{"id":13775,"date":"2012-07-05T14:11:16","date_gmt":"2012-07-05T12:11:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13775"},"modified":"2015-03-06T16:00:15","modified_gmt":"2015-03-06T15:00:15","slug":"das-grose-geld-macht-mobil-gegen-hollande-die-erfahrung-lehrt-nur-offensives-kontern-bietet-eine-chance","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13775","title":{"rendered":"Das Gro\u00dfe Geld macht mobil gegen Hollande. Die Erfahrung lehrt: nur offensives Kontern bietet eine Chance."},"content":{"rendered":"<p>Am 4. Juli erschien in der Financial Times international eine als Brief an den franz&ouml;sischen Pr&auml;sidenten aufgemachte <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/120705_das_grosse_geld_frankreich_ft-advertisement.pdf\">ganzseitige Anzeige [PDF &ndash; 33.7 KB]<\/a>. Absender ist der in Luxemburg und London ans&auml;ssige vermeintliche Franzose, Edouard Carmignac. Er betreibt dort eine <a href=\"http:\/\/www.carmignac.co.uk\/en\/index.htm\">Verm&ouml;gensverwaltung, Finanzdienstleistung und Fonds<\/a>. Die Anzeige ist eine einzige Aggression gegen die Sozialstaatlichkeit Frankreichs; empfohlen werden Reformen nach deutschem Muster. Das ist ein Beispiel von vielen f&uuml;r die Versuche, Druck auf den neuen franz&ouml;sischen Pr&auml;sidenten auszu&uuml;ben, unter anderem dadurch, dass man zum Kapitalabfluss aus Frankreich ermuntert. Auf das aggressive Vorgehen des Gro&szlig;en Geldes und den hier wieder erkennbaren Versuch, die &ouml;ffentliche Meinung zu bestimmen, kann man z&ouml;gerlich und anpassend reagieren. Und man kann offensiv kontern. Mit einem solchen Konter hat die SPD, die damalige SPD, genau vor 40 Jahren mit 45,8 % ihr bisher bestes Ergebnis erreicht. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDie Parallelen sind beachtlich, wenn auch nicht hundertprozentig. <\/p><p><strong>Der Druck auf Frankreich wird enorm sein und mit allen Mitteln ausge&uuml;bt<\/strong><\/p><ul>\n<li>Im konkreten Fall meldet sich ein Finanzmann zu Wort, der offenbar seine Gesch&auml;fte von den Steuerfluchtorten Luxemburg und London aus betreibt. Er sagt dem franz&ouml;sischen Pr&auml;sidenten von dort aus, dass der franz&ouml;sische Pr&auml;sident die verbliebenen sozialstaatlichen Elemente zusammen streichen soll.<\/li>\n<li>Er verweist als Hebel auf das Nachbarland Deutschland und seine Reformen; dabei zitiert er als besonders gutes Beispiel der Reformen die Erh&ouml;hung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre und die dazu kontr&auml;re Altersgrenze f&uuml;r einen begrenzten Kreis in Frankreich auf 60 Jahre. Dass dies f&uuml;r einen begrenzten Kreis gilt schreibt er in seiner Anzeige nicht. Und selbstverst&auml;ndlich gibt er auch nicht Preis, dass in Deutschland die Erh&ouml;hung des Renteneintrittsalters bisher eine absolut irrelevante Reform geblieben ist. Ihre einzige Auswirkung: die Rentenerwartung der arbeitenden Generation ist um 7,2 % abgesenkt worden.<\/li>\n<li>Dabei sollte man immer noch im Hinterkopf behalten, dass der Verweis auf die Erh&ouml;hung des Renteneintrittsalters in Deutschland nur deshalb m&ouml;glich ist, weil die Parteifreunde von Pr&auml;sident Hollande in Deutschland, namentlich M&uuml;ntefering, dieses durchgesetzt haben &ndash; nat&uuml;rlich unter Beifall der konservativen und liberalen Partei.<\/li>\n<li>Wir m&uuml;ssen erwarten, dass die deutsche Regierung und &Ouml;ffentlichkeit ihren Druck auf Hollande erh&ouml;hen wird. Sie werden die Spekulation gegen Frankreich anheizen. Das wird schon deshalb geschehen, weil nur dann die deutsche Regierung im Verein mit ihr die Opposition von SPD und Gr&uuml;nen ihren Irrweg weitergehen k&ouml;nnen.