{"id":13908,"date":"2012-07-19T09:27:45","date_gmt":"2012-07-19T07:27:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13908"},"modified":"2015-03-09T11:53:25","modified_gmt":"2015-03-09T10:53:25","slug":"politische-okonomie-der-alterssicherung-kritik-der-reformdebatte-um-generationengerechtigkeit-demographie-und-kapitalgedeckte-finanzierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13908","title":{"rendered":"Politische \u00d6konomie der Alterssicherung &#8211; Kritik der Reformdebatte um Generationengerechtigkeit, Demographie und kapitalgedeckte Finanzierung"},"content":{"rendered":"<p>Sp&auml;testen seit den 1970er Jahren setzte sich in der tonangebenden sozialpolitischen, &ouml;konomischen und &ouml;ffentlichen Debatte nach und nach die &Uuml;berzeugung durch, dass ein &uuml;ber Steuern und\/oder Abgaben im Umlageverfahren finanziertes staatlich organisiertes System der Alterssicherung ungerecht, ineffizient und aufgrund demographischer Entwicklungen in Zukunft nicht l&auml;nger finanzierbar sei. Aufgrund dieser radikalen Kritik an den international so bezeichneten PAYGO-Systemen (hierunter f&auml;llt auch die gesetzliche Rentenversicherung in Deutschland) wurde alternativ die private, kapitalgedeckte Organisation und Finanzierung der Alterssicherung favorisiert. Ungeachtet des jeweiligen Verfahrens (als individuelle Altersvorsorge, betriebliche Vorsorge und\/oder als erg&auml;nzende kapitalgedeckte Komponente im gesetzlichen, umlagefinanzierten System) sei dieser Ansatz prinzipiell viel gerechter und rentabler und w&uuml;rde zudem die dr&auml;ngenden demographischen Probleme effektiver verarbeiten, so zumindest die popul&auml;re &Uuml;berzeugung. Wenngleich die polarisierende Argumentation in den 1970er Jahren noch nicht detailliert ausgearbeitet und &ouml;ffentlich anerkannt war, trug sie doch ma&szlig;geblich dazu bei, die Phase des forcierten Auf- und Ausbaus der PAYGO-Systeme nach 1945 zu beenden und eine Phase der Gegenreform vorzubereiten und ein neues, orthodoxes Reformparadigma zu begr&uuml;nden. Die Zusammenfassung der Doktorarbeit von <strong>Christian Christen[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>]<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nAn diesem Reformparadigma ansetzend wurden die Leistungen der ersten S&auml;ule der Alterssicherung (PAYGO-Systeme) innerhalb der OECD ab den 1980er Jahren stetig reduziert und hier&uuml;ber u.a. deren Funktionalit&auml;t schwer beeintr&auml;chtigt und sozialpolitische Legitimit&auml;t besch&auml;digt. Parallel intervenierte die Politik zugunsten der kapitalgedeckten zweiten (betrieblichen) und dritten (individuellen) S&auml;ule und subventioniert seither deren Auf- und Ausbau &uuml;ber Steuergelder aus dem &ouml;ffentlichen Budget massiv. Die so stetig gef&ouml;rderte betriebliche, individuelle Vorsorge wird meist &uuml;ber private Finanzdienstleister organisiert, die nach bestimmten gesetzlichen Vorgaben so genannte &bdquo;Altersvorsorgeprodukte&ldquo; konstruieren und anbieten. Die Finanzdienstleister sollen ihrerseits die eingesammelten Gelder ihrer Kunden auf den Geld- und Kapitalm&auml;rkten (dem Finanzmarkt) rentabel anlegen, um die sinkenden Leistungen der PAYGO-Systeme zu kompensieren und ein hohes Einkommen im Ruhestand generieren &ndash; so die Hoffnung, die hinter jeder F&ouml;rderung der privaten Altersvorsorge steht. <\/p><p>In den 1990er Jahren hat die Fundamentalkritik an der umlagefinanzierten Alterssicherung schlie&szlig;lich auch die deutsche Debatte erreicht und pr&auml;gt sie bis heute. Beginnend mit der rot-gr&uuml;nen Regierung unter Kanzler