{"id":137928,"date":"2025-08-25T10:00:38","date_gmt":"2025-08-25T08:00:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=137928"},"modified":"2025-08-25T17:37:03","modified_gmt":"2025-08-25T15:37:03","slug":"das-statistische-bundesamt-und-die-bip-zahlen-oder-wie-man-mit-vielen-worten-das-wichtigste-verschweigen-kann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=137928","title":{"rendered":"Das Statistische Bundesamt und die BIP-Zahlen \u2013 oder: Wie man mit vielen Worten das Wichtigste verschweigen kann"},"content":{"rendered":"<p>Hat das Statistische Bundesamt (destatis) die Wachstumszahlen in der Zeit der Ampel-Regierung bewusst gesch&ouml;nt? Wer von destatis in dieser Frage am vergangenen Freitag Aufkl&auml;rung in eigener Sache erwartet hatte, der hat sich get&auml;uscht. Zwar haben sich die Wiesbadener Statistiker tats&auml;chlich zum Zustandekommen der BIP-Zahlen in den Jahren 2022 bis 2024 <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Presse\/Pressemitteilungen\/2025\/08\/PD25_310_811.html?nn=2110\">ge&auml;u&szlig;ert<\/a>, zu den eigentlich entscheidenden Fragen haben sie aber nichts gesagt. Von <strong>Thomas Trares<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8257\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-137928-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250825-Statistisches-Bundesamt-und-BIP-Zahlen-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250825-Statistisches-Bundesamt-und-BIP-Zahlen-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250825-Statistisches-Bundesamt-und-BIP-Zahlen-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250825-Statistisches-Bundesamt-und-BIP-Zahlen-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=137928-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250825-Statistisches-Bundesamt-und-BIP-Zahlen-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250825-Statistisches-Bundesamt-und-BIP-Zahlen-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Nur zur Erinnerung &ndash; das Statistische Bundesamt hat die bislang l&auml;ngste Rezession in der Geschichte der Bundesrepublik, n&auml;mlich von Mitte 2022 bis Mitte 2024, einfach &uuml;bersehen oder &uuml;bersehen wollen und die &Ouml;ffentlichkeit stattdessen in dem Glauben gelassen, dass sich die deutsche Wirtschaft in einer Art Stagnation befindet &ndash; ob dies bewusst oder unbewusst geschah, sei einmal dahingestellt. Heraus kam all dies jedenfalls erst Ende Juli, als destatis die revidierten Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) der vergangenen vier Jahre ver&ouml;ffentlicht hat. (Die <em>NachDenkSeiten<\/em> haben bereits <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=137032\">ausf&uuml;hrlich &uuml;ber den Vorgang berichtet<\/a>.) <\/p><p>F&uuml;r den vergangenen Freitag hatte destatis dann angek&uuml;ndigt, im Zuge der Ver&ouml;ffentlichung der neuen BIP-Zahlen auch die Revision der alten Daten genauer zu erl&auml;utern. Dies ist auch geschehen, allerdings ist das Ergebnis so vorhersehbar wie ern&uuml;chternd. Von einer wirklichen Aufarbeitung keine Spur. So konstatierte destatis lediglich, dass die BIP-&Auml;nderungen &bdquo;h&ouml;her als gew&ouml;hnlich ausgefallen und in &auml;hnlichem Ausma&szlig; aber auch bei fr&uuml;heren Sommer&uuml;berarbeitungen aufgetreten&ldquo; seien. Mehr nicht. Danach wird der Leser dann gleich mit einem ganzen Wust aus Fachbegriffen, Termini technici und kleinteiliger Methodik erschlagen. So ist von &bdquo;Strukturstatistiken&ldquo;, von &bdquo;Angaben aus der Input-Output-Rechnung&ldquo;, von &bdquo;Produktionswerten&ldquo; wie auch von &bdquo;Vorleistungen&ldquo; die Rede &ndash; alles Dinge, die f&uuml;r die Ermittlung des BIP relevant sein m&ouml;gen; allein, damit beantworten die Statistiker die entscheidenden Fragen nicht. Ein Schelm, wer B&ouml;ses dabei denkt!