{"id":137737,"date":"2025-08-21T11:00:50","date_gmt":"2025-08-21T09:00:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=137737"},"modified":"2025-08-21T16:56:04","modified_gmt":"2025-08-21T14:56:04","slug":"die-zukunft-des-libanon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=137737","title":{"rendered":"Die Zukunft des Libanon"},"content":{"rendered":"<p>Im und um den Libanon wird gestritten. Der kleine Zedernstaat am &ouml;stlichen Rand des Mittelmeeres kommt auch Jahrzehnte nach der Unabh&auml;ngigkeit vom franz&ouml;sischen Mandat nicht zur Ruhe. Das Mandat, autorisiert vom damaligen V&ouml;lkerbund, dauerte von 1920 bis 1943. Doch die franz&ouml;sischen Truppen zogen erst 1946 ab. Von <strong>Karin Leukefeld<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6964\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-137737-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250821-Zukunft-des-Libanon-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250821-Zukunft-des-Libanon-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250821-Zukunft-des-Libanon-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250821-Zukunft-des-Libanon-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=137737-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250821-Zukunft-des-Libanon-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250821-Zukunft-des-Libanon-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Irgendwie ist Frankreich allerdings nie ganz gegangen. Die koloniale &bdquo;F&uuml;rsorge&ldquo; der Regierungen in Paris hat ihre Spuren hinterlassen. In manchen Privatschulen wird auf Franz&ouml;sisch unterrichtet, das franz&ouml;sische Schulsystem gilt im ganzen Land. Frankreich erteilt Ratschl&auml;ge, wie besser regiert werden sollte, unterst&uuml;tzt Strafma&szlig;nahmen (Sanktionen) bei &bdquo;Fehlverhalten&ldquo; und bietet &ndash; bei &bdquo;Wohlverhalten&ldquo; &ndash; wirtschaftliche Hilfe, um dem Zedernstaat aus Dauerkrisen zu helfen. Die franz&ouml;sische Politik ist in gewisser Weise zum Standard gegen&uuml;ber dem Libanon geworden, auch in Berlin und London sieht man im Zedernstaat keinen unabh&auml;ngigen, souver&auml;nen Staat und vollwertiges UN-Mitglied und mischt sich wie selbstverst&auml;ndlich in die inneren Angelegenheiten ein. &Auml;hnlich die Haltung der USA und verb&uuml;ndeter arabischer Staaten, mit dem Nachbarland Israel befindet der Libanon sich nach zahlreichen israelischen Besetzungen im Kriegszustand.<\/p><p>Viele der Dauerkrisen sind darauf zur&uuml;ckzuf&uuml;hren, dass das franz&ouml;sische Mandat dem Libanon ein politisches System hinterlie&szlig;, in dem nicht nationale und staatliche Unabh&auml;ngigkeit im Mittelpunkt stand und steht. Vielmehr definiert per Gesetz die Zugeh&ouml;rigkeit zu einer Religion die Rechte der Libanesen. Und wie bei allen Staaten der Region sind die Krisen und Kriege auch im Libanon auf die kolonial-imperiale Zerteilung w&auml;hrend und nach dem Ersten Weltkrieg (1914-1918) zur&uuml;ckzuf&uuml;hren.