{"id":139209,"date":"2025-09-18T12:00:27","date_gmt":"2025-09-18T10:00:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=139209"},"modified":"2025-09-19T12:53:00","modified_gmt":"2025-09-19T10:53:00","slug":"bundesregierung-zu-un-genozid-bericht-und-rechtlichen-folgen-bis-dahin-ist-noch-ein-bisschen-zeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=139209","title":{"rendered":"Bundesregierung zu UN-Genozid-Bericht und rechtlichen Folgen: \u201eBis dahin ist noch ein bisschen Zeit\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Vor dem Hintergrund, dass die vom UN-Menschenrechtsrat eingesetzte unabh&auml;ngige Untersuchungskommission zum eindeutigen Schluss gekommen ist, dass Israel in Gaza V&ouml;lkermord begeht und dies auf 72 Seiten detailliert belegt, gab es zahlreiche Fragen in der BPK. Die <em>NachDenkSeiten<\/em> wollten u.a. wissen, ob die Bundesregierung angesichts dieses eindeutigen Befundes dabei bleibt, als einziges Land der Welt Israel im laufenden Hauptverfahren vor dem IGH (&bdquo;S&uuml;dafrika vs. Israel&ldquo;) gegen den Genozid-Vorwurf zu verteidigen. Selbst die USA tun dies wohlweislich nicht. Ebenso kam die Frage auf, wie die Bundesregierung es bewertet, dass laut der UN-Expertenkommission jedes Land sp&auml;testens seit Januar 2024 v&ouml;lkerrechtlich verpflichtet gewesen w&auml;re, Ma&szlig;nahmen zu ergreifen, &bdquo;um V&ouml;lkermord in Gaza zu verhindern&ldquo;, und die Kommission dabei explizit auf die Rolle Deutschlands verweist. Von <strong>Florian Warweg<\/strong>. <\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1879\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-139209-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180925_Bundesregierung_zu_UN_Genozid_Bericht_und_rechtlichen_Folgen_Bis_dahin_ist_noch_ein_bisschen_Zeit_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180925_Bundesregierung_zu_UN_Genozid_Bericht_und_rechtlichen_Folgen_Bis_dahin_ist_noch_ein_bisschen_Zeit_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180925_Bundesregierung_zu_UN_Genozid_Bericht_und_rechtlichen_Folgen_Bis_dahin_ist_noch_ein_bisschen_Zeit_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180925_Bundesregierung_zu_UN_Genozid_Bericht_und_rechtlichen_Folgen_Bis_dahin_ist_noch_ein_bisschen_Zeit_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=139209-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180925_Bundesregierung_zu_UN_Genozid_Bericht_und_rechtlichen_Folgen_Bis_dahin_ist_noch_ein_bisschen_Zeit_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"180925_Bundesregierung_zu_UN_Genozid_Bericht_und_rechtlichen_Folgen_Bis_dahin_ist_noch_ein_bisschen_Zeit_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/ZwermNKbML0\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p><strong>Hintergrund<\/strong><\/p><p><strong>UN-Untersuchungskommission: Vier Tatbestandsvarianten von V&ouml;lkermord sind in Gaza erf&uuml;llt<\/strong><\/p><p>Die Experten der vom UN-Menschenrechtsrat eingesetzten unabh&auml;ngigen Untersuchungskommission hatten am 16. September im Rahmen einer Pressekonferenz in Genf bekanntgegeben, dass ihre Untersuchung zum eindeutigen Schluss gekommen ist, dass Israel in Gaza einen V&ouml;lkermord begeht. Vier der f&uuml;nf in der UN-Konvention &uuml;ber die Verh&uuml;tung und Bestrafung von V&ouml;lkermord erw&auml;hnten Tatbest&auml;nde seien erf&uuml;llt (<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=139113\"><em>NachDenkSeiten<\/em> berichteten<\/a>). Die Kommission nannte als Tatbest&auml;nde: 