{"id":13839,"date":"2012-07-12T09:14:43","date_gmt":"2012-07-12T07:14:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13839"},"modified":"2015-03-09T11:04:48","modified_gmt":"2015-03-09T10:04:48","slug":"diw-fur-vermogensabgabe-als-beitrag-zur-sanierung-der-staatsfinanzen-in-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13839","title":{"rendered":"DIW f\u00fcr Verm\u00f6gensabgabe als Beitrag zur Sanierung der Staatsfinanzen in Europa"},"content":{"rendered":"<p>Das Deutsche Institut f&uuml;r Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin ist neben dem Institut f&uuml;r <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/imk_5274.htm?produkt=HBS-004001&amp;chunk=2&amp;jahr=\">Makro&ouml;konomie und Konjunkturforschung (IMK)<\/a> eines der wenigen &ouml;konomischen Forschungsinstitute, die &ouml;ffentlich wahrgenommen werden und die sich &uuml;berhaupt mit der Einnahmeseite als wichtigem Instrument f&uuml;r den Abbau von Staatsschulden besch&auml;ftigen. In seiner neuesten Ver&ouml;ffentlichung empfiehlt das DIW angesichts der hohen Verschuldung in Europa mit Zwangsanleihen und\/oder einmaligen Verm&ouml;gensabgaben private Haushalte mit hohem Verm&ouml;gen und Einkommen f&uuml;r den Schuldenabbau heranzuziehen. Simulationsrechnungen des DIW Berlin zum Aufkommen einer Verm&ouml;gensabgabe in Deutschland ergeben bei einem pers&ouml;nlichen Freibetrag in H&ouml;he von 250 000 Euro (Ehepaare 500 000 Euro) (betroffen w&auml;ren acht Prozent oder 4,4 Millionen der erwachsenen Bev&ouml;lkerung) eine Bemessungsgrundlage von 92 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Ein Zwangskredit oder eine Abgabe in H&ouml;he von zum Beispiel zehn Prozent auf diese Bemessungsgrundlage k&ouml;nnten somit gut neun Prozent des Bruttoinlandsprodukts mobilisieren &ndash; <a href=\"http:\/\/www.diw.de\/documents\/publikationen\/73\/diw_01.c.405699.de\/12-28.pdf\">rund 230 Milliarden Euro [PDF &ndash; 799 KB]<\/a>. Von <strong>Wolfgang Lieb<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nIch zitiere zun&auml;chst die Zusammenfassung des Vorschlags von Stefan Bach des stellvertretenden Abteilungsleiters im DIW, zust&auml;ndig f&uuml;r den Arbeitsbereich Finanzpolitik:<\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008\/2009 sind die Staatsschulden in fast allen OECD-L&auml;ndern deutlich gestiegen. Die Europ&auml;ische Schuldenkrise hat sich in den letzten Wochen wieder versch&auml;rft.<\/em><\/p>\n<p><em>Mit Zwangsanleihen und einmaligen Verm&ouml;gensabgaben k&ouml;nnten Privathaushalte mit hohen Verm&ouml;gen und Einkommen zur Refinanzierung und zum Abbau der Staatsschulden herangezogen werden, ohne dass eine D&auml;mpfung der Konsumnachfrage zu bef&uuml;rchten w&auml;re. Damit w&uuml;rde auch der gestiegenen Ungleichheit in der Verm&ouml;gensverteilung entgegengewirkt. Die Erhebung solcher Abgaben ist aber nicht einfach, da die Verm&ouml;genswerte ermittelt sowie Steuerflucht und -hinterziehung unterbunden werden m&uuml;ssen.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Sch&auml;tzung der Aufkommenseffekte solcher Abgaben f&uuml;r die Krisenl&auml;nder ist mangels Daten nur schwer m&ouml;glich. F&uuml;r Deutschland ergeben Simulationsrechnungen des DIW Berlin bei einem pers&ouml;nlichen Freibetrag von 250 000 Euro (Ehepaare 500 000 Euro) eine Bemessungsgrundlage von 92 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.