{"id":139007,"date":"2025-09-15T09:01:07","date_gmt":"2025-09-15T07:01:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=139007"},"modified":"2025-09-16T07:24:47","modified_gmt":"2025-09-16T05:24:47","slug":"zum-voelkermord-gezwungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=139007","title":{"rendered":"Zum V\u00f6lkermord gezwungen?"},"content":{"rendered":"<p>Der Vernichtungskrieg gegen die Hamas und Gaza sei alternativlos und aus Notwehr erfolgt, behauptet Israels Ministerpr&auml;sident Netanjahu. Was aber, wenn sich der Terroranschlag vom 7. Oktober 2023 h&auml;tte verhindern lassen? Vieles spricht daf&uuml;r, dass seine rechtsgerichtete Regierung die Dinge hat geschehen lassen. M&uuml;sste die Geschichte dann nicht umgeschrieben werden, fragt sich <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1501\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-139007-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250915_Zum_Voelkermord_gezwungen_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250915_Zum_Voelkermord_gezwungen_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250915_Zum_Voelkermord_gezwungen_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250915_Zum_Voelkermord_gezwungen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=139007-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250915_Zum_Voelkermord_gezwungen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250915_Zum_Voelkermord_gezwungen_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Seit bald zwei Jahren f&uuml;hrt Israel einen erbarmungslosen Krieg gegen die Hamas, Gaza und die pal&auml;stinensische Bev&ouml;lkerung. Sch&auml;tzungsweise 60.000 Menschen kamen dabei bis dato zu Tode, viele mehr wurden verwundet, verkr&uuml;ppelt, traumatisiert, und ein Ende des Gemetzels ist nicht in Sicht. Die israelische Regierung stellt den Feldzug als alternativlos dar. Sie handele aus Notwehr, hei&szlig;t es. Der &Uuml;berfall vom 7. Oktober 2023, als islamistische K&auml;mpfer auf israelisches Gebiet vordrangen, ein Massaker unter Zivilisten anrichteten und rund 240 Geiseln in den Gazastreifen verschleppten, h&auml;tte die politische F&uuml;hrung in Jerusalem zu einer umfassenden Antwort mit &auml;u&szlig;erster H&auml;rte und dem Ziel gezwungen, die terroristische Hamas bis auf den letzten Mann auszul&ouml;schen. Das ist die offizielle Darstellung.<\/p><p>Aber es bestehen Zweifel daran, die, falls sie zutreffen, einen anderen Gang der Ereignisse m&ouml;glich gemacht h&auml;tten &ndash; ohne einen so gewaltigen Blutzoll, mit deutlich weniger geschundenen Leibern und Seelen. Es gibt eine Reihe an Hinweisen, dass die Regierung von Benjamin Netanjahu im Vorfeld von den Angriffspl&auml;nen der Hamas wusste, jedoch nicht die n&ouml;tigen Vorkehrungen traf, sie zu durchkreuzen. Laut ausgesprochen hatte dies als einer der Ersten der US-amerikanische Journalist Max Blumenthal. Nach seiner &Uuml;berzeugung hat Israel die Attacke zugelassen, um einen Vorwand zu haben, selbst loszuschlagen. Blumenthal st&uuml;tzt sich auf Rechercheergebnisse, die in seinem Dokumentarfilm <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?t=14&amp;v=bFEurGy05ps&amp;embeds_referring_euri=https%3A%2F%2Fwww.infosperber.ch%2F&amp;source_ve_path=OTY3MTQ\">&bdquo;How Israel sells its destruction of Gaza&ldquo;<\/a> (&bdquo;Wie Israel seine Zerst&ouml;rung des Gazastreifens verkauft&ldquo;) zusammengestellt hat. Die darin vorgebrachte Anklage lautet: Netanjahu und seine rechtsextremen Minister h&auml;tten von Beginn an das Ziel verfolgt, die &Ouml;ffentlichkeit zu gewinnen f&uuml;r einen umfassenden Krieg und f&uuml;r weitere Besitznahmen im Westjordanland.