{"id":138774,"date":"2025-09-11T09:00:21","date_gmt":"2025-09-11T07:00:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=138774"},"modified":"2026-01-27T11:55:13","modified_gmt":"2026-01-27T10:55:13","slug":"deshalb-glaube-ich-dass-wir-ueber-kurz-oder-lang-einen-rundfunk-haben-werden-der-auch-ganz-offiziell-staatsfunk-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=138774","title":{"rendered":"\u201eDeshalb glaube ich, dass wir \u00fcber kurz oder lang einen Rundfunk haben werden, der auch ganz offiziell Staatsfunk ist\u201c"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Der Zugriff von Milit&auml;r, Staat und gro&szlig;em Geld wird durch drei M&auml;rchen verschleiert&ldquo;, sagt <strong>Michael Meyen<\/strong> im Interview mit den <em>NachDenkSeiten<\/em>. Eins davon lautet, so der Kommunikationswissenschaftler: &bdquo;Der Rundfunk geh&ouml;rt uns. Ihnen, mir.&ldquo; Die Realit&auml;t aber sieht anders aus. Wie die Verh&auml;ltnisse tats&auml;chlich sind und was es mit den Hebeln &bdquo;Geld&ldquo;, &bdquo;Aufsicht&ldquo; und &bdquo;Hierarchien&ldquo; auf sich hat, das schildert Meyen im Folgenden. Von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7978\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-138774-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250911_Deshalb_glaube_ich_dass_wir_ueber_kurz_oder_lang_einen_Rundfunk_haben_werden_der_auch_ganz_offiziell_Staatsfunk_ist_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250911_Deshalb_glaube_ich_dass_wir_ueber_kurz_oder_lang_einen_Rundfunk_haben_werden_der_auch_ganz_offiziell_Staatsfunk_ist_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250911_Deshalb_glaube_ich_dass_wir_ueber_kurz_oder_lang_einen_Rundfunk_haben_werden_der_auch_ganz_offiziell_Staatsfunk_ist_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250911_Deshalb_glaube_ich_dass_wir_ueber_kurz_oder_lang_einen_Rundfunk_haben_werden_der_auch_ganz_offiziell_Staatsfunk_ist_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=138774-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250911_Deshalb_glaube_ich_dass_wir_ueber_kurz_oder_lang_einen_Rundfunk_haben_werden_der_auch_ganz_offiziell_Staatsfunk_ist_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250911_Deshalb_glaube_ich_dass_wir_ueber_kurz_oder_lang_einen_Rundfunk_haben_werden_der_auch_ganz_offiziell_Staatsfunk_ist_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Marcus Kl&ouml;ckner: Der Propagandaforscher Jonas T&ouml;gel hat vor Kurzen auf der Plattform <em>X<\/em> Folgendes <a href=\"https:\/\/x.com\/JonasToegel\/status\/1959637038749106565\">ver&ouml;ffentlicht<\/a>:<\/strong><\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Viele Menschen haben mich gefragt: Gibt es Kriegspropaganda in der Tagesschau? Um diese Fragen zu beantworten, habe ich mir vorgenommen, 1 Woche die Tagesschau anzuschauen und meine Ergebnisse in einem Vortrag zu analysieren &ndash; ich musste jedoch aufgrund der F&uuml;lle an Material, das ich gefunden habe, den Untersuchungszeitraum auf 3 Tage verk&uuml;rzen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>In Ihrem neuen Buch mit dem bezeichnenden Namen &bdquo;Staatsfunk&ldquo; haben Sie das Ergebnis Ihrer Untersuchung zum Schluss in einem Kapitel festgehalten: &bdquo;Ergebnis: Propaganda als Programm&ldquo;. Wie kommen Sie zu diesem Fazit?