{"id":138851,"date":"2025-09-12T12:00:21","date_gmt":"2025-09-12T10:00:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=138851"},"modified":"2025-09-16T07:28:24","modified_gmt":"2025-09-16T05:28:24","slug":"gaza-entmenschlichung-als-voraussetzung-fuer-eine-unmenschliche-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=138851","title":{"rendered":"Gaza: Entmenschlichung als Voraussetzung f\u00fcr eine unmenschliche Politik"},"content":{"rendered":"<p>Die in Gaza beobachtete Strategie des Aushungerns w&auml;re ohne Entmenschlichung der Opfer kaum durchf&uuml;hrbar. Wer ein Volk als minderwertig oder pauschal gef&auml;hrlich betrachtet, kann es eher kollektiven Straf- und T&ouml;tungsma&szlig;nahmen unterwerfen. Feindbilder und fehlende Sanktionen ergeben einen Teufelskreis: Wer den Gegner als weniger wert ansieht und keine Konsequenzen f&uuml;rchten muss, neigt eher zu extremer H&auml;rte. Von <strong>Detlef Koch<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2419\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-138851-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250912_Gaza_Entmenschlichung_als_Voraussetzung_fuer_eine_unmenschliche_Politik_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250912_Gaza_Entmenschlichung_als_Voraussetzung_fuer_eine_unmenschliche_Politik_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250912_Gaza_Entmenschlichung_als_Voraussetzung_fuer_eine_unmenschliche_Politik_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250912_Gaza_Entmenschlichung_als_Voraussetzung_fuer_eine_unmenschliche_Politik_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=138851-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250912_Gaza_Entmenschlichung_als_Voraussetzung_fuer_eine_unmenschliche_Politik_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250912_Gaza_Entmenschlichung_als_Voraussetzung_fuer_eine_unmenschliche_Politik_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Die humanit&auml;re Lage im Gazastreifen hat sich seit Oktober 2023 dramatisch versch&auml;rft. Nach dem Hamas-Angriff und dem folgenden Krieg verh&auml;ngte Israel eine totale Blockade &uuml;ber das dicht besiedelte Gebiet. &Uuml;ber 62.000 Pal&auml;stinenser wurden seither durch Bombardierungen get&ouml;tet und rund 159.000 verletzt &ndash; 18.400 der Get&ouml;teten waren Kinder. Zugleich rutschte Gaza in eine menschengemachte Hungerkrise historischen Ausma&szlig;es: Bis Juli 2025 wurden rund 150 Hungertote dokumentiert &ndash; etwa 60 Prozent davon Kleinkinder. <\/p><p>Experten sprechen von einer erstmals vollst&auml;ndig vom Menschen verursachten Hungersnot des 21. Jahrhunderts, ausgel&ouml;st nicht durch D&uuml;rre, sondern durch systematische Versorgungssperren. Im August 2025 stufte die Integrated Food Security Phase Classification IPC-Analyse gro&szlig;e Teile Gazas als &bdquo;Katastrophe&ldquo; (5-Famine (with solid evidence)) ein, was einer offiziellen Hungersnot gleichkommt. <\/p><p>Zudem wurde die Bev&ouml;lkerung fast vollst&auml;ndig aus ihren Wohnorten vertrieben: Bis Anfang 2024 waren laut UN-Angaben etwa 85 Prozent aller Gazaner mindestens einmal auf der Flucht. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Wie bedingen sich Entmenschlichung und Hunger in diesem Konflikt &ndash; wie kann eine solche humanit&auml;re Katastrophe bewusst herbeigef&uuml;hrt und hingenommen werden? <\/p><p><strong>Psychologische und institutionelle Mechanismen der Entmenschlichung <\/strong><\/p><p>Israels Vorgehen in Gaza beruht auf Mechanismen der Entmenschlichung, wie sie Albert Bandura, Philip Zimbardo und Hannah Arendt beschrieben haben. Banduras Konzept des &bdquo;moral disengagement&ldquo; erkl&auml;rt, wie T&auml;ter Gewalt durch Rechtfertigungen und Euphemismen vor sich legitimieren &ndash; etwa mit dem Verweis auf h&ouml;here Ziele (Sicherheit) oder Schuldumkehr. Zimbardo zeigte, wie Hierarchie, Uniform und Gruppendruck normale Rekruten zu brutalen Handlungen bef&auml;higen k&ouml;nnen. Arendt erinnerte daran, dass b&uuml;rokratische Routine-Verbrechen oft von durchschnittlichen Menschen ohne gro&szlig;es Unrechtsbewusstsein ver&uuml;bt werden. Das Wort von der Banalit&auml;t des B&ouml;sen kommt uns in den Sinn. <\/p><p>Im Kontext der israelischen Armee (IDF)<strong> <\/strong>sind all diese Dynamiken erkennbar. Pal&auml;stinenser gelten als gef&auml;hrliche, minderwertige &bdquo;Andere&ldquo;; Empathie wird in der Ausbildung kaum gef&ouml;rdert. Interne Sprachcodes entw&uuml;rdigen die Besetzten &ndash; Soldaten berichten, man nenne Pal&auml;stinenser &bdquo;Dreck&ldquo; oder &bdquo;Tiere&ldquo;[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]. Ein Unteroffizier schilderte es so: &bdquo;In unseren Augen sind sie Untermenschen. Man darf mit ihnen alles machen, was wir mit Juden niemals machen w&uuml;rden[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>]&ldquo;. Auch offizielle Rhetorik tr&auml;gt zur Verrohung bei: Verteidigungsminister Yoav Gallant bezeichnete Gazaner als &bdquo;menschliche Tiere&ldquo;. Solche Worte senken die Hemmschwelle zur Gewalt. <\/p><p>Hinzu kommt Straffreiheit als institutioneller Verst&auml;rker. Israels Milit&auml;rjustiz ahndet &Uuml;bergriffe gegen Pal&auml;stinenser nur selten, was den Soldaten faktisch Narrenfreiheit signalisiert. &bdquo;Es herrschte v&ouml;llige Handlungsfreiheit&ldquo;, sagte B., ein weiterer Soldat, der monatelang in den regul&auml;ren Streitkr&auml;ften in Gaza diente, unter anderem in der Kommandozentrale seines Bataillons. &bdquo;Wenn auch nur das geringste Gef&uuml;hl der Bedrohung aufkommt, braucht man keine Erkl&auml;rungen &ndash; man schie&szlig;t einfach.&ldquo; Wenn Soldaten jemanden auf sich zukommen sehen, &bdquo;darf man auf seinen K&ouml;rper schie&szlig;en, nicht in die Luft&ldquo;, fuhr B. fort. &bdquo;Es ist erlaubt, auf jeden zu schie&szlig;en, auf ein junges M&auml;dchen, eine alte Frau[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>]&ldquo;. <\/p><p>Feindbild, Konformit&auml;tsdruck und fehlende Sanktionen ergeben einen Teufelskreis: Wer den Gegner als weniger wert ansieht und keine Konsequenzen f&uuml;rchten muss, neigt eher zu extremer H&auml;rte. <\/p><p><strong>Manifestation der Gewalt an den Ausgabestellen <\/strong><\/p><p>Die wenigen Ausgabestellen f&uuml;r Lebensmittel in Gaza sind zu Brennpunkten von Chaos und Gewalt geworden. T&auml;glich st&uuml;rmen Tausende verzweifelte Menschen die Verteilungen &ndash; oft kommt es zu Gedr&auml;nge, Panik und Trag&ouml;dien. Dabei setzen sich h&auml;ufig die St&auml;rksten durch, w&auml;hrend Schw&auml;chere (Frauen, Kinder, &Auml;ltere) zur&uuml;ckgedr&auml;ngt oder niedergetrampelt werden. <em>&bdquo;Die, die am meisten Hilfe ben&ouml;tigen, gehen oft leer aus<\/em>&ldquo;, stellt die Organisation Save the Children 2025 fest. Zugleich hat Israel ein militarisiertes