{"id":13890,"date":"2012-07-18T08:50:38","date_gmt":"2012-07-18T06:50:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13890"},"modified":"2015-03-09T11:20:46","modified_gmt":"2015-03-09T10:20:46","slug":"bayerns-finanzminister-werft-die-nehmerlander-aus-dem-finanzausgleich-aus-dem-euro","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13890","title":{"rendered":"Bayerns Finanzminister: Werft die Nehmerl\u00e4nder aus dem Finanzausgleich aus dem Euro"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Das, was die Griechen leisten m&uuml;ssen, k&ouml;nnen auch Bremen und Berlin schaffen&ldquo;, meinte der bayerische Finanzminister unl&auml;ngst <a href=\"http:\/\/www.focus.de\/politik\/deutschland\/bayern-will-deutsche-schuldenlaender-bestrafen-was-die-griechen-leisten-muessen-koennen-auch-bremen-_aid_702821.html\">in einem Focus-Interview<\/a>. Die gleichen Sanktionen, die jetzt f&uuml;r europ&auml;ische Staaten gelten, sollten auch auf die Regionen angewendet werden, die unsolide wirtschaften. Am besten sollte dann wohl die Troika aus EZB, IWF und EU-Kommission den Stadtstaaten Berlin und Bremen und s&auml;mtlichen  ostdeutschen L&auml;nder, die ja die haupts&auml;chlichen Nehmerl&auml;nder sind, einen Sparkatalog oktroyieren und wenn es sein muss eine Technokratenregierung aufzwingen. Und wenn sie nicht spuren, dann m&uuml;ssen sie Strafe bezahlen oder eben wie Griechenland den Euro aufgeben, den europ&auml;ischen W&auml;hrungsraum verlassen und die D-Mark-Ost einf&uuml;hren.<br>\nMit solchen populistischen Parolen begr&uuml;ndet die bayerische Staatsregierung ihre Klage gegen den L&auml;nderfinanzausgleich vor dem Bundesverfassungsgericht. Schaut man genauer hin, ist das Get&ouml;se nicht mehr als der vorgezogene Wahlkampf einer immer nerv&ouml;ser werdenden CSU und eines immer unkalkulierbareren Ministerpr&auml;sidenten Horst Seehofer.<br>\nVon <strong>Wolfgang Lieb<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nVon 1950 bis 1986 und zuletzt noch einmal 1992 war der bis dahin eher l&auml;ndlich und agrarisch strukturierte Freistaat Bayern Nehmerland im mit der Finanzverfassungsreform 1969 geregelten L&auml;nderfinanzausgleich. Bis zur deutschen Vereinigung war das Transfervolumen zwischen den westlichen L&auml;ndern mit 1,8 Milliarden Euro eher klein. Erst mit dem Beitritt der ostdeutschen L&auml;nder stieg dieses Volumen deutlich an und erreichte im vergangenen Jahr 7,3 Milliarden Euro. Davon kamen rund 80% den ostdeutschen L&auml;ndern und dabei vor allem auch Berlin zugute.<\/p><p>Bayerns Anteil an den Ausgleichszahlungen wuchs ab Mitte der 90er Jahre immer st&auml;rker an und 2011 hatte der Freistaat mit 3,663 Milliarden Euro mehr als die H&auml;lfte des Gesamtvolumens im L&auml;nderfinanzausgleich aufzubringen. (Siehe <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/L%C3%A4nderfinanzausgleich\">die Volumina und die Entwicklung der Ausgleichszahlungen seit 1950 unter &bdquo;Finanzvolumen&ldquo;<\/a> und siehe auch <a href=\"http:\/\/www.focus.de\/finanzen\/steuern\/62-jahre-laenderfinanzausgleich-freistaat-bayern-wird-klagen-gerechtfertigt-oder-nicht_aid_783009.html\">die Einnahmen und Ausgaben der L&auml;nder im Saldo seit 1950<\/a>). Hessen und Baden-W&uuml;rttemberg zahlten im letzten Jahr je 1,8 Milliarden Euro ein und Hamburg 62 Millionen.