{"id":137786,"date":"2025-08-22T09:00:14","date_gmt":"2025-08-22T07:00:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=137786"},"modified":"2025-08-25T06:39:02","modified_gmt":"2025-08-25T04:39:02","slug":"amnesty-ist-ein-terrorverherrlichendes-hamas-outlet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=137786","title":{"rendered":"\u201eAmnesty ist ein terrorverherrlichendes Hamas-Outlet\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wie Deutsche der Welt und den Juden erkl&auml;ren, was Antisemitismus ist, oder: Warum Hannah Arendt den nach ihr benannten Preis heute nie bekommen w&uuml;rde.<\/strong> Im November 2018 ver&ouml;ffentlicht der Blog <em>Ruhrbarone<\/em> ein Schwarz-Wei&szlig;-Foto, es ist eine Totale von einem d&uuml;steren Ort unter dr&auml;uenden Wolken. Ausgeweidete Erde bis zum Horizont. Grabesdunkel, menschenleer. &Uuml;ber dieses Bild l&auml;uft in Gro&szlig;buchstaben ein Befehl: &bdquo;TRANSFORM GAZA TO GARZWEILER&ldquo;. Das sei f&uuml;r ihn, so kommentiert Meron Mendel, Direktor der Bildungsst&auml;tte Anne Frank, eine <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/koeniglichbayerischeantifa\/posts\/nein-vernichtungsfantasien-sind-keine-israelsolidarit%C3%A4t-mit-dem-slogan-transform\/1315767411894391\/\">&bdquo;explizite Vernichtungsfantasie&ldquo;<\/a>. Jetzt, sieben Jahre sp&auml;ter, wo Gaza tats&auml;chlich zur apokalyptischen Ruinenlandschaft geworden ist, sieht es aus, als w&auml;re die notd&uuml;rftig als Satire verkleidete Aufforderung zum V&ouml;lkermord in die Tat umgesetzt worden. Von <strong>Rupert Koppold<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2746\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-137786-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250822_Amnesty_ist_ein_terrorverherrlichendes_Hamas_Outlet_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250822_Amnesty_ist_ein_terrorverherrlichendes_Hamas_Outlet_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250822_Amnesty_ist_ein_terrorverherrlichendes_Hamas_Outlet_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250822_Amnesty_ist_ein_terrorverherrlichendes_Hamas_Outlet_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=137786-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250822_Amnesty_ist_ein_terrorverherrlichendes_Hamas_Outlet_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250822_Amnesty_ist_ein_terrorverherrlichendes_Hamas_Outlet_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Der Blog <em>Ruhrbarone<\/em> wird dem antideutschen Spektrum zugerechnet, das sich selbst als links versteht, jedoch bedingungslose Solidarit&auml;t mit Israel verlangt und, weil US-Regierungen Israel bedingungslos verteidigen, auch gegen sogenannten Anti-Amerikanismus ins Feld zieht. Kurz gesagt: Israel und die USA sind mit allem, was sie tun, immer im Recht. Aber muss man sich wirklich auseinandersetzen mit diesem extrem aggressiven und extrem einseitigen Blog? Ist das nicht blo&szlig; ein giftig-tr&uuml;bes Rinnsal am Rand des Mainstream und deshalb nicht weiter beachtenswert?<\/p><p>Das Problem: Dieser Blog wird beachtet. Und er erh&auml;lt von entscheidenden Stellen die Macht zum Canceln. So br&uuml;sten sich die <em>Ruhrbarone<\/em> etwa damit, dass die Schriftstellerin Sharon Dodua Otoo Ende 2023 auf Blog-Intervention hin &ndash; sie hat bei &bdquo;Artists for Palestine&ldquo; unterschrieben &ndash;, auf den Peter-Weiss-Preis der Stadt Bochum verzichtet. Otoo kommt damit der Bedenken &auml;u&szlig;ernden Jury zuvor. Kurz darauf, im Januar 2024, wird auch die Performance-K&uuml;nstlerin Laurie Anderson wegen ihrer Unterschrift f&uuml;r einen &bdquo;Letter Against Apartheid&ldquo; dazu gedr&auml;ngt, auf die ihr angetragene Pina Bausch Professur der Essener Folkwang Universit&auml;t zu verzichten.