<\/strong><\/p><p><strong>Michael Meyen<\/strong>: Die &Uuml;berschrift ist von mir, aber sonst fasse ich in diesem Kapitel nur zusammen, was die Forschung sagt zu den Schl&uuml;sselthemen der letzten Jahre. Migration, Klima, Corona, Russland, Krieg und Frieden. Meine Kollegen haben wunderbar zusammengetragen, was dazu gesendet worden ist, und dabei weit mehr Beitr&auml;ge untersucht als Jonas T&ouml;gel. In einem langen Satz: <em>ARD<\/em> und Co. beschr&auml;nken sich bei zentralen politischen Fragen auf &bdquo;offizielle&ldquo; Positionen, blenden Widerspruch entweder aus oder werten ihn ab, erlauben so keine &ouml;ffentliche Debatte, die diesen Namen verdient, und verfehlen folglich den &bdquo;Auftrag&ldquo;, der ihnen per Medienstaatsvertrag erteilt wird und der allein die Finanzierung aus Rundfunkbeitr&auml;gen rechtfertigt.<\/p><p><strong>Offiziell ist in Deutschland vom &bdquo;&ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunk&ldquo; die Rede. Das h&ouml;rt sich anders an als &bdquo;Staatsfunk&ldquo;. Warum sprechen Sie vom Staatsfunk?<\/strong><\/p><p>Der Titel ist bei mir Diagnose, Prognose und lange Linie. Milit&auml;r, Staat und gro&szlig;es Kapital haben von Tag eins an das Potenzial gesehen, das mit der Technologie verbunden war und ist. Rund-Funken. Alle K&ouml;pfe mit einem Wort in Brand setzen. Mit jeder Einheit verbunden bleiben, auch wenn der Gegner die Dr&auml;hte kappt. Im Ausland geh&ouml;rt werden, bei Freunden, Feinden, Neutralen. Deshalb wurde dort keine Luft rangelassen, nirgendwo auf der Welt, auch in den USA nicht, wo zwar Konzerne senden, aber der &bdquo;nationale Sicherheitsstaat&ldquo; trotzdem die Kontrolle hat, wie man ja gerade bei Patrick Lawrence lesen konnte, im Buch &bdquo;Journalisten und ihre Schatten&ldquo;. Flexibel ist nur die Erz&auml;hlung, mit der das getarnt wird, und damit auch der Weg, &uuml;ber den sich Einfluss aus&uuml;ben l&auml;sst. Wenn die Tarnung auffliegt, muss sich etwas &auml;ndern. Deshalb glaube ich, dass wir &uuml;ber kurz oder lang einen Rundfunk haben werden, der auch ganz offiziell Staatsfunk ist.<\/p><p><strong>Sie sprechen in Ihrem Buch immer wieder davon, dass die Propaganda bei der &bdquo;Verpackung beginnt&ldquo;. Welche Verpackung bieten <em>ARD<\/em> und Co.? Und: Was bedeutet sie f&uuml;r jene B&uuml;rger, die diese Sender noch nutzen?<\/strong><\/p><p>Der Zugriff von Milit&auml;r, Staat und gro&szlig;em Geld wird durch drei M&auml;rchen verschleiert. Nummer eins: Der Journalismus ist unabh&auml;ngig, neutral und objektiv. Nummer zwei: Er ist eine &bdquo;vierte Gewalt&ldquo; &ndash; ein Korrektiv zu den anderen drei Gewalten und immer dann zur Stelle, wenn Parlamente, Verwaltungen und Gerichte im Gleichklang laufen und ihren Job verfehlen. Wir m&uuml;ssen nur auf die Besitzverh&auml;ltnisse schauen, wenn wir verstehen wollen, dass beide Erz&auml;hlungen nicht stimmen k&ouml;nnen. In Deutschland geh&ouml;ren die Medienkonzerne einigen wenigen ultrareichen Familien. Die Macht als Gegenspieler der Macht, noch dazu im Gewand von Neutralit&auml;t und Objektivit&auml;t: Darauf muss man erst mal kommen. Und M&auml;rchen drei, das beste von allen: Der Rundfunk geh&ouml;rt uns. Ihnen, mir, den Lesern der <em>NachDenkSeiten<\/em>. Was unter dem Label &bdquo;&ouml;ffentlich-rechtlich&ldquo; l&auml;uft, so geht diese Geschichte weiter, hat nichts mit dem Staat zu tun und auch nichts mit irgendwelchen Sonderinteressen, zum Beispiel aus der Wirtschaft oder aus der Politik, sondern spiegelt einzig und allein das, was Profis in den Redaktionen f&uuml;r so relevant halten, dass es die Gesellschaft wissen sollte. Deshalb muss jeder zahlen. Ein &bdquo;Beitrag&ldquo; f&uuml;r das gedeihliche Miteinander. Ohne dieses M&auml;rchen, davon bin ich &uuml;berzeugt, w&uuml;rde auch die Kriegspropaganda nicht so verfangen, die Jonas T&ouml;gel in der &bdquo;Tagesschau&ldquo; gefunden hat.