{"id":137829,"date":"2025-08-24T12:00:20","date_gmt":"2025-08-24T10:00:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=137829"},"modified":"2025-08-24T12:34:43","modified_gmt":"2025-08-24T10:34:43","slug":"streitende-oligarchen-in-den-neokolonialisierten-philippinen-und-ihre-katastrophale-unterwuerfigkeit-gegenueber-washington-ii-von-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=137829","title":{"rendered":"Streitende Oligarchen in den neokolonialisierten Philippinen und ihre katastrophale Unterw\u00fcrfigkeit gegen\u00fcber Washington (II von II)"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;<em>Fantasie beseelt die Luft&ldquo;<\/em> lautet das Ehrengastmotto der Philippinen auf der diesj&auml;hrigen Frankfurter Buchmesse und will eine Br&uuml;cke zur lebendigen kulturellen und literarischen Bandbreite des s&uuml;dostasiatischen Inselstaates bauen. Das klingt prosaisch und vielversprechend. Weniger gut ist es indes um die &bdquo;gro&szlig;e Politik&ldquo; dieses Landes bestellt. Wie nie zuvor in der Geschichte der am 4. Juli 1946 gegr&uuml;ndeten Republik der Philippinen bek&auml;mpfen sich politische Clans und Familiendynastien bis aufs Messer. Selbst der amtierende Pr&auml;sident Ferdinand &bdquo;Bongbong&ldquo; Marcos Jr. und seine Vizepr&auml;sidentin Sara Duterte, die Tochter seines Amtsvorg&auml;ngers Rodrigo R. Duterte, sind sich sp&auml;testens seit der Jahreswende 2023\/24 spinnefeind. &Uuml;berdies sieht sich die Vizepr&auml;sidentin mit einem Amtsenthebungsverfahren konfrontiert &ndash; mit ungewissem Ausgang. Eine Analyse von <strong>Epifanio San Juan Jr.<\/strong> F&uuml;r die <em>NachDenkSeiten<\/em> besorgte unser S&uuml;dostasienexperte <strong>Rainer Werning<\/strong> die redaktionelle deutsche Bearbeitung sowie die vom Autor autorisierte &Uuml;bersetzung aus dem amerikanischen Englisch.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Vorbemerkung<\/strong><\/p><p><strong>E. San Juan Jr.<\/strong> (87) ist einer der bedeutendsten philippinisch-amerikanischen Intellektuellen und emeritierter Professor f&uuml;r Englisch, vergleichende Literaturwissenschaft sowie ethnische Studien an diversen Universit&auml;ten in den USA. Er war u.a. Stipendiat des <em>W.E.B. Du Bois Institute<\/em> an der Harvard University und Fulbright-Professor f&uuml;r Amerikastudien an der Universit&auml;t Leuven (Belgien). Als Leiter des <em>Philippines Cultural Studies Center<\/em> in Storrs, Connecticut (USA) verfasste er zahlreiche B&uuml;cher &ndash; u.a. &bdquo;US Imperialism and Revolution in the Philippines&ldquo; und &bdquo;From Globalization to National Liberation&ldquo;. 1999 erhielt er den <em>Centennial Award for Achievement in Literature <\/em>vom<em> Cultural Center of the Philippines<\/em> f&uuml;r seine Beitr&auml;ge zu philippinisch-amerikanischen Studien.<\/p><p><em>Die Erstver&ouml;ffentlichung seines Beitrags erschien am 15. Juli 2025 im <\/em>Online-Magazin <em>CounterCurrents<\/em>, das<em> <\/em>in Kumaranalloor, Kottayam District im indischen Bundesstaat Kerala herausgegeben wird. Die unwesentlich gek&uuml;rzte Fassung des <a href=\"https:\/\/countercurrents.org\/2025\/07\/wrangling-oligarchs-in-neocolonized-philippines-and-their-catastrophic-subservience-to-washington\">Originalbeitrags<\/a> erscheint mit ausdr&uuml;cklicher Genehmigung des Verfassers.<\/p><p><em>Den ersten Teil dieses Beitrags <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=137823\">lesen Sie hier<\/a>.<\/em><\/p><p><em>(Rainer Werning)<\/em><\/p><p><strong>Zynische Realpolitik<\/strong><\/p><p>Dutertes &bdquo;populistischer Autoritarismus&ldquo; habe ihm laut Sheila Coronel den Wahlsieg 2016 eingebracht, weil er &bdquo;die Unsicherheit der Menschen und ihre Sehnsucht nach einer effektiven Regierung&ldquo; angesprochen habe (2017). Die Arbeitslosigkeit und der verf&uuml;hrerische, toxische Konsumismus eines medienges&auml;ttigten Milieus h&auml;tten diese Unsicherheit noch verst&auml;rkt. Der Begriff &bdquo;Populismus&ldquo; ist daher irref&uuml;hrend, da das &bdquo;Volk&ldquo; eine Erfindung kommerzieller Umfragen, sozialer Medien usw. ist. Es handelt sich um einen freischwebenden Signifikanten, der jeden repr&auml;sentiert, der nicht an die umstrittene oligarchische Hegemonie gebunden ist und daher als antagonistischer Diskurs formuliert werden kann, um jeden herauszufordern, der an der Macht ist (Laclau 1977). So gab sich Duterte mit passender Rhetorik und vulg&auml;rem Auftreten als &bdquo;sozialer Bandit&rdquo;, der Drogenabh&auml;ngige, die unmoralischen Armen, vor Verderbtheit und Verdammnis retten w&uuml;rde. Er mag popul&auml;r gewesen sein, aber er war kein Populist, da sein Spiel eher theatralisch oder histrionisch als ideologisch war und die Illusion eines messianischen Realit&auml;tseffekts erzeugte, der von der Propaganda eines lokalen\/provinziellen Kriegsherrn auf der Suche nach Charisma ausging. Kurz gesagt, es war alles nur ein billiger Trick eines Taschenspielers mit katastrophalen Folgen. Der Soziologe Wataru Kosaka f&uuml;hrte eine Umfrage unter verarmten Bev&ouml;lkerungsgruppen durch und stellte folgende Hypothese auf:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Dutertes au&szlig;ergerichtliche Gewalt wird weitgehend als &sbquo;harte Liebe&lsquo; akzeptiert, weil seine Legitimit&auml;t nicht in der Einhaltung des Gesetzes begr&uuml;ndet ist, sondern in der fortbestehenden banditen&auml;hnlichen Moral, die sich um das Mitgef&uuml;hl und die Gewalt eines lokalen patriarchalischen Machthabers dreht, der die soziale Ordnung au&szlig;erhalb des Staates aufrechterh&auml;lt.