<\/p><p><strong>Erst einen Preis verleihen, dann an den Pranger stellen<\/strong><\/p><p>Schon 2022, also noch vor den Massakern der Hamas und der israelischen Streitkr&auml;fte, denunzieren die Blogwarte erfolgreich die Autorin Caryl Churchill. Das Schauspiel Stuttgart hatte der Britin zun&auml;chst den &bdquo;Europ&auml;ischen Dramatiker:innenpreis&ldquo; verliehen, diese Ehrung aber &bdquo;wegen Antisemitismus-Vorw&uuml;rfen&ldquo; wieder zur&uuml;ckgenommen. Es ging um das St&uuml;ck &bdquo;Seven Jewish Children &ndash; A Play for Gaza&ldquo;, das Churchill im Jahr 2009 als Reaktion auf israelische Milit&auml;rschl&auml;ge geschrieben hatte. Die Premiere am Londoner Royal Court Theatre wurde vom j&uuml;dischen Regisseur Dominic Cooke inszeniert, fast alle Schauspieler sind ebenfalls Juden, Antisemitismusvorw&uuml;rfe gegen das St&uuml;ck wurden etwa vom j&uuml;dischen Dramatiker Tony Kushner (&bdquo;Angels in America&ldquo;) vehement zur&uuml;ckgewiesen.<\/p><p>F&uuml;r die <em>Stuttgarter Zeitung<\/em> (5. November 2022) aber steht der Antisemitismus des St&uuml;cks fest, sie gibt sich emp&ouml;rt, dass dieser nicht sofort erkannt wurde. Eine Redakteurin geht die an der Jury-Entscheidung beteiligte BW-Kunstministerin Petra Olschowski schon mit ihrer ersten Interview-Frage an: &bdquo;Frau Olschowski, Thomas Wessel vom Internetblog Ruhrbarone sagt, nach drei Minuten Internetsuche k&ouml;nne man finden, wie sich Caryl Churchill zu Israel positioniert.<strong> <\/strong>Warum hat die <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.antisemitismusvorwurf-gegen-caryl-churchill-dramatikerin-wird-preis-aberkannt.136f220c-dffb-46d3-8d06-ae093bec9570.html\">Jury<\/a> nicht auch gegoogelt?&ldquo; Die Ministerin antwortet defensiv, man sei tats&auml;chlich von den <em>Ruhrbaronen<\/em> informiert worden, habe danach aber sofort reagiert. So also geht Kulturpolitik? So macht man aus einem kleinen Denunzianten-Blog eine gro&szlig;e und richtungweisende Instanz!<\/p><p>Aber es sind nat&uuml;rlich nicht nur die <em>Ruhrbarone<\/em>, die den Antisemitismus-Begriff auf ihre Art auslegen. Es sind auch offizielle Antisemitismus-Beauftragte wie der f&uuml;r den Bund zust&auml;ndige Felix Klein, der den verst&auml;rkten Einsatz des Verfassungsschutzes an deutschen Universit&auml;ten fordert (<em>NZZ<\/em>, 1. April 2025),<strong> <\/strong>oder der f&uuml;r Baden-W&uuml;rttemberg t&auml;tige und auch beim Fall Churchill beteiligte Michael Blume, die immer wieder &bdquo;F&auml;lle&ldquo; zum Canceln melden. In der <em>Stuttgarter Zeitung<\/em> (4. Januar 2024) sagt Blume, er &bdquo;habe der Stadt Stuttgart in Gespr&auml;chen geraten, Israel- und generell demokratiefeindliche Verb&auml;nde konsequent von der st&auml;dtischen Homepage zu nehmen.&ldquo; Was sein eigenes Demokratieverst&auml;ndnis angeht: In seinen X-Kommentaren outet Blume sich nicht nur als Anh&auml;nger &bdquo;gro&szlig;er Liberaler&ldquo; wie Friedrich August von Hayek, Idol der Neoliberalen, sondern auch von Ayn Rand, jener US-Autorin, die in ihren Werken <a href=\"https:\/\/scilogs.spektrum.de\/natur-des-glaubens\/verschwoerungsfragen-35-karl-popper-und-george-soros-zwischen-liberalismus-und-verschwoerungsglauben\/#comment-107818\">eine Diktatur der Eliten fordert<\/a>. Die bayerische Gr&uuml;nen-Chefin Katharina Schulze fordert &uuml;brigens <a href=\"https:\/\/twitter.com\/heiditheblogger\/status\/1752985778026586352\">eine bequemere Art des Denunzierens<\/a>: &bdquo;Wir brauchen weitere konkrete Ma&szlig;nahmen, zum Beispiel eine virtuelle Polizeiwache, so dass jede B&uuml;rgerin, jeder B&uuml;rger, Hass, Hetze, Beleidigungen, Bedrohungen, Antisemitismus bequem und einfach von zu Hause aus, vom Sofa aus anzeigen kann.&ldquo;<\/p><p><strong>Auch Volker Beck meldet und meldet und meldet<\/strong><\/p><p>Ein flei&szlig;iger Melder ist auch Volker Beck (Gr&uuml;ne), der laut <em>Stuttgarter Zeitung<\/em> (2. November 2022) den Parteifreund und BW-Ministerpr&auml;sidenten Winfried Kretschmann in Sachen Caryl Churchill aufforderte, &bdquo;die Schirmherrschaft f&uuml;r den ,Europ&auml;ischen Dramatiker:innen Preis&lsquo; zur&uuml;ckzugeben.