<\/p><p><strong>Zum Innern von <em>ARD<\/em> und Co. Sie identifizieren drei &bdquo;Hebel&ldquo; f&uuml;r den Einfluss von staatlichen und anderen Interessen, n&auml;mlich: Aufsicht, Geld, Hierarchien. Beginnen wir mit dem Hebel Aufsicht.<\/strong><\/p><p>Die Gremien, ja. Dank einer <a href=\"https:\/\/www.otto-brenner-stiftung.de\/arbeitsweise-oeffentlich-rechtliche-rundfunkgremien\/\">Studie der Otto Brenner Stiftung<\/a> haben wir dazu aktuelle Zahlen. 42 Prozent der Rundfunkr&auml;te lassen sich &bdquo;politischen Parteien zuordnen&ldquo; und 53 Prozent der Verwaltungsr&auml;te. In diesen Gremien wird &uuml;ber das Spitzenpersonal entschieden und dar&uuml;ber, wie das Geld verteilt wird. Beim <em>ZDF<\/em> muss sogar der Chef der PR-Abteilung durch den Verwaltungsrat. Das hei&szlig;t: Alle, die in irgendeiner Weise f&uuml;r Inhalte zust&auml;ndig sind, brauchen die Gunst von politisch dominierten Gremien. Intendanten, Direktoren, Chefredakteure, Abteilungsleiter, Programmgesichter. Wenn die Medienm&auml;rchen wahr w&auml;ren, m&uuml;sste es genau umgekehrt sein. Dann w&uuml;rde der Journalismus die Politik kontrollieren und im Zweifel auch korrigieren.<\/p><p><strong>Da klingt schon der Hebel Hierarchie an.<\/strong><\/p><p>Ja. Wir haben oben Abh&auml;ngigkeiten, die sich aus der Befristung f&uuml;r au&szlig;ertarifliche Vertr&auml;ge ergeben und aus dem Zwang, f&uuml;r jede Verl&auml;ngerung in die Gremien zu m&uuml;ssen. Und wir haben unten Journalisten ohne Arbeitsvertrag. Zwei von drei Programmmachern sind frei oder fest-frei und haben damit keinen K&uuml;ndigungsschutz. Schichten und Auftr&auml;ge werden zwar gut bezahlt, aber erstens ist es nicht leicht, damit auf einen Vollzeitjob zu kommen, und zweitens macht der Status ganz automatisch erpressbar. Das beginnt bei Praktikanten und Volont&auml;ren, die hoffen, bleiben zu k&ouml;nnen, bald abgesichert zu werden und dann vielleicht sogar einen festen Vertrag zu bekommen und damit Zutritt zu einer Gehaltstreppe, die manche auf mehr als 10.000 Euro im Monat f&uuml;hrt. Auf jeder Hierarchiestufe gibt es ein Gef&uuml;hl f&uuml;r das, was geht &ndash; ganz ohne den t&auml;glichen Anruf, aber hin und wieder von Angesicht zu Angesicht best&auml;tigt.<\/p><p><strong>Und der Hebel Geld?<\/strong><\/p><p>Die Politik hat hier ab den 1970ern ein Verfahren etabliert, das auf Selbstbedienung hinausl&auml;uft. Die Rundfunkanstalten melden, wie viel sie brauchen, und eine Kommission (KEF) sagt dann den Landesregierungen, was sie davon h&auml;lt. Die 16 Menschen in dieser Kommission werden von den Ministerpr&auml;sidenten berufen und haben eine Schweigepflicht, die nicht endet, wenn sie ausscheiden. Mehr muss man eigentlich nicht sagen. <\/p><p>Ich nenne trotzdem drei weitere Punkte. Erstens: Die KEF kann nicht sinnvoll pr&uuml;fen, was ihr die Anstalten vorlegen. Es gibt schlicht keinen Ma&szlig;stab. Kommerzielle Anstalten produzieren zwar f&uuml;r einen Bruchteil des Geldes, scheiden aber als Vergleich aus, weil der Gesetzgeber ihnen einen anderen Auftrag gibt. Punkt zwei: Selbst Zweifel helfen nicht weiter. Jeder KEF-Beschluss steht unter dem Vorbehalt der &bdquo;Programmautonomie&ldquo; &ndash; eine heilige Kuh, mit der jeder Wunsch von au&szlig;en abgeschmettert werden kann. Anders formuliert: Was ihr Auftrag gerade erfordert, wissen nur Journalisten, Abteilungsleiter, Senderchefs. Man muss gar nicht gro&szlig; &uuml;berlegen, warum der Laden immer gr&ouml;&szlig;er wird. Das erkl&auml;rt der Hausverstand. Und Punkt drei: Die Landtage sind in diesem Verfahren nur Statisten, 2021 abgesegnet vom Bundesverfassungsgericht, <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=68236\">als Sachsen-Anhalt nicht &uuml;ber die Erh&ouml;hung abgestimmt hat<\/a>.