1. T&ouml;tung, 2. schwere k&ouml;rperliche oder seelische Sch&auml;digung, 3. vors&auml;tzliche Schaffung von Lebensbedingungen, die auf die vollst&auml;ndige oder teilweise Zerst&ouml;rung der pal&auml;stinensischen Bev&ouml;lkerung abzielen sowie 4. Ma&szlig;nahmen zur Verhinderung von Geburten (die gesamte Pressekonferenz ist <a href=\"https:\/\/t.co\/1Bp2OqAT5w\">hier<\/a> einsehbar &ndash; der Bericht <a href=\"https:\/\/www.ohchr.org\/sites\/default\/files\/documents\/hrbodies\/hrcouncil\/sessions-regular\/session60\/advance-version\/a-hrc-60-crp-3.pdf\">hier<\/a>).<\/p><p>Den Vorsitz der Kommission hat die S&uuml;dafrikanerin Navi Pillay, ehemalige Richterin am Internationalen Strafgerichtshof und UN-Hochkommissarin f&uuml;r Menschenrechte, inne. Weitere Mitglieder sind der Inder Miloon Kothari, ehemaliger UN-Sonderberichterstatter, sowie der renommierte australische V&ouml;lkerrechtler Chris Sidoti. <\/p><p>Neben dem objektiven Tatbestand muss v&ouml;lkerrechtlich auch in subjektiver Hinsicht die Absicht hinzukommen, &bdquo;eine nationale, ethnische, rassische oder religi&ouml;se Gruppe als solche ganz oder teilweise zu zerst&ouml;ren&ldquo;. Dies ist, das <a href=\"https:\/\/www.lto.de\/recht\/nachrichten\/n\/bericht-un-kommission-israel-voelkermord-palaestinenser-gazastreifen\">f&uuml;hrt<\/a> auch die auf V&ouml;lkerrechtsfragen spezialisierte<em> LTO<\/em> aus, das entscheidende Merkmal des V&ouml;lkermordtatbestandes. F&uuml;r diese Zerst&ouml;rungsabsicht hat der Internationale Gerichtshof (IGH) strenge Ma&szlig;st&auml;be entwickelt. Im Verfahren &bdquo;Bosnien und Herzegowina gegen Serbien und Montenegro&ldquo; urteilte der IGH 2007, die Absicht m&uuml;sse die &bdquo;einzige vern&uuml;nftige Schlussfolgerung&ldquo; (&bdquo;only reasonable inference&ldquo;) aus den im konkreten Fall vorliegenden Beweisen sein.<\/p><p>Dies ist nach Auffassung der UN-Kommission in Gaza der Fall. In ihrem Bericht verweisen die Experten unter anderem auf die elfw&ouml;chige Totalabriegelung des Gazastreifens und die bewusste Blockade humanit&auml;rer Hilfe. Trotz Warnungen habe Israel diese Blockade fortgesetzt und v&ouml;lkerrechtlich verbindliche Anordnungen des IGH missachtet. Dieses Verhalten k&ouml;nne nur dadurch erkl&auml;rt werden, dass Israel auch die Zerst&ouml;rung der Gruppe der Pal&auml;stinenser bezweckt. Nach Aussage der UN-Kommission hatte Israel jegliche Mitarbeit bei der Untersuchung verweigert.<\/p><p><strong>Das IGH-Verfahren gegen Israel und die fragw&uuml;rdige Rolle Deutschlands<\/strong><\/p><p>Wegen des Genozid-Vorwurfs ist seit Dezember 2023 ein Verfahren beim IGH anh&auml;ngig, S&uuml;dafrika verklagte damals Israel. In bislang drei Eilentscheidungen vom 24. Januar, 28. M&auml;rz und 24. Mai 2024 hat der IGH Israel unter anderem aufgefordert, seine Verpflichtungen aus der V&ouml;lkermordkonvention einzuhalten und mehr humanit&auml;re Hilfe zuzulassen. In der letzten Anordnung forderte der IGH Israel auf, die Bodenoffensive in Rafah zu stoppen. Israel hat bisher weder seine Kriegsf&uuml;hrung angepasst, noch ist es bei anderen Aspekten auf den IGH eingegangen.