{"id":13862,"date":"2012-07-16T09:10:42","date_gmt":"2012-07-16T07:10:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13862"},"modified":"2015-03-09T11:11:56","modified_gmt":"2015-03-09T10:11:56","slug":"die-von-der-opposition-allein-gelassenen-wahler-lassen-die-kanzlerin-als-ubermutter-erscheinen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13862","title":{"rendered":"Die von der Opposition allein gelassenen W\u00e4hler lassen die Kanzlerin als \u201e\u00dcbermutter\u201c erscheinen"},"content":{"rendered":"<p>Wenn man die Umfragewerte des neuen ZDF-Politbarometers nimmt und wenn man unterstellt, dass das dort ermittelte Stimmungs-  und Meinungsbild einigerma&szlig;en richtig abgebildet wird, dann m&uuml;ssten wir von den NachDenkSeiten eigentlich resignieren. Merkel, deren Politik nach unserer Auffassung nicht nur Europa in den Abgrund sondern auch Deutschland in die Sackgasse f&uuml;hrt, genie&szlig;t in der Bev&ouml;lkerung h&ouml;chste Popularit&auml;tswerte. (So <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/deutschlandtrend-umfrage-merkel-so-beliebt-wie-seit-jahren-nicht-1.1404211\">auch im ARD-Deutschlandtrend<\/a>)<br>\nAndererseits misstrauen <a href=\"https:\/\/www.uni-hohenheim.de\/news\/schlechte-noten-fuer-die-krisenkommunikation-4\">nach einer anderen Umfrage<\/a> 60 Prozent der befragten B&uuml;rger der Bundesregierung und drei Viertel sind der Ansicht, dass die Politik die Krise nicht im Griff habe. Wie l&auml;sst sich dieser Widerspruch zwischen Misstrauen einerseits und Zustimmung andererseits erkl&auml;ren? Von <strong>Wolfgang Lieb<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Die Auswirkungen von Merkels Austerit&auml;tspolitik<\/strong><\/p><p>Da legt Griechenland ein &bdquo;Sparpaket&ldquo; nach dem anderen auf und plant die h&auml;rtesten Fiskalk&uuml;rzungen, die sich je ein Land der westlichen Welt seit dem zweiten Weltkrieg auferlegt hat. Die Wirtschaftsleistungen des Landes schrumpfen im f&uuml;nften Jahr, allein <a href=\"http:\/\/wirtschaftswunder.ftd.de\/2012\/06\/26\/christian-schulz-griechenland-retten-kurzungen-strecken-strukturreformen-forcieren\/\">in den letzten beiden Jahren um fast zehn Prozent<\/a>. Im Vergleich zu 2008 sind die Haushaltseinkommen um 50 Prozent gesunken, ein Absturz f&uuml;r den es kaum einen Vergleich gibt. Seit April letzten Jahres haben &uuml;ber 300.000 Griechen ihren Arbeitsplatz verloren, ein Anstieg um 40%, fast jeder Vierte Erwerbsf&auml;hige (22,5%) ist arbeitslos. <\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/120716_griechenland_arbeitslosenquote.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/120716_griechenland_arbeitslosenquote_small.jpg\" alt=\"\"><\/a><br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.querschuesse.de\/griechenland-jugendarbeitslosigkeit-steigt-auf-538\/\">Quersch&uuml;sse<\/a><\/p><p>Mehr als die H&auml;lfte (53,8 %) aller Jugendlichen ist ohne Arbeit.<\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/129716_griechenland_jugendarbeitslosigkeit.