{"id":138419,"date":"2025-09-03T11:00:15","date_gmt":"2025-09-03T09:00:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=138419"},"modified":"2025-09-05T12:48:03","modified_gmt":"2025-09-05T10:48:03","slug":"eine-neue-aussenpolitik-fuer-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=138419","title":{"rendered":"Eine neue Au\u00dfenpolitik f\u00fcr Europa (1\/2)"},"content":{"rendered":"<p>In diesem umfangreichen Essay entwirft Jeffrey Sachs die Grundz&uuml;ge f&uuml;r eine neue, friedliche und nachhaltige Au&szlig;enpolitik f&uuml;r die EU. In diesem <strong>ersten Teil<\/strong> analysiert und korrigiert er zun&auml;chst die irrigen Pr&auml;missen, die dem gegenw&auml;rtigen Kurs zugrunde liegen. Im <strong><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=138466\">zweiten Teil<\/a><\/strong> zeigt er die hohen Kosten dieser verfehlten Politik auf und entwickelt konkrete Vorschl&auml;ge f&uuml;r eine umsetzbare Neuausrichtung. Von <strong>Jeffrey D. Sachs<\/strong>, aus dem Englischen &uuml;bersetzt von <strong>Klaus-Dieter Kolenda<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3384\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-138419-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250904-Neue-Aussenpolitik-fuer-Europa-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250904-Neue-Aussenpolitik-fuer-Europa-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250904-Neue-Aussenpolitik-fuer-Europa-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250904-Neue-Aussenpolitik-fuer-Europa-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=138419-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250904-Neue-Aussenpolitik-fuer-Europa-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250904-Neue-Aussenpolitik-fuer-Europa-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><em>Dieser Artikel liegt auch als <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/flyer\/250904-Neue-Aussenpolitik-Europa-NDS.pdf\">gestaltetes PDF vor<\/a>. Wenn Sie ihn ausdrucken oder weitergeben wollen, nutzen Sie bitte diese M&ouml;glichkeit. Weitere Artikel in dieser Form <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?cat=54\">finden Sie hier<\/a>.<\/em><\/p><p><strong>Vorbemerkung<\/strong><\/p><p><em>Jeffrey Sachs [<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] ist ein herausragender Wirtschaftswissenschaftler der Columbia-Universit&auml;t in New York und seit Jahrzehnten ein weltweit t&auml;tiger UN-Diplomat. Er kritisiert seit vielen Jahren grunds&auml;tzlich die US-amerikanische Au&szlig;enpolitik und setzt sich in vielen L&auml;ndern f&uuml;r eine nachhaltige und friedliche Entwicklung ein. Der vorliegende umfangreiche und aktuelle Essay von Sachs [<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] besch&auml;ftigt sich vor allem mit der gescheiterten europ&auml;ischen Au&szlig;enpolitik in Bezug auf den Ukraine-Krieg. Damit ist die Au&szlig;enpolitik der EU gemeint. Diese zeichnet sich durch eine vasallenartige Unterw&uuml;rfigkeit gegen&uuml;ber den USA und eine unn&ouml;tige, aber gef&auml;hrliche Feindschaft gegen&uuml;ber Russland aus. Stattdessen sollte sie die richtigen Lehren aus der Geschichte ziehen und die M&ouml;glichkeiten der Diplomatie nutzen, um Frieden und nationale Interessen der EU-Staaten zu f&ouml;rdern. Die &Uuml;bertragung ins Deutsche erfolgte von Klaus-Dieter Kolenda mit freundlicher Genehmigung von Sonia Sachs. Dabei wurden vom &Uuml;bersetzer einige Zwischen&uuml;berschriften erg&auml;nzt und einige Passagen durch Fettdruck hervorgehoben.<\/em><\/p><p><strong>Teil 1: Die Europ&auml;ische Union braucht eine neue Au&szlig;enpolitik<\/strong><\/p><p>Die Europ&auml;ische Union (EU) braucht eine neue Au&szlig;enpolitik, die sich an den wahren Wirtschafts- und Sicherheitsinteressen Europas orientiert. Die EU befindet sich derzeit in einer selbst geschaffenen wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Falle, die durch eine gef&auml;hrliche Feindschaft gegen&uuml;ber Russland, Misstrauen gegen&uuml;ber China und eine extreme Verwundbarkeit von Seiten der Vereinigten Staaten gekennzeichnet ist. Europas Au&szlig;enpolitik ist fast ausschlie&szlig;lich von der Angst vor Russland und China getrieben &ndash; was zu einer sicherheitspolitischen Abh&auml;ngigkeit von den Vereinigten Staaten gef&uuml;hrt hat.<\/p><p>Die Unterw&uuml;rfigkeit Europas gegen&uuml;ber den USA r&uuml;hrt vor allem von der vorherrschenden Angst vor Russland her, einer Angst, die durch die russophoben Staaten Osteuropas und ein falsches Narrativ &uuml;ber den Ukraine-Krieg noch verst&auml;rkt wird.<\/p><p>Basierend auf dem Glauben, dass Russland ihre gr&ouml;&szlig;te Sicherheitsbedrohung ist, ordnet die EU alle ihre anderen au&szlig;enpolitischen Themen &ndash; solche wirtschaftlicher Art und in den Bereichen Handel, Umwelt, Technologie und Diplomatie &ndash; den USA unter. Ironischerweise klammert sie sich eng an Washington an, obwohl die Vereinigten Staaten in ihrer eigenen Au&szlig;enpolitik gegen&uuml;ber der EU schw&auml;cher, instabiler, unberechenbarer, irrationaler und gef&auml;hrlicher geworden sind, sogar bis zu dem Punkt, an dem sie die europ&auml;ische Souver&auml;nit&auml;t in Gr&ouml;nland offen bedrohen.