{"id":138461,"date":"2025-09-04T13:50:18","date_gmt":"2025-09-04T11:50:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=138461"},"modified":"2025-09-10T14:37:05","modified_gmt":"2025-09-10T12:37:05","slug":"und-seid-ihr-nicht-kriegs-willig-so-brauch-ich-gewalt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=138461","title":{"rendered":"Und seid ihr nicht (kriegs-)willig, so brauch\u2018 ich Gewalt"},"content":{"rendered":"<p><strong>Polizeigewalt bei der Demo gegen Aufr&uuml;stung am 30. August in K&ouml;ln &ndash; und was sie bedeutet<\/strong><br>\n&bdquo;Kriegst&uuml;chtig&ldquo; werden &ndash; dazu geh&ouml;rt neben der Beschaffung von Waffen und Soldaten ganz weit vorne in der Priorit&auml;tenliste: die Reihen im Innern zu schlie&szlig;en. F&uuml;r den Kriegskurs muss eine neue nationale Einheit her, und wenn sie nicht da ist, wird sie erzwungen &ndash; im Namen der Freiheit selbstverst&auml;ndlich. Denn diejenigen, die nicht mitziehen, sind ja &ndash; das wusste schon Franz Josef Strau&szlig; &ndash; die Feinde der Freiheit. Ein Artikel von <strong>Renate Dillmann<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1500\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-138461-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250904_Und_seid_ihr_nicht_kriegs_willig_so_brauch_ich_Gewalt_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250904_Und_seid_ihr_nicht_kriegs_willig_so_brauch_ich_Gewalt_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250904_Und_seid_ihr_nicht_kriegs_willig_so_brauch_ich_Gewalt_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250904_Und_seid_ihr_nicht_kriegs_willig_so_brauch_ich_Gewalt_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=138461-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250904_Und_seid_ihr_nicht_kriegs_willig_so_brauch_ich_Gewalt_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250904_Und_seid_ihr_nicht_kriegs_willig_so_brauch_ich_Gewalt_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Wo &bdquo;wir&ldquo; Demonstrationen m&ouml;gen &ndash; und wo nicht<\/strong><\/p><p>&bdquo;Demonstrare&ldquo; ist Lateinisch und hei&szlig;t &bdquo;zeigen&ldquo;. <em>Was<\/em> <em>wem<\/em> demonstriert wird, ist dabei durchaus unterschiedlich. Rechte Demos wollen &bdquo;die Ausl&auml;nder&ldquo; loswerden und jagen sie deshalb schon mal durch die St&auml;dte; Homosexuelle verlangen in bunten Paraden wie am CSD gesellschaftliche Anerkennung; auch die Regierung hat schon demonstriert, um ihre B&uuml;rger mit einem &bdquo;Aufstand der Anst&auml;ndigen&ldquo; zu mehr Toleranz zu erziehen.<\/p><p>Im Normalfall zeigen Demonstrationen, dass die B&uuml;rger eines Staates unzufrieden sind und ihre Anliegen im gesamten restlichen Politikbetrieb nicht aufgehoben sehen &ndash; nicht durch die Vertreter der etablierten Parteien, die ihre Anliegen berechnend betreuen, und auch nicht durch ihre soundsovielte &bdquo;Protestwahl&ldquo;.<\/p><p>Deshalb &ndash; als Zeichen ihrer <em>Ohnmacht<\/em> also &ndash; gehen sie dann notgedrungen auf die Stra&szlig;e und machen ihren Unmut dar&uuml;ber, dass ihr Interesse, ihre Stimme ansonsten <em>nichts<\/em> z&auml;hlt, &ouml;ffentlich. Sie richten sich dabei, in den meisten F&auml;llen jedenfalls, an die <em>Macht<\/em>, die Regierung ihres Landes, verlangen also in einer leicht schizophrenen Art und Weise Besserung von der Instanz, die ihnen das eingebrockt hat, was sie monieren.