz vorhanden. Was wir allerdings jetzt erleben, ist in seiner Intensit&auml;t beispiellos.<\/p><p><strong>Kommen wir noch zu den Medien und der Resonanz: Wie ist bisher das Interesse der Medien in Deutschland und international an Ihrer Aktion? Gibt es Interesse auch von den etablierten Medien?<\/strong><\/p><p>Nein, die deutschen Medien machen sich zum ganz gro&szlig;en Teil ebenso mitschuldig an diesem V&ouml;lkermord. Sie lassen gezielt die Berichterstattung aus oder verdrehen die Inhalte. Sie sind keine vierte kontrollierende Gewalt, sondern das ungefilterte, unkritische und unreflektierte Sprachrohr der Unterdr&uuml;ckungssysteme. Auch das ist stereotypisch f&uuml;r die M&ouml;glichmachung von V&ouml;lkermorden und daher leider nicht verwunderlich.<\/p><p><strong>Wie beobachten Sie die Stimmung zum Thema Pal&auml;stina\/Israel aktuell in Deutschland? Sehen Sie eine Ver&auml;nderung in den letzten Monaten und Wochen?<\/strong><\/p><p>Ja, es gibt immer mehr Unverst&auml;ndnis, auch in der &bdquo;uninformierten&ldquo; deutschen Bev&ouml;lkerung. Allerdings ist die Empathielosigkeit nach wie vor st&auml;rker als die Emp&ouml;rung. Das merkt man daran, dass wenige Deutsche ohne Migrationshintergrund es f&uuml;r n&ouml;tig halten, zu demonstrieren oder wenigstens &ouml;ffentlich in sozialen Medien ihre Stimme zu erheben. Man sieht es auch am W&auml;hlerverhalten: Etwa 80 Prozent der Bev&ouml;lkerung sind gegen Waffenlieferungen nach Israel, dennoch w&auml;hlten rund 90 Prozent derjenigen, die gew&auml;hlt haben, Parteien in den Bundestag 2025, die f&uuml;r weitere Waffenlieferungen nach Israel sind.<\/p><p>Die Gleichg&uuml;ltigkeit &uuml;berwiegt also bei Weitem die Emp&ouml;rung. Auch das ist stereotypisch f&uuml;r V&ouml;lkermorde und eine Folge der medialen Propaganda, mit der die Bev&ouml;lkerung in Apathie versetzt wird.<\/p><p><strong>Vielen Dank f&uuml;r das Gespr&auml;ch!<\/strong><\/p><p><small>Titelbild: Global Sumud Flotilla &amp; Melanie Schweizer<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/ca095938d2cd479b9ba57674c3408a7f\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Sommer 2025 &uuml;bernahm <strong>Melanie Schweizer<\/strong> eine f&uuml;hrende Rolle im Organisationskomitee der &bdquo;Global Sumud Flotilla&ldquo; &ndash; einer zivilgesellschaftlichen internationalen Initiative, die mit Dutzenden von Booten die Blockade Gazas durchbrechen will. Im Interview spricht Schweizer &uuml;ber ihre Motivation, die Pl&auml;ne der Initiative und die Rechtslage nach internationalem Recht in Bezug auf die Situation in Gaza. 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