<\/p><p>Um eine neue Au&szlig;enpolitik zu entwerfen, muss Europa die falsche Pr&auml;misse seiner extremen Verwundbarkeit gegen&uuml;ber Russland &uuml;berwinden. Das Narrativ von Br&uuml;ssel, der NATO und dem Vereinigten K&ouml;nigreich besagt, dass Russland von Natur aus expansionistisch ist und Europa &uuml;berrennen wird, wenn sich die Gelegenheit dazu ergibt. Die sowjetische Besetzung Osteuropas von 1945 bis 1991 wird heute als ein Beweis f&uuml;r diese Bedrohung angesehen. Dieses falsche Narrativ beruht jedoch auf einem Missverst&auml;ndnis des russischen Verhaltens sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart.<\/p><p>Der erste Teil dieses Essays zielt darauf ab, die falsche Pr&auml;misse zu korrigieren, dass Russland eine schreckliche Bedrohung f&uuml;r Europa darstellt. Der zweite Teil befasst sich mit einer neuen europ&auml;ischen Au&szlig;enpolitik, sobald Europa seine irrationale Russophobie &uuml;berwunden hat.<\/p><p><strong>Falsche Pr&auml;misse eines russischen Imperialismus gegen&uuml;ber dem Westen<\/strong><\/p><p>Europas Au&szlig;enpolitik geht von einer angeblichen Sicherheitsbedrohung Europas durch Russland aus. Doch diese Pr&auml;misse ist falsch.<\/p><p>Russland wurde in den letzten zwei Jahrhunderten wiederholt von den westlichen Gro&szlig;m&auml;chten (insbesondere Gro&szlig;britannien, Frankreich, Deutschland und den Vereinigten Staaten) &uuml;berfallen und sucht seit Langem Sicherheit durch eine Pufferzone zwischen sich und den Westm&auml;chten.<\/p><p>Die stark umk&auml;mpfte Pufferzone umfasst das heutige Polen, die Ukraine, Finnland und die baltischen Staaten. Diese Region zwischen den Westm&auml;chten und Russland ist f&uuml;r die wichtigsten Sicherheitsdilemmata verantwortlich, mit denen Westeuropa und Russland konfrontiert sind.<\/p><p>Zu den gro&szlig;en westlichen Kriegen, die seit 1800 gegen Russland gef&uuml;hrt wurden, geh&ouml;ren:<\/p><ul>\n<li>die franz&ouml;sische Invasion in Russland im Jahr 1812 (Napoleonische Kriege);<\/li>\n<li>die britische und franz&ouml;sische Invasion Russlands 1853-1856 (Krimkrieg);<\/li>\n<li>die deutsche Kriegserkl&auml;rung an Russland am 1. August 1914 (Erster Weltkrieg);<\/li>\n<li>die Intervention der Alliierten im Russischen B&uuml;rgerkrieg 1918-1922 (Russischer B&uuml;rgerkrieg) und<\/li>\n<li>der deutsche &Uuml;berfall auf Russland 1941 (Zweiter Weltkrieg).<\/li>\n<\/ul><p>Jeder dieser Kriege stellte eine existenzielle Bedrohung f&uuml;r das &Uuml;berleben Russlands dar.<\/p><p><strong>Aus russischer Sicht waren das Scheitern der Entmilitarisierung Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg, die Gr&uuml;ndung der NATO, die Eingliederung Westdeutschlands in die NATO im Jahr 1955, die Osterweiterung der NATO nach 1991 und die anhaltende Expansion von US-Milit&auml;rst&uuml;tzpunkten und Raketensystemen in Osteuropa in der N&auml;he der russischen Grenzen die gr&ouml;&szlig;ten Bedrohungen f&uuml;r die nationale Sicherheit Russlands seit dem Zweiten Weltkrieg.<\/strong><\/p><p>Auch Russland ist mehrfach in den Westen einmarschiert:<\/p><ul>\n<li>Russlands Angriff auf Ostpreu&szlig;en 1914;<\/li>\n<li>der Ribbentrop-Molotow-Pakt von 1939, nach dem Polen zwischen Deutschland und der Sowjetunion aufgeteilt und 1940 die baltischen Staaten annektiert wurden;<\/li>\n<li>der &Uuml;berfall auf Finnland im November 1939 (der &bdquo;Winterkrieg&ldquo;);<\/li>\n<li>die sowjetische Besetzung Osteuropas von 1945 bis 1989 und<\/li>\n<li>die russische Invasion in der Ukraine im Februar 2022.<\/li>\n<\/ul><p>Diese russischen Aktionen werden von Europa als objektiver Beweis f&uuml;r Russlands Westexpansionismus angesehen, doch eine solche Sichtweise ist naiv, ahistorisch und propagandistisch.<\/p><p><strong>In allen f&uuml;nf F&auml;llen handelte Russland, um seine nationale Sicherheit zu sch&uuml;tzen &ndash; wie es sie sah &ndash;, und betrieb keinen Expansionismus nach Westen um seiner selbst willen. Diese grundlegende Wahrheit ist der Schl&uuml;ssel zur L&ouml;sung des Konflikts zwischen Europa und Russland heute. Russland strebt keine Expansion nach Westen an.<\/strong><\/p><p>F&uuml;r Russland ist zentral das Streben nach nationaler Sicherheit. Doch der Westen hat es lange vers&auml;umt, Russlands zentrale nationale Sicherheitsinteressen anzuerkennen, geschweige denn zu respektieren.<\/p><p>Lasst uns deshalb diese f&uuml;nf F&auml;lle der angeblichen Westexpansion Russlands n&auml;her ansehen.<\/p><p><strong>Russlands Angriff auf Ostpreu&szlig;en 1914<\/strong><\/p><p>Der erste Fall, der russische Angriff auf Ostpreu&szlig;en 1914, kann schnell abgehakt werden. Denn: Am 1. August 1914 hatte das Deutsche Reich als erstes Russland den Krieg erkl&auml;rt. Der russische Einmarsch in Ostpreu&szlig;en war eine direkte Reaktion auf die deutsche Kriegserkl&auml;rung.<\/p><p><strong>Der Ribbentrop-Molotow-Pakt von 1939<\/strong><\/p><p>Der zweite Fall, die Vereinbarung Sowjetrusslands mit Hitlers Drittem Reich zur Teilung Polens 1939 und die Annexion der baltischen Staaten 1940, wird im Westen als der klarste Beweis f&uuml;r die russische Niedertracht angesehen. Aber auch dies ist eine vereinfachende und falsche Lesart der Geschichte.