<\/p><p>In demokratischen Staatswesen wird damit gerechnet, dass es &ndash; angesichts der konkurrierenden und gegeneinander agierenden Interessen der Mitglieder einer Marktwirtschaft &ndash; immer wieder Unzufriedenheit mit staatlichen Ma&szlig;nahmen gibt. Neben der Meinungs- und Pressefreiheit gew&auml;hren sie ihren B&uuml;rgern deshalb das Recht, dieser Unzufriedenheit &ouml;ffentlich Ausdruck zu verleihen &ndash; in der Bundesrepublik tut das Artikel 8 des Grundgesetzes.<\/p><p>Dass Meinungs-, Presse- und Demonstrationsfreiheit grundgesetzlich verankert sind, bedeutet allerdings auch <em>nur<\/em>, dass den unzufriedenen B&uuml;rgern die Freiheit zur Artikulation ihrer Positionen und Forderungen zugestanden wird. Ein Recht auf praktische Umsetzung dessen, was die Mitglieder der freiheitlichen Gesellschaft meinen, schreiben oder wof&uuml;r sie demonstrieren, haben sie allesamt nicht.[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]<\/p><p>Im Gegenteil: Demonstrationen st&ouml;ren oder behindern eine Regierung und ihr Handeln im Normalfall nicht sonderlich &ndash; selbst die Proteste von Hunderttausenden gegen die &bdquo;Nachr&uuml;stung&ldquo; in den 1980er-Jahren blieben ohne Wirkung. Wenn es sich nicht gerade um die mehr oder weniger von oben erw&uuml;nschten oder gar initiierten Demonstrationen gegen &bdquo;rechte Parteien&ldquo; handelt, zeigen sie allerdings, dass es einen wie auch immer gearteten <em>Widerspruch<\/em> zur Regierungspolitik gibt.<\/p><p>Schon das scheint seit der &bdquo;Zeitenwende&ldquo; zunehmend untragbar zu sein. Proteste wegen Gaza und gegen die beschlossene Aufr&uuml;stung &ndash; das h&auml;lt <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=91673\">das liberalste Deutschland, das es je gab<\/a>, nicht mehr aus.<\/p><p><strong>Der aktuelle Fall<\/strong><\/p><p>Stellen Sie sich bitte eine Protestaktion von jungen Leuten vor, die durch eine Gro&szlig;stadt ziehen. Mit einer &bdquo;Parade&ldquo; (offenbar eine Anspielung auf die Paraden der heimischen Armee, aber auch Karneval und den CSD), Themenwagen, Performances &amp; Musik soll nach Angaben der Veranstalter gegen &bdquo;milit&auml;rische Disziplinierung und Aufr&uuml;stung&ldquo; demonstriert werden: &bdquo;Solidarit&auml;t und Zusammenhalt statt Angst und Gewalt.&ldquo; &bdquo;Wir sind das Gegenkonzept zu Gewalt und Gehorsam.&ldquo; (Flugblatt der Veranstalter).<\/p><p>Gekommen sind etwa 3.000 Menschen, also eine ziemlich &uuml;berschaubare Zahl; die meisten Teilnehmer sind sommerlich gekleidet.<\/p><p>Den Demonstranten gegen&uuml;ber stehen von Beginn an 1.600 Polizeikr&auml;fte (Angabe der Polizei). An den Stra&szlig;en jede Menge Polizeifahrzeuge; desgleichen in den benachbarten Stra&szlig;en. Wasserwerfer, R&auml;umpanzer. Die Polizisten sind schwer bewaffnet und ausger&uuml;stet. Kn&uuml;ppel, Handschellen, Pistole, dicke Handschuhe, feste Stiefel, schwere Helme mit Visier. Video&uuml;berwachung, Drohnen. Alles ist gut sichtbar und vermittelt einen martialischen Eindruck. Zus&auml;tzlich verf&uuml;gen die Einsatzkr&auml;fte &uuml;ber Pfefferspray (was man nicht sieht) und &uuml;ber Taser. Ihr ganzer Auftritt demonstriert: Sie k&ouml;nnen Menschen au&szlig;er Gefecht setzen und dabei schwer verletzen. So sieht eine Demonstration (es sei denn, sie ist von der Regierung explizit erw&uuml;nscht) im Jahr 2025 im freiheitlichen Deutschland aus, noch bevor ein Schritt getan oder eine Parole gerufen wurde.