<\/p><p>Festgestellt hat der IGH bislang allerdings nur die &bdquo;reale und unmittelbare Gefahr&ldquo; eines Genozids. Das Vorliegen eines V&ouml;lkermordes hat der IGH, im Gegensatz zur UN-Untersuchungskommission, bisher noch nicht best&auml;tigt. Wann es zu einer Anh&ouml;rung im Hauptsacheverfahren kommt, steht auch noch nicht fest. Im April 2025 hatte der IGH die Frist f&uuml;r die Klageerwiderung auf Bitten Israels bis Ende Januar 2026 verl&auml;ngert. Deutschland ist bezeichnenderweise das einzige Land weltweit, welches in diesem Hauptverfahren auf der Seite Israels auftritt und gegen den V&ouml;lkermord-Vorwurf verteidigen will. Das tun (wohlweislich) noch nicht einmal die USA. Gleichzeitig hatte Nicaragua am 1. M&auml;rz 2024 offiziell Klage vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) gegen Deutschland eingereicht. Das mittelamerikanische Land wirft der Bundesrepublik &bdquo;Beg&uuml;nstigung zum V&ouml;lkermord&ldquo; im Gazastreifen vor und begr&uuml;ndet dies mit der politischen, finanziellen und milit&auml;rischen Unterst&uuml;tzung Israels und der Streichung der Mittel f&uuml;r UNRWA. Die Bundesregierung reagierte in h&ouml;chst arroganter Manier und nannte die Klage &bdquo;haltlos&ldquo; (<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=112660\"><em>NachDenkSeiten<\/em> berichteten<\/a>). Ob diese Klage wirklich so &bdquo;haltlos&ldquo; ist, hinterfragen mittlerweile immer mehr V&ouml;lkerrechtler. <\/p><p>So hatte der australische V&ouml;lkerrechtler Christopher Sidoti und Mitglied der UN-Kommission bei der Vorstellung des Berichts auf die bisherigen Entscheidungen des IGH verwiesen und erkl&auml;rt, dass jedes Land, er nannte dabei explizit Deutschland, seit dem 24. Januar 2024 durch den IGH verpflichtet war, Ma&szlig;nahmen zu ergreifen, um einen V&ouml;lkermord in Gaza zu verhindern.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Jedes Land wurde vom Internationalen Gerichtshof darauf hingewiesen, dass in Gaza ein plausibles Risiko f&uuml;r V&ouml;lkermord bestand. Jedes Land war gem&auml;&szlig; dem Gesetz verpflichtet, nicht nur sch&ouml;ne Worte zu machen, sondern Ma&szlig;nahmen zu ergreifen, um V&ouml;lkermord zu verhindern. Diese Verpflichtung trat am 24. Januar 2024 in Kraft. (&hellip;) und gilt (auch) f&uuml;r Deutschland.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><div class=\"external-2click\" data-provider=\"X (Twitter)\" data-provider-slug=\"twitter\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Tweets werden Daten an X (ehemals Twitter) &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von X (Twitter) zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><blockquote class=\"external-2click-target twitter-tweet\" data-media-max-width=\"560\">\n<p lang=\"en\" dir=\"ltr\">\"Every country was put on notice by the ICJ that there was a plausible risk of genocide in Gaza.. every country became obliged under the law.. not to speak fine words, to take action to prevent genocide.. that obligation was activated on 24th Jan 2024\"<\/p>\n<p>Chris Sidoti spells it out <a href=\"https:\/\/t.co\/ruzBoXHpac\">pic.twitter.com\/ruzBoXHpac<\/a><\/p>\n<p>&mdash; Saul Staniforth (@SaulStaniforth) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/SaulStaniforth\/status\/1967877835185590641?ref_src=twsrc%5Etfw\">September 16, 2025<\/a><\/p><\/blockquote><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"twitter\">Inhalte von X (Twitter) nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><p> <\/p><p>Michael A. Becker, Assistenzprofessor f&uuml;r internationale Menschenrechte am Trinity College in Dublin, <a href=\"https:\/\/taz.de\/Ruestungsgueter-fuer-Krieg-in-Gaza\/!6110305\/\">erkl&auml;rte<\/a>, dass der erneute Anstieg der deutschen Waffenexporte ab Herbst 2024 &bdquo;sich f&uuml;r die deutsche Bundesregierung in den sp&auml;teren Phasen des Gerichtsverfahrens als riskant erweisen k&ouml;nnte&ldquo;.  