{"id":138128,"date":"2025-08-29T11:00:51","date_gmt":"2025-08-29T09:00:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=138128"},"modified":"2025-09-01T07:18:09","modified_gmt":"2025-09-01T05:18:09","slug":"ruestungsland-niedersachsen-weg-vom-auto-hin-zum-panzer-mit-tatkraeftiger-unterstuetzung-der-spd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=138128","title":{"rendered":"R\u00fcstungsland Niedersachsen: Weg vom Auto, hin zum Panzer \u2013 mit tatkr\u00e4ftiger Unterst\u00fctzung der SPD"},"content":{"rendered":"<p>Als am Mittwoch die neue Artilleriemunitions-Produktionsline des Rheinmetall-Werks im nieders&auml;chsischen Unterl&uuml;&szlig; in Betrieb genommen wurde, war viel Prominenz angereist. Neben dem NATO-Generalsekret&auml;r Mark Rutte stellten sich auch zwei nieders&auml;chsische SPD-Granden dem Blitzlichtgewitter: Parteichef und Vizekanzler Lars Klingbeil und Verteidigungsminister Boris Pistorius. Niedersachsen steht wie wohl kaum ein anderes Bundesland f&uuml;r die von Olaf Scholz ausgerufene &bdquo;Zeitenwende&ldquo;: Das einstige &bdquo;Autoland&ldquo; soll nun, da es mit den Autos nicht mehr so gut l&auml;uft, zum &bdquo;R&uuml;stungsland&ldquo; werden &ndash; wenn es das nicht ohnehin schon ist. Diese Strategie ist brandgef&auml;hrlich, kann sie doch nur aufgehen, wenn Deutschland dauerhaft gigantische Mengen an R&uuml;stungsg&uuml;tern abnimmt und dabei noch gigantischere Mengen von Steuergeldern in die R&uuml;stungsindustrie flie&szlig;en. Es ist zu bef&uuml;rchten, dass dies das neue Standortkonzept der SPD ist. Armes Niedersachsen, armes Deutschland. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7769\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-138128-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250829_Ruestungsland_Niedersachsen_Weg_vom_Auto_hin_zum_Panzer_mit_tatkraeftiger_Unterstuetzung_der_SPD_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250829_Ruestungsland_Niedersachsen_Weg_vom_Auto_hin_zum_Panzer_mit_tatkraeftiger_Unterstuetzung_der_SPD_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250829_Ruestungsland_Niedersachsen_Weg_vom_Auto_hin_zum_Panzer_mit_tatkraeftiger_Unterstuetzung_der_SPD_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250829_Ruestungsland_Niedersachsen_Weg_vom_Auto_hin_zum_Panzer_mit_tatkraeftiger_Unterstuetzung_der_SPD_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=138128-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250829_Ruestungsland_Niedersachsen_Weg_vom_Auto_hin_zum_Panzer_mit_tatkraeftiger_Unterstuetzung_der_SPD_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250829_Ruestungsland_Niedersachsen_Weg_vom_Auto_hin_zum_Panzer_mit_tatkraeftiger_Unterstuetzung_der_SPD_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><em>Dieser Artikel liegt auch <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/flyer\/250829_Ruestungsland_Niedersachsen_Weg_vom_Auto_hin_zum_Panzer_mit_tatkraeftiger_Unterstuetzung_der_SPD_NDS.pdf\">als gestaltetes PDF vor<\/a>. Wenn Sie ihn ausdrucken oder weitergeben wollen, nutzen Sie bitte diese M&ouml;glichkeit. Weitere Artikel in dieser Form <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?cat=54\">finden Sie hier<\/a>.<\/em><\/p><p>F&uuml;r Deutschlands Militaristen war der vergangene Mittwoch zweifelsohne ein guter Tag. Nach Jahren, ja Jahrzehnten der schlechten, teils geh&auml;ssigen Kommentare &uuml;ber deutsche R&uuml;stungsg&uuml;ter gab es endlich Superlative zu feiern. Gerade einmal anderthalb Jahre nach dem Spatenstich nahm nun die erste Produktionslinie f&uuml;r Artilleriegranaten im nieders&auml;chsischen Unterl&uuml;&szlig; ihren Betrieb auf. Noch in diesem Jahr will Rheinmetall dort 25.000 Schuss produzieren, bis 2027 sollen es j&auml;hrlich 350.000 werden. Zusammen mit anderen Werken will Rheinmetall in den n&auml;chsten zwei Jahren den Aussto&szlig; an Artilleriegranaten auf sagenhafte 1,5 Millionen Geschosse pro Jahr hochfahren. Die &bdquo;Tagesschau&ldquo; <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/unternehmen\/rheinmetall-werk-artilleriemunition-100.html\">meldet