&ldquo; (2017, 72)<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Gewalt, ja, aber Mitgef&uuml;hl? Zweifellos ist der Begriff &bdquo;Populist&ldquo; eine Ad-hoc-Bezeichnung und keine analytische Kategorie. Meiner Ansicht nach war Duterte kein &bdquo;Populist&ldquo;, sondern agierte als Meistermagier, dessen technokratische Berater die Psyche\/den Habitus der von Armut geplagten M&auml;nner manipulierten, um eine kompensatorische Politik des &bdquo;Wir&ldquo; gegen &bdquo;die anderen&ldquo;, der &bdquo;guten B&uuml;rger&ldquo; gegen die kriminalisierten &bdquo;unmoralischen anderen&ldquo;, zu schaffen, die es verdienten, ausgel&ouml;scht zu werden. (Almendral 2017) Diese kompromissbehaftete Zweiteilung zerbrach jedoch in un&uuml;berbr&uuml;ckbare Widerspr&uuml;che. Da es an einem &ouml;ffentlich ausgehandelten Konsens mangelte, st&uuml;tzte sich diese moralisierende Inszenierung auf die launische Passivit&auml;t, den Fatalismus und die vor&uuml;bergehende Leichtgl&auml;ubigkeit ihrer Opfer. Es ist ein prek&auml;res Gleichgewicht, das die Krise des &Uuml;bergangs in der philippinischen Politik kennzeichnet, vom glamour&ouml;sen Aquino\/<em>Trapo<\/em>-Dynastie <em>(Trapo meint traditionelle Politiker und ist zudem das spanische Wort f&uuml;r Putzlappen &ndash; Anm.: RW<\/em>) zur&uuml;ck zu einem parodistischen Marcos-artigen Klientelismus, der von milit&auml;risch-polizeilichen B&uuml;rgerwehren\/Todesschwadronen und ihren Apologeten in den Medien unterst&uuml;tzt wird.<\/p><p>Zwar mangelte es Dutertes Macht w&auml;hrend seiner Amtszeit an Autorit&auml;t, da er sich &uuml;ber traditionelle Rechtsprechungen und verfassungsrechtliche Gebote hinwegsetzte. Seine Herrschaft, die auf militarisierter Zwangsgewalt und <em>fortuna<\/em><em> (<\/em>Arendt 1968) beruhte<em>,<\/em> konnte ohne das Fundament einer souver&auml;nen, wirtschaftlich stabilen, industrialisierten Republik nicht Bestand haben. Notst&auml;nde k&ouml;nnen Barbarei nicht entschuldigen. Dutertes Pr&auml;sidentschaft konnte nicht einmal negative Spuren hinterlassen (im Gegensatz zum martialischen Regime seines Vorbilds Marcos) in einem feudal-kompradorisierten Staatswesen, das von chinesischen Investitionen abh&auml;ngig ist, ganz zu schweigen vom unabdingbaren Einfluss Washingtons und des Pentagons durch den Vertrag &uuml;ber allgemeine Beziehungen von 1946, das Abkommen &uuml;ber erweiterte Verteidigungszusammenarbeit (EDCA) von 2014 und deren Instrumente, den Internationalen W&auml;hrungsfonds und globale Bankenkonsortien. Dutertes Spielchen mit diesen konkurrierenden M&auml;chten zielte darauf ab, die Wirtschaft zu ruinieren und den bestehenden Sozialvertrag zu zerst&ouml;ren, wenn es ohne Unterlass weiterging.<\/p><p>Bislang hat diese vermeintliche &bdquo;soziale Ordnung&rdquo; von Duterte bis Marcos Jr. &ndash; ein Euphemismus f&uuml;r drakonische Vorschriften, summarische Hinrichtungen und au&szlig;ergerichtliche T&ouml;tungen bei Polizeirazzien &ndash; &uuml;ber 30.000 Opfer gefordert. Die Polizei will noch 16.000 &bdquo;F&auml;lle&ldquo; untersuchen. Die Straflosigkeit oder mangelnde Rechenschaftspflicht staatlicher Stellen erkl&auml;rt, warum die Philippinen im <em>Global Impunity Index 2017<\/em> unter 69 untersuchten L&auml;ndern, darunter zahlreiche lateinamerikanische L&auml;nder, an erster Stelle standen. Dutertes brutale Politik zur Bek&auml;mpfung der Drogenabh&auml;ngigkeit &auml;hnelte der verheerenden Trag&ouml;die in Kolumbien, wo die angebliche Heilung &ndash; die Hinrichtung mutma&szlig;licher Drogenabh&auml;ngiger in verarmten Slums &ndash; &bdquo;unendlich schlimmer war als die Krankheit&rdquo; (<em>Time <\/em>Editors, 1. bis 8. Mai 2017, 74). Unterdessen entstehen aus alten und neuen <em>&bdquo;Compadre&rdquo;-<\/em>Netzwerken sowie aus wiederbelebten patrimonialen Dynastien (Marcos, Arroyo und ihresgleichen) neue Oligarchen, die mit Drogenkartellen in Verbindung stehen und geheime Verbindungen zu Dutertes Vertrauten haben und nur darauf warten, ihn zu ersetzen.<\/p><p><strong>Wiederbelebung des &bdquo;Kalten Krieges&ldquo;<\/strong><\/p><p>Der Schock und die Angst, die ein &bdquo;v&auml;terlicher&ldquo; Zuchtmeister Millionen Menschen eingefl&ouml;&szlig;t hat, m&ouml;gen Wunder gewirkt haben: Slums sollten sicher, S&uuml;chtige aus dem Blickfeld verschwunden sein; aber ist irgendjemand rechenschaftspflichtig oder verantwortlich? Wie ist es m&ouml;glich, dass ein &bdquo;m&ouml;rderischer Soziopath&ldquo;, ein vulg&auml;rer Rowdy, in den Philippinen der heutigen Zeit solche Barbarei ver&uuml;ben konnte?