<\/p><p>Wie Historiker wie E. H. Carr, Stephen Kotkin und Michael Jabara Carley [<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] sorgf&auml;ltig dokumentiert haben, wandte sich Stalin 1939 an Gro&szlig;britannien und Frankreich, um ein Verteidigungsb&uuml;ndnis gegen Hitler zu bilden, der seine Absicht erkl&auml;rt hatte, im Osten Krieg gegen Russland zu f&uuml;hren (f&uuml;r &bdquo;Lebensraum&ldquo; im Osten, die Versklavung der slawischen Bev&ouml;lkerung und die Zerst&ouml;rung des Bolschewismus).<\/p><p>Stalins Versuch, ein B&uuml;ndnis mit den Westm&auml;chten zu schmieden, wurde jedoch komplett zur&uuml;ckgewiesen. Polen weigerte sich sogar, zuzulassen, dass im Falle eines Krieges mit Deutschland sowjetische Truppen polnisches Territorium &uuml;berqueren durften. Der Hass der westlichen Eliten auf den Sowjetkommunismus war mindestens so gro&szlig; wie ihre Angst vor Hitler. In der Tat lautete damals ein g&auml;ngiger Spruch [<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>] unter den britischen rechten Eliten in den sp&auml;ten 1930er-Jahren: &bdquo;Besser Hitlerismus als Kommunismus&ldquo;.<\/p><p>Da es nicht gelang, ein Verteidigungsb&uuml;ndnis mit den Westm&auml;chten abzuschlie&szlig;en, zielte Stalins Politik in der Folge darauf ab, eine Pufferzone gegen die bevorstehende deutsche Invasion Russlands zu schaffen.<\/p><p>Die Teilung Polens und die Annexion der baltischen Staaten waren taktische Ziele, um Zeit f&uuml;r die bevorstehende Schlacht von Armageddon mit Hitlers Armeen zu gewinnen, die am 22. Juni 1941 mit dem deutschen &Uuml;berfall auf die Sowjetunion im Rahmen der &bdquo;Operation Barbarossa&ldquo; begann. Die vorangegangene Teilung Polens und die Annexion der baltischen Staaten k&ouml;nnten die Invasion verz&ouml;gert und die Sowjetunion vor einer schnellen Niederlage durch Hitler bewahrt haben.<\/p><p><strong>Russlands Winterkrieg gegen Finnland 1939<\/strong><\/p><p>Der dritte Fall, Russlands Winterkrieg mit Finnland, wird in Westeuropa (und insbesondere in Finnland) in &auml;hnlicher Weise als Beweis f&uuml;r den expansionistischen Charakter Russlands angesehen.<\/p><p>Wieder einmal war die grundlegende Motivation Russlands defensiv und nicht offensiv. Russland bef&uuml;rchtete, dass die deutsche Invasion zum Teil &uuml;ber Finnland f&uuml;hren und dann Leningrad schnell von Hitler eingenommen werden w&uuml;rde. Die Sowjetunion schlug Finnland daher vor, Territorium mit der Sowjetunion zu tauschen (insbesondere den Karelischen Isthmus und einige Inseln im Finnischen Meerbusen im Gegenzug f&uuml;r die Abtretung russischer Gebiete), um Leningrad besser verteidigen zu k&ouml;nnen. Finnland lehnte diesen Vorschlag ab, und die Sowjetunion marschierte am 30. November 1939 in Finnland ein. In der Folge schloss sich Finnland Hitlers Armeen im Krieg gegen die Sowjetunion w&auml;hrend des sogenannten &bdquo;Fortsetzungskrieges&ldquo; zwischen 1941 und 1944 an.<\/p><p><strong>Die sowjetische Besetzung Osteuropas von 1945 bis 1989<\/strong><\/p><p>Der vierte Fall, die sowjetische Besetzung Osteuropas (und die fortgesetzte Annexion der baltischen Staaten) w&auml;hrend des Kalten Krieges, wird in Europa als ein weiterer klarer Beweis f&uuml;r Russlands fundamentale Bedrohung der europ&auml;ischen Sicherheit gewertet.<\/p><p>Die sowjetische Besatzung war in der Tat brutal, aber auch sie hatte eine defensive Motivation, die in der westeurop&auml;ischen und amerikanischen Erz&auml;hlung v&ouml;llig &uuml;bersehen wird.<\/p><p>Die Sowjetunion trug die Hauptlast des Sieges &uuml;ber Hitler und verlor im Krieg die best&uuml;rzende Anzahl von 27 Millionen B&uuml;rgern. Russland hatte deshalb am Ende des Krieges eine vordringliche Forderung, dass seine Sicherheitsinteressen durch einen Vertrag garantiert w&uuml;rden, der es vor k&uuml;nftigen Bedrohungen aus Deutschland und dem Westen im Allgemeinen sch&uuml;tzt.<\/p><p>Der Westen, nun angef&uuml;hrt von den Vereinigten Staaten, verweigerte sich dieser grundlegenden Sicherheitsforderung der Sowjetunion. Der Kalte Krieg ist das Ergebnis der Weigerung des Westens, die vitalen Sicherheitsbedenken Russlands zu respektieren. Nat&uuml;rlich sagt die Geschichte des Kalten Krieges entsprechend der westlichen Erz&auml;hlung genau das Gegenteil, dass der Kalte Krieg einzig und allein aus Russlands kriegerischen Versuchen resultierte, die Welt zu erobern!<\/p><p>Hier ist die eigentliche Geschichte, die den Historikern gut bekannt, aber der &Ouml;ffentlichkeit in den Vereinigten Staaten und Europa fast v&ouml;llig unbekannt ist.<\/p><p>Am Ende des Krieges strebte die Sowjetunion einen Friedensvertrag an, der ein vereintes, neutrales und entmilitarisiertes Deutschland begr&uuml;nden sollte. Auf der Potsdamer Konferenz im Juli 1945 [<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>], an der die F&uuml;hrer der Sowjetunion, des Vereinigten K&ouml;nigreichs und der Vereinigten Staaten teilnahmen, einigten sich die drei alliierten M&auml;chte auf &bdquo;die vollst&auml;ndige Entwaffnung und Entmilitarisierung Deutschlands und die Vernichtung oder Kontrolle der deutschen Industrie, die f&uuml;r die milit&auml;rische Produktion verwendet werden k&ouml;nnte&ldquo;. Deutschland sollte vereinigt, befriedet und entmilitarisiert werden. All dies sollte durch einen Vertrag zur Beendigung des Krieges abgesichert werden. Tats&auml;chlich haben die USA und das Vereinigte K&ouml;nigreich jedoch eifrig daran gearbeitet, dieses Kernprinzip zu untergraben.