{"id":137974,"date":"2025-08-26T09:00:20","date_gmt":"2025-08-26T07:00:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=137974"},"modified":"2025-08-26T15:35:56","modified_gmt":"2025-08-26T13:35:56","slug":"und-ploetzlich-wuerde-die-idee-der-befreiung-palaestinas-realistisch-interview-mit-ousman-noor-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=137974","title":{"rendered":"Und pl\u00f6tzlich w\u00fcrde die Idee der Befreiung Pal\u00e4stinas realistisch \u2013 Interview mit Ousman Noor Teil 2"},"content":{"rendered":"<p>W&auml;hrend die Lage in Gaza sich weiter zuspitzt, die Hungerblockade der Bev&ouml;lkerung t&auml;glich neue Opfer fordert und die israelische Regierung die vollst&auml;ndige Zerst&ouml;rung von Gaza City und die weitere Vertreibung der kompletten restlichen Bev&ouml;lkerung des Gazastreifens in Camps im S&uuml;den des Landes beschlossen hat, mehren sich auch die Aktivit&auml;ten und Initiativen, die versuchen, sich sch&uuml;tzend vor die pal&auml;stinensische Zivilbev&ouml;lkerung zu stellen. Eine der radikalsten Ideen kommt dabei von dem britischen Anwalt und Menschenrechtsaktivisten <a href=\"https:\/\/ousmannoor.com\/\"><strong>Ousman Noor<\/strong><\/a>. Er hat die Initiative <a href=\"https:\/\/protect-palestine.com\/\">Protect Palestine<\/a> gegr&uuml;ndet, die f&uuml;r ein internationales milit&auml;risches Eingreifen zum Schutz der Bev&ouml;lkerung und zur Sicherstellung der Hilfslieferungen wirbt. Das Interview f&uuml;hrte <strong>Maike Gosch<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5006\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-137974-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250826_Und_ploetzlich_wuerde_die_Idee_der_Befreiung_Palaestinas_realistisch_Interview_mit_Ousman_Noor_Teil_2_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250826_Und_ploetzlich_wuerde_die_Idee_der_Befreiung_Palaestinas_realistisch_Interview_mit_Ousman_Noor_Teil_2_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250826_Und_ploetzlich_wuerde_die_Idee_der_Befreiung_Palaestinas_realistisch_Interview_mit_Ousman_Noor_Teil_2_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250826_Und_ploetzlich_wuerde_die_Idee_der_Befreiung_Palaestinas_realistisch_Interview_mit_Ousman_Noor_Teil_2_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=137974-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250826_Und_ploetzlich_wuerde_die_Idee_der_Befreiung_Palaestinas_realistisch_Interview_mit_Ousman_Noor_Teil_2_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250826_Und_ploetzlich_wuerde_die_Idee_der_Befreiung_Palaestinas_realistisch_Interview_mit_Ousman_Noor_Teil_2_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>In diesem zweiten Teil des Interviews mit den <em>NachDenkSeiten <\/em>spricht Ousman Noor &uuml;ber die Strategie seiner Initiative, die aktuelle internationale Situation, die mangelnde Unterst&uuml;tzung anderer NGOs und die Rolle, die die Global Sumud Flotilla seiner Meinung nach f&uuml;r einen Kipppunkt der pro-pal&auml;stinensischen Bewegung und den internationalen Kampf gegen Imperialismus und Kolonialismus spielen wird.<\/p><p><em>Den ersten Teil des Interviews k&ouml;nnen Sie <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=137919\">hier nachlesen<\/a>.<\/em><\/p><p><strong>Maike Gosch: Was sind die strategischen Schritte von Protect Palestine, um eine solche milit&auml;rische Intervention zum Schutz der Bev&ouml;lkerung in Gaza auf den Weg zu bringen? Und wo stehen wir in diesem Szenario?