Schr&ouml;der (1998-2002) &uuml;bersetzte sich die orthodoxe Gegenreform dann konkret in den radikalen Kurswechsel sowohl bei der Organisation als auch der Finanzierung der Alterssicherung (u.a. Einf&uuml;hrung der so genannten Riester-Rente, stetige Leistungsk&uuml;rzungen bei der gesetzlichen Rente, Einf&uuml;hrung der Rente mit 67). Die Legitimation des Kurswechsels sind vielf&auml;ltig, basieren aber dennoch allesamt auf den sozialpolitischen, demographischen wie makro&ouml;konomischen und finanzmarkttheoretischen Positionen, wie sie sich seit den 1970er Jahren entwickelt haben. Die Debattenbeitr&auml;ge in Deutschland seit den 1990er Jahren sind dabei nicht einmal besonders &uuml;berzeugend oder gar intelligent. Sie sind in weiten Teilen nur ein zweiter\/dritter schlechter &bdquo;Aufguss&ldquo; und reflektieren bis heute kaum ansatzweise die Breite internationale Diskussion, die sowohl den Umbau der Organisation und Finanzierung der Alterssicherung in Theorie wie auch in der jahrzehntelangen Praxis kritisch in den Blick nimmt.<\/p><p><strong>Fragestellung und Forschungsansatz<\/strong><\/p><p>Diese L&uuml;cke habe ich versucht in einer umfassenden Forschungsarbeit zu schlie&szlig;en und f&uuml;r die kritische deutschsprachige Diskussion in der Wissenschaft, Politik, Gewerkschaften, den Medien und interessierten &Ouml;ffentlichkeit zug&auml;nglich zu machen. Die Arbeit ist schlie&szlig;lich im September 2011 im Metropolis Verlag unter dem Titel &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.metropolis-verlag.de\/Politische-Oekonomie-der-Alterssicherung\/872\/book.do\">Politische &Ouml;konomie der Alterssicherung<\/a>&ldquo; erschienen und die zentrale Forschungsfrage lautet: &Uuml;ber welche grunds&auml;tzlichen Diskurse und Argumentationsstr&auml;nge seit den 1970er Jahren konnte die orthodoxe Reform der Organisation und Finanzierung der Alterssicherung als alternativlos pr&auml;sentiert werden? Inhaltlich werden dazu die sozialpolitischen, demographischen und &ouml;konomischen Kernthesen herausgearbeitet und insbesondere die Annahmen &uuml;berpr&uuml;ft, auf denen die sozialpolitischen und makro&ouml;konomischen Aussagen allesamt basieren. Und <strong>so l&auml;sst sich klar und differenziert zeigen, dass die g&auml;ngigen Behauptungen der orthodoxen Reformagenda bei der Organisation und Finanzierung der Alterssicherung immer nur unter &auml;u&szlig;erst strengen, oft v&ouml;llig irrealen Modellrestriktionen &uuml;berzeugen<\/strong>.<\/p><p>Hiermit sind <em><strong>erstens<\/strong><\/em> <strong>die g&auml;ngigen Interpretationen &uuml;ber die demographische Alterung der Gesellschaft und Generationengerechtigkeit<\/strong> gemeint, mit denen eine Abkehr von den umlagefinanzierten Systemen aus bev&ouml;lkerungstheoretischen Gr&uuml;nden als zwingend gilt. Neben diesen oft nur modern verpackten Ansichten um die alte Bev&ouml;lkerungsfrage der Sozialwissenschaft ist <em><strong>zweitens<\/strong><\/em> <strong>die Analyse der &ouml;konomischen Grundpositionen<\/strong> entscheidend f&uuml;r die Beurteilung. Hier sticht besonders die auch im Zuge der &bdquo;Eurokrise&ldquo; bis heute verbreitet Auffassung hervor, dass ein <strong>verst&auml;rktes Sparen auf jeden Fall positiv f&uuml;r die Entwicklung der Investitionen und damit das gesamtwirtschaftliche Wachstum<\/strong> sei. Auf eben dieser Kausalit&auml;tskette zwischen sparen, investieren und wachsen fu&szlig;en letztlich alle Idee &uuml;ber die prinzipielle Vorteilhaftigkeit der kapitalgedeckten Finanzierung der Alterssicherung (oder wie j&uuml;ngst die favorisierte kapitalgedeckten Komponente in der Pflegeversicherung, der so genannte Pflege-Bahr). Es ist damit klar, dass diese Argumentation nur auf einem eindeutig orthodoxen (neoklassisch\/neoliberal) theoretischen Ansatz begr&uuml;ndet werden kann &ndash; alles andere w&uuml;rde schon logisch v&ouml;llig unsinnige Ergebnisse aufweisen.