dazu vollkommen unkritisch<\/a>, dass Rheinmetall damit &bdquo;seine Position als st&auml;rkster Hersteller von 155-Millimeter-Geschossen in der westlichen Welt festigen&ldquo; w&uuml;rde. <\/p><p>Und das soll zumindest nach den Vorstellungen von Rheinmetall auch noch lange nicht das Ende der Fahnenstange sein. Nun will man in andere L&auml;nder expandieren und dort ebenfalls Munitionswerke nach dem Konzept von Unterl&uuml;&szlig; errichten. Genannt werden dabei Litauen und Gro&szlig;britannien, wo es bereits konkrete Projekte gebe &ndash; aber auch Staaten wie Rum&auml;nien, Lettland und die Ukraine, die laut Rheinmetall-Chef Papperger &bdquo;noch entschlossener in die Lage versetzt werden muss, die dringend ben&ouml;tigten Schutz- und Verteidigungsg&uuml;ter im eigenen Land zu produzieren&ldquo;. Wof&uuml;r allein Deutschland 1,5 Millionen Artilleriegeschosse pro Jahr braucht und was mit den Werken passiert, wenn es &ndash; Gott bewahre &ndash; in der Ukraine zu einem Waffenstillstand oder gar Frieden kommt, fragt das Schlachtschiff des &ouml;ffentlich-rechtlichen Journalismus lieber nicht.<\/p><p>Das hat System. Deutschland befindet sich im Strukturwandel. Doch leider sprechen wir nicht &uuml;ber den Wandel einer exportgetriebenen Volkswirtschaft, deren Produktportfolio in die Tage gekommen ist, zu einer zukunftsfesten innovativen und nachhaltigen Volkswirtschaft. Statt auf regenerative Energien, KI-Technologie, die Mobilit&auml;tswende oder auch nur die bessere Verzahnung von Universit&auml;ten, Forschung und Start-ups zu setzen, soll Deutschlands wirtschaftliches R&uuml;ckgrat ausgerechnet die R&uuml;stungsindustrie werden. Einen &auml;hnlichen Strukturwandel gab es schon in der sp&auml;twilhelminischen Zeit und im Dritten Reich, und wir wissen, wohin das gef&uuml;hrt hat. In Niedersachsen l&auml;sst sich diese Entwicklung wie unter einem Brennglas betrachten.<\/p><p><strong>Niedersachsens r&uuml;stungsindustrielles &Ouml;kosystem<\/strong><\/p><p>In Niedersachsen gibt es die &bdquo;Gro&szlig;en&ldquo;, wie Airbus mit zwei Standorten oder halt Rheinmetall mit dem gr&ouml;&szlig;ten R&uuml;stungsstandort Deutschlands in der sonst beschaulichen L&uuml;neburger Heide. Dann gibt es noch die &bdquo;Hidden Champions&ldquo;, Firmen wie die Werft Abeking &amp; Rasmussen in Lemwerder, die neben Luxusyachten auch als Weltmarktf&uuml;hrer Minensuchboote herstellt. Schon heute gibt es in Niedersachsen aber auch ein komplettes &Ouml;kosystem mit milit&auml;rischen Zulieferern wie beispielsweise das Unternehmen Vincorion aus Wedel, das Energiesysteme f&uuml;r Panzer herstellt. &Auml;hnlich wie bei der Autoindustrie ist die Produktion von milit&auml;rischen Gro&szlig;ger&auml;ten heute ein Projekt, das zu gro&szlig;en Teilen auf unz&auml;hlige Zulieferbetriebe ausgegliedert wurde. Die Unternehmensberatung McKinsey sch&auml;tzt, dass am Bau eines Panzers <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/info\/ruestungsindustrie-von-rheinmetall-bis-tkms-wer-profitiert-im-norden,ruestungsindustrie-110.html\">mindestens 150 mittelst&auml;ndige Unternehmen beteiligt sind<\/a>.<\/p><p>So stammen die Getriebe der meisten von Rheinmetall hergestellten Panzer vom Augsburger Unternehmen Renk AG, die sie jedoch in ihrem Werk in der nieders&auml;chsischen Landeshauptstadt Hannover fertigen l&auml;sst. Fr&uuml;her geh&ouml;rte Renk &uuml;brigens zu MAN und war bis 2020 im Besitz der Volkswagen AG. Aber das war ja vor der Zeitenwende, als man meinte, mit Autos mehr Geld als mit Panzern verdienen zu k&ouml;nnen. Volkswagen nahm damals 530 Millionen Euro mit dem Verkauf von Renk ein, heute weist das Unternehmen eine Marktkapitalisierung von mehr als sechs Milliarden Euro auf &ndash; die Zeitenwende hat sich f&uuml;r Renk und seine neuen Besitzer gelohnt; dazu z&auml;hlt &uuml;brigens vor allem das schwedische Private-Equity-Unternehmen Triton, an dem unter anderem die Familie des IKEA-Gr&uuml;nders Ingvar Kamprad beteiligt ist. So flie&szlig;t mit jedem nieders&auml;chsischen Panzer Geld in