{"id":138680,"date":"2025-09-09T09:00:14","date_gmt":"2025-09-09T07:00:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=138680"},"modified":"2025-09-09T16:44:34","modified_gmt":"2025-09-09T14:44:34","slug":"sco-gipfel-ein-schreckgespenst-fuer-den-westen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=138680","title":{"rendered":"SCO-Gipfel \u2013 Ein Schreckgespenst f\u00fcr den Westen"},"content":{"rendered":"<p>Vom 31. August bis zum 1. September trafen sich die Staatschefs der Schanghaier Organisation f&uuml;r Zusammenarbeit (SCO) in China zum 25. Gipfel der Organisation &ndash; ein bis dahin, &auml;hnlich wie die BRICSplus-Treffen, wenig im Westen beachtetes Ereignis, zumindest offiziell. Dieses Mal jedoch war es anders, und zwar nicht nur, weil der chinesische Pr&auml;sident Xi als Gastgeber weitereichende Ziele und Projekte verk&uuml;ndete, sondern auch, weil er Staatschefs empfing (Pr&auml;sident Putin, Nordkoreas Kim Jong-un, den iranischen Pr&auml;sidenten Pesechkian, den wei&szlig;russischen Pr&auml;sidenten Lukaschenko) und mit diesen in tiefer Vertrautheit kommunizierte, die der Westen als die Verk&ouml;rperung des B&ouml;sen betrachtet: Damit w&auml;re das Bild vom SCO-Gipfel als Hort der &bdquo;Autokraten&ldquo; und &bdquo;Diktatoren&ldquo; ja abgerundet gewesen &ndash; w&auml;re da nicht der Konjunktiv &bdquo;w&auml;re&ldquo;. Von <strong>Alexander Neu<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5025\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-138680-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250909_SCO_Gipfel_Ein_Schreckgespenst_fuer_den_Westen_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250909_SCO_Gipfel_Ein_Schreckgespenst_fuer_den_Westen_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250909_SCO_Gipfel_Ein_Schreckgespenst_fuer_den_Westen_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250909_SCO_Gipfel_Ein_Schreckgespenst_fuer_den_Westen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=138680-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250909_SCO_Gipfel_Ein_Schreckgespenst_fuer_den_Westen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250909_SCO_Gipfel_Ein_Schreckgespenst_fuer_den_Westen_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Die Realit&auml;t der internationalen Politik ist in den letzten zehn Jahren komplexer geworden. Die einge&uuml;bten klassischen Dichotomisierungen wie zu Zeiten der Ost-West-Konfrontation &ndash; dort die &bdquo;kommunistischen Regime&ldquo;, hier die &bdquo;Demokratien&ldquo; &ndash; oder nach Beendigung des Kalten Krieges &ndash; dort die &bdquo;Autokraten&ldquo;\/&bdquo;Diktatoren&ldquo;, hier die &bdquo;Demokratien&ldquo; &ndash; funktionieren immer weniger, wenn sie &uuml;berhaupt als Raster zur Erfassung politischer Realit&auml;ten jemals funktioniert haben sollten. Denn am Gipfeltreffen nahm auch der indische Ministerpr&auml;sident Modi teil, der Vertreter der &ndash; gemessen an der Einwohnerzahl &ndash; gr&ouml;&szlig;ten Demokratie der Welt, und zwar nicht als Gast, sondern als Mitglied der SCO seit 2017. Besonders das Verhalten des indischen Ministerpr&auml;sidenten stie&szlig; im Westen auf Unmut. Er lie&szlig; sich <a href=\"https:\/\/x.com\/narendramodi\/status\/1962125699332084143?t=BKmfqY5LUDz2aaSW9NjoKw&amp;s=09\">mit Alexander Lukaschenko in vertrauter Atmosph&auml;re ablichten<\/a>. Mehr noch hat ein Bild f&uuml;r besondere Aufmerksamkeit gesorgt: <a href=\"https:\/\/www.focus.de\/politik\/ausland\/hier-laufen-putin-und-indiens-regierungschef-hand-in-hand_e49f9012-3c8e-455d-892a-c56a627a9950.html\">Modi h&auml;lt die Hand Putins und spricht entspannt mit Xi<\/a>.