<\/p><p>Am 4. Dezember 2018 unterzeichnete Duterte die <em>Executive Order 70 (EO 70)<\/em>, womit gleichzeitig die sogenannte <em>National Task Force to End Local Communist Armed Conflict (NTF-ELCAC)<\/em>, die <em>Nationale Task Force zur Beendigung des lokalen kommunistischen bewaffneten Konflikts<\/em>, auch bekannt als <em>&bdquo;ganzheitlicher Ansatz zur Beendigung des lokalen kommunistischen Aufstands&ldquo;<\/em>, aus der Taufe gehoben wurde. Die ausgemachten Ziele waren zuv&ouml;rderst die <em>Kommunistische Partei der Philippinen (CPP)<\/em> und ihr bewaffneter Fl&uuml;gel, die <em>New People&rsquo;s Army (NPA)<\/em>, sowie das gleicherma&szlig;en im politischen Untergrund agierende B&uuml;ndnis in Gestalt der <em>National Democratic Front oft the Philippines (NDFP)<\/em>. Doch dabei blieb es nicht. Mehr und mehr gerieten auch fortschrittliche legale Organisationen wie <em>Gabriela<\/em>, <em>Bayan Muna<\/em>, <em>Karapatan<\/em>, <em>Ibon<\/em> usw. ins Visier staatlicher Repressionsma&szlig;nahmen, die allesamt verd&auml;chtigt waren und bleiben, als &bdquo;Frontorganisationen der CPP\/NPA\/NDFP&ldquo; zu agieren.<\/p><p>Mit EO 70 schuf Duterte die wichtigste Beh&ouml;rde des Landes zur Verfolgung von Dissidenten, die mit Milit&auml;rangeh&ouml;rigen und pensionierten Offizieren besetzt ist. Seit dem Ende der Friedensgespr&auml;che mit den &bdquo;lokalen Kommunisten&ldquo; im Jahr 2017 bezeichnet die NTF-ELCAC die Aufst&auml;ndischen und ihre Sympathisanten nunmehr als &bdquo;Terroristen&ldquo;. Um ihr rachs&uuml;chtiges, unerbittliches Programm zur Ausrottung dieser Terroristen umzusetzen, wurde diesem Block privilegierter Beamter ein riesiges Budget bewilligt, das aus den Mitteln abgezweigt wurde, die eigentlich zur Bek&auml;mpfung der extremen Armut von Millionen Menschen ben&ouml;tigt werden. Mit drakonischen Ma&szlig;nahmen stigmatisieren und sch&uuml;chtern die staatlichen Zwangsorgane zusammen mit dem Justizsystem weiterhin die &auml;rmsten Schichten der Gesellschaft ein, die durch als &bdquo;rot&ldquo; eingestufte Organisationen wie die <em>Kilusang Magbubukid ng Pilipinas (KMP)<\/em>, das landesweit gr&ouml;&szlig;te Netzwerk von Bauern, die f&uuml;r eine echte Landreform k&auml;mpfen, sowie sozial engagierte Gewerkschaften vertreten werden.<\/p><p>Mit seinem ihm zugeschriebenen &bdquo;Gangster-Charme&rdquo; hatte Duterte die willk&uuml;rliche Gewalt <em>seiner<\/em> Polizei und Soldaten offen bef&uuml;rwortet und sie zu einer Politik des &bdquo;Schie&szlig;en, um zu t&ouml;ten&rdquo; aufgefordert. Er verk&uuml;ndete seinen Befehl &ouml;ffentlich:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Wenn ein Verd&auml;chtiger eine Waffe zieht, t&ouml;tet ihn. Wenn er das nicht tut, t&ouml;tet ihn trotzdem&ldquo; (Simangan 2017; Sajor 2020).<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>&Uuml;ber 30.000 Verd&auml;chtige, darunter auch Jugendliche, starben, alle ohne das Recht auf ein ordentliches Verfahren, die Unschuldsvermutung, ein faires Verfahren usw. Nachdem er die Friedensgespr&auml;che mit der NDFP abgebrochen hatte, begann Duterte mit der systematischen Bombardierung von indigenen Gemeinschaften in mineralreichen Regionen, weil auch sie angeblich Kommunisten unterst&uuml;tzten. Das faschistische Regime konzentrierte sich &uuml;berdies auf die Ermordung von NDFP-Beratern und erhob falsche Anschuldigungen gegen Umweltaktivisten, B&uuml;rgerrechtsverteidiger wie die Vorsitzende der Menschenrechtsorganisation <em>Karapatan<\/em>, Cristina Palabay, Kirchenmitarbeiter und indigene Lehrer, die allesamt beschuldigt wurden, kommunistische Frontleute, Sympathisanten oder schuldige &bdquo;Mitl&auml;ufer&rdquo; zu sein.<\/p><p><strong>Entr&auml;tselung ohne Katharsis<\/strong><\/p><p>Die internationale Gruppe <em>InvestigatePH<\/em> hatte den UN-Menschenrechtsrat aufgefordert, das Duterte-Regime f&uuml;r Tausende von au&szlig;ergerichtlichen T&ouml;tungen, Entf&uuml;hrungen, illegalen Verhaftungen, Inhaftierungen und anderen Formen der Verletzung der Menschenrechte und des humanit&auml;ren Rechts zur Verantwortung zu ziehen. Sie empfahl, Duterte strafrechtlich zur Verantwortung zu ziehen f&uuml;r seine offiziellen Anordnungen, Drogenkonsumenten und Aktivisten der Zivilgesellschaft zu t&ouml;ten, und daf&uuml;r, dass er Regierungsbeh&ouml;rden erlaubte, &ouml;ffentliche Gelder und Netzwerke zu nutzen, um das Gesetz als Waffe einzusetzen und abweichende Meinungen zu unterdr&uuml;cken (Cabana 2021).<\/p><p>Da die USA aktiv an der Finanzierung von Milit&auml;r- und Polizeiausbildung sowie an der Lieferung von Waffen und Ausr&uuml;stung an die philippinische Regierung beteiligt sind, hatten verschiedene internationale Gruppen den US-Kongress aufgefordert, das <em>Philippinen-Menschenrechtsgesetz (PHRA)<\/em> zu verabschieden. Dieses Gesetz sieht die Einstellung von Milit&auml;rgeldern, Waffenverk&auml;ufen und R&uuml;stungslieferungen an Polizei und Armee vor, bis die philippinische Regierung die Achtung der Menschenrechte ihrer B&uuml;rger garantiert. Au&szlig;erdem verpflichtet es das philippinische Justizsystem, Mitglieder der Polizei und des Milit&auml;rs, die f&uuml;r Menschenrechtsverletzungen verantwortlich sind, strafrechtlich zu verfolgen. Seit 2014 haben die USA 550 Millionen Dollar an Milit&auml;rhilfe oder Sicherheitshilfe geleistet. Mehr als 33 Millionen Dollar aus US-Steuergeldern wurden der philippinischen Polizei f&uuml;r ihren Krieg gegen die Drogen zur Verf&uuml;gung gestellt.