<\/em><br>\n<em>Eine Zwangsanleihe oder eine Abgabe in H&ouml;he von zum Beispiel zehn Prozent auf diese Bemessungsgrundlage k&ouml;nnten somit gut neun Prozent des Bruttoinlandsprodukts &ndash; rund 230 Milliarden Euro &ndash; mobilisieren.<\/em><\/p>\n<p><em>Betroffen w&auml;ren die reichsten acht Prozent der erwachsenen Bev&ouml;lkerung. Vermutlich lassen sich in den europ&auml;ischen Krisenl&auml;ndern auf diesem Weg ebenfalls erhebliche Einnahmen erzielen. Damit w&auml;re ein wichtiger Schritt zu einer Konsolidierung der &ouml;ffentlichen Haushalte getan, und wachstumsf&ouml;rdernde Reformen w&uuml;rden erleichtert.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>Stefan Bachs Fazit: <\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Den hohen Staatsschulden stehen staatliche Verm&ouml;gen und hohe private Verm&ouml;gen gegen&uuml;ber. Das gilt grunds&auml;tzlich auch f&uuml;r die Krisenl&auml;nder. Diese Verm&ouml;gen sollten verst&auml;rkt zur Entsch&auml;rfung der Schuldenkrise mobilisiert werden. Durch Zwangsanleihen und Verm&ouml;gensabgaben k&ouml;nnten Privathaushalte mit h&ouml;heren Verm&ouml;gen und Einkommen zur Refinanzierung und zum Abbau der Staatsschulden herangezogen werden&hellip;<\/em><br>\n<em>Vermutlich lassen sich auch in den Krisenl&auml;ndern &auml;hnliche Gr&ouml;&szlig;enordnungen beim wohlhabenden Teil der Bev&ouml;lkerung erzielen&hellip;<\/em><\/p>\n<p><em>Die Konzentration der Belastungen auf die Verm&ouml;gens- und Einkommenseliten wirkt zudem der zunehmenden Verteilungsungleichheit entgegen. Ferner setzt dies f&uuml;r die zu Abgaben herangezogenen Personen Anreize, sich st&auml;rker um die fiskalische und wirtschaftliche Gesundung ihrer L&auml;nder zu k&uuml;mmern. Nicht zuletzt d&uuml;rften solche Abgaben auch die Akzeptanz von Arbeitsmarkt- und Sozialreformen oder von Ausgabenk&uuml;rzungen erh&ouml;hen, die h&auml;ufig &auml;rmere Bev&ouml;lkerungsschichten treffen und soziale Spannungen ausl&ouml;sen.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p><strong>Bemerkenswert ist auch der Meinungsbeitrag von Prof. Dr. Gert G. Wagner, dem Vorstandsvorsitzender des DIW Berlin:<\/strong><\/p><blockquote><p><em>&bdquo;&hellip;Obwohl die Staatsausgaben aus guten Gr&uuml;nden nicht radikal heruntergefahren worden sind, wurden die Steuern gesenkt. Das hat zusammen mit den Folgekosten der deutschen Einheit und der Finanzkrise zu einem Anstieg der &ouml;ffentlichen Schulden auf 81 Prozent des Bruttoinlandprodukts gef&uuml;hrt. Diese Verschuldungsquote ist nun Anlass f&uuml;r eine neuerliche Ausgabensenkungsrhetorik. Bef&ouml;rdert werden Forderungen nach Senkungen der Staatsausgaben von der im Grundgesetz festgeschriebenen Schuldenbremse. Wobei alle diese Diskussionen wohl auf weitere Senkungen der Sozial- und Gesundheitsausgaben hinauslaufen.<\/em><\/p>\n<p><em>Aber es gibt inzwischen immer mehr Stimmen, die laut &uuml;ber Steuererh&ouml;hungen nachdenken. Denn angesichts der Entwicklung der vergangenen Jahre kann man genauso gut die Perspektive einnehmen, dass nicht die Ausgaben zu hoch, sondern die Steuern zu niedrig waren. Das ist in den Schichten der wirtschaftlichen Eliten und der meinungsbildenden<br>\nKreise nat&uuml;rlich keine Nachricht, die auf Begeisterung st&ouml;&szlig;t. Aber es sollte aufhorchen lassen, dass es zunehmend Million&auml;re gibt, die f&uuml;r sich selbst h&ouml;here Steuern f&uuml;r gerechtfertigt halten. Dabei ist auch zu bedenken, dass in Deutschland die Einkommenszuw&auml;chse der letzten 15 Jahre weitgehend bei den reichsten zehn Prozent der Bev&ouml;lkerung gelandet sind, und die Verteilung entsprechend ungleicher geworden ist.