<\/p><p>Schikanen der Polizei verhindern bereits den Abmarsch des Protestzuges und verz&ouml;gern ihn zun&auml;chst um etwa zwei Stunden. Plastikstangen m&uuml;ssen &ndash; als angeblich &bdquo;potenzielle Waffen&ldquo; (in der Presse ist von Metallstangen die Rede) &ndash; aus den gro&szlig;en Transparenten entfernt und abgegeben werden; als &bdquo;Vermummung&ldquo; moniert die Polizei &ndash; an einem hei&szlig;en Sommertag! &ndash; bereits Kopfbedeckung in Zusammenhang mit Sonnenbrillen und Mundbedeckungen (mit denen Demo-Teilnehmer dem Filmen und Identifizierungen durch die &bdquo;Dienste&ldquo; entgehen wollen).<\/p><p>Augenzeugen berichten:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die jungen Leute warteten erstaunlich geduldig. Die Deeskalationsspezialisten (die das Camp zahlreich organisiert hatte) erkl&auml;rten auf Nachfrage, die Polizei habe wieder da und dort etwas Unzul&auml;ssiges entdeckt. Aber gleich ginge es los! Sie bem&uuml;hten sich also erkennbar um Deeskalation. Dann, wie gesagt, durften wir. In den n&auml;chsten zwei Stunden, in denen wir etwa die H&auml;lfte der geplanten Demonstrationsstrecke bew&auml;ltigten, kam es immer wieder zum Stillstand &ndash; eine halbe Stunde warten, wieder ein paar Meter gehen, begleitet auf beiden Seiten von den Trupps in Kampfmontur. Diese kamen mal n&auml;her, inspizierten hier und da, gingen wieder auf Distanz, stellten sich in Einfahrten, holten Verst&auml;rkung hinzu, gingen auf und ab, beobachteten die Demonstranten, die in keiner Weise aggressiv reagierten. Am Ende erlebten wir dann, wie ein Greiftrupp der Polizei in einen der Blocks hinter uns eindrang, anscheinend, um irgendjemand abzuf&uuml;hren.&ldquo;<br>\n(<a href=\"https:\/\/gewerkschaftsforum.de\/wie-protest-platt-gemacht-wird\/#more-24025\">H &amp; M<\/a> bei <a href=\"https:\/\/gewerkschaftsforum.de\/\">gewerkschaftsforum.de<\/a>)\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Freiheit hier und da<\/strong><\/p><p>Wie w&uuml;rden Journalisten der deutschen Leitmedien &uuml;ber ein solches Auftreten der Polizei berichten, wenn sie in Russland, Belarus, Iran oder China[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] stattf&auml;nde? Mit Sicherheit w&auml;re von der aggressiven und erdr&uuml;ckenden &bdquo;Polizeigewalt gegen friedliche B&uuml;rgerproteste&ldquo; die Rede und von &bdquo;autorit&auml;ren Regimen&ldquo;; Polizeikn&uuml;ppel gegen Frauen w&uuml;rden ins Bild ger&uuml;ckt und damit die Gewaltsamkeit eines repressiven Staatsapparats, die den berechtigten Einw&auml;nden junger Frauen keine Chance l&auml;sst.<\/p><p>Nun, die Ereignisse haben nicht in Minsk, Moskau, Peking oder Teheran stattgefunden, sondern in K&ouml;ln am Rhein, in Deutschland.<\/p><p>Bei der Demonstration am 30. August 2025 ging es um den Protest gegen die beschlossene Aufr&uuml;stung und Herstellung von Kriegst&uuml;chtigkeit in Deutschland &ndash; im Anschluss an ein Camp, bei dem &uuml;ber diese Themen einige Tage lang diskutiert worden war, und zwei Tage vor dem Antikriegstag.