Auch der deutsch-britische V&ouml;lkerrechtsprofessor Stefan Talmon kommt in der <em>taz<\/em> zu einer &auml;hnlichen Einsch&auml;tzung.<\/p><p>Hintergrund ist die Tatsache, dass nach einem zwischenzeitlichen R&uuml;ckgang der Waffenexporte im ersten Halbjahr 2024 die Bundesregierung zwischen Ende August und Ende Dezember 2024 Waffenlieferungen nach Israel im Wert von 147 Millionen Euro genehmigte &ndash; zehnmal mehr als in den ersten acht Monaten des Jahres. Zum Zeitpunkt des massiven Anstiegs an deutschen Waffenexporten hatten die Vereinten Nationen bereits einen detaillierten Bericht <a href=\"https:\/\/www.ohchr.org\/sites\/default\/files\/documents\/countries\/opt\/20241106-Gaza-Update-Report-OPT.pdf\">ver&ouml;ffentlicht<\/a>, der erstmals auf von den UN selbst verifizierten Todeszahlen basierte. Der Bericht kam zu dem Schluss, dass 70 Prozent der in Gaza get&ouml;teten Pal&auml;stinenser Frauen und Kinder seien. Ein Gro&szlig;teil der Toten sei durch Bombardements von Wohnh&auml;usern gestorben, der Anteil get&ouml;teter Kinder betrage 44 Prozent.<\/p><p>Gegen&uuml;ber dem <em>ZDF<\/em> erkl&auml;rte die an der Universit&auml;t Oxford t&auml;tige V&ouml;lkerrechtsexpertin Janina Dill am 16. September auf die Frage, ob sich Deutschland v&ouml;lkerrechtlich &bdquo;mitschuldig macht&ldquo; am Genozid in Gaza, ohne zu z&ouml;gern:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Auf jeden Fall&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><div class=\"external-2click\" data-provider=\"X (Twitter)\" data-provider-slug=\"twitter\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Tweets werden Daten an X (ehemals Twitter) &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von X (Twitter) zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><blockquote class=\"external-2click-target twitter-tweet\" data-media-max-width=\"560\">\n<p lang=\"de\" dir=\"ltr\">Deutschland hat sich mitschuldig am V&ouml;lkermord in Gaza gemacht. Das wurde so vorhin im ZDF gesagt. <a href=\"https:\/\/t.co\/D2vpQo9MGz\">pic.twitter.com\/D2vpQo9MGz<\/a><\/p>\n<p>&mdash; Michael Mayr (@Nightmare_Snake) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/Nightmare_Snake\/status\/1968052410749964714?ref_src=twsrc%5Etfw\">September 16, 2025<\/a><\/p><\/blockquote><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"twitter\">Inhalte von X (Twitter) nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><p> <\/p><p>Und was antwortet vor diesem skizzierten Hintergrund der Sprecher des Ausw&auml;rtigen Amtes auf die Frage der <em>NachDenkSeiten<\/em> zum weiteren Agieren der Bundesregierung in Bezug auf den mittlerweile auch von UN-Berichten untermauerten Genozid-Vorwurf gegen Israel:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ich werde mich jetzt nicht im Einzelnen zur Strategie in diesem Verfahren &auml;u&szlig;ern. Ich kann Ihnen aber sagen, dass die n&auml;chste Frist, um Papiere vorzulegen, im Januar 2026 endet, und bis dahin ist noch ein bisschen Zeit.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>&bdquo;&hellip; bis dahin ist noch ein bisschen Zeit&ldquo;, mag f&uuml;r die Mitarbeiter im AA sogar zutreffen, aber nicht f&uuml;r die von dem (jetzt auch von der UN-Kommission festgestellten) Genozid betroffene Bev&ouml;lkerung in Gaza.<\/p><p><strong>Auszug aus dem Wortprotokoll der Regierungspressekonferenz vom 17. September 2025<\/strong><\/p><p><strong>Fechtner (dts Nachrichtenagentur) <\/strong><\/p><p>Laut einer unabh&auml;ngigen Untersuchungskommission des UN-Menschenrechtsrats begeht Israel im Gazastreifen einen Genozid. &Auml;ndert dieser Bericht irgendwas an der Position der Bundesregierung zu dem Thema?