{"id":139089,"date":"2025-09-16T13:00:31","date_gmt":"2025-09-16T11:00:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=139089"},"modified":"2025-09-16T14:39:11","modified_gmt":"2025-09-16T12:39:11","slug":"die-linke-opportunismus-oder-antwort-auf-die-neuen-zeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=139089","title":{"rendered":"DIE LINKE \u2013 Opportunismus oder Antwort auf die neuen Zeiten?"},"content":{"rendered":"<p>Die Wiederauferstehung der Partei Die LINKE ist erstaunlich. Lange totgesagt schaffte sie es sogar bei den Kommunalwahlen in NRW auf 5,6 Prozent. Bei der Bundestagswahl im Februar erreichte sie sogar 8,8 Prozent. Ihre R&uuml;ckkehr in den parlamentarischen Raum kann sie mit dem Ergebnis in NRW, dem gr&ouml;&szlig;ten aller Bundesl&auml;nder, weiter festigen. Aber was f&uuml;r eine Partei ist DIE LINKE heute? Was hat sie noch mit der alten LINKEN zu tun? Von <strong>Alexander Neu<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nAls ich mir vor einiger Zeit das <a href=\"https:\/\/taz.de\/Neue-Linken-Fraktion-im-Bundestag\/!6069978\/\">Gruppenbild<\/a> der Bundestagsfraktion DIE LINKE angeschaut habe, musste ich feststellen, dass ich von den 64 Abgeordneten nur noch 20 kenne &ndash; eine mir fremde Fraktion. Dabei bin ich von der Gr&uuml;ndung der Partei bis 2021 eng mit der Fraktion verbunden gewesen, zun&auml;chst acht Jahre als Referent, anschlie&szlig;end zwei Wahlperioden als Abgeordneter. Ende 2023 bin ich schlie&szlig;lich ausgetreten, da ich mich mit der neuen Ausrichtung der Partei nicht identifizieren konnte. <\/p><p>Die 44 mir nicht bekannten Abgeordneten geh&ouml;ren nahezu vollst&auml;ndig der j&uuml;ngeren Generation an. Die Verj&uuml;ngung einer Partei und ihrer Fraktion ist zun&auml;chst einmal durchaus richtig, um auch anderen Generationenperspektiven Raum zu geben. Wenn allerdings diese j&uuml;ngeren Generationenperspektiven &uuml;berproportional vertreten sind, kann dies auch nachteilig sein. Und damit ist nicht allein die Frage differenzierter Interessen zwischen den Generationen gemeint, wie beispielsweise Klimapolitik versus Rentenpolitik, sondern auch tats&auml;chlich politische Erfahrungswerte, zeithistorische Kenntnisse, die &auml;ltere Generationen naturgem&auml;&szlig; eher besitzen als j&uuml;ngere Generationen. Denn gerade diese zeithistorischen, erfahrungsbasierten Kenntnisse sind keine nur durch Medien vermittelten Kenntnisse, sondern direkte Erfahrungswerte. Diese sind wichtig, um politische Aussagen und Entscheidungen auch auf ihren wahren Gehalt hin zu verstehen. Ansonsten besteht die sehr reale Gefahr, dass die anderen Fraktionen buchst&auml;blich mit der LINKEN-Fraktion Schlitten fahren.<\/p><p><strong>Wie Ph&ouml;nix aus der Asche<\/strong><\/p><p>Nach der Wahlschlappe bei der Bundestagswahl 2021, bei der DIE LINKE die F&uuml;nf-Prozent-H&uuml;rde nicht schaffte und nur dank dreier Direktmandate in den Bundestag einziehen konnte, dachten viele, dass es mit der LINKEN nur noch eine Frage einer sehr &uuml;berschaubaren Zeit, n&auml;mlich bis zur Bundestagswahl 2025, sein w&uuml;rde, bis sie in den Orkus der Geschichte verschwinden w&uuml;rde. Und tats&auml;chlich bewegte sich die Partei in den W&auml;hlerumfragen der diversen Umfrageinstitute in den Jahren 2022 bis Anfang 2025 zwischen drei und 4,5 Prozent. Selbst ein paar Wochen vor der Bundestagswahl lag sie stabil unter f&uuml;nf Prozent. Die Aufl&ouml;sungserscheinung der Fraktion erfuhr mit der Abspaltung des Wagenknechtfl&uuml;gels einen weiteren substanziellen Schub. Aus dem ohnehin nur knapp zu haltenden Fraktionsstatus wurde die LINKE mit der Abspaltung zur Bundestagsgruppe degradiert.