<\/p><p>Seit Mitte der 90er-Jahre sind diese Ausgleichszahlungen Bayern nat&uuml;rlich ein Dorn im Auge und man konnte darauf setzen, dass immer, wenn die bayerische Landesregierung und damit die regierende CSU in politische Schwierigkeiten gerieten, der jeweilige Ministerpr&auml;sident den L&auml;nderfinanzausgleich in Frage stellte. So jetzt auch wieder vor der 2013 anstehenden Landtagswahl, bei der der &bdquo;naturgesetzliche&ldquo; Regierungsanspruch der seit 1954 regierenden CSU erstmals wieder bedroht erscheint. <\/p><p>Also zieht man mal wieder das Aufregerthema L&auml;nderfinanzausgleich aus der Schublade. Der bayerische Ministerpr&auml;sident Horst Seehofer, der <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article108314378\/Deutsche-nehmen-Horst-Seehofer-nicht-mehr-ernst.html\">wegen seiner politischen Bockspr&uuml;nge in der Bev&ouml;lkerung immer weniger ernst genommen wird<\/a>,  will dagegen im Herbst eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht einreichen. Selbst die bayerische Staatskanzlei rechnet zwar nicht mit einer Entscheidung des Gerichts vor der Landtagswahl und der Bundestagswahl im Herbst 2013, doch bis dahin kann man den Streit jedenfalls am Kochen halten. Und dass man jetzt eine Klage ank&uuml;ndigt, die man erst im Herbst einreichen will, hat mit Sicherheit vor allem damit  zu tun, dass man das Sommerloch mit einem Reizthema f&uuml;llen will. K&ouml;nnen doch damit zwei Botschaften transportiert werden: Erstens, dass Bayern das finanzst&auml;rkste Bundesland ist. Zweitens: Steuern sind immer ein Aufreger f&uuml;r die W&auml;hlerinnen und W&auml;hler und mit den den Bayern entgehenden Steuermilliarden l&auml;sst sich ganz gut das ohnehin ausgepr&auml;gte bayerische Nationalgef&uuml;hl ansprechen. So wirft etwa der als Wadenbei&szlig;er fungierende CSU-Generalsekret&auml;r Dobrindt den Kritikern dieses Vorsto&szlig;es vor &bdquo;SPD und Gr&uuml;nen verraten die bayerischen Interessen.&ldquo; <\/p><p>Dementsprechend wird das Thema durch die Scharfmacher innerhalb der CSU emotional aufgeheizt: &bdquo;Das, was die Griechen leisten m&uuml;ssen, k&ouml;nnen auch Bremen und Berlin schaffen&ldquo;, meinte der <a href=\"http:\/\/www.focus.de\/politik\/deutschland\/bayern-will-deutsche-schuldenlaender-bestrafen-was-die-griechen-leisten-muessen-koennen-auch-bremen-_aid_702821.html\">bayerische Finanzminister unl&auml;ngst in einem Focus-Interview<\/a>. Die gleichen Sanktionen, die jetzt f&uuml;r europ&auml;ische Staaten gelten, sollten auch auf die Regionen angewendet werden, die &bdquo;unsolide wirtschaften&ldquo;, drohte er an.<\/p><p>Am besten sollte nach S&ouml;der wohl die Troika aus EZB, IWF und EU-Kommission den Stadtstaaten Berlin und Bremen und s&auml;mtlichen  ostdeutschen L&auml;nder, die ja die haupts&auml;chlichen Nehmerl&auml;nder sind, einen Sparkatalog oktroyieren und wenn es sein muss eine Technokratenregierung aufzwingen. Und wenn sie nicht spuren, dann m&uuml;ssen sie Strafe bezahlen oder wom&ouml;glich &ndash; wie Griechenland &ndash; den Euro aufgeben, den europ&auml;ischen W&auml;hrungsraum verlassen und die D-Mark-Ost wieder einf&uuml;hren. <\/p><p>Das Thema eignet sich besonders gut f&uuml;r populistische Stimmungsmache. Der L&auml;nderfinanzausgleich regelt im System der bundesstaatlichen Finanz- und Steuerbeziehungen eine Ausgleichsleistung, deren Regeln kaum jemand versteht.