<\/p><p><strong>Giese (AA)<\/strong><\/p><p>Dazu hat sich der deutsche Au&szlig;enminister schon gestern in einer Pressekonferenz mit seiner schwedischen Amtskollegin ge&auml;u&szlig;ert. Aber ich kann das gern wiederholen bzw. einordnen.<\/p><p>Die Bundesregierung hat den Bericht der Commission of Inquiry zur Kenntnis genommen. Wir respektieren das Mandat der Kommission, eigene Analysen der Lage in den pal&auml;stinensischen Gebieten zu erstellen, und nehmen das sehr ernst. Die Analysen der Kommission stehen f&uuml;r sich. Die Bundesregierung kann, wie das bei allen solchen Berichten der Fall ist, nicht alle Feststellungen und Schlussfolgerungen der Kommission im Einzelnen &uuml;berpr&uuml;fen.<\/p><p>V&ouml;llig klar ist allerdings, dass die im Bericht beschriebenen Vorf&auml;lle au&szlig;erordentlich besorgniserregend sind. In bewaffneten Konflikten sind alle Parteien an das humanit&auml;re V&ouml;lkerrecht gebunden. Dazu hat sich der Au&szlig;enminister gestern auch noch einmal sehr deutlich ge&auml;u&szlig;ert, wie ich gesagt habe.<\/p><p>Wir haben immer betont: Um das Leid in diesem Konflikt zu beenden, muss es einen schnellen Waffenstillstand geben, die Bev&ouml;lkerung in Gaza muss ausreichend humanit&auml;r versorgt werden, und die Geiseln m&uuml;ssen freigelassen werden. Daf&uuml;r setzt sich die Bundesregierung weiterhin mit allem Nachdruck ein.<\/p><p><strong>Towfigh Nia (freier Journalist)<\/strong><\/p><p>Herr Giese, Israel geht weiterhin massiv in Gaza-Stadt vor. Es gibt sehr hohe Todeszahlen. In den vergangenen 48 Stunden wurden mehrere Zeltst&auml;dte, in denen sich Frauen und Kinder befanden, bombardiert. Dazu h&auml;tte ich gern eine Reaktion.<\/p><p>Der amerikanische Au&szlig;enminister Marco Rubio hat gesagt, dass es wahrscheinlich keine politische L&ouml;sung f&uuml;r den Gazakrieg geben werde, sondern nur eine milit&auml;rische L&ouml;sung. Auch dazu h&auml;tte ich gern eine Stellungnahme.<\/p><p><strong>Regierungssprecher Kornelius<\/strong><\/p><p>Die Bundesregierung hat stets klargemacht, dass sie diese Milit&auml;roperation ablehnt, die lediglich zu mehr Toten, Verletzten und Vertriebenen f&uuml;hrt. Der Bundesau&szlig;enminister hat gestern dazu klar gesagt, die Offensive gehe in die vollkommen falsche Richtung. Wir lehnen das ab. Die Bundesregierung betont stets, dass ein sofortiger Waffenstillstand notwendig ist. Auch die humanit&auml;re Hilfe muss deutlich und massiv erfolgen. Sie flie&szlig;t immer noch in viel zu geringem Umfang. Die Bev&ouml;lkerung wird nicht ausreichend versorgt. Auch das Schicksal der Geiseln ger&auml;t im Lichte dieser anhaltenden Milit&auml;roperation in den Hintergrund. Die Priorit&auml;t m&uuml;sste darauf liegen, &uuml;ber die Freilassung der verbliebenen Geisel zu verhandeln.<\/p><p>Die Bundesregierung ist also sehr best&uuml;rzt &uuml;ber das Schicksal der Zivilbev&ouml;lkerung und die humanit&auml;re Situation. Im Gegensatz zu anderen Regierungen erkennen wir immer weniger, wie diese Milit&auml;roperation zielgerichtet zu einem nachhaltigen Frieden f&uuml;hren soll.<\/p><p><strong>Jessen (freier Journalist, kooperiert mit jung &amp; naiv)<\/strong><\/p><p>Meine Frage geht entweder an Herrn Kornelius oder an Herrn Giese. Die UN-Kommission hat ihre Beweisf&uuml;hrung auf 72 Seiten sehr ausf&uuml;hrlich dargelegt. Wenn die Bundesregierung das Urteil, dass vier von f&uuml;nf Genozidkriterien erf&uuml;llt seien, nicht teilt: Welchen Punkten des Berichts widerspricht die Bundesregierung, oder welche Punkt h&auml;lt sie nicht f&uuml;r schl&uuml;ssig?