<\/em><\/p>\n<p><em>Was auch gerne vergessen wird: Die Staatsschulden wurden ja niemandem aufgezwungen, sondern Verm&ouml;gende, die nach Anlagem&ouml;glichkeiten suchen, haben sich in der Regel freiwillig f&uuml;r das Zeichnen von Staatsanleihen entschieden.<\/em><\/p>\n<p><em>Man kann das auch so interpretieren: Verm&ouml;gende, die von den Steuerentlastungen und der Umverteilung von unten nach oben in den letzten Jahre profitiert haben, waren froh, dass es die M&ouml;glichkeit gab, dem Staat Geld zu leihen.<\/em><\/p>\n<p><em>W&uuml;rde jetzt eine einmalige Verm&ouml;gensabgabe eingef&uuml;hrt, k&ouml;nnte man diese auch als ausgleichende Gerechtigkeit interpretieren. Die Umverteilung von Einkommen, die insbesondere in den letzten zehn Jahren von unten nach oben stattgefunden hat, w&uuml;rde wieder teilweise r&uuml;ckg&auml;ngig gemacht.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>(Siehe Gert G. Wagner auch &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.welt.de\/debatte\/kommentare\/article108265508\/Warum-die-Reichen-mehr-Geld-abgeben-sollten.html\">Warum die Reichen mehr Geld abgeben sollten<\/a>&ldquo;.) <\/p><p>(Zur Verm&ouml;gensbesteuerung allgemein, siehe auch <a href=\"http:\/\/library.fes.de\/pdf-files\/wiso\/07994.pdf\">&bdquo;Verm&ouml;gensbesteuerung &ndash; Chancen, Risiken und Gestaltungsm&ouml;glichkeiten&ldquo; [PDF &ndash; 258 KB]<\/a>) <\/p><p><strong>Kritische Anmerkungen<\/strong><\/p><p>Ob eine Zwangsanleihe gegenw&auml;rtig der richtige Weg sein kann, muss man angesichts negativer Zinss&auml;tze, zu denen Deutschland Staatsanleihen vergeben kann, bezweifeln. W&uuml;rde man die Anleihen h&ouml;her verzinsen als sie derzeit gehandelt werden, so w&auml;re das ein schlechtes &bdquo;Gesch&auml;ft&ldquo;. Eine Zwangsanleihe m&uuml;sste dar&uuml;ber hinaus von den Steuerzahlern genauso zur&uuml;ckgezahlt und verzinst werden wie jede normale Staatsanleihe &ndash; sie w&auml;re eben nur nicht freiwillig. An der Verm&ouml;gensverteilung w&uuml;rde sich nichts &auml;ndern, im Gegenteil, die in die Pflicht Genommenen, w&uuml;rden sogar noch daran verdienen. <\/p><p>Eine weitere Frage ist, ob es nicht zumutbarer und vermittelbarer w&auml;re, die Freibetr&auml;ge anzuheben und stattdessen eine Progression der Verm&ouml;gensbesteuerung einzuf&uuml;hren. Es ist doch eigentlich nicht einzusehen, warum ein Multimilliard&auml;r genauso veranlagt wird wie jemand, der <a href=\"http:\/\/www.berliner-zeitung.de\/wirtschaft\/kommentar-zur-vermoegensabgabe-warum-wir-die-reichenabgabe-brauchen,10808230,16598248.html\">250.000 Euro Verm&ouml;gen hat<\/a>. Die populistische Kampagne gegen diesen angeblich zu niedrigen Freibetrag kann man sich leicht ausmalen, obwohl das DIW den Freibetrag f&uuml;r Ehepaare erst bei 500.000 Euro und zus&auml;tzlich einen Kinderfreibetrag von 100.000 Euro ansetzt und zudem einen gesonderten Freibetrag f&uuml;r Unternehmensverm&ouml;gen in H&ouml;he von 5 Millionen f&uuml;r seine Berechnungen unterstellt. <\/p><p>Dar&uuml;ber hinaus m&uuml;sste man sicher auch dar&uuml;ber nachdenken, wie auch die Erbschaftssteuer wenigstens etwa an amerikanische Verh&auml;ltnisse angepasst werden m&uuml;sste. <\/p><p><strong>Widerstand ist programmiert<\/strong><\/p><p>Der Vorschlag des DIW d&uuml;rfte in konservativen Kreisen auf emp&ouml;rte Ablehnung sto&szlig;en, obwohl z.B. unter Konrad Adenauer Anfang der 50er Jahre eine Zwangsabgabe zugunsten von Investitionen in die Grundstoffindustrie erhoben wurde und obwohl auch noch in den 80er Jahren unter Schwarz-Gelb eine Investitionshilfeabgabe zur F&ouml;rderung des Wohnungsbaus eingef&uuml;hrt wurde. Aber auch SPD und die Gr&uuml;nen d&uuml;rften nicht den Mut aufbringen einen solchen Vorschlag auch nur in die Diskussion zu bringen.