<\/p><p><strong>Training auf dem Pr&auml;sentierteller<\/strong><\/p><p>Angesichts der Brisanz der Anschuldigungen erscheint es wie selbstverst&auml;ndlich, dass Blumenthal, obwohl selbst j&uuml;discher Abstammung, sowie seinem Kanal <a href=\"https:\/\/thegrayzone.com\/\">The Grayzone<\/a> das Stigma anhaftet, Antisemitismus und Verschw&ouml;rungstheorien zu verbreiten. Aber so einfach ist die Sache nicht. Tats&auml;chlich h&auml;tten sich in diesem Fall viele sogenannte Leitmedien auf gleiche Weise schuldig gemacht. Zum Beispiel ging schon Ende 2023 auch durch die deutsche Presse, dass es in den Wochen und Tagen vor dem &Uuml;berfall allerhand <a href=\"https:\/\/www.fr.de\/politik\/warnungen-hamas-ignoriert-israel-soldatinnen-sexismus-vorwuerfe-zr-92691065.html\">&bdquo;Warnungen&ldquo;<\/a> seitens Angeh&ouml;riger der israelischen Armee (IDF) gab, wonach jenseits der Grenze verd&auml;chtige Bewegungen vonstatten gingen. Bereits drei Monate vor dem Gro&szlig;angriff h&auml;tten Mitglieder eines von Frauen gef&uuml;hrten und direkt an der Grenze stationierten Aufkl&auml;rungstrupps von k&auml;mpferischen Aktivit&auml;ten berichtet. Sp&auml;ter machten sie auch auf &Uuml;bungen und Drohnenman&ouml;ver aufmerksam. Selbst Angriffe auf gepanzerte Fahrzeuge, mithilfe einer genauen Nachahmung des israelischen Kampfpanzers Merkava 4, seien trainiert worden. Au&szlig;erdem h&auml;tten Hamas-K&auml;mpfer Sprengs&auml;tze in L&ouml;chern entlang der Grenze platziert.<\/p><p>Die Soldatinnen gaben die Informationen an die Armeef&uuml;hrung weiter, doch die interessierte sich offenbar nicht daf&uuml;r. &bdquo;Es macht w&uuml;tend! Wir sahen, was passierte, wir haben ihnen davon berichtet und wir waren diejenigen, die ermordet wurden&ldquo;, &auml;u&szlig;erte sich eine der Frauen, Maya Desiatnik, im Interview mit dem israelischen TV-Sender <em>KAN<\/em>. Bei dem &Uuml;berfall wurden 15 Angeh&ouml;rige des Sp&auml;htrupps get&ouml;tet, sieben weitere fielen als Geiseln in die H&auml;nde der Hamas. &Uuml;ber die Vorg&auml;nge berichteten seinerzeit auch der <em>Spiegel<\/em>, die <em>Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ)<\/em>, <em>Die Zeit<\/em>, die <em>S&uuml;ddeutsche Zeitung (SZ) <\/em>und viele andere namhafte Organe. Die Artikel sind fast ausnahmslos hinter der Bezahlschranke verschanzt, eine g&auml;ngige Masche im Umgang mit Neuigkeiten, die nicht f&uuml;r die breite Masse bestimmt sind.<\/p><p><strong>Elefant im Raum<\/strong><\/p><p>Dazu kommt: Die Schreiber ersch&ouml;pfen sich in der Wiedergabe von offenkundig Skandaltr&auml;chtigem, wollen aber keinen Skandal daraus machen, indem sie den &bdquo;Elefanten im Raum&ldquo; links liegen lassen. Wie kann es sein, dass derart hochger&uuml;stete Streitkr&auml;fte wie die israelischen &uuml;ber eine augenf&auml;llig extrem ernste Gefahrenlage einfach hinwegsehen konnten? Wieso waren am 7. Oktober Meldungen zufolge nur <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/asien\/israel-armee-hamas-angriff-100.html\">zw&ouml;lf Panzer und 600 Soldatinnen und Soldaten<\/a> zur