<\/p><p>Die Wagenknechtabspaltung mit dem Namen BSW legte bei Umfragen enorm zu. Ein Einzug in den Bundestag schien im Sommer und Herbst 2024 v&ouml;llig unbestreitbar. Das BSW war der Newcomer &ndash; das B&uuml;ndnis bewegte sich zwischen Bewunderung und Diffamierung seitens der Medien. Der Aufstieg der jungen Partei ohne festgeschriebene Programmatik und wirkliche Strukturen auf kommunaler und Landesebene wurde zum Z&uuml;nglein an der Waage in Brandenburg und Th&uuml;ringen. Dort ging sie in die Landesregierungen. Ob dieser Schritt richtig oder falsch war, m&ouml;chte ich hier nicht thematisieren. Jedenfalls begann kurz danach der Stern des BSW bei Umfragen langsam, aber stetig zu sinken. Umgekehrt stiegen die Umfrageergebnisse f&uuml;r DIE LINKE wenige Wochen vor der Bundestagswahl wie durch Zauberhand. <\/p><p>Und tats&auml;chlich geschah das Wunder &ndash; oder auch nicht Wunder: DIE LINKE gewann am Wahlabend 8,8 Prozent, eine f&uuml;r Die LINKE insgesamt m&auml;&szlig;iges, angesichts ihrer Totsagung jedoch ein ph&auml;nomenales Ergebnis. Die Stimmen in der Partei, die seit Jahren behaupteten, DIE LINKE st&uuml;nde ohne Sahra Wagenknecht und ihren Kreis wesentlich besser da, sollten angesichts dieses unerwarteten Wahlergebnisses recht behalten. Das BSW hingegen verpasste knapp mit etwa 9.000 fehlenden Stimmen den Einzug in den Bundestag. Allerdings gibt es die berechtigte Annahme, dass bei einer Neuausz&auml;hlung diese n&ouml;tigen 9.000 Stimmen doch noch zustande kommen k&ouml;nnten. Eine beachtliche Zahl an Falschz&auml;hlungen und Korrekturen weisen darauf hin. Allerdings muss auch festgestellt werden, dass das BSW ohne die hausgemachten Fehler wahrscheinlich um die sieben bis acht Prozent h&auml;tte einfahren k&ouml;nnen, sodass eine Falschausz&auml;hlung um ein paar Tausend Stimmen den Einzug in den Bundestag nicht verhindert h&auml;tte.<\/p><p>Warum DIE LINKE so ein paar Wochen vor der Bundestagswahl an Zustimmung gewann, bedarf auch einer genauen Analyse. Auff&auml;llig ist jedoch, dass die LINKE in diesem kurzen Zeitraum pl&ouml;tzlich hochgeschrieben und das BSW eher runtergeschrieben wurde. Dieser Umstand ist sicherlich einer von vielen Faktoren, die DIE LINKE wieder souver&auml;n in den Bundestag hob. Die pl&ouml;tzliche positive Berichterstattung &uuml;ber DIE LINKE k&ouml;nnte etwas mit den personellen Ver&auml;nderungen (Abwesenheit des Wagenknechtfl&uuml;gels) und damit einhergehend politischen Positionsver&auml;nderungen zu tun haben, da die DIE LINKE den Mainstreammedien als weniger &bdquo;gef&auml;hrlich&ldquo; erschien als das BSW. Wie handzahm sich DIE LINKE dann bei der Kanzlerwahl zeigte, war beeindruckend. Davon einmal abgesehen d&uuml;rften die neuen Parteivorsitzenden Ines Schwerdtner und Jan van Aken f&uuml;r einen frischen Neustart gesorgt haben, nachdem die doch eher wenig charismatischen Vorg&auml;nger die Partei kontinuierlich in den Niedergang gef&uuml;hrt hatten.