die Kassen schwedischer Multimilliard&auml;re, die ihr Geld steueroptimiert in einer niederl&auml;ndischen Stiftung verwalten lassen. F&uuml;r Niedersachsen springen immerhin einige wenige Jobs heraus. Wie viel Prozent der Steuergelder, die f&uuml;r derartige R&uuml;stungsg&uuml;ter ausgegeben werden, nun an die Arbeitnehmer vor Ort und wie viel an milliardenschwere Investoren im Ausland gehen, ist nicht seri&ouml;s zu sch&auml;tzen, Zahlen dazu sind Verschlusssache. Man kann aber durchaus vermuten, dass es sich bei den L&ouml;hnen eher um die Krumen vom Tisch der Reichen handelt und der gro&szlig;e Verlierer am Ende einmal mehr der Steuerzahler ist.<\/p><p><strong>Rheinmetall &ndash; R&uuml;stungschampion seit Kaisers Zeiten<\/strong><\/p><p>Ein gro&szlig;er Gewinner der Zeitenwende ist zweifelsohne das Unternehmen Rheinmetall, der gr&ouml;&szlig;te R&uuml;stungskonzern Deutschlands. Heute weist der Konzern eine Marktkapitalisierung in H&ouml;he von 75 Milliarden Euro auf &ndash; mehr als 50 Prozent so viel wie der Volkswagen-Konzerns, der zweitgr&ouml;&szlig;te Automobilbauer der Welt. Vor Olaf Scholz&rsquo; Zeitenwende-Rede war Rheinmetall &uuml;brigens nur vier Milliarden Euro wert. Auf Kosten des Steuerzahlers hat sich der Wert des Unternehmens somit fast verzwanzigfacht. Aber wen wundert das? Es gibt wohl keinen Konzern, der ein so <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=122927\">umfangreiches Polit-Lobbying betreibt<\/a> wie Rheinmetall. Konzernchef Papperger ist ein Duz-Freund von Boris Pistorius und auch mit dem Ex-Kanzler Olaf Scholz ist er auf freundschaftlicher Ebene verbunden. Wenn es um Rheinmetall geht, l&auml;sst auch die Bundespolitik gerne mal <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=130281\">&bdquo;Viere gerade sein&ldquo;<\/a> und nimmt es mit den eigenen Vergaberichtlinien nicht so genau.<\/p><p>In Unterl&uuml;&szlig; in der L&uuml;neburger Heide wird von Rheinmetall unter anderem die Gro&szlig;kalibermunition f&uuml;r nahezu alle Panzer und Artilleriesysteme produziert, die in Deutschland im Einsatz sind. Hier arbeiten 2.800 Menschen, 600 wurden erst nach der Zeitenwende eingestellt, und aktuell suchen die R&uuml;stungsbauer mindestens 200 weitere Mitarbeiter, Tendenz stark steigend. Einige Waffensysteme fertigt Rheinmetall in Eigenregie, andere in Kooperation &ndash; so werden in Unterl&uuml;&szlig; beispielsweise in einem Joint-Venture mit der VW-Tochter MAN die LKW der Bundeswehr produziert. MAN liefert die zivilen, Rheinmetall die milit&auml;rischen Komponenten.<\/p><p>Wenn Medien wie der <em>NDR<\/em> &uuml;ber Rheinmetall berichten, so sucht man Kritik meist vergebens. Selbst die &bdquo;125-j&auml;hrige Firmengeschichte&ldquo; wird in Beitr&auml;gen des <em>NDR<\/em> wie von magischer Hand <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/niedersachsen\/rheinmetall-in-unterluess-es-geht-um-mehr-als-eine-munitionsfabrik,rheinmetall-238.html\">durch Weglassen der &bdquo;d&uuml;steren Perioden&ldquo; gesch&ouml;nt<\/a>. Bereits im Ersten Weltkrieg lieferte die &bdquo;Rheinische Metallwaren- und Maschinenfabrik Aktiengesellschaft&ldquo; von Unterl&uuml;&szlig; aus &ndash; auch mit franz&ouml;sischen Zwangsarbeitern &ndash; die Munition, mit der die kaiserlichen Truppen ihr t&ouml;dliches Handwerk verrichten konnten. In der Nazizeit wurde das Werk dann verstaatlicht und vom fusionierten Staatsbetrieb Rheinmetall-Borsig betrieben, der sp&auml;ter in die Reichswerke Hermann G&ouml;ring eingegliedert wurde.<\/p><p>Ab 1939 wurden dort polnische, ab 1942 russische Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene eingesetzt, die in mehreren daf&uuml;r gebauten Lagern in der N&auml;he des Werkes untergebracht wurden. 1944 folgte schlie&szlig;lich noch ein <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/KZ-Au%C3%9Fenlager_Unterl%C3%BC%C3%9F\">Au&szlig;enlager des KZs Bergen-Belsen<\/a>, in dem vornehmlich ungarische J&uuml;dinnen, die aus Auschwitz &uuml;berstellt wurden, unter kaum vorstellbaren Bedingungen arbeiteten. 