Verteilungssystem eingerichtet, bewacht von IDF-Truppen und privaten Sicherheitsleuten. Dort kam es zu regelrechten Blutb&auml;dern. M&eacute;decins Sans Fronti&egrave;res spricht von &bdquo;orchestrierten T&ouml;tungen&ldquo; an diesen Orten &ndash; es sei sowohl gezielt (etwa auf Beine) als auch wahllos in die Menge geschossen worden. &bdquo;Wir sahen Sch&uuml;sse, T&ouml;ten, Tod &ndash; und wof&uuml;r? Nur um etwas Essen zu bekommen&ldquo;, berichtet ein Augenzeuge (<em>Al Jazeera<\/em>, 2025). <\/p><p>Human Rights Watch (HRW) dokumentierte allein von Ende Mai bis Ende Juli 2025 mindestens 859 get&ouml;tete Pal&auml;stinenser an den neuen Ausgabestellen (HRW, August 2025) &ndash; eine schockierende Bilanz. HRW spricht von schweren Verst&ouml;&szlig;en gegen das Kriegsrecht: Israel nutze Aushungerung als Waffe und lasse seine Kr&auml;fte &bdquo;beinahe t&auml;glich&ldquo; auf hungernde Zivilisten schie&szlig;en (HRW, August 2025). UN-Experten berichteten zudem von F&auml;llen, in denen Menschen auf dem Weg zu Hilfsorten &bdquo;verschwanden&ldquo; &ndash; offenbar inhaftiert &ndash;, was als gezielte Schreckensstrategie gewertet wird (UN, 2025). <\/p><p><strong>Hungerdynamik und Vulnerabilit&auml;t <\/strong><\/p><p>Die Hungerkrise trifft Gaza in extremer Verwundbarkeit. Von 2,2 Millionen Einwohnern sind rund die H&auml;lfte Kinder; schon vor 2023 lebten &uuml;ber zwei Drittel der Menschen in Armut und rund 80 Prozent waren auf Hilfslieferungen angewiesen (<em>The Guardian<\/em>, 2023). Unter der Blockade brach die Versorgung dann weitgehend zusammen. Statt ca. 500 LKW-Ladungen t&auml;glich vor dem Krieg erreichten 2024 oft nur wenige Dutzend Laster am Tag Gaza &ndash; zeitweise wochenlang gar keiner (OCHA, 2024). Entsprechend fiel die verf&uuml;gbare Lebensmittelmenge pro Kopf teils auf unter 70 Prozent des Mindestbedarfs (rund 2.100 kcal) &ndash; &auml;hnlich dramatisch sah es bei der Verf&uuml;gbarkeit von Wasser zum Trinken, Kochen und Waschen aus (oft weniger als 4 Liter pro Tag statt rund 15 Liter[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>]). Bis Mitte 2025 waren praktisch alle Haushalte akut ern&auml;hrungsunsicher. Im August 2025 stufte die UN Gaza erstmals offiziell als Hungersnot ein (IPC, August 2025): Rund 640.000 Menschen &ndash; etwa 20 Prozent der Bev&ouml;lkerung &ndash; stehen an der Schwelle zum Verhungern. Gaza liegt damit auf dem Niveau der schlimmsten Hungersn&ouml;te (Somalia 2011 u.a.), jedoch vollst&auml;ndig vom Menschen verursacht. <\/p><p>Die Indikatoren untermauern das Ausma&szlig;: Der Anteil akut unterern&auml;hrter unter 5-J&auml;hriger stieg von unter 1 Prozent vor dem Krieg auf &uuml;ber 15 Prozent im Sommer 2025. Allein im Juli 2025 wurden &uuml;ber 12.000 neu mangelern&auml;hrte Kinder erfasst &ndash; und mehrere Dutzend verhungerten in diesem Monat. Anfangs starben vor allem Babys und Kleinkinder, die am anf&auml;lligsten sind. Doch nach etwa neun Monaten begannen auch immer mehr &auml;ltere Menschen zu sterben, da ihre letzten Reserven aufgebraucht waren und viele zugunsten der J&uuml;ngeren auf Essen verzichtet hatten. Gaza erlebte damit den typischen Verlauf: Zun&auml;chst Kinder, dann zunehmend auch Alte und Kranke fallen dem Hunger zum Opfer. <\/p><p><strong>Synergien zwischen Hunger und Krankheit <\/strong><\/p><p>Hunger und Seuchen treiben sich in Gaza gegenseitig an. Schwere Unterern&auml;hrung schw&auml;cht das