<\/p><p><strong>Giese (AA)<\/strong><\/p><p>Ich will an das ankn&uuml;pfen, was ich zu Anfang gesagt habe. Die Position der Bundesregierung ist bekannt. Die im Bericht behandelten Fragen sind aktuell Gegenstand von Verfahren, die vor internationalen Gerichten laufen. Es obliegt Gerichten, &uuml;ber derartige Vorw&uuml;rfe zu entscheiden. Darauf wird auch im Bericht ausdr&uuml;cklich hingewiesen. Nichtsdestoweniger ist nat&uuml;rlich sehr best&uuml;rzend, was darin geschildert wird; das ist ganz klar.<\/p><p><strong>Zusatzfrage<\/strong><\/p><p>Der Bericht sagt aber auch, dass jenseits der formaljuristischen Entscheidung eines Gerichts eine Einsch&auml;tzung und Bewertung der Vorg&auml;nge auch durch die Kommission selbst m&ouml;glich sei. Damit ist dies auch Regierungen m&ouml;glich.<\/p><p>Sie betonten mehrfach, dass die humanit&auml;re Lage katastrophal sei und dass dort V&ouml;lkerrecht verletzt werde. Warum sind Sie in der Lage, dies, was auch Teil des Berichts ist, nachzuvollziehen und zu sagen: &bdquo;Ja, so ist es&ldquo;, w&auml;hrend Sie sich hinsichtlich der anderen, genauso ausf&uuml;hrlich dokumentierten Vorw&uuml;rfe in Sachen Genozidkriterien nicht in der Lage sehen, sie zu beurteilen? Wie kommt das?<\/p><p><strong>Giese (AA)<\/strong><\/p><p>Zum einen hat der Regierungssprecher gerade ausf&uuml;hrlich dargestellt, was wir von der Offensive in Gaza halten und welche Auffassung die Bundesregierung dazu hat. Zum anderen geht es bei dem Thema, das Sie jetzt noch einmal aufgemacht haben, um eine juristische Bewertung, die sich aus Tatsachen und dar&uuml;ber hinaus nat&uuml;rlich auch aus Intentionen ergibt. Ich habe betont und will es noch einmal unterstreichen, dass diese juristische Bewertung Gerichten obliegt.<\/p><p><strong>Warweg<\/strong><\/p><p>Herr Giese, ich war ein bisschen &uuml;berrascht &uuml;ber die Nonchalance, mit der Sie die Relevanz dieses UN-Berichts beiseitegeschoben haben. Die deutsche Haltung war eigentlich grunds&auml;tzlich so, etwa auch im Fall &bdquo;Gambia gegen Myanmar&ldquo;, dass die Bundesregierung betont hat, dass UN-Berichte generell Beweiskraft haben. Wie der Kollege schon erw&auml;hnt hat, ist die aktuelle UN-Untersuchungskommission zu dem Schluss gekommen, dass Israel vier der f&uuml;nf in der UN-Konvention &uuml;ber die Verh&uuml;tung und Bestrafung des V&ouml;lkermordes erw&auml;hnten Tatbest&auml;nde erf&uuml;llt. V&ouml;lkerrecht reicht ein einziger, um zu dem Urteil &bdquo;Genozid&ldquo; zu kommen. Deswegen w&uuml;rde mich noch einmal interessieren: Wieso geht die Bundesregierung in diesem spezifischen Fall von ihrer grunds&auml;tzlichen Haltung ab, dass UN-Berichte im Fall von Genozideinsch&auml;tzungen grunds&auml;tzlich Beweiskraft haben?<\/p><p><strong>Giese (AA)<\/strong><\/p><p>Ich glaube, wir haben uns jetzt ausf&uuml;hrlich dazu ge&auml;u&szlig;ert, wie wir diesen Bericht einsch&auml;tzen.<\/p><p>Diesen Nonchalance-Vorwurf m&ouml;chte ich wirklich entschieden zur&uuml;ckweisen.<\/p><p><strong>Zusatzfrage Warweg<\/strong><\/p><p>Deutschland tritt ja im Hauptverfahren &bdquo;S&uuml;dafrika versus Israel&ldquo; vor dem IGH als einziges Land f&uuml;r die Seite Israels ein. Das tun wohlweislich noch nicht einmal die Vereinigten Staaten. Da w&uuml;rde mich interessieren: Bleibt die Bundesregierung denn dabei, oder plant sie sich angesichts der Ver&ouml;ffentlichung des UN-Untersuchungsberichts zur&uuml;ckzuziehen?