<\/p><p>Vielmehr w&auml;re f&uuml;r den B&uuml;rger interessant zu erfahren, wie es zu solch einer grandiosen Fehleinsch&auml;tzung der wirtschaftlichen Entwicklung in den Jahren 2022 bis 2024 &uuml;berhaupt kommen konnte. Immerhin haben die Wiesbadener Statistikexperten einfach &uuml;bersehen, dass die Wirtschaft acht Quartale am St&uuml;ck nicht gewachsen ist. Dem Au&szlig;enstehenden stellt sich allein hier schon die Frage: Kann man das als Statistiker &uuml;berhaupt &uuml;bersehen? Oder muss man da schon wegsehen wollen? Weiter w&auml;re mal interessant zu erfahren, wie solch eklatante Fehleinsch&auml;tzungen in Zukunft verhindert werden k&ouml;nnen. Und wer &uuml;bernimmt &uuml;berhaupt die Verantwortung f&uuml;r all diese Fehleinsch&auml;tzungen? Immerhin ist das Statistische Bundesamt der zentrale Datenbeschaffer f&uuml;r die gesamte Volkswirtschaft. Auf Basis dieser Daten werden Entscheidungen getroffen &ndash; in der Politik, in der Wirtschaft, in der Wissenschaft und in der Verwaltung. Was ist, wenn all die dortigen Entscheider auf Basis falscher Daten entscheiden?<\/p><p>Dazu ein Beispiel: So hat der damalige Bundesfinanzminister Christian Lindner im Juli 2023 <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/inland\/haushalt-2024-leitet-zeit-der-konsolidierung-ein-19009802.html\">erkl&auml;rt<\/a>, dass er im Bundeshaushalt 2024 einen &bdquo;wichtigen Schritt hin zu finanzpolitischer Normalit&auml;t&ldquo; gehen werde und &bdquo;die R&uuml;ckkehr zur Schuldenbremse ein Gebot der &ouml;konomischen Vernunft&ldquo; sei. Das war just zu einem Zeitpunkt, an dem das BIP drei Quartale in Folge geschrumpft ist &ndash; wie sich nun herausgestellt hat. Gem&auml;&szlig; der g&auml;ngigen Lehrbuch&ouml;konomie w&auml;re also genau das Gegenteil richtig gewesen. <\/p><p>Ein weiteres Beispiel ist das Wachstumschancengesetz, das die Ampel-Regierung im Sommer 2023 auf den Weg gebracht hat. Das Gesetz war aber lediglich eine Art Placebo mit einem minimalen expansiven Impuls von rund sieben Milliarden Euro pro Jahr. Selbst das regierungsnahe Deutsche Institut f&uuml;r Wirtschaftsforschung (DIW) <a href=\"https:\/\/www.boersen-zeitung.de\/konjunktur-politik\/diw-sieht-kaum-positive-bip-effekte-durch-das-wachstumschancengesetz\">erkl&auml;rte seinerzeit<\/a>, dass dies zu gering sei, um dauerhaft merkliche realwirtschaftliche Effekte zu erzielen. Kurzum l&auml;sst sich konstatieren, dass eine angemessene wirtschaftspolitische Reaktion auf drei Quartale Negativwachstum nie stattgefunden hat.<\/p><p>Und nicht zuletzt setzt sich das Statistische Bundesamt auch dem Verdacht aus, wom&ouml;glich sogar politisch gew&uuml;nschte Ergebnisse produzieren zu wollen. Dies legt allein die schon rein optisch auff&auml;llige Zahlenreihe aus sich regelm&auml;&szlig;ig abwechselnden positiven und negativen Wachstumswerten nahe, die die Beh&ouml;rde in den Jahren 2022 bis 2024 ausgewiesen hat. Das Muster ist sogar derart auff&auml;llig, dass es daf&uuml;r einen Fachbegriff gibt. Von einer &bdquo;alternierenden Reihe&ldquo; sprechen Mathematiker in solch einem Fall. <\/p><p>Und genau solch eine alternierende Reihe musste auch kommen, wenn man mitten in einer Rezession tunlichst die Verwendung des Begriffs &bdquo;Rezession&ldquo; vermeiden m&ouml;chte. Definitionsgem&auml;&szlig; liegt n&auml;mlich eine Rezession erst dann vor, wenn das BIP zwei Quartale hintereinander schrumpft. In diesem Fall spricht man dann auch von einer &bdquo;technischen Rezession&ldquo;. Wollten die Wiesbadener Statistiker genau eine solche unter den Teppich kehren? Nachweisen kann man das nat&uuml;rlich nicht, die Sache hat jedoch mehr als ein Geschm&auml;ckle!<\/p><p><small>Titelbild: T. Schneider\/shutterstock.com<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/80c15ff47ba84aaba931ce60c829c466\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hat das Statistische Bundesamt (destatis) die Wachstumszahlen in der Zeit der Ampel-Regierung bewusst gesch&ouml;nt? Wer von destatis in dieser Frage am vergangenen Freitag Aufkl&auml;rung in eigener Sache erwartet hatte, der hat sich get&auml;uscht. 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