<\/p><p>Eigentlich befinden sich Indien und China ungeachtet ihrer gemeinsamen Mitgliedschaften in der SCO sowie in der BRICSplus in einem seit Jahrzehnten bestehenden Dauerkonflikt. Der Abschuss indischer Kampfflugzeuge durch das pakistanische Milit&auml;r mit chinesischen Raketen im Fr&uuml;hjahr war das j&uuml;ngste Beispiel dieses angespannten Verh&auml;ltnisses. Das Bild der drei genannten Staatschefs in trauter Harmonie kontrastiert jedoch massiv mit dem eigentlichen Spannungsverh&auml;ltnis zwischen Indien und China. Dank des US-Pr&auml;sidenten Donald Trump, der den Kn&uuml;ppel der Handels- und Sanktionspolitik auch gegen Indien schwingt, was f&uuml;r Indien eine Dem&uuml;tigung darstellt, scheinen sich die Verh&auml;ltnisse neu zu ordnen, und zwar nach ganz unideologischen und pragmatischen Gesichtspunkten. Politischer Realismus statt ideologischer Scheuklappen, tradierter Feindseligkeiten und Blockdenkens dominiert offensichtlich das Denken und Handeln der Staaten des Nicht-Westens. Hat die Siegerpose des Westens nach dem Zusammenbruch des Ostblocks und damit einhergehend die kurzsichtige westliche Hybris, insbesondere symbolisiert durch den NATO-Angriffskrieg auf Serbien und die NATO-Osterweiterung entgegen den Versprechungen und Abkommen (&bdquo;Charta von Paris&ldquo;), Russland immer weiter in die Arme Chinas getrieben, so scheint nun auch das eigentlich nach allen Seiten offene und moderate Indien sich zunehmend China anzun&auml;hern.<\/p><p>Ein Blick auf die Weltkarte legt nahe, dass es sinnvoller ist, im regionalen Raum Stabilit&auml;ten und Partnerschaften zu pflegen denn interregionale Kooperationen &ndash; hier mit den USA &ndash; zu priorisieren, die nicht auf Augenh&ouml;he stattfinden und auch auf Kosten der regionalen Stabilit&auml;t gehen k&ouml;nnen.<\/p><p>Allein die Anwesenheit Indiens machte es den westlichen Beobachtern aus Politik und Mainstreammedien schwer, das SCO-Gipfeltreffen als reinen Hort des &Uuml;blen zu brandmarken. Mit einem geh&ouml;rigen Ma&szlig; an Ohnmacht muss der Westen zuschauen, wie sich neue Akteure und neue Kooperationsverh&auml;ltnisse in der Weltpolitik etablieren sowie formieren und dem Westen der Zutritt in diese Formate verwehrt wird. Eine f&uuml;r das westliche Selbstverst&auml;ndnis gew&ouml;hnungsbed&uuml;rftige Entwicklung, dass gestaltende Weltpolitik nicht mehr nur vom Westen (USA, NATO und G-7) ausgeht, sondern sogar ohne den Westen stattfindet &ndash; insbesondere dann, wenn es um regionale und transkontinentale Herausforderungen jenseits des transatlantischen Raumes geht. Dass Weltregionen und Kontinente ohne raumfremde Interventionen selbst &uuml;ber ihre Schicksale entscheiden wollen, wird in westlichen Redaktionstuben und Regierungen mit Unverst&auml;ndnis, ja als Ungeheuerlichkeit betrachtet, ja geradezu als Angriff auf die westliche Globalhegemonie verstanden.<\/p><p>Bekannte Aussagen wie &bdquo;<em>unsere Freiheit wird am Hindukusch verteidigt<\/em>&ldquo; &ndash; oder nachdem das mit dem Freiheitskampf am Hindukusch dann doch schiefgelaufen ist, wird die Freiheit nun halt in der Ukraine zu verteidigen versucht &ndash; oder die &bdquo;<em>regelbasierte internationale Ordnung<\/em>&ldquo;: All dies steht f&uuml;r einen exklusiven Gestaltungsanspruch. &Auml;hnlich lautende Aussagen, die nationalen Sicherheitsinteressen der USA w&uuml;rden im Balkan, am Persischen Golf, in Lateinamerika, auf Gr&ouml;nland oder sonst wo auf dem Globus und vermutlich auch auf dem Mond gef&auml;hrdet, belegen geradezu dieses expansionistische, ja imperialistische Selbstverst&auml;ndnis: Die Welt geh&ouml;rt uns, und zwar f&uuml;r immer. Ganz so, als ob diese Dominanz gegen&uuml;ber dem Rest der Welt ein Naturgesetz, ja geradezu ein Ausdruck