<\/strong><\/p><p><strong>Ousman Noor<\/strong>: Wir befinden uns in einer sehr gef&auml;hrlichen Phase, da die Generalversammlung der Vereinten Nationen (UNGA) in etwa einer Woche mit einer hochrangigen Sitzung beginnt. Und es gab einen Versuch Frankreichs, weltweit Unterst&uuml;tzung f&uuml;r eine Stabilisierungstruppe zu mobilisieren, was nach Pr&auml;sident Macrons Worten ein Schritt in Richtung einer Zweistaatenl&ouml;sung ist und die Hamas dazu verpflichten w&uuml;rde, alle ihre Waffen abzugeben. Das zeigt, wie das UN-System von m&auml;chtigen Staaten kontrolliert und als Instrument benutzt wird, um Unterst&uuml;tzung f&uuml;r etwas zu mobilisieren, an das niemand wirklich glaubt und das niemand als echte L&ouml;sung des Problems ansieht.<\/p><p>Aber es wird nun in den n&auml;chsten Wochen ein ernst zu nehmender Tagesordnungspunkt sein. Selbst ein Staat wie Frankreich erkennt also zumindest an, dass der V&ouml;lkermord durch irgendeine Form von milit&auml;rischer Kraft beendet werden muss. Es wird also langsam Mainstream, zumindest die Diskussion dar&uuml;ber, dass der Einsatz von Truppen notwendig ist, um Israel von seinem Vorgehen abzuhalten. Aber wir glauben &uuml;berhaupt nicht, dass Frankreich als Vermittler glaubw&uuml;rdig ist, ebenso wenig wie Saudi-Arabien, wenn es um die Rechte des pal&auml;stinensischen Volkes geht.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Das V&ouml;lkerrecht verpflichtet die Israelis zur R&auml;umung&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Ich m&ouml;chte daran erinnern, dass es im vergangenen Jahr ein Gutachten des Internationalen Gerichtshofs gab, in dem die Besatzung durch Israel f&uuml;r rechtswidrig erkl&auml;rt und angeordnet wurde, dass die israelischen Siedlungen und Siedler aus dem Westjordanland, dem Gazastreifen und Ostjerusalem evakuiert werden m&uuml;ssen. Das war ein Gutachten des Weltgerichtshofs, der h&ouml;chsten internationalen Instanz f&uuml;r Rechtsfragen. Und sie interpretieren das V&ouml;lkerrecht. Wenn sie also ein Gutachten abgeben, ist es bindend, da sie bestehende Grunds&auml;tze des V&ouml;lkerrechts auslegen. Sie sagten, das V&ouml;lkerrecht verpflichte die Israelis zur R&auml;umung. Die Generalversammlung der Vereinten Nationen folgte dem im September 2024 mit einer Resolution, f&uuml;r die, glaube ich, &uuml;ber 130 Staaten gestimmt haben und die den Israelis eine Frist von zw&ouml;lf Monaten zur Umsetzung gesetzt hat. Diese Frist l&auml;uft in zwei Wochen ab. Wenn wir also im Einklang mit dem V&ouml;lkerrecht und den internationalen diplomatischen Mechanismen stehen wollen, die in internationalen Foren zur Entscheidung solcher Fragen bestehen, dann m&uuml;ssen die Israelis innerhalb von zwei Wochen evakuieren. Richtig? Ich jedenfalls habe keine Anzeichen daf&uuml;r gesehen, dass sie dies tun werden. Ganz im Gegenteil, das israelische Parlament hat die Westbank zu Jud&auml;a und Samaria erkl&auml;rt, die ihrer Meinung nach Teil Israels sind. Wie sollen wir also das V&ouml;lkerrecht umsetzen und durchsetzen, wenn es &uuml;berhaupt keine Staaten gibt, die bereit sind, tats&auml;chlich Durchsetzungsmacht anzuwenden?<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Die h&auml;rtesten Gegner dieser Kampagne sind nicht die Israelis, sondern die pal&auml;stinensischen Aktivisten.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Die Strategie f&uuml;r die Kampagne lautet also erstens: Wir hatten einen langen, m&uuml;hsamen Kampf, um die Vorbehalte der Menschen gegen&uuml;ber der Anwendung von Durchsetzungsmacht zu &uuml;berwinden, das war wirklich schwer. Die h&auml;rtesten Gegner dieser Kampagne sind nicht die Israelis, sondern die pal&auml;stinensischen Aktivisten. Ich habe im letzten Jahr Hunderte von Stunden damit verbracht, zu erkl&auml;ren, dass man Durchsetzungsmacht anwenden muss, und diese reflexartige Vorstellung zu &uuml;berwinden, dass in diesem Fall die Anwendung von Macht zwangsl&auml;ufig etwas Schlechtes ist. Meine Gespr&auml;chspartner konnten die Vorurteile nicht &uuml;berwinden, die sich durch ihre jahrelange Besch&auml;ftigung mit Politik gebildet haben, dass Gewalt bei Interventionen im Nahen Osten etwas Negatives ist, und das aus sehr guten Gr&uuml;nden. Ich sage, dass in diesem Fall das Gegenteil der Fall ist, denn es w&auml;re Gewalt, um V&ouml;lkermord zu stoppen.