<\/p><p>Wichtige Faktoren dieser Entwicklung waren das <a href=\"https:\/\/www.britannica.com\/event\/Sykes-Picot-Agreement\">Sykes-Picot-Abkommen (1916)<\/a>, die <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/die-balfour-deklaration-von-1917-wer-hat-wem-was-versprochen-100.html\">Balfour-Erkl&auml;rung (1917)<\/a> sowie <a href=\"https:\/\/www.lib-hilfe.de\/infos_ausstellung.html\">die Vertreibung der Pal&auml;stinenser<\/a>, um den Staat Israel zu errichten (1948).<\/p><p><strong>Die UN-Interimsmission f&uuml;r den Libanon, UNIFIL<\/strong><\/p><p>Libanon steht aktuell im UN-Sicherheitsrat ganz oben auf der Agenda. Es geht um die Verl&auml;ngerung des Mandats der UN-Interimsmission, UNIFIL. Frankreich ist im Sicherheitsrat als <a href=\"https:\/\/www.securitycouncilreport.org\/research-reports\/the-penholder-system.php\">&bdquo;Penholder&ldquo;<\/a> f&uuml;r den Libanon zust&auml;ndig. Das bedeutet, wann immer der Libanon auf der Tagesordnung steht, spricht Frankreich zuerst und &uuml;bernimmt alle notwendigen Initiativen bez&uuml;glich der jeweiligen Debatte.<\/p><p>Das UNIFIL-Mandat wird j&auml;hrlich verl&auml;ngert. Die aktuell 10.509 Soldaten der Mission kommen aus 47 L&auml;ndern. Deutschland beteiligt sich an der UNIFIL-Mission mit bis zu 300 Soldaten und Soldatinnen und leitet die maritime, die seeseitige Mission, um illegale Waffenlieferungen in das Land zu stoppen. Zudem bildet Deutschland die libanesische Marine aus.<\/p><p>Das aktuelle <a href=\"https:\/\/unifil.unmissions.org\/unifil-mandate\">UNIFIL-Mandat<\/a> endet am 31. August und soll auf Antrag des Libanon um ein weiteres Jahr bis zum 31. August 2026 verl&auml;ngert werden. Die UN-Mission kontrolliert den S&uuml;dlibanon seit 1978, um den Abzug der israelischen Truppen aus dem Libanon zu &uuml;berwachen, die Teile des Landes besetzt hatten (UNSR-Resolutionen 425, 426, 1978).<\/p><p>Im Jahr 2000 &ndash; nach dem R&uuml;ckzug der israelischen Truppen, den die libanesische Hisbollah mit zahlreichen Guerillaoperationen bef&ouml;rdert hatte &ndash; zog UNIFIL die &bdquo;Blaue Linie&ldquo;, eine libanesisch-israelische Waffenstillstandslinie, um den israelischen R&uuml;ckzug zu best&auml;tigen. Das von UNIFIL kontrollierte Gebiet befindet sich zwischen dieser &bdquo;Blauen Linie&ldquo; und dem ca. 30 Kilometer n&ouml;rdlich verlaufenden Fluss Litani.<\/p><p>Im Jahr 2006 &ndash; nach einem erneuten Krieg zwischen Israel und Libanon\/Hisbollah &ndash; wurde dieses UNIFIL-Mandat vom UN-Sicherheitsrat erweitert mit der UNSR-Resolution 1701. Danach soll der R&uuml;ckzug der israelischen Truppen &uuml;berwacht und die Autorit&auml;t der libanesischen Regierung unterst&uuml;tzt werden. Zudem sollen in dem Gebiet zwischen der &bdquo;Blauen Linie&ldquo; und dem Litani ausschlie&szlig;lich die Libanesische Armee und UNIFIL &uuml;ber Waffen verf&uuml;gen. Mit anderen Worten: Weder die israelische Armee &ndash; die abziehen muss &ndash; noch die libanesische Hisbollah, Amal-Bewegung oder andere nichtstaatliche bewaffnete Organisationen sollen in dem Gebiet &uuml;ber Waffen verf&uuml;gen. Die Waffen sollen der libanesischen Armee &uuml;bergeben werden.