<br>\nSo kann Bayerns Finanzminister S&ouml;der demagogisch behaupten: &bdquo;Wer in Deutschland unsolide wirtschaftet, soll weniger aus dem L&auml;nderfinanzausgleich bekommen.&ldquo;<\/p><p>Zumindest ein Finanzminister m&uuml;sste allerdings wissen, dass der L&auml;nderfinanzausgleich nicht auf die Schulden eines Landes abstellt, also nicht das Schuldenmachen belohnt, sondern dass die Ausgleichszahlungen nach der Steuerkraft der L&auml;nder berechnet werden, also danach, was die L&auml;nder einnehmen und nicht danach wie viel Geld die L&auml;nder ausgeben. Nordrhein-Westfalens Finanzminister Norbert Walter-Borjans nennt die Vorw&uuml;rfe aus Bayern deshalb zu Recht &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/politik\/laenderfinanzausgleich-nrw-wirft-bayern--arglistige-taeuschung--vor,1472596,11581354.html\">eine arglistige T&auml;uschung<\/a>&ldquo;. <\/p><p><strong>Um was geht es eigentlich beim L&auml;nderfinanzausgleich:<\/strong><\/p><p>Grunds&auml;tzlich speist sich der Gedanke eines finanziellen Ausgleichs aus dem in Art. 72 des Grundgesetzes verankerten Ziel der &bdquo;Herstellung gleichwertiger Lebensverh&auml;ltnisse im Bundesgebiet&ldquo;. Dar&uuml;ber hinaus ergibt sich aus Art. 107 Abs. 2 GG eine Art Solidarprinzip zwischen den L&auml;ndern: &bdquo;Durch das Gesetz ist sicherzustellen, dass die unterschiedliche Finanzkraft der L&auml;nder angemessen ausgeglichen wird; hierbei sind die Finanzkraft und der Finanzbedarf der Gemeinden (Gemeindeverb&auml;nde) zu ber&uuml;cksichtigen. Die Voraussetzungen f&uuml;r die Ausgleichsanspr&uuml;che der ausgleichsberechtigten L&auml;nder und f&uuml;r die Ausgleichsverbindlichkeiten der ausgleichspflichtigen L&auml;nder sowie die Ma&szlig;st&auml;be f&uuml;r die H&ouml;he der Ausgleichsleistungen sind in dem Gesetz zu bestimmen.&ldquo;<\/p><p>Dieser Ausgleich, der nicht mit Gleichmacherei zu verwechseln ist, soll in der bestehenden Finanzverfassung einmal durch die Aufteilung der Steuerertr&auml;ge zwischen Bund und L&auml;ndern gew&auml;hrleistet werden.  (Dar&uuml;ber hinaus kann der Bund aus seinen Mitteln leistungsschwachen L&auml;ndern Erg&auml;nzungszuweisungen zuteilen.)<\/p><p>Zum anderen soll es auch noch einen horizontalen Finanzausgleich (Art. 107 GG) zwischen den L&auml;ndern geben. <\/p><p>Nach der letzten Novellierung des Finanzausgleichsgesetze im Jahr 2001 auf <a href=\"http:\/\/www.bundesverfassungsgericht.de\/entscheidungen\/fs19991111_2bvf000298.html\">der Basis eines Verfassungsgerichtsurteil aus dem Jahr 1999<\/a>, die der damalige bayerische Ministerpr&auml;sident Stoiber wesentlich mitbestimmt hat und der der damalige Bundestagsabgeordnete Seehofer zugestimmt hat, wird in einem ziemlich komplizierten Verfahren die Finanzkraft der einzelnen L&auml;nder je Einwohner ermittelt. Die so festgestellte Finanzkraft bildet die Grundlage f&uuml;r den Finanzausgleich unter den L&auml;ndern. Grunds&auml;tzlich sind L&auml;nder, deren Finanzkraft unter dem Durchschnitt liegt ausgleichsberechtigt, diejenigen, deren Finanzkraft dar&uuml;ber liegt, sind ausgleichspflichtig.