<\/p><p><strong>Vom Aufbruch der LINKEN zur schleichenden Anpassung<\/strong><\/p><p>DIE LINKE ist das Ergebnis einer Fusion der ostdeutschen PDS und der westdeutschen WASG. 2005 zog sie in den Bundestag ein. Die Fraktion war der Macht- und F&uuml;hrungskern, der auch im Wesentlichen im Sommer 2007 die Fusion beider Parteien absicherte. Die Bundestagswahl 2009 mit dem Duo Oskar Lafontaine und Gregor Gysi brachte das bislang st&auml;rkste Ergebnis mit 11,9 Prozent f&uuml;r die Partei. Dieses Ergebnis war Ausdruck einer zumindest nach au&szlig;en hin weitgehend geschlossenen Partei mit klaren politischen Vorstellungen &ndash; insbesondere auch in meinem Fachbereich der internationalen Politik. Frieden, Abr&uuml;stung und eine neue, auf Ausgleich bezogene europ&auml;ische Sicherheitsarchitektur, ein europ&auml;isches System der kollektiven Sicherheit statt der NATO und ihrer Erweiterungspolitik. Das V&ouml;lkerrecht war die Richtschnur des Formulierens unserer damaligen au&szlig;enpolitischen Positionen. So hei&szlig;t es im Grundsatzprogramm der LINKEN, das 2011 verabschiedet wurde und erstaunlicherweise bis heute gilt, obschon die politische Ausrichtung faktisch ver&auml;ndert wird:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Wir fordern die Aufl&ouml;sung der NATO und ihre Ersetzung durch ein kollektives Sicherheitssystem unter Beteiligung Russlands, das Abr&uuml;stung als ein zentrales Ziel hat. Unabh&auml;ngig von einer Entscheidung &uuml;ber den Verbleib Deutschlands in der NATO wird DIE LINKE in jeder politischen Konstellation daf&uuml;r eintreten, dass Deutschland aus den milit&auml;rischen Strukturen des Milit&auml;rb&uuml;ndnisses austritt und die Bundeswehr dem Oberkommando der NATO entzogen wird.<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Die au&szlig;enpolitische Position der Partei DIE LINKE war damals das absolute Alleinstellungsmerkmal im Parteienspektrum der im Bundestag vertretenen Parteien. Aber auch genau diese Positionierung war f&uuml;r die &uuml;brigen Parteien und die Mainstreammedien nicht akzeptabel. Noch bei der Bundestagwahl 2021 forderten Die Gr&uuml;nen, DIE LINKE m&uuml;sse sich zur NATO bekennen. Und tats&auml;chlich scheint die NATO im politischen Berlin eine Staatsr&auml;son darzustellen. Ohne ein solches Bekenntnis, welches die Gr&uuml;nen viele Jahre zuvor brav geliefert hatten und mittlerweile zu den f&uuml;hrenden NATO-Protagonisten geworden sind, gibt es bislang keine politische und massenmediale Akzeptanz.<\/p><p>Mit der &Uuml;bernahme des Parteivorsitzes von Katja Kipping und Bernd Riexinger begann ab Mitte der 2010er-Jahre der allm&auml;hliche, aber kontinuierliche Abstieg in den Umfragen und Wahlergebnissen. Bis zu deren Wahl war die Partei, etwas vereinfacht ausgedr&uuml;ckt, in zwei Lager aufgeteilt: die ostdeutschen &bdquo;Reformer&ldquo;, die bisweilen den Willen zur Regierungsbeteiligung &uuml;ber die eigenen Inhalte setzten, auf der einen Seite und die westdeutschen Linken-LINKEN, die die Programmatik klar im Auge hielten und die Partei eher in der Opposition sehen wollten, als sie durch Regierungsbeteiligungen auszuverkaufen. Die Einf&uuml;hrung des Mindestlohns war ein Erfolg der LINKEN aus der Position der Opposition heraus. Lieber aus der Opposition etwas bewegen, als in der Regierungsbeteiligung gel&auml;hmt zu werden, war auch meine Devise. Und die Regierungsbeteiligungen auf Landesebenen in Berlin, Brandenburg, Th&uuml;ringen und Bremen best&auml;rkten die Linken-LINKEN in der Partei, dass diese Art von Regierungsbeteiligung keine Politikgestaltung im linken Sinne darstellte, sondern lediglich den politischen Status quo verwalteten.