<\/p><p><strong>Vieles davon ist bekannt. Warum haben Sie das gerade jetzt aufgeschrieben?<\/strong><\/p><p>Wir stehen vor einem Showdown. Am 1. Oktober wird vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Klage verhandelt, bei der es um Meinungsvielfalt geht und damit um den Kern des &ouml;ffentlich-rechtlichen Auftrags. Dass der Ausgang offen ist, zeigt schon die Zulassung der Revision. Wenn der Rundfunkbeitrag hier nicht f&auml;llt, dann wird einer der ostdeutschen Landtage fr&uuml;her oder sp&auml;ter den Medienstaatsvertrag k&uuml;ndigen und damit eine Kettenreaktion ausl&ouml;sen. Der Unmut ist inzwischen einfach zu gro&szlig;. Ende 2024 waren gut acht Prozent der Beitragskonten in Mahnverfahren oder in der Vollstreckung. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs, weil man sich hier ja mit dem Staat und seinem Gewaltmonopol anlegt und Schufa-Eintr&auml;ge, Kreditkartensperrung und mehr riskiert. Die Kritik am Programm f&uuml;llt inzwischen ganze B&uuml;cher und ist auch im &ouml;ffentlichen Raum nicht mehr zu &uuml;bersehen. Jeder Politiker in Regierungsverantwortung wird sich fragen, ob er diese Baustelle nicht schlie&szlig;t und dem Wahlvolk die knapp 20 Euro im Monat schenkt.<\/p><p><strong>Wie meinen Sie das?<\/strong><\/p><p>F&uuml;r einen Kanzler oder eine Koalition ist es verlockend, den Mantel zu l&uuml;ften und aus dem &ouml;ffentlich-rechtlichen einen echten Staatsfunk zu machen, finanziert aus dem Haushalt. Deutschland w&uuml;rde damit einem europ&auml;ischen Trend folgen. Skandinavien, Frankreich, Belgien und die Niederlande, die Slowakei, Ungarn und Rum&auml;nien: Viele haben den Beitrag in den letzten Jahren abgeschafft und erheben nun entweder eine Rundfunksteuer oder nehmen das Geld gleich ganz aus dem gro&szlig;en Topf. L&auml;nder wie Spanien, Bulgarien oder die baltischen Republiken hatten nie einen Rundfunkbeitrag. Und bei allen anderen w&auml;chst der Druck. Italien hat den Jahrespreis 2024 von 90 auf 70 Euro gesenkt. In der Schweiz l&auml;uft eine Initiative mit dem Titel &bdquo;200 Franken sind genug&ldquo;. Und in &Ouml;sterreich stand die Abgabe auf der Kippe, als FP&Ouml; und &Ouml;VP Anfang 2025 &uuml;ber eine Koalition verhandelt haben.<\/p><p><strong>F&uuml;r das Publikum w&uuml;rde sich damit nichts &auml;ndern. Im Gegenteil: Es m&uuml;sste weiter bezahlen und h&auml;tte keinerlei Einfluss auf das, was gesendet wird.<\/strong><\/p><p>Ja und nein. Staatsfunk ist ein Win-win-win-Modell mit einem Haken. Gewinner eins, wie eben schon gesagt: Regierungen, die sich nicht mehr scheren m&uuml;ssten um Kritik an einem Programm, das offen f&uuml;r sie wirbt. D&auml;nemark hat den Rundfunkbeitrag ab 2018 schrittweise reduziert, 2022 voll auf Steuerfinanzierung umgestellt, Budget, Personal und Angebot eingedampft und so offenbar Kritikern Argumente und Motivation genommen. Gewinner zwei: die W&auml;hler, die w&uuml;ssten, woran sie sind, und an der Urne entscheiden k&ouml;nnten, wie viel Staatsfunk sie wollen, wenn sich denn die Kandidaten hier unterscheiden. Im Moment bietet das nur die AfD, aber das d&uuml;rfte sich sofort &auml;ndern, wenn der Rundfunk im Haushalt steht. Gewinner drei, allerdings mit Abstrichen: die Journalisten, die Sendepl&auml;tze und damit Jobs verlieren w&uuml;rden (das zeigt das Beispiel D&auml;nemark), aber Klarheit h&auml;tten und sich au&szlig;erdem &uuml;ber Statuten und Qualit&auml;tskriterien gegen Zumutungen aller Art wehren und vom Arbeitgeber Staat auch feste Arbeitsvertr&auml;ge verlangen k&ouml;nnten.<\/p><p><strong>Noch einmal anders gefragt: W&uuml;rden wir nicht weiter &bdquo;Propaganda als Programm&ldquo; bekommen, wenn der Staat auch ganz offiziell auf Sendung geht?