<\/p><p>Und es w&auml;ren nicht dieselben Akteure, die wir gewohnt sind, im Nahen Osten zu sehen, wie Gro&szlig;britannien und die USA. Wir richten uns mit unserer Kampagne an Staaten, die eine Geschichte der Befreiung vom Imperialismus haben. Die Kampagne, die wir durchgef&uuml;hrt haben, richtete sich in erster Linie an die Haager Gruppe f&uuml;r Pal&auml;stina (Anm. d. Red.: mehr dazu <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=136159\">siehe hier<\/a>), die aus acht Staaten besteht, die Sie vielleicht kennen, und wir haben verschiedene Briefkampagnen und Social-Media-Kampagnen durchgef&uuml;hrt, die sich an sie richteten.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Wie Sie wahrscheinlich wissen, sieht die Realit&auml;t jedoch so aus, dass viele dieser Staaten mitschuldig sind oder zumindest schweigen oder nicht bereit sind, etwas zu unternehmen.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Wir haben unsere Kampagne auch an die <a href=\"https:\/\/www.oic-oci.org\/\">Organisation f&uuml;r Islamische Zusammenarbeit (OIC)<\/a> gerichtet, die, glaube ich, 57 Staaten weltweit mit islamischer Bev&ouml;lkerung umfasst und vor einigen Jahrzehnten als eine Art multilaterales Forum gegr&uuml;ndet wurde, um Fragen von gemeinsamem Interesse f&uuml;r islamische Staaten oder Staaten mit islamischer Bev&ouml;lkerung zu diskutieren. In ihrer Gr&uuml;ndungsurkunde verpflichten sie sich politisch, sich f&uuml;r die Befreiung Pal&auml;stinas von der Besatzung und die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Pal&auml;stinas einzusetzen. Dies ist tats&auml;chlich in ihrer Gr&uuml;ndungsurkunde verankert, worauf sich alle Mitgliedstaaten geeinigt haben. Wie Sie wahrscheinlich wissen, sieht die Realit&auml;t jedoch so aus, dass viele dieser Staaten mitschuldig sind oder zumindest schweigen oder nicht bereit sind, etwas zu unternehmen. Also haben wir eine Kampagne gestartet, in der wir ihnen gesagt haben: &bdquo;Ihr habt euch doch &uuml;berhaupt zu diesem Zweck gegr&uuml;ndet, und wenn nicht jetzt, wann dann?&ldquo; Und wir haben sie gewisserma&szlig;en dazu gedr&auml;ngt, milit&auml;rischen Ma&szlig;nahmen zuzustimmen.<\/p><p>Wir betreiben also eine Art Basismobilisierung und kanalisieren die &ouml;ffentliche Emp&ouml;rung in konkrete politische Lobbyarbeit, um Ergebnisse zu erzielen. Es ist sehr schwierig, Finanzmittel f&uuml;r diese Art von Arbeit zu bekommen. Ich bin allein und tue, was ich kann. Jetzt haben wir einen Spendenbutton auf unserer Website, und die Leute spenden, was gro&szlig;artig ist, aber wir bekommen keine staatlichen Mittel, keine philanthropischen Mittel, keine Unternehmensmittel. Und es gibt auch eine allgemeine Vorsicht in der pal&auml;stinensischen Aktivistengemeinschaft, die denkt, dass sie in Schwierigkeiten ger&auml;t, wenn sie unsere Lobbyarbeit finanziert, weil wir milit&auml;rische Intervention fordern, ohne zu erkennen, dass wir eigentlich nur die Umsetzung des Gesetzes fordern.