<br>\nNach einem weiteren ziemlich komplizierten mathematischen Berechnungsverfahren, &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.historisches-lexikon-bayerns.de\/artikel\/artikel_46162\">das dem Grundsatz folgt, Finanzkraft nahe am Durchschnitt nur gering abzusch&ouml;pfen oder aufzuf&uuml;llen und Finanzkraft weiter vom Durchschnitt entfernt st&auml;rker abzusch&ouml;pfen oder aufzuf&uuml;llen<\/a>&ldquo; sollen die Finanzkraftunterschiede unter den L&auml;nder keineswegs ausgeglichen aber wenigstens abgemildert werden. <\/p><p>Es ist wohl jedermann einsichtig, dass stark l&auml;ndlich gepr&auml;gte L&auml;nder mit wenig Industrie und geringerem Einkommen der Einwohner, wie etwa Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern eine erheblich geringere Finanzkraft haben, als stark industrialisierte L&auml;nder, wie etwa eben Bayern oder Baden-W&uuml;rttemberg oder der Finanzplatz Hessen. Und es ist offensichtlich, dass z.B. Berlin oder Bremen durch bundesgesetzliche Belastungen etwa mit  Hartz IV und Sozialhilfe erheblich st&auml;rker belastet werden, als die prosperierenden s&uuml;dlichen L&auml;nder mit geringerer Arbeitslosigkeit. Die Finanzkraft der ostdeutschen L&auml;nder leidet dar&uuml;ber hinaus durch die Abwanderung der jungen Leute nach Westen. Es liegt auf der Hand, dass diese L&auml;nder aufgrund der niedrigeren Steuereinnahmen bei gleichzeitig bundesgesetzlich auferlegten Soziallasten ohne Ausgleichszahlungen in einen Teufelskreis gerieten, dem sie sich aus eigener Kraft nicht mehr entziehen k&ouml;nnten. <\/p><p>Dass die ostdeutschen L&auml;nder oder Berlin und Bremen hoch verschuldet sind, hat also keineswegs vor allem damit etwas zu tun, dass diese L&auml;nder &bdquo;unsolide wirtschaften&ldquo;, wie die CSU behauptet, sondern zum gr&ouml;&szlig;ten Teil damit, dass diese L&auml;nder etwa durch den Vollzug von Bundesgesetzen (Sozialgesetzgebung) und der verfassungsrechtlich gebotenen Erf&uuml;llung von Landesaufgaben (z.B. Schule, Polizei etwa in Berlin)  besonders belastet sind. Berlin f&auml;hrt seit vielen Jahren einen rigiden Konsolidierungskurs, z.B. mit einer Halbierung des Personals im &ouml;ffentlichen Dienst in den letzten zwei Dekaden, dennoch ist der Stadtstadt <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/newsticker\/dpa_nt\/infoline_nt\/thema_nt\/article108315992\/Hauptzahler-und-Hauptempfaenger.html\">noch immer mit 63 Milliarden Euro verschuldet<\/a>.  <\/p><p>Wenn Bayern nun die bis 2019 geltende Regelung des Finanzausgleichs in Frage stellt, begibt sie sich die Landesregierung auf d&uuml;nnes Eis. So hat Nordrhein-Westfalen schon angedroht, dass damit auch andere Ausgleichsvereinbarungen zwischen den L&auml;ndern zur Disposition gestellt werden k&ouml;nnten. <\/p><p>Dieser Ausgleich zwischen den L&auml;ndern hat n&auml;mlich auch noch eine andere Ebene als die Finanzkraft pro Kopf, n&auml;mlich den Umsatzsteuerausgleich. Die Umsatzsteuer macht mit 573.352 Milliarden Euro (2011)  rund <a href=\"http:\/\/www.bundesfinanzministerium.de\/Content\/DE\/Standardartikel\/Themen\/Steuern\/Steuerschaetzungen_und_Steuereinnahmen\/2012-05-29-steuereinnahmen-nach-steuerarten-2010-2011.