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/129716_griechenland_jugendarbeitslosigkeit_small.jpg\" alt=\"\"><\/a><br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.querschuesse.de\/griechenland-jugendarbeitslosigkeit-steigt-auf-538\/\">Quersch&uuml;sse<\/a><\/p><p>Immer mehr Gesch&auml;fte  m&uuml;ssen schlie&szlig;en, die <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/schuldenkrise-pleitewelle-rollt-durch-suedeuropa-1.1277487\">Zahl der Insolvenzen nahm um mehr als 27 % zu<\/a>. Armut und Elend breiten sich aus, denn Sozialhilfe und Hartz IV kennt der griechische Staat nicht. <\/p><p>Schon im letzten Jahr <a href=\"http:\/\/m.welt.de\/article.do?id=wirtschaft%252Farticle13451154%252FWenn-Berlin-so-sparen-muesste-wie-Griechenland\">schrieb die Welt<\/a>: <\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Schon 2010 verzichtete Griechenland auf Ausgaben im Gegenwert von knapp f&uuml;nf Prozent seiner Jahreswirtschaftsleistung. Zum Vergleich: Die Deutschen h&auml;tten daf&uuml;r &uuml;ber 117 Milliarden Euro sparen m&uuml;ssen &ndash; so viel wie die Ausgaben der Bundeskanzlerin, aller Diplomaten und der Ministerien f&uuml;r Inneres, Justiz, Finanzen, Wirtschaft, Ern&auml;hrung und Landwirtschaft, Verteidigung, Bildung und Forschung, Verkehr, Gesundheit sowie Familien und Senioren zusammengenommen. Und m&uuml;ssten die Deutschen so weitersparen, wie es den Griechen nun bevorsteht, k&auml;men auf sie j&auml;hrliche Einsparungen von 71 Milliarden Euro zu &ndash; oder entsprechend gro&szlig;e Steuererh&ouml;hungen.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>Solche &bdquo;Sparprogramme&ldquo; w&uuml;rden vermutlich selbst den &bdquo;deutschen Michel&ldquo; auf die Stra&szlig;e treiben. Aber weil das Spardiktat ja nur die (von der Politik und den Medien als &bdquo;faul&ldquo; beschimpften) Griechen betrifft, <strong>sind <a href=\"http:\/\/wahltool.zdf.de\/Politbarometer\/mediathekflash.shtml?2012_07_13\">61% der im Politbarometer Befragten dagegen, den Griechen auch nur ein wenig Zeit zu lassen, um die Sparauflagen zu erf&uuml;llen<\/a>. <\/strong><\/p><p>Dieser harten Haltung entsprechend, ist auch die <strong>Mehrheit der befragten Deutschen (51%) strikt gegen &bdquo;gemeinsame europ&auml;ische Kredite&ldquo;<\/strong> (also etwa Eurobonds). Kein Wunder deshalb auch, dass <strong>fast zwei Drittel<\/strong> (63%) der Meinung sind, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel, die ja ma&szlig;geblich diesen Austerit&auml;tskurs f&uuml;r die s&uuml;deurop&auml;ischen L&auml;ndern diktiert und die jede &ndash; wie auch immer geartete &ndash; gesamteurop&auml;ische Haftung bek&auml;mpft,  <strong>&bdquo;ihre Arbeit beim Euro eher gut macht&ldquo;<\/strong>. <\/p><p>Ja, noch mehr: Eine deutliche Mehrheit der Deutschen (58 %) spricht sich sogar grunds&auml;tzlich gegen den Euro aus und will zur D-Mark  zur&uuml;ck. (<a href=\"http:\/\/orf.at\/stories\/2130776\/\">2010 wollten das nur 39 %.<\/a>). Und selbst unter den deutschen Jugendlichen, die mit dem Euro gro&szlig; geworden sind, kann sich jeder Zweite vorstellen, <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/wirtschaft\/jugendstudie-2012-holt-die-d-mark-zurueck-,1472780,16609442.html\">dass k&uuml;nftig wieder mit der D-Mark bezahlt wird<\/a>. <\/p><p><strong>Die Mehrheit folgt Merkels Kurs<\/strong><\/p><p>Da also die &uuml;berwiegende Zahl der deutschen Bev&ouml;lkerung Merkels Kurs in der Euro-Politik folgt, ja sogar eher noch eine noch h&auml;rtere Linie, n&auml;mlich den Ausstieg aus dem Euro w&uuml;nscht, ist es auch nicht weiter erstaunlich, dass die Kanzlerin als Politikerin immer bessere Noten erh&auml;lt und im  Politbarometer weit vor allen anderen Bundespolitikern rangiert. <\/p><p>Das, obwohl sie f&uuml;r ihre Europapolitik in den Regierungsfraktionen keine &bdquo;Kanzlermehrheit&ldquo; mehr hatte und obwohl innenpolitisch ein