<\/p><p>&bdquo;<strong>Operation Unthinkable&ldquo;<\/strong><\/p><p>Bereits im Mai 1945 beauftragte Winston Churchill seinen milit&auml;rischen Generalstabschef damit, einen Kriegsplan auszuarbeiten, um Mitte 1945 einen &Uuml;berraschungsangriff gegen die Sowjetunion zu beginnen, der den Codenamen &bdquo;Operation Unthinkable&ldquo; [<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>] trug.<\/p><p>W&auml;hrend ein solcher Krieg von den britischen Milit&auml;rplanern als undurchf&uuml;hrbar erachtet wurde, setzte sich schnell die Vorstellung durch, dass sich die Amerikaner und Briten auf einen zuk&uuml;nftigen Krieg mit der Sowjetunion vorbereiten sollten. Die Kriegsplaner gingen davon aus, dass der wahrscheinliche Zeitpunkt f&uuml;r einen solchen Krieg die fr&uuml;hen 1950er-Jahre sein sollte.<\/p><p>Churchills Ziel war es offenbar, zu verhindern, dass Polen und andere L&auml;nder Osteuropas in die sowjetische Einflusssph&auml;re gerieten. Auch in den Vereinigten Staaten sahen f&uuml;hrende Milit&auml;rplaner die Sowjetunion innerhalb weniger Wochen nach der Kapitulation Deutschlands im Mai 1945 als Amerikas n&auml;chsten Feind an.<\/p><p>Die USA und Gro&szlig;britannien rekrutierten schnell Nazi-Wissenschaftler und hochrangige Geheimdienstmitarbeiter (wie z.B. Reinhard Gehlen, einen Nazi-F&uuml;hrer, der von Washington beim Aufbau eines Auslandsgeheimdienstes im Nachkriegs-Westdeutschland unterst&uuml;tzt wurde), um bei der Planung des bevorstehenden Krieges mit der Sowjetunion mitzuwirken.<\/p><p><strong>Remilitarisierung Deutschlands wahrer Grund f&uuml;r den &bdquo;Kalten Krieg&ldquo;<\/strong><\/p><p>Der &bdquo;Kalte Krieg&ldquo; brach vor allem deshalb aus, weil die Amerikaner und Briten die in Potsdam vereinbarte deutsche Wiedervereinigung und Entmilitarisierung ablehnten.<\/p><p>Stattdessen verhinderten die Westm&auml;chte die deutsche Wiedervereinigung, indem sie aus den drei Besatzungszonen der Vereinigten Staaten, des Vereinigten K&ouml;nigreichs und Frankreichs die Bundesrepublik Deutschland (BRD) bildeten. Die BRD sollte unter amerikanischer &Auml;gide reindustrialisiert und remilitarisiert werden. 1955 wurde die Bundesrepublik in die NATO aufgenommen.<\/p><p><strong>W&auml;hrend Historiker leidenschaftlich dar&uuml;ber debattiert haben, wer sich an die Vereinbarungen von Potsdam gehalten hat und wer nicht (z.B. mit dem Hinweis des Westens auf die sowjetische Weigerung, in Polen eine wirklich repr&auml;sentative Regierung zuzulassen, wie es in Potsdam vereinbart worden war), besteht kein Zweifel daran, dass die Remilitarisierung der Bundesrepublik Deutschland durch den Westen die Hauptursache f&uuml;r den Kalten Krieg war.<\/strong><\/p><p>1952 schlug Stalin eine Wiedervereinigung Deutschlands auf der Grundlage von Neutralit&auml;t und Entmilitarisierung vor. Dieser Vorschlag wurde von den Vereinigten Staaten abgelehnt.<\/p><p>1955 einigten sich die Sowjetunion und &Ouml;sterreich darauf, dass die Sowjetunion ihre Besatzungstruppen aus &Ouml;sterreich abziehen w&uuml;rde, wenn &Ouml;sterreich im Gegenzug dazu eine dauerhafte Neutralit&auml;t zusichern w&uuml;rde. Der &ouml;sterreichische Staatsvertrag wurde am 15. Mai 1955 [<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>] von der Sowjetunion, den Vereinigten Staaten, Frankreich und dem Vereinigten K&ouml;nigreich gemeinsam mit &Ouml;sterreich unterzeichnet und f&uuml;hrte damit zum Ende der Besatzung.<\/p><p>Ziel der Sowjetunion war es dabei nicht nur, die Spannungen um &Ouml;sterreich zu l&ouml;sen, sondern den Vereinigten Staaten auch ein erfolgreiches Modell des sowjetischen R&uuml;ckzugs aus Europa in Verbindung mit Neutralit&auml;t zu zeigen. Wieder einmal lehnten die Vereinigten Staaten den sowjetischen Appell ab, den Kalten Krieg auf der Grundlage der deutschen Neutralit&auml;t und Entmilitarisierung zu beenden.<\/p><p><strong>Noch 1957 pl&auml;dierte der amerikanische Altmeister f&uuml;r Angelegenheiten der Sowjetunion, George Kennan, in seiner dritten Reith-Vorlesung f&uuml;r die BBC <\/strong><strong>[<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>]<\/strong><strong> &ouml;ffentlich und leidenschaftlich daf&uuml;r, dass sich die Vereinigten Staaten mit der Sowjetunion auf einen gegenseitigen Truppenabzug aus Europa einigen sollten. Die Sowjetunion, so betonte Kennan, ziele nicht auf eine milit&auml;rische Invasion Westeuropas ab oder sei daran interessiert. Die Kalten Krieger der USA, angef&uuml;hrt von John Foster Dulles, hatten jedoch nichts daf&uuml;r &uuml;brig. Bis zur deutschen Wiedervereinigung 1990 wurde kein Friedensvertrag mit Deutschland unterzeichnet, um den Zweiten Weltkrieg zu beenden.<\/strong><\/p><p>Es ist erw&auml;hnenswert, dass die Sowjetunion nach 1955 die Neutralit&auml;t &Ouml;sterreichs und auch der anderen neutralen L&auml;nder Europas (einschlie&szlig;lich Schweden, Finnland, der Schweiz, Irlands, Spaniens und Portugals) respektiert hat.