<\/p><p>Aber als mir klar wurde, dass wir es mit einem Staat zu tun haben, einer Instanz, die &uuml;ber dem Gesetz steht, wurde mir bewusst, dass man sie nicht aufhalten kann, es sei denn, man setzt Durchsetzungsmacht ein. Es war ein sehr, sehr harter Weg, aber ich hoffe, dass diese <a href=\"https:\/\/protect-palestine.com\/workshop\">Veranstaltung am Samstag<\/a> mit brillanten Rednern, die &uuml;ber Glaubw&uuml;rdigkeit, Integrit&auml;t und Einfluss verf&uuml;gen, diese Diskussion in Gang bringen und dazu f&uuml;hren wird, dass die Menschen nun &uuml;ber Boykott, Desinvestition und Sanktionen hinausgehen. BDS ist notwendig, aber man muss auch proaktiv das T&ouml;ten stoppen. Ich hoffe, dass diese Veranstaltung dazu beitragen wird.<\/p><p><strong>Gibt es andere Organisationen, andere NGOs, die Sie unterst&uuml;tzen, oder einflussreiche Personen oder Gremien bei den Vereinten Nationen?<\/strong><\/p><p>Nein, wir erhalten keinerlei Unterst&uuml;tzung von NGOs. Aber ich freue mich sehr, Ihnen mitteilen zu k&ouml;nnen, dass wir seit der Ank&uuml;ndigung dieser Veranstaltung weitere Unterst&uuml;tzer gewonnen haben, darunter heute das <a href=\"https:\/\/ijan.org\/\">International Jewish Anti-Zionist Network<\/a> (IJAN). Wenn Sie sich unsere anderen Unterst&uuml;tzer ansehen, bin ich wirklich sehr stolz darauf: Es sind Yogastudios, Biobauernh&ouml;fe, Wellnesszentren. Was sagt Ihnen das? Dass die Basis, die Bev&ouml;lkerung uns unterst&uuml;tzt. Das sind Menschen, die in ihrem normalen Leben andere Dinge tun, aber sagen: &bdquo;Ich kann nicht mit gutem Gewissen mein Leben weiterleben, wenn ich nicht die milit&auml;rische Intervention unterst&uuml;tze, um diesen V&ouml;lkermord zu stoppen.&ldquo; Wir machen also Basisarbeit, wir wachsen wirklich von unten nach oben. Und wir haben bereits dadurch ver&auml;ndert, wie Zivilgesellschaft im NGO-Kontext in letzter Zeit funktioniert hat, n&auml;mlich h&auml;ufig von oben nach unten.<\/p><p>Ich habe mich an NGOs gewandt, aber keine davon nahm es ernst. Jetzt haben wir jedoch eine gesunde, wachsende Gemeinschaft von Basisaktivisten und -organisationen, und ich denke, wegen dieser kommenden Veranstaltung werden die Leute sagen: &bdquo;Das sind nicht nur irgendwelche Leute, das ist der ehemalige UN-Sonderberichterstatter f&uuml;r Pal&auml;stina, Richard Falk, ein j&uuml;discher Amerikaner, der sich hervorragend mit Pal&auml;stina auskennt. Es ist schwer, jemanden zu finden, der zumindest &uuml;ber die Geschichte des V&ouml;lkerrechts in Bezug auf Pal&auml;stina so gut Bescheid wei&szlig; wie er. Wir haben Susan Abelhawa, die bekannte US-amerikanisch\/pal&auml;stinensische Autorin und Aktivistin, und einige andere unglaubliche Redner. Ich denke, das ist der Grund, warum sich Organisationen wie IJAN und andere jetzt anschlie&szlig;en.<\/p><p>Das war schon immer meine Philosophie: Bei Kampagnen gibt es zwei Vorgehensweisen. Manche Menschen sch&auml;tzen ein, was realistisch ist, und sagen: &bdquo;Okay, das ist die Situation, in der ich mich befinde, ich muss innerhalb dieser Situation arbeiten und dort vorankommen, wo ich kann.&ldquo; F&uuml;r mich hat das nie funktioniert. Der wahre Weg, Menschen zu bewegen, besteht darin, sich eine Situation anzuschauen und zu fragen: &bdquo;Was ist das Richtige? Kann ich das &uuml;berpr&uuml;fen? Ist es wahr? Ist es etwas, an das ich aus &Uuml;berzeugung glauben kann? Steht es im Einklang mit meinen Prinzipien?&ldquo; Und wenn die Antwort &bdquo;Ja&ldquo; lautet, dann muss man sich f&uuml;r dieses Richtige einsetzen und die Wahrheit sagen. Und genau das habe ich angefangen zu tun, und langsam, ganz langsam, beginnt die Menge, sich in deine Richtung zu bewegen, weil du einen festen Punkt markiert hast.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Wir m&uuml;ssen es also stoppen. Und das ist mittlerweile keine radikale Aussage mehr.