<\/p><p><em><strong>Drittens<\/strong><\/em> muss dieses makro&ouml;konomische Glaubensbekenntnis zwingend erg&auml;nzt werden von <strong>einer speziellen Kapitalmarkttheorie und Interpretation der finanziellen Globalisierung<\/strong>. Denn ohne diese Versatzst&uuml;cke g&auml;be es nicht ansatzweise eine konsistente Begr&uuml;ndung f&uuml;r den favorisierten Aufbau eines finanziellen Kapitalstocks zur Alterssicherung. Ebenso lie&szlig;e sich nicht behaupten, die nationale und\/oder internationale Kapitalanlage w&uuml;rde zu einem &bdquo;automatischen&ldquo; Wachstum eines produktiven Kapitalstocks f&uuml;hren, um so den Konsum der wachsenden Gruppe der Alten zuk&uuml;nftig konkret befriedigen zu k&ouml;nnen.<\/p><p>Bei der Konzentration auf die Analyse der Kernargumente der Gegenreform kann die komplexe Entwicklung der nationalen Systeme zwar nicht im Detail abgebildet werden. Ein solcher Versuch w&auml;re aber auch weder zielf&uuml;hrend noch notwendig, denn bei allen Unterschiede in der Gesetzgebung und wohlfahrtsstaatlichen Entwicklung &uuml;berwiegen die Gemeinsamkeiten beim Auf-und Ausbau der umlagefinanzierten Alterssicherung bis in die 1970er Jahre. Auch im Anschluss an diese Phase wird f&uuml;r die Umsetzung von &bdquo;Reformen&ldquo; in den Industrienationen mit identischen Argumenten geworben. Folglich konzentriert sich die Untersuchung auf die von allen Reformbef&uuml;rwortern st&auml;ndig angef&uuml;hrten Unterschiede der <em>institutionellen Organisation<\/em> (Staat vs. Markt) und <em>Finanzierungsform<\/em> (Umlageverfahren vs. Kapitaldeckung). Faktisch sind zwar alle Systeme der Alterssicherung schon immer als Mischsystem konzipiert, <strong>aber eines der Kennzeichen der Reformdiskurse seit den 1970er Jahren ist die polarisierte Darstellung und nicht die Differenzierung<\/strong>. Der m&ouml;gliche Vorwurf &uuml;bertriebener Zuspitzung und\/oder gar falschen Typologisierung f&auml;llt damit zuvorderst auf die Bef&uuml;rworter des orthodoxen Reformparadigmas bei der Organisation und Finanzierung der Alterssicherung zur&uuml;ck.<\/p><p>Zur Identifikation und Kritik der Positionen wird in der Untersuchung ein mehrdimensionaler Ansatz gew&auml;hlt: <em>Zum einen<\/em> werden die theoretischen Grundlagen der typischen Argumente herausgearbeitet, in einen sozialhistorischen Kontext eingeordnet und die zentralen Begriffe und Thesen auch dogmengeschichtlich bewertet. <em>Zum anderen<\/em> werden die entscheidenden &ouml;konomischen Behauptungen formal\/mathematisch analysiert und die grunds&auml;tzlichen real- und finanzwirtschaftlichen &Uuml;berlegungen durch Beispiele und empirische Darstellungen kontrastiert und erg&auml;nzt. Schlie&szlig;lich werden die in der internationalen Debatte hinl&auml;nglich bekannten kritischen Ans&auml;tze geb&uuml;ndelt, wichtige Forschungsl&uuml;cken geschlossen und so der polit&ouml;konomische Diskurs um die Begr&uuml;ndung und vor allem die strukturellen Folgen der so genannten &bdquo;Privatisierung&ldquo; der Alterssicherung erweitert.