<\/p><p>Der finnische Pr&auml;sident Alexander Stubb hat k&uuml;rzlich erkl&auml;rt, dass die Ukraine die Neutralit&auml;t aufgrund der negativen Erfahrungen Finnlands ablehnen sollte (wobei die finnische Neutralit&auml;t im Jahr 2024 endete, als das Land der NATO beigetreten ist). Das ist jedoch ein bizarrer Gedanke. Finnland blieb w&auml;hrend der Neutralit&auml;t im Frieden, erreichte einen bemerkenswerten wirtschaftlichen Wohlstand und stand an der Spitze der Weltliga, wenn es um das Gl&uuml;cksempfinden der Bev&ouml;lkerung ging (laut World Happiness Report).<\/p><p><strong>Kennedy wollte den Kalten Krieg beenden und wurde ermordet<\/strong><\/p><p>Pr&auml;sident John F. Kennedy zeigte den m&ouml;glichen Weg zur Beendigung des Kalten Krieges auf, der auf der gegenseitigen Achtung der Sicherheitsinteressen aller Seiten beruhte. Kennedy blockierte den Versuch des deutschen Bundeskanzlers Konrad Adenauer, sich Atomwaffen von Frankreich zu beschaffen, und zerstreute damit die sowjetischen Bedenken vor einer atomaren Bewaffnung Deutschlands.<\/p><p>Auf dieser Grundlage verhandelte JFK erfolgreich mit seinem sowjetischen Amtskollegen Nikita Chruschtschow den Vertrag &uuml;ber das teilweise Verbot von Nuklearversuchen. Kennedy wurde h&ouml;chstwahrscheinlich einige Monate sp&auml;ter von einer Gruppe von CIA-Agenten im Gefolge seiner Friedensinitiative ermordet. Dokumente, die im Jahr 2025 ver&ouml;ffentlicht wurden, best&auml;tigen den seit Langem gehegten Verdacht, dass Lee Harvey Oswald direkt von James Angleton, einem hochrangigen CIA-Beamten, als Agent gef&uuml;hrt wurde.<\/p><p>Die n&auml;chste Ouvert&uuml;re der USA zum Frieden mit der Sowjetunion begann unter Richard Nixon. Auch er wurde durch die Watergate-Aff&auml;re zu Fall gebracht, die ebenfalls Anzeichen f&uuml;r eine geheime CIA-Operation aufweist, die nie gekl&auml;rt wurde.<\/p><p><strong>Gorbatschow wurde versprochen, dass sich die NATO nicht ausdehnen w&uuml;rde<\/strong><\/p><p>Michail Gorbatschow beendete schlie&szlig;lich den Kalten Krieg, indem er den Warschauer Pakt einseitig aufl&ouml;ste und die Demokratisierung Osteuropas aktiv vorantrieb.<\/p><p>Ich habe selbst an einigen Veranstaltungen in diesem Zusammenhang teilgenommen und war Zeuge von Gorbatschows Friedensstiftungen. So forderte Gorbatschow im Sommer 1989 die kommunistische F&uuml;hrung Polens auf, eine Koalitionsregierung mit den von der Solidarnosc-Bewegung angef&uuml;hrten Oppositionskr&auml;ften zu bilden.<\/p><p>Das Ende des Warschauer Pakts und die Demokratisierung Osteuropas, alles unter der Leitung Gorbatschows, f&uuml;hrten schnell zu den Aufrufen des deutschen Bundeskanzlers Helmut Kohl zur Wiedervereinigung Deutschlands. Dies f&uuml;hrte 1990 zu den Wiedervereinigungsvertr&auml;gen zwischen der BRD und der DDR und zum sogenannten Zwei-plus-Vier-Vertrag zwischen den beiden deutschen Staaten und den vier alliierten M&auml;chten USA, Gro&szlig;britannien, Frankreich und der Sowjetunion.<\/p><p><strong>Die Vereinigten Staaten und Deutschland haben Gorbatschow im Februar 1990 eindeutig versprochen, dass sich die NATO im Rahmen der deutschen Wiedervereinigung &bdquo;keinen Zentimeter nach Osten ausdehnen&ldquo;<\/strong><strong> <\/strong><strong>[<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>]<\/strong><strong> w&uuml;rde, eine Tatsache, die heute von den Westm&auml;chten weitgehend geleugnet wird, die aber leicht zu &uuml;berpr&uuml;fen ist. Dieses zentrale Versprechen, die NATO-Erweiterung nicht zu erweitern, wurde mehrfach gegeben, aber es wurde nicht in den Text des Zwei-plus-Vier-Vertrages aufgenommen, da es bei diesem Abkommen um die deutsche Wiedervereinigung und nicht um die NATO-Osterweiterung ging.<\/strong><\/p><p><strong>Die Invasion Russlands in die Ukraine im Februar 2022<\/strong><\/p><p>Der f&uuml;nfte Fall, der Einmarsch Russlands in die Ukraine im Februar 2022, gilt im Westen erneut als Beleg f&uuml;r den unverbesserlichen russischen Westimperialismus. Das Lieblingswort westlicher Medien, Experten und Propagandisten ist, dass Russlands Invasion &bdquo;unprovoziert&ldquo; [<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>] war und daher ein Beweis f&uuml;r Putins unerbittliches Bestreben ist, das Russische Reich nicht nur wiederherzustellen, sondern weiter nach Westen vorzudringen, was bedeutet, dass Europa sich auf einen Krieg mit Russland vorbereiten muss. Das ist jedoch eine absurde gro&szlig;e L&uuml;ge, aber sie wird von den Mainstream-Medien so oft wiederholt, dass sie in Europa weithin geglaubt wird.<\/p><p><strong>Fakt ist, dass die russische Invasion im Februar 2022 vom Westen so gr&uuml;ndlich provoziert wurde, dass man vermuten kann, dass es sich tats&auml;chlich um einen amerikanischen Plan handelte, um die Russen in den Krieg zu locken, um Russland zu besiegen oder zu schw&auml;chen. Das ist eine glaubw&uuml;rdige Behauptung <\/strong><strong>[<a href=\"#foot_11\" name=\"note_11\">11<\/a>]<\/strong><strong>, wie eine lange Reihe von &Auml;u&szlig;erungen zahlreicher US-Beamter best&auml;tigt <\/strong><strong>[<a href=\"#foot_12\" name=\"note_12\">12<\/a>]<\/strong><strong>. Nach der Invasion erkl&auml;rte US-Verteidigungsminister Lloyd Austin <\/strong><strong>[<a href=\"#foot_13\" name=\"note_13\">13<\/a>]<\/strong><strong>, Washingtons Ziel sei es, &bdquo;Russland so zu schw&auml;chen, dass es nicht mehr in der Lage ist, die Art von Dingen zu tun, die es bei der Invasion in der Ukraine getan hat. Die Ukraine kann gewinnen, wenn sie die richtige Ausr&uuml;stung und die richtige Unterst&uuml;tzung hat.