<br>\nVom Griff &bdquo;tief in die rote Mottenkiste&ldquo; ist schon bei der FDP die Rede. Der Finanzminister ist mal wieder trickreich, der Vorschlag sei interessant, aber nicht f&uuml;r Deutschland, sondern f&uuml;r Staaten, in denen es &bdquo;ein schwieriges Verh&auml;ltnis&ldquo; zwischen Steueraufkommen und Privatverm&ouml;gen gebe, <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/zwangsanleihen-gegen-schuldenkrise-idee-des-diw-stoesst-auf-vorbehalte-a-843840.html\">meldet der Spiegel<\/a>. <\/p><p>Dass die obersten 0,5 Prozent der Bev&ouml;lkerung einen Anteil von 22,5% und die obersten 10 Prozent einen Anteil von 66,6 % des Nettoverm&ouml;gens besitzen, w&auml;hrend die <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=12782\">unteren 50 % gerade mal einen Anteil von 1,4% haben<\/a>, ist f&uuml;r die Bundesregierung offenbar kein &bdquo;schwieriges Verh&auml;ltnis&ldquo;. <\/p><p><strong>Die herrschende Lehre wehrt ab<\/strong><\/p><p>F&uuml;r die Mehrheit der anderen Wirtschaftsforschungsinstitute, wie auch f&uuml;r den Sachverst&auml;ndigenrat und die herrschende Lehre an den Hochschulen sind Verm&ouml;genssteuern oder gar Verm&ouml;gensabgaben weitgehend Tabu. Das gilt auch f&uuml;r die &uuml;berwiegende Zahl der Wirtschaftsjournalisten, die ja meistens auch nur diese Lehre nachplappern. (Siehe z.B. <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/summa-summarum-reiche-1.1410089\">Marc Beise von der S&uuml;ddeutschen Zeitung<\/a> oder auch <a href=\"http:\/\/www.stern.de\/wirtschaft\/news\/mit-zwangsabgabe-gegen-schuldenkrise-lasst-den-reichen-ihre-kohle-1855644.html\">Niels Kruse im stern<\/a>.) Als Verfechter der sog. angebotsorientierten (man k&ouml;nnte auch sagen kapitalorientierten) &ouml;konomischen Lehre, die glaubt wirtschaftliche Prosperit&auml;t vor allem durch die Erleichterung von Investitionen und deshalb durch niedrige Lohnkosten und eine m&ouml;glichst geringe Besteuerung der Gewinne der Unternehmen erreichen zu k&ouml;nnen, sehen sie in Verm&ouml;gensteuern eine Gef&auml;hrdung von Arbeitspl&auml;tzen. Und mit dieser Behauptung kann man jeden politischen Vorsto&szlig; in Richtung Verm&ouml;gensteuer brechen.<\/p><p>So kritisiert etwa das arbeitgebernahe Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) z.B. schon den moderaten SPD-Vorschlag zur (Wieder-)Erhebung einer Art Verm&ouml;genssteuer (die Erh&ouml;hung der Abgeltungssteuer auf Kapitalertr&auml;ge von derzeit 25 auf 32 Prozent) als Gefahr f&uuml;r die Arbeitspl&auml;tze und kritisiert, dass der <a href=\"http:\/\/www.iwkoeln.de\/de\/infodienste\/iw-nachrichten\/beitrag\/60297?highlight=Verm%25C3%2583%25C2%25B6gensteuer\">Gewinn doppelt besteuert werde<\/a>. Auch die meisten anderen Wirtschaftsforschungsinstitute mit neoklassischer oder monetaristischer  Ausrichtung lehnen die Besteuerung von Verm&ouml;gen ab: So etwa das <a href=\"http:\/\/www.rwi-essen.de\/publikationen\/rwi-positionen\/5\/\">Rheinisch-Westf&auml;lische