<\/p><p>Schon dieses war in den Augen der K&ouml;lner Polizei untragbar. Sie hatte das Camp im Vorfeld <em>verboten<\/em>, und zwar mit Hinweis auf seine Hauptparole &bdquo;Krieg dem Kriege!&ldquo; &ndash; einem Zitat von Kurt Tucholsky &ndash;, aus dem die Fachleute f&uuml;r das staatliche Gewaltmonopol allen Ernstes &bdquo;Unfriedlichkeit&ldquo; und eine &bdquo;Gefahr f&uuml;r die &ouml;ffentliche Ordnung&ldquo; ableiten wollten.<\/p><p>Jenseits dieser geistigen Verrenkungen bestand der eigentliche Zweck des Verbots in einer Lektion an alle, die zurzeit nicht einsehen wollen, dass Aufr&uuml;stung und Kriegst&uuml;chtigkeit alternativlos sind: Protest und Widerstand &ndash; und seien sie auch noch so winzig &ndash; werden mit allen staatlichen Mitteln be- und verhindert, sind also zwecklos.<\/p><p>Das Verwaltungsgericht in K&ouml;ln <em>best&auml;tigte<\/em> das Verbot und damit diese Auffassung unserer &bdquo;wertebasierten Demokratie&ldquo;. Kurz vor dem geplanten Camp-Beginn befand das OVG M&uuml;nster, dass &bdquo;Diskutieren in Workshops&ldquo; doch irgendwie tats&auml;chlich noch von der Versammlungsfreiheit gedeckt sei. Das Camp <em>durfte<\/em> also stattfinden &ndash; nachdem durch die Verbotsdiskussion schon gen&uuml;gend viel an Abschreckung vor Ort und auch bundesweit gelaufen, der Protest f&uuml;r vorsichtige B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger damit diskreditiert war.<\/p><p>Die K&ouml;lner Polizei musste das Camp also auf h&ouml;here Weisung hin dulden. Sie tat das auf ihre Weise. Von Beginn an war die kleine Zeltstadt im Gr&uuml;ng&uuml;rtel der Stadt umzingelt von Einsatzfahrzeugen und Polizisten. W&auml;hrend der Workshops &uuml;berflogen Hubschrauber die Veranstaltungen. Immer wieder wurden Personen kontrolliert, die sich das Camp ansehen oder zu Vortr&auml;gen gehen wollten.<\/p><p>Mit all dem wurde die gesamte Woche hindurch den K&ouml;lner B&uuml;rgern klargemacht: Hier handelt es sich um eine verd&auml;chtige, h&ouml;chstwahrscheinlich kriminelle, auf alle F&auml;lle aber nicht anst&auml;ndige Angelegenheit, von der man sich besser fernh&auml;lt, wenn man es nicht mit den Ordnungsh&uuml;tern zu tun bekommen will.<\/p><p><strong>Medien und Polizeigewalt<\/strong><\/p><p>Nun zur Demonstration am Samstag. Die Sanit&auml;tsgruppe S&uuml;dwest <a href=\"https:\/\/demosanitaeter.com\/category\/aktuelles\/\">meldet<\/a> auf ihrer Website: &bdquo;Parade \/ Demonstration am Samstag: insgesamt 147 Behandlungen (64x Pfefferspray, 52x chirurgisch, 16x psychisch, 15x internistisch | davon 13x Rettungsdienst, 5x Krankenhaus selbstst&auml;ndig).&ldquo; Der Notarzt vor Ort beschreibt die Vorg&auml;nge so: &bdquo;Es war unertr&auml;glich, von au&szlig;en mitansehen zu m&uuml;ssen, wie die Polizei &uuml;ber Stunden hinweg auf friedliche Menschen einschl&auml;gt und eine Person nach der anderen gewaltsam aus der Demonstration zerrt. Ich bin seit &uuml;ber einem Jahrzehnt als Sanit&auml;ter und sp&auml;ter als Notarzt auf Demonstrationen im Einsatz, war bei G20, Blockupy und vielen weiteren Protesten, doch diese Brutalit&auml;t im Vorgehen &uuml;ber Stunden hinweg habe ich noch nie erlebt. Mir gehen diese Bilder nicht mehr aus dem Kopf.