&ldquo;<\/strong><\/p><p>Die wichtigste amerikanische Provokation Russlands bestand darin, die NATO entgegen der Versprechen von 1990 nach Osten auszudehnen, mit einem wichtigen Ziel, Russland mit NATO-Staaten in der Schwarzmeerregion zu umzingeln, wodurch Russland nicht mehr in der Lage w&auml;re, seine auf der Krim stationierte Seemacht in das &ouml;stliche Mittelmeer und den Nahen Osten zu projizieren.<\/p><p>Im Wesentlichen war dieses Ziel der USA dasselbe wie das Ziel von Lord Palmerston und Napoleon III. im Krimkrieg: die russische Flotte aus dem Schwarzen Meer zu verbannen. Zu den NATO-Staaten w&uuml;rden die Ukraine, Rum&auml;nien, Bulgarien, die T&uuml;rkei und Georgien geh&ouml;ren und damit eine Schlinge bilden, um Russlands Seemacht am Schwarzen Meer zu erdrosseln.<\/p><p>Brzezinski beschrieb diese Strategie 1997 in seinem Buch &bdquo;Das gro&szlig;e Schachbrett&ldquo;, in dem er behauptete, dass Russland sich mit Sicherheit dem Willen des Westens beugen w&uuml;rde, da es keine andere Wahl hatte, als dies zu tun [<a href=\"#foot_14\" name=\"note_14\">14<\/a>]. Brzezinski wies auch ausdr&uuml;cklich die Idee zur&uuml;ck, dass Russland sich jemals mit China gegen Europa verb&uuml;nden w&uuml;rde.<\/p><p>Die gesamte Zeit nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion im Jahr 1991 ist gepr&auml;gt von westlicher Hybris (wie der Historiker Jonathan Haslam seinen hervorragenden Bericht [<a href=\"#foot_15\" name=\"note_15\">15<\/a>] betitelte), aufgrund dessen die Vereinigten Staaten und Europa glaubten, sie k&ouml;nnten die NATO und amerikanische Waffensysteme (wie z.B. Aegis-Raketen) ohne R&uuml;cksicht auf Russlands nationale Sicherheitsbedenken nach Osten verlagern. Die Liste der westlichen Provokationen ist zu lang, um sie hier im Detail aufzuf&uuml;hren, aber eine kurze Zusammenfassung enth&auml;lt die folgenden Fakten.<\/p><p><strong>NATO-Osterweiterung seit 1999 und 2004 und Krieg gegen Serbien 1999 mit Abspaltung des Kosovo<\/strong><\/p><p>Erstens: Entgegen der Versprechungen von 1990 begannen die Vereinigten Staaten die NATO-Osterweiterung mit den Ank&uuml;ndigungen des damaligen Pr&auml;sidenten Bill Clinton im Jahr 1994. Zu dieser Zeit erwog Clintons Verteidigungsminister William Perry seinen R&uuml;cktritt wegen dieses r&uuml;cksichtslosen Vorgehens der USA, entgegen fr&uuml;herer Versprechen.<\/p><p>Die erste Welle der NATO-Erweiterung fand 1999 statt, an der Polen, Ungarn und die Tschechische Republik beteiligt waren. Im selben Jahr bombardierten NATO-Truppen Russlands Verb&uuml;ndeten Serbien 78 Tage lang, um Serbien auseinanderzubrechen, und die NATO errichtete schnell einen neuen gro&szlig;en Milit&auml;rst&uuml;tzpunkt in der abtr&uuml;nnigen Provinz Kosovo.<\/p><p>Im Jahr 2004 umfasste die zweite Welle der NATO-Osterweiterung sieben L&auml;nder, darunter Russlands direkte Nachbarn im Baltikum und zwei L&auml;nder am Schwarzen Meer &ndash; Bulgarien und Rum&auml;nien.<\/p><p>Im Jahr 2008 erkannte der gr&ouml;&szlig;te Teil der EU den Kosovo als unabh&auml;ngigen Staat an, im Gegensatz zu den europ&auml;ischen Beteuerungen, dass die europ&auml;ischen Grenzen unantastbar seien.<\/p><p><strong>K&uuml;ndigung des ABM-Vertrags 2001 und des INF-Vertrags 2019 und Stationierung neuer ballistischer Raketensysteme in Polen und Rum&auml;nien<\/strong><\/p><p>Zweitens haben die Vereinigten Staaten den Rahmen f&uuml;r die nukleare R&uuml;stungskontrolle zerst&ouml;rt, indem sie 2002 einseitig aus dem Vertrag &uuml;ber die Abwehr ballistischer Raketen ausgestiegen sind. Im Jahr 2019 k&uuml;ndigte Washington in &auml;hnlicher Weise den Vertrag &uuml;ber nukleare Mittelstreckensysteme. Trotz der heftigen Einw&auml;nde Russlands begannen die USA, antiballistische Raketensysteme in Polen und Rum&auml;nien aufzustellen, und behielten sich im Januar 2022 das Recht vor, solche Systeme auch in der Ukraine zu stationieren.<\/p><p><strong>Tiefgreifende Beeinflussung der ukrainischen Innenpolitik<\/strong><\/p><p>Drittens haben die Vereinigten Staaten die ukrainische Innenpolitik tiefgehend infiltriert und Milliarden von Dollar ausgegeben, um die &ouml;ffentliche Meinung zu beeinflussen, Medienkan&auml;le zu schaffen und die ukrainische Innenpolitik zu steuern.<\/p><p>Die Wahlen in der Ukraine 2004-2005 gelten weithin als eine US-amerikanische Farbrevolution, bei der die Vereinigten Staaten ihren verdeckten und offenen Einfluss und ihre Finanzierung nutzten, um die Wahl zugunsten der von den USA unterst&uuml;tzten Kandidaten zu beeinflussen.<\/p><p>In den Jahren 2013 und 2014 spielten die Vereinigten Staaten eine direkte Rolle bei der Finanzierung der Maidan-Proteste und bei der Unterst&uuml;tzung des gewaltsamen Putsches, der den neutral gesinnten Pr&auml;sidenten Viktor Janukowitsch st&uuml;rzte und damit den Weg f&uuml;r ein ukrainisches Regime ebnete, das die NATO-Mitgliedschaft unterst&uuml;tzte.