Flop dem anderen folgt. Beispiele gef&auml;llig: das Meldegesetz, das Betreuungsgeld, Pflege-Bahr, Chaos beim Verfassungsschutz, Durcheinander bei der Bundeswehrreform, vom neuen Bundesumweltminister selbst <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/politik\/inland\/peter-altmaier\/umweltminister-im-interview-teil-2-25160236.bild.html\">eingestandene Vers&auml;umnisse und Fehler bei der Energiewende<\/a> usw. usf. <\/p><p>Und obwohl eine Mehrheit der Befragten CDU und CSU in wichtigen Fragen als eher zerstritten sehen, wird die Stimmungslage der W&auml;hlerinnen und W&auml;hler f&uuml;r die Unionsparteien in den letzten Monaten wieder deutlich besser. <\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/120716_politische_stimmung.png\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/120716_politische_stimmung_small.png\" alt=\"\"><\/a><br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/wahltool.zdf.de\/Politbarometer\/mediathekflash.shtml?2012_07_13\">ZDF Politbarometer<\/a><\/p><p><strong>Die Kanzlerin w&auml;re wahltaktisch dumm, wenn sie ihre Politik erkl&auml;ren w&uuml;rde<\/strong><\/p><p>Nur in einem Punkt wird die Kanzlerin kritisch gesehen: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13801\">57% schlie&szlig;en sich der Kritik des Bundespr&auml;sidenten<\/a> an, dass Merkel ihre Europa-Politik nicht ausreichend erkl&auml;re. <\/p><p>Wenn man Zyniker w&auml;re oder wenn man in wahl- und machttaktischen Kategorien denkt, dann w&auml;ren die Kanzlerin und ihre Wahlkampfstrategen angesichts der vorherrschenden Stimmungslage unklug, wenn sie die Europa-Politik der Regierung &bdquo;offen&ldquo; (Gauck) gegen&uuml;ber der Bev&ouml;lkerung erkl&auml;rte. M&uuml;sste Angela Merkel dann doch den Deutschen unter anderem auch erkl&auml;ren, wie es den Schuldnerl&auml;ndern gelingen sollte, ihre Schulden zur&uuml;ckzubezahlen, indem man durch Merkels &bdquo;Sparkurs&ldquo; deren Wirtschaft systematisch abw&uuml;rgt. <\/p><p>Sie m&uuml;sste auch erkl&auml;ren, warum die von ihr mitbeschlossenen Hilfspakete nicht den verschuldeten L&auml;ndern helfen, sondern dass die Gelder direkt an Banken flie&szlig;en und warum die Steuerzahler daf&uuml;r bezahlen sollen. Sie m&uuml;sste dar&uuml;ber hinaus erkl&auml;ren, warum die gro&szlig;e Mehrheit der anderen europ&auml;ischen Regierungschefs, die Spitze der EZB, ja sogar der Pr&auml;sident der europ&auml;ischen Union, Manuel Barroso, oder der Chef der Euro-Gruppe, Jean-Claude Juncker, <a href=\"http:\/\/www.blicklog.com\/2012\/06\/26\/dokumentation-vorschlagspapier-von-barroso-draghi-juncker-und-van-rompuy-fr-den-eu-gipfel\/\">ganz andere Vorstellungen<\/a> zur L&ouml;sung der aktuellen Krise haben. <\/p><p>All das und noch viel mehr m&uuml;sste erkl&auml;rt werden, vor allem auch dass die wirklichen Ursachen der Krise nicht im Symptom der Staatsverschuldung, sondern in den vor allem von Deutschland herbeigef&uuml;hrten Leistungsbilanzungleichgewichten und in einer unhaltbaren Zinspolitik innerhalb der W&auml;hrungsunion zu suchen sind (Siehe dazu zuletzt etwa Friederike Spiecker &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13792#more-13792\">Die EZB muss k&auml;mpfen<\/a>&ldquo;).  <\/p><p>Kurz: W&uuml;rde die Debatte aufkl&auml;rerisch gef&uuml;hrt, dann k&ouml;nnte Merkel  nicht mehr l&auml;nger nur auf dem breiten Meinungsstrom der deutschen Medien schwimmen, der nur die vermeintlich nationalen Interessen kolportiert. Sie k&ouml;nnte sich auch nicht mehr nur auf die herrschende Lehre unter Deutschlands &Ouml;konomen st&uuml;tzen. Wenn Merkel wirklich erkl&auml;ren wollte, m&uuml;sste sie &uuml;ber den nationalen Tellerrand hinausschauen und sich mit den Argumenten der Kritiker ihrer Politik, angefangen vom amerikanischen Pr&auml;sidenten, &uuml;ber den neu gew&auml;hlten franz&ouml;sischen Staatschef bis hin zu den Warnungen, die vor allem von renommierten Wirtschaftswissenschaftlern auseinandersetzen, die nicht, wie die Mehrheit ihrer deutschen &bdquo;Experten&ldquo; stur dem Glauben folgen, dass der deutsche Agenda-Kurs ganz Europa oktroyiert werden m&uuml;sse. Merkel m&uuml;sste dann ihren <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13741\">gesamten ideologischen Leitfaden in Frage stellen lassen<\/a>. <\/p><p>Das Stimmungsbild in der Bev&ouml;lkerung, wie es sich im Politbarometer widerspiegelt, ist doch vor allem dadurch beeinflusst, dass die Kanzlerin und mit ihr der Meinungsmainstream die Auswirkungen der Euro-Politik der Bundesregierung gerade nicht erkl&auml;rt. Trotz der offenbar im kollektiven Ged&auml;chtnis der Deutschen tief eingegrabenen Angst vor staatlicher Verschuldung und trotz des weitverbreiteten &ouml;konomischen Weltbilds der &bdquo;schw&auml;bischen Hausfrau&ldquo; w&uuml;rde selbst ein Gro&szlig;teil der Bev&ouml;lkerung &ndash; ohne tiefere Kenntnis &ouml;konomischer Zusammenh&auml;nge &ndash; mittels simpler Logik begreifen, dass es auf Dauer nicht gut gehen kann, wenn sich andere L&auml;nder in Deutschland immer mehr verschulden (m&uuml;ssen) und wir immer mehr Forderungen gegen&uuml;ber anderen anh&auml;ufen. <\/p><p><strong>Misstrauen gegen&uuml;ber der L&ouml;sungskompetenz der Politik<\/strong><\/p><p>Ein Grundgef&uuml;hl, n&auml;mlich dass mit der derzeitigen Politik die Krise nicht bew&auml;ltigt werden kann, ist bei den B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rgern ja durchaus vorhanden, denn immerhin meinen &uuml;ber Dreiviertel (76%), dass die Verantwortlichen die Krise nicht im Griff haben und die H&auml;lfte glaubt nicht daran, dass <a href=\"https:\/\/www.uni-hohenheim.de\/news\/schlechte-noten-fuer-die-krisenkommunikation-4\">diese Politik zu einem guten Ende f&uuml;hren k&ouml;nne<\/a>. <\/p><p>Es sind doch keineswegs nur wir von den NachDenkSeiten, die <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=12760\">Merkels Politik zur Bew&auml;ltigung der Euro-Krise f&uuml;r falsch halten<\/a>.<br>\nWir zitieren doch nahezu t&auml;glich sachkundige Stimmen, die vor dem Kurs der Kanzlerin warnen und die Zahl der ernst zu nehmenden Kritiker wird doch t&auml;glich gr&ouml;&szlig;er &ndash; <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/schuldenkrise-griechen-sollen-langsamer-sparen-11752000.html\">bis hinein ins Lager der deutschen Realwirtschaft<\/a>. Das Ideologiegeb&auml;ude zeigt Risse.<\/p><p><strong>Eine von &bdquo;den M&auml;rkten&ldquo; getriebene Politik, l&auml;sst keine Zeit zum Nachdenken<\/strong><\/p><p>Doch die zunehmende Kritik findet in der deutschen Politik keinerlei Widerhall. Merkel entzieht sich der Kritik, indem sie einerseits die politischen Entscheidungen &ndash; der irrationalen Hektik der &bdquo;M&auml;rkte&ldquo; nachh&auml;chelnd &ndash; unter einen permanenten Zeitdruck setzt, so dass weder die Parlamentarier noch die &Ouml;ffentlichkeit &uuml;berhaupt  noch die Zeit haben, &uuml;ber die Inhalte der Entscheidungen sich ausreichend zu