Verteidigung einer 65 Kilometer langen Grenze abkommandiert? Die britische <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/articles\/cg7825rk8j9o\"><em>BBC<\/em><\/a> enth&uuml;llte vor einem Jahr durch Befragung von Soldaten: Es gab vielf&auml;ltige verd&auml;chtige Aktivit&auml;ten in den Wochen vor dem Angriff, die wenige Tage davor pl&ouml;tzlich eingestellt wurden. Viele Grenzsoldaten waren unbewaffnet, und die offiziellen Richtlinien sahen vor, dass sie sich bei einem Angriff zur&uuml;ckziehen sollten, anstatt vorzur&uuml;cken.<\/p><p>In deutschen Redaktionen gab man sich f&uuml;r all das mit haneb&uuml;chenen Erkl&auml;rungen der Verantwortlichen zufrieden. So wurde etwa die Geschichte von frauenfeindlichen Tendenzen in der Armee hochgekocht, mit welcher man den Sp&auml;herinnen andichtete, keine Ahnung von Aufkl&auml;rungsarbeit zu haben. Wer soll so etwas glauben? Wegen der vielen Ungereimtheiten dr&uuml;ckten nachher Israels Milit&auml;r- und Geheimdienstchefs die B&uuml;&szlig;erbank. So trat Tage nach der Attacke Generalstabschef Herzi Halevi vor die Kameras und beschied: <a href=\"https:\/\/www.juedische-allgemeine.de\/israel\/idf-stabschef-halevi-gesteht-wir-haben-versagt\/\">&bdquo;Die IDF ist f&uuml;r die Sicherheit des Landes und seiner B&uuml;rger verantwortlich, und am Samstagmorgen haben wir uns in der Gegend um den Gazastreifen nicht darum gek&uuml;mmert.&ldquo;<\/a> Vom Chef des Milit&auml;rgeheimdienstes, Aharon Haliva, ist der Satz aus einem Offenen Brief an die Bev&ouml;lkerung Israels &uuml;berliefert: <a href=\"https:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/terror-in-israel-hamas-probte-massaker-geheimdienste-schauten-weg-929935682374\">&bdquo;Wir haben bei unserer wichtigsten Aufgabe versagt.&ldquo;<\/a><\/p><p><strong>Versagen nach Plan?<\/strong><\/p><p>Der 7. Oktober wird gemeinhin als das 9\/11 Israels bezeichnet, in Erinnerung an die Terrorattacken gegen die USA vom 11. September 2001, als in New York die WTC-Zwillingst&uuml;rme vermeintlich durch den Einschlag zweier Airliner zu Boden gingen. Auch an diesem Tag sollen s&auml;mtliche zivilen und milit&auml;rischen Abwehrsysteme &bdquo;versagt&ldquo; haben, und auch damals gab es im Vorfeld vielf&auml;ltige Warnungen durch ausl&auml;ndische Dienste ob eines bevorstehenden Terrorangriffs. Ein Jahr darauf r&auml;umte der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses des Senats, Bob Graham, ein: <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/11-september-geheimdienst-versagen-von-beispiellosem-ausmass-a-214625.html\">&bdquo;Wir wissen jetzt, dass unsere Unf&auml;higkeit, die Anschl&auml;ge vom 11. September vorherzusagen und zu verhindern, ein Geheimdienstversagen von beispiellosem Ausma&szlig; war.&ldquo;<\/a><\/p><p>Dumm gelaufen eben. Wie 22 Jahre sp&auml;ter in Israel. Drei Tage vor dem &Uuml;berfall &uuml;bermittelte der &auml;gyptische Geheimdienst GIS Israel eine dringliche Warnung, wonach aus dem Gazastreifen eine gro&szlig;e Gefahr drohe. Best&auml;tigt wurde dies durch Michael McCaul, den Vorsitzenden des Ausschusses f&uuml;r Ausw&auml;rtige Angelegenheiten im US-Repr&auml;sentantenhaus. Die Nachrichtenagentur <em>AP<\/em> st&uuml;tzte die Darstellung unter Berufung auf eine &auml;gyptische Geheimdienstquelle. Was machte der IDF daraus? Laut einem israelischen Fernsehbericht sollen hohe Milit&auml;rs aufgrund diverser Warnungen nur wenige Stunden vor der Attacke eine telefonische Beratung abgehalten haben. Die beteiligten Gener&auml;le, darunter Yaron Finkelman, damals Chef des IDF-S&uuml;dkommandos, und besagter Haliva, h&auml;tten allerdings beschlossen, bis zum Morgen abzuwarten, um dann erst zu reagieren. Der Schlag gegen Gemeinden im S&uuml;den des Landes erfolgte allerdings gegen 6.00 Uhr in der Fr&uuml;h. Das hatte der IDF wohl verschlafen.