<\/p><p>Selbst in Th&uuml;ringen, wo DIE LINKE den Ministerpr&auml;sidenten stellte, konnte man linke Politik in Anlehnung an die Programmatik mit der Lupe suchen. Jedenfalls f&uuml;hrten die Wahlniederlagen in den Bundesl&auml;ndern mit LINKER Regierungsbeteiligung nicht zu einem Umdenken. Die oft an den Wahlabenden angek&uuml;ndigten &bdquo;ehrlichen und schonungslosen&ldquo; Aufarbeitungen fanden nie statt &ndash; sie waren tats&auml;chlich nicht gewollt. Besonders nach den bereits verheerenden Ergebnissen der Wahlen zum EU-Parlament 2019 und den nicht weniger dramatischen Wahlergebnissen in Brandenburg und Sachsen sollte eine Aufarbeitung stattfinden. Hierzu wurde eine &bdquo;Strategiekonferenz&rdquo; im Februar 2020 einberufen. Die federf&uuml;hrenden Kr&auml;fte des Karl-Liebknecht-Hauses zeigten indes wenig Interesse an einer Aufarbeitung der Wahlniederlagen, sondern verfolgten eine etwas andere Debatte: einen Werbefeldzug f&uuml;r rot-rot-gr&uuml;n. Die dort anwesende Basis hingegen wandte sich mehrheitlich gegen Rot-rot-gr&uuml;n-Phantasien und forderte die Aufarbeitung, die aber auf der Strategiekonferenz entgegen der Zusage tats&auml;chlich nicht stattfand.<\/p><p>Aber auch die Linken-LINKEN waren in der Frage der Opposition gespalten: die einen, die fundamental auf Oppositionspolitik setzten, und die anderen, die sich nicht generell einer Regierungsbeteiligung verweigerten, jedoch klare Haltelinien formulierten, die es einzuhalten galt. Zu diesen Vertretern geh&ouml;rte ich. Konnten sich die sogenannten &bdquo;Reformer&ldquo; und die Linken-LINKEN im Prinzip immer wieder auf die disziplinierende Einsicht einigen, dass man nur zusammen stark sein k&ouml;nne, wobei den &bdquo;Reformern&ldquo; dabei im Osten weitgehend freie Hand bei ihren Regierungsbeteiligungstiraden bis zur programmatischen Selbstaufgabe, ja geradezu Verleugnung gelassen wurde, so &auml;nderte sich die innerparteiliche Zusammensetzung allm&auml;hlich mit der &Uuml;bernahme durch Katja Kipping. Eine neue Gruppe bildete sich, vorwiegend aus dem bildungsb&uuml;rgerlichen-studentischen Milieu, mit einer, wie wir es heute sagen w&uuml;rden, woken Ausrichtung.<\/p><p>Diese Gruppe wurde &bdquo;Mittelerde&ldquo; genannt. Sie positionierte sich zwischen den &bdquo;Reformern&ldquo; und den Linken-LINKEN, hatte aber durchaus erhebliche Sympathien aus dem &bdquo;Reformerlager&ldquo;. Bei so manchem &bdquo;Reformerfunktion&auml;r&ldquo; wurde die Zuordnung immer schwieriger. Jedenfalls zeigte sich im Laufe der Jahre, dass diese &bdquo;Mittelerde&ldquo;-Gruppe, die auch in der Bundestagsfraktion durchaus stark vertreten war, in ihrem politischen Verst&auml;ndnis nicht kompromissbereit war. Die letzten Jahre der Fraktionssitzungen zwischen 2017 bis 2021, an denen ich teilnahm, waren ein politisches Elend. Sahra Wagenknecht und ihre Gruppe wurden nahezu pausenlos angegriffen, inklusive Unterst&uuml;tzung einiger Massenmedien, die sich gen&uuml;sslich daran beteiligten. Inhaltliche Debatten wurden immer schwieriger und manche