<\/p><p>Im November 2024 &ndash; nach einem Jahr Krieg zwischen Israel und Libanon\/Hisbollah &ndash; &auml;nderte sich das UNIFIL-Mandat erneut. Das <em>Abkommen zur Beendigung der Gewalt<\/em>, das die USA und Frankreich zwischen Israel und Libanon\/Hisbollah ausgehandelt hatten, beendete offiziell die beidseitigen Angriffe, die von September 2024 bis Ende November 2024 <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=118916\">das Ausma&szlig; eines Krieges erreicht hatten<\/a>.<\/p><p>Die Gewalt zwischen Libanon\/Hisbollah und Israel hatte am 8. Oktober 2023 mit der Entscheidung der Hisbollah begonnen, die Pal&auml;stinenser im Gazastreifen zu unterst&uuml;tzen. Diese wurden seit dem 7. Oktober 2023 von der israelischen Armee bombardiert. Israel reagierte auf einen Angriff pal&auml;stinensischer K&auml;mpfer am Morgen des 7. Oktober 2023 am gleichen Tag mit dem Bombardement ziviler Infrastruktur im pal&auml;stinensischen Gazastreifen.<\/p><p><strong>Das <\/strong><em><strong>Abkommen zur Beendigung der Gewalt<\/strong><\/em><\/p><p>Mit dem <em>Abkommen zur Beendigung der Gewalt<\/em> wurde der urspr&uuml;ngliche UNIFIL-Mechanismus ver&auml;ndert. Ein Milit&auml;rrat unter Vorsitz der USA kontrolliert nun die Situation im S&uuml;dlibanon, mit dabei Frankreich, die libanesische Armee und die israelische Armee. UNIFIL ist Gastgeber. Der zwischen 2006 und 2024 bestehende Mechanismus aus Dreiertreffen von Milit&auml;rs aus Israel, Libanon und von UNIFIL, um Konflikte entlang der &bdquo;Blauen Linie&ldquo; zu besprechen und zu kl&auml;ren, war au&szlig;er Kraft gesetzt.<\/p><p>Laut der <a href=\"https:\/\/www.peaceagreements.org\/media\/documents\/IL_LB_241126_Announcement_of_a_Cessation_of_Hostilities_and_Related_Commitments.pdf\">libanesisch-israelischen Vereinbarung<\/a> sollten seitens Israel keine milit&auml;rischen Angriffe mehr auf libanesisches Territorium ver&uuml;bt werden. Die libanesische Regierung ihrerseits sollte Hisbollah und andere bewaffnete Gruppen daran hindern, Ziele in Israel anzugreifen. &bdquo;Inoffizielle&ldquo;, d.h. nichtstaatliche milit&auml;rische Infrastruktur sollte von der libanesischen Armee entfernt, nichtstaatliche Waffen sollten beschlagnahmt werden.<\/p><p>Sowohl Israel als auch libanesische Medien berichteten allerdings von einer bilateralen Vereinbarung zwischen den USA und Israel, womit Israel das Recht zugestanden wird, auf &bdquo;Bedrohungen&ldquo; durch die Hisbollah zu reagieren.<\/p><p>Davon hat Israel ausgiebig und t&auml;glich, manchmal mehrmals am Tag Gebrauch gemacht. Innerhalb eines Monats (Dezember 2024) wurden in den Orten im S&uuml;dlibanon mindestens 800 H&auml;user und Geb&auml;ude gesprengt. Mehr als 4.000 Mal bombardierte Israel seit Inkrafttreten des Abkommens Ziele im ganzen Libanon, einschlie&szlig;lich Beirut. Mehr als 200 Personen wurden seit Beginn des <em>Abkommens zur Beendigung der Gewalt<\/em> gezielt get&ouml;tet. Extreme Siedler aus dem Libanon wollen <a href=\"https:\/\/www.middleeasteye.net\/news\/israeli-settler-group-advertises-new-properties-southern-lebanon\">den S&uuml;dlibanon bis zum Litani-Fluss besiedeln<\/a>.