<\/p><p>Im Jahr 2018 belief sich die US-Hilfe auf 193,5 Millionen Dollar. Im Juli 2020 diskutierte der US-Kongress &uuml;ber die Bedingungen f&uuml;r Waffenverk&auml;ufe im Wert von zwei Milliarden US-Dollar, darunter zw&ouml;lf Kampfhubschrauber, Hunderte von Raketen und Sprengk&ouml;pfen, Lenk- und Ortungssysteme, Maschinengewehre, &uuml;ber 80.000 Schuss Munition und so weiter (Chew 2020). All dies wurde und wird in der Kampagne des Regimes zur Niederschlagung der Opposition unter dem Vorwand der Terrorismusbek&auml;mpfung eingesetzt. Ein Gro&szlig;teil der fr&uuml;heren Hilfe wurde f&uuml;r die Schlacht 2017 um Marawi City verwendet, wo durch massive Luftangriffe und Artilleriefeuer wahllos Zivilisten get&ouml;tet und &uuml;ber 450.000 Zivilisten vertrieben wurden. US-Personal, Waffen, Geheimdienstinformationen und Ausbildung waren an diesem Versto&szlig; gegen das humanit&auml;re V&ouml;lkerrecht beteiligt. Dieser Krieg gegen die <em>Bangsamoro-Nation<\/em> diente als Vorwand f&uuml;r die Beschlagnahmung von Land der vertriebenen Bewohner und verweigert dem Volk der Moros das Recht auf Selbstbestimmung.<\/p><p><strong>Show von Amnesie und Dekadenz<\/strong><\/p><p>In seinem Klassiker <em>&bdquo;Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte&ldquo; <\/em>erg&auml;nzt Karl Marx Hegels Bonmot, dass sich die Geschichte zuerst als Trag&ouml;die und dann als Farce wiederholt (1986, 97). Wird mit dem Sohn des ehemaligen philippinischen Diktators Marcos im Amt bis 2028 ein Spektakel der Farce geboten? Man stelle sich vor, die S&ouml;hne von Somoza, Trujillo oder Batista kehrten in ihre zentralamerikanischen Bananenrepubliken zur&uuml;ck &ndash; das w&auml;re in der Tat &bdquo;die Tradition aller toten Generationen&ldquo;, die als giftiger &bdquo;Albtraum im Gehirn der Lebenden&ldquo; wirkt. Die R&uuml;ckkehr der Marcos-Dynastie an die politische Macht &ndash; sicherlich nicht als Dienstm&auml;dchen, wie sie von Imee Marcos (der &auml;lteren Marcos-Schwester, die erst k&uuml;rzlich als Senatorin wiedergew&auml;hlt wurde &ndash; <em>Anm.: RW<\/em>) verherrlicht werden &ndash; signalisiert einen revanchistischen Schritt, um die Erz&auml;hlung der Katastrophe vom Februar 1986 neu zu schreiben (zur T&auml;uschung beim &Uuml;bergang von Duterte zu Marcos siehe Gutoman und Mulingtapang 2022).<\/p><p>F&uuml;r die Marcos-Loyalisten mag Geschichte nur <em>&bdquo;Tsismis&ldquo; <\/em>oder Gerede\/Tratsch sein. Aber sie nehmen sie ernst. Ein Zeichen daf&uuml;r ist der Versuch, die<em> Pr&auml;sidialkommission f&uuml;r gute Regierungsf&uuml;hrung (PCGG) <\/em>abzuschaffen, die mit der R&uuml;ckf&uuml;hrung von Marcos&rsquo; gestohlenem Verm&ouml;gen in H&ouml;he von mehreren Milliarden Dollar beauftragt ist. Ein weiteres Zeichen ist der Vorsto&szlig;, Dutertes R&uuml;ckzug des Landes aus dem Einflussbereich des Internationalen Strafgerichtshofs aufrechtzuerhalten, der seit seinem Amtsantritt als B&uuml;rgermeister von Davao City (1988-98) F&auml;lle von vielen Opfern von Dutertes Drogenkrieg verfolgt. Duterte gab 2015 seine Komplizenschaft mit Todesschwadronen zu. Er prahlte damit, vor dem Ende seiner Pr&auml;sidentschaft 100.000 Menschen t&ouml;ten zu wollen.<\/p><p>Lassen Sie uns noch einmal die Chronik der Unterwerfung und des Parasitismus Revue passieren. Die &auml;lteste Neokolonie der USA, die Philippinen, wurde von 1965 bis 1986 von Ferdinand Marcos Sr. gepl&uuml;ndert und ruiniert. W&auml;hrend sie in Hawaii, einem Zufluchtsort der Kolonialherren, auf ihre Stunde warteten, inszenierte die Marcos-Dynastie ein Comeback mit ihrem Verm&ouml;gen und ihrem Gefolge von Handlangern. Sie festigten ihre Macht in ihren Heimatregionen (Ilocos, Leyte) und begannen ein Programm der selektiven R&uuml;ckgewinnung. Beg&uuml;nstigt durch die konsumorientierte Amnesie und eine neue Generation ohne historisches Wissen schmuggelten sie sich in Gouverneurs&auml;mter und auf Kongresssitze. Inmitten weit verbreiteter Stimmenk&auml;ufe und Manipulationen computergesteuerter <em>Smartmatic-<\/em>Wahlmaschinen bei den Wahlen im Mai 2022 wurde Marcos Jr. Pr&auml;sident (CENPEG 2022). Sie schlossen einen Deal mit dem starken Mann Duterte, indem sie seiner Tochter Sara erlaubten, als Vizepr&auml;sidentin zu kandidieren, um den Vater nach seiner Amtszeit vor strafrechtlichen Ermittlungen zu sch&uuml;tzen. Trotz Protesten einiger B&uuml;rger und Forderungen der Medien, die Wahlergebnisse durch die von Duterte kontrollierte Wahlkommission &uuml;berpr&uuml;fen zu lassen, wurde nichts unternommen, um die Proklamation von Bongbong zu verhindern. Die korrupten ideologischen Apparate des Staates zur Befriedung von Klassenkonflikten (Legislative, Gerichte, Polizei, Milit&auml;rb&uuml;rokratie) waren bereits ausgeh&ouml;hlt worden. Die Farce scheint der Konsens der oligarchischen Clans &ndash; Arroyo, Estrada, Duterte, Marcos, milliardenschwere Chinoy-Netzwerke (kontrolliert von chinesisch-philippinischen Personen &ndash; <em>Anm.: RW<\/em>) &ndash; zu sein, die von Unternehmensinteressen, religi&ouml;sen und milit&auml;rischen Bl&ouml;cken, die bisher von ihrer Herrschaft profitiert haben, mit enormen Mitteln finanziert werden.