1945 wurden das Werk Unterl&uuml;&szlig; und seine zu diesem Zeitpunkt 5.000 Zwangsarbeiter schlie&szlig;lich von den Briten befreit.<\/p><p>Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Rheinmetall-Borsig wieder reprivatisiert und produzierte in Unterl&uuml;&szlig; zun&auml;chst Textilmaschinen. Als die Briten dann jedoch abzogen und die junge Bundesrepublik ihre Bundeswehr gr&uuml;ndete, brauchte man auch wieder Waffen und Munition aus Unterl&uuml;&szlig;. 1955 war das unfreiwillige zehnj&auml;hrige Intermezzo vorbei, und der Standort Unterl&uuml;&szlig; wurde wieder zur Waffen- und Munitionsschmiede der Republik.<\/p><p>All dies scheint der <em>NDR<\/em> zu vergessen, wenn er stolz <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/niedersachsen\/rheinmetall-in-unterluess-es-geht-um-mehr-als-eine-munitionsfabrik,rheinmetall-238.html\">vom &bdquo;125-j&auml;hrigen Standortjubil&auml;um&ldquo; schreibt<\/a> &ndash; aber ja, der <em>NDR<\/em> geh&ouml;rt ja auch zum nieders&auml;chsischen Komplex, und auch das zum NDR-Reich geh&ouml;rende Schleswig-Holstein geh&ouml;rt vor allem mit dem Marine- und Werftenst&uuml;tzpunkt Kiel zu den gro&szlig;en &bdquo;Gewinnern&ldquo; der R&uuml;stungsprogramme. Da erw&auml;hnt man lieber, wie viel Geld Rheinmetall doch der Gemeinde an Gewerbesteuern einbringt und dass der Steuergeldregen durch die Munitionsfabrik nun der Gemeinde erm&ouml;gliche, das Schwimmbad und das B&uuml;rgerhaus zu sanieren und anzubauen. &bdquo;Rheinmetall braucht Unterl&uuml;&szlig; und Unterl&uuml;&szlig; braucht Rheinmetall&ldquo;, so der <em>NDR<\/em> ganz nonchalant. Und auch hier mache sich die Zeitenwende bemerkbar, schlie&szlig;lich habe Rheinmetall zahlreichen ehemaligen Mitarbeitern des Automobilzulieferers Continental eine neue, zukunftssichere Arbeit gegeben.<\/p><p>Die Zeitenwende hat Rheinmetall zum &bdquo;wei&szlig;en Ritter&ldquo; einer sterbenden Region gemacht. Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass der R&uuml;stungskonzern nun im nahen Braunschweig auch die Betriebsst&auml;tte des schwer angeschlagenen Luftfahrt-Start-ups Leichtwerk <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/niedersachsen\/braunschweig_harz_goettingen\/rheinmetall-uebernimmt-betriebsstaette-militaer-drohnen-bald-aus-braunschweig,leichtwerk-100.html\">&uuml;bernommen hat<\/a>. Wo fr&uuml;her zivile Leichtflugzeuge entworfen und hergestellt wurden, werden k&uuml;nftig milit&auml;rische Drohnen gebaut. Protest? Bedenken? Immerhin &bdquo;rettet&ldquo; Rheinmetall damit 40 hochqualifizierte Arbeitspl&auml;tze, das gef&auml;llt der lokalen Politik.<\/p><p><strong>Panzer statt Autos &ndash; Das VW-Werk in Osnabr&uuml;ck<\/strong><\/p><p>Der Strukturwandel, der sich derzeit in Niedersachsen vollzieht, ist vor allem in der Automobilbranche zu bemerken. &Uuml;ber Jahrzehnte hinweg war Niedersachsen &ndash; im Verh&auml;ltnis zu anderen Wirtschaftszweigen &ndash; das Autoland schlechthin. Rund um die Werke des VW-Konzerns hat sich ein sehr umfangreiches System von Zulieferern aus dem &bdquo;Automotive-Bereich&ldquo; in Niedersachsen niedergelassen. Doch mit Autos made in Germany l&auml;uft es bekanntlich seit einigen Jahren nicht mehr so gut. Es hei&szlig;t, man habe am Markt vorbei entwickelt, die Zeichen der Zeit verschlafen. Wie dem auch sei, in der Branche und in der Landes- und Regionalpolitik herrscht jedenfalls Katerstimmung. So mancher denkt nun bereits offen dar&uuml;ber nach, &bdquo;Panzer statt Autos&ldquo; zu produzieren.<\/p><p>Auch hier nimmt die R&uuml;stungsindustrie in ihrer &Ouml;ffentlichkeitsarbeit die Rolle des &bdquo;wei&szlig;en Ritters&ldquo; ein und die Politik spielt dieses Spiel oft nur allzu gerne mit. Das j&uuml;ngste Beispiel daf&uuml;r ist das VW-Werk in Osnabr&uuml;ck. Dieses Werk kann auf eine lange Geschichte zur&uuml;ckblicken. 1901 begann hier der Kutschenbauer Wilhelm Karmann, die ersten Karosserien f&uuml;r Autos zu bauen. Sp&auml;ter wurden in Osnabr&uuml;ck zun&auml;chst in Eigenregie und sp&auml;ter in Auftragsfertigung Cabrios gebaut. 