informieren, dar&uuml;ber nachzudenken und Alternativen zu entwickeln. Wenn ein Krisengespr&auml;ch nach dem anderen inszeniert wird, um &bdquo;die M&auml;rkte zu beruhigen&ldquo;, wenn von einem Krisengipfel zum anderen nur immer  ein bisschen Zeit gewonnen wird bis &bdquo;die M&auml;rkte&ldquo; wieder &bdquo;nerv&ouml;s&ldquo; werden, kann man sich dem Erkl&auml;ren der Politik durch die Inszenierung von dramatischen Gipfelentscheidungen entziehen. Der Frage, ob die Richtung in die Herde treibt &uuml;berhaupt noch stimmt, kann man so entfliehen. Politik wird zum B&ouml;rsenspiel getrieben von Spekulanten.<br>\nEin Musterbeispiel im Kleinen daf&uuml;r, wie es durch Zeitdruck verhindert wird, dass noch &uuml;ber die Sache gestritten wird,  war das Abnicken des neuen Meldegesetzes im Bundestag in weniger als einer Minute.  <\/p><p><strong>Das Versagen der Opposition verfestigt den Eindruck der Alternativlosigkeit<\/strong><\/p><p>Andererseits liegt die Alternativlosigkeit zum Regierungskurs vor allem daran, dass die SPD und die Gr&uuml;nen bestenfalls die Aus- und Durchf&uuml;hrung der Politik der Bundesregierung bem&auml;keln, aber im Kern mit Merkels Kurs (siehe etwa die Zustimmung zum Fiskalpakt und zum ESM) voll und ganz &uuml;bereinstimmen. Und das kleine H&auml;uflein der Linksfraktion im Bundestag wird in den Medien ohnehin nur niedergemacht, um sich blo&szlig; nicht mit deren Argumenten befassen zu m&uuml;ssen. Die Linke kann sich allenfalls noch durch den Gang vors Bundesverfassungsgericht Geh&ouml;r verschaffen. Das Gericht ist noch die sprichw&ouml;rtlich letzte Instanz, die die Taktik des hektischen Entscheidungszwangs durchkreuzen kann. Und selbst die Karlsruher Richter werden unter Zeitdruck gesetzt. <\/p><p>Weil sowohl die Sozialdemokraten als auch die Gr&uuml;nen im Bundestag ihre Rolle als Opposition nicht wahrnehmen und die Kanzlerin nicht mit kritischen Fragen konfrontieren, die au&szlig;erhalb Deutschlands weit verbreitet sind, und die etwa in Frankreich zu einem Regierungswechsel gef&uuml;hrt haben und die auch in anderen europ&auml;ischen L&auml;ndern Linke Parteien st&auml;rker werden l&auml;sst, braucht man sich auch nicht zu wundern, dass die SPD in der W&auml;hlergunst absinkt. Nach einer <a href=\"https:\/\/www.uni-hohenheim.de\/news\/schlechte-noten-fuer-die-krisenkommunikation-4\">Umfrage der Universit&auml;t Hohenheim vertrauen 70 % der Befragten der Opposition nicht mehr<\/a>. <\/p><p>Aus dem gleichen Grund verlieren auch die Gr&uuml;nen an Zustimmung (siehe die Grafik zur Langzeitentwicklung oben). Und sie d&uuml;rften in der W&auml;hlergunst noch mehr absinken, wenn sie jetzt auch noch mit einer ihrer heftigsten Agenda-Bef&uuml;rworterinnen, n&auml;mlich <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/Spitzenkandidaten-Debatte-der-Gruenen\/!97223\/\">Katrin G&ouml;ring Eckardt, als Spitzenkandidatin in den Wahlkampf ziehen wollen<\/a>. Ein deutlicheres Signal in Richtung auf eine k&uuml;nftige schwarz-gr&uuml;ne Koalition k&ouml;nnten die Gr&uuml;nen gar nicht mehr aussenden.<\/p><p>Doch so wie es derzeit aussieht, w&uuml;rde es selbst der CDU\/CSU zusammen mit den Gr&uuml;nen f&uuml;r eine Regierungsmehrheit nicht reichen. Aber dann st&uuml;nden ja die Sozialdemokraten wieder f&uuml;r eine Gro&szlig;e Koalition zur Verf&uuml;gung. Mit denen Merkel einen verl&auml;sslicheren Koalitionspartner h&auml;tte als mit der ums &Uuml;berleben k&auml;mpfenden FDP, die sich mehr und mehr als Partei einer &bdquo;Lega Nord&ldquo;, also einer nordeurop&auml;ischen W&auml;hrungsunion zu profilieren versucht.