&ldquo; Beck war Schwulenreferent der gr&uuml;nen Bundestagsfraktion und war oder ist religionspolitischer, migrationspolitischer, menschenrechtspolitischer und rechtspolitischer Sprecher seiner Partei. Er ist au&szlig;erdem Pr&auml;sident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG), und als solcher kritisiert er jetzt die Entscheidung der deutschen Regierung, nicht mehr f&uuml;r den Gaza-Krieg verwendbare Waffen an Israel zu liefern. Beck bef&uuml;rchtet auch, <a href=\"https:\/\/www.juedische-allgemeine.de\/politik\/deutsche-hochnaesigkeit-beck-kritisiert-stopp-der-waffenlieferungen-an-israel\/\">so zitiert ihn die <em>J&uuml;dische Allgemeine<\/em><\/a>, israelische Gegenma&szlig;nahmen: &bdquo;Vor deutscher Hochn&auml;sigkeit sei gewarnt. Wenn sich Israel bei R&uuml;stungslieferungen nach Deutschland revanchieren sollte, sieht es um die Zukunft deutscher Luftsicherheit schlecht bestellt aus.&ldquo;<\/p><p>Auf der Plattform <em>X<\/em>, auf der Beck mit Israel-Flagge, Ukraine-Flagge, Fisch und gelber Schleife firmiert, schreibt er am 9. August 2025: &bdquo;Wer heute Israels Verteidigung schw&auml;cht, st&auml;rkt jene, die antisemitische Ressentiments l&auml;ngst pflegen &ndash; und gibt ihnen die B&uuml;hne, sie offen auszuleben. Ein solches Embargo ist kein Beitrag zum Frieden. Es ist ein Verrat an unseren eigenen Grundwerten.&ldquo; Weitere X-&Auml;u&szlig;erungen von Volker Beck: &bdquo;Beten wir f&uuml;r <a href=\"https:\/\/x.com\/hashtag\/Israel?src=hashtag_click\">#Israel<\/a>.&ldquo;, schreibt er am 1. Oktober 2024. &bdquo;Die Welt muss sich gegen die grundlosen Angriffe auf ein Mitglied der Vereinten Nationen stellen. Israel darf in diesen Stunden nicht allein gelassen werden. Auch milit&auml;risch nicht.&ldquo; Und am 6. Oktober 2024 erkennt er: &bdquo;Amnesty ist ein terrorverherrlichendes Hamas-Outlet geworden.&ldquo; Was Amnesty International verbrochen hat? Die Organisation spricht von Apartheid und V&ouml;lkermord.<\/p><p>&bdquo;Unsere vernichtenden Ergebnisse m&uuml;ssen ein Weckruf f&uuml;r die internationale Gemeinschaft sein: Dies ist V&ouml;lkermord&ldquo;, so sagt <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/nachrichten\/politik\/ausland\/amnesty-israel-vorwurf-voelkermord-palaestinenser-nahost-100.html\">laut <em>ZDF<\/em> (5. Dezember 2024)<\/a> die Amnesty-Generalsekret&auml;rin Agn&egrave;s Callamard tats&auml;chlich. Und sie fordert: &bdquo;Es muss jetzt aufh&ouml;ren.&ldquo; Anfang August 2025 schlie&szlig;t sich diesem Verdikt auch der israelische Schriftsteller David Grossman (&bdquo;Eine Frau flieht vor einer Nachricht&ldquo;) an. Der mit dem Booker- und dem Heine-Preis sowie mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnete Autor sagt, er tue dies &bdquo;schweren Herzens&ldquo;, es lie&szlig;e sich aber nicht mehr vermeiden. Wenn so etwas passiert, dann gilt f&uuml;r manche wahrscheinlich der denkw&uuml;rdige Satz, den der Zeit-Journalist Jens Jessen am 20. Dezember 2023 in die Welt entlassen hat: &bdquo;Bestimmte Formen der Israelkritik m&uuml;ssen ein j&uuml;disches Privileg bleiben. Deutsche sollen sie nur respektieren, nicht bejubeln.&ldquo;<\/p><p><strong>Deborah Feldman: &bdquo;Jetzt sind vor allem die Juden Antisemiten&ldquo;<\/strong><\/p><p>Viele deutsche Politiker, Journalisten und Kulturschaffende aber respektieren auch j&uuml;dische Kritik an der israelischen Regierung nicht. Sie wollen sogar f&uuml;r Juden verbindlich festlegen, was Antisemitismus ist. Zum Beispiel nicht nur jede Sympathie f&uuml;r, sondern auch jede Diskussion &uuml;ber BDS. (Israel &uuml;bt &uuml;brigens an der Seite der USA selbst staatlichen Boykott aus &ndash; gegen Kuba.) Die in Berlin lebende j&uuml;dische Autorin Deborah Feldman (&bdquo;Unorthodox&ldquo;) konstatiert am 10. M&auml;rz 2024 <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/news\/2024-03\/10\/deborah-feldman-wirft-bundesregierung-verrat-an-juden-vor\">laut <em>Zeit<\/em><\/a>, was auch andere Kritiker der israelischen Regierung &ndash; j&uuml;dische und nichtj&uuml;dische &ndash; konstatieren: &bdquo;In Deutschland werde der Antisemitismus-Vorwurf gezielt eingesetzt, um Kritik an der israelischen Regierung zu ersticken.