<\/p><p>Die Marcos-Dynastie hat sich seit ihrer R&uuml;ckkehr aus Hawaii im Jahr 1992 erfolgreich allen Gerichtsurteilen widersetzt. Bongbong selbst weigert sich, Steuernachzahlungen zu leisten, w&auml;hrend seine Mutter Imelda Marcos, die vor einiger Zeit zu einer langj&auml;hrigen Gef&auml;ngnisstrafe verurteilt worden war, weiterhin frei ist und ihren Reichtum zur Schau stellen kann &ndash; nicht ihre legend&auml;ren tausend Schuhe, sondern die &bdquo;vergangene Gr&ouml;&szlig;e&ldquo; der Dynastie, die durch Marcos&rsquo; Beisetzung auf dem Heldenfriedhof durch Duterte erneut best&auml;tigt wurde. Die aufwendige Staatsbeerdigung war ein Ritual, das den zerr&uuml;tteten sozialen Zusammenhalt wiederherstellen sollte. Mit dem Duterte-Block wurde ein Kompromiss erzielt, der Bongbongs vereitelte Ambitionen auf das Amt des Vizepr&auml;sidenten im Jahr 2016 kompensierte.<\/p><p><strong>Blues der Aufstandsbek&auml;mpfung<\/strong><\/p><p>Die grassierende Praxis, jeden Kritiker der Regierungspolitik als &bdquo;Terroristen&ldquo; zu stigmatisieren, begann mit Corazon &bdquo;Cory&ldquo; Aquino (deren Amtszeit von 1986 bis 1992 w&auml;hrte &ndash; <em>Anm.: RW<\/em>) und versch&auml;rfte sich mit Dutertes Politik der &bdquo;Roten Listen&ldquo;.<\/p><p>Jeder Dissident wird als &bdquo;terroristischer&ldquo; Anh&auml;nger der Kommunistischen Partei der Philippinen und der New People&rsquo;s Army gebrandmarkt. Dies geht auf die Erkl&auml;rung des US-Au&szlig;enministers Colin Powell aus dem Jahr 2001 zur&uuml;ck, in der er die beiden Gruppen als &bdquo;terroristische&ldquo; Organisationen einstufte. Unter Duterte stieg die Zahl der politischen Gefangenen auf 592. Vergleichen Sie diese Zahl mit der Zahl der Inhaftierten unter Pr&auml;sidentin Arroyo (343) und unter Benigno Aquino Jr. (306). Dies war vor dem &bdquo;Blutigen Sonntag&ldquo; am 7. M&auml;rz 2021, als Dutertes Polizei neun Gewerkschafter t&ouml;tete und sechs festnahm &ndash; alles gerechtfertigt durch seinen <em>&bdquo;Shoot-to-kill&ldquo;-<\/em>Stil, mit dem er diejenigen ausl&ouml;schte, die er bereits f&uuml;r schuldig befunden hatte (Bolledo 2022; ABS-CBN 2015). Am 22. Juni 2022 belief sich die Gesamtzahl der politischen Gefangenen &ndash; Kritiker des Regimes, die mit Waffen und Granaten bewaffnet festgenommen wurden &ndash; auf 803. Zu den am st&auml;rksten benachteiligten und entmenschlichten Menschen geh&ouml;ren Frauen, was bis auf die blutr&uuml;nstigen Regimes von Joseph Estrada (1998-2001) und Gloria Macapagal-Arroyo (2001-2010) zur&uuml;ckgeht (San Juan 2013 &amp; San Juan 2021).<\/p><p>Mit der fortgesetzten willk&uuml;rlichen Verhaftung, der fanatischen Hexenjagd auf als &bdquo;Rote&ldquo; gebrandmarkte Menschen und der Unterw&uuml;rfigkeit der Gerichte und der Legislative gegen&uuml;ber dem Diktat von Marcos-Duterte versprechen die bereits &uuml;berf&uuml;llten Gef&auml;ngnisse &ndash; Ghettos f&uuml;r arme Bauern, Arbeiter und Arbeitslose &ndash; noch mehr Elend und den Tod Hunderter unschuldiger B&uuml;rger, die glaubten, ihre Rechte und andere verfassungsm&auml;&szlig;ig garantierte Freiheiten auszu&uuml;ben. Laut <em>Karapatan<\/em>, der vertrauensw&uuml;rdigsten Menschenrechtsorganisation der Philippinen, gab es im M&auml;rz 2021 126 weibliche Gefangene, von denen die meisten wegen Verbindungen zu als &bdquo;Terroristen&ldquo; bezeichneten Dissidenten angeklagt waren. Viele sind Menschenrechtsverteidiger, Aktivisten, die sich f&uuml;r Arbeiter, st&auml;dtische Hausbesetzer und indigene Gemeinschaften einsetzen.<\/p><p>Weil sie sich f&uuml;r benachteiligte Bev&ouml;lkerungsgruppen einsetzen, werden sie als Unterst&uuml;tzer kommunistischer Aufst&auml;ndischer beschuldigt, um ihre illegale Verhaftung und fortgesetzte Inhaftierung in elenden Unterk&uuml;nften zu rechtfertigen. Sie gelten bis zum Beweis ihrer Schuld als unschuldig &ndash; ein Grundsatz, der vom &bdquo;Rechtssystem&ldquo; der Philippinen abgelehnt wird. Sie werden aufgrund erfundener Anschuldigungen und platzierter Waffen bestraft; einige wurden nach einem langen und kostspieligen Berufungsverfahren freigelassen. Laut Karapatan terrorisiert das Regime von Marcos Jr. von Januar bis M&auml;rz 2025 das Land weiterhin mit 124 au&szlig;ergerichtlichen T&ouml;tungen, 15 F&auml;llen von Verschleppung und 3.611 gewaltsamen Aufl&ouml;sungen von B&uuml;rgerversammlungen. In l&auml;ndlichen Gebieten gab es 51.206 Bombenanschl&auml;ge. Es gibt 745 politische Gefangene, darunter 148 Frauen (Karapatan 2025).<\/p><p>Mit der Vorlage des <em>Philippine Human Rights Act (H.R. 8313)<\/em> am 17. September 2020 im US-Kongress wurden immerhin Einschr&auml;nkungen f&uuml;r die philippinische Nationalpolizei und die Streitkr&auml;fte der Philippinen bei der Durchf&uuml;hrung von willk&uuml;rlichen Verhaftungen, Schikanen, Folter und anderen Menschenrechtsverletzungen erwogen. Sollten diese Praktiken fortgesetzt werden, so jedenfalls sah es der Gesetzentwurf vor, w&uuml;rde die Hilfe f&uuml;r Polizei und Milit&auml;r in H&ouml;he von mehreren Hundert Millionen Dollar f&uuml;r Logistik, Waffen, Ausbildung usw. ausgesetzt.