auch nicht mehr gef&uuml;hrt. Diese Angriffe auf Wagenknecht und ihre Gruppe gingen auch nach meinem Ausscheiden 2021 weiter, bis Wagenknecht 2023 die LINKE schlussendlich verlie&szlig; und ihr neues Parteiprojekt BSW vorantrieb. In den Augen der &bdquo;Mittelerde&ldquo; blieb sie das Feindbild. Sie wurde von ihnen gemobbt und alles M&ouml;gliche unternommen, um sie aus der Partei zu dr&auml;ngen, da man davon &uuml;berzeugt war, dass ohne Wagenknecht und ihre Gruppe die Partei wieder Erfolg haben w&uuml;rde. So &auml;u&szlig;erte sich der gegenw&auml;rtige Parteivorsitzende Jan van Aken in der Berliner Runde am 23. Februar 2025: &bdquo;<em>200 mussten gehen, damit 20.000 kommen konnten<\/em>&ldquo;.<\/p><p><strong>Die Zukunft der Partei DIE LINKE<\/strong><\/p><p>Die Analyse der Mitgliederzahlen best&auml;tigen van Akens Aussage. Verlor DIE LINKE in den letzten Jahren zunehmend an Mitgliedern, besonders auch im Osten angesichts ihrer Altersstruktur, so nahm die Mitgliederzahl ab Ende 2024 rapide zu. Am 31. Dezember 2024 gab es rund 58.000 Mitglieder. Bis August 2025 hat sich die Zahl auf rund 118.000 verdoppelt, so zumindest die Medienberichterstattung. Die neuen Mitglieder der Partei DIE LINKE verf&uuml;gen jedoch in erheblichem Ma&szlig;e &uuml;ber einen anderen sozialen und politischen Hintergrund. Laut diverser Medienberichte seien die Neumitglieder vorwiegend aus dem Westen, weiblich und jung. Die Alterskohorte der Neumitglieder verj&uuml;ngt die Partei erheblich. Angeblich soll das Durchschnittsalter der Neumitglieder 28 Jahre sein und damit den Gesamtaltersdurchschnitt der Mitglieder auf 43 Jahre gesenkt haben. Dieses Bild zeigt sich eben auch in der Struktur der neuen LINKEN Bundestagsfraktion. DIE LINKE ist eine neue Partei mit einer neuen Fraktion. Alte Haudegen wie G. Gysi und Dietmar Bartsch wirken eher wie Personen aus einer anderen Welt in der Fraktion.<\/p><p>Mit der personellen Neuaufstellung der Partei und der Fraktion &auml;ndert sich auch die politische Positionierung &ndash; zumindest von den Positionen, die die Wagenknechtgruppe verk&ouml;rperte und die mit dem Grundsatzprogramm &uuml;bereinstimmten. Dies zeigt sich auch in der Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik. Obschon das alte Programm noch in Kraft ist, weichen die zu vernehmenden &Auml;u&szlig;erungen aus der Bundestagsfraktion bei genauer Analyse der Aussage durchaus von der Programmatik ab. Wenn der Parteivorsitzende van Aken eine &bdquo;starke Bundeswehr f&uuml;r die landes- und die europ&auml;ische Verteidigung&ldquo; fordert, so unterscheidet sich dies ganz klar von der fr&uuml;heren Linie. Zwar haben auch wir eine Bundeswehr zur Landesverteidigung gefordert, aber eben auch ganz klare Vorstellungen ihrer daf&uuml;r notwendigen Defensivkapazit&auml;ten ausformuliert. Eine B&uuml;ndnisverteidigung oder eine europ&auml;ische Verteidigungskapazit&auml;t wurde abgelehnt. <\/p><p>Auch die L&ouml;sungsvorschl&auml;ge zur Ukraine sind bisweilen recht undifferenziert. So fordert van Aken das Kapern russischer &Ouml;ltanker in der Ostsee, ohne die v&ouml;lkerrechtlichen und durchaus m&ouml;glichen gef&auml;hrlichen milit&auml;rischen Reaktionen der russischen Seite in Betracht zu ziehen; oder &uuml;berhaupt auf die Idee zu kommen, dass das Kapern selbst einen V&ouml;lkerrechtsbruch