h&ouml;chster menschlicher Rationalit&auml;t sei. Es kann einfach nicht anders sein, wir f&uuml;hren die Welt, basta! Der globale F&uuml;hrungsanspruch der USA wird durch die mit Abstand h&ouml;chsten Milit&auml;rausgaben der Welt materialisiert. Die <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/asien\/shanghaier-organisation-zusammenarbeit-gipfel-100.html\">&bdquo;Tagesschau&ldquo;<\/a> und die <em>BILD-Zeitung<\/em> bringen dieses Verst&auml;ndnis des Gro&szlig;machtnarzissmus auf den Punkt:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Der Zusammenschluss (&hellip;) zu Sicherheits- und Wirtschaftsthemen soll eine Art Gegengewicht zu B&uuml;ndnissen demokratisch regierter Staaten sein<\/em>.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Das Leitmedium f&uuml;r bekannterweise besonders hohe journalistische Qualit&auml;tsstandards, <a href=\"https:\/\/www.bild.de\/politik\/ausland-und-internationales\/diktatorentreffen-in-china-putin-und-xi-wollen-eine-neue-welt-schaffen-68b5aa56861a6b0577ff70c5?t_ref=https%3A%2F%2Fm.bild.de%2Fpolitik%2Fausland-und-internationales%2Fdiktatorentreffen-in-china-putin-und-xi-wollen-eine-neue-welt-schaffen-68b5aa56861a6b0577ff70c5%3Ft_ref%3Dhttps%253A%252F%252Fwww.google.com%252F\">die <em>BILD-Zeitung<\/em>, titelte<\/a>:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Diktatorentreffen in China&ldquo;, und setzte fort: &bdquo;Klassentreffen der Diktatoren und Autokraten in China<\/em>&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Da ist sie wieder &ndash; die ideologische Dichotomisierung: &bdquo;<em>Gegengewicht zu B&uuml;ndnissen demokratisch regierter Staaten<\/em>&ldquo; und <em>&bdquo;Diktatorentreffen&ldquo;<\/em>. Das mag nach westlichem Demokratieverst&auml;ndnis so sein, &auml;ndert aber nichts daran, dass sich die globalen Machtverh&auml;ltnisse in einer Phase der Neuordnung befinden und solche Aussagen nur in eine Sackgasse, in eine Isolation f&uuml;hren. Die eigene ideologisch bedingte &Uuml;berh&ouml;hung, die Hybris l&auml;sst offensichtlich keine andere Rezeption zu, als dass da ein paar &bdquo;Autokraten&ldquo; und &bdquo;Diktatoren&ldquo; zum Aufstand gegen den Westen blasen. Aber so einfach ist es eben nicht. Es muss wieder gelernt werden, in komplexen Zusammenh&auml;ngen zu denken, eigene Fehler zu reflektieren, realistische Optionen zu identifizieren und strategisch klug zu agieren. Die Voraussetzung hierzu ist es, sich zun&auml;chst von der zivilisatorischen &Uuml;berlegenheitsideologie endlich zu verabschieden, das tief verankerte Blockdenken zu &uuml;berwinden und offen f&uuml;r ein globales WIR auf Augenh&ouml;he zu stehen, statt den moralischen Zeigefinger zu schwenken und die Polarisierung voranzutreiben. Andernfalls kann auf die Hybris angesichts der neuen Machtrealit&auml;ten recht schnell die Nemesis folgen.<\/p><p>Allerdings sind wir von dieser Einsicht, dieser erforderlichen Metamorphose noch weit entfernt. Bislang wird der Epochenbruch westlicherseits vielmehr als Bedrohung denn als Chance verstanden, auf den mit sprachlicher und materieller Aufr&uuml;stung und Militarisierung gegen&uuml;ber den &bdquo;Autokratien&ldquo; und &bdquo;Diktaturen&ldquo; geantwortet werden m&uuml;sse:<\/p><p>So witterte Trump anl&auml;sslich der Milit&auml;rparade Chinas zum 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges in Ostasien und angesichts der Bilder von Xi Jinping mit Kim Jong-un und Wladimir Putin <a href=\"https:\/\/www.fr.de\/politik\/trump-kritisiert-chinas-militaerparade-und-sieht-verschwoerung-gegen-usa-zr-93914563.html\">eine Verschw&ouml;rung gegen die USA<\/a>:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Bitte richten Sie Wladimir <a href=\"https:\/\/www.fr.de\/politik\/achse-des-umbruchs-xi-begruesst-putin-und-kim-zur-militaerparade-in-peking-93909308.html\">Putin und Kim Jong-un meine herzlichsten Gr&uuml;&szlig;e aus<\/a>, w&auml;hrend Sie sich gegen die Vereinigten Staaten von Amerika verschw&ouml;ren.