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=3\">ein Drittel der gesamten Steuereinnahmen [PDF &ndash; 8.3 KB]<\/a>. Die Umsatzsteuer geht je zur H&auml;lfte an den Bund und an die L&auml;nder bzw. Kommunen. <\/p><p>Der Umsatzsteuerausgleich zwischen den L&auml;ndern ist dem L&auml;nderfinanzausgleich vorgeschaltet. Maximal 25 % des Umsatzsteueranteils der L&auml;nder werden vorab dazu verwendet die Finanzkraft der finanzschw&auml;cheren L&auml;nder der durchschnittlichen Finanzkraft aller L&auml;nder anzun&auml;hern. Das <a href=\"http:\/\/www.bundesfinanzministerium.de\/Content\/DE\/Monatsberichte\/Standardartikel_Migration\/2012\/02\/analysen-und-berichte\/b03-Ergebnisse-des-Laenderfinanzausgleichs-2011\/Ergebnisse-des-Laenderfinanzausgleichs-2011.html#doc217164bodyText2\">Volumen des Umsatzsteuerausgleichs lag 2011 bei 7,3 Milliarden Euro<\/a> und ist damit ann&auml;hernd so gro&szlig; wie die Gesamtsumme, die &uuml;ber den L&auml;nderfinanzausgleich umverteilt wird.<\/p><p>Aufgrund der Gr&ouml;&szlig;e des Landes zahlte  etwa Nordrhein-Westfalen 2011 mit 2,4 Milliarden weit mehr als Bayern, das 1,4 Milliarden in diesen Verteilungstopf einbringen musste. NRW erhielt jedoch mit gerade mal 200 Millionen erheblich weniger aus dem L&auml;nderfinanzausgleich als es &uuml;ber den Umsatzsteuerausgleich an andere L&auml;nder abgeben musste. <\/p><p>Mit dem gleichen Recht, mit dem sich Bayern &uuml;ber die Belastung im L&auml;nderfinanzausgleich beklagt, k&ouml;nnte sich Nordrhein-Westfalen &uuml;ber den vorgezogenen Umsatzsteuerausgleich beklagen. Der NRW-Finanzminister droht deshalb den Bayern an, die gesamten Bund-L&auml;nder-Finanzbeziehungen in Frage zu stellen, auch etwa die &uuml;ppigen Subventionen des Bundes f&uuml;r die bayerische Forschung.<\/p><p>Ob das Bundesverfassungsgericht die derzeitige Regelung f&uuml;r verfassungswidrig erkl&auml;ren wird, ist eine v&ouml;llig offene Frage. Deshalb setzen Geberl&auml;nder wie Hessen und Baden-W&uuml;rttemberg auch auf eine Verhandlungsl&ouml;sung. Eine Neuregelung steht 2019 ohnehin an. <\/p><p>Selbst Bayern geht nicht davon aus, dass die Karlsruher Richter vor 2013 ein Urteil f&auml;llen werden. Keinesfalls darf Bayern erwarten, dass die derzeitige Regelung sofort kassiert wird. Wenn das Gericht &uuml;berhaupt zu einer Beanstandung kommen sollte, dann d&uuml;rfte es mit Sicherheit &ndash; angesichts der Komplexit&auml;t der Materie &ndash; eine lange &Uuml;bergangsfrist zur Erf&uuml;llung eventueller richterlicher Vorgaben einr&auml;umen. Das Maximum was Bayern mit seiner Klage erreichen k&ouml;nnte, w&auml;re also eine Neuregelung der L&auml;nderfinanzbeziehungen ein oder h&ouml;chstens zwei Jahre vor dem Auslaufen der geltenden Regelung im Jahre 2019. Und ob dann Bayern wesentlich weniger in den L&auml;nderfinanzausgleich einbringen m&uuml;sste, das steht in den Sternen.