&ldquo; (ebd.)<\/p><p><a href=\"https:\/\/x.com\/PerspektiveOn\">Perspektive Online<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/_jugendinfo\/\">Jugendinfo<\/a> brachten live aus der Demonstration heraus Bilder und Infos, die einen Eindruck von dem Geschehen vermitteln. Beim <a href=\"https:\/\/gewerkschaftsforum.de\/wie-protest-platt-gemacht-wird\/\">Gewerkschaftsforum<\/a> und der <a href=\"https:\/\/www.friedenkoeln.de\/?p=19316\">DFG-VK K&ouml;ln<\/a> (selbst unter den Veranstaltern) finden sich inzwischen Augenzeugenberichte &ndash;u.a. auch das bemerkenswerte <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=fwa0HEHZ9t0\">Video<\/a> eines Anwohners.<\/p><p>In den Berichten von <em>nd<\/em> (<a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1193688.rheinmetall-entwaffnen-anti-kriegs-demo-in-koeln-brutaler-polizeikessel.html\">&bdquo;Brutaler Polizeikessel: Polizei st&uuml;rmt Anti-Kriegs-Demonstration und h&auml;lt Hunderte bis zum Morgen fest&ldquo;<\/a>), der <em>jungen Welt<\/em> (<a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/507314.repression-gegen-friedensbewegung-nur-noch-schl%C3%A4gertrupp.html\">&bdquo;Nur noch Schl&auml;gertrupp&ldquo;)<\/a> und auch der <em>taz<\/em> <a href=\"https:\/\/taz.de\/Gewalt-bei-Demo-gegen-Aufruestung-in-Koeln\/!6110832\/\">&bdquo;Gewalt bei Demo gegen Aufr&uuml;stung. Antikriegsparade endet im Polizeikessel&ldquo;<\/a> werden Subjekt und Objekt der &bdquo;Gewalt&ldquo; in K&ouml;ln angemessen unterschieden. Journalisten dieser Medien berichten &uuml;ber Veranstalter und Zweck der Demonstration, zitieren die Angaben der Polizei &uuml;ber Begr&uuml;ndung und Ausma&szlig; ihrer Aktionen, konfrontieren diese aber im Folgenden auch mit anderslautenden Beobachtungen und stellen Nachfragen (auch an die Polizei). Sie lassen die Anmelder von Camp und Demonstration ihrerseits zu Wort kommen, listen die Verletzten auf Seiten der Demonstranten auf etc.<\/p><p>Werfen wir nun einen Blick auf die Berichterstattung der nationalen Leitmedien. Der Zweck des Protests wird von ihnen als &bdquo;Antikriegsdemonstration&ldquo; vorgestellt. Mehr will und braucht man dem Publikum offenbar nicht mitzuteilen &uuml;ber die Einw&auml;nde und die Kritik am Aufr&uuml;stungs- und Kriegskurs der Regierung &ndash; auch eine Art, den Sinn einer Demonstration (erinnern wir uns an den Anfang: ein politisches Anliegen soll &ouml;ffentlich gemacht werden!) ad absurdum zu f&uuml;hren.<\/p><p>Diesen Medien ist daf&uuml;r ein anderes Thema wichtig. Nicht nur bei dieser, sondern eigentlich bei jeder Demonstration (es sei denn, sie findet in Minsk, Teheran oder Hongkong statt) stellen sie die Frage nach &bdquo;der Gewalt&ldquo; &ndash; auf Seiten der Demonstranten selbstverst&auml;ndlich (die Pr&auml;senz einer b&uuml;rgerkriegsm&auml;&szlig;ig ausger&uuml;steten Staatsmacht z&auml;hlt nat&uuml;rlich nicht als solche, auch nicht als zielstrebige Einsch&uuml;chterung).