2011 &uuml;bernahm dann VW das Werk, doch die Auftragslage ist bescheiden und 2027 laufen die letzten Baureihen von Porsche und VW in Osnabr&uuml;ck aus. Vor Ort will man eine Werksschlie&szlig;ung verhindern. Doch wie? <\/p><p>Einmal mehr tauchte Rheinmetall als angeblicher <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/niedersachsen\/osnabrueck_emsland\/Rheinmetall-Chef-VW-Werk-in-Osnabrueck-geeignet-fuer-Ruestung,rheinmetall348.html\">Retter in der Not auf<\/a>. Man k&ouml;nne sich gut vorstellen, in Osnabr&uuml;ck k&uuml;nftig zusammen mit VW Milit&auml;rfahrzeuge zu produzieren, und damit den Fortbestand des Standortes sichern, verlautbarte Rheinmetall im M&auml;rz. Schnell wurde seitens Politik und VW zumindest &ouml;ffentlich zur&uuml;ckgerudert. An <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/niedersachsen\/Panzer-und-Waffen-von-VW-Osnabrueck-Rheinmetall-Vorstoss-nur-Geruecht,vw6550.html\">den Spekulationen sei nichts dran<\/a>, so hie&szlig; es. Glaubhaft waren diese Dementis aber nie.<\/p><p>Schon l&auml;nger gibt es eine Kooperation zwischen der VW-Nutzfahrzeugsparte MAN und Rheinmetall bei Milit&auml;rfahrzeugen. Und hinter den Kulissen sind sich Rheinmetall und VW <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/niedersachsen\/osnabrueck_emsland\/Rheinmetall-Chef-VW-Werk-in-Osnabrueck-geeignet-fuer-Ruestung,rheinmetall348.html\">auf der Chefetage wohl auch schon einig<\/a>. Man m&uuml;sse aber eine sichere Auftragslage durch den Bund haben und brauche daf&uuml;r einen Rahmenvertrag &uuml;ber zehn Jahre.<\/p><p>Nach anf&auml;nglicher Kritik hat sich nun auch die IG Metall f&uuml;r die milit&auml;rische L&ouml;sung ge&ouml;ffnet. Anfang dieser Woche sagte Thorsten Gr&ouml;ger von der IG Metall, <a href=\"https:\/\/www.antenne.com\/nachrichten\/Niedersachsen\/IG-Metall-Andere-Nutzung-w%C3%A4re-keine-Schlie%C3%9Fung-von-VW-Werk-id1454543.html\">er lie&szlig;e sich diese Option offen<\/a>: &bdquo;Wenn ein Werk morgen etwas anderes produziert als heute, ist das keine Schlie&szlig;ung. Entscheidend ist: Von guter in gute Arbeit ist immer besser als in Arbeitslosigkeit.&ldquo; Die Rolle der IG Metall ist bei dieser Entscheidung wichtig. Durch das VW-Gesetz haben die Belegschaft und das Land Niedersachsen eine Mehrheit im Aufsichtsrat. F&uuml;r Rheinmetall ist dies eine Win-Win-Situation &ndash; das Land Niedersachsen sorgt im Aufsichtsrat f&uuml;r einen positiven Beschluss und l&auml;sst via SPD seinen Einfluss spielen, dass es den n&ouml;tigen Rahmenvertrag gibt, der das Gesch&auml;ft f&uuml;r Rheinmetall vergoldet. <\/p><p>Dabei g&auml;be es f&uuml;r das VW-Werk in Osnabr&uuml;ck durchaus denkbare Alternativen, wie es der Brancheninsider Stephan Krull in einem lesenswerten <a href=\"https:\/\/stephankrull.info\/2025\/08\/10\/vw-werk-osnabrueck-vor-der-entscheidung-panzer-oder-kleinbus\/\">Artikel zum Thema analysiert<\/a>. Das Problem: Politik und Medien stellen den Strukturwandel hin zur R&uuml;stungsindustrie heute genauso als alternativlos dar, wie sie es vor wenigen Jahren noch mit der Energiewende oder der Mobilit&auml;tswende getan haben. R&uuml;stung liegt voll im Zeitgeist und die Weichen scheinen bereits gestellt zu sein. So wird es niemanden ernsthaft wundern, wenn demn&auml;chst in der &bdquo;Friedensstadt&ldquo; Osnabr&uuml;ck Milit&auml;rfahrzeuge vom Band laufen. <\/p><p><strong>Ein Land im Strukturwandel<\/strong><\/p><p>H&auml;tte es das Dritte Reich nicht gegeben, s&auml;he Niedersachen heute auch wirtschaftlich anders aus. Das ist keine steile These, sondern ein simpler, in Niedersachsen nicht gerne geh&ouml;rter Fakt. Die heutigen Wirtschaftszentren, die vor allem den S&uuml;den des Bundeslandes dominieren, sind die Auto- und die Stahl- bzw. metallverarbeitende Industrie. Wo 1938 noch plattes Weideland rund um das Dorf Fallersleben war, steht heute die Gro&szlig;stadt Wolfsburg mit ihrem Stammwerk der VW AG, das rund 62.000 Menschen direkt und Hunderttausende Menschen in der Region indirekt besch&auml;ftigt und bis vor Kurzem auch fl&auml;chenm&auml;&szlig;ig die gr&ouml;&szlig;te Fabrikanlage der Welt war. Wenige Kilometer s&uuml;dlich findet sich die Stadt Salzgitter mit ihrem riesigen Stahlwerk der Salzgitter AG &ndash; gegr&uuml;ndet 1937 als Reichswerke Hermann G&ouml;ring; wie das damalige KdF-Werk in Wolfsburg eine Rei&szlig;brettplanung mitten im Nirgendwo. Heute ist Salzgitter &ndash; wenn auch nur durch Eingemeindungen &ndash; eine Gro&szlig;stadt. In den 1930ern war Salzgitter-Bad noch ein 3.000-Seelen-Dorf im Landkreis Goslar.