<\/p><p>Steinmeier, Steinbr&uuml;ck und Gabriel folgen alle demselben opportunistischen Kalk&uuml;l wie Angela Merkel. Sie schielen auf die Stimmungslage im Lande und vor allem auf ihre pers&ouml;nlichen Popularit&auml;tswerte, um ihre Chancen innerhalb der SPD f&uuml;r eine Kanzlerkandidatur zu erh&ouml;hen. Sie werden mit dieser Strategie zwar die Kanzlerin nie einholen k&ouml;nnen, aber Steinmeier w&auml;re ja schon damit zufrieden, wenn er unter Merkel wieder Au&szlig;enminister und Vizekanzler werden d&uuml;rfte und Steinbr&uuml;ck h&auml;tte sein Ego befriedigt, wenn er Kanzlerkandidat der SPD und dann wieder den Posten des Finanzministers in einer gro&szlig;en Koalition einnehmen k&ouml;nnte.  <\/p><p>Demokratie lebt von der Wahl zwischen unterschiedlichen Konzepten, die Opposition bietet aber keine Alternative an. Damit kann Merkel ihre Politik als &bdquo;alternativlos&ldquo; darstellen. Den W&auml;hlerinnen und W&auml;hlern bleibt keine Wahl mehr. Die Demokratie l&auml;uft leer, wenn die Opposition sich nicht mehr als eine Alternative versteht, die mit der jeweiligen Regierung im Wettbewerb steht und sie abl&ouml;sen will, sondern nur noch das Ziel hat sich in die bestehende Regierung hineinzudienen und der Kanzlerin unter die Rocksch&ouml;&szlig;e zu kriechen. Allein die Frage wer nun aus den m&ouml;glichen Koalitionspartner als Vizekanzler\/in neben Merkel am Kabinettstisch sitzen darf, ist f&uuml;r die B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger ziemlich uninteressant. Ob das nun Steinmeier, Steinbr&uuml;ck oder Gabriel von der SPD sein werden oder J&uuml;rgen Trittin, Claudia Roth oder gar Katrin G&ouml;ring-Eckardt mag im parteiinternen Kl&uuml;ngel und f&uuml;r die Medien spannend sein. Solange es keinen wirklichen Herausforderer gibt, ist das den Menschen zu Recht ziemlich egal.<\/p><p>Kein Wunder also, dass der alleingelassene W&auml;hler, Angela Merkel als die &bdquo;&Uuml;bermutter&ldquo;  erscheinen l&auml;sst.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn man die Umfragewerte des neuen ZDF-Politbarometers nimmt und wenn man unterstellt, dass das dort ermittelte Stimmungs- und Meinungsbild einigerma&szlig;en richtig abgebildet wird, dann m&uuml;ssten wir von den NachDenkSeiten eigentlich resignieren. Merkel, deren Politik nach unserer Auffassung nicht nur Europa in den Abgrund sondern auch Deutschland in die Sackgasse f&uuml;hrt, genie&szlig;t in der Bev&ouml;lkerung h&ouml;chste<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13862\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[188,122],"tags":[423,315,1254,1540],"class_list":["post-13862","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bundesregierung","category-demoskopieumfragen","tag-austeritaetspolitik","tag-merkel-angela","tag-tina","tag-zdf"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13862","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=13862"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13862\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":25339,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13862\/revisions\/25339"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=13862"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=13862"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=13862"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}