<\/p><p>&Uuml;brigens: Ich wurde kurz nach dem gewaltsamen Putsch vom 22. Februar 2014, der Janukowitsch st&uuml;rzte, zu einem Besuch auf dem Maidan eingeladen. Die Rolle der amerikanischen Finanzierung der Proteste wurde mir von einer US-amerikanischen NGO erkl&auml;rt, die tief in die Maidan-Ereignisse verwickelt war.<\/p><p><strong>Planung einer NATO-Erweiterung um die Ukraine und Georgien seit 2008<\/strong><\/p><p>Viertens dr&auml;ngten die Vereinigten Staaten ab 2008 die NATO gegen die Einw&auml;nde mehrerer europ&auml;ischer Staats- und Regierungschefs dazu, sich zur Erweiterung um die Ukraine und Georgien zu verpflichten. Der damalige US-Botschafter in Moskau, William J. Burns, telegrafierte ein inzwischen ber&uuml;chtigtes Memo mit dem Titel &bdquo;Nyet Means Nyet: Russia&rsquo;s NATO Enlargement Redlines&ldquo; [<a href=\"#foot_16\" name=\"note_16\">16<\/a>] nach Washington, in dem er erkl&auml;rte, dass die gesamte russische politische Klasse zutiefst gegen eine NATO-Erweiterung um die Ukraine sei und dass sie bef&uuml;rchte, dass ein solcher Versuch zu B&uuml;rgerkriegen in der Ukraine f&uuml;hren w&uuml;rde.<\/p><p><strong>Abspaltung des Donbass und Minsker Vertr&auml;ge<\/strong><\/p><p>F&uuml;nftens haben sich die ethnisch russischen Regionen der Ostukraine (Donbass) nach dem Putsch von der neuen westukrainischen Regierung abgespalten, die durch den Putsch eingesetzt worden war. Russland und Deutschland einigten sich schnell auf die Minsker Vereinbarungen, nach denen die beiden abtr&uuml;nnigen Regionen (Donezk und Lugansk) Teil der Ukraine bleiben sollten, jedoch mit lokaler Autonomie, nach dem Vorbild der lokalen Autonomie der ethnisch-deutschen Region S&uuml;dtirol in Italien. Minsk II, das vom UN-Sicherheitsrat unterst&uuml;tzt wurde, h&auml;tte den Konflikt beenden k&ouml;nnen, aber die Regierung in Kiew entschied sich mit Unterst&uuml;tzung Washingtons, die Autonomie nicht umzusetzen. Das Scheitern der Umsetzung von Minsk II hat die Diplomatie zwischen Russland und dem Westen vergiftet.<\/p><p><strong>Milit&auml;rische Aufr&uuml;stung der Ukraine durch die USA und B&uuml;rgerkrieg im Donbass<\/strong><\/p><p>Sechstens haben die Vereinigten Staaten die ukrainische Armee (aktiv plus Reserve) bis 2020 stetig auf rund eine Million Soldaten aufgestockt. Die Ukraine und ihre rechten paramilit&auml;rischen Bataillone (wie das Asow-Bataillon und der Rechte Sektor) f&uuml;hrten wiederholte Angriffe auf die beiden abtr&uuml;nnigen Regionen durch, wobei Tausende von Zivilisten im Donbass durch den Beschuss der Ukraine get&ouml;tet wurden.<\/p><p><strong>Vorschlag Russlands f&uuml;r ein Sicherheitsabkommen mit den USA<\/strong><\/p><p>Siebtens: Ende 2021 legte Russland einen Entwurf eines russisch-amerikanischen Sicherheitsabkommens [<a href=\"#foot_17\" name=\"note_17\">17<\/a>] vor, das vor allem ein Ende der NATO-Erweiterung forderte. Die Vereinigten Staaten lehnten die Forderung Russlands ab, die NATO-Osterweiterung zu beenden, und bekr&auml;ftigten die NATO-Politik der &bdquo;offenen T&uuml;r&ldquo;. Danach h&auml;tten Drittl&auml;nder wie Russland bei der NATO-Erweiterung kein Mitspracherecht. Die USA und europ&auml;ische L&auml;nder bekr&auml;ftigten wiederholt die zuk&uuml;nftige Mitgliedschaft der Ukraine in der NATO.<\/p><p>Berichten zufolge soll der US-Au&szlig;enminister dem russischen Au&szlig;enminister im Januar 2022 auch mitgeteilt haben, dass die Vereinigten Staaten sich trotz der Einw&auml;nde Russlands das Recht vorbehalten, Mittelstreckenraketen in der Ukraine zu stationieren [<a href=\"#foot_18\" name=\"note_18\">18<\/a>].<\/p><p><strong>Istanbuler Friedensverhandlungen direkt nach der russischen Invasion<\/strong><\/p><p>Achtens: Nach der russischen Invasion am 24. Februar 2022 stimmte die Ukraine schnell Friedensverhandlungen zu, die auf einer R&uuml;ckkehr zur Neutralit&auml;t basierten. Diese Verhandlungen fanden in Istanbul unter Vermittlung der T&uuml;rkei statt.<\/p><p>Ende M&auml;rz 2022 hatten Russland und die Ukraine ein gemeinsames Memorandum ver&ouml;ffentlicht, in dem sie &uuml;ber die Fortschritte bei einem Friedensabkommen berichteten. Am 15. April wurde ein Abkommensentwurf [<a href=\"#foot_19\" name=\"note_19\">19<\/a>] vorgelegt, der einer Gesamtl&ouml;sung nahekam. Zu diesem Zeitpunkt intervenierten die Vereinigten Staaten jedoch und teilten den Ukrainern mit, dass sie das Friedensabkommen nicht unterst&uuml;tzen w&uuml;rden, sondern stattdessen die Ukraine bei der Fortsetzung des Krieges unterst&uuml;tzen w&uuml;rden.<\/p><p><em><strong>&Uuml;bersetzung:<\/strong> Klaus-Dieter Kolenda, Prof. Dr. med., Facharzt f&uuml;r Innere Medizin &ndash; Gastroenterologie, Facharzt f&uuml;r Physikalische und Rehabilitative Medizin\/Sozialmedizin, war von 1985 bis 2006 Chefarzt einer Rehabilitationsklinik f&uuml;r Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, der Atemwege, des Stoffwechsels und der Bewegungsorgane. Seit 1978 ist er als medizinischer Sachverst&auml;ndiger bei der Sozialgerichtsbarkeit in Schleswig-Holstein t&auml;tig. Zudem arbeitet er in der Kieler Gruppe der IPPNW e.V. (Internationale &Auml;rztinnen und &Auml;rzte f&uuml;r die Verh&uuml;tung des Atomkriegs und f&uuml;r soziale Verantwortung) mit.