<\/p><p><strong>Gro&szlig;angriff verschlafen<\/strong><\/p><p>Dabei ist an diesem Tag einiges mehr &bdquo;schiefgelaufen&ldquo;. Aufgelistet findet sich das in einem <a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/politik\/welt\/israel-ermoeglichte-hamas-ueberfall-um-selber-loszuschlagen\/\">Beitrag des Schweizer Portals <em>Infosperber<\/em><\/a> vom 4. Oktober. So schilderte vor knapp zwei Monaten der IDF-Soldat Shalom Sheetrit vor einem Ausschuss des israelischen Parlaments (Knesset) die <a href=\"https:\/\/thecradle.co\/articles\/israeli-soldier-reveals-strange-order-to-cancel-gaza-border-patrols-on-7-oct\">Ereignisse<\/a> wie folgt: Um 5.20 Uhr h&auml;tten er und seine Kameraden am Au&szlig;enposten des Kibbuz Be&rsquo;eri den Befehl erhalten, bis um 9.00 Uhr keine Patrouillen an die Grenze zu schicken. Derlei Order sei davor und danach niemals ausgegeben worden und habe jeder Logik und jedem Protokoll widersprochen, befand Sheetrit. Sp&auml;ter kamen in der Gegend &uuml;ber hundert Israelis in einem der blutigsten Gefechte des Tages ums Leben. Nachtr&auml;glich hie&szlig; es zur Begr&uuml;ndung des Befehls, es habe Scharfsch&uuml;tzengefahr bestanden.<\/p><p>Mit den vielen Toten hat sich einmal mehr der Journalist Blumenthal befasst. Er vertritt die Sicht, dass nicht wenige der Gefallenen, darunter auch Zivilisten, nicht Opfer der Hamas, sondern des Beschusses durch den IDF wurden. Belegen will er das mit Aufnahmen des Zielradars eines Apache-Helikopters, die zeigen, wie dieser fliehende Menschen und Autos unter Feuer nimmt. Er zitiert einen Piloten, der seine Ziele so ausgew&auml;hlt habe, &bdquo;dass die Chance, auch Geiseln zu treffen, m&ouml;glichst gering ist&ldquo;. V&ouml;llig sicher habe er sich aber nicht sein k&ouml;nnen. Auch k&ouml;nnten die erheblichen Sch&auml;den an Fahrzeugen durch Einschl&auml;ge von schwerem Gesch&uuml;tz nicht auf das Konto der &bdquo;leicht bewaffneten Hamas-K&auml;mpfer&ldquo; gegangen sein, glaubt Blumenthal.<\/p><p><strong>Hannibal-Direktive<\/strong><\/p><p>F&uuml;r ihn erkl&auml;rt sich das Vorgehen des IDF mit dem sogenannten Hannibal-Protokoll, einer Anordnung, die das Milit&auml;r dazu verpflichtet, die Geiselnahme von Israelis um jeden Preis zu vereiteln, auch um den, vom Gegner festgesetzte Soldaten zu opfern, sprich zu t&ouml;ten. Jens Berger hatte die Thematik im Juli 2024 im Beitrag <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=117787\">&bdquo;Israel und die Hannibal-Direktive&ldquo;<\/a> aufgegriffen und unter Verweis auf einen Bericht der israelischen Zeitung <a href=\"https:\/\/archive.vn\/863CP\"><em>Haaretz<\/em><\/a> geschrieben, dass am 7. Oktober in mindestens drei konkreten F&auml;llen das Hannibal-Protokoll befehligt wurde. Sollte dem so gewesen sein, h&auml;tte das eine neue Qualit&auml;t, weil dann neben Armeeangeh&ouml;rigen mithin auch israelische Zivilisten gezielt exekutiert worden w&auml;ren.