darstellen k&ouml;nnte. Die Idee eines gemeinsamen europ&auml;ischen Sicherheitskollektivs scheint nicht mehr zu existieren. Zwar wird von einer &bdquo;europ&auml;ischen Sicherheitsarchitektur&ldquo; gesprochen, die die NATO ersetzen soll; wie diese jedoch ausschauen soll (ein kollektives Sicherheitssystem oder eine neue europ&auml;ische Milit&auml;rallianz) und wer Mitglied sein soll (auch die Ukraine, Wei&szlig;russland und Russland?), bleibt unerw&auml;hnt. Insgesamt wirken die Aussagen der neuen LINKEN sehr offen f&uuml;r verschiedene Interpretationen. Ob dies nun Absicht ist, um mit Blick auf k&uuml;nftige Regierungsbeteiligungen die au&szlig;enpolitische Positionierung zu flexibilisieren, oder einer mangelnden Sachkenntnis geschuldet oder sogar der Versuch ist, innerparteiliche Dispute &uuml;ber eine zu enge Festlegung zu verhindern, vermag ich nicht zu beurteilen. Auff&auml;llig ist jedoch, dass die Mainstreammedien mit dieser neuen LINKEN Partei wohlwollender umgehen als mit der LINKEN zwischen 2007 bis 2023.<\/p><p>Ob die neue Partei DIE LINKE eine Zukunft haben wird, ist derweil nicht fundiert zu beantworten. Vieles wird davon abh&auml;ngen, ob sie die richtigen Antworten auf die weltweiten Ver&auml;nderungen, die sich auch auf die gesellschafts- und innenpolitischen Fragen auswirken, liefert oder vielmehr das Mainstreamnarrativ reproduziert wird und damit zwar das Wohlwollen der Mainstreammedien und der woken studentisch\/akademisch urbanen Bev&ouml;lkerungsteile noch gewinnen kann, jedoch in der politischen Substanz eben Mainstream ist, der einen wachsenden Teil der Bev&ouml;lkerung nicht mehr bedient. Ein Blick auf die Positionen der linken Gruppen und Parteien des Globalen S&uuml;dens k&ouml;nnte hierbei durchaus hilfreich sein, um den globalen Transformationsprozess besser zu verstehen und links einzuordnen. Auch die Themen der Verteidigung des Sozialstaates sowie der Migrations- und Asylpolitik k&ouml;nnten die neue LINKE vor existenzielle Herausforderungen stellen, da die innergesellschaftlichen Konflikte hierzu zu wachsen scheinen.<\/p><p><small>Titelbild: Shutterstock \/ blue spruce media<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=105530\">Nun muss sich die Linkspartei einen neuen S&uuml;ndenbock suchen<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=123596\">Linken-Chefs verzichten auf die H&auml;lfte ihres Gehalts &ndash; und da sage wer, die Linkspartei verst&uuml;nde nichts von Populismus<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=98337\">Hat die Linkspartei noch eine Zukunft?<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=105706\">Dokumentiert: &bdquo;Warum wir DIE LINKE verlassen&ldquo; &ndash; Austrittserkl&auml;rung von Sahra Wagenknecht und neun weiteren Bundestagsabgeordneten<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/26a258e3c1734023a0828f85280681be\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Wiederauferstehung der Partei Die LINKE ist erstaunlich. Lange totgesagt schaffte sie es sogar bei den Kommunalwahlen in NRW auf 5,6 Prozent. Bei der Bundestagswahl im Februar erreichte sie sogar 8,8 Prozent. Ihre R&uuml;ckkehr in den parlamentarischen Raum kann sie mit dem Ergebnis in NRW, dem gr&ouml;&szlig;ten aller Bundesl&auml;nder, weiter festigen. 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