<\/p><p>Mitte Februar zogen die israelischen Truppen von zahlreichen Stellungen aus dem S&uuml;dlibanon ab, halten seitdem aber f&uuml;nf H&uuml;gel und zwei Pufferzonen besetzt. Mindestens 98 Mal operierten israelische Truppen von dort aus in libanesische Ortschaften hinein, hei&szlig;t es in einem UN-Bericht. Sie blockieren die R&uuml;ckkehr der Bev&ouml;lkerung und die Stationierung der libanesischen Armee. Opfer israelischer Angriffe gibt es sowohl unter der libanesischen Zivilbev&ouml;lkerung als auch unter Soldaten der libanesischen Armee. Auch Mitglieder der Hisbollah werden gezielt get&ouml;tet. Bis Ende Juni 2025 hat die libanesische Armee nach UN-Angaben 116 Positionen s&uuml;dlich des Litani eingerichtet und insgesamt 7.522 Soldaten stationiert. Waffenlager und unterirdische Stellungen, auch Tunnel wurden gefunden und ger&auml;umt.<\/p><p>UNIFIL wurde und wird immer wieder in der Arbeit behindert. Aufgebrachte Bewohner vermuten in den Aktivit&auml;ten der internationalen Truppe verdeckte Spionage ausl&auml;ndischer Staaten. Israelische Truppen haben UNIFIL-Stellungen w&auml;hrend des Krieges wiederholt direkt unter Feuer genommen und die UN-Blauhelme aufgefordert, das Gebiet zu verlassen, weil sie der Hisbollah Deckung g&auml;ben. UNIFIL blieb.<\/p><p><strong>Libanon beantragt die Verl&auml;ngerung des UNIFIL-Mandats<\/strong><\/p><p>Der Antrag der libanesischen Regierung vom Juni 2025, das UNIFIL-Mandat um ein weiteres Jahr zu verl&auml;ngern, entspricht dem Mehrheitswillen im Libanon &uuml;ber politische Grenzen hinweg. UN-Generalsekret&auml;r Antonio Guterres hat im Juli 2025 dem UN-Sicherheitsrat empfohlen, das Mandat um ein Jahr zu verl&auml;ngern. Die UN-Generalversammlung hat bereits ein Budget f&uuml;r die Verl&auml;ngerung der Mission bewilligt. Die Resolution zur Verl&auml;ngerung des UNIFIL-Mandats wurde in der Generalversammlung von 147 Staaten angenommen. Drei Staaten stimmten dagegen, es gab eine Enthaltung.<\/p><p>Israel und die USA wollen ein Ende des UNIFIL-Mandats. Israel hat das wiederholt &ouml;ffentlich erkl&auml;rt, wirbt daf&uuml;r bei Verb&uuml;ndeten und hat UNIFIL-Posten direkt angegriffen. US-Pr&auml;sident Donald Trump hat die Gelder, die von UN-Mitgliedsstaaten f&uuml;r UN-Friedensmissionen und auch f&uuml;r UNIFIL eingezahlt werden, f&uuml;r 2025 gek&uuml;rzt und f&uuml;r 2026 nicht bewilligt. Begr&uuml;ndet wurde das u.a. mit &bdquo;Unzufriedenheit &uuml;ber UNIFIL&ldquo;, <a href=\"https:\/\/www.securitycouncilreport.org\/monthly-forecast\/2025-08\/lebanon-34.php?utm_medium=email&amp;utm_campaign=The%20Week%20Ahead%2018-22%20August%202025&amp;utm_content=The%20Week%20Ahead%2018-22%20August%202025+CID_6453945b32e04c1c65b64bbf6db8ace5&amp;utm_source=Email%20Newsletter&amp;utm_term=Lebanon\">wie einem UN-Bericht zu entnehmen ist<\/a>.<\/p><p>Die Mitglieder im UN-Sicherheitsrat unterst&uuml;tzen mehrheitlich die Verl&auml;ngerung der UNIFIL-Mission und betonen dabei die stabilisierende Funktion der UNIFIL im S&uuml;dlibanon. Frankreich hat vorgeschlagen, dass die f&uuml;nf Positionen, die israelische Truppen im S&uuml;dlibanon besetzt halten, von UNIFIL-Truppen kontrolliert werden k&ouml;nnten. Die UN-Resolution 1701 allerdings sieht vor, dass das gesamte Gebiet &ndash; einschlie&szlig;lich der f&uuml;nf israelisch besetzten Positionen &ndash; von der libanesischen Armee kontrolliert werden sollen.