<\/p><p>Der Infosperber-Beitrag liefert weiteren Stoff, der das Narrativ vom &Uuml;berraschungscoup der Hamas zum Wackeln bringt. Demnach existierte schon &uuml;ber ein Jahr vor dem &Uuml;berfall ein Bericht mit dem Codenamen &bdquo;Jericho Wall Report&ldquo;, angefertigt durch die Geheimdiensteinheit &bdquo;Unit 8200&ldquo;. Das rund 40-seitige Dokument, &uuml;ber dessen Inhalte am 30. November 2023 <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2023\/11\/30\/world\/middleeast\/israel-hamas-attack-intelligence.html\">die <em>New York Times (NYT)<\/em> informierte<\/a>, beschreibt Punkt f&uuml;r Punkt Tatabl&auml;ufe, die sich nahezu identisch am 7. Oktober bewahrheiten sollten &ndash; im Einzelnen: Befestigungsanlagen um den Gazastreifen &uuml;berw&auml;ltigen, israelische Orte erobern, wichtige Milit&auml;rst&uuml;tzpunkte st&uuml;rmen, darunter ein Divisionshauptquartier, Ausschalten von Sicherheitskameras, Einsatz von Drohen, automatisierten Maschinengewehren, Gleitschirmen und Motorr&auml;dern. Zitat der <em>NYT<\/em>: &bdquo;Die Hamas folgte dem Plan mit erschreckender Pr&auml;zision.&ldquo; Drei Monate vor dem Angriff wandte sich ein Mitglied der Einheit mit den Erkenntnissen an die Geheimdienstf&uuml;hrung mit der Ansage: &bdquo;Das ist ein Plan, um einen Krieg zu starten.&ldquo; Aber die Vorgesetzten winkten ab mit der &bdquo;Einsch&auml;tzung&ldquo;, zu einem Schlag dieser Gr&ouml;&szlig;enordnung sei die Hamas gar nicht f&auml;hig.<\/p><p><strong>N&uuml;tzliche Terroristen<\/strong><\/p><p>Auch hier zeigen sich Parallelen zum 11. September. Nicht nur waren seinerzeit ebenfalls Warnungen in den Wind geschlagen worden. Am Tag der Geschehnisse fanden &uuml;berdies im amerikanischen Luftraum &Uuml;bungen statt, die exakt jenes Szenario einer gro&szlig; angelegten Terrorattacke &bdquo;simulierten&ldquo; (kommerzielle Flieger als Waffen), die dann zeitgleich zur Realit&auml;t wurde. Solche Zuf&auml;lle sind verst&ouml;rend, aber durchaus keine Einzelf&auml;lle im Umfeld gr&ouml;&szlig;erer, weltbewegender Katastrophen. Man stelle sich vor, die US-Milit&auml;rs und -Geheimdienste h&auml;tten nicht auf ganzer Linie &bdquo;gepatzt&ldquo; und 9\/11 verhindert. W&auml;re dann der &bdquo;Krieg gegen den Terror&ldquo; mit den Invasionen in Afghanistan und im Irak, sp&auml;ter den Verw&uuml;stungen Libyens und Syriens zu rechtfertigen gewesen?<\/p><p>Dazu passt, was die <em>New York Times<\/em> noch ans Licht brachte: Der &Ouml;lstaat Katar hat die Hamas im Laufe der Jahre im Volumen von insgesamt einer Milliarde Dollar gef&ouml;rdert. Netanjahu soll diese Zahlungen nicht nur toleriert, sondern logistisch unterst&uuml;tzt haben. Laut der US-Zeitung dienten die Transfers dazu, die <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2023\/12\/10\/world\/middleeast\/israel-qatar-money-prop-up-hamas.html\">Kontrolle der Hamas &uuml;ber den Gazastreifen zu stabilisieren<\/a> und die gem&auml;&szlig;igte Fatah zu schw&auml;chen. Der Verweis auf die Radikalit&auml;t der Hamas lieferte Israels Staatschef die Vorlage, internationale Forderungen nach einer Zweistaatenl&ouml;sung abzuwehren. Denn mit &bdquo;Terroristen&ldquo; k&ouml;nne nicht verhandelt werden.