&ldquo; Seit dem Terrorangriff der Hamas habe sich das verschlimmert, inzwischen habe sie, Feldman, den Eindruck, es sei &bdquo;fast eine Massenhysterie geworden. Jetzt ist alles Antisemitismus, jetzt sind vor allem die Juden Antisemiten.&ldquo;<\/p><p>Ist das nicht falsch oder zumindest &uuml;bertrieben? Nun, der j&uuml;dische Regisseur Brian Glazer wurde bei der Oscar-Verleihung 2024 f&uuml;r seinen Auschwitz-Film &bdquo;The Zone of Interest&ldquo; zun&auml;chst geehrt und dann &ndash; vor allem von deutschsprachigen Medien &ndash; kritisiert. Er hatte in seiner Dankesrede erkl&auml;rt, so die <em>Zeit<\/em> am 15. M&auml;rz 2024, &bdquo;dass die M&auml;nner auf der B&uuml;hne sich dagegen verwehrten, wie ihre j&uuml;dische Identit&auml;t und der Holocaust gekapert worden seien, um eine Besatzung zu rechtfertigen, die zahlreiche unschuldige Menschen zu Opfern eines Konflikts mache &ndash; am 7. Oktober des vergangenen Jahres in Israel sowie heute w&auml;hrend der israelischen Angriffe im Gazastreifen.&ldquo; F&uuml;r die <em>Welt<\/em> betrieb Glazer damit &bdquo;Schuldumkehr&ldquo;, f&uuml;r die <em>NZZ<\/em> machte er sich der &bdquo;Hetze gegen Israel&ldquo; schuldig.<\/p><p>Nein, das ist eben kein Einzelfall. Israelkritische Juden werden in deutschen Medien oft ignoriert, so wie etwa 2023, als es zu j&uuml;dischen Massenprotesten an der New Yorker Freiheitsstatue (<em>Guardian<\/em>, 6. November 2023) oder der zeitweise lahmgelegten Union Station kam (<em>The Times of Israel<\/em>, 28. Oktober 2023), bei denen ein Waffenstillstand f&uuml;r Gaza gefordert wurde. &bdquo;Wir m&uuml;ssen lauter schreien&ldquo;, so die am Protest beteiligte K&uuml;nstlerin Nan Goldin, &bdquo;egal, wer auch immer versucht, uns zum Schweigen zu bringen.&ldquo; Zum Schweigen gebracht werden solche Stimmen bei uns jedoch immer wieder &ndash; und wenn das Ignorieren nicht hilft, dann durch aktives Canceln.<\/p><p><strong>Das deutsche Canceln israelkritischer Juden<\/strong><\/p><p>&bdquo;Die Gedenkst&auml;tte Buchenwald l&auml;dt Omri Boehm als Redner aus &ndash; Israels Botschaft greift ihn an&ldquo;, <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/kultur-vergnuegen\/die-gedenkstaette-buchenwald-laedt-den-omri-boehm-als-redner-aus-israels-botschaft-greift-ihn-an-li.2313002\">so titelt am 2. April 2025 die <em>Berliner Zeitung<\/em><\/a> und schreibt weiter: &bdquo;Der deutsch-israelische Philosoph sollte zum 80. Jahrestag der Befreiung &uuml;ber Menschenrechte sprechen. Die israelische Botschaft &auml;u&szlig;ert heftige Vorw&uuml;rfe gegen ihn.&ldquo; Die Gedenkst&auml;tte bedauert nat&uuml;rlich, knickt aber sofort ein und l&auml;dt aus. Ganz reibungslos l&auml;uft die Veranstaltung trotzdem nicht. Als eine junge Rednerin bei der Buchenwald-Gedenkfeier von einem Genozid in Gaza spricht, passiert laut <em>Welt<\/em> vom 7. April 2025 dies: &bdquo;Der Direktor der Stiftung Gedenkst&auml;tten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Jens Christian Wagner, griff direkt ein: Es m&uuml;sse um die unschuldig Get&ouml;teten dort getrauert werden k&ouml;nnen &ndash; aber von einem ,Genozid&lsquo; zu sprechen, gerade an einem Ort wie Buchenwald geh&ouml;re sich nicht.&ldquo;<\/p><p>Gleich mehrfach gecancelt wird die j&uuml;disch-s&uuml;dafrikanische K&uuml;nstlerin Candice Breitz. Ende 2022 geht es um ein internationales Symposium zur Erinnerungskultur, kuratiert von ihr und dem j&uuml;dischen Holocaustforscher Michael Rothberg. Ausrichten wollte dies zun&auml;chst die Berliner Akademie der K&uuml;nste, nach deren Absage sprang die Bundeszentrale f&uuml;r politische Bildung ein, die das Symposion nach dem 7. Oktober 2023 aber ebenfalls absagte. &bdquo;We still need to talk&ldquo;, so lautete der Titel, es sollte um &bdquo;die Rolle der Kunst und der k&uuml;nstlerischen Freiheit angesichts wachsenden Antisemitismus, Rassismus und Islamophobie&ldquo; gehen.