<\/p><p>Vom <a href=\"https:\/\/www.rnd.de\/politik\/gewalt-bei-antikriegs-demo-in-koeln-teilnehmer-eingekesselt-44X5JVD4ORIA7EWGXG3NUVPLNM.html%3foutputType=valid_amp\"><em>RND<\/em><\/a> &uuml;ber die &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/video\/video-1500954.html\">Tagesschau<\/a>&ldquo; bis zu <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/inland\/gewalt-bei-antikriegs-demo-in-koeln-polizei-kesselt-teilnehmer-ein-accg-110663126.html\"><em>FAZ<\/em><\/a> und <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/panorama\/koeln-gewalt-bei-antikriegs-demo-verletzte-unter-demonstranten-und-polizisten-a-2a6c8b08-fc62-4dda-ad50-3b07a671f1f5\"><em>Spiegel<\/em><\/a> &bdquo;ist es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Demonstranten gekommen&ldquo;. Man beachte die unpers&ouml;nliche, passivische und beide Seiten gleichsetzende Satzkonstruktion. In K&ouml;ln war also einmal wieder das <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=52VGu0rMvp0\">Geistersubjekt &bdquo;Gewalt&ldquo;<\/a> am Werk: &bdquo;Hunderte Menschen (! Die <em>FAZ<\/em> wei&szlig;, wann sie Zahlen nach oben oder nach unten korrigieren muss!) haben an einem Antikriegs-Marsch in K&ouml;ln teilgenommen. Doch (!) es blieb nicht friedlich (Aha &ndash; ein Antikriegs-Marsch und dann &bdquo;bleibt&ldquo; es nicht friedlich! Das spricht nach Ansicht der <em>FAZ<\/em> offenbar B&auml;nde &ndash; allerdings nicht &uuml;ber die Polizei, sondern selbstverst&auml;ndlich &uuml;ber die Protestler!). Am Ende gibt es (!) Verletzte unter Demonstranten und Polizisten.&ldquo;<\/p><p><em>Wen<\/em> lassen die Journalisten der Qualit&auml;tspresse in ihren Berichten zu Wort kommen? &bdquo;Einige Teilnehmer seien vermummt gewesen und h&auml;tten Raucht&ouml;pfe gez&uuml;ndet, sagte ein Polizeisprecher.&ldquo; &bdquo;Die Versammlung des B&uuml;ndnisses &bdquo;Rheinmetall entwaffnen&ldquo; sei am Samstagabend nach Angriffen auf Beamte und wiederholten Verst&ouml;&szlig;en gegen das Versammlungsrecht gestoppt worden, teilte die Polizei mit.&ldquo; &bdquo;Die Polizei erkl&auml;rte, die Feststellung der Identit&auml;ten von Personen, die nach ersten Erkenntnissen an unfriedlichen Aktionen beteiligt gewesen seien, habe bis in die Nacht hinein gedauert. Mehrere Personen seien in Gewahrsam genommen worden.&ldquo;<\/p><p>Die Sprecher der Polizei werden also ausf&uuml;hrlich zitiert &ndash; und ihre Angaben bleiben unhinterfragt als<em> Wahrheit<\/em> der Geschehnisse stehen. &bdquo;Der Aufzug war am Nachmittag mit ann&auml;hernd 3000 Teilnehmenden am Heumarkt gestartet und laut Polizei mehrfach angehalten worden. Als Gr&uuml;nde nannte der Sprecher, dass Teilnehmende sich vermummt, Raucht&ouml;pfe gez&uuml;ndet, Schutzbewaffnung angelegt und sich aus einem Begleitfahrzeug mit entsprechendem Material versorgt h&auml;tten.&ldquo; &bdquo;Auch (!) auf Seiten der Demonstranten sei (!) es zu Verletzten gekommen.&ldquo; &ndash; bei dieser letzten Aussage bleibt die &bdquo;Tagesschau&ldquo; lieber im eher Ungef&auml;hren, ermittelt weder Zahlen noch konkrete Aussagen.