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Anfangs wollte mir niemand zuh&ouml;ren &ndash; ich sage das nicht verbittert &ndash;, weil es vielen so radikal erscheint, weil wir so lange einer Gehirnw&auml;sche unterzogen wurden. Erstens, indem wir dachten, dass dies ein Krieg sei. Das ist es nicht, es ist die Ausl&ouml;schung und Vertreibung eines Volkes. Zweitens, indem wir dachten, dass die UN-Generalversammlung oder die UNO in der Lage w&auml;ren, dies zu stoppen. Das sind sie nicht. Drittens, indem wir dachten, dass verschiedene Boykotte und Desinvestitionen funktionieren w&uuml;rden. Das tun sie nicht. <strong>Wir<\/strong> m&uuml;ssen es also stoppen. Und das ist mittlerweile keine radikale Aussage mehr. Ich glaube, immer mehr Menschen erkennen das.<\/p><p><strong>Angesichts der aktuellen Lage in Gaza und der t&auml;glichen Nachrichten scheint Ihr Vorhaben der Rettung der Pal&auml;stinenser in Gaza ein Wettlauf gegen die Zeit zu sein. Au&szlig;erdem scheinen viele der politischen Schritte, die derzeit von westlichen Staats- und Regierungschefs betrieben werden, absichtlich oder unabsichtlich Verz&ouml;gerungstaktiken zu sein. Wie sehen Sie den Zeitplan f&uuml;r die n&auml;chsten Monate?<\/strong><\/p><p>Es steht ein entscheidender Moment bevor &ndash; und das ist nicht die UN-Generalversammlung, sondern die <a href=\"https:\/\/globalsumudflotilla.org\/\">Global Sumud Flotilla<\/a> mit Hunderten von Schiffen aus Dutzenden von Staaten, und wir sprechen hier von Zivilisten, die Schiffe und Boote chartern. Der Plan ist, dass im Laufe des Septembers Hunderte von Booten versuchen werden, nach Gaza zu gelangen. Ich denke, das wird ein entscheidender Moment sein f&uuml;r die M&ouml;glichkeit, den V&ouml;lkermord tats&auml;chlich zu stoppen. Denn bei den anderen Schiffen zuvor, von der &bdquo;Mavi Marmara&ldquo; &uuml;ber die &bdquo;Conscience&ldquo; bis zur &bdquo;Madleen&ldquo;, handelte es sich jeweils nur um ein Schiff, nat&uuml;rlich mit prominenten Personen an Bord. Aber diesmal werden es Hunderte sein.<\/p><p>Das stellt Israel vor ein logistisches Problem: Entweder sie lassen sie durch oder sie m&uuml;ssen wie Piraten die Menschen an Bord entf&uuml;hren und in Haftanstalten bringen, wie sie es mit den anderen gemacht haben. Ich gehe davon aus, dass dies enorme politische und mediale Aufmerksamkeit erregen w&uuml;rde. Denn wir werden Zeugen sein, wie Hunderte von Menschen aus aller Welt versuchen, Menschen &ndash; die gerade ausgerottet werden &ndash; mit Lebensmitteln zu versorgen, und Israel sie einfach entf&uuml;hrt. Und ich glaube, weil es Hunderte sein werden, wird dies hoffentlich das richtige politische Klima f&uuml;r &bdquo;Protect Palestine&ldquo; schaffen &ndash; und das ist unser Plan: Eine starke Gemeinschaft, gen&uuml;gend Hebel und gen&uuml;gend Einfluss geschaffen zu haben, um dann zu diesem Zeitpunkt zu Algerien, Tunesien, Spanien, Griechenland und Malta sagen zu k&ouml;nnen: Schickt jetzt eure Marinen, um den Global-Sumud-Konvoi zu sch&uuml;tzen.<\/p><p>Und pl&ouml;tzlich, wissen Sie, w&uuml;rde die jetzt noch unrealistische Idee der Befreiung Pal&auml;stinas realistisch. Noch ist niemand bereit, das zu tun, kein Staat ist dazu bereit. Aber wenn man das Klima hat, das wir bald erleben werden &ndash; wenn Tausende von Menschen, jeder einzelne davon gut vernetzte Aktivisten, professionelle Aktivisten, mit Medienkontakten und Netzwerken auf der ganzen Welt eine riesige &ouml;ffentliche Debatte dar&uuml;ber entfachen, was passiert &ndash;, dann haben wir das richtige Klima, um zu sagen: &bdquo;Das Mindeste, was ihr tun k&ouml;nnt, ist, die Flottille mit eurer Marine zu bewachen.&ldquo; Das bringt die Diskussion zum ersten Mal dahin, wo wir sie brauchen, n&auml;mlich dahin, wo die Staaten dieses Fass &uuml;berhaupt aufmachen und sagen: &bdquo;Stimmt, wir sollten unsere Marine einsetzen, um die Flotte zu sch&uuml;tzen.