<\/p><p>Ende 2023 sagt dann das Saarlandmuseum Saarbr&uuml;cken <a href=\"https:\/\/www.monopol-magazin.de\/candice-breitz-saarlandmuseum-absage-kommentar\">eine Breitz-Ausstellung ab<\/a>: &bdquo;Der Vorstand trifft diese Entscheidung nach reiflicher &Uuml;berlegung in Anbetracht der medialen Berichterstattung &uuml;ber die K&uuml;nstlerin im Zusammenhang mit ihren kontroversen &Auml;u&szlig;erungen im Kontext des Angriffskrieges der Hamas auf den Staat Israel. Die SSK m&ouml;chte durch die Absage der Ausstellung deutlich zum Ausdruck bringen, dass sie vor diesem Hintergrund nicht bereit ist, K&uuml;nstler*innen ein Podium zu bieten, die sich nicht klar gegen den Terror der Hamas positionieren.&ldquo;<\/p><p><strong>Die Instrumentalisierung des Holocaust<\/strong><\/p><p>Der j&uuml;dische Architekt Eyal Weizman, der aus einer Familie von Holocaust-&Uuml;berlebenden stammt, h&auml;lt die Saarbr&uuml;cker Begr&uuml;ndung f&uuml;r irrsinnig (&bdquo;mind-boggling&ldquo;), <a href=\"https:\/\/granta.com\/once-again-germany-defines-who-is-a-jew-part-ii\/\">er fragt in bitterem Ton<\/a>: &bdquo;Wenn also eine j&uuml;dische K&uuml;nstlerin den Hamas-Angriff nicht auf die gleiche Stufe stellt wie den Holocaust, dann kann sie ihre Werke in Deutschland nicht zeigen?&ldquo; Weizman ist Chef der Gruppe &bdquo;Forensic Architecture&ldquo;, die F&auml;lle von staatlicher Gewalt und Menschenrechtsverletzungen untersucht. Er ist auch Fellow der Bosch-Stiftung und geh&ouml;rt laut dieser dem technologischen Beirat des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag an. Weizman hat sich in seinem Aufsatz <a href=\"https:\/\/monde-diplomatique.de\/!5970412\">&bdquo;Abschotten und einhegen &ndash; der Masterplan und die Wirklichkeit&ldquo;<\/a> auch mit Gaza besch&auml;ftigt.<\/p><p>Die j&uuml;dische Philosophieprofessorin Susan Neiman, Direktorin des Potsdamer Einstein Forums, schreibt am 14. Dezember 2023 im <em>Freitag<\/em>: &bdquo;Die Unf&auml;higkeit, die Instrumentalisierung des Holocausts durch die politische Rechte zu durchschauen, belastet auch die Erinnerungskultur von Menschen, die aus vollem Herzen die Solidarit&auml;t mit Israel aufrechterhalten wollen. Viele schienen auch nicht zu merken, dass diese Instrumentalisierung von rechten israelischen Regierungen gefordert wird, um jede Kritik ihrer Politik zu delegitimieren &hellip; W&auml;hrend wir in Berlin &uuml;ber die deutsche Erinnerungskultur streiten, sterben zahllose Kinder in Gaza &hellip; &ldquo; Doch es wird weiter gecancelt. Im April 2024 widerruft die Universit&auml;t K&ouml;ln die Albertus-Magnus-Gastprofessur, die f&uuml;r die j&uuml;dische Philosophin Nancy Fraser vorgesehen war. Sie hatte am 1. November 2023 den Offenen Brief &bdquo;Philosophy for Palestine&ldquo; unterzeichnet. Fraser reiht ihren Fall in das ein, was ihre Kollegin Susan Neiman als &bdquo;philosemitischen McCarthyismus&ldquo; bezeichnet.<\/p><p>Neiman hat sich auch gegen die deutsche Anti-BDS-Kampagne und deren Versch&auml;rfung ge&auml;u&szlig;ert. Der <em>Tagesspiegel<\/em> schreibt am 29. November 2023: &bdquo;Neiman verweist darauf, dass eine verst&auml;rkte Resolution Antisemitismus keinesfalls verhindern w&uuml;rde, sondern vielmehr einen Backlash ausl&ouml;sen w&uuml;rde. Die Folgen w&auml;ren f&uuml;r das Kulturleben in Deutschland verheerend. Schon jetzt w&uuml;rden deutsche Stiftungen von gef&ouml;rderten Kulturinitiativen aus dem Ausland gebeten, dass man ihren Namen von der Website n&auml;hme, da sie Probleme f&uuml;rchteten. Neiman betont au&szlig;erdem, dass sowohl der Wissenschaftsdienst des Deutschen Bundestages als auch diverse Gerichte bereits die erste BDS-Resolution f&uuml;r nicht verfassungskonform erkl&auml;rt h&auml;tten.