<\/p><p>Scharfe Unterschiede gibt es laut UN bei den Sicherheitsratsmitgliedern hinsichtlich der Einstufung der Hisbollah. Manche unterscheiden zwischen dem milit&auml;rischen und politischen Fl&uuml;gel der Organisation und haben deren milit&auml;rischen Teil als &bdquo;Terrororganisation&ldquo; gelistet. Andere, beispielsweise Russland, stufen Hisbollah als &bdquo;legitime sozialpolitische Kraft im Libanon&ldquo; ein. Russland und China lehnen eine Einmischung des Sicherheitsrates in die internen politischen Angelegenheiten des Libanon ab. Die Hisbollah verf&uuml;gt &uuml;ber gro&szlig;e Unterst&uuml;tzung im Libanon, ist im Parlament vertreten und auch in der Regierung. Eine Entscheidung des UN-Sicherheitsrates &uuml;ber die Mandatsverl&auml;ngerung wird sp&auml;testens in der kommenden Woche erwartet.<\/p><p><strong>Teile und herrsche<\/strong><\/p><p>Thomas Barrack, US-Botschafter in der T&uuml;rkei seit Mai 2025 und US-Sonderbeauftragter f&uuml;r Syrien und Libanon, hat bei zahlreichen Regierungsgespr&auml;chen in Beirut den Druck auf die libanesische Regierung erh&ouml;ht. Zus&auml;tzlich zu der UN-Sicherheitsratsresolution 1701 &ndash; die die Entwaffnung nichtstaatlicher Akteure im S&uuml;dlibanon und den vollst&auml;ndigen R&uuml;ckzug israelischer Truppen vorsieht &ndash; solle die Regierung einen Beschluss herbeif&uuml;hren, die Hisbollah komplett zu entwaffnen. Dann werde die USA Israel dr&auml;ngen, sich aus dem Libanon zur&uuml;ckzuziehen und die Angriffe einzustellen. Unklar ist bis heute, ob Israel dem zustimmt.<\/p><p>Als Vorlage f&uuml;r einen solchen Regierungsbeschluss legte Barrack einen <a href=\"https:\/\/globalbridge.ch\/libanon-im-visier-zuckerbrot-und-peitsche-fuer-den-zedernstaat\/\">Vier-Phasen-Plan<\/a> vor, der bis Ende des Jahres 2025 umgesetzt werden solle. In diesem US-Plan sind elf Klauseln enthalten, wie der Libanon seine Grenzen mit Israel und Syrien festlegen solle. Wenn alles so umgesetzt werde wie in dem Plan aufgeschrieben, w&uuml;rden die USA, Frankreich und arabische Golfstaaten einen Wirtschaftsgipfel organisieren, um die Wirtschaft des Libanon und den Wiederaufbau zu unterst&uuml;tzen. F&uuml;r die libanesische Armee wird &bdquo;milit&auml;rische Hilfe&ldquo; zugesagt.<\/p><p>In einem <a href=\"https:\/\/www.thenationalnews.com\/news\/us\/2025\/07\/11\/tom-barrack-lebanon-hezbollah\/\">Interview mit der Zeitung <em>The National<\/em><\/a> erkl&auml;rte Barrack wenig sp&auml;ter, sollte der Libanon den Plan nicht schnell umsetzen, werde die Entwicklung &uuml;ber das Land hinwegziehen und es werde wieder zu &bdquo;Bilad al Sham&ldquo; werden. Das war der historische Name Syriens und bedeutet mit anderen Worten, Libanon werde wieder Teil Syriens oder von Syrien eingenommen. &bdquo;Die Syrer sagen, Libanon ist ihr Badestrand&ldquo;, so Barrack.