<\/em>&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Hintergrund war, dass bei Trump der Eindruck entstand, die Leistungen der USA im Krieg gegen Japan und somit auch zu Gunsten Chinas seien von Xi nicht gew&uuml;rdigt worden. Tats&auml;chlich w&auml;re es kl&uuml;ger gewesen, auch Trump zur Milit&auml;rparade einzuladen, um genau diesen nicht ganz unberechtigten Eindruck gar nicht erst entstehen zu lassen.<\/p><p>In diesem Kontext muss die Ank&uuml;ndigung Trumps gesehen werden, das US-Verteidigungsministerium wieder zum Kriegsministerium umzubenennen, da es die Realit&auml;ten eher darstelle. Sprache und politische Realit&auml;ten bedingen sich halt gegenseitig &ndash; Realit&auml;ten pr&auml;gen Sprache und Sprache pr&auml;gt Realit&auml;ten.<\/p><p>Auch in EU-Europa stehen die Zeichen in den Mitgliedsstaaten auf Aufr&uuml;stung, da Russland in den n&auml;chsten Jahren die europ&auml;ischen Nachbarstaaten angreifen k&ouml;nnte, so die Erz&auml;hlung. In Deutschland stehen nach der Sommerpause die politischen und medialen Debatten zum massiven Abbau des Sozialstaates und letztlich zur Finanzierung des Aufr&uuml;stungsstaates an.<\/p><p>Die Unf&auml;higkeit, diesen globalen Epochenbruch als Chance zu begreifen, gewisserma&szlig;en den Resetknopf f&uuml;r den gemeinsamen Aufbau einer neuen Weltordnung auf Augenh&ouml;he zu dr&uuml;cken, statt ihn durch Militarisierung in die Katastrophe zu lenken, ist bemerkenswert.<\/p><p>Er ist umso bemerkenswerter, als dass bei einem Blick in die Geschichte, ja sogar in die Zeitgeschichte deutlich wird, dass es sich damit auch um eine Kampfansage statt einer ausgestreckten Hand ehemaliger Koloniall&auml;nder gegen&uuml;ber den ehemaligen Kolonien, Halbkolonien und Staaten, die den deutschen Vernichtungskrieg ertragen mussten, handelt. Was haben wir eigentlich in all den letzten Jahrzehnten im schulischen Geschichtsunterricht gelernt?<\/p><p><strong>Shanghaier Organisation f&uuml;r Zusammenarbeit (SCO)<\/strong><\/p><p>Die SCO wurde 2001 von sechs Staaten (Russland, Usbekistan, Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan und China) gegr&uuml;ndet. Zwischenzeitlich sind Indien, Iran, Pakistan und Wei&szlig;russland hinzugesto&szlig;en, die SCO ist somit zur gr&ouml;&szlig;ten Regionalorganisation geworden, die f&uuml;r rund 40 Prozent der Weltbev&ouml;lkerung steht. Weitere Staaten besitzen Beobachterstatus, sind Gastteilnehmer oder Dialogpartner, darunter das NATO-Mitglied T&uuml;rkei. Der Hauptsitz der Organisation ist Peking, China. Dem Selbstverst&auml;ndnis nach widmet sich die SCO nahezu allen politischen Feldern der Region, die einer F&ouml;rderung der zwischenstaatlichen Kooperation zum Zwecke der Schaffung der regionalen Stabilit&auml;t bed&uuml;rfen. Die Schwerpunkte sind sowohl wirtschafts- und handelspolitische als auch sicherheitspolitische Themen des asiatischen Gro&szlig;raumes. Es geht tats&auml;chlich auch darum, den Westen als Gestaltungs- und Machtfaktor aus der kontinentalen Gro&szlig;region zu verdr&auml;ngen bzw. fernzuhalten. Der Entscheidungsmodus ist das Konsensprinzip. Wie weit das Konsensprinzip angesichts des Wunsches weiterer Staaten, dem B&uuml;ndnis beizutreten, auch k&uuml;nftig aufrechtzuerhalten ist, ist offen.<\/p><p><strong>Ziel &ndash; eine multipolare Weltordnung<\/strong><\/p><p>Was wurde auf dem SCO-Gipfel neben den gewollt ausdrucksstarken Bildern entschieden, was den Westen so beunruhigt?