&ldquo; Und dann haben Sie das Milit&auml;r, dann ist es eine milit&auml;rische Intervention.<\/p><p>Von da an wird unser Engagement noch wichtiger, denn dann werden andere Staaten lautstark Widerstand leisten. Trump wird mit Sanktionen drohen. Die Deutschen werden verwirrt sein, der deutsche Staat wird einfach die israelische Propaganda wiederholen, und wir brauchen diese Koalition, diese Kampagne, die wir aufgebaut haben, um in diesem Moment die Wahrheit zu sagen und zu sagen: &bdquo;Ja, die milit&auml;rische Intervention hat die Blockade durchbrochen.&ldquo; Stellen Sie sich die Jubelst&uuml;rme und die Freude in der gesamten internationalen pro-pal&auml;stinensischen Aktivistengemeinschaft und in der gesamten arabischen Welt vor, wenn die Nachricht kommt, dass die Sumud die Blockade durchbrochen hat &ndash; etwas, was noch nie zuvor gelungen ist. Ich glaube &ndash; ich habe ja vor Kurzem zehn Monate in Jordanien verbracht &ndash;, dann wird sich die Stimmung, die derzeit von purem Def&auml;tismus und der Gewissheit der eigenen Vernichtung gepr&auml;gt ist, pl&ouml;tzlich &auml;ndern, und ich glaube, dass sich dann echte Aussichten f&uuml;r politische Bewegungen ergeben werden, die tats&auml;chlich das Ende der Besatzung und der Apartheid herbeif&uuml;hren k&ouml;nnen.<\/p><p><strong>Vielen Dank f&uuml;r dieses Gespr&auml;ch.<\/strong><\/p><p><small>Titelbild: lev radin \/ Shutterstock und Ousman Noor<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/38a5814df8574d13a72a3a299bab9a12\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=136159\">Gipfeltreffen der Haager Gruppe: Sechs Ma&szlig;nahmen, um den V&ouml;lkermord in Pal&auml;stina zu stoppen<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=137472\">Der Globale S&uuml;den gegen Waffenlieferungen an Israel<\/a>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W&auml;hrend die Lage in Gaza sich weiter zuspitzt, die Hungerblockade der Bev&ouml;lkerung t&auml;glich neue Opfer fordert und die israelische Regierung die vollst&auml;ndige Zerst&ouml;rung von Gaza City und die weitere Vertreibung der kompletten restlichen Bev&ouml;lkerung des Gazastreifens in Camps im S&uuml;den des Landes beschlossen hat, mehren sich auch die Aktivit&auml;ten und Initiativen, die versuchen, sich sch&uuml;tzend<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=137974\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":18,"featured_media":137920,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,35,209,171],"tags":[2637,302,1917,2222,1557,305,303,639,1703],"class_list":["post-137974","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-aufbau-gegenoeffentlichkeit","category-interviews","category-militaereinsaetzekriege","tag-embargo","tag-gaza","tag-genozid","tag-humanitaere-hilfe","tag-israel","tag-menschenrechte","tag-palaestina","tag-uno","tag-voelkerrecht"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/250824-Ousman-Noor-interview.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/137974","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/18"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=137974"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/137974\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":138011,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/137974\/revisions\/138011"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/137920"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=137974"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=137974"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=137974"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}