<\/p><p><strong>Innerlibanesische Angelegenheit<\/strong><\/p><p>In Gespr&auml;chen mit dem libanesischen Pr&auml;sidenten Joseph Aoun als auch in wiederholten &ouml;ffentlichen Stellungnahmen hatte Hisbollah erkl&auml;rt, in Zusammenarbeit mit Regierung und Armee im Libanon die &Uuml;bergabe der Waffen zu regeln. Allerdings sei das eine innerlibanesische Angelegenheit und man werde auf keinen Fall unter Zeitdruck handeln. Bis zum Litani-Fluss sind die Waffen weitgehend unter der Kontrolle der libanesischen Armee, die Kampfverb&auml;nde der Hisbollah haben sich und schwere Waffen in das Gebiet n&ouml;rdlich des Litani zur&uuml;ckgezogen. Diese Waffen werde Hisbollah nicht abgeben, solange Israel weiter im Libanon angreift und t&ouml;tet, Gebiete im S&uuml;dlibanon besetzt h&auml;lt und den R&uuml;ckzug verweigert, so die Organisation. Hisbollah zu entwaffnen bedeute, das Land schutzlos Israel zu &uuml;berlassen, so <a href=\"https:\/\/english.almanar.com.lb\/2477092\">Hisbollah-Chef Naim Qassem<\/a> anl&auml;sslich des religi&ouml;sen schiitisch-muslimischen Gedenktages <em>Arbaeen<\/em>.<\/p><p>Wenn n&ouml;tig, werde der Widerstand (Hisbollah) k&auml;mpfen, <a href=\"https:\/\/www.zvab.com\/schiitische-Islam-Heinz-Halm-C.H-Beck\/31954292381\/bd\">&bdquo;wie Imam Hussein in Kerbala k&auml;mpfte&ldquo;<\/a>.<\/p><p>Die <em>Vereinbarung zur Beendigung der Gewalt<\/em> wird von Hisbollah eingehalten, was von verschiedenen Seiten einschlie&szlig;lich UNIFIL best&auml;tigt wird.<\/p><p><strong>Die libanesische Regierung und die Libanesen<\/strong><\/p><p>Ministerpr&auml;sident Nawaf Salam und verschiedene Medien werfen Naim Qassem vor, einen B&uuml;rgerkrieg zu befeuern. Tats&auml;chlich ist die Lage im Libanon vor allem entlang der religi&ouml;sen Gruppen sehr angespannt. Manche werfen der Hisbollah vor, Marionetten des Iran zu sein, und fordern schiitisch-muslimische Libanesen auf, den Libanon zu verlassen und in den Iran zu gehen. Das erinnert an das westdeutsche Motto <a href=\"https:\/\/www.globkult.de\/politik\/besprechungen\/1791-frank-blohm-geh-doch-rueber-revisited-ein-ost-west-lesebuch\">&bdquo;Geht doch nach dr&uuml;ben&ldquo;<\/a>. Der Konflikt ist ein anderer.<\/p><p>Tats&auml;chlich geh&ouml;ren Schiiten ebenso wie alle anderen Religionsgruppen zur libanesischen Gesellschaft. Sie werden gew&auml;hlt und sind im Parlament sowie in der Regierung vertreten. Die Frage der Bewaffnung der Hisbollah ist eine Antwort auf die israelische Invasion im Libanon und Massaker an pal&auml;stinensischen Fl&uuml;chtlingen in Beirut 1982. Nicht nur f&uuml;r libanesische Schiiten sind die Waffen der Hisbollah gegen Israel gerechtfertigt, solange Israel seine expansionistische Politik gegen&uuml;ber den V&ouml;lkern der Levante nicht stoppt. Sie sind gerechtfertigt, weil die libanesische Armee schwach und schlecht ausgebildet ist und die Libanesen &ndash; im ganzen Land &ndash; nicht vor israelischen Angriffen sch&uuml;tzen kann.<\/p><p>Auch die libanesischen Regierungen werden allgemein als schwach, korrupt und abh&auml;ngig von den USA, Frankreich oder Saudi-Arabien abgelehnt, zumal die Sorge um die Menschen, die Schaffung von Arbeitspl&auml;tzen, Gesundheitsversorgung, Sicherheit und Schutz auch gegen israelische Angriffe nicht gew&auml;hrleistet sind. Die Libanesen helfen sich seit Jahrzehnten selbst. Sie &uuml;berleben und leben, weil ihre Familienangeh&ouml;rigen, die in vielen L&auml;ndern der Welt arbeiten, ihre Verwandten im Libanon unterst&uuml;tzen. Hilfe vom Staat gibt es nicht.