<\/p><p>Aufgrund der bislang nicht auf der Homepage der SCO oder anderer Quellen zug&auml;nglichen Abschlusserkl&auml;rung der SCO muss ich auf Sekund&auml;rquellen zur&uuml;ckgreifen, die ebenfalls nur Bruchst&uuml;cke der Erkl&auml;rung ver&ouml;ffentlichen konnten.<\/p><p>So beschreibt die indische Tageszeitung <em>Economic Times<\/em> das 25. Gipfeltreffen der SCO als einen au&szlig;ergew&ouml;hnlichen Gipfel, als den bislang gr&ouml;&szlig;ten Gipfel mit weitreichenden Beschl&uuml;ssen. Der chinesische Pr&auml;sident Xi Jinping habe den Gipfel genutzt, um eine neue Weltordnung auf der Grundlage der Multipolarit&auml;t, des Multilateralismus und der F&uuml;hrerschaft des Globalen S&uuml;dens zu verk&uuml;nden. Es sei ein kalkulierter Schritt gegen die US-zentrierte Globaldominanz gewesen. Die Botschaft Xis Schulter an Schulter mit Modi und Putin <a href=\"https:\/\/economictimes.indiatimes.com\/news\/international\/world-news\/the-tianjin-declaration-signals-from-a-multipolar-world\/articleshow\/123646516.cms?from=mdr\">sei ein &bdquo;Gamechanger&ldquo;<\/a>.<\/p><p>Neben der Vision einer neuen, auf Multipolarit&auml;t und Multilateralismus basierenden Weltordnung k&uuml;ndigte die SCO unter der Leitung Xis diverse Programme und Ma&szlig;nahmen an.<\/p><p>Insgesamt wurden laut diverser Medien sechs Schwerpunktthemen in der Erkl&auml;rung genannt:<\/p><ol>\n<li>Fortgesetzter Kampf gegen den Terrorismus<\/li>\n<li>Forderung nach globaler Gerechtigkeit und Reformen internationaler Regierungsorganisationen wie der UNO, des IWF, der Weltbank, um die neuen Kr&auml;fteverh&auml;ltnisse ad&auml;quat darzustellen. Die uneingeschr&auml;nkte Respektierung der UNO-Charta, hier insbesondere die grundlegenden Normen der staatlichen Souver&auml;nit&auml;t und des Interventionsverbotes. In diesem Kontext auch die uneingeschr&auml;nkte Ablehnung unilateraler milit&auml;rischer Ma&szlig;nahmen &ndash; also Betonung des Gewaltverbotes &ndash;, hier insbesondere vor dem Hintergrund des j&uuml;ngsten Krieges Israels und der USA gegen den Iran.<\/li>\n<li>Einrichtung einer SCO-Entwicklungsbank. Bereitstellung eines Kreditrahmens Chinas f&uuml;r Infrastrukturprojekte und die &Ouml;ffnung des chinesischen Satellitennavigationsprogramms f&uuml;r SCO-Mitglieder, als Alternative zum US-amerikanischen GPS-System.<\/li>\n<li>Vertiefte Kooperationen in Forschung und Technologie, inklusive der KI-Entwicklung.<\/li>\n<li>&bdquo;One Earth, One Family, One Future&ldquo; &ndash; Vision auf Anregung Indiens, was diverse, auch kulturelle Kooperationsformen beinhalten soll und dem Titel nach auch offen ist f&uuml;r den Rest der Welt.<\/li>\n<li>Und die F&ouml;rderung der Entwicklung hin zu einer multipolaren Weltordnung ohne Konfrontations- und Blockdenken.<\/li>\n<\/ol><p>Gerade der letzte Punkt d&uuml;rfte im Westen f&uuml;r Widerspruch sorgen, da er sich selbst durch die SCO ausgeschlossen sieht und den Vorwurf des Blockdenkens spiegelbildlich zur&uuml;ckweisen kann. Dieses Argument ist nicht von der Hand zu weisen. Jedoch k&ouml;nnte diesem Vorwurf mit dem Hinweis entgegnet werden, dass der Westen selbst exklusive Clubs (NATO, EU, G-7) unterh&auml;lt und hinreichende Reformen der UNO und ihrer Unterorganisationen bislang verweigert, sodass der Nicht-Westen sich gezwungen sehe, alternative regionale und interregionale Formate jenseits westlicher Einflussnahme und Interventionen zu schaffen. Wie auch immer man die Argumentationsspirale weiterdrehen k&ouml;nnte, die offene und spannende Frage ist: Werden SCO und BRICSplus nach entsprechender Konsolidierung offen f&uuml;r westliche L&auml;nder sein (&bdquo;One World&ldquo;), oder werden es tats&auml;chlich im Groben zwei Bl&ouml;cke werden, der Westen und der Nicht-Westen? Nur dann w&auml;re es keine multipolare, sondern eher eine neue bipolare Weltordnung. Die multipolare Komponente w&uuml;rde erst auf der zweiten Niveauebene zum Ausdruck kommen, da der Nicht-Westen selbst sehr heterogen ist und die Interessensdifferenzen &ndash; jenseits des Konsenses der Emanzipation vom Westen &ndash; durchaus erheblich sind.