<\/p><p><strong>Giese (AA)<\/strong><\/p><p>Ich werde mich jetzt nicht im Einzelnen zur Strategie in diesem Verfahren &auml;u&szlig;ern. Ich kann Ihnen aber sagen, dass die n&auml;chste Frist, um Papiere vorzulegen, im Januar 2026 endet, und bis dahin ist noch ein bisschen Zeit.<\/p><p><strong>Warweg<\/strong><\/p><p>Der Bericht der UN-Untersuchungskommission f&uuml;hrt ja auch aus, dass jedes Land sp&auml;testens seit dem 24. Februar 2024 durch den IGH verpflichtet gewesen sei, Ma&szlig;nahmen zu ergreifen, um V&ouml;lkermord in Gaza zu verhindern. Der australische V&ouml;lkerrechter und Mitglied der UN-Untersuchungskommission Christopher Sidoti nannte bei der Vorstellung des Berichts in diesem Zusammenhang auch explizit Deutschland. Da w&uuml;rde mich interessieren: Teilt denn die Bundesregierung diese Einsch&auml;tzung, dass sie seit dem 24. Januar 2024 dieser Verpflichtung unterlag?<\/p><p><strong>Giese (AA)<\/strong><\/p><p>Ich glaube, wir haben jetzt ausf&uuml;hrlich &uuml;ber den Inhalt dieses Berichts gesprochen, und ich habe dem nichts hinzuzuf&uuml;gen.<\/p><p><strong>Zusatzfrage<\/strong><\/p><p>Es geht nicht um diesen Aspekt, aber dann w&uuml;rde mich interessieren, welche konkreten Ma&szlig;nahmen die Bundesregierung denn durchgef&uuml;hrt hat, um mit dieser IGH-Verpflichtung konform zu gehen. Alles, was mir bekannt ist, ist eher ein Bruch derselben, also weitere Waffentransporte oder eine Ignorierung des Haftbefehls gegen Netanjahu.<\/p><p><strong>Kornelius<\/strong><\/p><p>Darauf kann ich vielleicht antworten. Die Bundesregierung hat eine F&uuml;lle von Ma&szlig;nahmen und Entscheidungen gegen&uuml;ber Israel getroffen und kommuniziert. Ich habe in meiner vorigen Antwort ausf&uuml;hrlich dazu Stellung genommen. All dies f&uuml;gt sich ein. Das geschieht nicht in Reaktion auf die von Ihnen erw&auml;hnte Forderung, sondern ist die grunds&auml;tzliche Haltung in der Israelpolitik der Bundesregierung. Sie hat sehr stark auf humanit&auml;re Hilfe gedr&auml;ngt. Es gab auch Momente, in denen diesem Druck nachgegeben wurde. Ich verweise noch einmal auf das, was ich vorhin gesagt habe: Die politische Erwartung der Bundesregierung und die tats&auml;chliche Politik der israelischen Regierung sind momentan nicht in Einklang zu bringen.<\/p><p><small>Titelbild: Screenshot NachDenkSeiten, Bundespressekonferenz 17.09.2025<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=139113\">Fazit der UN-Untersuchungskommission zu Gaza: &bdquo;Israel begeht Genozid am pal&auml;stinensischen Volk&ldquo;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=138851\">Gaza: Entmenschlichung als Voraussetzung f&uuml;r eine unmenschliche Politik<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=138140\">Bundesregierung zum Vorgehen Israels in Gaza: &bdquo;Absolut unertr&auml;glich hohe Zahl von get&ouml;teten Journalisten&ldquo;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=134283\">Ausw&auml;rtiges Amt sieht noch immer keine Verletzung des V&ouml;lkerrechts durch Israel in Gaza<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/193d79644c9241a3908de8c7ca769322\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor dem Hintergrund, dass die vom UN-Menschenrechtsrat eingesetzte unabh&auml;ngige Untersuchungskommission zum eindeutigen Schluss gekommen ist, dass Israel in Gaza V&ouml;lkermord begeht und dies auf 72 Seiten detailliert belegt, gab es zahlreiche Fragen in der BPK. 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