Institut f&uuml;r Wirtschaftsforschung (RWI)<\/a>, das <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/wirtschaft\/steuerexperte-kritisiert-vermoegenssteuer--schlechte-idee-,1472780,4962606.html\">Kieler Institut f&uuml;r Weltwirtschaft<\/a> und auch die meisten anderen Institute. F&uuml;r die mehrheitlich neoklassisch orientierten sog. &bdquo;Wirtschaftsweisen&ldquo; (Ausnahme: Peter Bofinger) ist eine <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=9502\">Verm&ouml;gensteuer nicht einmal denkbar<\/a>. <\/p><p>Sicherlich ist die Besteuerung von aus Gewinnen entstandenem Verm&ouml;gen eine Doppelbesteuerung. Aber dieser doppelten Besteuerung unterliegt z.B. auch ein Rentner, dessen aus seinem versteuerten Einkommen finanzierte Rentenauszahlung zum zu versteuernden Einkommen gerechnet und versteuert werden muss. Warum wird also gerade bei der Verm&ouml;genbesteuerung so viel Widerstand geleistet?<\/p><p>Ja, es handelt sich um eine Umverteilung der Verm&ouml;gen. Diese Umverteilung wird jedoch auch vom Bundesverfassungsgericht &ndash; solange sie verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig ist (und verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig w&auml;re f&uuml;r Karlsruhe eine Gesamtbesteuerung von &uuml;ber 50 %) &ndash; nicht als Versto&szlig; gegen die Eigentumsgarantie angesehen. <\/p><p><strong>Umverteilende Steuern geh&ouml;ren eben zum Sozialstaat des Grundgesetzes!<\/strong><\/p><p>Deswegen wird von den Gegnern einer Verm&ouml;genssteuer oder einer Verm&ouml;gensabgabe meistens auch nicht steuerrechtlich sondern &ouml;konomisch argumentiert, wenn sie eine diese ablehnen. Nat&uuml;rlich kann ein angesammeltes Verm&ouml;gen, das versteuert wird, nicht mehr investiert werden. (Jedenfalls nicht mehr vom Verm&ouml;gensbesitzer, sehr wohl aber vom Staat.) Das was die Steuer abzieht, kann nicht mehr in die Erweiterung oder Erneuerung des Kapitalstocks eines Unternehmens, also f&uuml;r technische Innovationen (um Wettbewerbsvorteile zu erzielen) oder zur Ausweitung der Kapazit&auml;ten (zur Erh&ouml;hung des Umsatzes) eingesetzt werden. Und in der sch&ouml;nen heilen Welt dieser Angebotstheoretiker sollen ja Gewinne und angespartes Verm&ouml;gen fast ausschlie&szlig;lich f&uuml;r Investitionen eingesetzt werden, damit die Wirtschaft w&auml;chst und Arbeitspl&auml;tze geschaffen werden. Das zus&auml;tzliche Angebot an G&uuml;tern oder die besseren G&uuml;ter finden &ndash; so die Annahme &ndash; ja immer ihre Nachfrage. (Wenn die L&ouml;hne und damit die Kaufkraft im Inland nicht hoch genug sind, dann eben im Ausland.) Jedes Angebot schafft sich seine Nachfrage selbst, unterstellt ja das Saysche Theorem, das Kernst&uuml;ck der neoklassischen Glaubenslehre. <\/p><p>Nur leider st&ouml;&szlig;t sich dieses Modell, wie die Erfahrung gezeigt hat, hart an der Wirklichkeit. Denn ein Unternehmen investiert (sinnvollerweise) nur dann, wenn es in Zukunft auch eine Nachfrage f&uuml;r die Produktion erwartet und sich die Investition auch rentiert. <\/p><p>Doch selbst, wenn man dieses neoklassische Wirtschaftsmodell f&uuml;r richtig h&auml;lt, m&uuml;sste man vom tats&auml;chlichen Investitionsverhalten der letzten Jahre eines besseren belehrt worden sein. Trotz der (durch Lohnstagnation und auch durch den Unternehmen-&bdquo;Steuersenkungswahn&ldquo; (Rudolf Hickel) gef&ouml;rderten) geradezu explodierenden Gewinne (jedenfalls der Gro&szlig;unternehmen), wurden &ndash; um die Kosten zu senken &ndash; Arbeitnehmer massenhaft entlassen und der Cash-Flow &uuml;bertraf den Investitionsbedarf bei weitem. Die Investitionsquote ist gesunken und die Arbeitslosigkeit stieg.