<\/p><p>W&auml;hrend seiner Herrschaft (1965-1986) erhielt Marcos Sr. Milliarden von US-Milit&auml;rhilfen, von denen er einen Gro&szlig;teil stahl und auf geheime Bankkonten in der Schweiz, Panama und anderen L&auml;ndern transferierte, die nun von seinem Sohn und seinen Handlangern genutzt werden. Der Gesetzentwurf 8313 basierte auf den j&auml;hrlichen Berichten des US-Au&szlig;enministeriums &uuml;ber &bdquo;willk&uuml;rliche oder rechtswidrige T&ouml;tungen&rdquo;, die w&auml;hrend der Drogenkriege von Duterte begangen wurden. Er erw&auml;hnt den Fall der Senatorin Leila de Lima (k&uuml;rzlich freigelassen), die ann&auml;hernd sieben Jahre lang als &bdquo;entschiedene Kritikerin der T&ouml;tungen im Rahmen des Drogenkriegs&rdquo; inhaftiert war, sowie Gewerkschaftsf&uuml;hrer und Abgeordnete, die get&ouml;tet oder als politische Gefangene festgehalten wurden, um auf unbestimmte Zeit bestraft zu werden, wobei die Justiz au&szlig;er Kraft gesetzt wurde.<\/p><p>Die Macht des Establishments beruht auf Angst, nicht auf Zustimmung, und auf erb&auml;rmlichem Fatalismus.<\/p><p><em><strong>Am Scheideweg<\/strong><\/em><\/p><p>Wie sehen die Aussichten f&uuml;r einen Strukturwandel aus? Die Forschungsgruppe <em>IBON<\/em> warnte bereits vor Jahren vor der prek&auml;ren Lage aufgrund der steigenden Inflation, der hohen Arbeitslosigkeit, des verlangsamten Wachstums, der steigenden Zinsen, der wachsenden Handelsdefizite, des fallenden Pesos, der Stagnation in Landwirtschaft und Industrie sowie des R&uuml;ckgangs der &Uuml;berweisungen von Wanderarbeitern. IBON wies auch darauf hin, dass die versch&auml;rfte politische Unsicherheit aufgrund wiederauflebender, breiterer Proteste, die durch wirtschaftliche Unzufriedenheit, Forderungen nach Menschenrechten und Widerstand gegen eine korrupte autorit&auml;re Regierung ausgel&ouml;st wurden, die alte Ordnung destabilisieren werde (IBON 2018). Diese Trends werden sich verst&auml;rken und die grundlegenden Widerspr&uuml;che einer neokolonialisierten Gesellschaftsordnung forcieren, was bereits von Dobb (1963), Constantino (1978), Lichauco (2005) und anderen ausf&uuml;hrlich diskutiert wurde.<\/p><p>In seiner j&uuml;ngsten Nachwahlanalyse best&auml;tigte IBON-Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer Sonny Africa die Neuausrichtung des illiberalen politischen Systems: Es geht weiter wie bisher. Der oligarchische Apparat setzt das &bdquo;veraltete freie Markt&rdquo;-Modell der neoliberalen Globalisierung fort, das Anreize f&uuml;r ausl&auml;ndische Investitionen, die Verherrlichung des freien Handels, die Privatisierung wesentlicher &ouml;ffentlicher Dienstleistungen und die Deregulierung zugunsten der Profitmaximierung durch Gro&szlig;unternehmen und transnationales Kapital schafft (Africa 2025). Was ist das j&uuml;ngste Ergebnis dieser Konstellation? Africa zitiert die Berichte des Meinungsforschungsinstituts <em>Social Weather Stations<\/em>:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Die Zahl der Familien, die sich selbst als arm einstufen, stieg von 11,2 Millionen im Jahr 2015 auf 15,5 Millionen im April 2025, was einem Anstieg des Anteils der in Armut lebenden Menschen von 50 Prozent auf 55 Prozent im gleichen Zeitraum entspricht. Im Gegensatz dazu versechsfachte sich laut Forbes das Gesamtverm&ouml;gen der derzeit drei reichsten Filipinos.&ldquo; (ebd.)<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Insgesamt bedeutet dieser Trend eine chaotische und unaufhaltsame Verschlechterung der Lage der Neokolonie, die Tausende von US-Soldaten und strategische Logistik in &uuml;ber einem Dutzend Standorten beherbergt. Zwar sollen diese milit&auml;rischen Kooperationen angeblich der Abwehr chinesischer Aggressionen dienen, ihr eigentliches Ziel besteht jedoch darin, die revolution&auml;re Bewegung im Lande zu zerschlagen und die ungehinderte US-Vorherrschaft im asiatisch-pazifischen Raum zu sichern. Was diesen Plan gef&auml;hrdet, ist die prek&auml;re Wirtschaft des Landes, der es an einer industriellen Basis mangelt. Die landwirtschaftliche Produktion, insbesondere der Anbau von Reis, dem Hauptnahrungsmittel, ist irreparabel zerst&ouml;rt. Die Regierung muss j&auml;hrlich 4,7 Millionen Tonnen Reis importieren (und avancierte vom einstigen Reisexporteur zum nunmehr weltweit gr&ouml;&szlig;ten Reisimporteur &ndash; <em>Anm.: RW<\/em>), zus&auml;tzlich zu Sojabohnen, Mais und Grundnahrungsmitteln wie Knoblauch und Zwiebeln, was eine Gruppe philippinischer Anw&auml;lte dazu veranlasst hat, vor einer drohenden Hungersnot zu warnen.