Immunsystem so stark, dass Kinder an eigentlich banalen Infektionen sterben. Bereits 2024 registrierte die WHO hunderttausende Durchfall- und Atemwegsinfektionen &ndash; Folgen von verschmutztem Wasser, &Uuml;berbev&ouml;lkerung und hungerbedingter Immunschw&auml;che. Unterern&auml;hrte Kleinkinder trocknen bei Durchfall schnell aus; viele vermeintliche &bdquo;Hungertote&ldquo; sind letztlich an Dehydrierung oder Infektionen gestorben. Akute Atemwegsinfekte (etwa Lungenentz&uuml;ndungen) wurden zur h&auml;ufigsten Todesursache bei Kindern, da ihre Abwehrkr&auml;fte kollabiert sind. Auch andere Seuchen breiten sich aus: 2024 kam es zu einem Hepatitis-A-Ausbruch mit &uuml;ber 100.000 Erkrankten binnen eines Jahres. Experten warnten zudem, ein Cholera-Ausbruch k&ouml;nnte in k&uuml;rzester Zeit tausende Todesopfer fordern. <\/p><p>F&uuml;r das medizinische Personal vor Ort ist diese Lage seelisch verheerend. &Auml;rzte berichten, wie sie t&auml;glich ausgemergelte Kinder verlieren und oft machtlos zusehen m&uuml;ssen. Eine &Auml;rztin beschreibt den Anblick verhungernder Kleinkinder als <em>&bdquo;nur noch schwer zu ertragende Grausamkeit&ldquo; <\/em>und sagt:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Als &Auml;rztin und Mutter ist es eine moralische Verletzung, diese Verbrechen gegen die Menschlichkeit mitansehen zu m&uuml;ssen<\/em>&ldquo;.\n<\/p><\/blockquote><p>Viele Helfer sind traumatisiert und ausgebrannt &ndash; sie m&uuml;ssen mit ihren knappen Mitteln oft entscheiden, welchem Patienten sie noch helfen k&ouml;nnen, w&auml;hrend andere unversorgt sterben. <\/p><p><strong>Entmenschlichung als Katalysator des Hungers <\/strong><\/p><p>Ohne Entmenschlichung der Opfer w&auml;re die in Gaza beobachtete Strategie des Aushungerns kaum durchf&uuml;hrbar. Wer ein Volk als minderwertig oder pauschal gef&auml;hrlich betrachtet, kann es eher kollektiven Straf- und T&ouml;tungsma&szlig;nahmen unterwerfen. Historische Parallelen zeigen das deutlich: Im Vietnamkrieg erkl&auml;rten US-Kommandeure ganze Regionen zu &bdquo;Free-Fire-Zones&ldquo; &ndash; nach dem Motto &bdquo;t&ouml;tet alles, was sich bewegt&ldquo;. D&ouml;rfer wurden niedergebrannt und entv&ouml;lkert, weil die Zivilbev&ouml;lkerung pauschal als feindlich galt. <\/p><p>Im Algerienkrieg stufte die franz&ouml;sische Armee die einheimischen Algerier als &bdquo;Ungeziefer&ldquo; ein; man sprach von einer Zivilisierungsmission und internierte Hunderttausende in Lagern, wo Folter und Hunger an der Tagesordnung waren. In beiden F&auml;llen ebnete erst die Entwertung des Gegners den Weg f&uuml;r Hungerblockaden und Massaker als scheinbar legitime Mittel. <\/p><p>Auch der IDF-Einsatz reiht sich in dieses Muster ein. Israels Regierung beruft sich auf &bdquo;Sicherheit&ldquo; und Terrorbek&auml;mpfung &ndash; analog zu den Vorw&auml;nden fr&uuml;herer Konflikte, in denen nahezu jedes Mittel gerechtfertigt wurde. Diese Rhetorik schafft einen ideologischen Freibrief. Einige Beobachter sehen darin sogar bereits den Tatbestand der Ausrottung: Human Rights Watch etwa spricht von Handlungen, die auf die &bdquo;Vernichtung&ldquo; der Bev&ouml;lkerung hinauslaufen und im Ausma&szlig; einem V&ouml;lkermord nahekommen. Wenn Pal&auml;stinenser als kollektive Bedrohung und als minderwertig gelten, erscheinen selbst das Aushungern der Zivilbev&ouml;lkerung oder das Schie&szlig;en auf Hungernde als tolerierbar oder gar notwendig. Die