<\/p><p><a href=\"http:\/\/www.wirtschaftsdienst.eu\/downloads\/ausgaben\/WD_2012\/wd1201\/maurer-abb3.gif\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/120712_arbeitslosenquote.gif\" alt=\"\"><\/a><\/p><p>Die Gewinne wurden also statt in inl&auml;ndischen Unternehmen irgendwo im Ausland lukrativer angelegt, sei es in ausl&auml;ndischen Staatsanleihen, sei es in spanischen Immobilienfonds, sei es gleich im Finanzkasino oder eben auf unversteuert auf Schweizer Konten. Die &Uuml;berschuldung vieler europ&auml;ischer L&auml;nder und Banken gegen&uuml;ber Deutschland ist ein handfester Beleg daf&uuml;r.<\/p><p>Die Brutto- und Nettogeldverm&ouml;gen stiegen und stiegen und die Spaltung zwischen Verm&ouml;gensbesitzern und Menschen, die nichts oder nur wenig auf der hohen Kante haben, wurde immer tiefer. (Siehe dazu ausf&uuml;hrlich <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=12782\">Jens Berger, Was hat es mit der Spreizung der Verm&ouml;gensschere und der Steigerung der Kapitaleinkommen auf sich?<\/a>)<\/p><p>Doch f&uuml;r die Anh&auml;nger der neoklassischen Glaubenslehre gilt eben das Dogma: Schade f&uuml;r die Wirklichkeit, dass sie mit unserer Theorie nicht &uuml;bereinstimmt. Und mit diesem Widerspruch zwischen Dogma und Wirklichkeit leben wir nun schon seit &uuml;ber 30 Jahren in Deutschland.  <\/p><p>P.S.: Um diesen Widerspruch aufzul&ouml;sen unterst&uuml;tzen Sie bitte den Appell der Initiative &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.vermoegensteuerjetzt.de\/topic\/20.news.html\">Verm&ouml;genssteuer jetzt!<\/a>&ldquo; <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Deutsche Institut f&uuml;r Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin ist neben dem Institut f&uuml;r <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/imk_5274.htm?produkt=HBS-004001&amp;chunk=2&amp;jahr=\">Makro&ouml;konomie und Konjunkturforschung (IMK)<\/a> eines der wenigen &ouml;konomischen Forschungsinstitute, die &ouml;ffentlich wahrgenommen werden und die sich &uuml;berhaupt mit der Einnahmeseite als wichtigem Instrument f&uuml;r den Abbau von Staatsschulden besch&auml;ftigen. In seiner neuesten Ver&ouml;ffentlichung empfiehlt das DIW angesichts der hohen Verschuldung in<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13839\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[146,137,132],"tags":[519,427,520,291],"class_list":["post-13839","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-soziale-gerechtigkeit","category-steuern-und-abgaben","category-ungleichheit-armut-reichtum","tag-diw","tag-einkommensteuer","tag-vermoegensteuer","tag-verteilungsgerechtigkeit"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13839","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=13839"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13839\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":25338,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13839\/revisions\/25338"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=13839"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=13839"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=13839"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}