&ldquo;<\/p><p>&bdquo;<strong>Was stimmt mit dieser Kulturbranche nicht?&ldquo;<\/strong><\/p><p>Die neue Berlinale-Chefin Tricia Tuttle spricht in einem Interview mit dem <em>Guardian<\/em> (16. Dezember 2024) davon, dass Filmemacher, deren Namen sie lieber nicht nennen wolle, Angst vor den Vorgaben des derzeitigen deutschen Kulturbetriebs h&auml;tten. &bdquo;Die Menschen sind besorgt: Hei&szlig;t das, dass ich nicht sprechen darf? Hei&szlig;t das, dass ich keine Empathie oder Sympathie f&uuml;r die Opfer in Gaza ausdr&uuml;cken darf? Hei&szlig;t das, wenn ich dies sage, dann muss ich gleichzeitig auch dies sagen?&ldquo; Im Vorjahr hatte die Berlinale den Film &bdquo;No other Land&ldquo;, in dem unter anderem zu sehen ist, wie ein Siedler im Westjordanland aus n&auml;chster N&auml;he einen unbewaffneten Pal&auml;stinenser niederschie&szlig;t, mit dem Dokumentarfilm-Preis ausgezeichnet.<\/p><p>Als der pal&auml;stinensische &bdquo;No-other-Land&ldquo;-Regisseur Basel Adra bei der Dankesrede Deutschland aufforderte, die Waffenlieferungen nach Israel einzustellen, sein israelischer Co-Regisseur Yuval Abraham das Wort Apartheid in den Mund nahm und diese Reden von einem internationalen Publikum beklatscht wurden, machten deutsche Politiker und Medien daraus einen Skandal. Der unvermeidliche Volker Beck erkl&auml;rte, das sei &bdquo;ein kultureller, intellektueller und ethischer Tiefpunkt&ldquo; der Berlinale gewesen, f&uuml;r die <em>SZ<\/em> war es &bdquo;bizarres Israel-Bashing&ldquo;, f&uuml;r den <em>Stern<\/em> (25. Februar 2024) &bdquo;Israel-Hass auf offener B&uuml;hne&ldquo;. Der <em>Stern<\/em> stellt dann die richtige, wenn auch anders gemeinte Frage: &bdquo;Was stimmt mit dieser Kulturbranche nicht?&ldquo; Die gr&uuml;ne Kulturministerin Claudia Roth verk&uuml;ndete &uuml;brigens, nachdem sie beim Preisverleihungsklatschen &bdquo;erwischt&ldquo; wurde, sie habe nur f&uuml;r den israelischen Regisseur geklatscht, nicht f&uuml;r den pal&auml;stinensischen.<\/p><p>Im zum Polit-Propaganda-Forum verkommenen 3Sat-Magazin &bdquo;Kulturzeit&ldquo; &ndash; das zum Beispiel am 8. Dezember 2023 Candice Breitz wegen ihrer Israel-Kritik ausgeladen hat &ndash; wurde Mariette Rissenbeek, damalige Co-Leiterin der Berlinale, von C&eacute;cile Schortmann zum &bdquo;Skandal&ldquo;, nein, nicht interviewt, man muss schon sagen: verh&ouml;rt. Der Berliner B&uuml;rgermeister Kai Wegner (CDU) spricht auf <em>X<\/em> (25. Februar 2024) von &bdquo;Antisemitismus&ldquo; und droht: &bdquo;Ich erwarte von der neuen Leitung der Berlinale, sicherzustellen, dass sich solche Vorf&auml;lle nicht wiederholen.&ldquo; Diese neue Leitung, n&auml;mlich Tricia Tuttle, verteidigte &bdquo;No other Land&ldquo; jedoch, als der Film Ende 2024 in die Kinos kam: &bdquo;Ein Diskurs, der suggeriert, dieser Film oder seine Macher seien antisemitisch, ist f&uuml;r alle von ihnen gef&auml;hrlich, innerhalb und au&szlig;erhalb von Deutschland.&ldquo; Yuval Abraham erhielt Morddrohungen, Hamdan Ball, einer der vier Regisseure, wurde von Siedlern geschlagen und vom Milit&auml;r inhaftiert, der ebenfalls am Film beteiligte Odeh Hadin, so melden es am 29. Juli 2025 der <em>Rolling Stone<\/em> und andere, in der Westbank von Siedlern get&ouml;tet.