<\/p><p>Im Vergleich dazu noch einmal ein Augenzeugenbericht: &bdquo;Ich bin &uuml;ber 60, habe keine gro&szlig;e Demoerfahrung, wei&szlig; nat&uuml;rlich, was abgeht &ndash; welcher Zeitungsleser wei&szlig; das nicht? L&uuml;tzerath war ja die letzte gro&szlig;e Aktion in unserer Umgebung, wo man ein Riesenaufgebot der Polizei mit allen Schikanen und &Uuml;bergriffen erleben konnte. Aber eine Friedensdemo, die es erkennbar nicht auf Besetzungen, Sachbesch&auml;digungen, Blockaden oder auf Schl&auml;gereien abgesehen hatte, die sich nur in der Stadt mit ihrem Antikriegsprotest laut und deutlich bemerkbar machen wollte, derart in eine Falle laufen zu lassen &ndash; das h&auml;tte ich nicht erwartet. Denn so muss man sich die Sache ja erkl&auml;ren: Stundenlang die Demoleute reizen, bis die &Auml;ngstlichen und Vorsichtigen abgezogen sind und man eine passende &Ouml;rtlichkeit gefunden hat, um richtig brutal zuzuschlagen &ndash; das war das Programm.&ldquo; (<a href=\"https:\/\/gewerkschaftsforum.de\/wie-protest-platt-gemacht-wird\/#more-24025\">XY<\/a> bei <a href=\"https:\/\/gewerkschaftsforum.de\/\">gewerkschaftsforum.de<\/a>).<\/p><p>Und so weiter und sofort.<\/p><p>Lesen Sie die Schilderungen der Augenzeugen, schauen Sie die Videos der Demonstranten und Anwohner an und vergleichen Sie das mit den Berichten unserer Leitmedien &ndash; es lohnt sich. Und denken Sie einmal ernsthaft &uuml;ber die Frage nach, <em>in welchen F&auml;llen<\/em> der Umstand, dass &bdquo;es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen kam&ldquo;, gegen die Polizei und in welchen gegen die Demonstranten spricht.<\/p><p><strong>Fazit<\/strong><\/p><p>Deutschland &ndash; so die nationale Zielbestimmung &ndash; muss <em>kriegst&uuml;chtig<\/em> werden. Deutschland &ndash; so die nationale Selbstdarstellung &ndash; <em>muss<\/em> das tun, um sich als freiheitliches Land gegen &bdquo;autorit&auml;re Regime&ldquo; behaupten zu k&ouml;nnen.<\/p><p>&bdquo;Kriegst&uuml;chtig&ldquo; werden &ndash; dazu geh&ouml;rt neben der Beschaffung von Waffen und Soldaten ganz weit vorne in der Priorit&auml;tenliste: die Reihen im Innern zu schlie&szlig;en.<\/p><p>F&uuml;r den Kriegskurs muss eine neue nationale Einheit her, und wenn sie nicht da ist, wird sie erzwungen &ndash; im Namen der Freiheit selbstverst&auml;ndlich. Denn diejenigen, die nicht mitziehen, sind ja &ndash; das wusste schon Franz Josef Strau&szlig; &ndash; die Feinde der Freiheit.<\/p><p>Das bisher zugelassene und ziemlich funktionale Level von Kritik und Protestieren passt nicht mehr. Die Pressefreiheit wird eingeschr&auml;nkt (russische Sender und Zeitungen verboten, abweichende Darstellungen und Analysen als &bdquo;Desinformation&ldquo; bek&auml;mpft). Die nationalen Leitmedien assistieren freiwillig beim Sortieren dessen, was vom neuen Standpunkt her dysfunktional ist und nicht mehr geduldet wird, und &bdquo;beobachten&ldquo; genau, wo etwas Unerlaubtes stattfindet und Polizeigewalt &bdquo;deshalb&ldquo; unerl&auml;sslich war.<\/p><p>Dar&uuml;ber hinaus werden Parteienverbote erwogen, ebenso eine Neuauflage der Berufsverbote. Eine kleine Demonstration gegen Aufr&uuml;stung und Militarisierung wird exemplarisch fertig gemacht.<\/p><p>Und lange bevor der erste Schuss des geplanten Kriegs auf einen Russen abgegeben wird, m&uuml;ssen in K&ouml;ln ein paar Studenten und Rentner verpr&uuml;gelt werden.<\/p><p><em>Leserbriefe zu diesem Beitrag <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=138736\">finden Sie hier<\/a>.