<\/p><p>Zweifellos kann die revolution&auml;re Situation der Dritten Welt in den 1960er-Jahren nicht mehr als Vorlage f&uuml;r radikale Ver&auml;nderungen herangezogen werden. Gerard Chaliand hat die Errungenschaften dieser Zeit zusammengefasst und argumentiert, dass trotz des Selbstmords der avantgardistischen kleinb&uuml;rgerlichen Intellektuellen die intellektuelle Mittelschicht in den Neokolonien weiterhin &bdquo;Schuhputzer und Propagandisten f&uuml;r die jeweiligen Machthaber&ldquo; geblieben sei, w&auml;hrend diejenigen in den Metropolen weiterhin &bdquo;Mystifizierungen, Vereinfachungen und sektiererische Dogmen&ldquo; verbreiteten (1977). W&auml;hrend Chaliand &uuml;ber den &bdquo;Tod der Utopie&ldquo; in der ehemaligen Sowjetunion, in China (nach der Kulturrevolution) und in einigen afrikanischen L&auml;ndern best&uuml;rzt war, haben sich die geopolitischen Kr&auml;fteverh&auml;ltnisse mit dem R&uuml;ckzug der USA aus Afghanistan, der Bildung von <em>BRICS<\/em> und der einheitlichen Opposition gegen den V&ouml;lkermord in Gaza tiefgreifend ver&auml;ndert. Im Bereich der globalen Widerspr&uuml;che schwanken Negationen und Affirmationen. Delia Aguilar hat neben der Ansteckungsgefahr durch den &bdquo;wei&szlig;en feministischen Retterinnen-Industriekomplex&ldquo; in den Neokolonien auch die Vorherrschaft des Konsumismus und die Mode der individualistischen &bdquo;Identit&auml;tspolitik&ldquo; festgestellt (2024, x-xii). x-xi). Sie ist jedoch hoffnungsvoll, dass der Prozess der Bewusstseinsbildung im &ouml;ffentlichen und privaten Bereich auf der Grundlage des seit einem halben Jahrhundert andauernden bewaffneten Kampfes der nationalistisch orientierten Massen im Einklang mit der Mobilisierung von <em>Black Lives Matter<\/em> und der beispiellosen weltweiten Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die bedr&auml;ngten Pal&auml;stinenser voranschreiten wird.<\/p><p>Wir stehen vor einem ungewissen und r&auml;tselhaften Krisenhorizont, der voller Gefahren und Chancen steckt. Trotz der Anziehungskraft von Ideen wie Intersektionalit&auml;t und Differenzpolitik (siehe Gimenez 2022) bleiben die Notwendigkeit des Klassenkampfs, der der sozialen Reproduktion zugrunde liegt, und das Thema der nationalen Souver&auml;nit&auml;t, das im Feminismus verankert ist, die organisierenden Prinzipien f&uuml;r philippinische Aktivisten. Sie verstehen Kulturkritik als &bdquo;Kampf um soziale Freiheit von der Notwendigkeit&ldquo;, als Kritik an der herrschenden Totalit&auml;t von Klasse\/entfremdeter Arbeit (Ebert 2009, 195-96). Mit anderen Worten: W&auml;hrend die progressiven Filipinos f&uuml;r ihre Differenz als unterdr&uuml;ckte Opfer k&auml;mpfen, begreifen sie ihr universalisierendes Projekt auch aus der Perspektive der Gesamtheit der klassenbestimmten K&auml;mpfe weltweit gegen das von der NATO und den USA angef&uuml;hrte Finanzkapital und seine Subalternen.<\/p><p>Was ist zu tun? Unsere transformative, radikale Berufung scheint klar zu sein. Ich bin &uuml;berzeugt, dass im Antagonismus zwischen der oligarchischen Staatsmaschinerie und dem gegenhegemonialen Volksblock letztlich die bewussten &bdquo;Verdammten dieser Erde&ldquo; siegen werden. Die Zukunft kann nur durch den k&auml;mpferischen Willen des Volkes zu einer gr&uuml;ndlichen sozialen Transformation gestaltet werden. In dieser Wette lassen wir uns von Marta Harneckers Axiom der emanzipatorischen Politik als Kunst des M&ouml;glichen inspirieren,<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>der Kunst, eine soziale und politische Kraft aufzubauen, die in der Lage ist, das Kr&auml;fteverh&auml;ltnis zugunsten der Volksbewegung zu ver&auml;ndern, um in Zukunft das m&ouml;glich zu machen, was heute unm&ouml;glich erscheint.&rdquo; (2016)<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Der Geist der Negation wird zwangsl&auml;ufig die unterdr&uuml;ckten Potenziale freisetzen, die in der Vergangenheit und Gegenwart im laufenden Projekt der nationalen und popul&auml;ren Befreiung schlummern. Dieser Prozess ist unausweichlich. Nur die organisierte Mobilisierung von Millionen von Filipinos kann entscheiden, ob der Strudel des Widerstands die notwendigen strukturellen Ver&auml;nderungen hervorbringen kann, welche die Voraussetzungen daf&uuml;r schaffen, dass die Mehrheit die lang ersehnten Vorteile von sozialer Gerechtigkeit, partizipativer Demokratie, Gleichheit und konstruktiver Souver&auml;nit&auml;t zu genie&szlig;en vermag.<\/p><p><em><strong>Quellen<\/strong><\/em><\/p><ul>\n<li>ABS-CBN. 2015. Duterte admits links to Davao Death Squads. <em>News.<\/em> (May 25)<\/li>\n<li>Africa, Sonny. 2025. Election post-mortem: Any hope for the economy? (May 19). Quezon City: <em>Ibon Foundatio<\/em>n Website<\/li>\n<li>Aguilar, Delia. 2024. <em>Toward a Nationalist Feminism. <\/em>Quezon City: Gantala Press<\/li>\n<li>Beltran, Michael. 2022. Haunted by our continuing pain: Martial law survivors react to Marcos restoration. <em>The News Lens <\/em>(June 8). <a href=\"https:\/\/international.thenewslens.com\">international.thenewslens.com<\/a><\/li>\n<li>Bolledo, Jairo.2022. In Numbers: Political Prisoners in the Philippines Since 2001. <em>Rappler<\/em> (August 21)<\/li>\n<li>Cabana, Ysh. 2021. Philippines: International pressure to investigate Duterte crimes against humanity. <em>MRonline<\/em> (28 January). <a href=\"https:\/\/www.mronline.org\">mronline.org<\/a><\/li>\n<li>CENPEG. 