<\/p><p>Stahl und Autos &ndash; die Produkte, die die Region &uuml;ber Jahrzehnte hinweg wohlgen&auml;hrt haben und unz&auml;hlige Zuliefererbetriebe angezogen haben, sind heute Auslaufmodelle. Die Salzgitter AG schreibt seit Jahren tiefrote Zahlen, die Energiekosten und Umweltauflagen haben die Stahlherstellung in Deutschland international abgeh&auml;ngt. Wof&uuml;r braucht man auch Stahl? Gebaut wird kaum noch, deutsche Autos verkaufen sich schlecht. Etwas Hoffnung brachte die erzwungene Umstellung der Gasversorgung. Erst verdiente man gut am Bau der Nord-Stream-Pipelines, dann verdiente man gut am Bau der neuen Gasleitungen, die n&ouml;tig sind, um die LNG-Terminals ans Verteilnetz zu nehmen. Aber auch das ist irgendwann geschehen, und ohne das preiswerte Nord-Stream-Gas zerfiel auch das Zukunftsmodell der Salzgitter Stahl, in Deutschland gr&uuml;nen Stahl zu produzieren, in sich selbst.<\/p><p>Nun setzt man auf gr&uuml;nen Stahl aus Wasserstoff-Strom &ndash; nur dass der ohne gigantische Subventionen so teuer ist, dass er in der Privatwirtschaft keine Kunden finden w&uuml;rde &ndash; au&szlig;er in der staatlich subventionierten R&uuml;stungswirtschaft, bei der die Controller nicht so genau auf die Zahlen schauen. So sieht die Salzgitter Stahl AG nun auch ihre wirtschaftliche Zukunft <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/niedersachsen\/braunschweig_harz_goettingen\/Salzgitter-AG-will-verstaerkt-an-Ruestungsindustrie-liefern,salzgitter1280.html\">als Zulieferer der R&uuml;stungsindustrie<\/a>. Unternehmensintern hat man nun eine &bdquo;Task Force Verteidigung&ldquo; gegr&uuml;ndet. Ein guter Freund von mir, der bei dem Unternehmen t&auml;tig war, reichte an diesem Tag die K&uuml;ndigung ein. Aber nicht jeder hat den Luxus, in dieser wirtschaftlich angespannten Zeit einen neuen Job zu finden. So kommt es, dass das von den Nazis zur R&uuml;stungsproduktion gegr&uuml;ndete Stahlwerk bald wieder f&uuml;r die R&uuml;stungsproduktion arbeitet &ndash; welch bittere Pointe.<\/p><p>&Auml;hnlich d&uuml;rfte es den Mitarbeitern der Meyer Werft in Papenburg gehen. Dort wurden bis vor Kurzem Kreuzfahrtschiffe gebaut, doch die Coronazeit brachte die Branche in Schieflage, Auftr&auml;ge wurden storniert oder verschoben, das Land Niedersachsen stieg mit 80 Prozent bei der Werft ein. <a href=\"https:\/\/www.noz.de\/deutschland-welt\/politik\/artikel\/papenburger-meyer-werft-was-russische-raketen-mit-ihrer-rettung-zu-tun-haben-48033503\">Die Begr&uuml;ndung daf&uuml;r<\/a> muss man sich auf der Zunge zergehen lassen &ndash; Papenburg liegt au&szlig;erhalb der Reichweite russischer Kurzstreckenraketen aus dem Oblast Kaliningrad und sei daher von hoher strategischer Bedeutung, &bdquo;um im Falle zunehmender sicherheitspolitischer Spannungen Marineschiffe bauen zu k&ouml;nnen&ldquo;. Genau das soll jetzt auch geschehen. Laut einem <a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/unternehmen\/industrie\/meyer-werft-wir-koennten-fregatten-in-serie-bauen\/100127846.html\">Restrukturierungsplan<\/a> sollen k&uuml;nftig nicht mehr Kreuzfahrtschiffe, sondern Fregatten in Papenburg vom Stapel laufen. Nat&uuml;rlich &ndash; mit dem Land Niedersachsen als Mehrheitseigner ist man ein politisches Unternehmen, und staatliche Auftr&auml;ge wird es dank der Zeitenwende schon ausreichend geben.