<\/p><p>Vieles wird davon abh&auml;ngen, ob der Westen, aber auch der Nicht-Westen diese neue Weltordnung kooperativ oder konfrontativ gestalten und annehmen werden. Die konfrontative Option w&auml;re das schlechte Szenario. Bislang geht es eher genau in diese Richtung, in Richtung Rivalit&auml;t &ndash; Stichwort Stellvertreterkrieg um die Ukraine und um den Nahen und Mittleren Osten. Sollte sich diese fatale Richtung verfestigen, w&uuml;rde die erste H&auml;lfte des 21.Jahrhunderts eine sehr kriegerische Phase im neuen Weltneuordnungsprozess sein &ndash; und dar&uuml;ber dauerhaft schwebend das Damoklesschwert eines Nuklearkrieges.<\/p><p><small>Titelbild: Der indische Premierminister Narendra Modi spricht mit dem russischen Pr&auml;sidenten Wladimir Putin und dem chinesischen Pr&auml;sidenten Xi Jinping vor dem SCO-Gipfel 2025 im Meijiang Convention Center, Tianjin, China, 1. September 2025 &ndash; Quelle: Shutterstock \/ Photo Agency<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=137108\">Der gro&szlig;e Epochenbruch, aber ohne Europa &ndash; Wie ideologische Verbohrtheit unsere Zukunft ruiniert<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=136274\">Wie die NATO eine suizidale Zeitbombe beschloss<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=137280\">Das Bundesverfassungsgericht im Zentrum politischer Auseinandersetzungen<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=137491\">Territoriale Integrit&auml;t der Ukraine &ndash; oder die &bdquo;Weiterentwicklung des V&ouml;lkerrechts&ldquo;<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/789c30ab9a2a439795178bfc916a7bd3\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom 31. August bis zum 1. September trafen sich die Staatschefs der Schanghaier Organisation f&uuml;r Zusammenarbeit (SCO) in China zum 25. Gipfel der Organisation &ndash; ein bis dahin, &auml;hnlich wie die BRICSplus-Treffen, wenig im Westen beachtetes Ereignis, zumindest offiziell. Dieses Mal jedoch war es anders, und zwar nicht nur, weil der chinesische Pr&auml;sident Xi als<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=138680\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":138681,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,189,211],"tags":[379,3517,2008,3276,259,3284,827,1556,2114],"class_list":["post-138680","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-parteien-und-verbaende","category-veranstaltungshinweiseveranstaltungen","tag-china","tag-globaler-sueden","tag-indien","tag-multipolare-welt","tag-russland","tag-shanghai-cooperation-organization","tag-stigmatisierung","tag-usa","tag-xi-jinping"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/shutterstock_2675310921.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/138680","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=138680"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/138680\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":138719,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/138680\/revisions\/138719"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/138681"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=138680"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=138680"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=138680"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}