2022. The May 2022 Elections and the Marcos Restoration: Looking Back and Beyond. <em>Monthly Political Analysis<\/em> No. 15. Quezon City: Center for People Empowerment in Governance<\/li>\n<li>Chaliand, Gerard. 1977. <em>Revolution in the Third World<\/em>. New York: Penguin Books<\/li>\n<li>Constantino, Renato. 1978. <em>Neocolonial Identity and Counter-Consciousness<\/em>. New York: ME Sharpe. Inc.<\/li>\n<li>Dean, Vera Micheles. 1957. <em>The Nature of the Non-Western World<\/em>. New York: New American Library.<\/li>\n<li>Dobb, Maurice. 1963. <em>Economic Growth and Underdeveloped Countries<\/em>. New York: International Publishers<\/li>\n<li>Ebert, Teresa. 2009. <em>The Task of Cultural Critique<\/em>. Urbana: University of Illinois Press<\/li>\n<li>Editors, <em>The New York Times<\/em>. 2021. Opinion: Why Our Spies Say the Future is Bleak. <em>The New York Times<\/em> (April 16): A22.<\/li>\n<li>Gimenez, Martha. 2022. Capitalist Social Reproduction: An Alternative to Intersectionality? Historical Materialist Observations. <em>Cultural Logi<\/em>c 26: 1-11.<\/li>\n<li>Gutoman, Dominic and Vianca Mulingtapang. 2022. #The RealDuterteLegacy\/Duterte, Marcos, and the Deteriorating accountability mechanisms. <em>Bulatlat<\/em> (July 6)<\/li>\n<li>Harnecker, Marta. 2016. Ideas for the Struggle. <em>Old and New Project\/Monthly<\/em> <em>Review.<\/em> <a href=\"https:\/\/www.oldandnewproject.net\/Essays\/Harnecker.html\">oldandnewproject.net<\/a><\/li>\n<li>IBON. 2018. Philippine Economy Deteriorating. <em>Ibon Features<\/em> (29 August). Quezon City<\/li>\n<li>InvestigatePH (2021): Second Report of the Independent International Commission of Investigation into Human Rights Violations in the Philippines, 6 July 2021. <em>May 18, 20, 25, and 27 Hearings.<\/em> New York: Investigateph<\/li>\n<li>Karapatan 2025. 1st-Qtr-Monitor. <a href=\"https:\/\/www.karapatan.org\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Karapatan-2025-1st-Qtr-Monitor.pdf\">karapatan.org<\/a><\/li>\n<li>Lichauco, Alejandro. 2005. <em>Hunger, Corruption and Betrayal: A Primer on U.S. Neocolonialism and the Philippine Crisis<\/em>. Manila: Philippines: Citizens Committee on the National Crisis<\/li>\n<li>Martial Law Files. 2012. Adora Faye de Vera. <em>Martial Law Files<\/em>. (Dec. 4, 2012). <a href=\"https:\/\/martiallawfiles.wordpress.com\/2012\/12\/04\/adora-faye-de-vera-2\/\">martiallawfiles.wordpress.com<\/a><\/li>\n<li>McCoy, Alfred. 2001. Dark Legacy: Human Rights Under the Marcos Regime. In: <em>Memory, Truth Telling and the Pursuit of Justice: A Conference on the Legacy of the Marcos Dictatorship<\/em>. Quezon City: Office of Research and Publications, Ateneo de Manila University<\/li>\n<li>Melencio, Gloria Esquerra. 1998. <em>Report for Martial Law Files <\/em>Website, Sponsored by the Commission on Human Rights, UN Development Program for Claimants 1081<\/li>\n<li>San Juan, Jr., E. 2013. U.S. Imperial Humanitarian Blessing: Torture of Women Political Prisoners in the Philippines. <em>International Marxist Humanist Organization.<\/em> (27 August). <a href=\"https:\/\/imhojournal.org\/articles\/imperial-humanitarianism-u-s-neocolony-torture-women-prisoners-philippines-e-san-juan-jr\/\">imhojournal.org<\/a><\/li>\n<li>&mdash;. 2021.<em> Maelstrom over the Killing Fields: Interventions in the Project of National-Democratic Liberation.<\/em> Quezon City: Pantax Press<\/li>\n<li>Robertson, Phil. 2020. Another Spike in Philippine Drug War Deaths. <em>Human Rights Watch<\/em> (28 September). New York: Human Rights Watch<\/li>\n<li>United States Congress. 2020. Text &ndash; H.R.8313 &ndash; 116th Congress (2019-2020): <em>Philippine Human Rights Act.<\/em> Washington, D.C.: United States Congress. <a href=\"https:\/\/www.congress.gov\/bill\/116th-congress\/house-bill\/8313\">congress.gov<\/a><\/li>\n<li>(Das philippinische Menschenrechtsgesetz, insbesondere H.R.3884, wurde im 117. Kongress eingebracht, aber nicht unterzeichnet. Es wurde am 14. Juni 2021 dem Repr&auml;sentantenhaus vorgelegt und blieb im Ausschuss. Auf Congress.gov sind keine weiteren Ma&szlig;nahmen, wie die Verabschiedung im Senat oder die Unterzeichnung durch den Pr&auml;sidenten, verzeichnet. Daher wurde es nicht zum &ouml;ffentlichen Gesetz. Der Gesetzentwurf zielte darauf ab, die US-Hilfe f&uuml;r die Polizei und das Milit&auml;r der Philippinen zu beschr&auml;nken und bestimmte Menschenrechtsreformen zu verlangen, bevor Hilfe gew&auml;hrt wird. &ndash; <em>Anm.: RW<\/em>)<\/li>\n<li>Varona, Inday Espino. 2022. Arrested rebel a symbol of Marcos atrocities against women dissidents. <em>Rappler<\/em> (August 26)<\/li>\n<\/ul><p><small>Titelbild: Dana Creative Studio\/shutterstock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;<em>Fantasie beseelt die Luft&ldquo;<\/em> lautet das Ehrengastmotto der Philippinen auf der diesj&auml;hrigen Frankfurter Buchmesse und will eine Br&uuml;cke zur lebendigen kulturellen und literarischen Bandbreite des s&uuml;dostasiatischen Inselstaates bauen. Das klingt prosaisch und vielversprechend. Weniger gut ist es indes um die &bdquo;gro&szlig;e Politik&ldquo; dieses Landes bestellt. Wie nie zuvor in der Geschichte der am 4. 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