<\/li>\n<li>Der Druck kommt in Frankreich auch aus dem Inneren, wie man am Beispiel der Schelte des franz&ouml;sischen Rechnungshofs sehen kann.<\/li>\n<\/ul><p><strong>Die Erfahrungen mit einer Intervention des gro&szlig;en Geldes im Deutschland<\/strong><\/p><p>Im November 1971 erschien in meinungsf&uuml;hrenden Bl&auml;ttern der Bundesrepublik eine gro&szlig;e Anzeige gegen die Wirtschaftspolitik und Finanzpolitik der Regierung Brandt mit der Schlagzeile: &bdquo;Wir k&ouml;nnen nicht l&auml;nger schweigen&ldquo;, sie war unterschrieben von einer gr&ouml;&szlig;eren Zahl deutscher Manager und Unternehmer. Immerhin war diese Intervention mit offenem Visier gef&uuml;hrt, anders als das, was dann in Laufe des Jahres 1972 bis zum Wahltag am 19. November 1972 folgte: 100 anonyme Anzeigen mit aggressiven Inhalten und &Uuml;berschriften und Fotos. Diese Intervention der CDU\/CSU-Hilfstruppen kostete mit rund 34,5 Millionen DM mehr als der gesamte Wahlkampf einer der beiden gro&szlig;en Parteien. <\/p><p>Die SPD F&uuml;hrung stand damals vor der Frage, ob sie diese massive Intervention &uuml;ber sich hinweg schwappen lassen wollte, was ein Teil der SPD F&uuml;hrung empfahl, oder ob sie offensiv kontert. Willy Brandt hat sich f&uuml;r die offensive Variante entschieden und diese auch gegen Widerstand durchgesetzt. Die Intervention des gro&szlig;en Geldes wurde zu einem der ganz gro&szlig;en Themen des Wahlkampfes.<\/p><p>Der Wahlkampf der anonymen Gruppen ist in rororo aktuell Nummer 1658, herausgegeben von J&ouml;rg Richter, dokumentiert. Die Kampagne und die Reaktion der SPD darauf ist in meinem Buch &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2381\">Willy w&auml;hlen<\/a>&ldquo; analysiert und teilweise ebenfalls dokumentiert.<\/p><p>Genauer wird darauf in einem weiteren Beitrag eingegangen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 4. Juli erschien in der Financial Times international eine als Brief an den franz&ouml;sischen Pr&auml;sidenten aufgemachte <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/120705_das_grosse_geld_frankreich_ft-advertisement.pdf\">ganzseitige Anzeige [PDF &ndash; 33.7 KB]<\/a>. Absender ist der in Luxemburg und London ans&auml;ssige vermeintliche Franzose, Edouard Carmignac. Er betreibt dort eine <a href=\"http:\/\/www.carmignac.co.uk\/en\/index.htm\">Verm&ouml;gensverwaltung, Finanzdienstleistung und Fonds<\/a>. Die Anzeige ist eine einzige Aggression gegen die Sozialstaatlichkeit Frankreichs;<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13775\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[123,20,190],"tags":[293,1043,1094],"class_list":["post-13775","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kampagnentarnworteneusprech","category-landerberichte","category-wahlen","tag-finanzwirtschaft","tag-frankreich","tag-hollande-francois"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13775","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=13775"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13775\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13777,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13775\/revisions\/13777"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=13775"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=13775"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=13775"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}