<\/p><p>Das wissen auch die Bayern und deshalb ist die gestrige Klageank&uuml;ndigung nichts anderes als vorgezogenes Wahlkampfget&ouml;se. Es zeigt nur, wie nerv&ouml;s die CSU inzwischen vor der kommenden Wahlauseinandersetzung ist. <\/p><p>Wie l&auml;cherlich das Lamento der Bayern &uuml;ber die Belastung durch den L&auml;nderfinanzausgleich ist, zeigt sich auch daran, dass der bayerische Oberste Rechnungshof (ORH) in seinem Jahresbericht im Jahre 2012 den Vorwurf gemacht hat, dass der Freistaat seine j&auml;hrliche Steuereinnahmen sp&uuml;rbar erh&ouml;hen k&ouml;nnte, wenn er <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/bayern\/jahresbericht-vom-obersten-rechnungshof-ruege-von-der-finanzpolizei-1.1319902\">mehr Steuerpr&uuml;fer einstellen w&uuml;rde<\/a>. Damit k&ouml;nnten die knapp 3,7 Milliarden Euro Solidarleistungen an finanzschw&auml;chere L&auml;nder zu einem guten Teil wieder ausgeglichen werden.<\/p><p>Genau diesen Betrag von 3,7 Milliarden Euro musste der Freistaat &uuml;brigens in seine Landesbank pumpen um das Milliardengrab Hypo  Alpe Adria (HGAA) zu verdauen und <a href=\"http:\/\/tautenhahn.blog.de\/2012\/07\/17\/geht-schutz-bayerischer-steuergelder-14132749\/\">mit weiteren 10 Milliarden musste Bayern dieser Bank im Jahr 2008 unter die Arme greifen<\/a>.<br>\nAber diese Skandale &uuml;berdeckt die in diese Skandale tief verfilzte bayerische Landesregierung lieber mit Attacken gegen das Solidarit&auml;tsprinzip gegen&uuml;ber anderen L&auml;ndern. Wenn es drinnen stinkt, lenkt man den Blick nach drau&szlig;en.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Das, was die Griechen leisten m&uuml;ssen, k&ouml;nnen auch Bremen und Berlin schaffen&ldquo;, meinte der bayerische Finanzminister unl&auml;ngst <a href=\"http:\/\/www.focus.de\/politik\/deutschland\/bayern-will-deutsche-schuldenlaender-bestrafen-was-die-griechen-leisten-muessen-koennen-auch-bremen-_aid_702821.html\">in einem Focus-Interview<\/a>. Die gleichen Sanktionen, die jetzt f&uuml;r europ&auml;ische Staaten gelten, sollten auch auf die Regionen angewendet werden, die unsolide wirtschaften. Am besten sollte dann wohl die Troika aus EZB, IWF und EU-Kommission den Stadtstaaten Berlin<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13890\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[192,135,137,190],"tags":[803,1214,1215],"class_list":["post-13890","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-cducsu","category-finanzpolitik","category-steuern-und-abgaben","category-wahlen","tag-bayern","tag-laenderfinanzausgleich","tag-soeder-markus"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13890","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=13890"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13890\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":25341,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13890\/revisions\/25341"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=13890"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=13890"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=13890"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}