<\/p><p><strong>Wem nutzt es<\/strong><\/p><p>Nach den Drohungen Tom Barracks, die Existenz des Libanon sei gef&auml;hrdet, wenn es den Plan zur Entwaffnung nicht umsetze, reagierte Ministerpr&auml;sident Nawaf Salam, der Regierungschef, sofort. Entgegen anderen Vorschl&auml;gen, auch seitens Pr&auml;sident Joseph Aoun, legte Salam der Regierung den Plan des Tom Barrack zur Abstimmung vor. Die Minister der verb&uuml;ndeten (schiitischen) Amal-Bewegung und Hisbollah verlie&szlig;en vor der Abstimmung die Sitzung unter Protest. Die verbliebenen Regierungsmitglieder verabschiedeten den Barrack-Plan einstimmig.<\/p><p>Der US-amerikanische Druck und die fortgesetzten israelischen Angriffe haben nicht nur die libanesische Regierung entzweit, sondern auch die libanesische Bev&ouml;lkerung gespalten. Teile der libanesischen Medien, vor allem aber die &bdquo;sozialen Medien&ldquo; bef&ouml;rdern mit Hetze, Vorw&uuml;rfen, falschen Behauptungen, mit religi&ouml;sen, sektiererischen Anfeindungen die gesellschaftliche Spaltung. Beobachter verschiedener Lager sprechen von der M&ouml;glichkeit eines erneuten B&uuml;rgerkrieges.<\/p><p>Israel nutzt das, um seine Drohungen zu versch&auml;rfen. <a href=\"https:\/\/english.aawsat.com\/arab-world\/5151476-israel%E2%80%99s-katz-warns-more-lebanon-strikes-if-hezbollah-not-disarmed\">Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz warnte<\/a>, es werde &bdquo;ohne Sicherheit f&uuml;r den Staat Israel keine Ruhe in Beirut geben, keine Ordnung oder Stabilit&auml;t im Libanon&ldquo;. Wenn der Libanon nicht tue, &bdquo;was verlangt wird, werden wir weiter handeln und mit gro&szlig;er Gewalt&ldquo;.<\/p><p><small>Titelbild: Hiba Al Kallas \/ Shutterstock<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im und um den Libanon wird gestritten. Der kleine Zedernstaat am &ouml;stlichen Rand des Mittelmeeres kommt auch Jahrzehnte nach der Unabh&auml;ngigkeit vom franz&ouml;sischen Mandat nicht zur Ruhe. Das Mandat, autorisiert vom damaligen V&ouml;lkerbund, dauerte von 1920 bis 1943. Doch die franz&ouml;sischen Truppen zogen erst 1946 ab. Von <strong>Karin Leukefeld<\/strong>.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":137738,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,20,171],"tags":[1043,2829,1557,1792,2301,1583,639,1556,2360],"class_list":["post-137737","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-landerberichte","category-militaereinsaetzekriege","tag-frankreich","tag-hisbollah","tag-israel","tag-kolonialismus","tag-konfrontationspolitik","tag-libanon","tag-uno","tag-usa","tag-zivile-opfer"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/shutterstock_1792305058.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/137737","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=137737"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/137737\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":137779,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/137737\/revisions\/137779"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/137738"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=137737"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=137737"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=137737"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}