<\/p><p><strong>L&uuml;gner und Verschw&ouml;rer<\/strong><\/p><p>L&uuml;gen geh&ouml;ren zum festen &bdquo;Instrumentarium&ldquo; gro&szlig;er Umw&auml;lzungen. Man denke daran, wie der fr&uuml;here US-Au&szlig;enminister Colin Powell dem Irak den Besitz von Massenvernichtungswaffen andichtete; oder an die Kampagne, wonach irakische Soldaten am &bdquo;Vorabend&ldquo; des Zweiten Golfkriegs (1990) S&auml;uglinge aus Brutk&auml;sten in einem kuwaitischen Krankenhaus gezerrt haben sollen, um sie auf dem kalten Boden elendig verenden zu lassen. &Auml;hnliches wurde von den Hamas-K&auml;mpfern behauptet, die Babys enthauptet und schwangere Frauen aufgeschlitzt haben sollen. Beweise dazu liegen bis heute nicht vor, so wenig wie solche zu angeblich massenhaft ver&uuml;bten Vergewaltigungen, was im Januar eine <a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2025\/01\/23\/nmsc-j23.html\">israelische Staatsanw&auml;ltin<\/a> klarstellte.<\/p><p>Das macht die schrecklichen Taten der Hamas vom 7. Oktober nicht besser. Ohne Frage haben aber entsprechende Gr&auml;uelgeschichten im Verbund mit anderen Verf&auml;lschungen und Verzerrungen dazu beigetragen, dass sich die israelische Gesellschaft ziemlich bereitwillig f&uuml;r einen Feldzug hat einspannen lassen, der nach Lage der Dinge von langer Hand geplant war &ndash; und f&uuml;r dessen Verwirklichung es blo&szlig; eines passenden Anlasses bedurfte. Skeptisch sollte bei all dem auch das machen: Weshalb entschied sich die Hamas zu einem Kriegsakt, der ziemlich absehbar ihre eigene und die Vernichtung Gazas zur Folge haben musste? Schluss mit Verschw&ouml;rungstheorien!<\/p><p><small>Titelbild: tayifmukta \/ Shutterstock.com<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/3f6d47dd57654175ac09abe532b505f2\" alt=\"\" title=\"\" height=\"1\" width=\"1\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Vernichtungskrieg gegen die Hamas und Gaza sei alternativlos und aus Notwehr erfolgt, behauptet Israels Ministerpr&auml;sident Netanjahu. Was aber, wenn sich der Terroranschlag vom 7. Oktober 2023 h&auml;tte verhindern lassen? Vieles spricht daf&uuml;r, dass seine rechtsgerichtete Regierung die Dinge hat geschehen lassen. M&uuml;sste die Geschichte dann nicht umgeschrieben werden, fragt sich <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag ist<\/em><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=139007\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":139008,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,171,11],"tags":[1194,302,901,1917,822,1557,1611,1926,2360],"class_list":["post-139007","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-militaereinsaetzekriege","category-strategien-der-meinungsmache","tag-1194","tag-gaza","tag-geheimdienste","tag-genozid","tag-hamas","tag-israel","tag-kriegsluegen","tag-netanjahu-benjamin","tag-zivile-opfer"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/shutterstock_2582572161.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/139007","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=139007"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/139007\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":139064,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/139007\/revisions\/139064"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/139008"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=139007"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=139007"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=139007"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}