<\/p><p><strong>Niedersachsen und die SPD &ndash; ein ideales Umfeld f&uuml;r die R&uuml;stungsindustrie<\/strong><\/p><p>Die nieders&auml;chsische SPD stand schon immer der R&uuml;stungsindustrie und ihrer Lobby sehr nahe, und seit vielen Jahren haben die Niedersachsen in der SPD die Deutungshoheit gewonnen. Der heutige Parteichef und Vizekanzler Lars Klingbeil wuchs als Sohn eines Soldaten in der Bundeswehrstadt Munster auf und geh&ouml;rte seit 2017 den <a href=\"https:\/\/www.abgeordnetenwatch.de\/recherchen\/lobbyismus\/nebenjobs-in-lobbyvereinen-wie-die-ruestungsindustrie-politiker-umgarnt\">Pr&auml;sidien der Lobbyvereine<\/a> Deutsche Gesellschaft f&uuml;r Wehrtechnik und F&ouml;rderkreis Deutsches Heer an. Politisch machte er sich schon lange vor der Zeitenwende f&uuml;r eine massive Erh&ouml;hung der R&uuml;stungsausgaben stark. Ob aus &Uuml;berzeugung oder aus Opportunismus, ist nicht bekannt &ndash; sein Wahlkreis grenzt jedenfalls an den Rheinmetall-Standort Unterl&uuml;&szlig;.<\/p><p>Fest an seiner Seite steht dabei Boris Pistorius, seines Zeichens Verteidigungsminister, der zum &bdquo;Kanzler der Herzen&ldquo; hochgeschrieben wurde. Auch Pistorius ist Niedersachse, und f&uuml;r einen SPD-Politiker ist seine Karriere wohl auch nur in Niedersachsen so denkbar. Protegiert wurde er &uuml;ber Jahre hinweg von Sigmar Gabriel, Goslarer, Niedersachse und Freund der R&uuml;stungsindustrie, und Stephan Weil, Hannoveraner, Niedersachse und ebenfalls Freund der R&uuml;stungsindustrie, der kurz vor seinem Abtritt als nieders&auml;chsischer Ministerpr&auml;sident noch <a href=\"https:\/\/www.volksstimme.de\/panorama\/weil-offen-fur-mehr-rustungsindustrie-in-niedersachsen-4034277\">verk&uuml;ndete<\/a>, er wolle die R&uuml;stungsindustrie in Niedersachsen noch weiter st&auml;rken, da diese ein &bdquo;absoluter Wachstumsbereich&ldquo; sei. Dass sein Amtsnachfolger Olaf Lies, der den r&uuml;stungsindustrief&ouml;rdernden Kurs Weils in zwei Kabinetten als Wirtschaftsminister exekutiert hat, das anders sieht, ist auszuschlie&szlig;en.<\/p><p>Es war der SPD-Kanzler Olaf Scholz, zwar in Niedersachsen geboren, aber politisch ein Hamburger, der die Zeitenwende ausrief und die ersten 100 Milliarden Euro f&uuml;r die Aufr&uuml;stung bereitgestellt hat. Boris Pistorius war sp&auml;ter der gr&ouml;&szlig;te Lobbyist f&uuml;r die F&uuml;nf-Prozent-Regelung bei den R&uuml;stungsausgaben, die dann sein Parteichef Lars Klingbeil als Finanzminister auch umgesetzt hat. Sie haben den Rahmen geschaffen, aber nicht nur das. Immer dann, wenn es um die Ansiedlung und St&auml;rkung der R&uuml;stungsindustrie, insbesondere durch Konzerne wie Rheinmetall, ging, hat in Niedersachsen die SPD dabei eine signifikante Rolle gespielt. Scholz, Pistorius und Weil haben den Bau der neuen Munitionsfabrik von Rheinmetall in Unterl&uuml;&szlig; aktiv unterst&uuml;tzt.<\/p><p>Auch bez&uuml;glich des Einflusses auf die Bundes-SPD und Lobbying in der Bundespolitik gibt es klare Verbindungen: Die nieders&auml;chsische SPD nutzt ihre Position, um bundespolitische Entscheidungen zu beeinflussen, etwa durch die F&ouml;rderung von Aufr&uuml;stungsprogrammen wie dem 100-Milliarden-Sonderverm&ouml;gen f&uuml;r die Bundeswehr. Stephan Weil hat sich &ouml;ffentlich f&uuml;r mehr R&uuml;stungsinvestitionen eingesetzt und Kritik an Abr&uuml;stung ge&auml;u&szlig;ert, was mit der Linie der SPD-Bundesf&uuml;hrung um Scholz und Pistorius &uuml;bereinstimmt.<\/p><p><strong>Diese Strategie f&uuml;hrt entweder in eine Sackgasse oder in den Krieg<\/strong><\/p><p>&Uuml;ber die makro&ouml;konomische Sinnlosigkeit der Aufr&uuml;stung hatte ich bereits im Artikel <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=130790\">&bdquo;Vom &bdquo;Green New Deal&ldquo; zum &bdquo;olivgr&uuml;nen Wirtschaftswunder&ldquo; &ndash; der Irrsinn regiert&ldquo;<\/a> ausf&uuml;hrlich geschrieben. Schauen wir uns heute zun&auml;chst einmal die betriebswirtschaftliche Perspektive an. Um es klar zu sagen: Kurzfristig mag es f&uuml;r ein Unternehmen durchaus sinnvoll erscheinen, milit&auml;rische anstatt ziviler G&uuml;ter zu produzieren. Sp&auml;testens seit der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jos%C3%A9_Ignacio_L%C3%B3pez_de_Arriort%C3%BAa\">&Auml;ra &bdquo;Lopez&ldquo;<\/a> stehen die Zulieferer der Automobilindustrie unter einem riesigen Kostendruck. Eink&auml;ufer und Controller der Automobilhersteller sind gnadenlos und will man &uuml;berhaupt im Gesch&auml;ft bestehen, muss man schon mit einem sehr spitzen Bleistift kalkulieren. Das ist in der R&uuml;stungsindustrie g&auml;nzlich anders. Hier hat der Staat ein Nachfrageoligopol und das Beschaffungssystem der Bundeswehr ist ja bekannt f&uuml;r seine Nachl&auml;ssigkeit. Das ist gut f&uuml;r die Margen. Problematisch f&uuml;r die Anbieter ist dabei jedoch, dass die Nachfrage &ndash; anders als bei zivilen G&uuml;tern &ndash; politisch reguliert ist.