<\/p><p><strong>F&uuml;r Masha Gessen ist Gaza ein Ghetto<\/strong><\/p><p>Was Gaza betrifft, schreibt die j&uuml;disch-amerikanische Autorin Masha Gessen im <em>New Yorker<\/em>: &bdquo;Seit 17 Jahren ist Gaza ein &uuml;berm&auml;&szlig;ig besiedeltes, verarmtes, eingemauertes Lager, das auch nur f&uuml;r kurze Zeit zu verlassen nur ein kleiner Teil der Bev&ouml;lkerung das Recht hat &ndash; in anderen Worten, ein Ghetto&ldquo;. Gessen pr&auml;zisiert: Gaza sei &bdquo;nicht wie ein j&uuml;disches Ghetto in Venedig oder wie ein innerhalb einer Stadt gelegenes Ghetto in Amerika, sondern wie ein j&uuml;disches Getto in einem von Nazi-Deutschland besetzten osteurop&auml;ischen Land&ldquo;. Diese Aussagen prangert die Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG) in einem Offenen Brief an, sodass sich die Heinrich-B&ouml;ll-Stiftung und der Bremer Senat Ende 2023 nicht mehr an der Verleihung des Hannah-Arendt-Preises an Masha Gessen beteiligten. <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/kultur-vergnuegen\/debatte\/masha-gessen-in-berlin-der-versuch-mich-mundtot-zu-machen-ist-misslungen-li.2169713\">Gessen erkl&auml;rt zu den Vorw&uuml;rfen<\/a>: &bdquo;Kritik an Israel als antisemitisch zu bezeichnen, trivialisiert Antisemitismus und gef&auml;hrdet Juden.&ldquo; <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/debatten\/nahostkonflikt-deborah-feldman-und-masha-gessen-inszenieren-sich-als-opfer-19454996.html\">Die <em>FAZ<\/em> kommentiert h&ouml;hnisch<\/a>: &bdquo;Wie sch&ouml;n sie doch das Zensurtheater inszenieren&ldquo;.<\/p><p>Die DIG vermutet bei Masha Gessen ein &bdquo;tiefsitzendes und grunds&auml;tzliches negatives Vorurteil gegen&uuml;ber dem j&uuml;dischen Staat&ldquo;, ihre &Auml;u&szlig;erungen st&uuml;nden auch &bdquo;in deutlichem Gegensatz zum Denken Hannah Arendts.&ldquo; Die Britin Samantha Hill allerdings, die eine Arendt-Biografie geschrieben und deren Gedichte &uuml;bersetzt und herausgegeben hat, sieht das anders. Die &Uuml;berschrift ihres Textes (<em>Guardian<\/em>, 18. Dezember 2023), der als Reaktion auf den Fall Gessen geschrieben wurde, lautet: &bdquo;Hannah Arendt would not qualify for the Hannah Arendt prize in Germany today&ldquo;. Hill begr&uuml;ndet das so: &bdquo;Sie w&uuml;rde heute in Deutschland gecancelt werden wegen ihrer politischen Position in Bezug auf Israel und ihren Ansichten zum zeitgen&ouml;ssischen Zionismus, gegen&uuml;ber dem sie von 1942 bis zu ihrem Tod 1975 kritisch blieb.&ldquo; Hill zitiert aus einem Brief, den Arendt 1955 in Jerusalem an ihren Mann Heinrich Bl&uuml;cher schrieb: &bdquo;&hellip; sie behandeln die Araber, jene, die noch hier sind, auf eine Weise, dass schon dies Grund genug w&auml;re, die ganze Welt gegen Israel aufzubringen&ldquo;. Die j&uuml;disch-kanadische Journalistin Naomi Klein, von der <em>taz<\/em> und anderen auch schon als &bdquo;antisemitisch&ldquo; bezeichnet, sagt einem <a href=\"https:\/\/www.fr.de\/kultur\/gesellschaft\/naomi-klein-ueber-antisemitismus-die-deutsche-erinnerungskultur-hat-eine-eingefrorene-qualitaet-92760872.html\">Interview mit der <em>Frankfurter Rundschau<\/em> (5. Januar 2024)<\/a>: &bdquo;F&uuml;r Hannah Arendt war es in den 1950er-Jahren normal zu sagen, dass israelische Politiker sich wie Faschisten verhalten. Wenn Masha Gessen 2023 etwas &Auml;hnliches sagt, heben Leute den Zeigefinger und sagen: &sbquo;Wie k&ouml;nnen Sie es wagen?&lsquo;&ldquo;<\/p><p><strong>Arendt und Einstein protestierten gegen den Terroristen Begin<\/strong><\/p><p>Schon im Dezember 1948 hat Hannah Arendt zusammen mit Albert Einstein und anderen einen <a class=\"nolity\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Massaker_von_Deir_Yasin#\/media\/Datei:Albert_Einstein_and_others_letter.jpg\">Leserbrief an die <em>New York Times<\/em><\/a> geschrieben, der scharf gegen den Besuch des sp&auml;teren israelischen Ministerpr&auml;sidenten Menachem Begin protestiert. Begin, vorher Mitglied der terroristischen Untergrundorganisation Irgun, war damals F&uuml;hrer der neuen &bdquo;Cherut&ldquo;-Partei. Er gr&uuml;ndete dann 1973 die Likud-Partei, der auch Benjamin Netanjahu angeh&ouml;rt. Und Begin war mitverantwortlich f&uuml;r das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Massaker_von_Deir_Yasin#Weblinks\">Massaker von Deir Yasin im April 1948<\/a>, einem pal&auml;stinensischen Dorf, dessen Bewohner sich aus dem Pal&auml;stinakrieg heraushalten wollten, von der Irgun jedoch gnadenlos niedergemetzelt wurden. &bdquo;Die Terroristen, weit entfernt davon, sich ihrer Taten zu sch&auml;men, waren stolz auf das Massaker&ldquo;, schreiben Arendt, Einstein und Co. in ihrem Brief und fahren fort: Sie &bdquo;machten es weithin bekannt und luden s&auml;mtliche Auslandskorrespondenten im Land ein, die Leichenberge und die allgemeine Zerst&ouml;rung in Deir Yasin in Augenschein zu nehmen&ldquo;. Begins Partei, so zieht der Brief ein Fazit, trage den Stempel einer &bdquo;Faschistischen Partei&ldquo;, ihr Ziel sei ein &bdquo;F&uuml;hrerstaat&ldquo;. Begin hat das Massaker immer f&uuml;r notwendig erkl&auml;rt.