<\/p><p>Um den besonderen Charakter und die theoretische Basis der orthodoxen Reformdebatte, ihrer zentralen Argumentationen und Annahmen herauszuarbeiten, ist die Arbeit in zwei Forschungsebenen gegliedert: Sie besteht somit in den ersten drei inhaltlichen Kapiteln aus einem historisch-theoretischen Teil, in dem die Entwicklung der Alterssicherung, demographische Interpretationen und das Verst&auml;ndnis von Generationengerechtigkeit diskutiert werden. Dieser &uuml;berwiegend deskriptive Teil verdeutlicht die sozialpolitische Diskursverschiebung seit Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Im &ouml;konomischen Teil der anschlie&szlig;enden drei Kapitel werden die dem dominanten &ouml;konomischen Ansatz unterliegenden Behauptungen, Annahmen und Begriffe dogmengeschichtlich und theoretisch eingeordnet. Diese &bdquo;Kernerarbeit&ldquo; ist notwendig, um die entsprechenden<br>\nwachstums-, verteilungs-, kapitalmarkt- und bev&ouml;lkerungstheoretischen Grundargumente zu identifizieren und sowohl auf ihre immanente Logik zu &uuml;berpr&uuml;fen als auch mit alternativen Aussagen zu kontrastieren. Die Analyse wird abschlie&szlig;end durch die Darstellung zentraler Eckpunkte der Entwicklungen auf dem Geld- und Kapitalmarkt (&bdquo;finanzielle Globalisierung&ldquo;) seit den 1970er Jahren erg&auml;nzt.<\/p><p><strong>Ergebnisse<\/strong><\/p><p>In der vorliegenden Arbeit werden an den entsprechenden Stellen der spezielle Charakter und die Entwicklung der Debatte &uuml;ber die Reform der Organisation und Finanzierung Alterssicherung identifiziert und der Realit&auml;tsgehalt der Botschaft vom alternativlosen Auf- und Ausbau der privaten, kapitalgedeckten Altersvorsorge aus <em>sozialpolitischen, demographischen und &ouml;konomischen<\/em> Gr&uuml;nden theoretisch wie empirisch &uuml;berpr&uuml;ft. <strong>Das Ergebnis f&auml;llt eindeutig aus: trotz intensiver Forschung und jahrzehntelanger Debatte sind die Behauptungen f&uuml;r eine st&auml;rkere Orientierung auf ein privates, kapitalfundiertes System allesamt nicht &uuml;berzeugend<\/strong>. Ungeachtet der Form und Ausgestaltung der Alterssicherung sind die Annahmen und Argumente weder immanent schl&uuml;ssig, logisch oder konsistent, noch &uuml;berzeugen sie angesichts realer Erfahrungen und im Licht eines mindestens gleichwertigen alternativen &ouml;konomischen (post-keynesianischen) Ansatzes.<\/p><p>In dieser prim&auml;r theoretischen Kritik geht es nicht um die wissenschaftliche Banalit&auml;t, dass eine Theorie nie die Realit&auml;t abbilden kann und also stets vereinfachte Annahmen zu treffen sind, um Hypothesen zu formulieren. Entscheidend f&uuml;r die vorliegende Bewertung ist einzig, ob die angef&uuml;hrten Hypothesen bei Aufgabe zentraler Annahmen haltbar sind. In dieser Hinsicht mag die orthodoxe Reformagenda in Teilen konsistent begr&uuml;ndet sein. Wesentliche Erkl&auml;rungen und Aussagen werden aber sofort hinf&auml;llig, sobald die spezifischen Bedingungen und Annahmen der Theorie keine G&uuml;ltigkeit mehr besitzen. In dieser Hinsicht wird in der Arbeit Milton Friedmanns (1953) ber&uuml;hmte Position zur&uuml;ckgewiesen, dass selbst irreale Annahmen die Aussagef&auml;higkeit und Relevanz einer &ouml;konomischen Theorie &ndash; gemeint war von Friedmann explizit die Neoklassik &ndash; nicht beeintr&auml;chtigen w&uuml;rden. Dies gilt aber immer nur f&uuml;r Annahmen &uuml;ber bestimmte Prozesse ohne oder mit einem zu vernachl&auml;ssigenden Effekt oder f&uuml;r heuristische Annahmen. D.h. f&uuml;r offensichtlich falsche Annahmen, die berechtigt sind, um in einem ersten Schritt den Sachverhalt vereinfacht darzustellen und bei der Ausarbeitung einer umfassenderen bzw. besseren Theorie aufgegeben werden.