<\/p><p>Zugespitzt k&ouml;nnte man sagen: Wenn der Frieden ausbricht, sind die positiven Gesch&auml;ftsaussichten der R&uuml;stungsindustrie samt ihrer Zulieferer dahin. Irgendwann sind die Arsenale voll und in Man&ouml;vern kann auch die Bundeswehr nicht Millionen und Abermillionen Artilleriegeschosse pro Jahr verschie&szlig;en. Zwar mag es in bestimmten High-Tech-Bereichen auch hier &bdquo;Innovationszyklen&ldquo; geben, sodass z.B. veraltete Drohnen durch neue Modelle ersetzt werden, aber f&uuml;r die gro&szlig;e Masse milit&auml;rischer Produkte gibt es nun mal eine nat&uuml;rliche Obergrenze. <\/p><p>Das l&auml;sst zwei Alternativen offen: Man f&auml;hrt die Beschaffungsausgaben runter, wenn die Arsenale voll sind oder man sorgt daf&uuml;r, dass die milit&auml;rischen G&uuml;ter verbraucht werden; vulgo, man f&uuml;hrt einen Krieg. Ersteres w&auml;re aus rein &ouml;konomischer Perspektive schlecht f&uuml;r den Wirtschaftsstandort; dann m&uuml;ssten die nun gebauten Werke wieder geschlossen werden. Letzteres w&auml;re aus allen denkbaren Perspektiven katastrophal. Aber eine andere Alternative gibt es f&uuml;r dieses Szenario nicht. Tertium non datur. Man kann nur hoffen, dass sich diese simple Wahrheit auch irgendwann bei der Politik und in den Medien herumspricht; nicht nur in Niedersachsen.<\/p><p><small>Titelbild: Screenshot NDR<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/5df91a26234d4a2eb1d5294d61ef1521\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als am Mittwoch die neue Artilleriemunitions-Produktionsline des Rheinmetall-Werks im nieders&auml;chsischen Unterl&uuml;&szlig; in Betrieb genommen wurde, war viel Prominenz angereist. Neben dem NATO-Generalsekret&auml;r Mark Rutte stellten sich auch zwei nieders&auml;chsische SPD-Granden dem Blitzlichtgewitter: Parteichef und Vizekanzler Lars Klingbeil und Verteidigungsminister Boris Pistorius. Niedersachsen steht wie wohl kaum ein anderes Bundesland f&uuml;r die von Olaf Scholz ausgerufene<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=138128\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":138129,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,172,54,191,11,30],"tags":[294,1565,742,2200,1452,3333,1367,906,3070,831,443,1371,2189,3321,2542],"class_list":["post-138128","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-aufruestung","category-gestaltete-pdf","category-spd","category-strategien-der-meinungsmache","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-aktienkurse","tag-automobilindustrie","tag-ig-metall","tag-klingbeil-lars","tag-niedersachsen","tag-pistorius-boris","tag-ruestungsausgaben","tag-ruestungsindustrie","tag-rheinmetall","tag-scholz-olaf","tag-standortwettbewerb","tag-volkswagen","tag-weil-stephan","tag-zeitenwende","tag-zuliefererindustrie"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/250829-Ruestungsland-titel.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/138128","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=138128"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/138128\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":138266,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/138128\/revisions\/138266"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/138129"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=138128"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=138128"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=138128"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}