<\/p><p>Mut sei die politische Tugend par excellence, habe Hannah Arendt geschrieben, so Samantha Hill, &bdquo;weil er verlangt, seinen Ruf und sein Leben zu riskieren, um eine politische Meinung zu &auml;u&szlig;ern&ldquo;. Vermutlich f&uuml;hlen sich nicht alle deutschen Politiker, Journalisten und K&uuml;nstler im engen offiziellen Meinungskorridor wohl, aber sie haben Angst, dies zu &auml;u&szlig;ern. Denn es lauern da schlie&szlig;lich jene, die sofort mit dem Finger zeigen, &bdquo;Antisemitismus!&ldquo; rufen und damit berufliche und soziale &Auml;chtung verlangen und oft auch bewirken. Waren zum Beispiel im Fall Caryl Churchill die f&uuml;nf Juroren, die einer Dramatikerin zun&auml;chst einen Preis verliehen und sie dann an den Pranger stellten, wirklich vom Antisemitismus-Vorwurf &uuml;berzeugt? Oder waren sie nur feige und besch&auml;digten lieber den guten Ruf von Caryl Churchill als Gefahr zu laufen, den eigenen zu verlieren? In der Jury damals, im Jahr 2022: die Kultur-Journalisten Peter K&uuml;mmel und Peter Michalzik, die Intendanten Thomas Ostermeier und Barbara Engelhardt, die Kunstministerin Petra Olschowski. Gerne h&auml;tte man diese f&uuml;nf gefragt, wie sie heute, vor dem Hintergrund eines v&ouml;lkerm&ouml;rderisch zerst&ouml;rten Gaza, &uuml;ber ihre damalige Entscheidung denken.<\/p><p><small>Titelbild: Lightspring \/ Shutterstock<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Wie Deutsche der Welt und den Juden erkl&auml;ren, was Antisemitismus ist, oder: Warum Hannah Arendt den nach ihr benannten Preis heute nie bekommen w&uuml;rde.<\/strong> Im November 2018 ver&ouml;ffentlicht der Blog <em>Ruhrbarone<\/em> ein Schwarz-Wei&szlig;-Foto, es ist eine Totale von einem d&uuml;steren Ort unter dr&auml;uenden Wolken. Ausgeweidete Erde bis zum Horizont. Grabesdunkel, menschenleer. &Uuml;ber dieses Bild l&auml;uft<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=137786\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":52763,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[88,107,126,165,123],"tags":[3179,3577,3041,2970,3212,302,1289,1557,304,1865,827,2507,1281,3417],"class_list":["post-137786","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-antisemitismus","category-audio-podcast","category-erosion-der-demokratie","category-innen-und-gesellschaftspolitik","category-kampagnentarnworteneusprech","tag-arendt-hannah","tag-beck-volker","tag-cancel-culture","tag-denunziation","tag-doppelte-standards","tag-gaza","tag-holocaust","tag-israel","tag-kriegsverbrechen","tag-meinungsfreiheit","tag-stigmatisierung","tag-streitkultur","tag-zionismus","tag-zivilgesellschaftlicher-dialog"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/shutterstock_697455061.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/137786","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=137786"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/137786\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":137917,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/137786\/revisions\/137917"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/52763"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=137786"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=137786"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=137786"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}