Entmenschlichung wirkt so als Brandbeschleuniger: Sie l&ouml;scht die moralischen Schranken und erm&ouml;glicht erst, Hunger gezielt als Waffe einzusetzen. <\/p><p><strong>Schluss <\/strong><\/p><p>Die doppelte Dynamik von Entmenschlichung und Hunger in Gaza zeigt eine fatale Wechselwirkung: Eine entwertete Bev&ouml;lkerung wird eher r&uuml;cksichtsloser Gewalt und Aushungerung ausgesetzt &ndash; und der entstehende humanit&auml;re Kollaps dient radikalen Kr&auml;ften wiederum als Vorwand f&uuml;r noch h&auml;rteres Vorgehen. Hunger ist hier kein unbeabsichtigtes Nebenprodukt, sondern ein bewusst einkalkulierter Effekt der Kriegsf&uuml;hrung. Damit werden fundamentale Normen des V&ouml;lkerrechts verletzt. Die gezielte Aushungerung von Zivilisten ist nach den Genfer Konventionen verboten und gilt als Kriegsverbrechen. Dennoch findet im Gazastreifen faktisch eine kollektive Bestrafung von zwei Millionen Menschen statt, bislang ohne wirksame Reaktion der Weltgemeinschaft. Zwar haben UN- Gremien und NGOs diese Praxis scharf verurteilt &ndash; politische Konsequenzen blieben aus. Israel bestreitet jede Absicht und verweist auf die Bedrohung durch Hamas &ndash; ein Narrativ, das oft zur Rechtfertigung exzessiver H&auml;rte bem&uuml;ht wird. <\/p><p>Ob die Verantwortlichen jemals zur Rechenschaft gezogen werden, ist ungewiss. In fr&uuml;heren Konflikten blieben vergleichbare Verbrechen meist straflos (zum Beispiel Vietnam und Algerien). <\/p><p>Gaza 2025 wird so zum Lackmustest f&uuml;r die Geltung humanit&auml;rer Prinzipien. Wird die vors&auml;tzliche Herbeif&uuml;hrung von Hunger und Elend geahndet &ndash; oder setzt sich erneut Straffreiheit durch, legitimiert durch die Entmenschlichung der Opfer? Die Weltgemeinschaft steht damit vor der Wahl, ob sie dieses Ausma&szlig; an Unmenschlichkeit toleriert oder die universalen Menschlichkeitsprinzipien entschlossen verteidigt. Mit Blick auf Deutschlands j&uuml;ngere Geschichte ist besonders Deutschland in der Pflicht, die universalen Menschlichkeitsprinzipien entschlossen zu verteidigen! <\/p><p><small>Titelbild: Andy.LIU \/ Shutterstock<\/small><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Verwendete Quellen:<\/strong><\/p><ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.unocha.org\/\">UNOCHA<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.who.int\/\">WHO<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/unicef.org\">UNICEF<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/unfpa.org%20\">UNFPA<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/unfpa.org\">WFP\/IPC<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/btselem.org\">B&rsquo;Tselem<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/yesh-din.org\">Yesh Din<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/amnesty.org\">Amnesty<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/hrw.org\">Human Rights Watch<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/oxfam.org%20\">Oxfam<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/savethechildren.net\">Save the Children<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/doctorswithoutborders.ca\">MSF<\/a><\/li>\n<\/ul><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.breakingthesilence.org.il\/testimonies\/database\/533050#:~:text=I%20personally%20felt%20that%20the,We%20feel%20comfortable\">breakingthesilence.org.il\/testimonies\/database\/533050<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.breakingthesilence.org.il\/inside\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Women-Break-the-Silence-2023-single.pdf\">I