<\/p><p>Dagegen wird in der Arbeit dezidiert dargelegt, dass die Annahmen und Hypothesen zur Reform der Finanzierung und Organisation der Alterssicherung alle grunds&auml;tzlicher Art sind, da sie die Konditionen definieren, die in jedem Fall erf&uuml;llt sein m&uuml;ssen, damit die daraus abgeleiteten Aussagen g&uuml;ltig sind. Diesen &bdquo;Lackmus-Test&ldquo; bestehen nun aber die tragenden Annahmen und die darauf aufbauenden Argumente nicht. Und genau <strong>deshalb l&auml;sst sich die prinzipielle Vorteilhaftigkeit der privaten, kapitalgedeckten Finanzierung der Alterssicherung auch nicht valide belegen: Weder l&ouml;st sie die stets angef&uuml;hrten demographischen Probleme oder vermindert die &bdquo;Ungerechtigkeit&ldquo; zwischen Generationen, noch ergeben sich die als notwendig betrachteten realwirtschaftlichen Wachstumseffekte. Im Gegenteil wird durch den Auf- und Ausbau der kapitalgedeckten Finanzierung stets das realwirtschaftliche Wachstum begrenzt und der Erfolg dieser Strategie auf der &bdquo;realwirtschaftlichen&ldquo; Ebene weitgehend unm&ouml;glich. Aber vor allem sind die zentralen finanzmarkttheoretischen &Uuml;berlegungen, die conditio sine qua non jedes Auf- und Ausbaus und jeder Umstellung auf eine kapitalgedeckte Finanzierung, v&ouml;llig unhaltbar und hoch problematisch<\/strong>. Nicht zuletzt die j&uuml;ngste Finanz- und Wirtschaftskrise seit 2007\/08 hat dies neuerlich und schlagartig gezeigt, was selbst bis in den wirtschaftswissenschaftlichen Mainstream au&szlig;erhalb der wenig erhellenden deutschen Debatte anerkannt wird.<\/p><p><strong>Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen und v&ouml;llig ungel&ouml;sten strukturellen Probleme auf den globalen Finanzm&auml;rkten ist eine generelle &Uuml;berpr&uuml;fung des  Reformparadigmas bei der Finanzierung und Organisation der Alterssicherung angebracht.<\/strong> Aber selbst jenseits akuter Krisen liefert die mehrdimensionale Untersuchung zahlreiche Argumente und Ergebnisse f&uuml;r die sozialpolitische, &ouml;konomische und &ouml;ffentliche Debatte, um &uuml;ber Eckpunkte einer effizienten sowie sozialpolitisch gerechte Alterssicherung f&uuml;r die Mehrheit der Bev&ouml;lkerung nach Dekaden verfehlter &bdquo;Reformen&ldquo; rational zu diskutieren. Eine solche Debatte ist angesichts der Probleme mehr als &uuml;berf&auml;llig, die sich aus dem Ausbau der kapitalgedeckten Finanzierung der Alterssicherung, dem Problem wachsender Altersarmut, der massiven Diskreditierung der gesetzlichen Rentenversicherung und Unsumme ergeben, die ein gesellschaftlich ineffizienter und krisenanf&auml;lliger Ansatz st&auml;ndig verschlingt.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] Christian Christen: Wirtschaftswissenschaftler\/Publizist; Promotion an der Uni Bremen bei Prof. J&ouml;rg Huffschmid, z.Zt. Referent f&uuml;r Wirtschaftspolitik im Deutschen Bundestag, Fraktion Die LINKE. Forschungs- und Arbeitsschwerpunkte: Theorie und Entwicklung von Finanzierung\/Organisation der Alterssicherung und des Sozialstaates, Grundlagen der Wirtschaftstheorie und Wirtschaftspolitik, Internationale Wirtschaftsprobleme, Neoliberalismus und Globalisierung, Konzeption und Strategien der extremen Rechte in Europa (Schwerpunkt Italien).<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sp&auml;testen seit den 1970er Jahren setzte sich in der tonangebenden sozialpolitischen, &ouml;konomischen und &ouml;ffentlichen Debatte nach und nach die &Uuml;berzeugung durch, dass ein &uuml;ber Steuern und\/oder Abgaben im Umlageverfahren finanziertes staatlich organisiertes System der Alterssicherung ungerecht, ineffizient und aufgrund demographischer Entwicklungen in Zukunft nicht l&auml;nger finanzierbar sei. 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