<\/em><\/p><p><em>Hier geht es weiter <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=138466\">zum zweiten Teil des Beitrags<\/a>.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: Alexandros Michailidis, Focus Pix \/ Shutterstock<\/small><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.jeffsachs.org\/\">jeffsachs.org<\/a>\n<\/p><p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Jeffrey D. Sachs: A new Foreign Policy for Europe. JDS Website, August 2025<br>\n<a href=\"https:\/\/www.cirsd.org\/en\/horizons\/horizons-summer-2025--issue-no-31\/a-new-foreign-policy-for-europe\">cirsd.org\/en\/horizons\/horizons-summer-2025&ndash;issue-no-31\/a-new-foreign-policy-for-europe<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.counterpunch.org\/2019\/08\/26\/the-hitler-stalin-pact-of-august-23-1939-myth-and-reality\/\">counterpunch.org\/2019\/08\/26\/the-hitler-stalin-pact-of-august-23-1939-myth-and-reality\/<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.bbc.co.uk\/bitesize\/guides\/zvkn8xs\/revision\/9\">bbc.co.uk\/bitesize\/guides\/zvkn8xs\/revision\/9<\/a> <\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] <a href=\"https:\/\/mzv.gov.cz\/file\/198471\/Potsdam1111.pdf\">mzv.gov.cz\/file\/198471\/Potsdam1111.pdf<\/a> <\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.nationalarchives.gov.uk\/education\/resources\/cold-war-on-file\/operation-unthinkable\/\">nationalarchives.gov.uk\/education\/resources\/cold-war-on-file\/operation-unthinkable\/<\/a> <\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.cvce.eu\/en\/recherche\/unit-content\/-\/unit\/02bb76df-d066-4c08-a58a-d4686a3e68ff\/19940f1c-07c9-41b6-a443-0f0b74c15042\/Resources#c6db3995-9fb6-43c8-9d21-293dc0478853_en&amp;overlay\">cvce.eu\/en\/recherche\/unit-content\/-\/unit\/02bb76df-d066-4c08-a58a-d4686a3e68ff\/19940f1c-07c9-41b6-a443-0f0b74c15042\/Resources#c6db3995-9fb6-43c8-9d21-293dc0478853_en&amp;overlay<\/a> <\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.bbc.co.uk\/programmes\/p00h9lk5\">bbc.co.uk\/programmes\/p00h9lk5<\/a> <\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] <a href=\"https:\/\/nsarchive.gwu.edu\/briefing-book\/russia-programs\/2017-12-12\/nato-expansion-what-gorbachev-heard-western-leaders-early\">nsarchive.gwu.edu\/briefing-book\/russia-programs\/2017-12-12\/nato-expansion-what-gorbachev-heard-western-leaders-early<\/a> <\/p>\n<p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2024\/02\/24\/world\/europe\/ukraine-russia-invasion-anniversary.html\">nytimes.com\/2024\/02\/24\/world\/europe\/ukraine-russia-invasion-anniversary.html<\/a> <\/p>\n<p>[<a href=\"#note_11\" name=\"foot_11\">&laquo;11<\/a>] <a href=\"https:\/\/blogs.lse.ac.uk\/europpblog\/2022\/03\/30\/why-the-us-and-nato-have-long-wanted-russia-to-attack-ukraine\/\">blogs.lse.ac.uk\/europpblog\/2022\/03\/30\/why-the-us-and-nato-have-long-wanted-russia-to-attack-ukraine\/<\/a> <\/p>\n<p>[<a href=\"#note_12\" name=\"foot_12\">&laquo;12<\/a>] <a href=\"https:\/\/consortiumnews.com\/2022\/03\/27\/can-russia-escape-the-us-trap\/\">consortiumnews.com\/2022\/03\/27\/can-russia-escape-the-us-trap\/<\/a> <\/p>\n<p>[<a href=\"#note_13\" name=\"foot_13\">&laquo;13<\/a>] <a href=\"https:\/\/ua.usembassy.gov\/secretary-antony-j-blinken-and-secretary-lloyd-austin-remarks-to-traveling-press\/\">ua.usembassy.gov\/secretary-antony-j-blinken-and-secretary-lloyd-austin-remarks-to-traveling-press\/<\/a> <\/p>\n<p>[<a href=\"#note_14\" name=\"foot_14\">&laquo;14<\/a>] <a href=\"https:\/\/johnmenadue.com\/post\/2024\/05\/world-war-three-and-the-grand-chessboard\/\">johnmenadue.com\/post\/2024\/05\/world-war-three-and-the-grand-chessboard\/<\/a> <\/p>\n<p>[<a href=\"#note_15\" name=\"foot_15\">&laquo;15<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.amazon.com\/Hubris-American-Origins-Russias-against\/dp\/0674299078\">amazon.com\/Hubris-American-Origins-Russias-against\/dp\/0674299078<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_16\" name=\"foot_16\">&laquo;16<\/a>] <a href=\"https:\/\/wikileaks.org\/plusd\/cables\/08MOSCOW265_a.html\">wikileaks.org\/plusd\/cables\/08MOSCOW265_a.html<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_17\" name=\"foot_17\">&laquo;17<\/a>] <a href=\"https:\/\/washington.mid.ru\/en\/press-centre\/news\/draft_agreements_on_security_guarantees\/\">washington.mid.ru\/en\/press-centre\/news\/draft_agreements_on_security_guarantees\/<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_18\" name=\"foot_18\">&laquo;18<\/a>] <a href=\"https:\/\/consortiumnews.com\/2024\/05\/17\/ray-mcgovern-russia-china-two-against-one\/\">consortiumnews.com\/2024\/05\/17\/ray-mcgovern-russia-china-two-against-one\/<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_19\" name=\"foot_19\">&laquo;19<\/a>] <a href=\"https:\/\/static01.nyt.com\/newsgraphics\/documenttools\/a456d6dd8e27e830\/e279a252-full.pdf\">static01.nyt.com\/newsgraphics\/documenttools\/a456d6dd8e27e830\/e279a252-full.pdf<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In diesem umfangreichen Essay entwirft Jeffrey Sachs die Grundz&uuml;ge f&uuml;r eine neue, friedliche und nachhaltige Au&szlig;enpolitik f&uuml;r die EU. 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