personally felt that the behavior<\/a>, no matter how much I thought I was nice during my service, because I did also try to be nice &mdash; it doesn&rsquo;t matter, because the feeling that I had, with people around me in the military, is that we treat them (the Palestinians) like animals, that in our eyes they are sub-humans, that you are allowed to do loads of things to them that we&rsquo;d never do to Jews. Seite 59<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.972mag.com\/israeli-soldiers-gaza-firing-regulations\/\">972mag.com\/israeli-soldiers-gaza-firing-regulations\/<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/world\/middle-east\/terrible-thirst-hits-gaza-with-polluted-aquifers-broken-pipelines-2025-08-07\/?utm_source=chatgpt.com\">The United Nations says<\/a> the minimum emergency level of water consumption per person is 15 litres a day for drinking, cooking, cleaning and washing. Average daily domestic consumption in Israel is 165 litres a day according to the government&rsquo;s Central Bureau of Statistics.<br>\nBushra Khalidi, humanitarian policy lead for aid agency Oxfam in the Israeli-occupied Palestinian territories said the average consumption in Gaza now was 3-5 litres a day.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die in Gaza beobachtete Strategie des Aushungerns w&auml;re ohne Entmenschlichung der Opfer kaum durchf&uuml;hrbar. Wer ein Volk als minderwertig oder pauschal gef&auml;hrlich betrachtet, kann es eher kollektiven Straf- und T&ouml;tungsma&szlig;nahmen unterwerfen. Feindbilder und fehlende Sanktionen ergeben einen Teufelskreis: Wer den Gegner als weniger wert ansieht und keine Konsequenzen f&uuml;rchten muss, neigt eher zu extremer H&auml;rte.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=138851\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":108274,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,126,159,171,161],"tags":[339,3260,1055,302,461,1917,2460,1557,2269,929,304,849,303,3453,2422,335,2360],"class_list":["post-138851","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-erosion-der-demokratie","category-fremdenfeindlichkeit-rassismus","category-militaereinsaetzekriege","category-wertedebatte","tag-chauvinismus","tag-feindbild","tag-fluechtlinge","tag-gaza","tag-genfer-konventionen","tag-genozid","tag-gruppenbezogene-menschenfeindlichkeit","tag-israel","tag-konformitaetsdruck","tag-krankheiten","tag-kriegsverbrechen","tag-nahrungsmittel","tag-palaestina","tag-strafverfolgung","tag-verrohung","tag-wasserversorgung","tag-zivile-opfer"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/shutterstock_2372969779.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/138851","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=138851"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/138851\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":139065,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/138851\/revisions\/139065"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/108274"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=138851"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=138851"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=138851"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}