<\/strong><\/p><p>Ein guter Punkt, ja. Ich skizziere den Trend in Richtung Staatsfunk auch deshalb, weil jede Krise eine Chance bietet. Die Erz&auml;hlung vom Rundfunk, der allen geh&ouml;rt und uns allen dient, wurde so oft wiederholt, dass sie fest in vielen K&ouml;pfen sitzt und auch im Journalismus selbst Ma&szlig;st&auml;be gesetzt hat. Darauf kann jede Medienreform aufbauen, wenn sie denn den Unmut mitdenkt, der mit der Berichterstattung der letzten Jahre verkn&uuml;pft ist und vor allem mit dem Beitragszwang.<\/p><p><strong>Im Buch schlagen Sie ein Modell vor, dass mit zwei Euro pro Haushalt und Monat auskommt.<\/strong><\/p><p>Das scheint einerseits wenig, ja, ist manchen aber andererseits immer noch zu viel. Da habe ich aus den ersten Reaktionen gelernt. Beitrag oder Steuern: Das ist gar nicht mein Punkt. Bei mir geht es um den Kern des &ouml;ffentlichen Auftrags, um einen Journalismus, der Themen- und Meinungsvielfalt bietet sowie Transparenz. Daf&uuml;r w&uuml;rde ich erstens die Finanzierung vom Kopf auf die F&uuml;&szlig;e stellen und den Anstalten ein festes Budget zuteilen, deutlich kleiner als bisher. Ich w&uuml;rde zweitens Publikumsr&auml;te etablieren, direkt gew&auml;hlt oder ausgelost. Und ich w&uuml;rde den Redaktionen drittens die Freiheit geben, die mit festen Arbeitsvertr&auml;gen verbunden ist sowie mit Statuten, die Transparenz und Vielfalt sichern.<\/p><p><em>Lesetipp<\/em><\/p><p><em>Michael Meyen: <a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/buecher\/medien\/staatsfunk.html?noloc=1\">Staatsfunk. ARD und Co. sind am Ende &ndash; oder m&uuml;ssen neu erfunden werden<\/a>. Berlin 2025, Verlag Hintergrund, Buchreihe WISSEN KOMPAKT, Taschenbuch, 80 Seiten, <\/em><em>ISBN <\/em><em>978-3910568259,<\/em><em> 10,90 Euro, erscheint am 22. September 2025.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Der Zugriff von Milit&auml;r, Staat und gro&szlig;em Geld wird durch drei M&auml;rchen verschleiert&ldquo;, sagt <strong>Michael Meyen<\/strong> im Interview mit den <em>NachDenkSeiten<\/em>. Eins davon lautet, so der Kommunikationswissenschaftler: &bdquo;Der Rundfunk geh&ouml;rt uns. Ihnen, mir.&ldquo; Die Realit&auml;t aber sieht anders aus. Wie die Verh&auml;ltnisse tats&auml;chlich sind und was es mit den Hebeln &bdquo;Geld&ldquo;, &bdquo;Aufsicht&ldquo; und &bdquo;Hierarchien&ldquo; auf<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=138774\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":120318,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,209,41,182,137],"tags":[313,930,2449,1163,3001,2294,288,1446,244],"class_list":["post-138774","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-interviews","category-medienanalyse","category-medienkonzentration-vermachtung-der-medien","category-steuern-und-abgaben","tag-oerr","tag-justiz","tag-medienstaatsvertrag","tag-meinungspluralismus","tag-meyen-michael","tag-politisch-medialer-komplex","tag-prekaere-beschaeftigung","tag-rundfunkabgabe","tag-vierte-gewalt"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/240828_titel.jpeg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/138774","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=138774"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/138774\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":138820,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/138774\/revisions\/138820"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/120318"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=138774"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=138774"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=138774"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}