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: Renate Dillmann \/ Shutterstock<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Weiterlesen:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=137985\">Kriegst&uuml;chtig: Vertrauliche Treffen zwischen Bundeswehr, Oberb&uuml;rgermeistern und Landr&auml;ten<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=107613\">&bdquo;Das ungenierte Kriegsgeschrei kann ich so nicht hinnehmen!&ldquo; &ndash; Nachgedanken zur Berliner Friedensdemonstration vom 25. November<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=91673\">Never ending story &ndash; was das liberalste Deutschland, das es je gab, alles nicht aush&auml;lt<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/ee6c11098e21478bb3ef94690ed4315a\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"> <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Mehr dazu in: Dillmann, Renate: Meinung. Macht. Medien. Auf dem Weg in die Kriegst&uuml;chtigkeit. K&ouml;ln 2025<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Einmal abgesehen davon, dass die Polizei im &bdquo;autorit&auml;ren&ldquo; bzw. &bdquo;repressiven&ldquo; China Demonstranten mitnichten so bewaffnet und ausger&uuml;stet gegen&uuml;bertritt wie in unseren &bdquo;freiheitlichen&ldquo; westlichen Gesellschaften. Schauen Sie sich einmal Videos der chinesischen Einsatzkr&auml;fte bei den <a href=\"#fpstate=ive&amp;vld=cid:217d1de6,vid:OkBrKj0-ReE,st:0\">&bdquo;Zero-Covid&ldquo;-Demonstrationen<\/a> im November 2022 an &ndash; so w&uuml;rde kein deutscher Polizist (es sei denn als &bdquo;Ziviler&ldquo;) zu einem Einsatz gehen &hellip;<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Polizeigewalt bei der Demo gegen Aufr&uuml;stung am 30. August in K&ouml;ln &ndash; und was sie bedeutet<\/strong><br \/> &bdquo;Kriegst&uuml;chtig&ldquo; werden &ndash; dazu geh&ouml;rt neben der Beschaffung von Waffen und Soldaten ganz weit vorne in der Priorit&auml;tenliste: die Reihen im Innern zu schlie&szlig;en. F&uuml;r den Kriegskurs muss eine neue nationale Einheit her, und wenn sie nicht da ist,<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=138461\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":138462,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,126,165,183],"tags":[282,2816,2005,1120,2564,2669,1865,1415,309,827],"class_list":["post-138461","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-erosion-der-demokratie","category-innen-und-gesellschaftspolitik","category-medienkritik","tag-buergerproteste","tag-demonstrationsrecht","tag-fake-news","tag-friedensbewegung","tag-gewalt","tag-leitmedien","tag-meinungsfreiheit","tag-pressefreiheit","tag-repressionen","tag-stigmatisierung"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Foto-Sagt-nein-koeln.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/138461","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=138461"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/138461\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":138762,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/138461\/revisions\/138762"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/138462"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=138461"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=138461"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=138461"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}